Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Schritt für Schritt

GeschichteRomance, Familie / P16 / Het
Cana Alberona Gajeel Redfox Laxus Dreyar Levy McGarden
04.06.2020
29.08.2021
66
232.093
37
Alle Kapitel
217 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
14.01.2021 3.699
 
Kapitel 33 – Probleme der Erwachsenen

„‚Sie ist nicht mehr da‘. Na und? Für was hält sich dieser Dragon Slayer eigentlich? Für einen Rockstar, der nur mit den Fingern schnippen muss, um eine neue Frau an seiner Seite zu haben? Erwecke ich diesen Eindruck in seinen Augen?“ Selbst nach dem Abladen ihres Einkaufs, einer langen Trainingseinheit im Park und einem abschließenden Sprint war sie noch immer rasend vor Wut. Obwohl sie vor Anstrengung kaum noch Luft bekam.
Schnaubend ließ sie sich auf eine der Parkbänke fallen und starrte grimmig in die Luft. Ironischerweise war genau das hier die Parkbank, auf der sie mit Noelle das erste lange Gespräch über Gajeel geführt und erkannt hatte, wie sehr die andere Magierin ebenfalls litt.
„Wie kann er es auch nur in Betracht ziehen, bei mir eine Chance zu haben? Mit nur einer einzigen Bemerkung? Nachdem er mir drei Monate verschweigt, sich getrennt zu haben?“
„Er hat drei Monate überlegt, wie er es dir am besten sagen kann, ohne dass du so reagierst wie jetzt.“ Levy zuckte zusammen, als Pantherlilys Stimme neben ihr ertönte. Der Exceed war lautlos auf der Bank neben ihr gelandet und setzte sich hin, während sie sich von ihrem Schock wieder erholte.
„Lily!“ Fast schon reflexartig griff sie vorsichtig nach ihm, um ihn auf ihren Schoß zu setzen. Sie konnte sich nicht erinnern, wann das angefangen hatte. Doch wann immer sie und Lily ernstere Themen zu besprechen hatten, hatte er sich auf ihren Schoß gesetzt und genoss ihre Streicheleinheiten, wenn sie ihm gedankenversunken mit der Hand über das Kopffell fuhr. So wie jetzt, denn seine Worte besänftigten sie nicht im Geringsten, ganz im Gegenteil.
„Nach all den Wochen an Überlegungszeit kommt er mit nichts Besserem, als Noelles Abwesenheit in seinem Leben zu verkünden? Zusammen mit einem dezenten Hinweis, ich könne an ihre Stelle treten?“
„Hat Gajeel das gesagt?“ Lily klang nicht überrascht, auch wenn sie sein Gesicht nicht sehen konnte. Es schien so, als ob er damit bereits gerechnet hätte.
„Nun, nachdem ich ihm abermals erklärt habe, das Kapitel mit ihm endlich beenden zu wollen, sagte er ‚Aber Noelle ist nicht mehr da‘. Was soll das denn anderes bedeuten?“
Lily stieß nur ein tiefes, lang gezogenes Seufzen aus. „Gajeel schafft es jedes Mal aufs Neue, sich jegliche Chancen zu verbauen.“
„Welche Chancen? Noelle kam bereits zu mir und hat mir von der Trennung berichtet, weil sie mit jemandem darüber reden wollte. Sie schien regelrecht erleichtert zu sein, die Sache mit Gajeel hinter sich gelassen zu haben. Und Gajeel schafft es nicht einmal, mich seitdem auch nur zu grüßen, geschweige denn eine oberflächliche Unterhaltung zu führen. Er hat seine Chance schon zu diesem Zeitpunkt verspielt.“ Levys Stimme klang bitter.
„Gajeels Schwäche sind eindeutig die sozialen Interaktionen, aber das solltest du mittlerweile bemerkt haben.“ Lily klang neutral und nicht vorwurfsvoll, trotzdem hatte Levy das Gefühl, sich verteidigen zu müssen.
„Ja. Aber nach all den Jahren habe ich von ihm mehr erwartet. Zumindest mir gegenüber, er weiß genau, wie gut ich ihn kenne. Seine Art ist immerhin einer der Gründe, warum ich …“ Levy brach ab und stieß frustriert die Luft aus. „Die letzten Jahre waren nicht einfach für mich. Ihn immer mit Noelle zu sehen, hat mich verletzt. Mehr als seine körperliche Auseinandersetzung mit mir und meinem Team vor all den Jahren. Die letzten Monate über habe ich Cana und Laxus zusammen gesehen. Zusätzlich habe ich ihre angespannte Grundstimmung mitbekommen. Obwohl die gegenseitigen Gefühle so klar wie eine von Grays Eisfiguren sind, ist mir einiges bewusst geworden. Ich möchte nicht länger warten, sondern mich auf eigene Faust auf die Suche nach meinem Partner machen. Dann ist es im Gegensatz zu den anderen Magierinnen nicht die Person, die ich jahrelang immens gemocht habe. Doch ich werde jemanden finden, irgendwann.“
„Warum quälst du dich selbst so damit?“ Das war nicht die Anschlussfrage, die Levy erwartet hatte. Ihre Hand stockte in den streichelnden Bewegungen. Lily stand derweil auf und drehte sich zu ihr um, um ihr aus der kurzen Entfernung fest in die Augen zu blicken. „Ebenso, wie jeder über Cana und Laxus Bescheid weiß, wissen alle über Gajeel und dich Bescheid. Der Grund für Noelles ständiges Unglücklichsein, ihre Streitereien, Gajeels Abblocken, wann immer das Thema auf dich zu sprechen kam. Jeder konnte sehen, wie auch du unter der Situation gelitten hast. Denkst du nicht, jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, all das hinter sich zu lassen und endlich mit dem Vollidioten von Magier glücklich zu werden?“
Levy spürte, wie ihr Tränen der Frustration in die Augen traten. Sie ballte die Fäuste. „Warum? Warum soll ich ihm jetzt verzeihen und Noelles Platz einnehmen, wie er das so nett angedeutet hat? Ich habe auch meinen Stolz, Lily, und der ist in den vergangenen Jahren mehr als einmal gekränkt, wenn nicht sogar gebrochen worden!“
„Um Gajeel all das heimzuzahlen, was die ganze Zeit in deinen Augen nur dir geschehen ist, lässt du ihn jetzt leiden? Damit auch dich, weil er dir trotz all deiner Bemühungen noch immer nicht egal ist?“ Lily verschränkte die Arme. „Seit Gajeels Trennung von Noelle habe ich dich ein paar Mal beobachtet. Wann immer du dich mit Männern verabredet hast – abgesehen von Jem – hast du alle paar Minuten diesen Gesichtsausdruck bekommen, bei dem du dich weit wegwünschst. Das hat etwas zu bedeuten, ob du es einsehen willst oder nicht.“
„Und was möchtest du jetzt von mir? Soll ich meinen Stolz ein für alle Mal vergessen und mich Gajeel zu Füßen werfen, ihn anflehen, mich nach all den Jahren endlich als Partnerin auszuwählen?“ Es brach aus Levy heraus, während sie sich hektisch über die Wangen fuhr, um den begonnenen Tränenstrom halbwegs wegzuwischen.
„Du solltest das tun, was für dich und Gajeel die beste Lösung ist.“ Lily, der im Gegensatz zu ihr nicht völlig aufgelöst war, wühlte kurz in ihrer Umhängetasche. Dann hielt er ihr wenig später ein Taschentuch vor das Gesicht, das sie mit einem stummen Dankeschön in ihren Augen annahm. „Das bedeutet nicht, du sollst dich – wie hast du es so schön formuliert? – vor seine Füße werfen. Aber du solltest seine Anstrengungen, was dich betrifft, schätzen und entsprechend würdigen. Immerhin weißt du, wie schwer ihm so etwas fällt. Was keine Verteidigung für sein Verhalten ist. Doch er hat sich drei Monate den Kopf zerbrochen, wie er mit dir am besten reden und die letzten Jahre ungeschehen machen kann. Egal wie lange es auch dauern sollte. Selbst, wenn er dabei seinen kompletten Stolz opfern muss, von dem er nicht gerade wenig besitzt.“
Levy biss sich auf die Lippen. Lily hatte es einmal mehr geschafft: Sie hatte ein schlechtes Gewissen. Weil sie Gajeel am besten kannte, von Lily und Juvia einmal abgesehen. Von daher wusste sie auch, wie Gajeel seine Äußerung in der Wohnung eigentlich gemeint hatte. Doch in jenem Moment war sie zu verletzt, zu wütend auf ihn und sein langes Schweigen gewesen, um über diese Tatsache hinwegsehen zu können.
„Das heißt, ich soll einmal mehr meinen Stolz hinunterschlucken und auf ihn zugehen?“ Schon allein an ihrer Tonlage musste Lily erkennen, wie sehr sich alles in ihr dagegen sträubte.
„Nein. Du hast in einer Sache recht, euer Gespräch eben hat er verbockt. Er muss jetzt erneut den ersten Schritt wagen, auch wenn es ihn einiges an Überwindung kosten wird, sich so verletzlich und reuevoll zu zeigen. Wenn du allerdings auf deinen Stolz anstatt auf dein Herz hörst, wird das wahrscheinlich der letzte Versuch von ihm sein, die Sache mit euch zu klären. Das wollte ich dir bewusst machen. Du hast ein großes Herz Levy, auch wenn es in Bezug auf Gajeel zugegeben zu groß ist. Doch bevor ihr beide unglücklich sein werdet, solltest du einmal mehr auf dein Herz hören.“
Levy überlegte. Sie überlegte eine Weile, doch Lilys Worte machten Sinn. Wenn sie ehrlich war, schafften sie es sogar, ihr Wirrwarr aus umherfliegenden Gedankenfetzen und verletzten Gefühlen so zu sortieren, um zum gleichen Ergebnis zu gelangen, wie der Exceed. Unwillkürlich breitete sich ein schiefes Grinsen auf ihrem Gesicht auf und sie umarmte Lily.
„Du hast es wirklich nicht leicht. Sich um Gajeel und mich bemühen zu müssen, ist bestimmt alles andere als einfach.“
„Wenn ich dabei ersticke wie jetzt, dann ja.“ Rasch löste Levy ihre Umarmung und blinzelte entschuldigend, doch Lily schüttelte nur amüsiert den Kopf. „Gajeel und du seid zwei meiner engsten Freunde. Natürlich ‚bemühe‘ ich mich, damit ihr euch endlich zusammenrauft. Dafür sind Freunde da.“ Kurz streckte er sich, dann ließ er seine Flügel erscheinen. „Allerdings muss ich jetzt los. Es gibt da noch einen männlichen Dragon Slayer, dem ich mal wieder den Kopf etwas zurechtrücken muss.“
„Bis dann Lily, und danke.“
Lily nickte ihr abschließend zu, bevor er ebenso lautlos davonflog, wie er hergeflogen war. Levy blickte ihm hinterher, bis er aus ihrem Blickfeld verschwand. Dann fiel ihr Blick auf die kaputte Einkaufstasche zu ihren Füßen und sie schmunzelte. Vielleicht war ihre Beziehung zu Gajeel nach wie vor kompliziert, aber dank Lily etwas weniger verwirrend für sie.

+++


Lexy dachte angestrengt nach, als ihre Mutter sie in der Vorschule abgegeben hatte. Seit gestern war etwas anders, das hatte sie gemerkt. Ihre Mutter hatte nicht viel mir ihr geredet und wenn, dann hatte sie oft mitten im Satz abgebrochen. Normal wäre Lexy sauer gewesen. Doch gestern hatte Gramps breit gegrinst, als er ihre Eltern im ersten Stock beobachtet hatte, wie sie sich komisch verhalten hatten. Zumindest in ihren Augen, denn eigentlich redeten ihre Eltern sehr viel miteinander. Nur gestern saßen sie schweigend an dem einen Tisch, bis Ever zu ihnen gegangen war und mit wildem Armfuchteln auf sie eingeredet hatte.
Jii-jii war zu ihnen gekommen und dann hatten er und Gramps miteinander so leise geredet, dass sie nichts hören konnte. Also wussten sie etwas, das sie nicht erfahren sollte. Jetzt musste sie nur herausfinden, was genau das war.
„Lexy!“ Sie blickte auf, als sie Maly sah, der freudestrahlend auf sie zugelaufen kam. Auch er war heute irgendwie anders, er strahlte richtig. „Ich war mit Mama einkaufen!“
Lexy wusste, Malys Mama war nicht seine richtige Mama, sondern die Freundin seines Vaters, doch er nannte sie seit einiger Zeit so. Aber einkaufen war nichts, weshalb man sich so freuen würde, deshalb runzelte sie die Stirn. „Warum freust du dich darüber?“
„Ich durfte für meine kleine Schwester Sachen aussuchen!“ Maly sprudelte vor Stolz, das sah Lexy, doch sie war trotzdem verwirrt.
„Welche Schwester?“ Maly hatte keine Geschwister, ebenso wie sie. Zumindest noch, denn seine „Mama“ würde bald ein Kind bekommen.
„Meine Schwester! Mama sagt, sie kommt in den nächsten Tagen und deshalb wollte sie mit mir Spielsachen einkaufen gehen, weil ich mich damit am besten auskenne.“ Maly sah sehr zufrieden mit sich aus, doch Lexy half das alles nichts.
„Das weiß deine Mama einfach so, dass du eine Schwester bekommst?“
Nun sah auch Maly etwas verwirrt aus, doch er nickte. „Mamas Heiler hat das gesagt. Und Heiler wissen immer alles.“
Dagegen konnte Lexy nichts sagen, denn Lupita wusste auch immer alles. Sie nickte, dann blickte sie Maly neugierig an. „Was habt ihr für deine Schwester gekauft?“
„Eine große Kuscheltierkatze mit Flügeln! Damit sie nicht so allein ist, wenn sie in ihrem Bett schläft.“
„Lexy, Maly! Kommt ihr bitte, wir würden gern mit dem Malen anfangen!“, rief Lia durch den Raum und Lexy sprang von ihrem Platz auf. Malen war eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen, erst recht, wenn sie wie jetzt Buchstaben ausmalen mussten. Sie konnte auch schon die meisten lesen und Lia hatte ihr gezeigt, wie sie ihren Namen schreiben konnte. Immerhin hatte sie bald Geburtstag und da wollte sie ihren Namen schreiben können und ihren Eltern zeigen.
„Meine Eltern sind seit gestern beide komisch“, flüsterte sie zu Maly, als sie nebeneinander das Blatt mit den vielen „U“s ausmalten.
Maly nahm sich einen anderen Stift, dann schaute er sie an. „Vielleicht bekommst du auch ein neues Geschwisterchen? Sie streiten ja nicht mehr so oft, hast du erzählt.“
Lexy schüttelte den Kopf, doch dann dachte sie an das seltsame Verhalten. „Aber vielleicht versuchen sie es! Aber sie sind seit gestern komisch, so schnell geht das doch nicht, oder? Und das war in der Gilde. Sie haben geredet, auf einmal nicht mehr, dann kam Papas Teamkameradin und hat mit beiden geredet und seitdem sind sie komisch. Vor allem Mama.“
„Manchmal haben Erwachsene Probleme, die man nicht versteht.“ Maly klang überzeugt.
Lexy dachte an die vielen Momente, in denen sie ihre Mama auch nicht verstanden hatte, und nickte langsam. Das würde es sein. Wenn es wichtig war, würde ihre Mama es ihr erzählen. So wie ihr Papa gestern erklärt hat, sie nicht abends sehen zu können, weil er zu spät nach Hause kommen würde. Natürlich hatte sie dagegen protestiert, weil sie ihn abends sehen wollte. Doch er hatte ihr erklärt, dass das Leben als Magier manchmal dafür sorgte, seine Familie nicht jeden Tag sehen zu können. Aber da er einer der stärksten Magier der Gilde war, würde er immer so schnell wie es ging zurückkommen, das hatte er versprochen. Und ihre Mama hatte versprochen, er würde sie heute von der Vorschule abholen und ihre Mama hielt ihre Versprechen immer.

Lexy erblickte ihren Papa in der Tür und sprang sofort auf, um ihm stolz ihre ausgemalten Bilder zu zeigen. Doch auf dem Weg zu ihm blieb sie stehen, weil sie sah, wie er mit Lia leise redete und dabei ein komisches Gesicht machte. Dieses Gesicht machte er immer, wenn er sich mit Mama stritt, das hatte sie sich gemerkt. Und Lia sah ebenso wütend aus wie Mama, wenn sie auf Laxus wütend war.
„Streiten die?“ Maly hatte es also auch gemerkt, denn er stand neben ihr und schaute die beiden Erwachsenen auch an.
„Ich glaube ja. Papa macht dieses Gesicht und Lia macht das Gesicht, das Mama immer macht, wenn sie wütend ist.“
„Komisch.“ Dem konnte Lexy nur zustimmen, doch Lia war wieder in den Raum getreten und lächelte sie freundlich an.
„Dein Vater ist hier, um dich abzuholen. Wir sehen uns morgen.“
Lexy verabschiedete sich schnell von Maly, bevor sie zu ihrem Papa eilte, um ihm stolz die Bilder zu zeigen.
„Schau, das habe ich heute alles gemalt!“
„Schön, Lexy“, kam ein Murmeln zurück und er fuhr ihr durch die Haare, ohne den Blick von Lia abzuwenden. Noch nicht einmal ihre Bilder schaute er an.
Lexy verzog mürrisch den Mund und lief schweigend zu ihren Sachen. Dann zeigte sie ihm die Bilder nicht, sondern jemand anderem. Sie mochte es nicht, wenn man sie nicht beachtete. Trotzdem knickte sie die Bilder vorsichtig in der Mitte und steckte sie in ihre kleine Tasche, die ihr ihre Mama für die Vorschule gekauft hatte.
Nachdem sie ihre Schuhe angezogen hatte, warf sie einen Blick zur Tür und sah Laxus noch immer dort stehen. Nun schnaubte sie doch und lief allein zur Eingangstür, um sie aufzumachen und allein zu gehen. Immerhin hatte er sie abgeholt, den Weg zur Gilde wusste sie allein. Er konnte hier bleiben, das war ihr egal.
Lexy kam nur bis zur Hälfte des Gartens, als sie eine große Hand an ihrer Schulter spürte, die sie dazu brachte, stehenzubleiben.
„Lexy, was glaubst du da, tust du?“ Sie drehte sich um und schaute ihrem Vater in die grünen Augen, die sie zornig anblickten.
„Ich gehe zur Gilde, wie ich es mit Mama abgesprochen habe.“
„Oh nein, junge Dame. Du hast mit Cana abgesprochen, dass ich dich abhole und wir zusammen zur Gilde gehen.“
Sie verschränkte nur die Arme und schob die Unterlippe trotzig vor. „Du hast mir noch nicht einmal Hallo gesagt! Meine Bilder hast du auch nicht angeschaut! Du hast lieber Lia angeschaut, obwohl du so nur Mama anschauen solltest! Und ihr habt euch gestritten, so wie Mama und du euch normal streitet! Ich will nicht mit dir zur Gilde laufen!“ Zu ihrer Wut musste sie feststellen, dass ihr bereits Tränen in den Augen standen. Sie blinzelte mehrmals wütend.
Ihr Papa kniete sich direkt vor sie hin und nahm ihr ihre Tasche ab. Er wollte sie öffnen, doch sie hielt den Verschluss fest.
„Nein! Jetzt will ich sie dir nicht mehr zeigen! Und ich will auch nicht mit dir zur Gilde laufen!“ Nun fing sie doch an zu weinen und ließ die Tasche los, um sich über ihre Augen zu reiben. Sie hasste es, zu weinen, wenn sie wütend war. Doch ihre Mama hatte ihr erzählt, dass sie das früher auch immer gemacht und es ebenfalls gehasst hat, also war es wohl nicht ganz so schlimm. Aber sie hasste es trotzdem.
Im nächsten Moment spürte sie eine Hand auf ihrem Kopf und ein Seufzen.
„Entschuldigung. Lia und ich haben nur eine gemeinsame Freundin, der es nicht so gut geht. Lia ist der Meinung, ich sei schuld daran, deshalb haben wir uns eben gestritten.“
Lexy zog die Nase hoch. „Lia hat immer recht, sie ist Lehrerin. Was hast du gemacht?“
„Ihre Freundin war meine Freundin. Keine normale Freundin, sondern eine richtige Freundin. So, wie Juvia die Freundin von Gray ist.“
„Also mit Küssen?“ Sie verzog das Gesicht, was ihren Papa zu einem kurzen Lachen brachte. Sofort war sie wieder wütend auf ihn, doch wenigstens weinte sie nicht mehr. „Das ist nicht lustig, das ist eklig! Ich mag Maly, aber ich will ihn nicht küssen!“
„Zum Glück. Aber du wirst es verstehen, wenn du älter bist. Zeigst du mir jetzt deine Bilder?“
Lexy zögerte. „Also sind du und Lia nicht so wie du und Mama?“
„Wie meinst du das?“
„Du machst immer dieses eine Gesicht, wenn du dich mit Mama streitest und das hast du eben auch gemacht. Und Lia hat dich so angeschaut, wie Mama dich anschaut, wenn sie wütend auf dich ist. Und ich dachte, dass Lia und du so sind wie Mama und du und dass Mama für dich nichts Besonderes ist und ich –“ Sie brach ab, als sie einfach hochgehoben wurde. Lexy griff rasch mit beiden Händen in den flauschigen Kragen der Jacke, die ihr Papa anhatte und blickte ihn überrascht an.
„Cana wird immer etwas Besonderes für mich sein. Immerhin bist du dank ihr hier und ich kann mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen. Auch wenn du manchmal zu sehr wie ich selbst bin, als ich ein Kind war.“ Lexy grinste, denn das konnte sie sich nicht vorstellen. Zwar hatte Gramps schon gesagt, sie sei nur ein wenig kleiner als ihr Papa in diesem Alter war, aber das glaube sie nicht. Ihr Papa war riesig. Sie nicht. Und ihr Papa war stark, das war sie auch nicht. Auch wenn er ihr versichert hatte, dass sie, wenn sie größer war, mindestens genauso stark sein würde wie er.
„Lia und ich mögen uns bloß nicht so besonders, was mit unserer gemeinsamen Freundin zu tun hat. Ich werde mich häufiger mit ihr streiten, du musst dir da keine Sorgen machen. Du und Cana seid die wichtigsten Personen in meinem Leben.“ Er hielt einen Moment inne. „Möchtest du heute Abend zu deinem Gramps?“
„Warum? Hast du keine Zeit? Dann kann ich zu Mama.“ Komischerweise öffnete ihr Vater den Mund, doch schloss ihn wieder, ohne ein Wort zu sagen. „Papa, ist was?“
„Dass das so unglaublich schwer ist, hätte ich nie vermutet.“ Irgendwie wusste sie, dass das nicht für sie war, deshalb schwieg sie weiterhin.
„Ich und Cana, also deine Mutter. Wir gehen heute Abend essen.“
„Da kann ich doch mit.“
„Weißt du, das mit der Freundin, was ich dir erklärt habe? Wenn ich mit Cana heute allein essen gehe, wird sie vielleicht meine Freundin in der nächsten Zeit.“
„Ihr seid doch schon befreundet.“ Jetzt verstand Lexy nichts mehr und sie merkte, wie ihr Papa nervös wurde.
„Ja, aber du möchtest doch eine Familie haben, eine richtige? Das geht nur, wenn Cana meine Freundin wird. Eine Freundin mit Küssen und so.“
„Ach so. Aber warum kann ich da nicht mit?“
„Weil das etwas für Erwachsene ist.“
Lexy verzog den Mund, denn das verstand sie leider. Ihre Mama hatte das sehr oft gesagt, als sie spätabends zu Hibiki wollte, damit er ihr etwas vorlas. Er hätte Dinge für Erwachsene zu tun und deshalb keine Zeit. Dann fiel ihr etwas viel Wichtigeres ein und sie lockerte ihren Griff etwas, während sie ihrem Papa einen vorsichtigen Blick zuwarf. Leider bemerkte er das sofort und blieb stehen.
„Ich sehe genau, dass du etwas fragen willst.“
Lexy schluckte. „Schickt ihr mich jetzt immer weg, wenn ihr euch treffen wollt?“
Das heftige Kopfschütteln reichte aus, um sie wieder fröhlicher zu machen. „Bei Mavis, nein. Weißt du, Cana und ich hatten nur nie Zeit, um richtig über uns zu reden. Du bist für uns beide sehr wichtig, wichtiger als alles andere. Jetzt, nachdem ihr schon so lange hier seid und auch bleiben werdet, möchte ich mit Cana …“
„Du möchtest mit Mama so werden wie richtige Eltern.“ Lexy nickte langsam. Natürlich war ihr aufgefallen, wie viele Kinder von ihren Eltern zusammen abgeholt wurden, die sogar Händchen hielten. Selbst Maly war schon mehrmals von seinem Papa und seiner Mama zusammen abgeholt worden, die sich ständig mit seltsamen Blicken angeschaut hatten, während Maly von seinem Tag erzählt hatte.
„Eltern haben damit nichts zu tun. Nur ist Cana –“ Er brach mitten im Satz ab und seufzte. „Nun, es ist kein Zufall, dass du meine und ihre Tochter bist und nicht ihre mit jemand anderem. Oder meine mit einer anderen Frau.“
Lexy runzelte die Stirn. „Ich kann nur deine und Mamas Tochter sein.“
„Das stimmt. Und jetzt will ich mit Cana zusammen für dich da sein und das nicht nur als Freunde, so wie im Moment.“
„Sondern als richtige Eltern?“
„Wenn du es so ausdrücken willst, ja. Als richtige Eltern.“
„Okay. Dann gehe ich heute Abend zu Gramps. Aber nur ausnahmsweise! Das nächste Mal nehmt ihr mich mit.“
„Schon gut. Bei Mavis, du bist manchmal wie deine Mutter. Sie wollte früher auch immer mit dem Kopf durch die Wand.“
„Das geht aber nicht“, stellte Lexy fest und war überrascht, als ihr Papa anfing zu lachen.
„Genau, merk dir das.“
+++

Ich bin gespannt: Wie sehr wart ihr von der Wendung bei Levy überrascht? Lexy hat hier den bisher größten Kapitelanteil bekommen, weil ich die Beziehung ihrer Eltern aus einem neuen, unschuldigen Blickwinkel beleuchten wollte. Zugegeben ist die Sicht einer fast Sechsjährigen erheblich schwieriger zu schreiben als erwartet, ich hoffe, ich habe das einigermaßen realistisch hinbekommen.
Danke für die Rückmeldungen zum letzten Kapitel!
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast