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Schritt für Schritt

GeschichteRomance, Familie / P16 / Het
04.06.2020
29.08.2021
66
232.093
37
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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11.02.2021 3.660
 
Kapitel 37 – Wichtige Geständnisse

Makarovs Haus war kleiner, als Cana es von einem Gildenmeister erwartet hätte. Eigentlich sah es nicht anders aus als die Häuser, in denen sie, Lucy oder Laxus ihre Wohnungen hatten. Nur gehörte ihm das gesamte Haus, nicht nur eine Wohnung.
Laxus schloss nahezu lautlos die Haustür auf und sie traten leise ein, doch es regte sich nichts. Der hintere Raum war beleuchtet, wahrscheinlich hielt sich Makarov dort entweder allein oder mit Lexy auf.
„Sagt mir bitte nicht, ihr seid bereits am Ende eurer Verabredung.“
Cana zuckte bei den unvermittelten Worten seitlich von ihr zusammen.
Makarov stand auf der Mitte der Treppe zum ersten Stock und blickte beide prüfend an. Doch sein misstrauischer Gesichtsausdruck verwandelte sich nach den ersten, bangen Augenblicken in einen von purer Freude, bevor er die Treppen regelrecht hinuntergehüpft kam. „Es lief also gut, wenn ich mir eure strahlenden Gesichter so anschaue. Geht ruhig ins Wohnzimmer, Lexy ist auf dem Sofa eingeschlafen. Sie wollte unbedingt warten, bis ihr sie abholt und ihr von eurer Verabredung erzählt. Außerdem hat sie gemeint, sie wäre beim nächsten Mal ebenfalls dabei. Laxus, was genau hast du ihr erzählt?“ Dieser Blick, der Laxus traf, war eindeutig der eines argwöhnischen Vaters und Cana konnte zusehen, wie sich der Vater ihrer Tochter innerhalb von Sekunden zu einem trotzigen Teenager verwandelte. Zumindest, wenn sie sein vorgeschobenes Kinn richtig deutete.
„Lexy ließ sich nicht anders beruhigen. Irgendetwas von wegen sie wäre uns egal, wenn Cana und ich ... Nun, was hätte ich sagen sollen? Sie stand kurz vor einem Tränenausbruch.“
„Sie hat dich um ihren Finger gewickelt“, murmelte Cana und blinzelte nur unbeeindruckt, als sie Laxus‘ peinlich berührter Blick traf. „Wir sollten ins Wohnzimmer gehen.“
Dort sah sie ihre schlafende Tochter auf dem Sofa liegen und ihr wurde warm ums Herz. Lexy schlief zwar nicht in einem Bett, doch das Kissen und die Decke waren eindeutig von einem geholt worden. Makarov schien wirklich an alles gedacht zu haben. Cana konnte sich kaum vorstellen, dass Laxus in Besitz von violetter Drachen-Prinzessinnen-Bettwäsche gewesen war.
Im nächsten Moment fühlte sie den berühmten Master-Blick und drehte sich fragend zu Makarov um. Dieser hatte sich auf einen dunkelroten Wohnzimmersessel gesetzt, der stilistisch nicht zu diesem dunkelblauen Sofa passte.
„Wenn du keine vielsagenden Blicke in der Gilde haben möchtest, solltest du in Zukunft deine Haare etwas mehr bändigen. Sie sehen aus, als ob du in einen Sturm geraten wärst. In einen mit Blitzen.“ Makarov zwinkerte und ihr wurde warm, während sie verzweifelt versuchte, die übersehenen Knoten in ihren Haaren zu finden und zu entwirren.
„Daran wird sich die Gilde gewöhnen müssen. Und Canas Haare sehen um ein Vielfaches ordentlicher aus als vorhin, da hättest du sie sehen müssen. Sie haben Levys ungebändigten Locken ernsthafte Konkurrenz gemacht.“
Für diesen zufriedenen Tonfall hätte Cana Laxus am liebsten geschlagen. Doch aufgrund ihrer schlafenden Tochter beließ sie es bei einem tödlichen Blick, bevor sie sich vorsichtig neben Lexy setzte, die von alldem nichts mitzubekommen schien.
„Hat sich Lexy einigermaßen benommen?“ Cana dachte mit Grauen an die wenigen Male zurück, an denen Gildarts auf seine Enkeltochter aufgepasst hatte, während sie für Blue Pegasus ein paar Besorgungen machen musste. Das erste Mal war ihre Wohnzimmerwand voll mit Fingerfarbe gewesen, das andere Mal hatte sie einen völlig zerschnittenen Teppich wegwerfen müssen. Gildarts hatte davon natürlich nichts mitbekommen, denn er war jedes Mal eingeschlafen, während Lexy Unfug trieb. Irgendwann hatte sie Lexy lieber mit in die Gildenhalle genommen, denn dort wachten weitaus mehr Augenpaare über sie und im Notfall war sie ebenfalls vor Ort. Das hatte sich im Nachhinein als eine gute Idee herausgestellt, denn in der Gildenhalle hatte Lexy ihren ersten Anfall gehabt.
„Sie war müde von der Vorschule. Wir haben etwas gemalt, dann etwas gegessen und während ich den Abwasch gemacht habe, ist sie hier auf dem Sofa eingeschlafen. Ich habe ihr noch die Sachen aus ihrem neuen Bett geholt, damit sie es bequemer hat. Doch seitdem schläft sie, das war vor ungefähr drei Stunden.“
Also war Lexy wirklich am Schlafen und würde durch fast nichts aufgeweckt werden. Das war beruhigend, denn Cana konnte an der Körperhaltung von Makarov ablesen, dass dieser noch so einige Dinge in Erfahrung bringen wollte. Mit Sicherheit über Laxus und sie, da verwettete sie ihre Tarotkarten darauf.
Nur am Rande bekam sie mit, wie sich Laxus neben sie auf das Sofa setzte. Doch als er nach ihrer Hand griff, wurde sie verlegen und senkte den Blick auf ihre verschränkten Finger. Es sah ähnlich aus wie bei ihr und Lexy, nur hatte sie dieses Mal die kindlich aussehende Hand. Nun, durch die langen Nägel und den dunkelroten Nagellack wirkte ihre Hand nicht wirklich kindlich, nur unglaublich zart und klein.
„Eigentlich hatte ich gehofft, ihr würdet die Nacht miteinander verbringen. Immerhin soll Lexy kein Einzelkind bleiben.“ Makarovs Tonfall klang unschuldig, doch seine Augen spiegelten die innere Erheiterung über seine Worte wider.
Cana wäre vor Scham am liebsten im Boden versunken. Aber da ihr dazu die passende Kartenkombination fehlte, begnügte sie sich damit, das Gesicht in den Händen zu vergraben und sich an jeden anderen Ort in Fiore zu wünschen.
„W-was?“ Laxus hatte ihre Hand noch vor ihrer Reaktion losgelassen und seine Stimme war vor Fassungslosigkeit vollkommen tonlos.
„Ich werde nicht jünger und wenn ihr mir euch beide anschaue, sieht das sehr harmonisch aus.“
„Ist das dein Ernst, Gramps? Cana und ich haben unsere erste Verabredung halbwegs erfolgreich hinter uns gebracht und du fängst direkt an, uns zu gemeinsamem Nachwuchs zu überreden? Ist dir bewusst, unter was für einen Druck du uns und vor allem Cana setzt?“ Cana spürte an ihrem Oberschenkel, wie Laxus‘ gesamter Körper anfing zu zittern. Ein Zeichen für seine Magie, die ihn in Augenblicken von emotionalem Stress unter Spannung setzte und ihn so zum Zittern brachte. Das merkte er selbst nicht, noch hatte das irgendeinen Einfluss auf ihn, doch für seine Mitmenschen stand er buchstäblich unter Strom.
„Ich habe zugelassen, wie ihr erst monatelang umeinander herumgetänzelt sein wie zwei Vulcans während der Paarungsphase. Ganz zu schweigen von den Jahren, die ihr getrennt voneinander verbracht habt. Weil das für euch beide am besten war. Doch jetzt steht euch nichts mehr im Weg außer ihr selbst. Da werde ich nicht weiterhin tatenlos zusehen, auch wenn das für euch beide mehr als nur peinlich ist.“
„Ich lasse mich von dir nicht bevormunden wie ein kleines Kind.“ Laxus presste die Worte zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
Cana spürte, wie sich Lexy auf ihrer anderen Seite bewegte und legte sanft die Hand auf den Kopf ihrer Tochter, um ihr beruhigend über das Haar zu streichen. Sofort wurde Lexys Atmung wieder langsamer und tiefer.
„Du benimmst dich gerade wie ein kleines Kind. Also wirf mir nicht vor, wie ein verantwortungsvoller Erwachsener zu handeln.“
Laxus atmete tief durch, dann stand er auf und blickte weder Cana noch Makarov an. „Wenn ich jetzt nicht gehe, werde ich Dinge äußern, die unserer Beziehung nicht förderlich sind, Gramps. Deshalb werde ich gehen. Cana, du kannst gern noch bleiben.“
Rasch stand Cana auf und schüttelte den Kopf. „Nein, ist schon in Ordnung. Es ist spät und Lexy wird morgen früh schlecht gelaunt sein. Mit jeder weiteren Minute, die wir hier verbringen, wird die Wahrscheinlichkeit geringer, sie zumindest mittags gut gelaunt aus der Vorschule abzuholen.“
Laxus nickte, dann trat er zu Lexy und nahm sie samt Decke und Kissen auf die Arme. Lexy murrte kurz, doch dann schlief sie ruhig an Laxus‘ Brust gelehnt weiter.
Cana ertappte Makarov, wie er sich kurz über die Augen wischte und dann von seinem Sessel hinunterhüpfte. „Ich begleite euch zur Tür.“ Seine Stimme klang etwas belegt, was auch Laxus aufzufallen schien. Denn dieser verengte kurz die Augen und sah einen Augenblick lang schuldbewusst aus, bevor er seinen gewohnten Gesichtsausdruck aufsetzte. Er lief dem Master nach bis zur Tür, doch als er nach dem Öffnen auf der Türschwelle stand, hielt er noch einmal inne und blickte auf Makarov hinunter.
„Es tut mir leid. Du willst nur das Beste für mich, das weiß ich. Doch ich werde das auf meine Weise machen, allein.“
Cana, die direkt hinter ihm stehen geblieben war, traf ein Blick aus Laxus‘ grünen Augen, der ihr alles bestätigte, was sie den Abend über gefühlt hatte. Sie spürte neben den Schmetterlingen zusätzlich ein unterschwelliges Kribbeln, das sich in ihrer Körpermitte festsetzte und sie unruhig werden ließ. Rasch wand sie den Blick ab und versuchte, das Kribbeln zu ignorieren. Laxus und sie wollten es langsam angehen. Sex direkt nach der ersten Verabredung war genau das Gegenteil davon.
„Danke, Master. Für das spontane Aufpassen auf Lexy, eigentlich für alles.“ Sie musste das nicht weiter ausführen. Makarov würde den Sinn ihrer Worte schon verstehen. Und sie hatte richtig gelegen, denn dieser grinste sie breit an und nickte. Nicht sein übliches Grinsen, sondern eines, das eine Spur weicher und liebevoller war.
„Lexy ist meine Urenkelin. Und du gehörst für mich zur Fairy-Tail-Familie und ...“ Er blickte kurz die Haustür hinaus, denn Laxus war bereits einige Schritte vorgelaufen. „Und in meinen Augen auch in die Dreyar-Familie, egal ob du unseren Nachnamen trägst oder nicht.“
Cana schossen Tränen in die Augen und sie beugte sich rasch hinunter, um dem Master einen kurzen Kuss auf die Wange zu geben.
„Danke“, flüsterte sie mit erstickter Stimme, bevor sie sich wieder aufrichtete und ebenfalls in Laxus‘ Richtung blickte. Dieser hatte in der Zwischenzeit festgestellt, dass sie nicht neben ihm lief und sich deshalb umgedreht, um sie fragend anzublicken.
„Ich komme.“ Sie formte die Worte lautlos mit ihren Lippen, dann verabschiedete sie sich einmal mehr von Makarov und eilte zu ihrer Familie. Mittlerweile bezeichnete sie Laxus und Lexy als solche, wenn auch nur in ihren Gedanken. Für den Augenblick, denn die aufkeimende Beziehung mit Laxus ließ sie hoffen, ihre gedankliche Bezeichnung auch irgendwann ofen aussprechen zu können.
„Was hat er zu dir gesagt? Du siehst aus, als ob du jeden Moment anfangen würdest zu heulen.“ Laxus‘ Worte mochten nicht allzu nett sein, sein Tonfall hingegen klang nur besorgt.
Cana schüttelte nur den Kopf, dann legte sie beiläufig eine Hand um seine Taille und war froh, als er abgesehen von einem überraschten Blinzeln keinerlei Reaktion zeigte.
„Also war es nichts Tragisches? Du hast einfach so das Bedürfnis, kurz vor einem Tränenausbruch zu stehen?“ Laxus bohrte noch einmal nach und Cana seufzte resignierend.
„Manchmal bedeuten Tränen emotionale Überforderung auf positive Weise. Makarov ist ein unglaublich liebevoller Mann, der mich immer wieder überrascht. Du kannst dich glücklich schätzen, von ihm aufgezogen worden zu sein. Er liebt dich und Lexy über alles, das weißt du. Mir wurde es eben einmal mehr bewusst.“ Das war zwar nicht ganz die Wahrheit, aber sie wollte Laxus in Erinnerung rufen, wen genau er zum Großvater hatte. Natürlich war Laxus‘ Stolz vorhin durch Makarovs Worte verletzt worden. Aber sie war nicht sicher, inwiefern sich die Beziehung der beiden seit ihrer endgültigen Aussprache vor ein paar Monaten wieder gebessert hatte. Wenn sie es konnte wie eben, wollte sie alles daran setzen, etwaige Rückschläge zu vermeiden oder so gering wie möglich zu halten.
„Ich weiß. Ich weiß auch, er meint es nur gut. Aber manchmal ... Nun, heute kam er mir wie eine männliche Mira vor, verstehst du? Nur nicht ganz so subtil wie sie.“
„Mira ist vieles, aber nicht subtil.“ Auf Canas trockene Aussage kam keine Erwiderung, was Antwort genug war.
Mittlerweile waren sie an Canas Haus angekommen und sie suchte nach ihren Schlüsseln, um die Tür aufzuschließen.
„Ist sie nicht? Entweder sie verhält sich euch gegenüber völlig anders als bei mir, Freed und Bixlow oder wir sehen ihre offensichtlichen Anspielungen nicht.“
„Da es sich bei euch dreien um Männer handelt, von denen einer noch obendrein mit besagter Magierin zusammen ist, klingen beide Möglichkeiten sehr wahrscheinlich für mich.“
Laxus schien über ihren Worten zu brüten, während sie Lexy in ihr Bett legten und sich dann zurück ins Wohnzimmer begaben. Erst dort, als sie etwas unsicher im Raum stehen blieb und sich zu ihm umdrehte, öffnete er seinen Mund für eine Erwiderung.
„Wolltest du damit gerade andeuten, wir wären in Bezug auf zwischenmenschliche Gespräche nicht so feinfühlig wie ihr?“
Cana zwinkerte ihm zu. „Ich deute das nicht an, ich weiß es.“
Im nächsten Moment fand sie sich mit dem Rücken an der Wand wieder, Laxus‘ Hände stemmten sich neben ihrem Kopf gegen die Wand. Er stand genau vor ihr und beugte sich langsam zu ihr hinunter, während er sie mit einem intensiven Blick fixierte. Ihr kroch ein Schauer über den Rücken. In diesem Moment fühlte sie sich regelrecht wie ein Stück Beute, das von einem Drachen ins Visier genommen war. Wahrscheinlich war ihre Situation auch gar nicht so anders. Nun, sie würde buchstäblich eher weniger gefressen werden, aber im übertragenen Sinne war das eine ganz andere Sache. Sie hatte nie verstanden, warum manche Frauen den Ausdruck „vernascht werden“ benutzten. Doch jetzt, in dieser Situation, mit Laxus‘ Blick und seinem Atem, den sie auf ihrem Gesicht spürte, kam ihr plötzlich die Erkenntnis, warum diese Worte manche Situationen perfekt beschrieben.
Wie hypnotisiert starrte sie ihm in die Augen und sah, wie sein Blick allmählich tiefer wanderte, bis er an ihren Lippen hängen blieb. Jetzt stieg Nervosität in ihr auf, die sie zumindest von ihren Hormonen ablenkte. Doch im nächsten Moment stiegen die Fragen in ihr auf. Erinnerte sich Laxus an ihre Übereinkunft, das hier langsam anzugehen? Oder hatte er sich umentschieden? Sollte sie ihn überhaupt darauf aufmerksam machen, bevor das hier noch weiterging? Erst recht angesichts der Tatsache, kein Problem mit einer schnelleren Entwicklung zu haben?
Im nächsten Moment war kein Laxus mehr vor ihr, sondern gute zwei Schritte entfernt von ihr. Er fuhr sich durch die Haare, während er scheinbar fasziniert auf das eingerahmte Foto von Lexys fünftem Geburtstag starrte, das an der Wand hing.
Gleichermaßen erleichtert und enttäuscht atmete Cana mehrmals tief durch, um ihren rasenden Puls wieder unter Kontrolle zu bekommen.
„Das war so nicht geplant“, murmelte Laxus schließlich nach ein paar Augenblicken unbehaglichen Schweigens. „Nach Gramps‘ Bemerkung über uns beide konnte ich nicht anders, als kurz darüber nachzudenken. Ich kenne das Fotoalbum von Lexy in- und auswendig, sowohl die Bilder vor als auch nach ihrer Geburt. Mir vorzustellen, wie du ...“ Er verstummte und lachte humorlos auf. „Emotionale Überforderung ist etwas, mit dem ich nur auf zwei Arten umgehen kann. Entweder ich werde rasend vor Wut oder ... ich habe diese Reaktion von eben. Ich weiß, wir haben uns darauf geeinigt, nichts zu überstürzen. Aber andererseits existiert Lexy aus bekannten Gründen, weshalb eigentlich weiterhin warten? Gramps hat recht, so ungern ich das auch zugebe. Er wird nicht jünger und wir auch nicht. Außerdem haben wir schon zu viele Jahre vergeudet.“
Cana schlang die Arme um sich und überlegte fieberhaft, wie sie Laxus ihre Einstellung dazu erklären konnte, ohne dass er in seinem emotional aufgewühlten Zustand auf seine erste Reaktionsmöglichkeit zurückgriff. Doch sie musste es versuchen, damit hier keine Missverständnisse aufkamen.
„Langsam angehen heißt nicht, nicht in einer Beziehung zu sein. Nur ... Ich habe keine große Erfahrung, wenn es um Verabredungen und dieses ganze Beziehungszeug geht. Es mag egoistisch klingen, aber nachdem bei uns so viel schief gelaufen ist, hätte ich gerne einen ‚richtigen‘ Anfang. Zumindest die ersten Wochen, damit ich nicht das Gefühl habe, diese Anfangsphase verpasst zu haben, von der alle so schwärmen.“
Laxus‘ Körperhaltung wurde während ihres gemurmelten Geständnisses immer entspannter. Zum Schluss zeigte sich sogar ein angedeutetes Lächeln auf seinem Gesicht. „Das ist also das eigentliche Problem. Ich kann dir versichern, dich auch nach den ersten Wochen so zu behandeln, wie du es verdient hast. Unabhängig davon, bereits ein Kind von mir zu haben.“ Langsam, fast schon vorsichtig trat er wieder zu ihr, um ihre Hände sanft zu umfassen. „Ich liebe dich. Daran wird sich nichts ändern, egal ob wir diese Sache hier schnell oder langsam angehen.“
Fast schon ungläubig hob Cana den Blick, doch in seinen Augen schimmerten all die Gefühle, die er ihr eben eingestanden hatte. Der Knoten in ihrem Magen, der sich in den letzten Minuten gebildet hatte, löste sich urplötzlich auf und sie spürte, wie ihr Tränen in die Augen traten. Genau diese Bestätigung von ihm hatte sie benötigt, auch wenn es ihr erst jetzt bewusst geworden war. „Laxus, ich liebe dich“, kam es ihr fast schon gehetzt über die Lippen, bevor sie der Mut verließ.
Sein breites Lächeln, das sein Gesicht regelrecht erleuchtete, war Antwort genug und er beugte sich erneut zu ihr hinunter, um sie langsam, fast schon bedächtig zu küssen. Dieses Mal auch ohne diesen hungrigen Ausdruck in den Augen, der sie vorhin in diesen Strudel der Verwirrung hatte stürzen lassen.

+++


Levy schlug die Augen auf und spürte, wie sich in ihr das Gefühl von Vorfreude breitmachte. Heute war gewissermaßen der Tag Null. Der erste Tag ihrer neuen-alten Beziehung zu Gajeel stand bevor. Gestern hatten sie noch stundenlang geredet, bis es spät wurde und sie sich verabschiedet hatte. Gajeel hatte es sich nicht nehmen lassen, sie bis zu Fairy Hills zu begleiten, damit sie „Nicht spontan flüchten konnte“, wie er es genannt hatte. Beide wussten, wie der Satz gemeint war. Gajeel hatte sie früher immer nach Hause gebracht, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Einfach, um sich selbst von ihrer Ankunft dort überzeugen zu können.
Heute würden sie zusammen auf einen Auftrag gehen. Sie musste das nur noch irgendwie Jet und Droy beibringen, denn diese beiden würden davon nicht begeistert sein. Sofort verpuffte die Vorfreude, nur um von einem Gefühl der Beklemmung ersetzt zu werden.
Doch sie hatte es sich gestern geschworen, ihre beiden Teamkameraden in gewisser Weise vorzuwarnen. Die beiden hatten sie in den letzten Monaten unterstützt und verdienten es, diese neue Entwicklung von ihr zu hören, nicht aus irgendwelchen dritten Quellen innerhalb der Gilde.
Es brachte nichts, weiterhin darüber nachzudenken. Seufzend setzte sich auf und schlug ihre Decke zurück. Nur zum direkt zu frieren, denn in ihrem Zimmer war es wirklich kalt. Scheinbar war die Heizung aufgefallen, denn sie ließ ihren Heizkörper auch nachts laufen, eben weil sie schnell anfing, zu frieren.
Mit klappernden Zähnen flüchtete sie ins Bad, nur um dort abermals von einer weiteren Kältewelle begrüßt zu werden. Also war die Heizung tatsächlich ausgefallen, denn der Heizkörper hier war ebenfalls eiskalt.
Eine Minute und einen schrillen Schrei später wusste sie, dass es ein anderes Problem gab als die Heizung. Das warme Wasser war nämlich ebenfalls verschwunden und nun stand sie zitternd unter der Dusche, während sich ihre Kopfhaut anfühlte, als ob sie sie gerade in Eiswasser getaucht hätte.
Nach einer kurzen Wäsche, bei der sie mit zusammengebissenen Zähnen sogar ihre Haare gewaschen hatte, war sie überglücklich, dass zumindest der Strom noch funktionierte. Denn der Fön pustete ihr wie immer warme Luft entgegen und sie seufzte glücklich. Hoffentlich ging dieser Ausfall von Heizung und Warmwasser nicht allzu lange, sondern nur wenige Stunden.

In der Gilde angekommen, ließ sich Levy mit einem Stöhnen auf die Bank bei Jet und Droy sinken und vergrub das Gesicht in den Händen.
„Ich werde sterben“, murmelte sie düster und ließ ihre Hände wieder sinken, nur um zwei irritierte Gesichter direkt vor sich zu sehen.
„Auch dir einen guten Morgen“, murmelte Jet, während Droy mit der Stirn runzelte.
„Bist du krank? Oder wieso wirst du sterben?“
„Ruchio hat mit mir heute gesprochen. Der Heizkessel ist kaputt. Ich habe weder Heizung noch warmes Wasser für die nächsten Tage. Das Unternehmen, das sich um den Kessel kümmert, hat momentan eine Krankheitswelle unter den Mitarbeitern und schafft es nicht, einen Installateur in den nächsten Tagen zu schicken. Das heißt, die nächsten Tage gibt es entweder eiskalte Zimmer für Levy oder ich gehe in ein Hotel. Was ich mir eigentlich nicht leisten kann, weil gerade Feriensaison ist und jedes Hotel nahezu ausgebucht ist.“
„Dann frage Gajeel, ob du die nächsten Tage bei ihm bleiben kannst. Das wäre nichts Neues, er wohnt doch noch immer in der Wohnung mit dem Gästezimmer, oder?“
Levy klappte bei Jets Worten der Mund auf. Droy, der nebenbei frühstückte, lachte nur kurz.
„Wir hatten heute Morgen Besuch von einem gewissen Dragon Slayer. Es war sehr unangenehm für ihn, so viel kann ich sagen. Was genau wir besprochen haben, ist nicht weiter wichtig. Vor allem ist es nicht für dich bestimmt. Lass mich es nur so ausdrücken: Es ist okay, ihm noch eine Chance zu geben.“
„Genau. Du hast unsere Unterstützung, was Gajeel anbetrifft. Ihr beide wart in den letzten Jahren zu niedergeschlagen. Droy und ich können gar nicht anders, als euch diese Chance von ganzem Herzen zu gönnen.“
Levy nickte langsam. „Danke. Für alles. Ihr seid wirklich die besten Freunde, die man sich wünschen kann.“ Beide winkten wie auf Kommando ab.
„Beeile dich lieber, Gajeel seelisch darauf vorzubereiten. Er kommt nämlich gerade wieder vom Büro des Masters zurück.“ Droy deutete mit einer angebissenen Scheibe Brot in die Richtung der Tür, von der Gajeel tatsächlich gerade in Richtung der Gildenhalle und damit ihr lief.
„Das sollte ich vermutlich machen“, murmelte Levy und stand zögernd auf.
„Du kannst das. Du hast es geschafft, diesem emotionslosen Sturkopf beizubringen, wie man sich in jemanden verliebt. Da wird eine einfache Frage wohl kein Problem sein.“ Jet klang doppelt so zuversichtlich, wie sie sich gerade fühlte.
„Dein Wort in Mavis‘ Ohr.“ Mit diesem Ausdruck lief Levy langsam zu Gajeel, der sie ebenfalls erblickte und mit dem Kinn zu seinem Stammtisch deutete. Nun, er wollte mit ihr ungestört reden, das war die beste Ausgangsposition für ihre Frage an ihn.
+++

Ein weiteres Kapitel ganz ohne Drama und mit einer gewissen Prise Humor! Ich gebe zu, manchmal muss das einfach sein und ich finde, das lockert die Grundstimmung dieser Geschichte einfach etwas auf.
Damit ist die Verabredung wirklich beendet - Wie fandet ihr die Szene bei Makarov zu Hause? Für mich war ein Gespräch innerhalb der "Familie" einfach zu wichtig, um das hier auszulassen.
Und wie sehr überrascht euch die Reaktion von Jet und Droy? Einfach einen Eisen Dragon Slayer vor der Tür stehen zu haben, erleben die beiden ja nicht alle Tage.
Vielen lieben Dank für die Rückmeldungen zum letzten Kapitel, ich war wie immer völlig geplättet
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