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Schritt für Schritt

GeschichteRomance, Familie / P16 / Het
04.06.2020
29.08.2021
66
232.093
37
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18.02.2021 3.729
 
Kapitel 38 – Der Einfluss einer Tochter

„Und ihr trefft euch nicht jeden Abend ohne mich?“
„Nein Lexy, tun wir nicht.“
„Du weißt, du darfst nicht lügen. Und tagsüber trefft ihr euch auch nicht, wenn ich in der Vorschule bin?“
„Nein Lexy, Laxus und ich gehen auf Aufträge, um Geld zu verdienen.“
„Wirklich?“ Lexy sah nicht überzeugt aus und Cana seufzte, bevor sie mitten auf der Straße stehen blieb und in die Hocke ging, um mit ihrer Tochter auf gleicher Höhe zu sein.
„Du weißt, du kannst mir alles erzählen. Laxus und ich wollen nur, dass du glücklich bist. Wenn du nicht mit mir darüber reden möchtest, kannst du das mit deinem Vater tun.“
Lexy knetete den Saum ihrer Jacke, während sie die Stirn gerunzelt hatte und scheinbar angestrengt nachdachte. „Bin ich euch im Weg?“, flüsterte sie und Cana war sprachlos.
Für den ersten Moment, dann hatte sie sich wieder im Griff und legte Lexy die Hände auf die Schultern. „Schatz, hör zu. Du bist nicht im Weg, ganz im Gegenteil. Du bist der Grund, warum wir das überhaupt machen. Ehrlich gesagt, hätte zumindest ich ohne dich zu wenig Mut, das mit Laxus zu versuchen. Du weißt, dein Vater kann manchmal sehr einschüchternd sein.“
Lexy lächelte zaghaft. „Ja, auch wenn ich keine Angst vor ihm habe. Also störe ich euch wirklich nicht? Kein kleines bisschen? Auch wenn ich zu Gramps oder Jii-jii muss?“
„Natürlich nicht. Nur sind unsere Gespräche sehr langweilig. Leider muss man bei diesen Verabredungen viel reden, um sich besser kennenzulernen. Es ist so, als ob man einen neuen Freund findet, verstehst du?“ Sie verschwieg die anderen Dinge, die man bei Verabredungen auch tat. Küssen und alles, was darüber hinausging, waren Tätigkeiten, über die Lexy in ihrem Alter noch nicht viel wissen musste. Und wenn sie ehrlich war, würde sie diese Dinge lieber Laxus überlassen, denn wahrscheinlich hörte Lexy dann in ihrer Pubertät eher auf ihren Vater als auf sie.
„Also redet ihr nur die ganze Zeit miteinander? Maly hat erzählt, man macht dort Dinge, die für Kinder peinlich sind.“
„Da hat er nicht ganz unrecht“, murmelte Cana, wenn sie an die bisher einzige Verabredung mit Laxus vor ein paar Tagen zurückdachte. Bisher hatten sie sich in Lexys Gegenwart zurückgehalten, was Körperkontakt anging. Den Grund wusste sie selbst nicht so genau, es hatte sich einfach nicht anders ergeben.
Sie trat mit Lexy zusammen über die Schwelle der Gildenhalle und lächelte, als sie eine bekannte, blonde Gestalt im ersten Stock erblicken konnte. Laxus war also bereits von seinem Auftrag zurück, er war gestern aufgebrochen und hatte eher mit einer Rückkehr zur Abendzeit gerechnet.
„PAPA!“, brüllte Lexy begeistert durch die Halle und stürmte bereits die Stufen zum ersten Stock hoch, als der letzte Buchstabe noch im Raum nachhallte.
Cana prustete leise, bevor sie zur Theke und damit zu Mira ging. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Laxus von einer begeisterten Lexy überrumpelt wurde, indem sie sich kurzerhand zwischen ihn und den Tisch drängte, an dem er saß. Wie sie das anstellte, konnte Cana sich nicht erklären und schob es einfach auf die Gelenkigkeit von Kindern in Lexys Alter.
„Hier hat jemand seinen Vater vermisst, schätze ich?“ Mira stellte ihr ohne Aufforderung eine Tasse mit dampfendem Schwarztee hin, den Cana dankend annahm. Es war immer noch kalt und sie wusste die kleine Aufmerksamkeit von Mira zu schätzen.
„Ja. Sie verkraftet es zwar einigermaßen, wenn er eine Nacht lang wegbleibt. Aber dafür möchte sie umso mehr Aufmerksamkeit von ihm, wenn er wieder da ist.“
„Mich verwundert es eher, warum du nicht auch dort oben bist und ihn begrüßt. Ihr beide habt doch die Verabredung erfolgreich hinter euch gebracht? Freed hat mir da ein paar Dinge erzählt, die er von Laxus aufgeschnappt hat. Genau deshalb möchte ich dich fragen, warum du und Laxus bisher noch keinerlei Anstalten gemacht habt, die Nacht miteinander zu verbringen.“
„Mira!“ Cana zischte, so leise es nur ging, und warf kurz einen Blick in die Runde. Doch jeder schien mit etwas anderem beschäftigt zu sein, als sich um ihr Gespräch mit der anderen Magierin zu kümmern. „Das ist etwas, das nur Laxus und mich etwas angeht! Ich wette, Freed hat das nur als Vermutung geäußert und du willst von mir die Wahrheit wissen! Deshalb noch einmal: Es geht dich nichts an.“
Mira setzte eine enttäuschte Miene auf, doch Cana tat das in diesem Moment alles andere als leid. Egal, wie nett Mira das auch meinte, gewisse Dinge blieben zwischen den Beteiligten. Erst recht, weil Mira sich in dieser Hinsicht auch sehr bedeckt hielt und es nicht mochte, wenn das Thema auf sie und Freed zu sprechen kam.
„Mama!“ Cana war froh, Lexys Stimme zu hören, denn das gab ihr die Gelegenheit, aus der unangenehmen Situation mit Mira zu fliehen, ohne es wie eine Flucht aussehen zu lassen.
Deshalb drehte sie sich um und suchte mit den Augen die Halle nach ihrer Tochter ab, nur um sie vom Fuß der Treppe auf sie zustürmen zu sehen. Laxus lief direkt hinter ihr, die Hände in seinen Hosentaschen vergraben, während sein schwarzer Mantel wie immer locker auf seinen Schultern lag.
Cana warf einen fragenden Blick in den ersten Stock, in dem Bixlow an die Balustrade gelehnt stand und sie voll Vorfreude angrinste. Das wiederum löste leichte Unruhe in ihr aus, denn ein Bixlow mit dieser Emotion bedeutete nicht unbedingt etwas Gutes. Sie löste sich von der Bar und lief auf Lexy und Laxus zu. Dann erst erkannte sie den undurchdringlichen Gesichtsausdruck, den Laxus aufgesetzt hatte.
Im Nu wurde ihre Unruhe von Nervosität abgelöst. Dieser Ausdruck auf Laxus‘ Gesicht bedeutete, dass er etwas Unvorhergesehenes versuchen würde. Dies konnte sowohl etwas Gutes als auch etwas Schlechtes bedeuten. Wenn sie an die letzten Male dachte, an denen er diese Miene an den Tag gelegt hatte, wurde ihr mehr als nur etwas mulmig zumute. Denn das war für sie stets unerfreulich ausgegangen.
Deshalb verlangsamte sie ihre Schritte, bis sie inmitten der Gildenhalle stehen blieb. Dabei konnte sie regelrecht fühlen, wie der Klumpen in ihrem Magen immer größer wurde.
Laxus hingegen behielt seine Geschwindigkeit bei und kam erst unmittelbar vor ihr zum Stillstand, sodass sie den Kopf in den Nacken legen musste, um ihm ins Gesicht blicken zu können.
„Laxus?“, murmelte sie, wobei sich das wie eine Frage anhörte. Er blickte sie für ein paar endlose Sekunden stumm an, dann schüttelte er kurz mit dem Kopf.
Dann geschah alles sehr schnell. Laxus umfasste ihr Gesicht mit beiden Händen und beugte sich zu ihr hinunter, um seine Lippen auf ihre zu pressen. Fast schon reflexartig krallte sie sich mit ihren Händen an seinem offenstehenden Mantel fest, um wenigstens einen sicheren Halt zu haben. Ihre Beine waren bereits jetzt zu weich, um ihr noch einen vernünftigen Stand zu bieten. Für einen Moment waren seine Lippen hart und unnachgiebig, als ob er den Kuss nicht wollte. Doch dann wurden seine Lippen weich. Cana spürte regelrecht, wie die elektrische Ladung um Laxus herum leise knisterte. Ein Zeichen, das von seinen überschäumenden Emotionen und der damit verbundenen Magie herrührte, wie sie gelernt hatte. Sie verlor sich in dem Kuss, in dem auf einmal nur noch Empfindungen eine Rolle spielten: Sein Geschmack, der sie wie immer an Blitze erinnerte, sofern diese überhaupt einen Geschmack haben konnten, ihr rasendes Herz, das aus ihrer Brust springen wollte und der Puls, der in ihren Ohren pochte und alle anderen Geräusche um sie herum ausblendete.
Cana wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, bis sich Laxus‘ Mund von ihrem löste. Doch anstatt zurückzutreten, legte er seine Stirn gegen ihre und schaute sie so aus nächster Nähe an. In seinen Augen sah sie die Emotionen umherwirbeln und sie wusste, dass ihre vermutlich einen identischen Ausdruck vorweisen konnten.
„Das hätte ich schon viel früher machen sollen“, murmelte er. „Warum mich erst Lexy darauf ansprechen musste, weiß ich jetzt gar nicht.“
Cana lächelte. „Sie hat mich die letzten Tage ausgefragt, warum wir nicht ‚anders‘ sind. Ob etwas falsch war und als ich das verneint habe, war sie noch verwirrter als am Anfang.“
„Ist dir aufgefallen, wie ruhig es geworden ist?“ Laxus‘ Mundwinkel zuckten für einen Moment, dann setzte er seine gewohnt gelangweilte Miene auf und löste sich endgültig von ihr. Sofort begann Cana, seine Körperwärme zu vermissen. Sie schüttelte innerlich den Kopf. Wann war sie so abhängig von einfachem Körperkontakt geworden? Es war zwar Laxus, aber die letzten Jahre hatte sie es auch ohne ihn ausgehalten. Streng genommen hatte sie zwar andere Sorgen gehabt als körperliche Nähe. Aber dass sich dies innerhalb weniger Tage dermaßen verändern könnte, hatte sie nicht erwartet. Doch vielleicht waren es auch nur die aufgestauten Hormone in ihr. Dieses Bedürfnis würde sich legen, wenn sie erst einmal die Nacht miteinander verbracht hatten. Das hoffte sie zumindest.
Laxus erfüllte dieses Bedürfnis für den Moment, indem er den Arm um ihre Taille legte.
Cana spürte regelrecht, wie die Glücksgefühle ihren Körper umhüllten. Doch das schrille Pfeifen aus dem ersten Stock, gefolgt von Bixlows Gelächter riss sie aus ihrer kleinen, glücklichen Welt. Jetzt erst wurde ihr wirklich bewusst, an welchem Ort in Fiore sie sich gerade befand.
Laxus hatte mit seiner Andeutung über ihre Aufmerksamkeit vom Rest der Gilde richtig gelegen. Egal wohin sie blickte, die Gesichter waren in ihre Richtung gedreht. Lucy schien sich Tränen aus dem Gesicht zu wischen, während Natsu ausnahmsweise still neben ihr saß und mit großen Augen Laxus anblickte. Juvia lächelte, Gray hingegen schüttelte nur den Kopf. Doch Cana erkannte seine Belustigung. Mira hinter der Bar strahlte über das ganze Gesicht und der Master auf der Theke schluchzte unkontrolliert. Bei Gildarts‘ Reaktion wurde ihr etwas mulmig zumute, denn er schien Laxus mit seinen Blicken regelrecht zu erdolchen. Doch als ihm ihr Blick auffiel, verzog er leicht das Gesicht und nickte schließlich, wenn auch mit Widerwillen. Cana konnte sich nur zu gut denken, warum: Gildarts war kein Freund von „intimen“ Gefühlsbezeugungen in der Öffentlichkeit, erst recht nicht denen der eigenen Tochter.
„Ich bringe Bixlow um“, murmelte Laxus und sie wandte den Blick zum ersten Stock, doch der Puppenmagier schaute nur betont unschuldig drein. Ever hingegen, die sich zu ihm gesellt hatte, hatte die Arme vor der Brust verschränkt und grinste Cana an. In diesem Grinsen steckte auch ein großer Anteil von Spott, dessen Grund sie natürlich kannte. Immerhin hatte sie es leider Ever zu verdanken, überhaupt hier zu stehen. Mit Laxus an ihrer Seite, der sie eben buchstäblich von den Füßen gerissen hatte. Zumindest fühlten sich ihre Knie noch immer sehr weich an und sie umschlang Laxus nun ebenfalls, um bloß keine Schwäche zu zeigen.
„Ich bringe Bixlow und Ever um“, sagte Laxus. In einem geknurrten Tonfall, der die schlimmsten Qualen für seine beiden Teammitglieder versprach.
Cana lachte leise auf. „Was hast du erwartet, wenn du das hier machst? Sie freuen sich, genau wie alle anderen. Wenn man von Gildarts einmal absieht, der scheinbar noch am Überlegen ist, ob er sich freuen oder dich erwürgen soll.“
„Er wird sich freuen. Immerhin würde er bei der zweiten Variante seiner Tochter den Freund und seiner Enkelin den Vater wegnehmen, das bringt er nicht übers Herz.“
Canas Herz hüpfte kurz, als sie das Wort „Freund“ aus Laxus‘ Mund hörte. Sie hatten bisher nicht wirklich über dieses Thema geredet. Aber ihre neue Beziehung von Laxus so selbstverständlich zu hören, bestätigte ihr ein weiteres Mal, die richtige Entscheidung mit der Verabredung getroffen zu haben. Dann fiel ihr eine andere, sehr wichtige Person ein, die sie bisher noch nicht erblickt hatte.
„Wo ist Lexy?“ Panik machte sich in ihr breit. Lexys Fragen auf dem Weg zur Gilde hatten ihr viel über die Ängste ihrer Tochter verraten. Jetzt hatte Lexy mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit diese Szene gesehen, auch wenn Cana sie nicht ausfindig machen konnte.
„Beruhige dich, Cana.“ Laxus‘ Griff um ihre Hüfte verstärkte sich, als sie sich von ihm lösen wollte.
Sie hielt inne und blickte fragend zu ihm auf, nur um ein wissendes Grinsen auf seinem Gesicht zu erkennen.
„Lexy war diejenige, die mich eben noch mit Fragen regelrecht durchlöchert hat, warum wir uns nicht anders verhalten, wenn unsere ‚Kuss-Freundschaft‘ doch funktioniert. Ihre Worte, nicht meine. Nun, sie war sehr verwirrt, fast schon ein wenig ängstlich und da hat Bixlow eine Lösung vorgeschlagen, von der sie direkt begeistert war.“
Cana blinzelte ungläubig. „Du willst mir erzählen, du hast dich von einer fast Sechsjährigen zu etwas überreden lassen, das überhaupt nicht deinem Charakter entspricht? Noch dazu mit einem Vorschlag, der ausgerechnet von Bixlow kommt?“
„Bixlow hat in gewissen Situationen die besten Vorschläge, diese hier war eine davon.“
„Mama!“ Im nächsten Moment wurde Cana fast von einer kleinen Gestalt umgerannt, wenn Laxus sie nicht weiterhin festgehalten hätte. Lexy, die voll Inbrunst ihre Arme um sie geschlungen hatte, strahlte über das ganze Gesicht. „Ich hab das gut gemacht, nicht wahr? Und die Dinge, die ihr jetzt gemacht habt, waren gar nicht so peinlich! Nur ein bisschen! Maly hat also Unrecht, das sage ich ihm morgen gleich!“
„Bei Mavis“, stieß Cana seufzend aus, während ihr ein sanfter Druck an ihrer Hüfte klarmachte, wer eingeweiht werden wollte. „Lexys Freund aus der Vorschule hat gemeint, Eltern machen zu zweit Dinge, die nichts für Kinder sind, weil sie zu peinlich wären. Den Rest kannst du dir denken.“
Laxus beugte seinen Kopf zu ihr, bis seine Lippen direkt an ihrem Ohr waren. „Daran denke ich. Öfters als du dir ausmalen kannst.“
Cana presste die Lippen zusammen, als ihr Körper die entsprechende Reaktion zu Laxus‘ Andeutung zeigte. Und das inmitten der Gildenhalle, in der drei Magier sehr feine Nasen hatten und zwei von diesen genau wussten, dass ihr Geruch höchstwahrscheinlich auch eine Spur Erregung beinhaltete.
Das zufriedene Lachen von Laxus bestätigte ihr das und sie bohrte ihm ihren Zeigefinger erbost in die Seite, was er nicht zu bemerken schien.
„Mistkerl“, murmelte sie ohne Schärfe in der Stimme. Ein leichtes Beben an ihrer Seite verriet ihr, dass besagter Mistkerl sie gehört hatte, nur um sich köstlich darüber zu amüsieren.
„Mama, Mistkerl ist ein Wort, das man nicht sagt.“ Und offensichtlich war Laxus nicht der Einzige, der ihre Äußerung gehört hatte.
Kurz verfluchte Cana das scharfe Gehör ihrer Tochter, dann räusperte sie sich unbehaglich. „Ja. Tut mir leid, Lexy.“
„Man muss sich aber bei der Person entschuldigen, zu der man das Wort gesagt hat“, antwortete Lexy altklug.
Cana seufzte. „Tut mir leid, Laxus.“
Diese halbherzige Entschuldigung war für Lexy gut genug, denn sie nickte zufrieden.
Laxus hingegen schien sich köstlich zu amüsieren. Denn das unterdrückte Lachen, das Cana weiterhin durch das Beben seines Brustkorbs spüren konnte, wurde noch eine Spur stärker.
„Ihr dürft euch auch küssen, wenn ich dabei bin. Nur nicht so oft, denn das ist eklig“, verkündete Lexy und blickte beide abwechselnd an.
„Du gibst deiner Mutter und mir ebenfalls einen Kuss, wenn wir dich ins Bett bringen.“ Immerhin ließ sich Laxus endlich ebenfalls dazu herab, mit seiner Tochter zu reden, anstatt Cana alles erklären zu lassen.
„Das ist etwas anderes.“ Lexy sprach mit völliger Überzeugung. „Papas und Mamas machen das, wenn sie ihre Kinder ins Bett bringen. Aber Mamas und Papas sollen sich küssen, wenn sie allein sind, denn vor Kindern ist das komisch. Küsse zwischen Jungen und Mädchen sind generell komisch.“ Sie kräuselte die Nase und Cana musste sich ein Lachen verkneifen.
„Und trotzdem erlaubst du uns, uns hier zu küssen? Vor allen anderen und auch vor dir?“ Cana löste sich von Laxus und beugte sich zu Lexy hinunter.
Lexy fing an, mit ihrer linken Fußspitze auf den Boden zu tippen, während sie die Hände hinter ihrem Rücken verschränkte. „Du warst traurig“, murmelte sie. „Am Tag nach der Verabredung warst du glücklich, aber du und Papa habt euch nicht anders verhalten. Und dann hast du immer so traurig geschaut, wenn du gedacht hast, dass ich nicht hinschauen würde. Obwohl du sagst, es ist nicht wegen mir. Doch Gramps und Jii-jii haben gesagt, dass ihr beide euch wegen mir gestritten habt und deshalb aufpasst, was ihr sagt, wenn ich bei euch bin. Ich habe Jii-jii gefragt und er hat gesagt, das ist, weil ihr mir nicht wehtun wollt, wenn ihr beide für euch auch sehr wichtig seid.“ Cana sah mit Schrecken, die sich Lexys Augen langsam mit Tränen füllten, auch wenn ihre Stimme weiterhin fest war. Kurz verfluchte sie Makarov und Gildarts bezüglich der Notlüge über den Streit, auch wenn beide damit diese Reaktion bezweckt hatten. „Ich will nicht, dass ihr mich vergesst, aber wenn ihr ansonsten traurig seid, macht mich das auch traurig.“
„Oh Schatz.“ Diese zwei Worte brachen regelrecht aus Cana heraus und sie schlang die Arme um Lexy, um sie fest an sich zu drücken. Ihr wurde in diesem Moment schmerzlich bewusst, dass Lexy nicht mehr die kleine Dreijährige war, die mit einem gezwungenen Lachen ihrer Mutter glücklich gemacht werden konnte. Lexy war nun fast doppelt so alt und hatte, wahrscheinlich auch durch ihre Magie, sehr feine Sinne entwickelt. In jeder Hinsicht. Cana hatte immer gedacht, Lexy würde ihre kleinen Notlügen nicht merken, wann immer ihr es nicht gut ging. Doch offensichtlich hatte Lexy in den letzten Monaten einiges gelernt und konnte nun durch halbherzige Versicherungen nicht mehr getäuscht werden. „Ich kann dir nur sagen, es lag wirklich nicht an dir. Es war …“ Sie verstummte, als ihr die richtigen Worte ausgingen, und richtete ihren Blick hilfesuchend auf Laxus, der zwar schweigend, aber aufmerksam zugehört hatte.
„Was deine Mutter dir sagen möchte: Manchmal sind Erwachsene auch unsicher, so wie du jetzt. Unsicherheit kann manchmal aussehen wie Traurigkeit, weil man nicht weiß, was einen erwartet und man Angst hat, wie das ausgeht. Ungefähr so, wie wenn du in der Vorschule einen Test schreibst und auf dein Ergebnis wartest, wie letztes Mal das Buchstabieren, von dem du mir erzählt hast.“
„Aber warum seid ihr unsicher? Ihr mögt euch und ich mag euch.“
„Weil Veränderungen einen unsicher machen, Lexy.“ Laxus hatte sich jetzt ebenfalls zu Lexy hinab gebeugt. „Cana und ich wussten bisher nicht, wie wir mit der neuen Situation umgehen sollen, also haben wir sie einfach ignoriert.“
„Versteh ich nicht.“ Lexy blinzelte verwirrt und Cana lachte kurz.
„Das versteht niemand, Schatz. Aber jetzt sollte alles geklärt sein, nehme ich an?“
Laxus richtete sich wieder auf und grinste, bevor er eine überraschte Cana zu sich hoch zog und ihr abermals einen Kuss gab, der sie nach Luft schnappen ließ.
„Laxus, denkst du nicht, es reicht langsam?“ Als Antwort erhielt sie nur ein entschiedenes Kopfschütteln.
„Ich habe mir jahrelang die Fantasien von männlichen Personen über dich hier in der Halle anhören dürfen. Jetzt habe ich die beste Methode, diese nervenden Gespräche effektiv zum Verstummen zu bringen.“ Laxus klang so zufrieden mit sich selbst, dass Cana ihn für einen Moment am liebsten geschlagen hätte. Dann begnügte sie sich mit einem Augenrollen.
„Männer und ihr Bedürfnis, auf der Partnerin am besten ein Hinweisschild anzubringen“, murmelte sie, doch Laxus zuckte nur unbeeindruckt mit den Schultern.
„Männer möchten ein klares, deutliches Signal senden. Wie ich es gerade getan habe.“
„Signale? Und warum willst du Mama ein Hinweisschild geben, hat sie etwas nicht verstanden?“
Cana grinste Laxus an. „Ich denke, deine Tochter möchte ein paar Antworten von dir. Außerdem muss ich noch ein kurzes Gespräch mit deinem Team führen. Viel Erfolg.“ Sie wartete seine Antwort gar nicht ab. Stattdessen strich sie Lexy kurz über das Haar und ging dann zu Laxus‘ beiden Teamkameraden, die sie in Evers Fall selbstzufrieden und in Bixlows Fall mit einer gewissen Zweideutigkeit angrinsten.
„Du hast ein sehr interessantes Gespräch zwischen Laxus und Lexy verpasst“, sagte Ever, als sie neben ihnen im ersten Stock angekommen war.
„Will ich Genaueres darüber wissen?“
Bixlow ließ sein typisches Gelächter hören. „Du vielleicht schon, aber Laxus möchte nicht, dass du darüber etwas erfährst. Stell dir einfach eine Sechsjährige vor, die ihrem Vater eine Predigt hält.“
Cana zuckte mit den Schultern. „Ich habe ein paar dieser Gespräche mitbekommen, das ist nichts Neues für mich. Und eigentlich bin ich aus einem anderen Grund bei euch.“ Auch wenn sie das wahrscheinlich gleich bereuen würde, wenn sie Evers Gesichtsausdruck betrachtete. Denn dieser strotzte regelrecht vor Selbstzufriedenheit, doch Cana wusste, dass sie Ever noch ein Dankeschön schuldete.
„Bixlow, verzieh dich.“ Immerhin übernahm Ever es in ihrer üblichen Art, ihren Teamkameraden wegzuschicken. Dieser schüttelte nur den Kopf, beugte sich aber Evers Befehl – anders konnte man ihre Aussage nicht nennen – und lief gemütlich die Treppe in die Gildenhalle hinunter. Ever stützte ihre Arme auf die Brüstung und blickte Bixlow hinterher.
„Danke“, murmelte Cana und stellte sich an den Platz, an dem eben noch Bixlow gestanden hatte. Dann seufzte sie. „Das war in Bezug auf Bixlow. Eigentlich wollte ich dir für deine Offenheit danken. Auch wenn du mich eher gezwungen und provoziert hast, Laxus nach einer Verabredung zu fragen. Doch dank dir sind Laxus und ich überhaupt an dieser Stelle angelangt, an der wir heute stehen. Selbst, wenn das alles noch unglaublich beängstigend und gleichzeitig aufregend ist.“
„Ich habe es damals gesagt und sage es jetzt noch einmal.“ Ever blickte sie während des Sprechens nicht an, worüber Cana froh war. Das machte es einfacher, mit Laxus‘ Teamkameradin zu reden. „Laxus ist einer meiner engsten und ältesten Freunde, du hingegen nicht. Es ging mir einzig und allein darum, Laxus endlich das Glück zu geben, das er seit Jahren verdient hat. Selbst wenn es bedeutet, ihm einen Stoß in die Richtung zu der Frau zu geben, die ihn vor sieben Jahren einfach im Stich gelassen und ihre gemeinsame Tochter lieber allein großgezogen hat. Deshalb nehme ich dein Dankeschön an, auch wenn ich es nicht wegen dir getan habe.“ Mit diesen Worten stieß sich Ever von der Brüstung ab und lief in Richtung der hinteren Tische im ersten Stock, wo auch Elfman saß und sich mit Lisanna unterhielt.
Cana blickte ihr schweigend hinterher.
+++

Nachdem etliche bezüglich des Verhaltens der Gilde gegenüber gefragt haben, sollte diese Angelegenheit erledigt sein. Für mich ist Laxus jemand, der Privatangelegenheiten auch privat hält, bei Cana ist das in Bezug auf ernste Dinge ebenfalls der Fall.
Ursprünglich war das kürzer geplant, aber irgendwie artet bei mir alles aus. Auch Ever kam ungeplant noch einmal vor, denn für mich war ihre Position in diesem Beziehungsgeflecht noch nicht deutlich genug.
Wie findet ihr Evers Verhalten? Nachvollziehbar oder eher unverständlich? Und, ganz wichtig: Wie war Lexys Einfluss hier so, hat euch das überrascht oder nicht?
Danke für die Rückmeldungen zum letzten Mal! Mittlerweile ist das hier meine erfolgreichste Story hier auf dieser Plattform und ich bin nach wie vor überwältigt von der Resonanz für dieses außergewönliche Paar!
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