Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Schritt für Schritt

GeschichteRomance, Familie / P16 / Het
04.06.2020
29.08.2021
66
232.093
38
Alle Kapitel
220 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
13.05.2021 3.649
 
Kapitel 50 – Hochzeitsschmuck

Cana zögerte an der Tür zur Vorschule, dann beugte sie sich doch noch einmal zu Lexy hinunter.
„Du wirst heute vom Master abgeholt, das weißt du?“
Lexy verdrehte die Augen und nickte ungeduldig. „Jaaa. Du hast mir das schon tausendmal gesagt.“
Ophelia, die den Austausch mitbekommen hatte, räusperte sich. „Lexy, deine Mutter möchte nur sichergehen, dass das wirklich in Ordnung ist.“
„Ja, ist es. Gramps ist toll, er hat mir ganz viele Sachen gekauft und ich darf heute auch das Essen aussuchen.“ Lexy drehte sich zu Cana um und lächelte. „Geh ruhig auf einen Auftrag mit Papa. Solange ihr euch nicht streitet, dürft ihr zusammen Aufträge machen. Bis später.“ Mit diesen Worten eilte sie den Gang hinunter, wo Cana zwei Kinder ausmachen konnte, die wohl Malachy und Blue waren. Zumindest erzählte Lexy genug von den beiden und stürmte auch jetzt winkend auf sie zu.
„Lorelei hat mir von der Vergiftung erzählt.“ Cana wandte sich Ophelia zu, die an der Tür stehen geblieben war.
„Es war nichts Schlimmes. Nur eine sehr schmerzhafte Erfahrung.“
Ophelia verzog kurz die Mundwinkel zu einem Lächeln. „Sie hat mich auch gebeten, etwas netter zu Lexys Vater zu sein. Lorelei mag Lexy. Und dich ebenfalls, sogar über Laxus hat sie lobende Worte geäußert.“
Cana wandte unbehaglich den Blick ab und zuckte mit den Schultern. „Lorelei ist eine herzensgute Person. Ich hätte mir für sie gewünscht, dass es funktioniert hätte, ungeachtet meiner eigenen Gefühle.“
Ophelia seufzte. „Lorelei ist gutmütig, manchmal etwas zu sehr. Ich hoffe nur, dass ihr nächster Freund sie besser behandelt. Sie hat nur das Beste verdient. Doch Rufus scheint ihr bisher jeden Wunsch zu erfüllen. Zugegeben sind sie erst ein paar Mal miteinander ausgegangen, doch Lorelei ist langsam begeistert von ihm. Auch wenn sie sich noch nicht festgelegt haben, wird es in den nächsten Monaten eine Entscheidung geben. Soweit ich das beurteilen kann, sind sowohl sie als auch Rufus positiv eingestellt, was eine Beziehung angeht.“
„Rufus? Rufus Lohr? Der Magier aus Sabertooth?“
„Ja. Du kennst ihn? – Natürlich tust du das, Magier kennen sich untereinander. Insbesondere die, die regelmäßig an den Magischen Spielen teilnehmen.“
Rufus Lohr. Der blonde Magier mit den grünen Augen. Offenbar hatte Lorelei einen bestimmten Typ, auch wenn Rufus‘ Erscheinung das genaue Gegenteil von Laxus war.
„Rufus ist jemand, dem man sein Vertrauen schenken kann. Zwar ist seine Ausdrucksweise nicht immer verständlich und teilweise enorm blumig, doch das trägt zu seinem Charme bei, vermute ich.“ Cana verschränkte die Arme.
„Lorelei findet seine Ausdrucksweise außerordentlich charmant. Sie findet, es passt zu ihm und seiner Magie. Zwar ist es momentan noch ein Kennenlernen, doch wenn es etwas Ernstes werden sollte, wird Lorelei sich nach einem Job in Girasole umsehen. Immerhin ist die Heimatstadt von Sabertooth nur ein paar Zugstunden von Magnolia entfernt, deshalb kann sie sich Zeit lassen, falls dieser Fall eintreten sollte.“
Cana nickte, dann warf sie einen Blick auf die Uhr. „Oh, ich muss leider gehen. Eigentlich bin ich schon fünf Minuten zu spät.“ Sie verabschiedete sich rasch von Ophelia, dann eilte sie in Richtung der Gildenhalle.

Laxus stand bereits vor dem Auftragsbrett und studierte ausgiebig die dort angehefteten Aufträge. Nach einem kurzen Begrüßungskuss zog er fragend eine Augenbraue hoch. „Du bist normalerweise immer pünktlich.“
„Ich habe die Zeit vergessen, während ich mit Ophelia geredet habe.“ Sein plötzlich angespannter Körper entging ihr nicht, weshalb sie ihm beruhigend eine Hand auf den Unterarm legte. „Es ging nicht um dich, falls du das denkst. Doch ich habe Neuigkeiten bezüglich Lorelei.“
Nun hatte sie Laxus‘ vollständige Aufmerksamkeit, auch wenn er sich minimal entspannt hatte.
Cana grinste breit und genoss kurz diesen Moment, bevor sie sich erbarmte. „Lorelei hat jemanden kennen gelernt. Jemanden, den wir beide kennen.“
„Sabertooths Rufus.“ Nun war Laxus derjenige, der grinste und Cana konnte einen kleinen Stich der Enttäuschung nicht verhindern.
„Woher weißt du das schon wieder? Hast du sie zusammen gesehen?“
Laxus tippte sich gegen die Nase. „Ich habe ihn an ihr gerochen, als sie im Gildengebäude war, um dich zu behandeln. Wobei ich den Geruch nicht erkannt habe. Erst jetzt, nach deinem kleinen Hinweis, ist mir klar geworden, woher.“
„Manchmal ist diese Magie eine wahre Plage. Eine Überraschung planen wird niemals möglich sein, vermute ich?“
„Nur, wenn sie geruchlos ist, und das sind die wenigsten Materialien. Selbst wenn, kann ich Aufregung oder Nervosität riechen oder spüren.“
„Nun gut, du weiser Magier. Du hast bestimmt schon eine Idee, welchen Auftrag du nehmen möchtest.“ Cana drehte sich zu ihm und blickte ihn erwartungsvoll an.
Sie wurde nicht enttäuscht, denn er nickte und tippte auf das Papier, das direkt vor ihnen hing. „Nicht weit von hier gibt es ein Moor. Dort hat eine reiche Frau ihren Hochzeitsschmuck verloren. Was nicht weiter schlimm wäre, jedoch besucht sie mit ihrem Mann morgen Abend eine Gala und es wird von ihr erwartet, dort diesen Schmuck zu tragen. Die beiden sind erst seit ein paar Wochen verheiratet und ihre Schwiegermutter scheint ein richtiger Drache zu sein, der auf genau einen solchen Moment gewartet hat.“
„Die Arme“, murmelte Cana und warf einen Blick auf die Belohnung. Ihr Mund klappte auf. „Und dafür zahlt sie 500.000 Jewel?“
„Der Hochzeitsschmuck hat den Wert von mehreren Millionen Jewel. Wer solchen Schmuck trägt, ist auch mit der Auftragsbelohnung nicht geizig. Insbesondere, wenn es so dringend ist wie hier.“
„Ihre Schwiegermutter muss wirklich ein Albtraum sein. Ich verstehe nicht, wie Mütter ihren Söhnen das Glück einer Ehe nicht gönnen wollen. Es ist nicht so, dass ihre Schwiegertochter ihnen ihren Platz streitig macht.“ Cana löste das Auftragspapier von der Tafel und studierte es noch einmal, dann seufzte sie. „Aber es scheint ein einfacher Auftrag zu sein.“ Sie würde ihre Kartenmagie einsetzen, um ungefähr zu bestimmen, wo der Schmuck im Moor versunken war. Dann ersparten sie sich immerhin die lästige Suche, denn Moore konnten äußerst weitläufig sein. Vielleicht wusste die Auftraggeberin selbst, an welcher Stelle sie den Schmuck ungefähr verloren hatte oder welchen Weg sie durch das Moor genommen hatte. Das Gute an Mooren waren die festgelegten Wege, die man niemals verlassen sollte, wenn man an seinem Leben oder an sauberer Kleidung hing.
Cana lief zu Mira, die mit einem breiten Grinsen zwischen ihr und Laxus hin und her blickte. Sie kicherte sogar, während sie den Auftrag fein säuberlich im Gildenbuch notierte.
„Ich vermute, ihr seid heute Nachmittag wieder hier? Lexy ist versorgt?“
Cana nickte, gerührt von der offenbaren Fürsorge. „Ja. Der Master holt sie ab und bespaßt sie, bis wir wieder zurückkommen.“
„Deshalb ist er seit gestern so aufgedreht“, sagte Mira erheitert und klappte das Buch wieder zu. Dann zwinkerte sie Cana vielsagend zu. „Euch beiden viel Spaß, lasst euch nicht vom Auftrag ablenken!“
„Danke Mira.“ Laxus‘ Stimme erklang monoton hinter Cana und eine größere Hand griff nach der ihren, um sie in Richtung des Ausgangs zu ziehen.
Cana lachte erheitert auf und verschränkte ihre Finger mit denen von Laxus. „Mira freut sich nur. Außerdem ist sie eine meiner besten Freundinnen, sie darf diese Art von Bemerkung machen.“
„Das kann sie bei euren Frauengesprächen gerne tun, wenn ich nicht dabei bin“, murmelte Laxus.
„Du solltest dich daran gewöhnen, dass private Dinge in Fairy Tail nicht wirklich privat sind.“
„Bisher hat der Rest der Gilde alles von unserer Beziehung mitbekommen. Unser Sexleben würde ich gern privat halten, wenn es so weit ist.“
Cana stolperte bei dieser nebensächlich geäußerten Aussage und Laxus blieb stehen, um sie fragend anzuschauen. Doch ihr Gesicht schien sie zu verraten, denn sein Blick wurde weich und er fing an, mit seinem Daumen beruhigend über ihren Handrücken zu fahren.
„Das ist eine Sache, über die du dir nicht deinen Kopf zerbrechen solltest. Wir haben alle Zeit der Welt. Und falls du dir Gedanken über die Spuren deiner Schwangerschaft mit Lexy machst, zeigen sie mir nur, wie sehr uns unsere Gefühle zusammengeschweißt haben. Nur weil dein Körper in deinen Augen nicht mehr perfekt sein sollte, ist er es für mich. Aus dem einen Grund, dass er zu dir gehört. Mit und ohne Narben.“
Cana drückte wortlos seine Hand und wusste, er würde sie verstehen. Es erstaunte sie immer wieder, wie gut er sie kannte und ihre Gedanken erahnen konnte.

Cana stand mit verschränkten Armen am Rand des gekennzeichneten Fußweges durch das Moor. Die Auftraggeberin hatte ihr genau sagen können, an welcher Stelle sie gestolpert war und die kleine Tasche mit den Schmuckstücken in das sumpfige Gewässer gefallen war. Sie hatte es nicht mehr rechtzeitig geschafft, nach dieser zu angeln, und so hatte sie hilflos zusehen müssen, wie diese vom Moor verschluckt worden war.
Die genaue Stelle hatten sie damit gefunden. Nun stellte sich die Frage, wie sie die Tasche wieder aus dem Morast bekamen, ohne selbst in diesem steckenzubleiben oder überhaupt in diesen zu steigen.
„Meine Magie ist vollkommen nutzlos“, murmelte Laxus neben ihr und zog finster die Augenbrauen zusammen. „Ich würde hier nur alles unter Strom setzen und sämtliche Lebewesen in diesem Schlammloch töten.“
„Es ist kein Schlammloch, es ist ein Moor“, antwortete Cana abwesend, während sie fieberhaft nachdachte. Wenn sie eine magische Barriere um die Stelle zogen, konnte sie das schlammige Wasser mittels ihrer Magie durch klares Wasser ersetzen. Eine Eisschicht würde das Suchen nach der genauen Lage erleichtern. Nur war sie unsicher, wie sie dann fortfahren sollten. Notfalls konnten sie noch immer nach einem langen Stock suchen, um die Tasche herauszuholen. Vorausgesetzt, diese hatte einen Henkel oder etwas Ähnliches, denn das hatte sie leider vergessen zu fragen. Aber ihr grober Plan war besser als nichts.
Cana räusperte sich und blickte Laxus fragend an. „Du kennst dich dank Freed etwas mit Runenmagie aus, nicht wahr? Kannst du eine Barriere mit einem, sagen wir, Durchmesser von zwei Metern an dieser Stelle hier ziehen? Idealerweise eine Barriere, die keine magischen Elemente nach außen dringen lässt, aber nicht-magische schon. Ein Moor hat wenig bis keine Wasserbewegungen, die Tasche kann nicht allzu weit von diesem Fleck hier wegbewegt worden sein. Dann könnte ich das Moorwasser aus diesem Bereich mit magischem Wasser verdrängen, bis es vollkommen außerhalb der Barriere ist. Der Untergrund wird noch schlammig sein, deshalb wäre eine Eisschicht praktisch. Über diese könnten wir den exakten Ort der Tasche ausfindig machen, doch danach bin ich nicht sicher, wie es weitergehen soll.“
Der lange, anerkennende Blick, den ihr Laxus zuwarf, ließ sie kurz verlegen werden. Dann verdrängte sie dieses Gefühl wieder, denn sie wusste um ihre Stärken. Verlegenheit war fehl am Platz, wenn sie eine von diesen zeigte. Seit sie mit ihrer Magie angefangen hatte, war Planung ihre herausragendste Fähigkeit, während Laxus eher der kraftbezogene Magier war. Was für sie gut war, denn für die Kartenkombinationen benötigte man einen gewissen Weitblick, welche Kombinationen in welcher Reihenfolge am besten für den jeweiligen Gegner geeignet waren.
„Die Barriere sollte machbar sein. Ich brauche nur etwas Zeit dafür“, antwortete Laxus und zog einen Runenstift aus einer seiner Jackentaschen.
Cana beobachtete ihn neugierig dabei, wie er sorgfältig Rune für Rune setzte, bis er nach ein paar Minuten innehielt. Die Runen begannen zu leuchten, dann zogen sich diese mit schlangenhaften Bewegungen über die Wasseroberfläche, bis ein perfekter Kreis abgebildet war. Dieser leuchtete einmal kurz auf, dann verschwanden die Runen und Laxus nickte Cana zu.
Cana zückte ihre Karten und ließ die Wasserkarte im Mittelpunkt der abgegrenzten Stelle landen. Dort aktivierte sie diese und beobachtete zufrieden, wie etliche Wasserströme aus dieser empor sprudelten.
„Das könnte einige Zeit dauern“, äußerte Laxus neben ihr und sie nickte.
„Ein paar Minuten vielleicht. Aber so lange können wir überlegen, wie wir die Tasche unter der Eisschicht hervorholen wollen.“
Laxus schwieg einige Zeit, während sich das bräunliche Wasser allmählich verflüchtigte und von dem klaren aus Canas Karte ersetzt wurde. „Ich kümmere mich darum.“
Das war nicht die Antwort, die sich Cana erhofft hatte und sie zögerte. Doch letztendlich beschloss sie, Laxus zu vertrauen, und stimmte ihm daher zu.
Sie ließ ihren Blick langsam über die klarer werdende Wasseroberfläche schweifen und entdeckte einen Gegenstand auf dem Grund, der sich bei näherer Betrachtung als Tasche herausstellte. Mit einer kurzen Handbewegung war die Wasserfläche im Nu eingefroren und sie deaktivierte die Wasserkarte wieder. Wasser auf einer Eisfläche war ebenso rutschig wie frisch gewischte Fliesen, das wusste sie aus leidlicher Erfahrung.
„Die Tasche liegt einen knappen Meter im Wasser, vielleicht dreißig Zentimeter links von uns.“
Laxus nickte als Antwort auf ihre Aussage und betrat ohne zu Zögern das Eis. Zielstrebig lief er in die Richtung, während sich Cana hinter ihm hielt und ihn aufmerksam beobachtete.
Ihre Augen weiteten sich alarmierend, als sie die Blitze sah, die um seine Finger tanzten. „Laxus, wenn du an dieser Stelle das Eis brichst, dann …“
In diesem Moment zerstörte Laxus die Eisfläche und das Eis zerbrach vollständig. Das war die Konsequenz, vor der Cana Laxus noch hatte warnen wollen.
So hingegen stieß sie einen spitzen Schrei aus, als sie mit rudernden Armen ein paar Zentimeter nach unten sank und das eiskalte Wasser im Nu ihre Hosenbeine durchnässt hatte. Immerhin reichte ihr das Wasser nur bis zur Hälfte der Waden, doch es schmerzte aufgrund der niedrigen Temperaturen.
„Fuck!“ Laxus hatte es nicht besser getroffen, eher noch schlimmer. Denn er hatte das Gleichgewicht verloren und war ein paar Schritte nach vorn gestolpert, weshalb seine Hosenbeine fast vollständig durchnässt waren. Immerhin hielt er die Tasche in seiner linken Hand, auch wenn das Cana herzlichst egal war.
Sie schlang ihre Arme um ihren Oberkörper, um das Zittern etwas zu unterdrücken und versuchte, ihre Beine zu bewegen. Doch diese steckten im morastigen Untergrund fest, auch wenn sie bislang nicht das Gefühl hatte, weiter in diesen einzusinken. Mit einem leisen Fluchen überlegte sie fieberhaft, wie sie sich aus diesem Dilemma befreien könnte. Doch ihr fiel auf die Schnelle nichts ein.
„Bitte sag mir, dass du dich bewegen kannst.“ Laxus‘ Stimme verriet seine Hoffnungslosigkeit, was Cana wiederum wütend machte.
So blitzte sie ihn wütend aus zusammengekniffenen Augen an. „Nein, kann ich nicht! Dank dir! Wenn du mich hättest ausreden lassen, wäre unsere Situation eine völlig andere!“
„Ich habe gesagt, ich habe einen Plan! Deinem habe ich auch vertraut, warum solltest du das mit meinem nicht tun?“
„Weil du nicht der Planungstyp bist! Und lieber direkt rohe Kraft einsetzt, ohne die Feinheiten meiner Magie und deren Schwachstellen zu kennen! Kartenmagie ist etwas vielseitiger als deine Blitze, Dreyar!“
Im nächsten Moment blinzelte sie überrascht, weil Laxus direkt vor ihr stand und sie unter erhobenen Augenbrauen musterte. „Dreyar?“
„Warum kannst du dich bewegen?“, fragte Cana fassungslos.
„Meine ‚Blitze‘. Ich konnte mich jederzeit befreien. Im Gegensatz zu dir.“ Ein breites Grinsen zierte Laxus‘ Gesicht. „Das heißt, du bist jetzt auf mich angewiesen.“
„Und du bist überhaupt erst schuld an meiner Lage!“ Cana hatte keine Lust, mit Laxus zu scherzen, denn ihr war kalt. Wirklich kalt.
„Tja. Trotzdem benötigst du jetzt meine Hilfe.“
Mit einem gereizten Fauchen löste Cana ihre Arme aus ihrer verschränkten Position und versetzte Laxus einen Stoß vor die Brust. Was ihm normalerweise nichts ausmachte, doch hier riss er alarmiert die Augen auf, griff reflexartig nach ihren Handgelenken und fiel hintenüber. Durch seinen Griff zog er sie mit und mit einem weiteren, schrillen Schrei fiel sie nach vorne. Denn ihre Füße lösten sich durch den Ruck aus dem Boden, auch wenn sie spürte, wie ihr linker Schuh von ihrem Fuß glitt.
Immerhin landete sie nicht wie Laxus mit dem Oberkörper komplett im Wasser, doch auch sie bekam einen Wasserschwall ab, der vor allem ihren Kopf traf und sie prustend zurückließ. Ihre Ellenbogen bohrten sich wahrscheinlich etwas schmerzhaft in Laxus‘ Magenbereich, doch er ließ sich nichts anmerken. Oder er war zu geschockt von der plötzlichen Kältewelle, die ihn umfing.
Laxus lag im Wasser, auf seine Ellenbogen gestützt und sie lag halb auf ihm, während ihre gesamten Beine ebenfalls unter der Wasseroberfläche waren.
Langsam schob sich Cana eine triefende Haarsträhne aus dem Gesicht und starrte Laxus wutentbrannt an. „Wenn du uns nicht innerhalb von drei Sekunden aus diesem Loch beförderst, dann …“
Einen Moment später stand sie auf dem befestigten Weg, eng an einen nassen, kalten Oberkörper gepresst. Ruckartig löste sie sich von Laxus und machte ein paar Schritte zurück, während sie ihn weiterhin verärgert musterte.
„Ich bin vollständig durchnässt, dank dir! Wenn ich mir etwas einfange, dann hast du allein die Verantwortung dafür zu tragen! Und glaube ja nicht, dass ich Lexy verschweige, wer schuld an meiner Erkältung oder Grippe ist!“
Laxus schüttelte ruckartig den Kopf, sodass die Wassertropfen aus seinem Haar flogen und teilweise Cana trafen, die noch eine Spur wütender wurde.
„Laxus Dreyar! Ich … Du … Arrrgh!“ Zitternd zückte Cana ihre Karten und bemerkte mit einem Hauch von Zufriedenheit, dass ihr das immerhin einen argwöhnischen Blick einbrachte. Doch sie hatte nicht vor, ihn in ihrer Wut anzugreifen, was wäre dann doch etwas übertrieben.
Stattdessen nutzte sie ihre Windattacke in abgeschwächter Form auf sich selbst, um etwas von der Nässe zu entfernen. Das funktionierte allerdings nicht so, wie sie gedacht hatte: Sie war noch immer nass und zitterte noch mehr, zumindest hatte Cana diesen Eindruck. Mühselig unterdrückte sie ein Zähneklappern und packte ihre Karten wieder ein, um die Arme behelfsmäßig um sich zu schlingen. Es brachte nicht viel, aber es war besser als nichts. So war wenigstens der Großteil ihrer Vorderseite vor dem leichten Wind geschützt, der hier wehte und den sie durch die nasse Kleidung spürte wie stärkere Böen.
Laxus lief derweilen auf sie zu und blieb direkt vor ihr stehen. Zu Canas Verdruss schien er weitaus trockener zu sein als sie selbst, was ihre Stimmung noch weiter hinunterzog. Manchmal war die gesamte Welt einfach ungerecht.
„Ist der Schmuck immerhin vollständig?“ Sie äußerte diese Frage mit einem hörbaren Zähneklappern und machte sich auf etwas mehr Belustigung gefasst.
Doch stattdessen traf sie ein besorgter Blick. „Ich hoffe es. Denn weder du noch ich werden einen weiteren Versuch starten, in diesem Moor irgendetwas zu finden. Du musst aus diesen Klamotten raus und das ohne Hintergedanken. Sonst holst du dir wirklich eine Erkältung und ich möchte das Lexy nicht erklären müssen.“ Mit diesen Worten umschlang er ihre Taille und zog sie an sich.
Cana, die wusste, was jetzt kommen würde, sträubte sich nicht. Stattdessen presste sie ihr Gesicht in sein halbwegs trockenes Oberteil und kniff die Augen zusammen.

Der Schmuck befand sich vollständig in der Tasche. Das erfuhren Cana und Laxus allerdings erst, nachdem Cana auf Drängen der Auftraggeberin ein heißes Bad genommen hatte. Laxus hatte seines rigoros abgelehnt und sich während Canas Bad auf die Sitzbank des großen Kachelofens im Badezimmer gesetzt. Dabei hatten die Dienerinnen peinlichst genau darauf geachtet, dass Cana hinter dem Paravent nicht von Laxus‘ Sitzposition aus zu sehen war. Ihr Hinweis, dass sie nicht nur auf dieser Mission ein Paar waren, war dabei auf taube Ohren gestoßen.
„Danke“, sagte die junge, blonde Frau mit den braunen Augen, die die Auftraggeberin war und Cana entfernt an Lucy erinnerte. Insbesondere mit der Inbrunst, mit der sie ihre Hände umfasst hielt und scheinbar nicht vorhatte, wieder loszulassen. „Armand wird froh sein, mir eine weitere unschöne Begegnung mit seiner Mutter ersparen zu können.“
Cana warf Laxus, der bereits den Mund geöffnet hatte, einen warnenden Blick zu. Daraufhin schloss er ihn wieder und verschränkte stattdessen die Arme.
„Ihr könnt die Kleidung, die ich Euch gegeben habe, behalten. Ich habe viel zu viel, seht es als Bonus für den erfolgreich abgeschlossenen Auftrag.“ Mit diesen Worten wurden Canas Hände losgelassen. Die Frau ging hinüber zu einer kleinen Kommode, um daraus einen Stapel an Geldscheinen zu ziehen, der fein säuberlich mit einem breiten Samtband umwickelt worden war.
„Die Summe sollte stimmen, Ihr solltet es dennoch noch einmal überprüfen.“ Sie überreichte Laxus den Stapel an Geldscheinen, der diesen durchblätterte und dann nickte.
„Es stimmt alles.“

Wenige Minuten später standen sie vor dem Anwesen und Cana seufzte. „Mir tut sie leid. Wer so große Panik vor seiner Schwiegermutter schiebt, kann nicht vollkommen glücklich sein.“
„Ihr Ehemann scheint ein Feigling zu sein, wenn er sie einfach allein lässt“, sagte Laxus abfällig.
„Vielleicht ist die Mutter wirklich furchteinflößend.“
„Keine Mutter der Welt ist so furchteinflößend, dass man seine Ehefrau nicht gegen diese verteidigen möchte. Wahrscheinlich will dieser Kerl nur keinen Familienstreit, weshalb er sich heraushält.“ Laxus schnaubte. „Mir wäre das vollkommen egal. Wenn ich mit jemandem den Rest meines Lebens verbringen möchte, dann werde ich diese Person auch gegen alle anderen verteidigen, die ihr Kummer bereiten. Und wenn es bei mir Gramps wäre.“
Cana griff nach seiner Hand und drückte diese. „Wenn eine Mutter ihrem Kind diese Liebe nicht gönnt, ist bereits einiges schief gelaufen. Ich kann mir weder Makarov noch Gildarts dabei vorstellen, wie sie manisch versuchen, die zukünftige Schwiegertochter oder den Schwiegersohn zu vertreiben und ihre Kinder dabei ins Unglück treiben.“
Laxus lachte auf. „Bei Gildarts schon eher, glaube mir. Immerhin bist du sein kleines Mädchen, auch wenn er vor dir mehr Angst hat als vor allen Monstern dieser Welt zusammen.“
„Eigentlich hat er nicht vor mir Angst, sondern vor meiner Zurückweisung. Und das sagt alles über ihn und seine Liebe zu mir aus. Er erträgt sogar dich in Maßen, damit ich glücklich bin.“ Cana zwinkerte Laxus zu, um den Ernst ihrer Worte etwas zu mildern.
Dieser hingegen grinste nur. „Gildarts mag mich eigentlich. Ihn stört es nur, dass ich seine unschuldige Tochter geschwängert habe. Und er dadurch einsehen musste, wie erwachsen seine kleine Tochter wirklich ist.“
+++

Trotz meiner früheren Einstellung, keine Aufträge zu schildern, konnte ich hier nicht widerstehen. Der erste gemeinsame Auftrag ist in meinen Augen dann doch zu wichtig, auch um diese Dynamik zwischen Cana und Laxus klarzumachen. Außerdem kommt man bei solchen Dingen auf überraschend tiefsinnige Gesprächsthemen, wie man hier sehen könnt.
Und damit sind wir bei Kapitel 50. Ich kann gar nicht glauben, wie diese Geschichte explodiert ist. Sowohl von Wort- und Kapitelanzahl als auch von eurer Resonanz. Das hier ist seit längerem meine erfolgreichste Geschichte, wenn ich sie mit meinen anderen Werken vergleiche, während diese noch in Arbeit waren. Deshalb noch einmal ein riesiges Dankeschön dafür. Ohne euer Interesse wäre diese Geschichte hier schon längst beendet, dank eures Inputs sind mir immer mehr Dinge aufgefallen, die ausführlicher behandelt werden sollten.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast