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Schritt für Schritt

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16
Cana Alberona Gajeel Redfox Laxus Dreyar Levy McGarden
04.06.2020
21.01.2021
34
116.215
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03.09.2020 3.315
 
Kapitel 14 – Eine überfällige Entschuldigung

Levy schloss die Gildentür hinter sich und atmete tief aus, um die leichte Übelkeit verschwinden zu lassen, die sie beim Anblick der Spritze erfasst hatte.
„Shrimp, alles in Ordnung?“
Schlagartig war jegliche Übelkeit vergessen, während sie die Quelle ihrer nächtlichen Unruhen mit großen, ungläubigen Augen anblickte. Das war das erste Mal seit Monaten, dass Gajeel ihre Existenz in irgendeiner Weise anerkannte. Ihr letztes Gespräch lag noch länger zurück. Sie war sich noch nicht einmal mehr sicher, ob sie seit ihrer großen Auseinandersetzung in der Gildenhalle überhaupt miteinander auch nur ein Wort gewechselt hatten.
„Ich … ich denke schon“, murmelte sie abwesend, noch zu beschäftigt mit der ungewohnten Aufmerksamkeit des Eisen Dragon Slayers. Zum Glück war die Gildenhalle bis auf wenige Ausnahmen regelrecht verwaist, was vor allem ihren Freundeskreis betraf. Wahrscheinlich war auch das der Grund, warum Gajeel überhaupt das Wort an sie richtete. So gab es keine Zeugen, die ihr Gespräch hier mitbekamen. Der Gedanke hatte einen bitteren Nachgeschmack.
„Da auch Laxus aus der Gilde mithilfe seiner Magie verschwunden ist, vermute ich mal, es ging um Cana und ihren Sprössling.“ Gajeels Tonfall war wie gewohnt abfällig, doch während sie in der Vergangenheit darüber hinweggeblickt hatte, wollte und konnte sie das heute nicht ignorieren.
„Was Cana und Laxus betrifft, hast du dich wie alle anderen herauszuhalten“, beschied sie ihm mit scharfer Stimme und stemmte aufgebracht die geballten Hände in die Seiten. „Das Einzige, was jedem von uns zusteht sind Bemühungen, Lexy nicht das volle Ausmaß ihrer gemeinsamen Vergangenheit mitbekommen zu lassen. Vor allem aber sind abfällige Bemerkungen das letzte, was Fairy Tail sich erlauben kann! Nachdem wir im Gegensatz zu Laxus so schnell aufgehört haben, aktiv nach Cana zu suchen und uns stattdessen mit ihrem Verschwinden abgefunden haben!“
Die roten Augen ihres Gegenübers verengten sich gefährlich, doch sie bewegte sich keinen Millimeter, was seine Absicht gewesen war.
„Willst du mir damit vielleicht etwas irgendetwas mitteilen, was überhaupt nichts mit den anderen zu tun hat?“ Seine Stimme war noch kontrolliert, doch das leichte Zittern in ihr verriet seine aufsteigende Wut.
Plötzlich fühlte Levy Müdigkeit in sich aufsteigen. Sie hatte sich geschworen, über Gajeel und die verzwickte Situation hinwegzukommen und jetzt fing alles wieder genauso an, wie es damals geendet hatte. Mit einem sich anbahnenden Streit inmitten der Gildenhalle.
„Eigentlich will ich dir einiges mitteilen“, murmelte sie und gab ihre angriffslustige Haltung auf. Jetzt war der beste Zeitpunkt, um das alles hinter sich zu lassen. Es gab hier so wenig Zeugen wie möglich, was bedeutete: Auch Gajeel weniger geneigt dazu war, seinen übergroßen Stolz über seine Ehrlichkeit siegen zu lassen.
„Vor allem möchte ich mich aber für die grundlosen Vorwürfe und Anschuldigungen von damals entschuldigen, auch wenn es schon viel zu spät dafür ist. Und dir viel Glück mit Noelle wünschen. Ich kenne sie zwar kaum, aber sie scheint freundlich und aufgeschlossen zu sein. Auf jeden Fall wünsche ich euch beiden viel Glück weiterhin. Nochmals Entschuldigung für damals. Ich wünsche, wir können das Ganze mit der Zeit wieder vergessen.“ Sie nickte einem völlig regungslosen Gajeel noch zum Abschied zu, dann wandte sie sich zum Gehen. Fast hätte sie gelächelt angesichts der Last, die ihr damit vom Herzen gefallen war, doch dafür waren die Folgen ihrer Entschuldigung für sie zu gravierend: Sie würde jetzt alles daransetzen müssen, ihre Gefühle für den Eisen Dragon Slayer zu vergessen. Um der Gilde, aber vor allem um ihrer selbst willen.
„Levy!“ Im ersten Moment hatte sie die Hoffnung, Gajeel hätte sich gefangen. Um sie zurückzurufen und ihr seine unendliche Liebe zu gestehen. Begleitet von unzähligen Entschuldigungen, doch einen Augenblick später erkannte sie die Stimme.
Hibiki hatte die Halle gerade betreten. Bei seinem suchenden Blick wusste sie, nach wem er Ausschau hielt. Also hielt sie im Eingangsbereich inne und lächelte ihm zu, mit einem wie sie hoffte entspannten Gesichtsausdruck.
„Cana ist mit Lexy und Laxus hinter dem Gebäude. Lexy hatte vorhin einen Anfall, doch jetzt sollte alles wieder normal sein.“
Hibikis Augen wurden groß und er wurde eine Spur bleicher. Wortlos drehte er sich um und lief zielstrebig auf den Hinterausgang zu, während Levy ihm verwirrt nachblickte. Dann zuckte sie innerlich mit den Schultern, denn das war eine Sache zwischen Hibiki und Cana, in die sie sich nicht mehr einmischen wollte als bisher.

„Levy“, wurde sie begrüßt, kaum als sie aus der Gilde getreten war. Sie riss ihren Kopf hoch und erblickte Jem, der direkt gegenüber dem Gildeneingang an einen der Blumenkübel gelehnt stand, mit einem lässigen Grinsen auf dem Gesicht.
„Wolltest du heute nicht etwas mit deiner Familie unternehmen“, fragte sie ihn verblüfft, während er sich vom Blumenkübel abstieß und auf sie zu schlenderte.
Jem zuckte mit den Schultern. „Das kann ich morgen vor der Abreise noch machen. Stattdessen habe ich gedacht, ich verbringe meinen letzten freien Tag mit dir und amüsiere mich über deine Reaktionen beim Anblick deiner Gildenkameraden.“ Bei den letzten Worten war das Grinsen wieder auf seinem Gesicht, für das einige weibliche Fans seiner Band mit Sicherheit einen Mord begehen würde. Doch Levy, die das Benehmen ihrer männlichen Gildenkameraden in Bezug auf die Damenwelt jahrelang beobachten konnte, nahm es nur mit einem Schulterzucken zur Kenntnis.
„Da sich die prekäre Situation, von der ich dir erzählt hat, eben von meiner Seite aus aufgelöst hat, werde ich vermutlich nicht mehr allzu extrem reagieren. Falls ich tatsächlich auf einen Fairy Tail Magier treffen sollte. Tut mir leid, dich da enttäuschen zu müssen.“
Jem grinste nur noch eine Spur breiter, während sein Blick kurz hinter sie zuckte. „Ist schon in Ordnung, dann entspannen wird uns heute einfach etwas.“ Ohne auf eine Reaktion zu warten, schnappte er sich ihren Arm, hakte diesen bei sich unter und führte Levy in Richtung des Marktplatzes, um den etliche Cafés angesiedelt waren. Wenn Levy eines über Jem in den letzten Treffen gelernt hatte, dann war es seine Sucht nach koffeinhaltigen Getränken, bei denen Kaffee mit Abstand an oberster Stelle stand.
So drehte sie sich auch nicht zur Gilde um, aus der ein bohrender Blick auf Jem und sie abgeschossen wurde, ehe die Türen einmal erneut zuschlugen.

+++


Hibiki blieb in einer Entfernung stehen und beobachtete die Szene vor sich mit einem sanften Lächeln. Allem Anschein nach hatte Laxus darauf bestanden, eine völlig ausgelaugte Lexy auf den Arm zu nehmen. Währenddessen mühte sich Cana mit immer noch deutlichem Zittern ab, ihre verstreuten Besitztümer auf dem Sand zusammenzusammeln und in ihre Tasche zu packen. Ein kurzer Wortwechsel folgte, dann richtete sich die Kartenmagierin langsam auf und nickte Laxus zu. Dieser setzte sich in Bewegung, Cana direkt neben ihm, während Lexy aussah, als ob sie jeden Moment wegnicken würde.
„Alles in Ordnung?“
Cana bemühte sich um ein Lächeln, doch Hibiki sah sehr wohl die geröteten Augen und die feuerroten Hände, die sie so wenig bewegte wie es möglich war.
„Wann ist Lexys Termin? Du weißt selbst, dass du nicht so weitermachen kannst. Lexys … Problem setzt nicht nur sie außer Gefecht, mittlerweile brauchst du ebenfalls immer ein paar Tage, bis alle Nachwirkungen verschwunden sind. Aber das weißt du selbst am besten.“
Cana nickte mit gesenktem Blick, während Laxus ruhig blieb und den Austausch nur mit einem sachlichen Gesichtsausdruck verfolgte.
„Ich sollte bis zur endgültigen Klärung keine Probleme mit den Vorrichtungen haben“, murmelte die Kartenmagierin und Hibiki war klar, um was es ging.
„Gut. Falls du wider Erwarten irgendetwas benötigen solltest, kannst du uns immer per Lacrima erreichen. Und wenn wir Christina schicken müssen, um die gewollten Dinge rechtzeitig nach Magnolia zu bringen.“
„Cana ist ein Teil von Fairy Tail und damit ist es Lexy auch. Wir können uns ebenfalls bestens um unsere eigenen Leute kümmern.“ In Laxus‘ Stimme schwang ein herausfordernder Unterton mit, der Hibiki abwehrend die Hände heben ließ.
„So war das nicht gemeint. Nur haben die Heiler von Blue Pegasus mittlerweile vier Jahre Erfahrung, was Lexy und ihr Problem angeht. Falls sie ihre Informationen nicht bereits an den Heiler hier in Magnolia weitergegeben haben, nachdem sich der Heiler in unserer Stadt zur Ruhe gesetzt hat. Ich bin mir sicher, ihr werdet das alles ebenso gut unter Kontrolle haben wie wir.“ Hibiki nahm nun Laxus ins Visier, der ihm mit einem stoischen Blick begegnete.
„Ich wollte eigentlich mit Makarov reden, aber wenn ihr beide schon einmal hier seid, kann ich es euch bereits vorher eröffnen. Cana ist hier in Fairy Tail bestens mit Lexy aufgehoben. Zusätzlich weiß du jetzt auch über das Problem mit Lexys Magie Bescheid, deshalb werde ich mich daran machen, zu Blue Pegasus zurückzukehren. Ich wollte nur sichergehen, dass Cana hier keine größeren Probleme bekommt.“
Laxus nickte stumm, doch Hibiki konnte in seinen Augen erkennen, für wen das Gespräch keineswegs beendet war. Innerlich seufzte er, denn allem Anschein nach sah Laxus die Gefahr für seine zurückgekehrte Gildenkameradin und damit allem, was Cana auch für ihn sein mochte, nicht beseitigt.
Cana, die die ansteigende Spannung zwischen beiden zu spüren schien, ließ sichtbar die Schultern hängen und ein leises Seufzen ertönen.
„Gib mir Lexy“, murmelte sie an Laxus gewandt und streckte eher bittend als fordernd die Arme nach ihrer Tochter aus. Nach einem kurzen Moment des Zögerns übergab der Blonde sie ihr und sie lächelte ihn dankend an.
„Du kannst später ruhig vorbeikommen“, bot sie ihm an und Laxus‘ angespannte Haltung lockerte sich etwas. „Dann können wir unser Gespräch von gestern Abend beenden.“
Hibiki zog nur die Augenbrauen hoch, als sie mit einem Nicken an ihm vorbei auf die Gildentüren zusteuerte, ihre Tochter sicher in ihren Armen. Beide Magier blickten ihr reglos und stumm nach, bis die Türen hinter ihr zuschlugen. Erst dann wandte sich ihr Blick vom Gebäude ab. Wie auf Kommando blickten beide ebenso still hinaus auf das Wasser, das in leisen Wellen gegen den Strand schwappte.
„Lexy betrachtet dich als Vaterfigur.“ Laxus war derjenige, der nach ein paar Minuten Stille das Schweigen unterbrach.
Hibiki schüttelte nur den Kopf. „Nein, tut sie nicht. Sie sieht mich eher als Onkel oder Cousin, mit dem man Spaß haben kann. Sobald es ernster wird, eilt sie zu ihrer Mutter zurück. Was auch daran liegt, dass Cana stets jegliche männliche Gesellschaft in einem gewissen Abstand zu sich gehalten hat, damit Lexy eben nicht eine Vaterfigur sucht. Auch wenn ich bis heute nicht weiß, ob sich Cana damit einen Gefallen getan hat oder nicht. Lexy vermisst bereits jetzt den zweiten Elternteil in ihrem Leben. Cana ist zwiegespalten, ob sie ihre Tochter weiterhin ohne Vater aufwachsen lassen soll oder nicht, auch wenn das Ergebnis unschön enden könnte.“
„Weil der besagte Vater keine Lust auf ein Balg hat, das ihm einfach so unter die Nase gesetzt wird, nachdem er fünf Jahre lang keine Ahnung von seiner Vaterschaft hatte.“
Hibikis Kopf fuhr alarmiert zu seinem Gesprächspartner herum, doch dieser blickte nur nachdenklich auf den See hinaus, bevor er seufzte und sich mit der Hand durch die Haare fuhr. Der Trimens zwang sich regelrecht, sich wieder zu entspannen, bevor Laxus Hibikis innerliche Verfassung bemerkte. Egal wie sehr er es am liebsten selbst in die Hand nehmen würde, Lexys Vaterschaftsoffenbarung war Canas Aufgabe. Das würde er auch respektieren, auch wenn er mit ihrem Zögern alles andere als einverstanden war. Vor allem, wenn er daran dachte, wie Lexys Gesundheit mit Laxus‘ Entscheidung zusammenhing.
„Das sind Dinge, über die sich Cana Gedanken machen muss. Ich habe mich in der Hinsicht stets herausgehalten, auch weil sie ohnehin so stur ist, um keinerlei Diskussionen in diesem Bereich zuzulassen.“
Diese Aussage wiederrum zauberte dem Dragon Slayer ein schiefes Grinsen auf das Gesicht.
„Cana wird diesen Charakterzug scheinbar nie ablegen, das ist beruhigend zu hören. Allein, wenn ich an die Diskussionen denke, die sie früher deshalb mit allen Gildenmitgliedern geführt hat. Ich war mehr als einmal froh, nicht ihr Diskussionspartner zu sein, weil früher oder später alle entnervt aufgeben mussten.“
„Diese Eigenschaft habe ich in den letzten Jahren häufiger zu spüren bekommen. Ein guter Tipp für die Zukunft: Cana lässt sich ebenso wenig bei Lexy hineinreden, wie sie es damals mit Gildarts getan hat. Versuch es also erst gar nicht, wenn du keine Lust auf eine tagelang wütende Magierin hast, die diese Charaktereigenschaft leider auch an ihre Tochter weitergegeben hat. Lexy ist zum Glück weniger lange nachtragend als ihre Mutter.“
Laxus hatte während Hibikis nachdrücklicher Rede den Kopf vom Wasser zum Trimens gewandt und fixierte ihn nun mit seinem Blick, die Augen misstrauisch verengt.
„Wieso erzählst du mir das alles? Vor einer knappen Woche wollte ich dir persönlich den Hals umdrehen, weil du Cana eine Tochter untergejubelt und dich noch nicht einmal zu deiner Vaterschaft bekannt hast. Ich an deiner Stelle wäre alles andere als nett und hilfsbereit gegenüber der Person, die mein Leben lieber heute als morgen beenden wollen würde.“
Hibiki zuckte nur unbeeindruckt mit den Schultern. „Wenn du wüsstet, wie viele Väter, Brüder und festen Freunde meiner weiblichen Bekanntschaften mir mit den schlimmsten Qualen und Foltermethoden gedroht haben, weil ich ihre Kleine angefasst habe. Die es, nebenbei bemerkt, immer darauf angelegt hatten und stets sehr zufriedengestellt aus unserer Begegnung gingen. Nun, du würdest bei solchen Bemerkungen ebenfalls nicht mehr mit der Wimper zucken. Trotz allem scheinen die meisten Menschen zu vergessen, wie wenig gutes Aussehen mit einem passablen Magier zu tun hat. Archive-Magie hin oder her, es gibt andere Mittel und Wege, sich zu Wehr zu setzen, ohne direkt Verstärkung von den anderen beiden Trimens holen zu müssen.“
„Ich frage gar nicht erst weiter“, knurrte Laxus leicht gereizt und Hibiki grinste nur verschwörerisch.
„Eine Fee kam noch nicht unter meine Fittiche, falls du das meintest. Nicht, dass ich keine Andeutungen gemacht hätte, doch irgendwie sind eure weiblichen Gildenmitglieder vollständig immun gegen meinen bezaubernden Charme.“
Laxus schnaubte nur, dann drehte er sich um und blickte in Richtung Gildenhaus. „Ich gehe dann mal, bevor Cana sich das Beenden unseres Gesprächs anders überlegt.“
„Wird sie nicht“, rief ihm Hibiki halblaut hinterher, doch obwohl Laxus ihn gehört haben musste, zeigte er keinerlei Reaktion. Wahrscheinlich war er in Gedanken bereits bei dem anstehenden Gespräch. Wenn der Trimens ehrlich war, wollte er in keiner Haut stecken, weder in der von Cana noch in der von Laxus. Das würde ein Gespräch werden, das für alle Seiten unangenehm war, so viel stand fest.

+++


Cana schaffte es irgendwie, die immer noch schlafende Lexy zu sich nach Hause zu bringen und dort ins Bett zu verfrachten, ohne ihre Tochter dabei aufzuwecken. Da noch nicht einmal Mittag war, musste sie auch nichts weiter tun als ihr die Schuhe und Jacke auszuziehen. Aber normal wurde Lexy selbst bei der kleinsten Berührung wach, egal wie vorsichtig man auch war.
Die erneute Überspannung ihrer Magie hatte sie mehr als nur etwas schläfrig gemacht, Lexy war völlig weggetreten. Wenn es nicht jedes Mal vorkommen würde, hätte sich Cana mehr Sorgen gemacht. Doch solange sie Lexy jedes Mal zügig die Spritze geben konnte, gab es laut den Ärzten keine Nebenwirkungen, geschweige denn bleibende Schäden. Ihre Tochter musste danach nur jedes Mal die Anstrengung, die diese Vorfälle mit sich brachten, mit einem mehr oder weniger langen Schlaf wieder auskurieren, ähnlich wie bei anstrengenden Tätigkeiten.
Sie seufzte, als sie an die Szene am Strand zurückdachte. Einer der Gründe, warum sie liebend gern auf alle Aufträge verzichtet und stattdessen den gesamten Tag ihre Tochter im Auge hatte, waren die Anfälle. Normal konnte sie diesen entgegenwirken, wenn sie alle zwei Wochen diese Extraktion durchführte. Doch jedes Mal, wenn ein Wachstumsschub bei Lexy bevorstand, explodierte auch ihre Magie regelrecht und führte zu der Überreaktion. Das hieß, sie würde in den nächsten Tagen wahrscheinlich neue Kleidung für ihre Tochter kaufen müssen: Ein weiterer Kostenpunkt in ihrer immer länger werdenden Liste.
Ihr Blick fiel auf die Uhr und sie seufzte. Immerhin konnte sie Lexy noch gute drei Stunden schlafen lassen, bevor sie sich auf den Weg zur Vorschule machen mussten. Dass sie gegenüber der Cardia-Kathedrale war, kam Cana sehr gelegen. Das war nicht allzu weit vom Gildengebäude entfernt und obendrein lag ihr Apartment zwischen diesen beiden Gebäuden, wenn auch nicht auf dem direkten Weg.
Im nächsten Moment zuckte sie zusammen, als die Türklingel mit einem nachdrücklichen Schrillen ertönte und sie beeilte sich, die Eingangstür zum Haus per Knopfdruck öffnen zu lassen. Ihre Wohnungstür ließ sie einfach offen, während sie hastig die Notizen über verschiedene Vorschulen in Magnolia zu einem Stapel zusammenschob und auf ihrem Wohnzimmertisch zur Seite legte.
Als sie Schritte aus der Türgegend hörte, blickte sie auf. Zu ihrem Schock stand Laxus im Türrahmen und blickte sich kurz in der Wohnung um, bevor er diese betrat.
„Wie hast du die Wohnung gefunden?“, fragte Cana verblüfft und ohne nachzudenken.
Laxus runzelte die Stirn und tippte sich nur kurz auf die Nase, was Cana verlegen werden ließ. Natürlich. Laxus‘ Geruchssinn war aufgrund seiner Magie sehr ausgeprägt und sie sah bei ihrer Tochter, was das bedeutete. Lexy roch sogar, wenn drei Häuser weiter ein Schokokuchen bei geschlossenen Fenstern gebacken wurde, wenn der Wind richtig wehte.
„Sie sieht gut aus.“ Cana strich sich immer noch verlegen eine Haarsträhne hinter das Ohr und stand von ihrem Platz auf dem Sofa auf. „Danke. Du kannst dich setzen. Natürlich nur, wenn du willst. Möchtest du Kaffee? Oder Tee?“
„Kaffee wäre besser, denke ich.“ Er ließ sich auf der anderen Seite der Couch nieder und blickte interessiert auf die Notizen, während Cana in die Küche ging und den Kaffee vorbereitete.

Als sie mit zwei großen Tassen dampfendem Kaffee zurückkam, las sich Laxus gerade den Flyer für die Vorschule durch, die ihr der Mann aus dem Zug gegeben hatte. Milch und Zucker hatte sie bereits auf den Tisch gestellt, während die Maschine am Laufen war. Wortlos stellte sie die Tassen auf den Tisch, schob ihm den schwarzen Kaffee zu und schüttete bei sich etwas Milch hinein, die sie anschließend zwischen ihnen abstellte. Den Zucker stellte sie nach kurzem Zögern neben die Milch und setzte sich auf die freie Seite der Couch.
„Ich wusste nicht, ob du deinen Kaffee noch immer schwarz trinkst“, murmelte sie und blickte auf den dampfenden Kaffee in Laxus‘ Tasse.
„Das hast du dir gemerkt?“ In Laxus‘ Stimme schwang unüberhörbar Überraschung mit und sie konnte es ihm nicht verübeln, immerhin hatte sie ihm genau ein einziges Mal Kaffee zubereitet. An dem schicksalshaften Morgen nach ihrer Nacht, an dem sie ihn das letzte Mal für sechs Jahre gesehen hatte.
Ein unbehagliches Schweigen entstand, als sie es vorzog, einen Schluck aus ihrer Tasse zu nehmen. Nur um diese dann mit einem leisen Fluchen abzustellen, da sie sich beinahe den Mund an der heißen Flüssigkeit verbrannt hatte.
„Keinen Irish Coffee mehr?“
Cana schüttelte den Kopf und begnügte sich, noch einen Schuss Milch in die dunkelbraune Flüssigkeit zu gießen. „In der Schwangerschaft gilt strengstes Alkoholverbot, irgendwie hat sich das festgesetzt.“ Die ganze Geschichte musste sie nicht jetzt ausbreiten, dafür gab es einen besseren Zeitpunkt.
Sie bemerkte das leichte Zusammenzucken durchaus, zog es jedoch vor, sich nichts anmerken zu lassen.
„Wie … Ach, vergiss es“, murmelte Laxus und Cana drehte sich fragend zu ihm um. Sie ahnte, was er ursprünglich hatte fragen wollte und lächelte leicht.
„Du bist die erste Person hier, die mich danach fragt. Nun ja, fragen will.“ Laxus blickte ihr still in die Augen. Für einen Moment versank sie in dem dunklen Grün, das so ähnlich und doch so anders auf sie wirkte als die Augen ihrer gemeinsamen Tochter.
„Wie fühlt es sich an, auf einmal für das Leben einer anderen Person verantwortlich zu sein? Als alleinerziehender Elternteil, ohne sich großartig darauf vorbereiten zu können?“

+++

Mit dem Upload dieses Kapitels ist "Schritt für Schritt" meine längste FF in Fairy Tail. Deshalb möchte ich diese Stelle nutzen, um mich für die zahlreichen Rückmeldungen zu bedanken und die Freude, mit der ihr diese Geschichte lest. Es ist nicht selbstverständlich, Geschichten mit etwas selteneren/ungewöhnlicheren Pairings zu lesen, deshalb ein Riesenlob an euch! Die in meinen Augen große Resonanz motiviert mich, weiterzuschreiben - ich sitze gerade an Kapitel 24, um euch eine ungefähre Vorstellung von der Länge zu geben.
Wie immer gilt: Lasst mir gern Rückmeldungen da, ich freue mich über jede einzelne, gern auch kritischere.
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