Schritt für Schritt

GeschichteRomanze, Familie / P16
Cana Alberona Gajeel Redfox Laxus Dreyar Levy McGarden
04.06.2020
22.10.2020
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04.06.2020 3.190
 
Kapitel 1 –Zu Hause


Die braunhaarige Frau blieb stehen und betrachtete gedankenversunken das malerische Bild, das sich ihr bot. Die vielen, verschiedenfarbig gedeckten Dächer der Stadt, die sich entlang der breiten gepflasterten Hauptstraße ab dem Eingang des Bahnhofes bis zum anderen Ende der Stadt erstreckten, so weit wie sie die Straße erblicken konnte, schienen sich in den letzten Jahren nur minimal verändert zu haben. Wie immer herrschte in den Straßen reges Treiben: Händler boten ihre Ware an den kleinen Straßenläden an, Kinder spielten mit Reifen und Puppen und die Leute blieben ab und zu stehen, um mit Bekannten zu reden. Der Weg war zu weit, um das Ende der Stadt und die Küste zu sehen, doch in ihrem Kopf sah sie das blaue Meer und den weichen, hellen Strand vor sich. Zu dieser Jahreszeit würde es wieder warm genug zum Schwimmen sein. Etwas, was sie seit Jahren nicht mehr getan hatte. Ebenso wenig hatte sie das Meer seit ihrem Weggang überhaupt gesehen. Doch sie wollte jetzt noch nicht ans Meer, sondern an das Ende dieser Straße. Denn dort, ebenfalls noch nicht zu erkennen, lag ihr Ziel: Ein großes, aus grauen Steinen erbautes Gebäude, das erst vor ein paar Jahren ein altes, weitaus kleineres Holzgebäude ersetzt hatte und eines der bekanntesten Wahrzeichen von Magnolia beherbergte. Die Magiergilde Fairy Tail.
„Mama?“, fragte ein kleines Mädchen mit ebenso langen, aber strahlend blonden Haaren und blinzelte fragend zu ihr hoch. „Wieso weinst du?“
Überrascht fasste sich die Frau mit einer Hand ins Gesicht und bemerkte, dass ihre Wangen nass waren.
„Oh, das ist nichts Süße“, lächelte sie ihre Tochter an und sah die grünen Augen, die sie auch bei einer anderen Person immer geliebt hatte. „Komm, wir müssen weiter.“
„Sehen wir Gramps wieder? Bleiben wir hier? Kann ich dann mit ihm spielen? Und wo sind wir eigentlich?“
Die Frau lachte und strich dem Mädchen über die Haare. „Eines nach dem anderen Lexy. Ja, Gildarts ist hier und wir werden hierbleiben. Das hier ist Magnolia. Und der Ort, an den wir gehen, ist unser Zuhause.“
„Zuhause?“ Das Mädchen runzelte die Stirn. „Aber … ich war hier noch nie!“
„Ich habe hier mein gesamtes Leben verbracht, bis ich vor fast sechs Jahren die Menschen verlassen habe, die meine Familie waren.“
Und die ich seitdem nicht ein einziges Mal gesehen habe.

+++


Eine schmale, feminine Hand hielt zwischen ihren Fingern mit dunkelrot lackierten Nägeln zitternd ein kleines Stäbchen in die Höhe. Ängstliche, dunkelblaue Augen zuckten zwischen den beiden roten Strichen und der Anleitung, die sie in der anderen Hand hielt, hin und her. Zwei kleine Striche, die ihr Leben für immer verändern würden. Schwanger. Wer hätte gedacht, dass ein kleiner Ausrutscher zu so etwas führen konnte. Ausgerechnet an dem einen Tag, an dem sie vergessen hatte, den Trank zu sich zu nehmen. Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Party zum Jahrestag der Gilden-Wiedergründung stieg. Ausgerechnet an dem Tag, an dem er ebenfalls auf der Gildenfeier war, um dieses Ereignis zum ersten Mal mit dem Rest der Gilde zu feiern. Ausgerechnet an diesem Tag war sie nicht nur betrunken, sie war komplett dicht. So dicht, dass sie sich kaum noch an den Rest der Nacht erinnern konnte, nachdem sie und er zusammen durch seine Tür gestolpert und zielstrebig Richtung Schlafzimmer –
Klappernd fiel das Plastikteil zu Boden, während sich die Frau hemmungslos schluchzend auf den Boden sinken ließ, doch die normal angenehme Kälte der Fliesen gab dem Chaos, das in ihrem Kopf herrschte, keine Klarheit.
Vorbei. Das alles würde ab sofort der Vergangenheit angehören, ebenso wie ihr bisheriges Leben hier in Fairy Tail. Nie im Leben würde sie hierbleiben können. Nicht, wenn sie – Eine Hand legte sich auf ihren noch flachen Bauch. Nie im Leben würde sie dieses Kind verschwinden lassen, das stand auf jeden Fall fest. Sie hatte sich schon immer Kinder gewünscht, wenn auch zu einem späteren Zeitpunkt und dieses unfassbar kostbare Geschenk würde sie nicht wegen ihren eigenen Zweifeln vernichten. Auch ohne einen festen Partner an ihrer Seite würde sie das Kind bekommen und ihm ihr zukünftiges Leben widmen. Aber das war zunächst nebensächlich. Denn jetzt würde sie handeln müssen, um alles in die Wege zu leiten. Sie konnte nicht hierbleiben. Ihre Hand verkrampfte sich zu einer zitternden, aber fest geschlossenen Faust. Es tat unfassbar weh, doch ihr Entschluss stand fest. Sie würde sich von nun an voll und ganz auf ihr Kind konzentrieren müssen und dafür musste sie fort. Fort von ihrer Familie, ihren Freunden, ihrem Zuhause, ihrer Familie, um sich um ihre neue Familie kümmern zu können. Aber vor allem musste sie fort von
]ihm.

+++


Makarov schaute die junge Frau an, die unsicher und mit einem schmerzlichen Gesichtsausdruck in seinem Büro stand und seufzte. Diesen Ausdruck kannte er, auch wenn er ihn von ganzem Herzen hasste. Er verursachte Leid und Kummer in der gesamten Gilde, besonders weil es eine Entscheidung war, die alle akzeptieren mussten. Ihr Gehen würde ein riesiges Loch in der Gilde hinterlassen, aber sie hatte sich offensichtlich dazu aus freien Stücken entschieden, daher würden weder er noch irgendjemand anderes ihrer Entscheidung im Weg stehen. Zumindest würde er es möglichst kurz und schmerzlos machen, obwohl das zweite unmöglich war. Aber immerhin nicht noch schmerzhafter, als es für alle Beteiligten sein würde.
„Ich weiß was du willst und ich wäre kein Gildenmeister, wenn ich dir deinen Wunsch verwehren würde. – Komm her.“
Mit Tränen in den Augen trat sie vor den Tisch, auf dem der kleine Mann stand, und schluckte hörbar.
„Master … Ich … Es – “ Mit einer Handbewegung von ihm brach sie ab, bevor sie vollends die Fassung verlieren konnte.
„Ich will nicht sagen, dass ich den Grund kenne. Aber ich habe eine Vermutung und wenn ich richtigliege, kann ich dich voll und ganz verstehen. Du bist wie eine Tochter für mich und kein Vater will eines seiner Kinder unglücklich sehen, wenn er doch bewirken kann, dass er sie glücklich machen kann. Auch wenn er selbst unglücklich deswegen ist.“ Seine Stimme klang leicht belegt, doch er wollte ihr den Abschied nicht noch schlimmer machen, indem er vor ihr seine Tränen zeigte. Das hob er sich für später auf, wenn sie nicht mehr hier war. Außerdem wusste sie selbst, wie sehr er jedes einzelne seiner Fairy-Tail-Kinder liebte.
Er legte die Hand sanft auf ihre Taille und ließ das nachtschwarze Gildenzeichen verschwinden.
„Sobald du deine Füße wieder durch die Gildentür setzt, wird dein Zeichen erneut erscheinen. Es ist auch jetzt nicht komplett verschwunden, sondern nur nicht zu erkennen. Du weißt, dass du immer und jederzeit willkommen bist – egal aus welchem Grund du auch zurückkommen wirst.“
Nun begann sie zu schluchzen und vergrub das Gesicht in den Händen. „Ich – ich … ich kann einfach nicht bleiben, wenn – Ich – ich muss eine Weile … über alles nachdenken und – und wenn er hier ist, dann – “
Nun kämpfte auch Makarov krampfhaft gegen die Tränen an. „Ich werde es den anderen mitteilen, damit du nicht noch mehr Schmerzen erleiden musst als jetzt. Es ist besser, wenn du ohne Abschied verschwindest. Ein grausamer, aber kurzer Abschied ohne Vorwarnung. Ich weiß, dass sie sonst versuchen werden, dir deinen Entschluss wieder auszureden, während du von Anfang an weißt, dass er feststeht. Egal, was sie auch versuchen werden.“ Seine Stimme war belegt und wurde gegen Ende immer leiser, damit sie nicht hören konnte, wie sie trotz seiner Bemühungen zitterte und kurz vorm Brechen stand.
Die Frau straffte sich und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, während ihre Schluchzer allmählich nachließen.
„Danke für alles, Mas – Makarov.“ Mit diesen Worten lief sie hinter den Schreibtisch und öffnete die kleine Tür, die aus dem Gildengebäude führte. Dann drehte sie sich noch einmal um und lächelte leicht.
„Ich werde dir durch Gildarts Briefe zukommen lassen, damit du auf dem Laufenden bist.“
Makarov gelang es nicht weiter, den Kloß in seiner Kehle runterzuschlucken, als die Frau durch die Tür verschwand, nachdem sie ein letztes Mal ihre Hand in die Luft gestreckt hatte, Daumen und Zeigefinger in die Höhe streckend.
‚Ich werde immer über euch wachen‘ war der übertragene Sinn und er konnte nur beten, dass dieser sich einmal mehr als wahr erweisen würde.
„Und wir über dich“, brachte er mit erstickter Stimme hervor. „Wir erwarten jetzt schon deine Rückkehr … Cana.“
Er starrte regungslos auf die offene Tür, bis nach einigen Stunden eine rothaarige Magierin den Kopf in das Zimmer streckte.
„Master, ist Cana immer noch bei dir? Laxus sucht sie, er wirkt irgendwie beunruhigt.“
„Cana … Cana ist aus der Gilde ausgetreten. Doch sie ist ein Teil von Fairy Tail und wird immer im Geiste bei uns sein, auch wenn sie weit entfernt sind“, erwiderte Makarov mit tränenerstickter Stimme.
Erza riss geschockt die Augen auf, während ihr Tränen in die Augen schossen. „Cana … Ist FORT???“


+++


„Wow!“ Das Mädchen starrte mit aufgerissenem Mund an der Vorderseite der Gilde hoch. „Mama, ist das alles Fairy Tail?!“
Cana lachte und strich ihrer Tochter leicht über die welligen Haare, deren Struktur sie von ihr geerbt hatte. „Ja, das ist alles die Gilde.“ Dann wurde sie ernst. „Süße, hör mir bitte genau zu.“  Mit großen Augen blickte die Kleine die Magierin an und nickte schüchtern. „Keine Sorge, es wird hier nichts Gefährliches passieren. Aber eines musst du dir merken: Egal was gleich passiert, bleib einfach immer hinter mir. Aber hab keine Angst, das hier ist der sicherste Ort in ganz Fiore für uns.“
Mit einem letzten Schulterstraffen atmete Cana kurz durch und stieß dann energisch die Flügeltür der Gilde auf. Etwas zögernd blieb sie stehen, doch dann setzte sie einen Fuß über die Schwelle und spürte ein Kribbeln an der Stelle, an der ihr Gildenzeichen gewesen war. Sie musste nicht nachschauen, um zu sehen, dass das schwarze Logo von Fairy Tail wieder auf ihrer Hüfte prangte.
Ein leichtes Ziehen an ihrer Hose verriet ihr, dass sich ihre Tochter dicht hinter ihr war und ihr Hosenbein nervös umklammerte.
Sie unterdrückte ein liebevolles Lächeln. In dieser Beziehung war ihre Tochter genau wie sie: Sie versuchte ihre Angst in Grenzen zu halten und ein mutiges Gesicht aufzusetzen, egal wie schwer es ihr auch fallen würde. Das war ein Charakterzug, über den sie mehr als nur erfreut war, denn er hatte ihr in den vergangenen Jahren mehr als einmal geholfen, um ihrer Tochter eine unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen. Jedenfalls soweit es ging.


Mira blinzelte, geblendet von der Sonne, die durch die plötzlich aufgerissenen Türen hereinstrahlte. Sie sah eine große, schlanke Gestalt im Eingang stehen, doch sie konnte sie nicht erkennen. Ebenso wenig sah sie Natsu, wie er auf einmal mitten im Satz abbrach, tief Luft holte und sich dann mit ungläubigem Blick in Richtung Tür wandte, als ob er seiner Drachennase nicht glauben würde.
„Natsu?“, fragte Lucy fragend, bevor sie sich ebenfalls in Richtung der Tür drehte.
Doch nicht nur ihr war das Verhalten des Dragon Slayers aufgefallen, denn immerhin hatte er sich gerade in einer äußerst lauten Diskussion mit dem Eismagier Gray befunden, die alle anderen Gespräche in der Gilde mühelos übertönt hatte. Schon bald blinzelte der Rest der Gilde ebenfalls gegen das Sonnenlicht und die immer noch schattige Gestalt im Türrahmen.
„C …“, mehr brachte der ungläubige Dragon Slayer nicht hervor.
Plötzlich schossen alle Köpfe bei diesem Buchstaben zur Eingangstür. Es gab nur eine Person, deren Name mit einem „C“ anfing und die eine solche Reaktion bei Natsu auslösen würde. Immerhin war diese Person vor einigen Jahren vom einen auf den anderen Tag aus der Gilde ausgetreten und spurlos verschwunden, egal wie intensiv sie nach ihr Ausschau gehalten hatte. Der Master hatte die Suche nach einigen Monaten schließlich unterbunden, auch wenn er keine eindeutige Begründung abgegeben hatte. Seitdem hatte niemand etwas gesehen oder gehört – bis heute. Konnte es wirklich sein, dass sie zurückgekehrt war?


Lexy entdeckte in diesem Moment eine ihr wohlbekannte Gestalt und ihre Nervosität und Schüchternheit waren auf einmal vergessen. „Jii-jii!“, schrie sie freudig, ließ Canas Hose los und stürmte auf eine hochgewachsene Gestalt in einem zerrissenen Umhang zu.
„Lexy!“, ertönte es aus zwei Mündern, einmal fröhlich und einmal nahezu panisch, während der orangehaarige Mann die Kleine unter den Armen packte, in die Luft hob und vergnügt herumwirbelte, während sie vor Freude jauchzte. Kurz flogen die Blicke der Gilde zu dem kleinen Mädchen, doch dann schwenkten sie wieder zur Tür zurück.
Cana biss sich auf die Lippe, als sich alle von dem Schauspiel abwandten, das sie für ein paar wenige Augenblicke gerettet hatte und sich ihr abermals zuwandten. Vorsichtig trat sie ein paar Schritte in die Gildenhalle, bis die Türen hinter ihr zufielen und die anderen nicht mehr vom Licht geblendet waren.
„Hallo“, begann sie etwas hilflos und unsicher. Dann verstummte sie, denn was sollte sie sonst noch von sich geben? Ein einfaches „Ich bin wieder da“ entschuldigte nicht im Geringsten ihre Flucht von vor fünf Jahren, ebenso wenig wie alle Entschuldigungen der Welt das fünf Jahre lange Schweigen nach ihrem Verschwinden wieder gut machen würden.
„CANA!!“ Auf einmal war ihre Sicht durch einen blonden Haarschopf verdeckt, während ihr die Luft durch eine kräftige Umarmung abgeschnürt wurde.
„Lucy“, flüsterte sie mit zugeschnürter Kehle und erwiderte die Umarmung. Da merkte sie das unterdrückte Schluchzen, das die Stellarmagierin zum Zittern brachte. Nicht nur sie selbst stand also kurz vor einem Tränenausbruch.
„Cana!“, ertönte es nun auch aus anderen Mündern und sie fand sich in einer Massenumarmung wieder, in der sie in lauter verdächtig feuchte Augen blickte, die eine ebenso große Freude ausstrahlten, wie sie sie selbst fühlte.
„Wieso hast du –“
„Wo warst –“
„Wer–“
„RUHE!!!“Bei der dröhnenden Stimme des Gildenmeisters verstummten alle und traten etwas von der Kartenmagierin zurück, die unauffällig Luft holte, um sich wieder etwas zu sammeln.
Lexy, die mittlerweile fürs Erste von Gildarts abgelassen hatte, blickte etwas ängstlich zu der riesigen Gestalt, die alle um mehrere Körperlängen überragte und eilte wieder zu ihrer Mutter, um sich schutzsuchend hinter ihr zu verstecken.
Liebevoll legte Cana eine Hand auf den blonden Haarschopf und Lexy entspannte sich wieder ein wenig. Doch das kleine Mädchen stand nun noch einmal im Fokus der Aufmerksamkeit und dieses Mal würde sie es für die nächsten Fragen auch bleiben, das merkte die Kartenmagierin.
„Cana?“ Mit riesigen, ungläubigen Augen starrte Lucy abwechselnd auf die braunhaarige Magierin und auf die kleinere, grünäugige, blonde Kopie hinter ihr.
Cana schluckte hörbar, dann zog sie ihre Tochter sanft hinter sich hervor und nahm sie auf den Arm. Zum Glück war Lexy relativ klein für ihr Alter, etwas, was sie ebenfalls von ihr geerbt hatte. Ansonsten hätte sie sie nicht hochnehmen können, auch wenn Lexys Gewicht sie mittlerweile an ihre Grenzen brachte, was das Tragen anging. Dann wandte sie sich an Lucy und den Rest der Gilde, die das Mädchen ausnahmslos entgeistert anstarrten.
„Das hier“, sagte sie mit hörbarer und ruhiger Stimme, „ist Alexia Cornelia Alberona … meine Tochter.“
„Oh Mavis“, flüsterte Mira, die Hand auf die Brust gepresst und starrte das kleine Mädchen an, das sein Gesicht nach einem Augenblick des Umherschauens in der Nackenbeuge seiner Mutter vergraben hatte. Sie ahnte nun, was genau damals geschehen war und diese Erkenntnis war gleichzeitig erleuchtend wie beunruhigend.
Lexy waren die ungläubigen und fassungslosen Blicke zu viel geworden und sie umklammerte Canas Hals etwas fester, wie um Halt zu suchen, während sie immer hektischer Luft holte.
Cana begann, ihr beruhigend über die Haare zu streichen und ihr Blick wanderte zum Master, der immer noch in seiner Riesengestalt hinter der Menge aufragte. „Master, könnte ich –?“
Schon begann Makarov, auf seine normale Größe zu schrumpfen und sprang auf die Bar. Den Blick auf das Mädchen in Canas Armen gerichtet, nickte er.
„Komm in mein Büro, Kind. Du hast sicher viel zu erzählen. Lexys Großvater kann auf ... sie aufpassen.“
Cana lief zu ihrem Vater. Die Fairy Tail Magier machten ihr schweigend Platz, während sie immer noch das Kind in ihrem Armen anstarrten. Endlich war Cana bei Gildarts angekommen und übergab ihm Lexy, die sich sofort in seine Arme kuschelte.
„Bring Lexy doch ans Meer … Sie hat es noch nie gesehen“, murmelte sie und schaute ihn bittend an. In Gildarts‘ Augen leuchtete Verstehen auf und er nahm Lexy auf einen Arm, um seine Tochter kurz zu umarmen.
„Willkommen zurück“, murmelte er in ihr Ohr. „Du bist in meinem Haus selbstverständlich herzlich willkommen für die erste Zeit und vielleicht auch danach noch, falls du keine passende Unterkunft findest. Ihr Zwei“, fügte er hinzu.
Nun blinzelte Cana wieder gegen die Tränen an und erwiderte die Umarmung.
„Danke. Es tut mir Leid, dass ich vorher nicht Bescheid gegeben habe. Es ging nicht anders, die Entscheidung stand erst gestern fest.“
Dann lösten sich die beiden voneinander und Gildarts ging mit Lexy in Richtung Hintertür.
Cana eilte zum Büro des Gildenmeisters, um zumindest vorerst den restlichen Fairy Tail Magiern zu entkommen. Dort setzte sie sich auf einen der Stühle, die an der Wand standen, und vergrub erschöpft das Gesicht in den Händen. Diese ganze Szene seit ihrem Eintritt in das Gildengebäude hatte sie emotional komplett ausgelaugt und sie ahnte, dass der eigentlich schwierige Teil noch bevorstand.

Nach viel zu kurzer Zeit hörte sie, wie die Tür geöffnet und gleich wieder geschlossen wurde. Mit einem tiefen Durchatmen wandte sie sich Makarov zu, der zu seinem Schreibtisch ging und kurzerhand auf dessen Platte sprang, um sich dort hinzusetzen.
„Ich – es tut mir leid, ich … eigentlich …“ stammelte Cana, doch der Master machte eine wegwerfende Handbewegung und sie verstummte. Dann richtete er sich auf und blickte sie ernst an.
„Cana“, begann er eindringlich, „ich glaube, ich weiß die Antwort bereits, aber ich muss dir diese Frage trotzdem stellen.“
Sie schluckte schwer, nickte aber. Sie hatte gewusst, worauf sie sich einließ, wenn sie zurückkehren würde.
„Weiß L- … der Vater von Lexy?“
Genau diese Frage hatte sie gefürchtet. Diese Frage, die ihr auch Lexy schon gestellt hatte und bei der sie jedes Mal haltlos in Tränen ausgebrochen war. Wie auch jetzt. Ihre Selbstbeherrschung stürzte endgültig in sich zusammen und sie begann, verzweifelt zu schluchzen, während sie versuchte, eine Erklärung abzugeben.
„Ich … wollte nie … Ich – ich meine, damals …“ Sie gab den Versuch auf und vergrub erneut das Gesicht in ihren Händen, während die Schluchzer ihren ganzen Körper zum Beben brachten.
Makarov blickte nun auch mit Tränen in den Augen auf die junge Frau, die vor ihm saß und erbarmungswürdig aussah, wie sie dort bitterlich Tränen vergoss. Wenn eines seiner Kinder weinte, dann brach auch ihm das Herz. Vor allem, wenn es aus tiefster Seele kam wie die Tränen der Magierin.
„Beruhige dich erst einmal. Danach fällt es dir einfacher, alles zu erzählen.“

+++

Und mit diesem höchst dramatischen Auftakt begrüße ich euch zu meiner neuen (und längst überfälligen) Laxana-FF!
Die Story habe ich schon vor etlichen Jahren angefangen zu schreiben und immer noch nicht zu Ende gebracht. Da ich gelernt habe, dass ich mir selbst Zeitdruck machen muss, lade ich einfach das erste Kapitel hoch, um mit dem Schreiben endlich mal am Ball zu bleiben.
Updates kommen einmal pro Woche, wer mich bereits kennt, weiß um diesen Standard^^
Ansonsten bleibt mir nicht viel zu sagen. Die Geschichte ist in meinem Kopf bereits fertig geplottet und muss nur noch in Worte umtransformiert werden. Generell bringe ich jede Geschichte zu Ende, deshalb habe ich das auch fest für diese hier vor, auch wenn ich die genaue Länge noch nicht im Geringsten abschätzen kann.
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