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Schritt für Schritt

GeschichteRomance, Familie / P16 / Het
04.06.2020
29.08.2021
66
232.093
38
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Dieses Kapitel
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11.06.2020 3.250
 
Kapitel 2 - Offenbarungen

Makarov blickte nun auch mit Tränen in den Augen auf die junge Frau, die vor ihm saß und erbarmungswürdig aussah, wie sie dort bitterlich Tränen vergoss.
„Beruhige dich erst einmal. Danach fällt es dir einfacher, alles zu erzählen.“


+++


Nach einer Weile holte Cana tief Luft und richtete sich wieder auf. „Die Berichte von Gildarts kennt Ihr bereits, oder?“
Der Master nickte und sie fuhr fort. „Ich war nach meinem … Weggang … Total ratlos und wusste nicht, wohin. Wer würde schon eine schwangere Magierin einstellen? Schon allein wegen der Magie wäre es problematisch. Ich hätte nie gedacht, dass es so viele Menschen gibt, die Angst vor Magiern haben. Dazu kam die Sache, dass ich nur wenige Monate hätte arbeiten können, bevor Lexy auf die Welt gekommen wäre.“ Sie schüttelte kurz den Kopf. „Nach wenigen Wochen war mein Geld komplett aufgebraucht und ich wusste wirklich nicht, was ich tun sollte. Doch dann traf ich in einer heruntergekommenen Spelunke ein paar Magier von Blue Pegasus, die gerade von einem Auftrag zurückkamen und mich erkannten.“
Der Master nickte langsam. „Bob hat mir geschrieben, dass er ein kleines, verirrtes Vögelchen aufgegabelt hätte und es aufpäppeln würde. Mir war sofort klar, dass er dich meinte und war beruhigt. Er mag zwar etwas sonderlich wirken, aber er ist ein fähiger Magier und tut alles für seine Schützlinge.“
Nun lächelte Cana versonnen. „Master Bob hat mir sofort verboten, auch nur einen Fuß aus seinem Gildenhaus zu setzen, bis ich Lexy auf die Welt gebracht hätte. Er war sogar relativ gruselig dabei, was ich vorher niemals für möglich gehalten hätte. Als Gildenmeister hatte ich ihn immer als eine Art Witz gehalten, mittlerweile weiß ich, dass er den Posten absolut verdient. Nun hatte ich dank ihm ein Zimmer und konnte sogar als Ausgleich hinter der Theke aushelfen. Nachdem Lexy auf die Welt gekommen war, blieb ich dort, auch weil sich Lexy von Anfang an wohl gefühlt hat und nie wegwollte.“
„Und doch bist du jetzt hier.“
Die Kartenmagierin biss sich auf die Lippe. „Es gibt … Schwierigkeiten. Lexy ist … Ich muss im Forschungszentrum für Magie einige Experten-Meinungen einholen und dieses liegt von hier aus nicht so weit weg wie von Blue Pegasus. Außerdem kann ich für die Zeit Lexy Gildarts überlassen. Er hat sich zwar nie beschwert, aber ich weiß, dass es ihm äußerst schwergefallen ist, nichts von seinem Enkelkind zu erzählen. Jeder Großvater prahlt gerne mit seinen Nachkommen, vor allem, wenn er schon seine Tochter nicht hat aufwachsen sehen.“ Dass das nicht nur auf Gildarts bezogen war, wussten beide.
„Du wirst es ihm sagen müssen.“
Es musste kein Name ausgesprochen werden, doch Cana wurde weiß. Außerdem hatte Makarov es ebenfalls verdient.
„Ich … Wo ist er im Moment? Wann kommt er zurück? Und wie hat er sich verändert?“ Vor allem in der letzten Frage klang Angst mit und Makarov schaute die Magierin mitfühlend an.
„Laxus … ist nahezu ununterbrochen unterwegs, erledigt einen Auftrag nach dem anderen. Ich habe den Überblick verloren, wie viele er dieses Mal mitgenommen hat, er ist aber bereits seit zwei Monaten fort. Ungefähr alle drei Monate schaut er vorbei, nur um sich mit neuen Aufträgen wieder aus dem Staub zu machen.“
Cana schluckte, weil sie etwas ahnte und der Master nickte schwer. „Er hat nach dir gefragt. Gleich nachdem du fort warst, stand er in der Gilde. Er wollte unbedingt wissen, wohin du bist. Er war regelrecht panisch und hat sich mit meinen Antworten nicht zufriedengegeben. Es gab einen Aufstand in der Gilde, nachdem ich von deinem Abschied erzählt hatte. Ich glaube, er macht es mir immer noch zum Vorwurf, dass ich dich ohne viele Widerworte habe gehen lassen. Zumindest hat er es mir damals an den Kopf geworfen, neben vielen anderen, unschönen Dingen. Zwar hat er danach nie wieder ein Wort darüber verloren, aber ich bin davon überzeugt, dass er immer noch genauso denkt. Dass er mich seitdem nur noch mit ‚Master‘ anspricht und so wenig Kontakt wie möglich hält, spricht ebenfalls dafür.“
„Es tut mir leid“, flüsterte Cana verzweifelt und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Das konnte nicht wahr sein. Sie war gegangen, um ihm das Leid und die Schwierigkeiten zu ersparen und nicht, um ihm zusätzliches Leid hinzuzufügen. Doch wie es klang, hatte sie genau das verursacht. Sie bezweifelte, dass er ihre Rückkehr ebenso sehr feiern würde wie die anderen, dazu hatte sie ihn zu sehr verletzt. Wenn Laxus verletzt war, dauerte es lange, bis er sich wieder davon erholt hatte. Das war einer der Gründe, warum er überhaupt so wenig Freunde hatte, die wirklich alles wussten.
„Er war der Erste, der nach dir gesucht hat und der Letzte, der damit aufgehört hat. Nach einem ganzen Jahr. Danach hat er sich mit Aufträgen beschäftigt, die ihn überall in Fiore herumbrachten. Er hat zwar nie etwas gesagt, doch ich weiß, dass er auch dort immer nach dir Ausschau gehalten hat.“ Der Master seufzte. „Laxus hat sich verändert. Wie, das musst du selbst herausfinden. Wir haben alles versucht, um ihn abzulenken, doch nichts hat funktioniert und wir mussten ihm den Freiraum geben, den er benötigte. Wenn er wieder da ist, wird es nicht schön werden. Für keinen von euch beiden. Das muss ich dir sagen, egal welche Hoffnungen du auch hegst.“
Während seinen Worten war Cana in sich zusammengesunken. Erst nach einigen Augenblicken schaffte sie es, den Master anzusehen. Ihre Augen spiegelten die pure Verzweiflung und Todesangst wider, die sie momentan empfand.
Makarov verhinderte nur mit Mühe ein Zusammenzucken. Was konnte so schrecklich sein, dass sie solche Ängste ausstand? Auf keinen Fall konnte es nur an der Angst vor seiner Reaktion liegen.
„Wird er“, sagte sie mit erstickter Stimme, „wird er …, wenn ich etwas von ihm … Ich muss ihn um etwas bitten … denkt Ihr, er wird –?“ Ihre Stimme brach und sie schluckte hörbar.
„Ich weiß es nicht“, erwiderte Makarov mit müder Stimme. „Er hat sich zurückgezogen von allen, selbst die Raijinshuu existieren in diesem Sinne nicht mehr. Ich kann ihn nicht mehr einschätzen, dazu haben wir zu wenig Kontakt.“

+++


Als Cana wieder in die Eingangshalle kam, sah sie Gildarts an einem der Tische sitzen. Lexy saß auf seinem Schoß und betrachtete fasziniert Gray, der ihr gegenübersaß und immer wieder neue Figuren aus Eis entstehen ließ. Scheinbar war die Faszination des Meeres für Lexy doch nicht so groß wie damals für sie.
Sie ging leise hinüber, um nicht zu stören. Als sie sich neben Gildarts setzte, ließ Gray den kleinen Drachen verschwinden, den er eben noch in der Hand gehalten hatte und sah sie nachdenklich an.
„Mummy, er kann einen Drachen machen! Und eine Krone, einen Hund, und ganz viele andere Sachen“, fing Lexy an begeistert zu reden, als Cana bemerkte. „Das ist viel interessanter als das viele Wasser hinten!“
Cana rang sich ein Lächeln ab und fuhr ihrer Tochter kurz über die Haare. „Grays Figuren sind wirklich wunderschön.“ Während ihrer Aussage warf sie ihm einen vorsichtigen Blick zu. Sie und Gray waren eine der ersten Kinder gewesen, die in Fairy Tail aufgewachsen waren und hatten daher immer eine sehr enge Beziehung zueinander gehabt, ähnlich wie Geschwister. Doch das war vor ihrem plötzlichen Verschwinden gewesen. Sie sah ihn immer noch als eine Art Bruder, jedoch wusste sie nicht, wie er jetzt zu ihr stand.
Doch Gray sah sie offen und entspannt an. „Ich weiß nicht, was du gerade denkst Cana, aber jetzt, wo ich Lexy sehe, kann ich dich verstehen.“ Sein Gesicht verdüsterte sich. „Aber ich bezweifle, dass das alle so sehen werden.“
Sie hatte bereits wieder einen Kloß im Hals und lächelte ihn dankbar an. Dann beugte sie sich zu ihrer Tochter, die Gray immer noch auf die Hände starrte und offensichtlich auf eine neue Figur wartete. „Lexy, das ist Gray. Ein sehr guter Freund von mir.“
Lexy strahlte ihn breit an. „Ich will mehr Figuren sehen.“
Gray fing an zu lachen und Cana schüttelte entschieden den Kopf.
„Lexy, man fragt höflich und verlangt nicht einfach etwas. Das solltest du mittlerweile wissen, wir haben schon oft genug darüber geredet.“
„‘Tschuldigung. Gray, kann ich mehr Figuren sehen? Bitte?“
Er lachte nur noch mehr. „Die Manieren deiner Tochter sind eindeutig besser als deine damals“, meinte er zu Cana und sie lachte ebenfalls.
„Du warst auch alles andere als nett zu mir“, erinnerte sie ihn. „Anders hätte ich mir keinen Respekt bei dir verschaffen können.“ Dann wurde sie wieder ernst. „Was hat sich alles verändert? In den letzten fünf Jahren hat mir Gildarts nur ein paar Sachen erzählt – er war ja ebenfalls relativ selten da.“
Gray zuckte mit den Schultern. „Nicht viel. Du kannst nur froh sein, dass Erza im Moment wieder bei Crime Sorcière ist. Sie mag zwar lockerer geworden sein, aber zu deinem Verschwinden damals hatte sie einige … furchteinflößende Ideen.“ Er schüttelte sich kurz.  
„Mummy?“ Cana drehte sich zu ihrer Tochter um, die sie bittend ansah. „Kann ich mit der Katze spielen?“
Im ersten Moment war sie verwirrt, doch dann sah sie Happy, der neben Natsu auf einem Stuhl saß und einen Fisch aß. Sie schaute wieder ihre Tochter an. „Frag Happy erst einmal. Er kann reden und ist eigentlich auch keine Katze“, meinte sie.
Lexy schaute sie verwirrt an, doch sprang sie von Gildarts‘ Schoß und lief zu den beiden.
Natsu warf einen Blick auf das kleine blonde Mädchen. Cana sah, wie er prüfend die Luft einsog. Dann erstarrte er und schaute Lexy noch einmal intensiver an. Diese bekam zum Glück nichts mit, denn sie unterhielt sich bereits fröhlich mit Happy. Der Dragon Slayer hingegen stand rasch auf und eilte an Canas Tisch. Dort blieb er stehen und sie konnte seine Frage bereits an seinem Gesichtsausdruck erkennen.
„Lexy ist die Tochter von La –?“
„Denk einmal nach, bevor du den Mund aufmachst!“, fiel ihm Gray harsch ins Wort und zog ihn ruckartig auf die Bank neben sich, die Hand noch drohend erhoben. Wahrscheinlich für den Fall, falls der Dragon Slayer seinen Satz einfach beenden sollte. Natsu klappte den Mund wieder zu, während sich im selben Moment sein Gesicht erhellte. Anscheinend war er nicht mehr ganz so unbeholfen im Situationen lesen wie damals.  
Cana biss sich auf die Lippe und schaute Natsu flehend an. „Der Großteil der Gilde weiß es bereits und der Rest wird ebenfalls bald darauf kommen. Aber sag bitte nichts zu jemandem, vor allem nicht zu den Raijinshuu und vor allem nichts zu Laxus. Das muss ich machen, ich weiß nicht, wie er sonst reagieren wird …“
„Er wird nicht viel anders reagieren, als wenn du es ihm selbst sagst“, meinte Gray leise. „Immerhin hast du ihm vielleicht das Wichtigste im Leben verschwiegen. Ich weiß nicht, wie er es aufnehmen wird, nur so viel kann ich sagen: Definitiv nicht gut. Niemand erfährt gerne, dass ihm fünf Jahre lang eine Vaterschaft verheimlicht wurde. Vor allem nicht, wenn die werdende Mutter spurlos verschwindet, ohne jede Vorankündigung. Laxus ist die erste Zeit nach deinem Verschwinden nahezu besessen von dir gewesen, er wollte dich um jeden Preis finden. Ich bezweifle, dass er das vergessen hat.“
„Wenn Lucy das machen würde … Ich würde ganz Fiore in Flammen setzen, bis sie aus ihrem Versteck kommt“, meinte Natsu nüchtern und setzte sich neben Gray an den Tisch.
Cana schaute ihn überrascht an und Gray grinste. „Ja, die beiden haben es endlich geschafft. Vor drei Jahren, auch wenn Lucy den Großteil machen musste, weil dieses Flammenhirn einfach blind war.“
Sie hatte also nicht nur das Älterwerden verpasst. Schmerzlich wurde ihr bewusst, dass sie über die meisten Vorgänge in der Gilde nichts wusste. Das würde einiges an Zeit kosten, das alles aufzuarbeiten.
Diese Aussage brachte Gray einen Stoß in die Rippen ein, doch es schien nicht besonders schmerzhaft zu sein.
Sie betrachtete die beiden versonnen. Beide hatten sich vom Aussehen her nur geringfügig verändert, doch sie waren in ihrem Verhalten ruhiger und erwachsener geworden. Aber sie hätte das eigentlich erwarten müssen, immerhin waren beide ebenfalls älter geworden. Und mit 24 Jahren benahm man sich nicht mehr wie mit 19, das hatte sie bei sich am meisten bemerkt. Da fiel ihr die Abwesenheit eines anderen Gildenmitglieds auf.
„Wo ist Juvia?“
Wie auf Kommando grinsten beide breit. „Sie ist gerade auf einem Auftrag“, bemerkte Gray grinsend.
Natsu fing an zu lachen.
„Was habt ihr gemacht?“, fragte Cana vorsichtig, weil sie Böses ahnte.
„Natsu hat ihr einen kleinen Hinweis darauf gegeben, dass sie seit Wochen keinen Auftrag mehr gemacht hat, weil sie andauernd mit mir zusammen war. Das hat sie so dermaßen geschockt, dass sie seit Wochen unterwegs ist, um die verlorene Zeit wieder gut zu machen. Du kennst sie, sie will der Gilde keine Schande bereiten. Ich bin etwas erleichtert um diese Pause … Sie ist eine wunderbare Freundin, aber in letzter Zeit war sie wirklich … anstrengend.“
„Das ist untertrieben“, meinte Natsu finster. „Sie hat uns auf unserem Männerwochenende gestalkt. Bis in die Dusche!“
Cana lachte. „Das sieht Juvia ähnlich. Vielleicht solltest du nur mehr mit ihr reden, Gray.“
„Das habe ich schon versucht. Sie sieht es nur nicht ein, sondern denkt, dass ich mit ihr Schluss machen will und nur die richtigen Worte nicht finde. Magierinnen …“
Die Kartenmagierin seufzte. „Das ist dein Problem, nicht das der anderen. Aber dann habe ich immerhin einen Babysitter, wenn Gildarts nicht da ist.“
Gray zuckte erneut mit den Schultern. „Ich habe schon auf Asuka aufgepasst. Schlimmer als eine energiegeladene Zehnjährige kann Lexy nicht sein.“
In diesem Moment legte sich eine Hand auf Canas Schulter und sie drehte sich um. Im nächsten Moment wurde sie von einem Meer blonder Haare geblendet, während sie abermals nahezu erdrückt wurde.
„Lucy“, keuchte sie atemlos.
Wenig später löste sich die Stellarmagierin von ihr und schaute sie aus tränenglänzenden braunen Augen an. „Wie konntest du nur einfach verschwinden? Wir haben ganz Magnolia auseinandergenommen, ganz zu schweigen vom Rest des Landes – ohne eine einzige Spur von dir!“
Cana öffnete den Mund, doch ihre Freundin redete weiter, während sie sich neben sich setzte. „Jetzt wissen wir immerhin, warum du weg bist, zumindest teilweise. Aber wieso hast du uns noch nicht einmal eine Nachricht zukommen lassen, dass es dir gut geht? Und zumindest eine ungefähre Angabe wo du dich aufhältst?“
„Dann hättet ihr mich wieder gesucht, bis ihr mich gefunden hättet. Mich und Lexy.“ Sie war selbst überrascht über die Traurigkeit in ihrer Stimme. „Ich wollte nicht, dass ihr weiterhin eure Energie für meine Suche einsetzt. Es lag nie daran, dass ich euch nicht mehr ertragen konnte, ganz im Gegenteil. Ich habe euch jeden Tag vermisst. Ihr seid immer meine Familie gewesen und das hat sich aus meiner Sicht nicht im Geringsten geändert. Aber ich musste an Lexy denken. Sie hatte es verdient, in einem ruhigen Umfeld aufzuwachsen und ich wusste damals einfach nicht, wie ich es ihrem Vater beibringen sollte. Er hatte schon genug Chaos in seinem Leben, da wollte ich ihn nicht auch noch mit einer ungewollten Tochter aus einem One-Night-Stand belasten. Außerdem sollte Lexy nicht so aufwachsen, mit einem Vater, der sie vielleicht nicht wollte. Sie sollte nicht so aufwachsen wie ich, mit ihrem Vater jeden Tag vor den Augen und der Ungewissheit, ob er sie überhaupt wirklich liebte oder von ihr wusste.“
Gildarts neben ihr seufzte, doch äußerte sich nicht weiter. Sie nahm es ihm nicht übel, in den letzten Jahren hatten sie sich näher kennengelernt und sich gegenseitig von ihrem Leben erzählt: Sie von ihrer Kindheit mit ihrer Mutter, er von seinen Aufträgen und der Gewissheit, dass ihn seine einzige Liebe verlassen hatte, ohne einen Grund anzugeben. Daher hatte er sie auch regelrecht angefleht, es Laxus zu sagen, ehe seine Tochter erwachsen geworden war. Doch bisher hatte sie nie den Mut aufgebracht und jetzt hatte sie keine Alternative, denn sie brauchte Laxus. Nicht für sich, sondern für ihre Tochter.
„Wo warst du eigentlich die ganze Zeit?“, warf Gray die offene Frage auf.
Sie riss sich aus ihren schwermütigen Gedanken und lächelte leicht bei dem Gedanken an die Gesellschaft, die sie die letzten Jahre genießen durfte.
„Blue Pegasus. Ein paar Monate nach meiner Abreise hier wurde ich von ein paar Gildenmitgliedern in einer Gaststätte aufgegabelt und zu Master Bob gebracht. Er hat mich nicht mehr gehen lassen, bis ich Lexy auf die Welt gebracht hatte und sie hat sich dort so wohl gefühlt, dass ich es nicht übers Herz gebracht hatte, von dort wieder zu verschwinden. Ich habe hinter der Bar ausgeholfen und als Lexy größer wurde, bin ich öfters mit auf Aufträge gegangen.“
„Und wem hast du Lexy überlassen?“ Miras neugierige Stimme hinter ihr ließ sie schmunzeln, die Magierin schien immer noch alles wissen zu wollen. Sie wartete, bis sie sich ebenfalls gesetzt hatte, bevor sie fortfuhr.
„Ihr werdet es kaum glauben, aber den Trimens. Lexy hat einen Narren an Hibiki gefressen, seit dem ersten Augenblick, in dem sie ihn gesehen hat. Und er ebenso an ihr. Er sagte immer, für Lexy würde er jede Frau stehen lassen und das hat er mehrmals getan.“
„Hibiki?“ Gray klang alles andere als begeistert und sie lachte.
„Ja. Niemand hat es kommen sehen, doch Hibiki kümmert sich wie ein Vater um sie. Ich denke, sie sieht ihn auch als eine Art Ersatz für L … ihren leiblichen Vater.“
„Weiß Hibiki vom richtigen Vater?“ Lucys leise Frage ließ sie tief durchatmen.
„Es war für die drei Trimens unverkennbar, ebenso wenig für Master Bob. Ichiya hat es ebenfalls erkannt, doch der Rest der Gilde wusste nichts. Mich würde es noch nicht einmal wundern, wenn sie Hibiki für den Vater gehalten hätten.“
„Hibiki hat einen Antrag als Gastmagier gestellt“, meinte Mira. „Der Master hat ihn genehmigt, er sollte in den nächsten Tagen ankommen.“
Cana schaute sie ungläubig an. „Das hat er nicht getan. Ich habe ihm gesagt, dass er es ja nicht wagen soll.“
„Doch“, meinte Gray belustigt. „Erza wurde zu ihrer Meinung gefragt und sie hat zugestimmt. Unter der Bedingung, dass Ichiya keinen Fuß in die Stadt setzen dürfe.“ Dann verdunkelte sich seine Miene. „Laxus wurde ebenfalls gefragt, doch ihm ist alles relativ egal, solange er in Ruhe gelassen wird.“
Cana beschlich ein bedrückendes Gefühl. „Er hasst mich, oder?“
Mira runzelte die Stirn. „Hassen nicht. Er wird nur eine schwere Zeit haben, weil du wieder da bist. Die Raijinshuu sind zwar nicht mehr offiziell seine Leibwächter, doch sie sind immer noch seine engsten Vertrauten in der Gilde, abgesehen vom Master. Sobald sie von ihrem Auftrag zurück sind und dich sehen, werden sie ihm eine Nachricht schicken. Er wird in den nächsten Wochen in der Gilde auftauchen. Du solltest dir schon einmal überlegen, wie du es ihm beibringen willst.“
Nun wurde der Kartenmagierin richtig schlecht. Sie hatte in den letzten fünf Jahren noch keine gute Idee gehabt, wie sie es ihm am besten beibringen könnte. Warum sollte ihr innerhalb von ein paar Wochen eine brauchbare Idee einfallen? Sie konnte nur hoffen, dass die Raijinshuu ihm nicht gleich von Lexy erzählen würden, ganz zu schweigen von seiner unbekannten Vaterschaft.

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Das zweite Kapitel und immer noch kein Laxus. Aber er wird noch auftauchen, keine Sorge^^
Als erstes möchte ich mich für die beiden Reviews bedanken. Zum ersten Kapitel Reviews zu bekommen, bin ich wirklich nicht gewohnt und umso mehr habe ich mich gefreut :)
Zur Story an sich: Wer sich viel Action und Abenteuer erhofft, wird das hier nicht finden - Ich habe diese Story damals angefangen und von vornerein beschlossen, dass das Gildenleben und die Probleme der Magier im Mittelpunkt stehen sollten. Spannung gibt es nur im zwischenmenschlichen Bereich, wie ihr vielleicht bereits erkannt habt. Dennoch hoffe ich, dass euch der weitere Verlauf gefällt. Ich bin kein Mensch, der um Reviews bettelt, trotzdem freue ich mich natürlich über jede Rückmeldung von eurer Seite :)
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