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Schritt für Schritt

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16
Cana Alberona Gajeel Redfox Laxus Dreyar Levy McGarden
04.06.2020
03.12.2020
27
90.096
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24.09.2020 3.111
 
Kapitel 17 – Gespräche in der Gilde

Kaum als Cana an einem der großen, flachen Felsen der Begrenzung für den privaten Strand der Gilde angekommen war und sich auf ihren Stammplatz gesetzt hatte, schlang sie schützend die Arme um ihren Oberkörper. Die Blätter über die Vertragskopie für Lexys Vorschule hatte sie fein säuberlich gefaltet und in ihrer Tasche verstaut. Innerlich hatte sie sich bereits für die nächste Auseinandersetzung vorbereitet. Doch Laxus strahlte eine seltsame Ruhe und Gelassenheit auf, die sie seit ihrer Rückkehr bei ihm nicht wahrgenommen hatte. Es erinnerte sie an die Zeit, als sie beide als Teenager viel Zeit miteinander verbrachten, um ihre Blitzkombinationen in der Kartenmagie zu verbessern.
Sie bemerkte, wie sie sich unwillkürlich entspannte und sogar ein kleiner Funken an Hoffnung in entfacht wurde, den sie schnell wieder erstickte.
Laxus zog es vor, sich nur gegen den Felsen zu lehnen, wobei er darauf zu achten schien, einen gewissen Abstand zu ihr einzuhalten. Er blickte stumm auf das Meer hinaus, die Arme in seiner typischen Haltung vor der Brust verschränkt.
„Ich hätte nicht die Beherrschung verlieren dürfen.“
„Hättest du nicht. Vor allem nicht vor Lexy. Du weißt am besten, wie sehr Kinder darunter leiden, Erwachsene laut werden zu sehen.“ Bei dem nicht gerade unauffälligen Hieb in Hinblick auf seinen eigenen Vater versteifte sich Laxus für einen Moment, bevor er regelrechte in sich zusammensackte.
„Ich muss mich später bei ihr entschuldigen. Du hast recht.“ Er seufzte, dann warf er ihr einen nachdenklichen Blick zu. „Levy und ich hatten ein interessantes Gespräch. Ich glaube, ich habe einige Dinge verstanden, die mir vorher nicht bewusst waren. Ich kann dein Verhalten nicht nachempfinden, dazu fehlt mir ein Kind.“
Da war er wieder, dieser kurze, reisende Schmerz quer durch ihr Herz, der für einen Moment das Atmen unmöglich machte.
„Was mir durch das Gespräch mit Levy allerdings klar wurde: Du musstest innerhalb von wenigen Wochen deine Prioritäten für den Rest deines Lebens ändern, zumindest für die nächsten zwei Jahrzehnte. Dabei konntest du keinerlei Ablenkungen gebrauchen, weder von deinen Freunden oder … von mir.“ Da war der leicht bittere Unterton in seiner Stimme wieder, doch ihm fehlte die anklagende Note der letzten Male. „Wahrscheinlich ist es dieser Entscheidung zu verdanken, dass Lexy ein normales Kind zu sein scheint, trotz des Einflusses der Trimens, Ichiya, Master Bob und auch Gildarts.“
„Lexy hat Angst vor Ichiya“, warf Cana mit einem amüsierten Lächeln ein und auch Laxus schnaubte kurz.
„Dann hat sie eine vernünftige Menschenkenntnis, trotz ihres Alters.“ Schlagartig wurde er wieder ernst. „Was ich eigentlich sagen wollte: Weil ich dich kenne weiß ich, wie viel Zeit dieser Gedanke in deinen Gedanken einnimmt, deshalb klar und deutlich. Das, was ich bis jetzt mitbekommen habe, gibt mir das Gefühl, du bist eine ausgezeichnete Mutter. Lexy scheint glücklich zu sein. Offensichtlich ist sie sogar bereit, dich gegen Personen zu verteidigen, die locker viermal so groß sind wie sie selbst, vom Gewicht ganz zu schweigen. Wenn ich meine subjektive Sichtweise ignoriere, war deine Entscheidung die richtige. Was das alles für mich umso schwieriger macht, da –“
Als Cana das Schluchzen nicht mehr unterdrücken konnte, brach Laxus schlagartig ab und drehte sich alarmiert zu ihr um. Wortlos trat er zu ihr und zog sie sanft, aber bestimmt vom Felsen herunter. Sie benötigte keine weitere Aufforderung, um ein weiteres Mal seit ihrer Rückkehr ihr Gesicht in seinem Hemd zu vergraben. Ihre Tränen rührten nicht nur von seinen Worten her, sondern auch von der bitteren Gewissheit, ihn um so viele Dinge gebracht zu haben. Das schlimmste war, er wusste noch nicht einmal Bescheid. Die Tatsache, aus seiner momentan objektiven Perspektive ein so großes Lob für ihre Tochter zu haben, bedeutete ihr viel. Noch dazu war sie ebenfalls seine Tochter. Das war zusammen mit ihrem schlechten Gewissen ihm und seinen Gefühlen gegenüber einfach zu viel. Sie wusste, sie musste ihm so bald wie möglich von seiner Vaterschaft erzählen und jede verstreichende Sekunde war eine zu viel. Jetzt wäre ein ebenso guter Zeitpunkt, doch sie brachte es einfach nicht über ihr Herz, diesen Moment durch die Beichte zu zerstören. Denn damit würde sie alle Fortschritte zunichtemachen, die sie beide in ihrer zerrütteten Beziehung in den vergangenen Tagen gemacht hatten. Vielleicht konnte sie ihn sogar in Lexys Leben einbinden, sodass die Erkenntnis nicht ein allzu großer Schock werden würde.

+++


Gildarts betrachtete von einem der großen Fenster in der Gildenhalle die beiden Gestalten am Strand, die sich immerhin noch nicht die Köpfe eingeschlagen hatten. Als er sah, wie Laxus auf Cana zutrat und ihr scheinbar Trost spendete, glitt sogar der Hauch eines Lächelns über sein Gesicht. Zwar ahnte er, dass es bei Weitem noch nicht die letzte Auseinandersetzung zwischen den beiden gewesen sein würde. Doch scheinbar hatte Levy die perfekten Worte getroffen. Er blickte auf die kleine, blauhaarige Magierin hinab, die neben ihm stand und ebenfalls erleichtert, wenn auch nicht euphorisch wirkte.
„Scheinbar haben deine Worte etwas bewirkt.“
Levy zog die Stirn in Falten und kaute abwesend auf ihrer Unterlippe herum, bevor sie antwortete.
„Für den Augenblick. Aber ich glaube nicht, dass das das Ende ist. Dazu stehen sich beide zu sehr selbst im Weg“, murmelte sie und wandte den Blick ab, nur um ihn suchend durch die Halle wandern zu lassen.
„Lexy ist im Moment bei Lucy. Gajeel ist direkt nach seinem Gespräch mit Cana im ersten Stock verschwunden“, sagte Gildarts ohne einen einzigen Blick in die Gildenhalle und Levy zuckte ertappt zusammen. Der Magier seufzte, dann legte er väterlich eine Hand auf Levys Schulter.
„Lass dir von mir, der zu viele Fehler in Beziehungen gemacht haben, eines gesagt sein: Manchmal ist es besser, loszulassen, bevor man sich nicht mehr aus der Sandgrube von Frust und verletztem Stolz befreien kann.“
Levy stemmte entrüstet die Hände in die Seiten.
„Ich habe mich entschuldigt und gebeten, die Sache sein zu lassen, damit wir wieder normal miteinander umgehen können!“
„Sich zu entschuldigen und das vorzuschlagen ist eine Sache. Sie tatsächlich zu meinen eine andere“, entgegnete Gildarts ungerührt. Levy ließ den Kopf hängen, was Gildarts seine Worte bereuen ließ. Er seufzte. „Damit meine ich nicht, dass deine Bemühungen nur gestellt sind. Nur manchmal spielen die eigenen Gefühle eine komplett andere Partie, als man vom Kopf her mit ihnen ausgemacht hat. Canas Mutter hat mich nie wirklich losgelassen und als ich von ihrem Tod hörte, brach für mich eine Welt zusammen. Trotz der Tatsache, dass sie mich vom einen auf den anderen Tag einfach verlassen hat. Wenn ich mir dich und Gajeel so anschaue, seid ihr auf dem besten Weg, ein ebensolches Ergebnis zu haben. Die Wut-Phase habt ihr bereits hinter euch, jetzt kommt die der Selbstvorwürfe und der Reue. Es liegt an dir zu entscheiden, ob diese Phase einfach in die Akzeptanz übergeht. Oder du wagst doch noch einen Versuch, das alles wieder in die andere Richtung zu biegen.“
„Und wie?“, flüsterte Levy bedrückt. „Ich werde keiner anderen Frau den Mann ausspannen oder es überhaupt versuchen. Noelle hat die letzten Jahre so hart für sie und Gajeel gekämpft, auch wenn sie sich sehr oft in den Haaren liegen. Ich bin die letzte Person, die diese Anstrengungen einfach missachtet. Meine Chance mit Gajeel habe ich selbst verspielt und Noelle hat jedes Recht, dass ihre Beziehung respektiert wird. Selbst wenn der Großteil von Fairy Tail in ihr den Feind sieht, kommt sie regelmäßig zu den großen Veranstaltungen der Gilde, um ihre Unterstützung zu zeigen. Nein, ich werde keinen Schritt in diese Richtung machen.“
„Du hast wirklich ein großes Herz, auch wenn es sich für dich selbst nachteilig ausübt. Du musst selbst wissen, was du tust. Aber ich habe keinen Zweifel, dass du mit deinen Analyse-Fähigkeiten zum richtigen Ergebnis kommen wirst.“ Gildarts lächelte Levy aufmunternd zu, doch ihr war eher zum Heulen zumute. Warum dachte jeder, sie würde immer auf alles die passende Antwort finden? Nur weil sie magische Runen analysieren und korrekt interpretieren konnte? Trotz der Unmengen an Büchern, die sie in ihrem Leben bisher verschlungen hatte, war sie bei ihrem Gefühlsleben so hoffnungslos verloren wie jedes andere Mitglied von Fairy Tail.
„Levy!“
Der Ausruf aus zwei verschiedenen Mündern brachte sie im Nu auf andere, weitaus positivere Gedanken und strahlend drehte sie sich zu ihren Teamkameraden um. Jet und Droy beäugten sie im Kontrast zu ihren fröhlichem Ausruf prüfend, wenn nicht sogar besorgt und ihr Lächeln wurde noch um eine Spur breiter. Sie wusste nicht, was sie ohne ihre beiden Chaoten machen würde. Wahrscheinlich durchdrehen, aber die beiden brachten sie immer auf andere Gedanken. Das war einer der Gründe, warum Team Shadow Gear noch nicht vollständig zum Erliegen gekommen war, auch wenn sie eine Zeitlang Aufträge zu zweit mit Gajeel bevorzugt hatte. Diese hatten sich allerdings aus bekannten Gründen erledigt. Doch Jet und Droy hatten keine Sekunde gezögert, sie auf jeden einzelnen ihrer Aufträge mitzunehmen.
„Jet, Droy. Habt ihr schon einen Auftrag gefunden, den wir machen könnten?“
Beiden war die Erleichterung sichtlich anzusehen und Levy fühlte sich nur noch schlechter, da sie sie einmal mehr als Ablenkung benutzte. Wenn auch nur teilweise, doch der schale Beigeschmack in ihrem Mund bei diesem Gedanken blieb.
„Ja, wir müssen den Zug nach Hosenka nehmen. Es geht um irgendeinen Spezialauftrag in den Gebirgen, sie benötigen jemanden mit hoher Geschwindigkeit und einen Script-Magier. Mira hat uns den Auftrag vor fünf Minuten gegeben.“ Mit diesen Worten hielt ihr Jet das Blatt mit den genaueren Informationen vor die Nase und Levy nahm es an sich, um es kurz zu überfliegen. Sie runzelte die Stirn. Unerklärliche Vorkommnisse in den Bergen, die Touristen abschreckten, da mehrere Leute verschwunden waren. Man hatte selbst Nachforschungen angestellt, doch jemand hatte entweder Runen- oder Script-Magie verwendet, um unerwünschte Besucher aus den Bergen fernzuhalten. Die Speed-Magie benötigten sie hauptsächlich, um stets über alles informiert zu sein. Also würde Jet die größtenteils zwischen ihr und den Auftraggebern, die sich als der Verbund der Onsen-Besitzer herausstellten, hin und her flitzen und beide Parteien über die neuesten Ereignisse auf dem Laufenden halten.
„Hm“, murmelte Levy abwesend und stellte gedanklich bereits eine Liste mit Büchern zusammen, die sie auf keinen Fall vergessen durfte. Runenmagie war durchaus knifflig und leider fehlte ihr immer noch das letzte bisschen Übung, um vollkommen sicher in ihren Interpretationen und Umschreibungen zu sein. Wahrscheinlich würde sie Freed kurz aufsuchen um ihn um weitere Bücher zu fragen.
„Levy?“ Droy blickte sie fragend an und sie zwinkerte ihm zu, was ihn schlagartig erröten ließ.
„Ich benötige ein paar Bücher und obendrein eine kurze Unterredung mit Freed, wenn er schon in Magnolia ist. Danach können wir sofort starten, gebt mir eine Stunde zur Vorbereitung.“
Ihre Teamkameraden nickten eifrig und Levy eilte in die Bibliothek. Den stechenden Blick aus dem ersten Stock bemerkte sie gar nicht. Im Gegensatz zu einem gewissen älteren Magier, der nur seufzend den Kopf schüttelte und sich dann auf die Suche nach seiner Enkeltochter machte. Lexy war weitaus einfacher im Umgang als junge Magier, die trotz ihres Alters das Verhalten von unreifen Teenagern an den Tag legten. Vielleicht war die Magie dafür verantwortlich, denn er war damals nicht anders gewesen.

+++


Lexy betrachtete staunend die Schlüssel von Lucy. Sogar ein paar Stellargeister hatte Lucy für sie heraufbeschworen, wobei ihr bisher nur Plue wirklich gefallen hatte. Alle anderen waren komisch in ihren Augen, auch wenn Lucy ihr versichert hatte, dass alle nett und freundlich zu ihr sein würden. Doch allein das Aussehen von manchen war gruselig gewesen, sodass sich Lexy lieber nur mit dem kleinen, weißen Schneemann beschäftigt hatte, der nach Lucys Aussage eigentlich ein Hund war. Als ob sie nicht wüsste, wie ein Hund aussieht und Plue sah ganz klar nicht so aus.
Fragend blickte sie auf, als Lucy mitten im Satz abbrach und den Blick nach oben richtete. Lexy drehte sich um und zuckte zusammen. Genau hinter ihr stand Laxus, der sie einfach anstarrte. Vorsichtig wich sie ein paar Schritte zurück und bemerkte, wie der Magier schluckte und sich dann mit der Hand durch die Haare fuhr. Ihr Großvater tat das immer, wenn er nicht wusste, was er als Nächstes sagen sollte. Irgendwie beruhigte sie diese Geste. Doch trotzdem würde sie kein Wort sagen, denn an den lauten Streit von heute Morgen, der sie aufgeweckt hatte, konnte sie sich immer noch perfekt erinnern. Vor allem an das Gesicht von ihrer Mutter. Sie mochte es zwar verstecken, doch Lexy hatte bemerkt, wie sehr die Worte ihre Mama verletzt hatten. Lexy wusste auch, dass das nicht zum ersten Mal passiert war. Denn immer, wenn sie von anderen Magiern unterhalten worden war, war ihre Mutter danach traurig gewesen. Zwar hatte sie es versteckt, doch Lexy kannte von den vielen Freundinnen von Hibiki, was rote Augen bedeuteten. Außerdem änderte sich die Stimme ihrer Mutter immer danach.
„Lexy, bleib bitte bei Laxus, ja? Ich muss etwas mit Natsu klären. Wenn du willst, kannst du Plue so lange haben, bis ich wieder da bin. In letzter Zeit habe ich ihn zu wenig gerufen.“ Lexy bemerkte, wie Lucy kurz zu Laxus blickte und dieser den Kopf senkte, doch sie nahm Plue lieber an die Hand und nickte freudestrahlend. Plue war zwar kein Haustier, aber bisher hatte sie kein Wesen getroffen, das einem Haustier mehr ähnelte als der Stellargeist.
„Lexy.“ Ohne zu wollen, zuckte sie zusammen und hörte ein Seufzen. Dann raschelte Kleidung und sie blickte überrascht direkt in das Gesicht von Laxus, der in die Hocke gegangen war. Nun war er nur wenig größer als sie selbst. Vorsichtig trat sie ein Stück näher, wobei sie die Hand von Plue nicht losließ.
Laxus öffnete mehrmals den Mund und schloss ihn wieder, ohne ein Wort zu sagen und sie legte den Kopf schief. Das kannte sie eher von ihrer Mutter, wenn sie eine schwierige Frage gestellt hatte. Zum Beispiel die nach ihrem Vater, denn sie hatte einen. Das hatte ihr Hibiki gesagt, als sie ihn einmal gefragt hatte.
„Du musst nichts sagen“, murmelte sie irgendwann, denn der Blick aus den grünen Augen ließ sie unruhig werden. Vor allem, weil die Augen beruhigend und vertraut aussahen, auch wenn sie den Magier erst seit wenigen Wochen kannte. Trotz des Brüllens von ihm heute Morgen ahnte sie, dass er irgendetwas sagen wollte, das auch für sie wichtig war.
„Doch, muss ich. Heute Morgen … Es tut mir wirklich leid. Das ändert nichts daran, dass ich die Fassung verloren habe.“
„Die Fassung verloren?“ Nun war sie verwirrt, denn das hatte sie zwar schon gehört, konnte es aber nicht eindeutig zuordnen und gerade jetzt war das wichtig.
„Oh. Ich bin es wirklich nicht gewohnt, mit Kindern zu reden … Was ich damit sagen wollte: Mein Verhalten deiner Mutter gegenüber war falsch. Egal wie wütend ich auch sein mag, ich darf dabei nicht anfangen laut zu werden, denn das macht alles nur noch schlimmer.“ Er fuhr sich abermals durch die Haare.
„Deshalb möchte ich mich bei dir entschuldigen. Bei Cana habe ich das schon gemacht, aber du bist die Person, die das am meisten verängstigt hat.“
Lexy runzelte die Stirn. „Warum?“
„Warum was?“
„Warum bin ich ängstlicher als Mama? Mama hat heute Morgen geweint, nachdem du weg warst und nicht ich.“
Zu ihrer Überraschung schien das Laxus zu erschrecken, denn seine Augen weiteten sich.
„Geweint?“
Lexy nickte.
„Ja. Immerhin mag sie dich und wenn du sie anbrüllst, tut das weh. Wenn Mama mit mir schimpft, fühle ich mich danach auch schlecht. Aber sie hat doch überhaupt nichts falsch gemacht?“ Auf einmal riss sie die Augen auf, als ihr etwas bewusst wurde. „Du wirst aber nicht wegen mir sauer, oder? Weil ich Mama immer weh tue, wenn ich nach meinem Papa frage und sie dann immer zu weinen anfängt?“
„Oh Mavis.“ Laxus legte ihr eine Hand auf den Kopf und sie blickte ihn fragend an. „Nein. Es ist nicht wegen dir, du kannst am wenigsten für alles. Es ist die Schuld von niemandem, nur … Ich …“
Er brach ab, doch Lexy verstand und nickte langsam.
„Du hast all diese Wut in dir und musst sie aus dir herauslassen, weil du sonst das Gefühl hast, keine Luft mehr zu bekommen? Ich habe das auch oft und meistens ist es Mama, die dann meine Wut abbekommt.“ Sie fühlte, wie ihre Augen zu brennen anfingen, aber redete trotzdem weiter. Auch wenn es mit dem Kloß in ihrem Hals schwer wurde. „Und danach fühlst du dich nur noch schlechter als vorher, weil sie nicht Schuld an der Wut in dir hat und du sie trotzdem dafür angeschrien hast.“ Beim letzten Wort brach ihre Stimme und sie konnte das Schluchzen nicht mehr unterdrücken. Doch im nächsten Moment spürte sie, wie sich ein Arm um ihre Schultern legte und sie zu Laxus gezogen wurde.
„Ich weiß genau, was du meinst“, murmelte eine Stimme direkt neben ihrem Ohr und sie zog schniefend die Nase hoch. Dabei umfing sie zum zweiten Mal dieser Geruch, der sie beruhigte und ihr sagte, dass sie der Person vor sich vollkommen vertrauen konnte.
„Hast du deine Mama als Kind auch angeschrien?“ Sie spürte, wie Laxus kurz zusammenzuckte.
„Nein. Meine Mutter ist früh nicht mehr da gewesen. Ich habe meine Wut an meinem Großvater ausgelassen und bis heute weiß ich nicht, warum er mir das nie vorgehalten hat.“
Lexy löste sich von Laxus und nahm seine Hand. Im nächsten Moment wollte sie ihren Griff wieder lösen, weil er hörbar Luft holte, doch er hielt ihre Hand fest.
„Aber so langsam kann ich mir vorstellen, warum. Sie liebt dich über alles. Deshalb verzeiht sie dir deine Ausbrüche, ebenso wie Makarov mir die meinen.“
Lexy runzelte die Stirn. „Sie redet auch immer wieder erneut mit dir, obwohl du sie immer zum Weinen bringst. Also hat sie dich auch lieb.“ Sie blickte in das Gesicht von Laxus und sah, wie er sie überrascht anblickte. Deshalb nickte sie nachdrücklich. „Mama hat mir das selbst gesagt.“ Dann schlug sie sich eine Hand vor den Mund und blickte Laxus erschrocken an. „Und sie hat auch gesagt, dass ich es nicht weitersagen soll“, flüsterte sie. Anstatt einer Antwort spürte sie eine Hand in ihrem Haar und war im nächsten Moment empört, weil Laxus einfach durch ihre Haare wuschelte.
„Hey!“
„Du bist unglaublich, weißt du das?“ Sofort war sie verlegen und spürte, wie ihr Gesicht heiß wurde. Dabei wusste sie selbst nicht, warum dieser eine, kleine Satz das leichte Kribbeln in ihr auslöste und so sagte sie lieber gar nichts. Eigentlich fühlte sich diese Hand auf ihrem Kopf nicht schlimm an, sondern ließ sie glücklich strahlen.
Sie war so vertieft in die Gefühle in sich, sodass sie das tränenüberströmte Gesicht ihrer Mutter nicht bemerkte, die am Tresen neben Gildarts stand.

+++

Ohne große Worte, hier das nächste Kapitel. Der Augenblick, auf den ihr alle gewartet habt, rückt allmählich näher - so viel verrate ich dann doch.
Lasst mir gern eure Meinungen dazu da, ich freue mich immer auf eure Rückmeldungen!
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