Der König der Verlorenen

GeschichteFantasy, Freundschaft / P16
Chris "The Lord" Harms Class Grenayde Gared Dirge Niklas 'Nik' Kahl Pi Stoffers
04.06.2020
30.08.2020
9
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04.07.2020 2.894
 
Hallo ihr Lieben! :)

Ich weiß, ich komme derzeit nicht mehr so häufig zum Hochladen von neuen Kapiteln, weil momentan zeitlich nicht mehr drin ist. Noch habe ich zwar einen kleinen Bestand an Kapiteln im Vorrat, doch auch der wird langsam aber sicher kleiner und kleiner. Für neue Kapitel brauche ich einen kühlen Kopf, den ich vor allem nach langen Arbeitstagen einfach nicht habe, weshalb ich mit dem Schreiben derzeit nur sehr schleppend vorankomme.

Deshalb: vielen lieben Dank an Eure Geduld! <3

Viel Spaß mit dem neuen Kapitel! :)


Greets

Alea





~~~

Kapitel 5
Die Flucht aus Hijelu



Binnen von Sekunden rammte Chris dem Koloss die Zähne des Säbelzahntigers in die Augen, gleichzeitig rannte Gared los. Ohne auf einen Widerstand zu achten, drückte Chris die Zähne immer tiefer in die Augenhöhle, bis er endlich den empfindlichen Teil im Kopf des Zyklopen traf. Dieser taumelte, machte noch einige Ausfallschritte und stürzte dann zu Boden. Chris sprang gekonnt von der Kreatur ab und rannte Gared nach. Dieser wartete bereits in dem Verlies, aus welchem die Wachen die Ungeheuer gelassen hatten. Der Zyklop hatte beachtliche Arbeit geleistet. Die meisten Soldaten waren bereits tot oder so schwer verletzt, dass jede Hilfe für sie zu spät kam.
„Ihr seht verheerend aus und blutet…“
Erschrocken musterte Gared Chris, der sich nach Luft ringend an seiner Schulter festhielt und nur den Kopf schüttelte.
„Hör… hör mit diesem vornehmen Gerede auf und… und hör mir zu…“ noch während Chris sprach, packte er Gared an den Schultern und sah ihn eindringlich an, „Wir… wir verschwinden von hier…“
„Ihr könnt Euch doch kaum noch auf den Beinen halten!“
„Ein Grund mehr, um hier auszubrechen!“
„Ausbrechen?!“ entwich es Gared geschockt, „Aber… wenn sie uns erwischen, dann… dann droht uns der Tod im Folterkeller!“
„Sie werden uns nicht erwischen… wir… wir finden schon einen Weg hier raus…“ keuchte Chris und machte eine flüchtige Kopfbewegung, „Sieh dich um… vier Augen sehen mehr als zwei…“
Damit wankte Chris davon, während man die Soldaten in den Rängen rufen hörte: „Bringt ihn wieder zurück! Der König erwartete diese Dreckskerle noch am Abend in seinem Folterkeller!“

Besorgt sah Gared ihm nach. So schlimm wie der junge Mann aussah, konnte eine Flucht doch niemals gelingen. Trotzdem tat Gared das, was er tun sollte, er suchte nach dem Ausgang. Bevor er sich jedoch richtig umsah sammelte er zuvor vom Boden noch einige Goldstücke ein, die von der Arena in das Verlies gerollt waren. Vielleicht konnten sie diese ja auf ihrer Flucht gebrauchen.
„Hast du was gefunden?“ rief ihm Chris nach einer Weile zu.
„Noch nicht… habt Ihr…“
„Nein!“ hallte der genervte Schrei durch das Gemäuer, „Würde ich dich sonst fragen?!“
Gared schluckte und suchte weiter. Dieses Verlies war ein kleinwenig anders aufgebaut als dieses, in welchem er bis heute Morgen noch verweilt hatte. Es gab dutzende kleine Zellen, in welchem zum Teil noch einige Kreaturen gefangen waren. Mit großem Unbehagen schlich Gared an einer dicken, langen Würdeschlange vorbei, die ihn mit ihrer gespaltenen Zunge ansäuselte. In dem Käfig daneben hauste ein alter, zahnloser Goblin, der ihn unfreundlich anbrummte.
„Dir würde ich den Arsch aufreißen, wenn ich hier rauskomme!“ fauchte es aus der nächsten Zelle, aus welcher plötzlich ein älterer Mann mit vernarbtem Gesicht auf Gared zusprang und ihn in den Schwitzkasten nahm.
„Hilfe!“
„So was Hübsches wie dich sieht man hier auch nicht alle Tage!“ säuselte er und fuhr Gared mit schmutzigen Fingern über das Gesicht.
„Hände weg von ihm!“
Von irgendwoher sprang Chris herbei und befreite Gared mit Leichtigkeit aus dem festen Griff des Kerls und stellte sich schützend vor ihn.
„Sieh an, sieh an. Der Herr der Gosse lebt ja noch. Ich dachte, ich hätte den Pöbel gehört, der deinen Tod bejubelt hat.“
„Wer ist das?“ hauchte Gared erschrocken.
„Niemand. Mit so einem Gesocks willst du nichts zu tun haben.“ knurrte Chris und blickte den Mann verachtend an. Gared runzelte die Stirn.
„Du weißt genau, wie ich heiße, Lord!“ stieß der Kerl grimmig hervor, „Man nennt mich Hariri!“
„Wieso lebte er nicht bei Euch in der… Gosse? Sollten wir nicht…“
„Für Abschaum wie er ist selbst die Gosse noch zu fein.“ erklärte ihm Chris, während er den Mann nicht auch den Augen ließ, „Er hat Kinder geschändet, deshalb ist er hier.“
„Im Moment würde ich mich auch mit diesem Jüngling hier zufriedengeben.“ meinte der Kerl und zwinkerte Gared zu. Chris verdrehte genervt seine Augen. Trotz seiner vielen Wunden ging er ohne Vorwarnung auf den Mann los, der sich sofort verteidigte. Ein Gerangel entstand, bei welchem Chris schnell die Oberhand gewann. Er saß auf dem Kerl, hielt ihn so am Boden und schlug mit der Faust zu. Gared verzog angewidert das Gesicht, als er die Knochen brechen hörte.
„Au! Wie oft willst du mir denn noch die Nase brechen?!“ rief ihm Hariri zu und schaffte es, Chris einen Schlag mit dem Ellbogen zu verpassen.
„So lange, bis ich ein Schwert zu fassen bekomme und dir damit den Kopf abschlage!“
Gared wusste was er zu tun hatte. Schnell eilte er im Verlies umher und hob das Eisenschwert eines toten Soldaten vom Boden auf.
„Hier!“
Wie zuvor in der Arena warf Gared Chris das Schwert entgegen. Klirrend landete die Waffe zwei Fuß neben den beiden Männern.
„Schlechter Wurf!“ rief Hariri, „Ich könnte dir das Werfen schon noch bei…“
In diesem Moment ließ Chris von ihm ab und rollte sich zur Seite. Noch während er wieder in den Stand kam, schwang er das Schwert und tat genau das, was angekündigt hatte. Leblos fiel der Körper zu Boden und der Kopf rollte davon.

Schmerzen durchzogen Chris Körper. Stöhnend sackte er wieder zusammen und stützte sich auf dem Schwert ab.
„Ihr werdet eine Flucht doch niemals überleben!“ rief Gared bestürzt, als er wieder nähertrat und ihn besorgt ansah. Chris röchelte nach Luft, schüttelte jedoch den Kopf.
„Wir haben keine Wahl… wir müssen hier raus… jetzt… hast du… hast du einen Ausgang entdeckt?“
Dieses Mal war es Gared, der betrübt den Kopf schüttelte.
„Dann… dann geht es wohl dort hinten entlang…“ meinte er und winkte den Jüngling zu sich, „Komm, wir verschwinden und stiften noch ein wenig Unruhe…“
„Wie denn?“
„Dort hinten…“ meinte Chris grinsend, „Dort hinten ist die Kurbel für die Gitter… die Biester halten uns hoffentlich die Soldaten vom Leib.“

Entschlossen eilten Chris und Gared durch das Verlies. Bald hatte sie gefunden, wonach sie suchten. Einmal den Hebel zum Öffnen der Zellen und die schwere Holztür, durch die der Weg hinaus in die Freiheit führte.
„Bereit?“
Gared nickte zustimmend, während Chris zunächst die Kurbel der Käfige bediente. Danach traten sie gemeinsam die schwere Holztür ein. Alleine hätte es Chris nicht mehr geschafft. Noch bevor die verbliebenen Biester und Kreaturen ihren Weg in die Freiheit fanden, hatten die beiden das Verlies verlassen.
Vorsichtig schlichen die beiden Männer durch die schummrigen Gänge der Arena, ganz bedacht darauf kein Geräusch zu verursachen. Obwohl Gared vor Angst zitterte, stützte er den verletzten Chris so gut er es nur konnte. Dem Verlies waren sie nun entkommen, doch in Sicherheit waren sie noch lange nicht. Durch jeden Gang hallten die Rufe der Soldaten und Wachen wieder, die sich auf die Suche nach ihnen gemacht hatten. Plötzlich hörten sie Schritte. Schwere Schritte. Männer in schweren Rüstungen kamen direkt auf sie zu.
„Hier rein!“ zischte Chris leise und drückte Gared durch die nächstbeste Türe. Wieder lag vor ihnen ein schmaler Gang. Kurz sog Chris die Luft tief durch die Nase ein. Hier roch es verdächtig nach Pferd.
„Wir gehen hier weiter.“ sagte er entschlossen und ging wankend voraus. Der schmale Gang endete in einer Art Innenhof. Genau dort, wo sich die Ställe und Quartiere der Stadtwache befanden.
„Warte…“ wies Chris Gared an und hielt ihn zurück. Aufmerksam ließ er seinen Blick über den gesamten Hof schweifen. Die Unterstände der Pferde waren leer. Die Wachen mussten also längst die Straßen der Stadt durchqueren, wenn sie nicht sogar schon vor der Stadtmauer patrouillierten. Eine kleine Gruppe von Wachmännern schritt gerade aus dem Gebäude.
„Meint Ihr, es ist wirklich wahr, was man sich erzählt? Der Gossenkönig ist geflohen?“
„Natürlich ist es wahr, sonst wäre hier längst nicht so ein Aufruhr.“
„Wie lautet der Befehl?“
„Ihr habt doch gehört, was der Hauptmann gesagt hat.“
„Ja… töten… aber… wir können den König der Gosse doch nicht einfach…“
„Redet nicht so viel und lauft weiter.“
Damit verließen die Wachen den Innenhof.

„H… habt Ihr gehört, was sie sagten?“ piepste Gared ängstlich und zog instinktiv den Kopf ein. Chris warf ihm einen kurzen Blick zu, scherte sich jedoch nicht weiter um ihn. Irgendwie mussten sie jetzt aus der Arena raus und das möglichst ohne von irgendwem entdeckt zu werden.
„Wir sollten sofort durch das Tor und dann…“
„Und dann durchbohren dich die Lanzen der Wachen davor.“ vollende Chris trocken den Satz und schüttelte seinen Kopf, „Wir sollten… dort entlang.“
Sofort zog Chris Gared mit sich, hinein in die Ställe der Pferde. Er wusste aus Erzählungen der Wachen, dass jeder Stall sowohl einen Haupt- als auch einen Hintereingang hatte. Letzterer war nur für die Knappen, welche die Tiere versorgten und die Ställe einigermaßen sauber hielten. Ohne lange darüber nachzudenken, sprang Chris in die Ecke, in welcher sich der große Misthaufen befand.
„Ihr verlangt doch nicht, dass ich dasselbe mache?“
„Besser wäre es, so erkennt man dich wenigstes nicht gleich.“ antwortete Chris, während er sich Arme und Gesicht mit dem Schmutz einrieb, „Und hör auf mit diesem vornehmen Gerede.“
Nur widerwillig kletterte Gared zu Chris in den Pferdemist. Zaghaft nahm er etwas von dem Dreck in seine Hand und blickte diesen angewidert an.
„In dem Tempo stehen wir hier noch Stunden.“ sagte Chris entnervt. Er packte den Jüngling am Arm, zog ihn zu sich und verteilte eine Hand voller Mist auf dessen schwarzen Haar. Gared schüttelte sich angeekelt, währenddessen begutachtete Chris grinsend sein Werk.
„So sieht das doch schon besser aus.“ meinte er zufrieden und eilte weiter, „Und jetzt folge mir.“
„Tut… tut dieser Dreck in Euren Wunden nicht weh?“
Chris biss die Zähne zusammen, während er wieder vorauswankte. Natürlich brannte der Schmutz wie Feuer in seinen unzähligen Verletzungen, doch es änderte nichts. Noch konnten sie sich nicht ausruhen. Noch konnte er sich nicht ausruhen. Noch waren sie nicht entkommen.

Gemeinsam schlichen sich die beiden Männer wieder aus dem Stall. Der Innenhof, in welchem sie sich nun befanden, wirkte längst nicht so edel wie der vorherige. Gared flüsterte Chris erfreut zu, dass vielleicht hier die ärmeren Leute ihnen helfen konnten. Chris schüttelte jedoch seinen Kopf. Der Pöbel hier half nie, zumindest nicht dann, wenn er sich damit gegen den König richten musste.
Dann hatten sie es geschafft. Unbemerkt waren sie durch die morsche Holztür hinaus in eine Seitenstraße der Stadt gehuscht. Doch hier waren sie noch längst nicht sicher. Sie mussten raus aus Hijelu und so weit weg von der Stadt wie es ihnen nur möglich war.
Chris deutete Gared an, auf eine hohe Mauer zu klettern, die quer durch Hijelu verlief und an der Stadtmauer endete. Auf den Straßen war das Risiko zu hoch, doch noch entdeckt zu werden. Gared war schnell oben. Chris brauchte etwas länger. Alleine das Heben seiner Arme sorgte dafür, dass der Schmerz ihn durchzuckte wie ein Blitz und sich irgendwo hochzuziehen war doppelt so schmerzhaft. Glücklicherweise reichte ihm Gared seine Hand, an welcher er sich festhalten und dieser ihm so hochhelfen konnte. Oben angekommen brach Chris für einen kurzen Moment zusammen und rang nach Luft.
„Wir müssen weiter…“ hauchte er einen Augenblick später und ging wieder voran.

An der Stadtmauer angekommen blickten die beiden vor sich in die Tiefe. Die Mauer war hoch. Zu hoch. Der Wassergraben darunter jedoch noch vom letzten Sturm reichlich gefüllt.
„Vielleicht wäre der normale Weg doch…“
„Für uns gibt es keinen normalen Weg. Entweder wir…“
„Dort oben sind sie!“
Alarmiert fuhren Chris und Gared um. Die Stadtwachen am nahegelegenen Wachturm hatte sie entdeckt.
„Gared…“ meinte Chris mit entschlossener Stimme, „Bist du schon einmal von einem Felsen aus in einen tiefen See gesprungen?“
Der Jüngling schüttelte erschrocken seinen Kopf.
„Dann… dann wird das hier dein erster Sprung sein.“
Noch bevor Gared reagieren konnte, stieß Chris ihn in die Tiefe, ehe er selbst von der Stadtmauer sprang. Der Sturz dauerte einige Herzschläge lang, ehe sie beide fast gleichzeitig im Wasser aufkamen. Gared war schneller am Ufer angekommen, als Chris es war. Dieser hatte große Mühe sich überhaupt über Wasser zu halten.
„Ihr hättet mich warnen können!“ schrie Gared mit flatternder Stimme, als er Chris zur Hilfe eilte und ihn wieder stützte.
„Dazu war keine Zeit.“ antwortete Chris, der sich am Ufer in den Schlamm fallen ließ und wieder stark nach Luft röchelte, „Die Wachen… sie sind… auf dem Weg… wir brauchen… unbedingt ein Pferd… und ausgerechnet heute lungern keine… lungern keine reisenden Händler vor den Stadttoren herum…“

„Ein Pferd?“ fragte Gared hellhörig und trat interessiert neben ihn, „Wenn es um ein Pferd geht, kann vielleicht ich helfen.“
„Du? Wie willst du schon helfen?“ fragte Chris skeptisch, „Du schaffst… du schaffst es ja nicht einmal, dir Wurzellinge vom Leib zu halten…“
Zu seinem Erstaunen erntete Chris mit diesem Satz nur einen ernsten Blick von Gared, der entschlossen vor ihn trat.
„Ich habe Euch vertraut. Jetzt solltet Ihr mir Euer Vertrauen schenken. In Anbetracht Eurer Lage, wäre das sicherlich von Vorteil.“
Chris verdrehte ungeduldig seine Augen. Die Zeit wurde knapp, die Soldaten näherten sich bereits. Trotzdem beobachtete er das Tun des Jünglings. Dieser stellte sich kerzengerade hin und schloss die Augen. Dann holte Gared tief Luft, während er beide Arme im hohen Bogen über seinem Kopf zusammenführte. Noch im selben Moment ertönte von irgendwoher das Wiehern eines Pferdes.
Erstaunt wollte Chris etwas sagen, als schon ein schneeweißes Pferd aus dem nahegelegenen Dickicht getrabt kam. Doch was sahen seine Augen da. Das, was da auf sie zukam, war überhaupt kein Pferd. Während das Tier auf ihn zukam, sprang Chris trotzt seiner Verletzungen erschrocken auf die Beine und wich zurück. Er stolperte über seine eigenen Beine und fiel zurück in den Schlamm des Ufers.
„Was…“ stammelte Chris nervös, ohne seinen erschrockenen Blick von dem Tier abzuwenden. Gared trat währenddessen an das Tier heran. Er streichelte es sanft über die Stirn und küsste es, ehe er verwirrt zu Chris sah.
„Was ist? Sagt bloß, Ihr habt noch nie ein echtes Pferd gesehen?“
„Das ist kein Pferd…“ stotterte Chris und blickte das Tier ungläubig an, „Was… ich dachte…“
„Wartet…“ entwich es Gared erstaunt, „Ihr seht es? Ihr könnt es wirklich sehen?“
„D… d… das Horn? Natürlich kann ich es sehen!“ fauchte Chris und richtete sich dabei langsam wieder auf, ohne dabei an die Schmerzen zu denken, „Ich dachte… Einhörner sind Ammenmärchen…“
Verwirrt schüttelte Gared den Kopf und erklärte: „Nein, das sind sie nicht. Nur… es gibt kaum Menschen, welche die Hörner noch erkennen. Das ich eines von ihnen rufen kann, ist wohl so ziemlich der einzige Zauber, der seit Generationen in meiner Familie weitergegeben wird.“
Chris wankte an das Tier heran, welches einer gewöhnlichen schneeweißen Stute so sehr ähnelte und doch ganz anders war.
„Sie beißt nicht.“ sprach Gared mit ruhiger Stimme, „Ihr könnt sie streicheln.“
„Tu mir einen einfach einen Gefallen, ja?“ keuchte Chris und berührte mit seinen Fingerspitzen vorsichtig die weiche Mähne des Einhorns, „Hör endlich mit diesem vornehmen Gerede auf.“

„Dort sind sie! Tötet sie!“
Alarmiert sahen Chris und Gared auf.
„Wir müssen hier weg!“ rief Chris, während sich Gared auf den Rücken des Einhorns schwang. Chris aber zögerte einen Moment. Noch einmal sah er verwundert auf das silberne Horn, welches direkt aus der Stirn des Tieres wuchs. Er schluckte, nicht vor Angst, jedoch vor Unbehagen. Er konnte sich doch nicht auf ein so edles Geschöpf setzen.
„Seht doch, die Soldaten stürmen den Abhang hinab!“ rief Gared ängstlich, „Wollt Ihr nicht endlich aufsitzen?“
Chris nickte zustimmend. Dann, so vorsichtig er es in seiner Verfassung gerade eben konnte, schwang er sich hinter Gared auf das Einhorn. Noch im selben Moment trieb Gared das Tier an und trieb es direkt in den Wald von Hijelu hinein.
Während Gared das Einhorn führte, sah Chris zurück über seine Schulter. Die Soldaten waren ihnen dicht auf den Fersen.
„Wohin soll ich reiten?“
„So weit weg von der Stadt, wie es nur geht…“
Lange folgten sie dem Pfad, bis sie ganz in der Nähe vor ihnen ebenfalls die Stimmen von einer Garde der Soldaten vernahmen.
„Das war es mit der Flucht…“ entwich es Gared ängstlich, „Sie werden uns erwischen!“
„Noch nicht!“ entgegnete Chris, „Es ist… geländetauglich?“
„Das Einhorn? Na sicher doch.“
„Dann hör zu…“ flüsterte Chris und neigte sich dabei ganz nahe an das Ohr des Jünglings, „Auf mein Kommando drehst du ab in den dichten Wald, ja?“
„Dort werden sie unsere Spuren verfolgen.“
„Nicht, wenn wir im seichten Flussbett reiten.“ sagte Chris und warf einen Blick zurück über seine Schulter, „Bereit?“
„Ich glaube schon…“
„Na dann… jetzt!“
Gared tat was Chris ihm gesagt hatte. Er zog die Zügel an und trieb das Einhorn mitten in das dichte Dickicht.
„Vorsicht, Ast!“ schrie Chris und drückte Gared hinab auf den Nacken des Einhorns.
„Wohin jetzt?!“
„Einfach weiter wie ich dir gesagt habe, runter zum Fluss und dem folgen wir!“
Chris fühlte, wie Gared zweifelnd seufzte. Noch war der Jüngling wohl nicht davon überzeugt, dass ihnen die Flucht überhaupt gelang. Chris hingegen war sich sicher, dass die Soldaten schon bald die Jagd nach ihnen abbrechen würden. Doch bis dahin mussten sie weiter, selbst wenn sie den restlichen Tag und die gesamte Nacht durchreiten mussten.
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