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Schritt für Schritt

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16
Cana Alberona Gajeel Redfox Laxus Dreyar Levy McGarden
04.06.2020
21.01.2021
34
116.215
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06.08.2020 3.236
 
Kapitel 10 – Unverhoffte Treffen

„Ich will aber mitgehen!“
„Schatz, es geht nicht, das weißt du selbst.“
„Aber ich will trotzdem mitgehen!“ Die tränenerstickte Stimme von Lexy brachte Cana zum Verzweifeln. Sie stand mit Lexy inmitten der Gildenhalle, wo sie seit etlichen Minuten diese Diskussion führten, während die Aufmerksamkeit der gesamten Gilde auf sie und ihre Tochter gerichtet war. Zum Glück war es relativ früh und dementsprechend leer war die Halle. Die meisten tauchten erst gegen Mittag auf, da sie bis spät in die Nacht hier gewesen waren. Früher hatte Cana ebenfalls zu diesen Magiern gehört, doch nun hatte sie sich an den Tages-Nacht-Rhythmus ihrer Tochter angeglichen, die um einiges mehr Schlaf benötigte als Cana. So verbrachte sie ihre Abende immer auf einer Couch, zusammen mit einem Buch oder ab und zu dem Fernseher.
„Es ist zu gefährlich für dich. Aber ich muss arbeiten gehen, damit wir hierbleiben können, das weißt du doch.“
„Aber ich will nicht, dass du mich hier allein lässt!“ Mit dieser Aussage fing Lexy ungehemmt zu weinen an, während sie Cana weiterhin mit flehenden Augen anblickte.
Dieser Anblick zerriss der Kartenmagierin zwar das Herz, aber sie wusste, sie durfte in dieser Situation nicht nachgeben. Auf keinen Fall würde sie Lexy auf den Auftrag mitnehmen, sondern sie hier bei Hibiki lassen. Es war zwar nur das Wiedereinfangen eines Schneeleoparden, der obendrein zahm war, aber sie würde nichts riskieren, wenn es um ihre Tochter ging.
„Du bist nicht alleine. Hibiki ist da und falls etwas sein sollte, wird er mich sofort informieren. Dann breche ich meinen Auftrag ab.“  
„Du sollst aber nicht alleine gehen“, schluchzte ihre Tochter erneut. Diese Aussage überrumpelte die Magierin und sie blickte sich hilfesuchend um. Zu ihrer Überraschung war Bisca die erste Person, die auf sie zukam und sich vor Lexy hinkniete, um sie anzulächeln.
„Deine Mutter trennt sich auch nicht gerne von dir“, fing sie mit besänftigender Stimme an. „Aber sie muss es tun, damit ihr eure Wohnung behalten könnt. Sonst müsst ihr zu Gildarts ziehen und jeder weiß, wie unordentlich er ist.“  
Lexy hickste, während sie versuchte, ein neues Schluchzen zu unterdrücken. „Aber Mama soll nicht alleine gehen“, bat sie mit flehender Stimme.
Bisca schüttelte leicht den Kopf. „Deine Mama ist doch stark, oder?“Ein zögerliches Nicken und die grünhaarige Magierin lächelte breit.
„Dann ist der Auftrag kein Problem für sie und sie ist schneller da, als du denkst. Außerdem gehen andere Eltern auch arbeiten, wohin sie ihre Kinder nicht mitnehmen können. Daran wirst du dich gewöhnen müssen.“
Nun versiegten die Tränen und Lexy blickte Bisca mit großen Augen an. Am liebsten hätte Cana die andere Magierin umarmt, riss sich aber zusammen. Schließlich nickte Lexy zögerlich und blickte die Kartenmagierin wieder an.
„Wann bist du wieder da?“
Cana kniete sich nun ebenfalls vor ihre Tochter und umfasste beruhigend ihre Hände. „Heute Nachmittag. Ich muss nicht weit gehen und der Auftrag ist schnell beendet. Versprochen.“
Lexy biss sich auf die Lippen, dann warf sie ihre Arme um Canas Hals. „Okay“, flüsterte sie in ihre Halsbeuge. „Ich hab dich lieb.“
„Ich dich auch“, murmelte Cana in die Haare ihrer Tochter als Bestätigung, dann löste sie sich von ihr und stand auf. „Aber ich gehe jetzt, dann bin ich schneller wieder da.“
Lexy lächelte zaghaft und ging zu Hibiki, der sie an die Hand nahm und Cana zum Abschied zunickte.
„Danke Bisca“, fügte Cana mit einem Blick auf die lächelnde Magierin hinzu, die nur abwehrend mit der Hand wedelte.
„Ich hatte mit Asuka das gleiche Problem, nur keine Sorge. Das legt sich.“ Dann trat sie etwas näher zu Cana. „Aber du solltest überlegen, sie in die Vorschule zu geben. Asuka hat das gut getan, den halben Tag mit anderen Kindern zusammen zu sein. So nett die Magier hier auch sind, ein Kind braucht die Gesellschaft von anderen Kindern, um Freunde zu finden. Zusätzlich kannst du den Morgen nutzen, um rund um Magnolia Aufträge zu erledigen. Frag Mira am besten, sie bewahrt die Halbtags-Aufträge gesondert im Büro auf.“
Cana nickte. „Nach dem Auftrag kümmere ich mich darum. Ich weiß selbst, ich werde nicht immer jemanden an der Hand haben, um auf Lexy aufzupassen. Dann habe ich immerhin den halben Tag Gewissheit, sie nicht alleine zu lassen.“ Mit diesen Worten winkte sie noch einmal zum Abschied ihrer Tochter, dann drehte sie sich um und ging aus der Gildenhalle.
Es würde schon nicht viel geschehen. Normalerweise war jeder Tag in Fairy Tail relativ ruhig, solange keine außergewöhnlichen Missionen anstanden. Hibiki würde sich schon um Lexy kümmern, er machte das schließlich nicht zum ersten Mal. Sie war zu sehr in Gedanken versunken, um zu bemerken, wie in dem kleinen Café, an dem sie vorbeilief, eine zierliche Magierin mit blauen Haaren bei ihrem Anblick zusammenzuckte. Dann versteckte diese sich schnell hinter der Karte, während sie von ihrem männlichen Begleiter ausgelacht wurde.

+++


„Uff“, stöhnte Levy zum sechsten Mal innerhalb einer Stunde, als sie wieder einem anderen Magier ihrer Gilde auswich. Noch nie zuvor war ihr aufgefallen, dass die Mitglieder von Fairy Tail überall in Magnolia herumzulaufen schienen. Erst hatte sie Cana an dem Café vorbeilaufen sehen, in dem sie mit Jem gefrühstückt hatte. Dann mussten sie auf dem Weg zum Marktplatz Natsu und Happy ausweichen, die dem Anschein nach auf dem Weg zu Lucy waren. Auf dem Markt selbst versteckten sie sich hinter dem Obst- und Gemüsestand vor Erza, die die frischen Erdbeeren begutachtete. Als sie in Richtung der Kathedrale liefen, übersahen sie beinahe Gray, der auf dem Weg zur Gilde war. Juvia folgte ihm kurz darauf, anscheinend hatte sie verschlafen. Nun waren sie im Stadtpark, wo die Raijinshuu heute ihr tägliches Training absolvierten. Zum Glück waren die drei so vertieft in ihre Übungen, dass sie die beiden nicht bemerkten.
„Das waren wieder ein paar von deinen Gildenleuten?“, fragte Jem amüsiert. Seit der ersten Begegnung mit Cana lachte er immer mehr über Levys Versuche, sich vor ihren Freunden zu verstecken. Mavis sei Dank hatte er ihre Begründung, Gerüchte würden sich schneller verbreiteten als Natsus Flammen, mit einem verständlichen Nicken angenommen. „Ja. Die Raijinshuu – das sind die drei hier – trainieren heute zum ersten Mal im Park. Zumindest haben sie das noch nie gemacht, soweit ich zurückdenken kann. Normalerweise gehen sie hinter der Gilde an den Strand, weil sie dort ihre Ruhe vor neugierigen Stadtbewohnern haben. Das war immer Freeds Aussage, das ist der mit den langen, grünen Haaren und dem dunkelroten Mantel“, fügte sie angesichts von Jems verwirrtem Stirnrunzeln hinzu.
„Es scheint nie langweilig bei euch zu werden.“
Levy überlegte kurz, dann zuckte sie mit den Schultern. „Man gewöhnt sich daran. Eigentlich laufen alle Tage ähnlich ab. Abgesehen natürlich von den mehr oder weniger kleinen Katastrophen, die die Mitglieder hin und wieder verursachen, sei es auf Aufträgen oder hier in der Gilde selbst.“
„Das Bandleben ist ähnlich. Jeder Tag ähnelt dem vorherigen, es wechselt immer zwischen Tonstudio, Shootings, Interviews mit allen möglichen Magazinen oder Auftritten. Nach einer gewissen Zeit kommt eine Art Rhythmus in den Ablauf, an den man sich schnell gewöhnt hat. Daher ist ein Urlaub immer schön, egal wie kurz er auch ist.“ Jem nahm die Sonnenbrille ab, die er kurz nach der Einladung aufgesetzt hatte, und zwinkerte ihr zu.
Levy lachte nur. Das klang für ihn vielleicht gewöhnlich, aber sie wusste selbst, was in der Gilde los war, wenn ein Interview für den Sorcerer anstand. Für Jason warf sich jede Magierin in Schale, auch wenn es die meisten bestritten. Für einen Moment war sie in Gedanken versunken, als sie sich vorstellte, wie es wäre, wenn Jason jeden zweiten Tag vorbeischauen würde und nicht nur alle paar Wochen einmal. Wahrscheinlich würde sich die Aufregung tatsächlich legen. Dann hingegen wurde sie unsanft von einer Stimme hinter sich aus ihren Gedanken gerissen.
„Levy?“ Ruckartig drehte sie sich um und schaute das Paar hinter sich geschockt an. Ihr wurde schlagartig bewusst, wie sie und Jem nahezu ohne Abstand nebeneinanderstanden, ihre Köpfe einander zugewandt. Wie das für Außenstehende aussah, wusste sie sofort. Sie würden dasselbe denken wie die beiden Personen hinter ihr.
Noelle sah zwar überrascht aus, aber lächelte sie freundlich an, ihren linken Arm um den rechten ihres Begleiters geschlungen.
Gajeel hingegen sah alles andere als erfreut aus. Zwar ignorierte er Levy wie immer, aber stattdessen durchbohrte er Jem regelrecht mit seinen Blicken. Dieser schien unbeeindruckt zu sein. Zum Glück hatte er seine Sonnenbrille wieder aufgesetzte, sodass Gajeel ihn nicht erkennen konnte. Doch Levys kurze Erleichterung wich im nächsten Augenblick Panik. Jem hob langsam die Hand und griff sich seitlich an die Brille, um sie betont unbeeindruckt von dem tödlichen Blick des Dragon Slayers von der Nase zu nehmen.  
Der Magier riss geschockt die Augen auf, als er in die braunen Augen des Sängers blickte.
Levy räusperte sich unbeholfen. „Das ist Jem.“
Nun sog auch Noelle die Luft ein, als sie begriff, wer genau neben Levy stand.

+++


Lexy beobachtete gelangweilt das Geschehen um sich herum. Hibiki war in ein intensives Gespräch mit Erza vertieft, während die beiden ihr immer wieder wachsame Blicke zuwarfen. Als ob sie es interessierte, über welchen langweiligen Kram die Erwachsenen hier schon wieder redeten. Sie verstand es nicht, wie man sich stundenlang einfach nur gegenüber und ein Gespräch führen konnte, in dem es um alles Mögliche ging, nur nichts Interessantes. Selbst ihre Mutter konnte das, wie sie schon viel zu oft feststellen musste.
Seufzend ließ sie die Beine erneut baumeln. Die Bank war viel zu hoch für sie, ihre Füße reichten gerade einmal knapp bis zur Hälfte der Entfernung zum Boden. Die Sitzfläche war ebenfalls viel zu lang für sie, sodass sie sich noch nicht einmal anlehnen konnte. Wer auch immer die Bank gebaut hatte, hatte nicht an kleinere Personen, vor allem an Kinder gedacht. Die Tischplatte war auch viel zu hoch für sie, sie war in der Höhe ihres Halses. Sobald Lexy einen Schluck von dem Glas Saft nehmen wollte, welches vor ihr auf dem Tisch stand, musste sie sich auf die Bank knien.
Es war einfach zu langweilig hier. Niemand beachtete sie oder wollte mit ihr etwas spielen. Alle waren in irgendwelche Gespräche vertieft, während sie aus riesigen Krügen tranken oder standen vor einer Holztafel, auf der verschiedene beschriebene Blätter angeheftet waren.
Kurzerhand fasste sie einen Entschluss und rutschte seitlich von der Bank hinunter. Wenn sich niemand mit ihr beschäftigte, würde sie das selbst tun.
Niemand bemerkte, wie sie zielstrebig auf die Tür der Gildenhalle zulief, alle waren abgelenkt. Ihre Lippen verzogen sich zu einem breiten, strahlenden Grinsen. Dann würde sie sich irgendwo anders in der Stadt Beschäftigung suchen. So wie sie es mitbekommen hatte, kannte jede Person hier in der Stadt Fairy Tail und wusste bestimmt auch, wo sich das Gildenhaus befand. Wenn sie wieder zurückwollte, würde sie einfach jemanden fragen, der nett aussah.

Einige Zeit später betrachtete Lexy strahlend den Stadtpark. Wenn sie ehrlich war, hatte sie hier zwar nicht hingewollt, aber die Blumenbeete waren über und über gefüllt mit allerlei verschiedenen Pflanzen in allen Farben. Jedoch waren die großen Rasenflächen noch eine Spur besser als die Blumen, denn auf diesen konnte sie so lange spielen wie sie wollte.
Kurz drehte sie sich zu dem Parkausgang um. Zum Glück führte die Straße, die sie entlanggelaufen war, zu der breiten Straße, die zum Gebäude von Fairy Tail führte. So wusste sie, wie sie wieder zu Hibiki und den anderen Freunden ihrer Mutter kommen würde.
Sie schaute sich suchend um, doch sie schien allein im Park zu sein, zumindest für den Moment. Kurz wurde ihre Miene betrübt. Eigentlich hatte sie mit anderen Kindern spielen wollen. Die Magier in der Gilde waren zwar alle nett, aber mit ihnen konnte sie nicht richtig spielen. Nicht so wie mit Kindern in ihrem Alter. Leider wusste sie auch nicht, wo diese sich normalerweise aufhielten, also war sie in den Park gegangen, um vielleicht auf ein paar neue Freunde zu treffen. Aber hier war niemand in ihrem Alter.
Dann erhellte ein Grinsen ihr Gesicht. Wenn niemand mit ihr spielte, würde sie eben allein spielen.

+++


„Hibiki!“
Der Trimens drehte sich nach dem entsetzten Ruf alarmiert um. Lucy kam auf ihn mit wild fuchtelnden Armen zu, Juvia mit ebenso panischen Augen hinter sich.
„Wo ist Lexy?! Juvia und ich wollten mit ihr ein bisschen an den Strand, aber sie ist nicht im Gildengebäude. Wir haben überall gesucht, selbst in der Bibliothek!“
Hibiki geriet im Gegensatz zu den beiden Magierinnen und jedem anderen im Umkreis von drei Metern nicht in Panik, sondern lächelte geheimnisvoll.
„Lexy ist im Stadtpark, kein Grund zur Beunruhigung.“
Nun wich Lucys panische Miene einer ungläubigen, mit etwas zorniger Fassungslosigkeit untermalt.
„Du weißt, dass sie nicht im Gebäude ist?! Und lässt sie einfach so in Magnolia herumspazieren? Ich habe gedacht, du kannst auf sie am besten aufpassen! Daher hat Cana dich doch damit beauftragt, oder?“
Hibiki fuhr sich durch die Haare, ignorierte das gut vernehmbare Seufzen von einigen weiblichen Anwesenden und legte sein Posterlächeln auf.
„Dank meiner Magie weiß ich, wo sie ist und wie sie sich fühlt“, erklärte er betont ruhig. „Ebenso, wer genau in ihrer Nähe ist beziehungsweise sich nähert. Alles ist in Ordnung, nur keine Panik. Außerdem ist Lexy reifer, als sie sie aussieht und hat die Intelligenz ihrer Mutter geerbt. Mit der ihres Vaters kann es ja nicht weit her sein, so wie er seine Schlüsse zieht.“
Diesen Seitenhieb konnte er sich in Anwesenheit der Raijinshuu nicht verkneifen, die Lucys Panik ebenfalls mitbekommen und ab diesem Zeitpunkt zugehört hatten.
Er wurde nicht enttäuscht, denn Freed lief sofort rot an. „Das hast du nicht gesagt, du kleines geflügeltes –“ Evers kräftiger Schlag auf seinen Hinterkopf ließ ihn mit einem Stöhnen verstummen. Aufgebracht drehte sich der Anführer von Laxus‘ Leibgarde zu seiner Teamkameradin um, die nur entnervt die Augen verdrehte.
„Was soll das, Ever? Er hat gerade –“
Ever drehte sich zu Hibiki um und unterbrach damit Freed.
„Wer nähert sich? Ich glaube, ich bin nicht die Einzige, die deinen Unterton richtig verstanden hat“, fragte sie nüchtern. Der Blick, der danach in Richtung des Trimens folgte, versprach die schlimmsten Höllenqualen, wenn er nicht sofort wahrheitsgemäß antworten würde.
Doch Hibiki hatte nichts anderes vorgehabt, denn er verschränkte entspannt die Arme, lehnte sich gegen den Tresen, vor dem er stand und lächelte zufrieden.
„Die Person, die damals noch eine Auszeit wollte. Sie war bedeutend kürzer als gedacht oder er hat einfach etwas vergessen. Vielleicht war es aber auch meine Magie, die ihm unbewusst das Bedürfnis geweckt hat, doch wieder nach Magnolia zu kommen. Immerhin kann er sich alles hier überlegen, wenn die Quelle seiner Überlegungen in unmittelbarer Nähe ist und er weiß, was er verpassen könnte.“
Geschocktes Schweigen herrschte in der Halle, während alle versuchten, den Sinn der Worte zu verstehen. Erza war die Erste, die begriff und grinste.
„Du bist um einiges gewiefter als ich gedacht hatte, Hibiki. Das muss ich dir lassen. Auch wenn ich nicht wusste, dass deine Magie so einflussreich sein kann.“
Bescheiden zuckte er mit den Schultern.
„Ich habe in den Jahren, als ihr zusammen mit Tenroujima verschwunden wart, nicht untätig herumgesessen. Meine Magie ist eine vollkommen andere als damals, deshalb habe ich um die begrenzte Versetzung gebeten. Ich kenne Cana ebenso gut wie ihr und am besten von allen ihre Entwicklung in den letzten Jahren. Da sie es ohne Anstoß niemals auf die Reihe bekommen wird, Lexys Vater gegenüberzutreten um die Wahrheit zu verkünden, muss ich nachhelfen. Unbemerkt von beiden Elternteilen.“
„Also holen wir jetzt Lexy aus dem Stadtpark?“, fragte Natsu und kratzte sich verwirrt am Kopf. „Oder etwa nicht? Und was ist mit Hibikis Äpfeln, gibt es die nicht mehr?“
Lucy stöhnte und legte sich die Hand über die Augen, während Erza dem Dragon Slayer einen Schlag auf den Hinterkopf gab.
„Du bist wie immer der Letzte, der auch nur das Geringste kapiert“, stellte Titania seufzend fest. „Also noch einmal verständlich für dich: Hibiki hat eine bestimmte Person dazu gebracht, Lexy im Stadtpark zu finden. Mit anderen Worten ist alles in bester Ordnung und Lexy wird entweder dort mit ihm spielen oder von ihm zur Gildenhalle gebracht werden.“
„Wahrscheinlich die zweite Möglichkeit“, warf Hibiki ein. „Aber das nur, um zu erfahren, wer die Aufsicht über Canas Tochter vernachlässigt hat …“ Er schloss resigniert die Augen. „Ich vertraue darauf, dass ihr mir einen wutschnaubenden Dragon Slayer vom Hals haltet.“
Nun blickte Natsu noch eine Spur verwirrter. „Wieso sollte ich denn wütend auf dich werden?“
Der nächste Schlag von Erza ließ seine Stirn auf die Tischplatte knallen, doch selbst Lucy ignorierte sein Jammern wegen der groben Behandlung. Hibiki ließ einen kleinen Monitor vor sich erscheinen, der eine Karte aus Vogelperspektive vom Stadtpark zeigte. Ein kleiner roter Punkt war ungefähr in der Mitte, während sich ein größerer gelber langsam, aber sicher näherte. Er lächelte zufrieden. Alles verlief nach Plan.

+++


Lexy seufzte und setzte sich auf eine der Bänke, während sie die Beine in der Luft baumeln ließ. Nachdenklich blickte sie die gegenüberliegenden Bäume an. Sie hatte nicht gedacht, dass alleine spielen nach so kurzer Zeit langweilig wurde. Vor allem, wenn hier nichts war außer Gras und Blumen. Abgesehen von den Bäumen, aber deren Äste waren zu hoch, um auf sie klettern zu können. Aber sie würde jetzt nicht zurück in die Gilde gehen, denn dort war es noch langweiliger. Hier konnte sie immerhin herumrennen und genau das würde sie jetzt tun.
Freudig sprang sie von der Bank und blickte sich um. Von hier bis zur nächsten Gabelung, bei der große Büsche standen war eine gute Strecke.
Sie rannte los und nahm Kurs auf die Gabelung. Doch als sie fast da war, bemerkte sie ihre zu hohe Geschwindigkeit, um dort anhalten zu können. Ruckartig verlangsamte sie ihr Tempo, doch dabei kam sie aus dem Gleichgewicht und ruderte erschrocken mit den Armen, um nicht im Laufen auf den Boden zu fallen.
Das allerdings wurde nebensächlich, als sie mit Wucht von der Seite getroffen wurde und mit einem erschrockenen Aufschrei nun seitlich anstatt nach vorne fiel. Reflexartig fing sie mit ihren Handflächen den Sturz ab, während sie mit den Knien ebenfalls hart am Boden aufschlug. Irgendwie hatte sie es geschafft, sich während dem Fall zu drehen, um nicht mit der Seite aufzuschlagen. Aber als der Schmerz von ihren Knien und Händen sich mit einem starken Brennen bemerkbar machte, fing sie an zu wimmern. Die Tränen stiegen ihr in die Augen, doch sie blinzelte sie mit mehr oder weniger großem Erfolg stur weg.
„Lexy?!“
Die Überraschung in der Stimme ließ sie schlagartig ihre Schmerzen vergessen. Diese Stimme war männlich und sie kannte sie. Es war weder Hibiki noch ihr Jii-jii, doch sie weckte in ihr ebenfalls ein Gefühl der Freude. Immer noch mit Tränen in den Augen drehte sie ihren Kopf und blickte den blonden Mann, der hinter ihr aufragte und sie überrascht anblickte, direkt in die grünen Augen. Aus irgendwelchen gründen kamen diese ihr noch bekannter vor als sein restliches Aussehen.

+++

Ich glaube, ich muss nicht erwähnen, wer im letzten Teil seinen wahrscheinlich lang ersehnten Auftritt hat. Ausnahmsweise kann ich mit Sicherheit sagen, diese Szene wird im nächsten Kapitel direkt fortgesetzt werden.
Außerdem weiß Gajeel jetzt von Jem und Lexys Sichtweise wurde ebenfalls geschildert. Wobei ich ehrlich sein muss: Ein Kapitel aus der Sicht einer Fünfjährigen zu schreiben, ist weitaus schwieriger als ich ursprünglich gedacht habe, vor allem wenn man wie ich nur grobe Kenntnisse von Kindern in diesem Alter hat. Also an euch: Wie überzeugend war das?
Ach ja, ich hoffe, die vielen Sichtwechsel waren nicht allzu verwirrend. In diesem Kapitel ging es leider nicht anders.
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