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Schritt für Schritt

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16
Cana Alberona Gajeel Redfox Laxus Dreyar Levy McGarden
04.06.2020
03.12.2020
27
90.096
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01.10.2020 3.144
 
Kapitel 18 – Clover und Hosenka

Cana blieb an diesem Abend noch lange wach, nachdem sie Lexy ins Bett gebracht hatte. Immer und immer wieder hallten ihr Laxus‘ Worte durch den Kopf. Natürlich hatte er vollkommen recht, es ging um Lexy und da hatte sie ihre persönlichen Ängste hinten anzustellen. Nur war das leichter gesagt als getan. Sie konnte es im Moment einfach nicht über sich bringen, sowohl aus Angst vor seiner als auch vor Lexys Reaktion. An diese hatte sie bisher zugegebenermaßen kaum gedacht, aber sie würde wohl kaum angenehmer ausfallen als die ihres Erzeugers. Lexy würde, wenn sie Glück hatte, nur kurz sauer auf sie sein. Wahrscheinlicher jedoch war es, dass es ihre Tochter als ernsthaften Vertrauensbruch ansehen würde, der sich nicht ohne Weiteres beheben lassen würde. Schon allein bei dem Gedanken, wie sehr das Lexy verletzen würde, wurde ihr schlecht und doch wusste sie um die Unausweichlichkeit dieser Situation.
Sie stieß ein Seufzen aus, denn eigentlich hatte sie im Moment andere Probleme zu bewältigen als die unausweichliche Konfrontation mit Laxus und Lexy. Immerhin stand am morgigen Tag das Treffen mit dem Magischen Institut und Lexy an. Sie kannte die Leiterin, Lupita Esqueda nur durch Erzählungen von Heiler Alvarez, doch er hatte seine Kollegin mit Lob regelrecht überschüttet. Insgeheim war sie froh, an das Institut in der Nähe von Magnolia verwiesen worden zu sein. Auch wenn das von Ultear zerstörte Institut für Magische Entwicklungen in der Zwischenzeit wieder aufgebaut worden war. Doch scheinbar beschäftigte es sich mittlerweile nur noch mit Forschungen bezüglich der Magie an sich und nicht wie damals in Bezug auf magisch begabte Personen. Wahrscheinlich waren die Experimente von Brain, dem ehemaligen Anführer von Oración Seis, bei allen noch zu gut in Erinnerung. Der Magische Rat hatte nach dem Tod von ihm umfassende Ermittlungen bezüglich seiner Tätigkeiten im Institut anstellen lassen. Obwohl der Öffentlichkeit nur die groben Fakten bekannt gegeben worden waren, waren diese bereits verstörend genug gewesen. Kinder mit magischer Elektrizität zu therapieren, um ihre Kapazitäten für Magie zu erweitern, war noch die harmloseste Methode von ihm gewesen. Abgesehen davon wusste noch nicht einmal der Magische Rat genau, wie viele Kinder Brain zum Opfer gefallen waren.
Mit den Gedanken an den morgigen Tag ging sie ins Bett, nachdem sie ein letztes Mal nach Lexy geschaut hatte, die seelenruhig in ihrem Zimmer schlief. Vielleicht würde ausnahmsweise alles ohne Probleme verlaufen. Vielleicht hatte Leiterin Esqueda einen anderen Vorschlag, bei dem sie nicht mehr auf Laxus‘ Mithilfe angewiesen war und die Beichte über seine Vaterschaft nicht über Lexys Leben entscheidend sein würde.
Entsprechend gerädert fühlte sich Cana am nächsten Morgen, als ihr Wecker klingelte und sie aus einem wirren Traum von sprechenden Blitzen, Feenflügeln und ununterbrochenem, schallendem Gelächter riss. Sie benötigte ein paar Momente, um sich zu orientieren und schüttelte sich, als ihr bewusst wurde, die Stimme aus ihrem Traum eindeutig Ichiya von Blue Pegasus zuordnen zu können. So hatte er immer gelacht, wenn er erfolgreich ein neues Parfüm entwickelt hatte.
Nach einer kurzen Dusche, um richtig wach zu werden, weckte sie Lexy und bemühte sich, ihre Tochter wachzuhalten. Wenn sie schon ein Morgenmuffel war, war Lexy ein Griesgram bis zum Ende ihres Frühstücks. Je kürzer die Zeitspanne dazwischen war, desto erträglicher war ihre Tochter den Rest des Tages.
So also standen Cana und Lexy eine gute Stunde später vor der Wohnungstür und Lexy umfasste mit einem lauten Gähnen die Hand ihrer Mutter.
„Wieso müssen wir nochmal dort hin?“
„Wir reden dort darüber, wie wir am besten weitere Spritzen verhindern können“, erklärte Cana ruhig und lief in Richtung des Bahnhofs, während sich Lexy neugierig umsah. Obwohl sie bereits seit Wochen in Magnolia waren, nahm die Neugier von Lexy keinen Abbruch. Sie entdeckte tatsächlich immer wieder etwas Neues, was Cana noch nicht einmal nach Jahren wahrgenommen hatte.
„Mama, schau mal! Da ist Laxus!“
Ruckartig blieb Cana stehen und blickte geschockt auf den blonden Mann, der sich eben gerade von der Hauswand ein paar Meter vor ihnen löste und zielstrebig auf sie zulief.
„Was machst du um diese Uhrzeit hier?“ Diese Worte kamen aus Canas Mund, ohne vorher darüber nachgedacht zu haben.
Laxus verzog nur kurz einen Mundwinkel, dann wurde sein Ausdruck wieder ernst. „Ein gewisser Magier hat mir erzählt, Lexy hätte ihren großen Tag im Magischen Institut“, meinte er nur teilweise an Cana gewandt.
Lexy strahlte über das ganze Gesicht, als sie seine Worte vernahm. Im Nu hatte sie Canas Hand losgelassen, um dafür die von Laxus zu nehmen und begeistert zu nicken. Währenddessen bemühte sich Cana, ihre entglittenen Gesichtszüge unter Kontrolle zu bekommen und Laxus eben nicht merken zu lassen, wie ihr ruhiger Herzschlag sich soeben in ein wildes Hämmern verwandelt hatte. Hibiki. Nur er hatte seit Längerem von dem Termin gewusst. Er musste derjenige gewesen sein, der Laxus den kleinen Tipp gegeben hatte.
„Du … Du hast vor, mit nach Crocus zu gehen?“ Der Unglaube, den Cana verspürte, schwang klar und deutlich in ihrer Stimme mit.
„Du hast es begriffen. Wenn es um Lexys Anfälle geht, sollte eine außenstehende Person aus Fairy Tail ebenfalls informiert sein. Nur für den Fall, falls du in naher Zukunft bei einem weiteren Anfall abwesend sein solltest. Nebenbei ist es nicht verkehrt, eine halbwegs objektiv eingestellte Person dabeizuhaben, wenn es um die weiteren Behandlungsmethoden geht. Außerdem scheinst du auch zu vergessen, dass ich diese ganze Tortur selbst durchgemacht habe. Ich weiß bestens Bescheid, auch wenn sich die Methoden in den letzten 25 Jahren vermutlich erheblich geändert haben. Am wichtigsten ist jedoch: Wenn ich euch begleite, kann ich mich persönlich von eurer Rückkehr heute Abend überzeugen. Du kannst nicht spontan beschließen, erneut einfach zu verschwinden.“ Bei seinem letzten Satz war Laxus‘ Tonfall schärfer und Cana verhinderte nur mit Mühe ein Zusammenzucken.
Lexy blickte erschrocken zu Cana. „Ich will hier nicht weg! Nächste Woche fängt die Schule an und Miss Lia hat mir versprochen, Cartus nochmal zu rufen!“
„Cartus?“
Cana ging in die Hocke und nahm Lexys eine freie Hand behutsam in ihre. „Wir werden nicht von hier weggehen. Das verspreche ich dir.“ Ihre Worte waren nur halb für Lexy gedacht, deshalb äußerte sie diese etwas lauter, auch wenn es dank Laxus‘ Gehör eigentlich überflüssig war. „Cartus ist der Stellargeist von Lexys Lehrerin. Ich habe keine Ahnung warum, aber Lexy ist fasziniert von ihm.“
„Cartus hat mein Bild gelobt. – Aber können wir jetzt bitte gehen? Ich will Zug fahren!“ Ohne abzuwarten, lief sie los und zog an Laxus‘ Hand, doch der Dragon Slayer rührte sich nicht von der Stelle. Stattdessen blickte er Cana an und öffnete den Mund, einen entschuldigenden Ausdruck auf dem Gesicht, doch Cana schüttelte nur den Kopf.
„Du kannst dich nicht dafür entschuldigen, mir nicht zu glauben“, murmelte sie. „Immerhin bist du ehrlich. Dafür sollte man sich nicht entschuldigen müssen.“
Laxus stieß nur ein Seufzen aus. „Solange ich jedes Mal erneut kurzzeitig die Beherrschung verliere, muss ich mich entschuldigen. Es ist eine Sache, jemandem nicht vertrauen zu können. Es der Person indirekt vorzuwerfen, eine völlig andere und dafür ist immer eine Entschuldigung fällig in meinen Augen.“ Er hielt kurz inne, dann setzte er sich in Bewegung, da Lexy noch immer ungeduldig an seiner Hand zerrte und der Unterhaltung scheinbar keinerlei Aufmerksamkeit schenkte. „Aber du hast es Lexy versprochen und irgendetwas sagt mir, du würdest ihr niemals die Wahrheit verschweigen. Vor allem nicht, wenn es um einen erneuten, plötzlichen Umzug geht. Ich weiß, du hast es mir mehrmals gesagt, Makarov hat es mir gesagt und sogar Hibiki. Aber das hast du das letzte Mal ebenfalls, bevor du einfach verschwunden bist.“
Cana, die ihn die gesamte Zeit mit immer größer werdendem schlechten Gewissen von der Seite her angeschaut hatte, sah ungläubig, wie sich ein schiefes Grinsen auf seinem Gesicht breitmachte.
„Nun, immerhin werde ich jetzt wohl anfangen müssen, Buße zu tun. In den letzten Jahren hat sich meine Beziehung zu Zugfahrten nicht im Mindesten geändert. Aber Crocus erreicht man wirklich nur mit dem Zug und mir wird nichts anderes übrig bleiben, als mein Unwohlsein halbwegs unauffällig zu gestalten. Ich will auf keinen Fall Tränen von deiner Tochter sehen, weil sie denkt, ich würde während der Zugfahrt sterben.“
Cana biss sich auf die Lippen, um nicht in Gelächter auszubrechen. Ihre letzten Aufträge mit Laxus vor Jahren waren ihr noch gut in Erinnerung geblieben, von der prägenden Erinnerung der vier anderen Dragon Slayer bei den Magischen Spielen ganz zu schweigen.

+++


Levy sprang aus dem Zug, kaum als er im Bahnhof von Hosenka angehalten hatte, und streckte sich freudestrahlend, ehe sie sich zu ihren beiden Begleitern umdrehte.
„Es ist wirklich eine schöne Abwechslung, wieder einmal als Team Shadow Gear unterwegs zu sein.“
Jet und Droy, die während der Zugfahrt über ausgesprochen schweigsam gewesen waren, murmelten nur halbherzig eine Erwiderung. Sie schlenderten in Richtung des Stadtplans, der dankenswerterweise gegenüber des Gleises an die Steinwand des Bahnhofs in einem Glaskasten aushing.
„Jet, du hast die Adresse?“ Droy beäugte mit kritischem Blick das unübersichtliche Durcheinander der einzelnen Straßen, die sich ohne ein erkennbares Muster durch die Stadt zogen. Zumindest kam das Levy so vor. Allem Anschein nach waren sämtliche Viertel in Hosenka der Landschaft angepasst worden, damit sich die Stadt nahezu perfekt in die Umgebung einfügte und nicht unangenehm herausstach wie andere Städte.
„Okay, ich weiß den Weg. Es ist nicht allzu weit, wir sollten in ein paar Minuten dort sein.“ Droy setzte sich in Bewegung und Jet folgte ihm. Levy biss sich kurz auf die Lippen, dann schloss sie zu den beiden auf. Es hatte sich in der Zugfahrt angedeutet, jetzt kristallisierte es sich allmählich deutlicher heraus: Team Shadow Gear existierte auf dem Papier zwar immer noch zu dritt, doch in der Realität war es ein Duo aus Jet und Droy. Sie merkte einfach, in den letzten Jahren nur auf eine Handvoll Aufträge mitgegangen zu sein und vor allem hatte sie sich im letzten Jahr völlig rar gemacht. Ein weiterer Punkt, warum sie den Disput mit Gajeel endlich, wenn auch viel zu spät, beendet hatte. Doch trotz ihrer Verantwortungslosigkeit hatten beide keine Sekunde gezögert, als sie sie nach einem Auftrag zu dritt gefragt hatte. Jet und Droy hatten sie schon immer in jeder Situation unermüdlich unterstützt und sie hatte sie damals wegen ihrer aufkeimenden Gefühle für Gajeel einfach beiseitegeschoben.
„Levy?“
Verwirrt blickte Levy auf, als die fragende Stimme von Jet ertönte. Scheinbar war sie mit ihren Gedanken so sehr abgeschweift, bis sie ihre komplette Umgebung ausgeblendet hatte. Inklusive ihrer Teamkameraden, die mit ihr ein Gespräch angefangen hatten. Mit einer gemurmelten Entschuldigung blieb sie stehen, dann straffte sie sich und blickte ihre beiden ältesten Freunde an.
„Es tut mir leid.“ Zwei Gesichter mit verständnislosem Ausdruck. „Wie ich mich die letzten Jahre verhalten habe. Wobei eine einzige Entschuldigung wahrscheinlich nicht gegen eure verletzten Gefühle aufwiegt, als ich euch einfach wegen Gajeel beiseitegeschoben habe. Ich kann nur versprechen, das nie wieder zu tun. Egal wer auch kommen mag, ich werde diesen Fehler nicht noch einmal begehen. Ihr seid nach wie vor meine engste Familie und ich sehe euch immer noch als Brüder an.“
Einen gefühlt ewig andauernden Augenblick rührten sich weder Jet noch Droy. Levy befürchtete schon das Schlimmste. Doch dann schüttelten beide mit einem verständnisvollen Gesichtsausdruck den Kopf.
„Gajeel stand nie in Konkurrenz zu uns, das wissen wir jetzt. Du würdest in ihm nie einen Bruder sehen, ebenso wenig wie du in uns etwas anderes als Brüder sehen wirst. Vor Tenroujima war uns das ebenfalls bewusst, auch wenn wir beide es nicht wahrhaben wollten.“ Jet setzte sein schiefes Grinsen auf und kratzte sich am Hinterkopf, während Droy bestätigend nickte.
„Uns ist klar geworden, dass dein persönliches Glück am wichtigsten für uns ist. Egal, mit wem es auch in Erfüllung gehen sollte. Umso mehr machen wir Gajeel dafür verantwortlich, wie schlecht es dir die letzten Jahre ging.“ Droys Gesicht hatte sich verdunkelt und Levy, die zunehmend alarmiert den Worten gelauscht hatte, schüttelte entschieden den Kopf.
„Das mit Gajeel und mir ist zur Hälfte auch meine Schuld, immerhin hätte ich mich schon viel früher entschuldigen sollen.“
„Du hast dich entschuldigt?“
„Ja, vor ein paar Tagen. Ich möchte mit dieser ganzen Geschichte einfach abschließen können und die Entschuldigung war der erste Schritt dazu. Jetzt muss ich nur noch daran arbeiten, das wirklich hinter mir zu lassen.“
„Oh Levy.“ Sie wurde mit zwei mitfühlenden Blicken beschenkt und fühlte sich nur noch schlechter. Ihre Teamkameraden waren einfach zu nett für diese Welt, das war ihr schon im Kindesalter klar geworden. Immerhin war sie nicht auf den Kopf gefallen und hatte durchaus gemerkt, welche Gefühle ihr beide entgegengebracht hatten. Auch wenn sie dies immer erfolgreich ignoriert hatte, war das schlechte Gewissen in ihr geblieben. Zu sehen, wie beide sie immer noch vorbehaltlos unterstützten, zeigte ihr abermals deren Charakter.
„Ich habe euch lieb und unglaublich vermisst“, murmelte sie und trat auf beide zu, um sie kurzerhand in eine Gruppenumarmung zu ziehen. Jet und Droy erwiderten diese, ohne zu zögern. Es dauerte eine Weile, bis sich Levy dazu aufraffen konnte, die friedliche Stille zu zerstören.
„So, wo genau müssen wir jetzt hin, Droy?“ Der Pflanzenmagier deutete mit der Hand auf eine verschlungene Straße, die vom Bahnhofsvorplatz abging.
„Dort entlang bis an den Fuß der Berge, dort steht das Haus unseres Auftraggebers.“
„Okay, dann lasst uns keine Zeit verschwenden! Je eher wir fertig werden, desto mehr Zeit haben wir für die verschiedenen Quellen und Restaurants in Hosenka! Ich war schon seit Jahren nicht mehr hier, Lucy hat mir ein Fisch-Restaurant empfohlen, in dem sie jedes Mal mit Natsu essen geht, wenn es sie hierher verschlägt.“ Levy hüpfte in Richtung der Straße und fühlte, wie die altbekannte Vorfreude auf einen Auftrag in ihr aufstieg. Ja, das war die richtige Lösung, um sich endgültig von den Altlasten mit Gajeel zu befreien. Einfach ein Stück Normalität aus ihrer Vor-Gajeel-Zeit zurückgewinnen. Schon sah die Welt weitaus heller und freundlicher aus.

+++


Lexy beobachtete mit großen Augen und kritischem Gesichtsausdruck die bleiche Gestalt, die ihr gegenüber des Viersitzers im Zug saß. Begleitet von einem Seufzen in unregelmäßigen Abständen, das an ein Stöhnen erinnerte. Cana verkniff sich nur mit Mühe ein Lachen, als sie die Faszination ihrer Tochter mit Laxus‘ Leiden sah.
„Mama, was ist mit Laxus?“, flüsterte Lexy. Doch Cana erkannte an dem Zucken von Laxus‘ linkem Auge, dass er die Frage sehr wohl gehört hatte. Sie gab sich von daher gar nicht erst die Mühe, ebenso leise zu reden wie ihre Tochter.
„Laxus wird schlecht bei Zugfahrten. Eigentlich bei allen Dingen, mit denen man reist. Autos, Schiffe und auch Christina wird dazugehören.“
Lexy runzelte die Stirn. „Das ist dann aber blöd, wenn man auf Aufträge gehen muss. Geht das schnell wieder weg?“ Cana zuckte mit den Schultern, denn sie wusste von der unterschiedlichen Zeit, die die anderen Dragon Slayer benötigten, um sich zu erholen. Natsu benötigte mit Abstand am Längsten, während Gajeel nach wenigen Sekunden auf festem Boden wieder ganz der Alte war.
„Es dauert etwas.“ Laxus presste die Worte zwischen zusammengebissenen Zähnen heraus. „Normal fliege ich einfach zu meinen Aufträgen, das geht am schnellsten.“
„Fliegen?“ Sofort war Lexys Aufmerksamkeit auf Laxus‘ Magie gerichtet.
„Laxus kann mithilfe seiner Magie innerhalb von Sekunden von einem Ort zum anderen. Stell dir einen Blitz vor, der einschlägt – so schnell ist Laxus ebenfalls. Er beherrscht Blitzmagie, genauer gesagt Blitz Dragon Slayer Magie. Dasselbe wie Natsu, nur mit Blitzen anstatt Feuer.“
„Wow.“ Die ehrliche Begeisterung und Ehrfurcht in Lexys Gesicht versetzte Cana einmal mehr einen Stich, doch Laxus schien die Reaktion zu gefallen, denn er brachte sogar ein Grinsen zustande.
„Ich kann es dir zeigen, wenn wir aus diesem gottver- aus diesem Zug ausgestiegen sind“, verbesserte er sich schnell, nachdem Cana ihm einen warnenden Blick zugeworfen hatte. Bisher hatte sie es sehr gut hinbekommen, Lexy keine Schimpfworte oder Kraftausdrücke zu Ohren zu kommen zu lassen. Allerdings hatte sie keine Illusionen, was die Vorschule in dieser Hinsicht bedeutete. Doch damit würde sie sich beschäftigen, wenn es tatsächlich eintrat.
„Aber wieso fährst du dann Zug? Dir wird schlecht und es dauert länger.“ Lexy saß mit nachdenklicher Miene und schiefgelegtem Kopf da, da sie offenbar intensiv nachdachte.
„Keine Ahnung“, murmelte Laxus und schloss die Augen. Cana hatte das Gefühl, regelrecht beobachten zu können, wie seine Haut noch eine Spur mehr ins Weiße abrutschte und warf einen Blick nach draußen.
„Oh. Wir scheinen fast da zu sein, die Häuser hier sehen aus wie in Clover.“
„Hoffentlich.“ Mehr als ein Stöhnen war es nicht, was aus Laxus‘ Mund kam und Cana tauschte einen Blick mit Lexy, die nun ebenfalls leicht besorgt aussah.
Wenige Minuten später hatte der Zug im Bahnhof von Clover gehalten. Nachdem sie gewartet hatten, bis Laxus‘ Übelkeit etwas verklungen war, waren sie aus dem Zug ausgestiegen. Lexy blickte sich kritisch um und stemmte die Arme in die Hüften.
„Magnolia ist schöner“, verkündete sie entschieden und drehte sich zu den beiden Erwachsenen um. Cana bemühte sich, die Erheiterung nicht allzu offensichtlich in ihrem Gesicht stehen zu lassen. Laxus brummte nur, während er sich mit einer Hand die Magengegend hielt und tiefe, gleichmäßige Atemzüge tat.
„Geht es dir besser?“ Sofort war Lexys Aufmerksamkeit auf den blonden Magier gerichtet. „Wir können auch ein Eis essen gehen, damit es dir besser geht! Mir hilft Eis immer, wenn ich traurig bin oder mir weh getan habe! Mama hat immer so leckeres Eis, das ist toll.“
„Danke. Ich mag kein Eis.“
Bei Lexys absolut geschocktem, fassungslosen Gesichtsausdruck fiel Canas Beherrschung in sich zusammen. Sie brach in Gelächter aus, während Lexy sich aufplusterte und einen Vortrag hielt, warum man Eis gar nicht nicht mögen könne.
„Wenn ich Eis mögen würde, hättest du keines mehr, weil ich es schneller essen kann als du.“ Dieses Argument brachte Lexy wieder zum Schweigen und Nachdenken.
Kurz vor der Adresse des Magischen Instituts, das am Rand von Clover angesiedelt worden war, akzeptierte Lexy die Aussage von Laxus. Damit war das Thema Eis erledigt. Zumindest, nachdem Lexy mit großen Augen und ohne Probleme Laxus dazu überredet hatte, ihr vor der Rückfahrt mit dem Zug ein Eis zu kaufen. Cana hatte die ganze Szene mit dem mittlerweile gewohnten Schmerz in ihrer Herzgegend beobachtet, aber gleichzeitig waren kleine Funken der Hoffnung aufgestiegen. Selbst wenn beide nichts von ihrer Verwandtschaft wussten, zeugte das Funkeln in Laxus‘ Augen und Lexys Begeisterung in ihrem Gesicht von aufrichtigen Gefühlen der Zuneigung. So gering diese im Moment auch sein mochten.
+++

Ein weiteres Kapitel, dieses Mal mit etwas weniger Drama. Falls sich jemand fragt, warum Lexy nicht schlecht im Zug wird: In meiner Interpretation gibt es Magie-Veranlagungen, die man entsprechend trainieren kann. Das heißt, erst dann besitzt man die Magie und alle mit ihr verbundenen Vor- und Nachteile. Mit anderen Worten: Lexy wird erst schlecht, wenn sie ihr Training aufgenommen hat und ihre Magie entsprechend kontrollieren kann.
Weil ich es immer vergesse, anzusprechen: Vielen lieben Dank für all die Aufmerksamkeit und vor allem für die zahlreichen Rückmeldungen, die ihr mir immer schreibt! So etwas motiviert einen unglaublich, vor allem wenn man in einer Geschichte feststeckt. Bis zum nächsten Mal!
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