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Schritt für Schritt

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16
Cana Alberona Gajeel Redfox Laxus Dreyar Levy McGarden
04.06.2020
03.12.2020
27
90.096
22
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22.10.2020 3.326
 
Kapitel 21 – Ein Anfang

Tick. Cana beobachtete von ihrem Platz auf der Couch aus, wie sich der Minutenzeiger der großen Wanduhr im Wohnzimmer um einen Strich weiter verschob. Es war halb sieben und sie saß seit fast vier Stunden auf diesem Platz, nur unterbrochen von dem Nachfüllen ihrer Teetasse mit Baldriantee. Bisher hatte er nicht viel in Bezug auf Beruhigung geholfen, denn sie hatte noch immer das Gefühl, einen Marathon zu laufen. Zumindest hämmerte ihr Herz entsprechend.
Wie hatte Laxus das herausgefunden? Zugegeben, die Ähnlichkeit zwischen ihm und Lexy war allzu offensichtlich. Aber irgendetwas musste bei Heilerin Lupita vorgefallen sein, um ihn endgültig von seiner Vermutung zu überzeugen. In Gedanken ging sie noch einmal den gesamten Gesprächsverlauf auf dem alten Gildengelände durch. Selbst jetzt, nur wenn sie an die durcheinanderwirbelnden Emotionen in seinen Augen zurückdachte, lief ihr ein Schauer den Rücken hinunter. Sie wusste, das Gespräch zwischen ihnen war noch lange nicht beendet. Nur dank Gildarts Eingreifen war es nicht allzu sehr eskaliert, doch sie war sich da bei zukünftigen Gesprächen nicht sicher. Genau genommen rechnete sie sogar damit, denn sie kannte Laxus und seine emotionalen Ausbrüche, wenn ihn etwas wirklich verletzt hatte. Und ihre Aktion hatte das, das wusste sie, seitdem sie damals vor sechs Jahren den Entschluss gefasst hatte.
Ein schrilles Klingeln unterbrach ihre Gedankengänge und sie spürte, wie ihr Mund schlagartig trocken wurde. Mit schlingerndem Magen trat sie langsam zu ihrer Wohnungstür, die für sie in diesem Moment aussah wie die Tür zur Hölle persönlich. Es gab nur drei Personen, die jetzt an ihrer Tür klingeln konnten, und diese drei waren zumindest heute zusammen unterwegs gewesen.
Ein letztes Mal atmete sie tief durch, dann nahm sie all ihren Mut zusammen und öffnete die Tür. Nur, um überrascht die zwei Personen vor ihrer Tür anzublicken.
„Wo ist Gildarts?“ Ihr Frage stand regelrecht zwischen ihnen, doch Laxus blickte sie nur schweigend an. Lexy, die neben ihm stand und seine Hand hielt, blickte sie mit einem identischen Blick an und Cana schluckte. Dann trat sie zur Seite und machte eine einladende Handbewegung.
„Wir sollten uns vermutlich erst einmal hinsetzen“, murmelte sie und war insgeheim froh, als Vater und Tochter ohne weitere Verzögerungen durch die Tür gingen. Dann liefen sie ins Wohnzimmer, um sich auf die Couch zu setzen, auf der Cana schon die letzten Stunden verbracht hatte.
„Wollt ihr etwas zu trinken?“ Sie hielt die Stille nicht mehr aus und wollte aufstehen. Doch Laxus‘ Hand, die wie eine Schraubzwinge um ihr Handgelenk legte, hinderte sie daran.
„Solltest du nicht erst etwas zu Lexy sagen?“
Cana biss sich auf die Lippen und warf einen vorsichtigen Seitenblick auf ihre gemeinsame Tochter. Lexy saß, ganz anders als normal, still und nahezu bewegungslos neben Laxus und blickte auf den Holzboden. Cana zwang sich, die Anwesenheit von Laxus zu ignorieren, denn jetzt gerade war nur ihre Tochter wichtig. Vor allem, weil ihr Lexys Verfassung ernsthafte Sorgen bereitete.
„Lexy?“, flüsterte sie vorsichtig und war erleichtert, als diese ihr zumindest den Kopf zuwandte. Doch in ihrem Blick lag so viel Enttäuschung und Schmerz, sodass Cana abrupt von der Couch aufstand, zu Lexy lief und sich vor ihren Platz auf der Couch kniete.
„Es tut mir so unendlich leid.“ Cana knetete ihre Hände, während sie nach Worten suchte, um das alles zu erklären. Doch ihr fiel nichts ein, was sie hätte sagen können, um das alles etwas abzuschwächen.
„Warum?“ In der Stimme einer Fünfjährigen sollten nicht so viele Emotionen mitschwingen. Vor allem nicht diese Art von Gefühlen, die man normal erst als Jugendlicher kennenlernte und selbst dann nur ein paar, nicht gleich alle. Doch Cana wusste, es war einzig und allein ihre Schuld und jetzt würde sie nur die Dauer, die Lexy diese Gefühle empfinden würde, verkürzen können.
„Um dich zu schützen.“
„Schützen? Vor was?“ Auf Canas Gesicht breitete sich ein bitteres Lächeln aus.
„Davor, von deinem Vater verstoßen zu werden – Hör bitte zu. Ihr beide“, fügte sie mit einem Seitenblick auf Laxus hinzu, der bereits angriffslustig die Fäuste geballt hatte. „Lexy, du bist das Beste, was mir je passiert ist. Ich bereue keine einzige Sekunde meines Lebens, seit ich von dir erfahren habe. Das musst du wissen, bevor ich weitererzähle. Denn ich habe damals nicht damit gerechnet, eine Tochter zu bekommen. Ebenso wenig wie Laxus damit gerechnet hat, Vater zu werden. Auf jeden Fall war vor allem ich sehr jung. Ich wusste damals nicht, was ich tun sollte. Also bin ich fortgegangen, um Abstand zu gewinnen, um mich nur auf dich konzentrieren zu können.“
„Und Jii-jii?“ In Lexys Augen las sie die stumme Frage. Es ging nicht nur um Gildarts. Und sie konnte diese Frage nicht beantworten. Nicht mit Worten. Deshalb schüttelte sie nur den Kopf, doch das genügte Lexy offenbar.
„Warum?“
„Weil … Weil ich Angst hatte. Angst, dich zu einem Leben zu zwingen, in dem du von deinem Vater weißt, er aber nichts mit dir zu tun haben will. Das soll kein Vorwurf sein, Laxus. Nur … Ich war damals vollkommen überlastet mit allem und ich weiß, es ging dir zu diesem Zeitpunkt nicht anders. Die Sache mit Ivan, Makarov und dir war damals heikel und ich wusste, deine gesamte Energie musste dort investiert werden. Da wollte ich dir nicht noch zusätzlich ein Leben aufbürden, um das du dich zu kümmern hattest. Nicht, wenn alle Dinge zwischen uns beiden ebenfalls ungeklärt waren. Du solltest dich zu nichts verpflichtet fühlen, zu dem du nicht bereit warst.“
„Du hast für mich entschieden, nichts anderes. Du hast für mich entschieden, der Rolle als Vater nicht gewachsen zu sein. Du hast für Lexy entschieden, besser keinen Vater zu haben als Gefahr zu laufen, das Gefühl der Unerwünschtheit verspüren zu müssen.“
„Ja“, flüsterte Cana. „Ich habe für dich entschieden, weil ich von deiner Entscheidung ebenfalls betroffen war. Schließlich ging es um meine Tochter – um meinen Körper, ich wollte völlig frei entscheiden. Unabhängig von irgendwelchen Drohungen oder düsteren Prophezeihungen, was mir blühen werde.“
„Du dachtest, ich würde dir drohen? Von dir verlangen, Lexy – Du weißt schon?“ Cana war alarmiert hochgeschnellt, doch Laxus hatte sich rechtzeitig gefangen, um das Wort „Abtreibung“ nicht vor ihrer Tochter in den Mund zu nehmen. Die Bedeutung dieses Wortes, vor allem in Hinblick auf sie selbst, würde Lexy noch früh genug erfahren.
„Ich konnte an überhaupt nichts danken! Das Einzige, worüber ich mir im Klaren war, war die Hoffnung, an einem anderen Ort in Fiore in Ruhe meine Tochter zu erziehen.“
„Wieso ging das nicht hier? Du bist von Fairy Tail weggegangen, nur wegen mir? Was war mit all deinen Freunden? Du hast sie vermisst, ich weiß das. Jii-jii hat mir davon erzählt. Und was war mit Papa? Warum konnte er nicht mit? Dann wären wir zu dritt gewesen, wie eine Familie.“ Immerhin klang Lexy nicht mehr anklagend, sondern verwirrt. Das sollte Cana wahrscheinlich als positive Entwicklung betrachten, auch wenn die Situation dadurch nicht besser wurde.
„Familie? Eine völlig überforderte Mutter, ein ebenso überforderter Vater und drei Tunichtgute, die sich als Patenonkel aufspielen, um das kleine Kind etwas abzulenken? Ja, das wäre super geworden!“
„Laxus!“
„Was?! Soll ich euch beiden einfach vorspielen, mich wieder beruhigt zu haben?! Damit wir endlich Lexys und deinen lang gehegten Traum erfüllen und eine glückliche Familie spielen können?!“ Angesichts der Lautstärke, mit der Laxus diese Worte vorbrachte, wurde offensichtlich, dass er seine Beherrschung endgültig verloren hatte.
„Nein, du sollst dich ausnahmsweise einmal zusammenreißen, um Lexy nicht direkt deinen Haufen an negativen Charaktereigenschaften sehen zu lassen!“
„Haufen? Was gehört denn noch dazu? Weiß sie überhaupt über deine Bescheid? Die Feigheit und den Hang zum Lügen kennt sie ja schon, was ist mit Alkohol? Weiß sie davon? Oder trinkst du heimlich, wenn sie schläft oder bei ihrem Großvater ist?!“
Ein Schluchzen durchbrach den Augenblick der Stille. Cana, die Laxus nach seinem kleinen Ausbruch sprach- und fassungslos angestarrt hatte, wandte ihre Aufmerksamkeit Lexy zu. Beim Anblick der dicken Tränen, die in rascher Abfolge die Wangen ihrer Tochter hinunterrollten, zog sich ihr Herz kurz schmerzhaft zusammen.
„Warum müsst ihr immer streiten? Ich mag euch beide, warum könnt ihr euch nicht auch einfach mögen und euch entschuldigen? Immer brüllt ihr euch am Ende an, bevor jeder von euch weggeht! Ich will das nicht! Können wir nicht wenigstens versuchen, nett zueinander zu sein? Oder liegt es an mir? Bin ich der Grund, warum ihr immer laut werdet?“
Noch ehe Cana etwas erwidern konnte, hatte Laxus seine Hand tröstend auf Lexys Kopf gelegt und er blickte sie mit einem Blick an, der von Liebe nur übersprudelte.
„Nein. Es liegt nicht an dir, Lexy. Deine Mutter und ich … Sagen wir einfach, wir müssen noch über sehr viele Dinge reden. Dinge, die für mich zu wichtig sind, um darüber ruhig reden zu können. Ich werde bei solchen Sachen, die mich beschäftigen, nun einmal laut. Das kann ich nicht kontrollieren.“
„Lexy, La- dein Vater ist wie du. Jetzt denke an all unsere Streits zurück, was machst du normal, wenn du wütend wirst?“ Cana bemühte sich, ihre Stimme so sanft wie möglich klingen zu lassen. Sie spürte die Wichtigkeit dieses Gesprächs. Nicht nur für ihre Beziehung zu Laxus, sondern auch ihre zu Lexy. Ganz zu schweigen von der Beziehung zwischen Lexy und Laxus, die nun als Vater-Tochter-Beziehung anfangen würde.
Lexy blinzelte kurz. „Ich werde laut“, murmelte sie und runzelte die Stirn. „Aber machen Erwachsene das normal nicht anders? Mama, du wirst nie laut, wenn du sauer wirst.“
„Nur, wenn ich mit dir diskutiere. Bei allen anderen werde ich sehr wohl laut, nur bekommst du das nicht mit.“
Lexy nickte, dann gähnte sie laut und Cana wurde schlagartig bewusst, wie anstrengend der heutige Tag für das Mädchen gewesen sein musste.
„Ich werde gehen“, meinte auch Laxus und stand auf. Cana sprang regelrecht auf und schenkte ihm einen alarmierten Blick.
„Ich – Nein, wir müssen …“ Cana brach ab, als Laxus ihren Einwurf ignorierte und einfach zur Tür lief.
„Ich werde Gildarts informieren, wann ich Lexy zu ihrem Training abhole. Vielleicht solltest du in Lexys Schule Bescheid geben, immerhin werde ich sie an ein paar Tagen an deiner statt von dort abholen und direkt zum Training gehen.“
Sie erstarrte zur Salzsäule und nahm noch nicht einmal Lexy wahr, die vom Sofa aufsprang und Laxus nacheilte, der bereits fast zur Tür hinaus war. Er drehte sich noch einmal um, sagte ein paar Worte zu Lexy und schloss dann die Tür von außen. Cana konnte nicht anders, sie blickte ihm einfach stumm nach. Obwohl noch so viele Worte auf ihrer Zunge lagen, die sie ihm unbedingt sagen wollte. Worte der Erklärung, der Beschwichtigung und von tief empfundener Reue.

+++


Levy verkniff sich ein amüsiertes Kichern, als sie ihre beiden haltlos betrunkenen Teammitglieder in ihren Barhockern hängen sah. Der Auftrag war ohne Probleme über die Bühne gelaufen. Jetzt gönnte sich Team Shadow Gear einen wohlverdienten Bar-Abend, da ihr Auftraggeber dankenswerterweise drei Zimmer in seinem Onsen für sie bereitgestellt hatte. Sogar das Zugticket zurück nach Magnolia hatte er von sich aus auf den nächsten Tag gebucht und sogar im Voraus bezahlt, damit sie auch ja keine Unannehmlichkeiten auf sich nähmen. So ungefähr hatte er es ausgedrückt, nachdem sie ihm die drei Banditen gefesselt und geknebelt abgeliefert hatten.
„Levy“, rief sie da auch schon Jet deutlich betrunken zu sich und deutete auf den kleinen, blauen Cocktail, den er und Droy offensichtlich für sie bestellt hatten.
„Was ist das?“ Misstrauisch beäugte Levy das Getränk. Wenn sie eines gelernt hatte, dann war es vorsichtig bei Jets und Droys Getränkewahl zu sein. Es hatte mit einem Bier angefangen zu ihrem fünfzehnten Geburtstag, dank dem sie über der Kloschüssel gehangen hatte und es war über die Jahre nicht besser geworden.
„Blue Lagoon“, murmelte Droy und setzte bereits sein Glas an, das nur noch zur Hälfte mit einer dunkelroten Flüssigkeit gefüllt war. „Das schmeckt dir“, fügte er nach einem Schluck an und unterdrückte dann ein Aufstoßen. „Ups.“
Levy nahm vorsichtig einen Schluck und wurde positiv überrascht. Droy und Jet hatten scheinbar ihren Geschmack korrekt eingeschätzt, denn das war bei Weitem der beste Drink, den sie ihr jemals ausgegeben hatten. Wenn man von alkoholfreien Getränken einmal absah.
So dauerte es nicht lange, bis ihr Cocktail geleert war. Kaum als sie das Glas abgesetzt hatte, stand bereits das nächste vor ihr und sie blickte die brünette Barkeeperin irritiert an.
„Deine Freunde haben im Voraus für drei von diesen Dingern bezahlt“, meinte sie mit einem Kopfnicken zu ihrem neuen Drink.
„Drei?“ Jet und Droy wollten sie scheinbar vollkommen betrunken aus der Bar bringen. Die Barkeeperin zwinkerte ihr zu.
„Ich habe hier etwas weniger Stoff und mehr Zitrone rein. In den nächsten kann ich noch etwas deutlicher machen, damit du fast nüchtern bleibst. Am besten trinkst du auch etwas langsamer als den ersten, so als kleiner Tipp am Rande.“
Levy grinste unvermittelt und nippte vorsichtig an ihrem zweiten Glas. Ja, es war etwas säuerlich, doch sie mochte diesen Drink mehr als den ersten.
„Was machst du eigentlich mit den beiden hier? Nichts für ungut, aber ihr wirkt so unterschiedlich.“
Levys erste, impulsive Reaktion war Ärger, doch dann erkannte sie den Wahrheitsgehalt der Frage. Sie wollte es nicht wahrhaben, aber für Jet und Droy waren 13 Jahre vergangen, während es für sie nur sechs gewesen waren.
„Wir sind schon sehr lange befreundet und außerdem zusammen in einem Team. Magier“, fügte sie als Erklärung hinzu, denn die Barkeeperin hatte verwirrt die Stirn gerunzelt. Doch jetzt erhellte sich ihr Gesichtsausdruck.
„Natürlich! Jetzt erinnere ich mich. Ihr seid von Fairy Tail, nicht wahr? Einer der beiden hat die Gilde erwähnt. Beginnt ihr gerade oder seid ihr schon fertig mit eurem Job?“
„Fertig“, antwortete Levy und nahm einen weiteren Schluck, während sie aus den Augenwinkeln Jet und Droy beobachtete. Schwermütig stellte sie fest, auch hier für die beiden regelrecht überflüssig zu sein.
„Dann habt ihr euch das verdient“, meinte die Barkeeperin und schob ein Glas mit goldener Flüssigkeit zu ihr hinüber.
Levy roch an dem Glas, konnte aber nichts riechen. Vorsichtig nippte sie daran und war überrascht über den milden Geschmack, den sie bei einem Shot nicht erwartet hatte.
„Und jetzt, da ich dir einen Drink ausgegeben habe, kannst du mir ruhig deine Männerprobleme anvertrauen.“
Levy verschluckte sich und brach in einen heftigen Hustenanfall aus. Erst als sie wieder einigermaßen Luft bekam, schaffte sie es, die Barkeeperin mit krächzender Stimme anzusprechen, auch wenn es nur zu einem „Was?“ reichte.
„Ich kenne den Gesichtsausdruck, wenn eine Frau intensiv über etwas nachdenkt, und das sind nun einmal meist Männer. Vor allem, wenn dieses Nachdenken von so häufigem Seufzen begleitet wird wie deins. Da ich keinerlei Spannungen zwischen dir und deinen Teamkollegen erkennen kann, muss es jemand außerhalb deines Teams sein. Was erklärt, warum drei Fairy Tail Magier einen Auftrag gewählt haben, der wirklich weit von Magnolia stattfindet. Obendrein noch in Housenka, das für seine guten Bars und anderweiten Entspannungs-Etablissements bekannt ist. Liege ich mit irgendeiner Annahme falsch?“
Levy wusste nicht, wie viel Zeit verging, bis sie sich aus ihrer Starre reißen konnte. Es war nahezu gruselig, wie gut die Barkeeperin sie durchschaut hatte. Doch diese schien ihre Reaktion richtig zu deuten, denn sie grinste breit.
„Mit der Zeit lernt man, die meisten Leute innerhalb von Sekunden zu durchschauen. Wobei das bei dir zugegeben nicht allzu schwer ist, du trägst deine Emotionen fast vollständig in deinen Gesichtszügen. Auch wenn du es versuchst zu vertuschen.“
Levy ließ die Schultern sinken. „Er hat eine Freundin. Die zu allem Überdruss auch wirklich nett ist und ihn wirklich zu lieben scheint.“
„Aber er sie nicht. Lass mich raten: Ihr beide habt euch gestritten und kurz darauf ist er mit ihr aufgetaucht, inklusive der Behauptung, schon etwas länger mit ihr etwas am Laufen zu haben?“
Nun klappte Levy der Mund auf, doch die Barkeeperin winkte nur ab. „Diese Art von Geschichten höre ich jede Woche, in den verschiedensten Ausführungen. Manchmal ist es er, der plötzlich eine Neue hat, manchmal ist es auch sie.“
„Und weiter?“ Wider Erwarten hatte Levy neue Hoffnung geschöpft. Doch diese schwand direkt wieder, als die Barkeeperin kurz zögerte und dann ratlos die Schultern hob.
„Alles danach hängt vom Charakter der Person ab. Wenn er einen übergroßen Stolz hat oder generell nicht gern seine Fehler eingestehen will, wird er nicht von sich aus die Beziehung beenden. Der Großteil der Männer erkennt jedoch nach einiger Zeit, falsch gehandelt zu haben und handelt entsprechend.“
Levy vergrub das Gesicht in den Händen. „Er gehört eindeutig zur ersten Gruppe.“ Doch das diabolische Grinsen der Barkeeperin verriet ihr, damit noch nicht am Ende der Schilderung angekommen zu sein.
„Dann wirst du diejenige sein müssen, die ihm den Spiegel vorhält. Zeig ihm, was er verpasst, triff dich ruhig mit anderen Männern. Rein freundschaftlich, versteht sich. Aber du solltest ihm auf keinen Fall zeigen, ihm nachzutrauern. Tu einfach so, als ob dieses Kapitel für dich wirklich erledigt wäre.“
„Und wenn es nicht funktioniert?“
„Glaub mir, es wird funktionieren.“
„Ich hoffe es“, murmelte Levy geistesabwesend. Dabei übersah sie die vielsagenden Blicke, die zwischen der Barkeeperin und ihren beiden Teamkollegen ausgetauscht wurden.
„Levy, wir sollten langsam aufbrechen. Unser Zug geht in genau sechs Stunden und vorher wäre etwas Schlaf nicht falsch“, rief Jet von seinem Platz aus und Droy nickte zustimmend.
Sie rutschte von ihrem Barhocker herunter, nur um kurz zu schwanken. Wenn Droy nicht in Windeseile neben ihr gestanden und ihr den Arm um die Schultern gelegt hätte, wäre sie wahrscheinlich direkt neben dem Barhocker auf ihrem Allerwertesten gelandet.
„Ups.“ Schuldbewusst senkte Levy den Blick und achtete auf den Boden, während sie mit ihren Teamkollegen die Bar verließ.
„Das passiert schon einmal“, kam die beschwichtigende Erwiderung von Jet und wenn Levy nicht so konzentriert auf ihren Untergrund gewesen wäre, hätte sie ihm ein dankbares Lächeln geschenkt.
„Wenn du möchtest, können wir den nächsten Auftrag wieder als vollständiges Team Shadow Gear erledigen.“
Levy riss den Kopf hoch und stolperte gleichzeitig, doch dank Droy fiel sie nicht hin. „Ihr wollt mich erneut dabeihaben? Obwohl ich eigentlich nur im Weg bin, weil ihr beide mittlerweile ein eingespieltes Duo seid?“
„Hey, Shadow Gear hatte und wird immer drei Mitglieder haben. Ganz egal, wie lange man auch aussetzt. Droy und ich hatten nur etwas mehr Praxis bezogen auf unsere Zusammenarbeit. Nach einem Dutzend Aufträge zu dritt wird sich unser Team anfühlen, als ob du nie eine Pause eingelegt hättest.“
„Eine Pause? Mehr einem idiotischen Dragon Slayer hinterhergetrauert“, murmelt Levy, doch das leichte Beben von Droy verriet ihr seine Erheiterung.
„Manchmal benötigt man etwas Zeit, etwas zu verarbeiten. Das haben Jet und ich ebenfalls, als du … Nun, mit der Tenroujima-Geschichte. Es hat fast ein Jahr gedauert, bis wir beide wieder Aufträge durchziehen konnten, ohne sie in den Sand zu setzen. Wir haben immer und immer wieder gewartet, damit unser drittes Mitglied ihren Teil der Teamangriffe durchführt. Wenn man das jahrelang so geregelt hat, ist jedes Umdenken wirklich schwierig.“
Natürlich fing das schlechte Gewissen sie erneut ein und durch den Alkohol konnte sie die Tränen nicht unterdrücken, sodass sie ihr die Wangen hinunterliefen. Doch erst durch ihr Schluchzen bemerkten ihre Gefährten, welche Emotion sie gerade vereinnahmte.
„Vergeben und vergessen.“ Diese Worte ließen die Tränen ebenso schnell versiegen, wie sie begonnen hatten, ganz zu schweigen von ihrer schlagartigen Nüchternheit. Denn diesen Satz hatte sie zu Droy jedes Mal gesagt, wenn er auf einem ihrer Aufträge einen Fehler gemacht hatte.
„Wir haben es zu unserem offiziellen Motto erhoben. Nach einem sehr interessanten Gespräch mit der Barkeeperin, die dich eben ebenfalls beraten hat.“
Jetzt fiel es Levy wie Schuppen von den Augen und sie blinzelte, als ihr die volle Tragweite des Auftrags bewusst wurde. „Ihr habt diesen Auftrag nur angenommen, damit ich mit der Barkeeperin ins Gespräch komme, damit sie mich mehr oder weniger einer Kurztherapie unterziehen kann?“
„Exakt. Und wie es aussieht, hat es wunderbar funktioniert.“
Levy klappte nur der Mund auf, als sie die tiefe Zufriedenheit im Tonfall von Jet hörte.
+++

Dieses Mal habe ich nicht viel hinzuzufügen, außer nochmals Danke für die vielen Rückmeldungen und das Interesse, das ihr an dieser Geschichte habt! Ich bin jedes Mal vollkommen perplex, wenn ich meine Alerts sehe.
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