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Schritt für Schritt

GeschichteRomance, Familie / P16 / Het
Cana Alberona Gajeel Redfox Laxus Dreyar Levy McGarden
04.06.2020
29.08.2021
66
232.093
37
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08.04.2021 3.403
 
Kapitel 45 - Familienidylle

Cana lauschte den klappernden Geräuschen hinter der verschlossenen Badezimmertür und versuchte, mit regelmäßigen Atemzügen ihren Herzschlag unter Kontrolle zu bekommen. Bei Mavis, sie war keine unbeholfene Jugendliche mehr. Eigentlich sollte sie die Aussicht, das Bett mit einer männlichen Person zu teilen, nicht so nervös machen. Insbesondere, wenn sie sich mit dieser in einer romantischen Beziehung befand.
‚Mit dem Unterschied, dass das überhaupt erst das zweite Mal ist und du beim ersten Mal absolut nicht nüchtern warst.‘ Die kleine Stimme in ihrem Kopf half nicht wirklich, ihre Nerven unter Kontrolle zu bekommen. Umso mehr, weil diese leider ins Schwarze getroffen hatte. Die erste und letzte Person, mit der sie zusammen in einem Bett geschlafen hatte, war Laxus gewesen. In der Nacht von Lexys Zeugung, bevor er sie morgens mit einer Entschuldigung aus der Wohnung gebeten hatte, weil er sich auf seinen Auftrag hatte vorbereiten müssen.
Die Badezimmertür öffnete sich und Cana schloss die Augen, um sich schlafend zu stellen. An seinem leisen, amüsierten Lachen erkannte sie, durchschaut worden zu sein. Doch auch als die Decke auf seiner Seite zurückgeschlagen wurde und sich die Matratze durch sein Gewicht senkte, hielt sie sie stur geschlossen. Erst, als er sich nicht mehr bewegte, drehte sie sich zu ihm und legte ihren Arm unter ihren Kopf.
Laxus hatte seinen Kopf auf den aufgestützten Arm gelegt und beobachtete sie. Genau genommen studierte er sie, zumindest kam sich Cana vor wie ein unglaublich interessantes Studienobjekt.
Je länger seine intensive Betrachtung ging, desto nervöser wurde sie und irgendwann war es zu viel. Sie räusperte sich und drehte sich wieder auf den Rücken, um die Decke anzustarren.
„Ich vertraue dir. Auch wenn ich vorhin noch das Gegenteil behauptet habe. Und ich glaube dir, Lexy nicht mehr in unsere Probleme miteinzubeziehen. Du hast deinen Fehler eingesehen und dich aufrichtig entschuldigt, bei mir und bei Lexy. Deshalb werde ich dir weiterhin vertrauen, weil ich dich kenne. Das wollte ich dir noch sagen.“ Während ihrer kleinen Beichte fühlte sie ihr Herz leichter werden. Genau das hatte sie noch unbedingt aussprechen wollen. Ihre Mutter hatte ihr immer eingeschärft, alle drückenden Gedanken vor dem Schlafengehen loszuwerden, weil es sich mit einer leichten Seele besser schlafen ließe.
Cana zuckte kurz zusammen, als sie Laxus‘ Hand auf ihrer Wange spürte. Sie ließ zu, dass er ihren Kopf wieder zu sich drehte und sie wurde mit einem warmen Lächeln konfrontiert, das in ihr wieder diese Welle an Glückshormonen auslöste.
„Danke. Ich kann dir nur versprechen, das nie wieder zu tun. Eigentlich habe ich es bereits bereut, als ich mit Lexy die Türschwelle überschritten habe. Doch ich wollte nicht nachgeben, mein Stolz hat dafür zu sehr gelitten. Denn …“ Laxus brach ab und schloss für einen Moment die Augen. Dann öffnete er sie wieder und seine Hand glitt von ihrer Wange zu ihrem Kinn. „Ich habe ebenfalls nicht an einen möglichen Anfall gedacht. Durch das Training einen Tag vorher habe ich keinen einzigen Gedanken daran verschwendet. Das Hauptthema in meinen Überlegungen warst du, neben Lexy.“
Cana stiegen Tränen in die Augen. Sie wusste, wie schwer es Laxus fiel, einen solchen Fehler zuzugeben. Ebenso wie die Gewissheit, nicht die einzige Person mit Nervenflattern gewesen zu sein. Laxus‘ Andeutungen verstand sie ohne Probleme. Auch er war nervös gewesen, weil es der erste richtige Ausflug als Familie gewesen war.
„Danke“, murmelte sie und genoss einfach den Moment. Bis er von ihrem Gähnen zerstört wurde und Laxus seine Hand zurückzog, nur um mit einer von ihren Haarsträhnen zu spielen. Zwar hatte sie diese in einen hohen Zopf gebunden, doch auch so reichten sie ihr noch immer bis unter die Brust.
„Mein Angebot mit den gemeinsamen Aufträgen steht noch. Nein, eigentlich ist es kein Angebot, es ist eine Entscheidung. Nach meinem Gespräch mit Lexy findet sie das auch gut. Auch wenn ich ihr versprechen musste, mit dir nicht die ganze Zeit zu streiten.“
Cana blinzelte. „Du willst wirklich mit mir zusammen Aufträge erledigen?“ In all den Jahren hatte sie nie daran gedacht, einmal in dieser Situation zu sein. Laxus und die Raijinshuu waren ein eingeschworenes Team, das in ihrer gesamten Zeit als Gildenmitglied noch nie einen außenstehenden Magier auf Aufträge mitgenommen hatte.
Unwillkürlich verzog sie das Gesicht. „Ich bin nicht sicher, ob Evergreen davon wirklich begeistert ist.“
Laxus grinste. „Die Raijinshuu werden wohl oder übel auf meine Anwesenheit bei Aufträgen verzichten müssen.“
Cana riss geschockt die Augen auf. Natürlich hatten Freed, Bixlow und Evergreen während Laxus‘ Verbannung aus Fairy Tail ihre Aufträge zu dritt erledigt. Jedoch waren sie, sobald Laxus wieder in die Gilde aufgenommen wurde, nicht mehr von ihm zu trennen, wenn es um Aufträge und ihre Arbeit ging. Auch das Training hielten sie stets zusammen ab.
„Schau nicht so entsetzt. Du weißt genau, wie anstrengend die drei sein können. Und wenn ich ehrlich bin, sind Aufträge mit der Freundin zu zweit einfach romantischer als mit einem kompletten Team, das keine Peinlichkeiten auslässt.“
Cana lächelte, dann gähnte sie erneut. „Einverstanden. Du musst nur versprechen, das vor den Raijinshuu als deine Idee auszugeben. Ever kann mich jetzt schon nicht leiden, das wird ihre Meinung von mir nicht verbessern.“
„Ich glaube, du hast einen falschen Eindruck von Ever. Sie ist sehr direkt zu dir, weil sie dir dein Verschwinden nie verzeihen wird. Aber eine generelle Abneigung hat sie gegen niemanden in der Gilde.“
„Wenn du meinst“, murmelte Cana und schloss die Augen. Die Anstrengungen des Tages holten sie nun endgültig ein und sie hatte keine Kraft mehr, gegen den Schlaf anzukämpfen. Außerdem hatte sie alles Wichtige mit Laxus besprochen und konnte nun beruhigt schlafen. Schon spürte sie, wie ihr Körper schwer wurde und sie der Schlaf einfing. Sie meinte, eine kurze, zarte Berührung auf ihren Lippen zu spüren. Doch im nächsten Moment war sie bereits eingeschlafen.
So bekam sie auch nicht mit, wie Laxus die Decke etwas höher zog und einen seltsam leidenden Gesichtsausdruck aufsetzte, bevor auch er die Augen schloss.

Cana wurde wach, weil sie etwas an Nase und Wange kitzelte. Etwas, das sich verdächtig nach den Haaren ihrer Tochter anfühlte. Sie öffnete ihr rechtes Auge einen Spalt und sah vor sich einen blonden Haarschopf, was ihre Vermutung bestätigte. Jetzt auch spürte sie, wie sich ein kleiner Körper an ihre Vorderseite drückte. Die regelmäßigen Atemzüge verrieten ihr, dass Lexy noch schlief.
Vorsichtig rutschte sie ein Stück weiter nach oben, um Lexys Haare aus ihrem Gesicht zu bekommen. Als sie das geschafft hatte, bemerkte sie ein Paar grüne Augen, die sie aufmerksam beobachteten.
Sie lächelte. „Guten Morgen. Seit wann ist Lexy hier?“
Laxus schnaubte belustigt. „Ungefähr zwei Stunden, nachdem du eingeschlafen bist. Sie hatte Sorge, dir würde etwas passieren und meine Anwesenheit war ihr nicht sicher genug. Sie wollte selbst hier sein, um nichts zu verpassen.“ Seine Stimme klang belegt und müde.
Cana betrachtete ihn genauer und bemerkte die Schatten, die unter seinen Augen lagen. Mitfühlend verzog sie das Gesicht. „Ist sie der Grund, warum du offenbar kaum Schlaf bekommen hast?“
„Eine Sechsjährige bewegt sich wirklich oft in ihrem Schlaf. Da kann man nicht zur Ruhe kommen.“
„Man gewöhnt sich daran. Als sie drei Jahre alt war, war das noch schlimmer, glaub mir. Da hat sie keine Nacht durchgeschlafen und ich auch nicht.“
Laxus fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. „Ehrlich gesagt kann ich mir das kaum vorstellen. Mehr Bewegung als diese Nacht geht nicht. Was hat sie gemacht, ist sie im Bett herumgerollt?“
Cana verkniff sich eine Antwort, denn genau das hatte Lexy liebend gern gemacht. Auch gern auf andere Personen hinauf. Wobei Cana bis heute nicht wusste, wie das ein dreijähriges Kind überhaupt bewerkstelligen kann.
Doch Laxus hatte offenbar noch etwas Wichtigeres gefunden, als über Lexys Schlafgewohnheiten zu reden. „Außerdem sollten wir ihr sagen, dass sie nicht immer einfach in das Schlafzimmer platzen kann. Nicht, wenn du das Aufklärungsgespräch zu einem späteren Zeitpunkt führen willst.“
Cana verschluckte sich und hustete. „Das kannst du ihr sagen, auf dich hört sie bei Verboten weitaus eher als auf mich.“
Laxus‘ Blick verschärfte sich um eine Spur. „Jetzt sag mir bitte nicht, dass du über dieses Thema überrascht bist, obwohl es schon seit unserer ersten Verabredung über uns schwebt.“
Nervös begann sie, eine Haarsträhne um ihren Zeigefinger zu wickeln, und wich seinem Blick aus. „Nein. Es ist nur … Ich habe keine Erfahrung, wie du weißt.“
„Und deshalb hast du Panik, ob das nicht ein totaler Reinfall wird? Bei Mavis, manchmal bist du wirklich kompliziert. Du wirst dich an die Gespräche über Sex gewöhnen müssen, ganz zu schweigen von den Andeutungen in der Gilde, die folgen werden. Und ehrlich: Sex ist völlig normal. Du wirst deine Nervosität deswegen vergessen und ihn genießen. Wenn ich mir unser letztes Mal in Erinnerung rufe, scheint es dir damals gefallen zu haben.“ Sein Grinsen war mittlerweile eindeutig und wenn Cana nicht mit ihrer Verlegenheit gekämpft hätte, hätte sie ihm ein Kissen ins Gesicht geworfen.
„Ich bin damals von einem Wetttrinken in Quattro Cerberus mit dem Zug in Magnolia zur Feier angekommen. Das war auch der Grund, warum ich erst abends aufgekreuzt bin, ich habe mit Bacchus völlig die Zeit vergessen. Wenn Master Goldmine nicht mich daran erinnert hätte, den letzten Zug zu nehmen, hätte ich die Feier komplett verpasst. Auf dem Weg konnte ich zwar etwas ausnüchtern, aber ich war innerhalb kürzester Zeit wieder betrunken. Wobei dicht die passendere Bezeichnung ist. Wenn ich ehrlich bin, kann ich mich nur schemenhaft daran erinnern, in deiner Wohnung gelandet zu sein. Vom Rest weiß ich nicht mehr viel, abgesehen von vereinzelten Bruchstücken. Nur an den nächsten Morgen kann ich mich sehr gut erinnern.“ An dem sie ein weiteres Mal miteinander geschlafen hatten, bevor Laxus aufbrach. Dieser Sex war bis heute in ihrer Erinnerung verankert. Jeder einzelne Augenblick, jedes einzelne Wort und vor allem jedes Gefühl, das sie dabei empfunden hatte.
Laxus‘ Gesichtsausdruck war von Erheiterung zu Fassungslosigkeit gewechselt. „Du hast den ganzen Tag mit Bacchus verbracht?“
„Das ist das Detail, das von meinen Worten bei dir hängen geblieben ist? Bacchus? Aber ja, habe ich. Da weder er noch ich an den Magischen Spielen teilgenommen haben, hatten wir abseits der Veranstaltungen massig Freizeit. Die haben wir genutzt.“ Cana beobachtete, wie sich Laxus‘ Gesicht weiter verdüsterte und in ihr keimte ein Verdacht auf. „Du bis nicht gerade eifersüchtig, oder?“
Laxus schwieg und das war Antwort genug.
„Du bist auf Bacchus eifersüchtig, weil er während der Magischen Spiele vor sieben Jahren so viel Zeit mit mir verbracht hat? Nachdem ich jahrelang mit Loki zusammen auf Aufträge gegangen bin, bist du auf Bacchus eifersüchtig?“
„Loki ist auch nicht Bacchus. Bixlow und Evergreen hatten Wetten miteinander laufen, ob Bacchus dich herumkriegt oder nicht. Sein Alkoholkonsum hängt mit seiner Magie zusammen und er ist ‚stattlich‘, wie Ever es genannt hat. Zusätzlich habt ihr euch ab eurer ersten Begegnung gut verstanden.“
„Er hat mir mein Oberteil entwendet, mitten in der Wirtsstube. Das war alles andere als angenehm am nächsten Morgen. Zum Glück hatte ich einen Blackout. Aber schön, dass dich Bacchus so beschäftigt, den ich nur zu den Magischen Spielen getroffen habe. Übrigens hatten wir nichts miteinander, auch wenn das wirklich jeder vermutet hat.“ Cana wusste nicht genau, ob sie belustigt oder gekränkt sein sollte, deshalb entschied sie sich für eine milde Form der letzteren Emotion.
„Eigentlich wollte ich hier nicht über Bacchus reden.“
„Du hast damit angefangen.“ Doch ihr Widerspruch war nur halbherzig, denn sie hatte das Thema vertieft. „Mein eigentliches Ziel war, dir zu beichten, wie wenig ich von dieser einen Nacht überhaupt weiß.“
„Wenn allein die Runde Morgensex bei dir dazu geführt hat, keinen anderen Kerl mehr anschauen zu können, ohne ihn mit mir zu vergleichen, reicht mir das völlig aus.“ Nun landete Canas Kopfkissen doch in Laxus‘ Gesicht. Zumindest wäre es das, wenn er nicht blitzschnell seine Hand gehoben und das Kissen abgeblockt hätte.
„Du bist eingebildet und selbstbezogen, ist dir das schon einmal aufgefallen? Eigentlich habe ich auch nur ein paar Wochen auf dich gewartet. Dann galt meine Aufmerksamkeit nicht mehr einem eventuellen Partner, sondern meiner ungeborenen Tochter.“
„Und der Nacht inklusive der Runde Morgensex bei ihrer Entstehung.“
Cana klappte der Mund auf, denn ihr fiel angesichts dieser Aussage, begleitet von einem triumphierenden Gesichtsausdruck, nichts mehr ein. Wenn sie Laxus nicht so sehr lieben würde, hätte sie ihn jetzt aus dem Bett geworfen, das stand fest. „Du bist ein selbstgefälliger Arsch.“ Das war ihre Alternative, mit der sie sich begnügen musste.
„Mama, das sagt man nicht“, murmelte Lexy im Halbschlaf.
„Du hast dich nur verhört, Süße“, flüsterte Cana und sah zufrieden, wie Lexy kurz brummte und dann weiterschlief.
Cana hingegen war wirklich wach und hatte auch keine Lust, weiterhin im Bett liegen zu bleiben. Deshalb setzte sie sich auf und ließ die Bettdecke vorsichtig hinuntergleiten, um Lexy nicht erneut aufzuwecken. Dabei ignorierte sie Laxus‘ intensiven, aber nicht aufdringlichen Blick. Sie stand auf und lief zu ihrem Kleiderschrank, um aus ihrem schwindenden Stapel an sauberen Oberteilen etwas für den heutigen Tag zu suchen, das zu ihrer rotbraunen, langen Hose passte. Diese lag nach wie vor im Badezimmer.
„Ist das alles, was du an Kleidung besitzt?“ Laxus‘ Stimme ertönte vom Bett aus. Offenbar wollte er noch nicht aufstehen.
„Ja. Das reicht mir.“
„Du hast weniger Sachen im Schrank als ich. Und ich weiß noch sehr gut, wie du dich mit siebzehn Jahren über einen neuen Kleiderschrank informiert hast, weil dir dein bisheriger nicht gereicht hat.“
Cana seufzte und wollte sich durch die Haare fahren. Doch dabei blieb sie an ihrem Zopfgummi hängen. Kurzerhand zog sie es einfach aus ihren Haaren und schüttelte diese aus. „Mir reichen meine Kleidungsstücke. Lexy benötigt weitaus mehr Kleidung, auch wenn sie im Vergleich zu anderen langsam wächst.“
„Also hast du den Großteil deines Schrankes nicht freiwillig aufgegeben, sondern aufgrund von Lexy darauf verzichtet.“
„Ich hatte andere Sorgen als einen leeren Kleiderschrank, wenn ich ehrlich bin. Den Großteil meiner Sachen habe ich damals sowieso bei Gildarts gelagert und nach meiner Rückkehr endgültig weggeworfen.“
„Du bist die erste Frau, die den Großteil ihrer Kleidung einfach wegwirft.“ Dieses Mal kam die Stimme nicht vom Bett, sondern ertönte direkt hinter ihr.
Überrascht drehte sich Cana um und wurde mit dem schwarzen Gildenzeichen begrüßt, umrandet von dem ausladenden Tribaltattoo, das er sich damals zu seinem achtzehnten Geburtstag hatte stechen lassen. Doch ihr Mund wurde nicht deshalb trocken. Dafür sorgte der leicht gebräunte, muskulöse Oberkörper, der nur wenige Zentimeter von ihr entfernt war und auf den sie nicht im Mindesten vorbereitet gewesen war. Sie hatte eine Schwäche für ausgeprägte Muskeln, insbesondere wenn diese zu Laxus gehörten.
Ihr Kinn wurde von einer warmen Hand umfasst und angehoben, bis sie nicht mehr auf Laxus‘ Oberkörper, sondern in sein Gesicht blickte. Das äußerst amüsiert aussah, wenn sie die blitzenden Augen und die zuckenden Mundwinkel richtig deutete.
Cana hingegen wurde einmal mehr ihre Unerfahrenheit in romantischen Beziehungen bewusst und sie spürte, wie sich Hitze auf ihre Wangen legte. Doch sie machte keinen Rückzieher, sondern erwiderte Laxus‘ unausgesprochene Herausforderung stumm mit einem festen Blick und entschlossenen Gesichtsausdruck.
„Auf jeden Fall wirfst du nicht grundlos Kleidung fort. Was war also der Grund dafür?“ „Wieso willst du das unbedingt wissen?“, erwiderte sie ehrlich interessiert.
Laxus legte den Kopf schief. „Das ist dir nicht bewusst? Cana, ich liebe dich. Deshalb möchte ich alles erfahren. Unter anderem, warum du einen vollkommen anderen Kleidungsstil hast als früher. Das habe ich übrigens selbstständig erkannt, auch wenn Ever es ebenfalls erwähnt hat.“
Cana verschlug es den Atem, denn auf diese beiläufige Liebesbekundung war sie nicht vorbereitet. Falls sie geplant war, hatte sie funktioniert: Auch wenn sie nicht gern darüber sprach, Laxus würde den Grund für ihren Stilwechsel herausfinden. Wahrscheinlich war es besser, das jetzt zu tun als später.
„Nicht jeder hat so viel Glück wie Bisca.“ Bedächtig fing sie an und wog jedes Wort vorher ab, weil sie nicht unzufrieden klingen wollte. Sie würde sich jederzeit wieder für Lexy entscheiden, ganz egal wie schwerwiegend die Konsequenzen auch sein mochten. „Neben der Tatsache, dass ich mich mit den Bikinioberteilen nicht mehr wohlfühle, hat die Schwangerschaft ihre Spuren hinterlassen.“
Laxus runzelte nur die Stirn, während sein Blick analysierend an ihr hinunter- und wieder hochwanderte.
Wortlos umfasste Cana den Saum ihres Schlafshirt, raffte es zwischen ihren Fingern zusammen, bis es eng an ihrem Körper anlag und hob es bis unter ihre Brust an. Die senkrechten, dunklen Streifen, die sich in feinen Strichen über ihren Bauch zogen, waren durch ihre leichte Bräune deutlich sichtbar.
Laxus‘ Augen weiteten sich und Cana ließ ihr Shirt wieder los.
„Ich bin froh, dass ich diese nur am Bauch habe. Aber sie sind da und werden nie wieder fortgehen. Vielleicht verstehst du meine Entscheidung. Außerdem ziehen Oberteile, die den Großteil meines Oberkörpers bedecken, weitaus weniger Blicke auf sich.“
Ihr halbherziger Witz kam wahrscheinlich nicht an, denn Laxus hatte inzwischen ihr Kinn losgelassen, während seine Hand langsam sank. Nur, um sich auf ihre Hüften zu legen, wo ihr Schlafshirt aufhörte. „Darf ich?“
Seine leise Frage schnürte ihr die Kehle zu und sie nickte nur stumm. Die Hände an den Seiten zu Fäusten geballt, senkte sie ihren Kopf und beobachtete seine Hand, wie er erstaunlich behutsam ihr Shirt anhob. Nur so weit, bis die Schwangerschaftsstreifen erneut sichtbar waren. Mit seiner anderen Hand berührte er eine der Narben.
Cana zog scharf die Luft ein, als ihre Haut an dieser Stelle zu kribbeln begann, als ob kleine, elektrische Ladungen von seinen auf ihren Körper übersprangen. Es war nicht unangenehm, ganz im Gegenteil. Doch in einem entfernten Teil ihres Gehirns war sie sich ihrer schlafenden Tochter nur wenige Meter neben ihr bewusst. Sonst hätte sie sich nicht so stark zusammengerissen.
Laxus selbst hingegen schien ihre Stimmung nicht wahrzunehmen, denn er fuhr langsam ein paar der Narben nach. „Ist das normal? Du hast Narben durch die Schwangerschaft mit Lexy bekommen?“
„Ja. Das ist vollkommen normal und ich bin froh, sie nur am Bauch zu haben. Bei anderen Frauen gehen diese von den Oberschenkeln bis zu den Brüsten. Durch die starke Dehnung der Haut reißt diese ein. Du hättest diese Streifen sehen sollen, als sie frisch waren. Die Hälfte meines Bauches war mit Blutergüssen bedeckt. Ich sah aus, als ob ich mit einer Peitsche geschlagen worden wäre.“
Laxus ließ abrupt den Stoff los und noch bevor Cana den Verlust seiner Berührung bedauern konnte, hatte er seine Arme um sie geschlungen und drückte sie an sich. „Beim nächsten Mal wirst du das nicht allein durchstehen.“
Cana erstarrte. Sie erinnerte sich noch zu gut an seine Ablehnung bei Makarov, als dieser von weiterem Nachwuchs geredet hatte. Doch das hier klang nach dem kompletten Gegenteil. Als ob Laxus davon überzeugt war, Lexy nicht als Einzelkind aufwachsen zu lassen. Dieser Gedanke löste in ihr widerstreitende Gefühle aus, von denen ein einziges überwog: Überforderung.
Laxus hatte ihre Reaktion gemerkt und löste sich von ihr, um sie verlegen anzublicken. „Das war jetzt etwas missverständlich ausgedrückt. Ich meinte damit nicht, definitiv mehr Nachwuchs geplant zu haben. Nur ist der Gedanke, wirklich von Anfang an dabei zu sein, verlockend. Und scheinbar scheine ich keine allzu große Enttäuschung als Vater zu sein, auch wenn ich das immer befürchtet habe. Du musst dich auf keinen Fall zu etwas verpflichtet fühlen. Wahrscheinlich hätte ich das gar nicht erwähnen sollen.“
Cana schüttelte lächelnd den Kopf, denn seine Reaktion verriet ihr seine Besorgnis. „Es war unerwartet. Der Zeitpunkt ist zu früh, um über Kinder zu sprechen. Aber es ist schön zu wissen, wie du darüber denkst. Ich habe mich nie wirklich damit beschäftigt, weil Lexy meine Aufmerksamkeit vollständig beansprucht hat.“
„Wieso schaut ihr euch so komisch an? Habt ihr wieder gestritten?“ Lexys verschlafene Stimme kam im perfekten Moment.
„Nein. Heute nicht, Lexy.“ Laxus war mit der Antwort schneller und er wandte sich bereits Lexy zu. Doch nicht ohne kurz unter Canas Shirt und über die darunterliegende Haut zu fahren. Als Zeichen, wie wenig ihm diese Veränderungen ausmachten.
Cana bekam feuchte Augen. Insgeheim hatte sie am Anfang besonders unter diesen Veränderungen gelitten und diese bis heute nur widerwillig akzeptiert. Doch wenn sie Laxus nichts bedeuteten, fiel es ihr leichter, sich mit diesen abzufinden.
+++

An alle, die sich auf Fluff gefreut haben - ich hoffe, das war genug Fluff für euch^^ Ehrlich gesagt ist es nicht so einfach, Fluff ohne Kitsch zu schreiben, weshalb die Themen vielleicht etwas ernster waren als gedacht. Aber diese wollte ich ebenfalls ansprechen, weil sie in meinen Augen gern in Geschichten ignoriert werden. Falls meine Informationen über Schwangerschaftsstreifen falsch sind, sagt mir das bitte. Da ich keine Erfahrung in diesem Gebiet habe, musste ich auf Recherche zurückgreifen.
Danke für die Rückmeldungen zum letzten Kapitel!
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