Der König der Verlorenen

GeschichteFantasy, Freundschaft / P16
Chris "The Lord" Harms Class Grenayde Gared Dirge Niklas 'Nik' Kahl Pi Stoffers
04.06.2020
30.08.2020
9
24.085
5
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19.06.2020 4.890
 
Hallo ihr Lieben!

Kurze Info für Euch:
Seit Mitte diesen Monats arbeite ich wieder Vollzeit im Krankenhaus. Das bedeutet, dass meine Zeit zu schreiben geriger ausfällt als in den letzten Wochen, was zudem die Folge hat, dass ich wöchentlich keine zwei bis drei Kapitel raushauen kann.
Um Euch und mich dennoch bei Laune zu halten und regelmäßig mit Lesefutter zu versorgen, gilt ab jetzt: neue Kapitel gibt es pro Woche pro Geschichte nur eines! Alles was ich darüber hinaus hochlade (z.B. wenn frei oder Urlaub) nennen wir ab heute Luxus! :D

Also nochmals in Kürze: 1 Story - 1 Kapitel pro Woche (Standard) / 1 Story - mehrere Kapitel pro Woche (Luxus)

Das soll Euch nicht vom Lesen und Mitfiebern abhalten, sondern es für mich vereinfachen für EUCH trotzdem regelmäßig zu schreiben und hochzuladen. <3

Vielen Dank für Euer Verständnis! <3


Greets

Alea





~~~

Kapitel 3
Der Arenakampf



Etwas klirrte. Kurz nach Sonnenaufgang wurde von den Wachen die schwere Tür des Verlieses aufgesperrt.
„Auf Befehl des Königs Rinacec haben der Neuling und Xahebar den heutigen Kampf in der Arena der Stadt Hijelu anzutreten.“ verkündete einer der Soldaten. Als sich auf seine Ansprache nichts rührte, räusperte er sich noch einmal: „Ich wiederhole mich nur ungern. Auf Befehl des Königs Rinacec haben der Neuling und Xahebar den heutigen Kampf in der Arena der Stadt Hijelu anzutreten. Die Krieger mögen deshalb jetzt vortreten, jegliche Weigerung wird mit dem Folterkeller bestraft.“
Die zweite Wache stupste den Soldaten vorsichtig an.
„Was ist denn?“
„Ähm… ich glaube, wir haben ein Problem.“
„Was denn?“
„Seht selbst.“
Mit einem genervten Ächzen schob der Soldat das Visier seines Helmes nach oben, ehe er im selben Moment noch verwundert stutzte. Etwa anderthalb Fuß von ihm entfernt stand der Neuling, der ihn scheu ansah. Von Xahebar fehlte jedoch jede Spur.
„Xahebar!“
„Verzeiht, aber er kann Euch nicht hören.“ stammelte die andere Wache, die keinen Helm mit Visier, sondern lediglich das Kopfteil eins Kettenhemds trug.
„Warum? Ihr wollt mir doch nicht etwa sagen, dass Xahebar sein Gehör verloren hat.“
„Das nicht, aber… seht doch in die Ecke. Anscheinend haben sich Catad und Xahebar mal wieder gegenseitig…“
Mit einem zornigen Ausruf verdrehte der Soldat seine Augen: „Ahh… na toll… wisst Ihr, was das bedeutet, Jemet?“
„Ihr müsst den Hauptmann benachrichtigen, der von Eurer Nachricht nicht erfreut sein wird?“
„Stimmt genau, Jemet, stimmt genau.“ danach klappte der Soldat das Visier seines Helmes hinunter und brüllte Gared an, „Ihr wartet genau hier, Neuling und rührt Euch nicht von der Stelle.“
Damit wandte sich der Wachmann mit dem anderen Soldaten ab. Mit zügigen Schritten verließen sie den Kerker und schlossen hinter sich die schwere Tür.

In dem Augenblick als die beiden Wachen die Tür hinter sich geschlossen hatten, hallte auch schon der Schrei des Hauptmanns durch die alten Gemäuer. Man hörte, wie der hochrangige Soldat sich mit schweren Schritten dem Verlies näherte.
„Was dauert da solange? Die Krieger sollten längst in der Arena sein, der König wartet nicht gerne.“ knurrte er mit finsterer Stimme.
„Verzeiht uns, Hauptmann Rodevat. Es gibt ein Problem mit den Kriegern.“ sprach der Soldat mit gezügelter Stimme.
„Was für ein Problem?“ überrascht warf Hauptmann Rodevat einen Blick durch das Gitter der schweren Tür des Verlieses, „Aufschließen.“
Wache Jemet tat wie ihm geheißen und öffnete den Eingang zum Kerker. Der Hauptmann schritt sofort hinein und musterte Gared mit finsterem Blick, der noch immer stocksteif dastand.
„Ähm…“ stammelte der Soldat, „Xahebar wird den Kampf nicht antreten können.“
„Weshalb? Wollt Ihr mir etwa sagen, dass dieser magere Schwächling Xahebar…“
„Nein, Hauptmann.“ unterbrach die Wache den höheren Soldaten sofort, „Xahebar und Catad haben sich selbst mal wieder… seht in die Ecke.“
Hauptmann Rodevat drehte sich verblüfft zur Seite. Sein Blick fiel auf die beiden Krieger, die erschöpft und ohnmächtig an der Seite lagen. Knurrend verdrehte er einen Augenblick später seine Augen.
„Na toll… sieht wohl so aus, als bekäme der König heute nur einen kurzen Kampf zu sehen. Lord, wo steckst du schon wieder?!“

Gared zuckte merklich zusammen, als der Hauptmann nach dem jungen Mann schrie. Das Echo hallte durch das Gemäuer des Kerkers, danach herrschte einen Augenblick absolute Stille. Plötzlich vernahm man Schritte. Schritte, die gemächlich aus der Dunkelheit zu kamen schienen. Mit einem süffisanten Grinsen im Gesicht trat der junge Mann mit ausgestreckten, verschränkten Armen in das wenige Licht vor die drei Wachen.
„Du hast Glück, du darfst heute da raus.“ knurrte der Hauptmann. Währenddessen reichte ihm Wache Jemet ein dickes Seil, womit er die Hände des jungen Mannes stramm fesselte.
„Sorge dafür, dass der König vielleicht ein paar Stunden Spaß hat, ja? Er wird sich schon wieder aufregen, wenn er dich sieht und du weißt ja…“ der Hauptmann boxte dem jungen Mann hart in die Seite, sodass sich dieser kurz zusammenkrümmte, „Aufregung ist nicht gut für einen König. Den anderen fesselt Ihr.“
„I… ich?“ stammelte Wache Jemet nervös, bevor er schließlich auf Gared zutrat, „Streck deine Hände vor, Neuling.“
Gared machte, was man von ihm verlangte. Derweil lag sein Blick auf dem jungen Mann, der sich wiederaufgerichtet hatte und so süffisant grinste wie zuvor.
„Vorwärts, na wird’s bald?!“

Wie Gefangene führte man Gared und den jungen Mann aus dem Verlies. Von dort aus ging es die Treppen hinauf, durch ein paar offene Zugtore, die sofort wieder geschlossen wurden als sie hindurch waren. Wache Jemet wurde plötzlich von zwei anderen Soldaten abgelöst, während er selbst schleunigst davoneilte. Irgendwann befanden sie sich vor einem Gitter, welches noch geschlossen war und hinaus in die Mitte der Arena führte.
„Du kennst das Spiel ja bereits, Lord.“ knurrte der Hauptmann, „Sobald das Tor hochgezogen ist, tretet ihr beide hinaus und präsentiert euch dem Volk und wenn der Gong ertönt, dann beginnt der Kampf. Und weißt du was?“
Der Hauptmann neigte sich nahe an das Ohr des jungen Mannes und säuselte: „Ich hoffe, dass der Koloss dich dieses Mal besiegt. Dem König würde es große Freude bereiten, dich endlich einmal blutend und winselnd am Boden zu sehen.“

Gared schluckte ängstlich, während sich die Wachen durch das hintere Tor zurückzogen. Nun waren sie alleine. Und er wagte es endlich wieder zu sprechen.
„Das wart Ihr, nicht wahr?“ flüsterte er mit flatternder Stimme, „Warum habt Ihr das den beiden angetan?“
„Weil du mit keinem von beiden auch nur die geringste Chance hättest.“
Der junge Mann würdigte ihn keines Blickes, während er mit ihm sprach. Er stand einfach da und blickte grinsend in die Arena. Gared seufzte leise und sah vor sich auf den Boden. Erst jetzt fiel ihm ein, dass man ihnen die Fesseln gar nicht mehr abgenommen hatte.
„Die Fesseln… die Wachen nehmen sie uns doch noch ab, oder…“
Der junge Mann lachte leise auf: „Die Menschen da draußen erfreuen sich daran, uns vollkommen wehrlos zu sehen. Die Fesseln erhöhen die Spannung.“
„Aber… aber…“
„Sieh einfach zu, dass du diese Dinger rasch wieder los wirst.“
„W… wie denn?“
Für einen winzigen Moment warf der junge Mann Gared einen flüchtigen Blick zu.
„Lass dir was einfallen.“

Plötzlich wurde das Tor hochgezogen. Das Jubeln begann. Gared schluckte abermals vor Angst. Am liebsten wäre er davongerannt, doch würde er das tun, so wartete der Folterkeller auf ihn. Also tat er das, was der andere auch machte, er trat hinaus in die Arena.
Als die jubelnde Menge den jungen Mann entdeckte schien es, als nahm die Lautstärke des Applauses noch einmal zu. Gared folgte ihm mit eher eingezogenem Kopf und einem unbehaglichen Gefühl im Bauch. Unsicher ließ er seinen Blick über die Ränge gleiten. Alle Schichten des gemeinen Pöbels waren unter den Zuschauern vertreten. Adlige, Bauern, Händler, selbst einige aus dem einfachen Fußvolk waren in die Arena gekommen.
„Ja! Der Lord besiegt sie alle!
„Zeig es ihnen, Gossenkönig!“
Von den Jubelschreien unbeeindruckt ließ der junge Mann seinen Blick durch die Ränge der Arena schweifen, ehe er zur Loge des Königs und dessen Familie hinaufsah.
„Verdammter Mist…“ knurrte er leise.
„Was habt Ihr?“ fragte Gared nervös und wartete auf eine Erklärung.
„Siehst du die Fackelhalter dort oben auf dem Vordach an der Loge des Königs?“
Gared nickte lediglich zustimmend.
„Jeder dieser leeren Halter steht für eine Runde des Kampfes.“
„Das sind ja dann…“
„Fünf.“ mit ernster Miene wandte sich der junge Mann an Gared, „Fünf Runden, fünf verschiedene Gegner und erst am Ende erwartet uns der Zyklop. Gegen was sie uns kämpfen lassen, weiß ich nicht.“
Gared schluckte ängstlich. Ein Kampf, okay. Das hätte er vielleicht irgendwie hinbekommen, auch wenn der andere nicht daran glaubte. Doch eine Runde zu überstehen war wesentlich einfacher als fünf.
Im nächsten Augenblick ertönte ein lauter Gong, gleichzeitig entzündete ein Soldat oben auf der Loge des Königs die erste Fackel. Der Kampf begann.

Der junge Mann richtete seinen Blick starr auf das Tor direkt gegenüber, welches soeben aufgezogen wurde. Heraus platzte eine kreischende Schar von einem halben Dutzend Wurzellinge, von denen manche mit Eisenschwertern und Schilder bewaffnet waren.
„Was… was sind das denn?!“ stotterte Gared ängstlich. Der junge Mann sah überrascht zu ihm und fragte mit runzelnder Stirn: „Sag bloß, du kennst keine Wurzellinge? Das sind lästige kleine Biester. Sie sind zu dumm um zu kämpfen und werden nicht besonders groß, wenn überhaupt reichen sie einem gerademal an die Hüften. Sie werden von den Soldaten in den Waldhöhlen des Königreichs Hijelarik gefangen.“
„Die sehen… gefährlich aus…“
„Gefährlich? Die Dinger? Die sind höchstens lästig, aber nicht gefährlich. Schau… schau einfach, dass du nicht auf den Boden stürzt und sie dich mit ihrer beliebten Stampfattacke bespringen.“
Nachdem er zu Ende gesprochen hatte, ging der junge Mann geschickt in die Knie und wartete den passenden Zeitpunkt ab.
Gared wiederum machte in Windeseile kehrt und rannte davon. Weg, nur weg von diesen dämlich brüllenden kleinen Ungeheuern. Doch genau damit zog er die Aufmerksamkeit der kleinen Monster erst recht auf sich. Drei Wurzellinge nahmen sofort dämlich quiekend seine Verfolgung auf.
In der Zwischenzeit starrte der junge Mann die drei restlichen kleinen Biester mit ernstem Blick an. Er ließ sie näher an sich herankommen. Noch lagen ungefähr zehn Fuß zwischen ihm und den Wurzellingen. Dann acht Fuß. Sechs Fuß. Und plötzlich ließ sich der junge Mann geschickt auf den Rücken fallen, während er mit einem gezielten Tritt zwei der kleinen Monster beinahe auf die andere Seite der Arena beförderte. Den dritten Wurzelling wehrte er mit seinen gefesselten Armen ab.
Währenddessen gab Gared sein Bestes, die drei Wurzellinge von sich abzuschütteln. Einer hatte sich ihm auf die Schultern gesetzt und klammerte sich mit den wulstigen Händen grob in sein schwarzes, langes Haar. Ein weiterer umklammerte sein Bein, während der dritte das Eisenschwert ungelenkig umherschwang.
Der junge Mann blickte für eine Sekunde hinüber zu Gared. Verdammt. Wieso waren ausgerechnet bei ihm die drei bewaffneten Wurzellinge? Genervt stöhnend wehrte er mit den gefesselten Armen wieder einen seiner kleinen Angreifer ab. Er musste wohl oder übel erst einmal seine drei Wurzellinge besiegen, ehe er Gared helfen und sich mit einem Eisenschwert die Fesseln durchtrennen konnte. Wie auf das Stichwort sprang Wurzelling Nummer zwei auf ihn zu. Wieder ließ er sich in Sekundenschnelle rücklings auf den Boden fallen. Doch dieses Mal stieß er das kleine Monster nicht von sich. Er klemmte es geschickte zwischen seinen Beinen ein und brach ihm einen Moment später das Genick. Einer tot, Rest fünf.

Gerade als sich der junge Mann aufrappeln wollte, ertönte abermals der Gong. Sofort fiel sein Blick auf die Fackelhalter an der Loge des Königs.
„Runde eins ist doch noch nicht vorbei…“ hauchte er ungläubig, als schon an der Seite gegenüber das Eisengitter erneut hochgezogen wurde. Noch während er gespannt abwartete, was die Wachen als nächstes in die Arena schickten, wehrte er erneut den Angriff eines Wurzellings ab, der durch den harten Schlag benommen auf den Boden fiel. Dann erblickte er, welche Kreatur als nächstes von den Soldaten in den Kampf gedrängt wurde. Genauer gesagt waren handelte es sich dabei um zwei Biester aus den nahegelegenen Sümpfen.
„Stachelschildkröten!“ brüllte er so laut er nur konnte und hoffte, dass Gared ihn hörte.
„Was?!“
Der junge Mann sah rasch zu ihm. Gared war noch immer mit den drei Wurzellingen beschäftigt.
„Pass auf, wenn sie auf die zurollen, hörst du?! Du musst ihnen unbedingt ausweichen!“
Noch schlenderten die zwei riesigen Schildkröten mit ihren stacheligen Panzern gemächlich in die Arena, was den Wachen wohl nicht ganz behagte. Der junge Mann sah, wie die Soldaten auf den Rängen ihre Bögen mit den Feuerpfeilen spannten und damit auf die Biester zielten. Ein Feuerpfeil tötete die Schildkröten nicht, jedoch schmerzten diese sehr und machten sie deshalb sehr wütend.
„Und schießen!“
Die Pfeile flogen. Die Pfeile trafen. Und ein grotesker Schmerzensschrei hallte durch die Arena. Augenblicklich kugelten sich die riesigen Schildkröten zusammen und rollten mit ihren spitzen Stacheln direkt auf den jungen Mann zu. Dabei töteten sie den am bodenliegenden Wurzelling, ohne ihr Tempo danach zu verlangsamen.
Der junge Mann machte kehrt und rannte davon. Wenn die Schildkröten so auf ihn zustürmten, konnte er sie nicht angreifen. Er hatte keine andere Möglichkeit, als zunächst einmal zu fliehen. Er musste warten bis die Tiere ausgerollt hatten und sich wieder in ihrer ganzen Pracht zeigten.

„Geh endlich runter von mir!“ rief Gared und wandte sich hin und her, ehe er den Wurzelling auf seinen Schultern endlich abschüttelte. Erst jetzt bemerkte er die anderen Kreaturen, die auf ihren stachligen Panzern dem jungen Mann nachjagten. Plötzlich drangen Geräusche an seine Ohren, die wie ein amüsiertes Lachen klangen. Überrascht blickte er vor sich auf den Boden. Die Wurzellinge hatten anscheinend das Interesse an ihm verloren und fanden es äußert lustig, sich gegenseitig mit den Schildern auf den Kopf zu hauen. Und genau da war seine Chance. Langsam, Schritt für Schritt wich er vor den kleinen Biestern zurück, ehe er sich an das andere Ende der Arena flüchtete. Dort blickte er erstaunt zu dem jungen Mann.
Der junge Mann nahm gerade Anlauf und sprang auf einen hölzernen Vorsprung, um den Stachelschildkörten auszuweichen. Noch bevor ihn die abwehrenden Lanzen der Wachen trafen, ließ er sich wieder fallen und landete geschickt auf den Beinen. Die rollenden Schildkröten waren direkt gegen die Mauer geprallt und torkelten vernebelt herum. Und das war die Gelegenheit.
Ohne mit der Wimper zu zucken schritt der junge Mann auf die Schildkröten zu. Als er sie erreicht hatte, durchtrennte er an den scharfen Stacheln den Strick um seine Hände. Sofort jubelten die Zuschauer. Wäre dies heute ein normaler Kampf, dann hätte er sich wie üblich dem Publikum zugewandt und hätte stolz seine befreiten Arme in die Luft gehoben, während die Zuschauer noch einmal mehr gejubelt hätten. Doch dieses Mal tat er es nicht. Mit ernster Miene wandte er sich den Stachelschildkörten zu und machte ihnen den Garaus.

Sofort ertönte der Gong abermals. Die dritte Fackel wurde entfacht. Ein wildes Knurren ertönte, gefolgt von einem Fauchen. Überrascht warf Gared einen Blick über seine Schulter zu dem Gitter, welches sich hinter ihm befand.
„Oh… Ihr seid aber ein schönes Kätzchen.“ stammelte er nervös, während er sich langsam umdrehte und Schritt für Schritt zurückwich. Noch nie zuvor in seinem ganzen Leben hatte er einen lebendigen Säbelzahntiger aus direkter Nähe gesehen. Noch bewunderte er das Tier. Erst als das Eisengitter hochgezogen wurde kapierte Gared, in welcher brenzligen Lage er sich plötzlich befand.
„Ach du Schreck… braves Kätzchen…“ murmelte er leise, ehe er umfuhr und davonrannte, „Hilfe!“
Der junge Mann, der sich gerade wiederaufrichtete, blickte alarmiert nach vorne zu Gared, der in panischer Angst vor der bestialischen Wildkatze davonlief. Ohne lange darüber nachzudenken sprintete er los. Auf halber Strecke blieb er stehen und nahm einen der toten Wurzellinge, welche er ohne Anstrengung dem Tiger zur Ablenkung entgegenwarf. Sofort machte sich dieser über das klobige Fleisch her. Zeit genug für den jungen Mann, sich mit Gared auf halber Strecke kurz zu treffen.
„Ich danke Euch, schon…“
„Spar dir deinen Dank.“ knurrte der junge Mann. Er packte Gared am Arm und eilte mit ihm schnellen Schrittes hinüber zu den drei noch verbliebenen Wurzellingen. Mit Leichtigkeit hob er eines der Eisenschwerter auf und richtete es gegen den Jüngling, der erschrocken einen Schritt zurück machte.
„Merke dir, wenn du Waffen hier drinnen findest, dann benutzte sie auch.“ erklärte ihm der junge Mann und befreite danach Gared von seinen Fesseln.
Das Fauchen des Tigers ertönte. Sofort fuhren die beiden Männer um. Die lachenden Wurzellinge hatten die Aufmerksamkeit des Säbelzahntigers auf sich gezogen, der knurrend auf die drei Biester zu rannte. Der junge Mann wich mit Gared zusammen zurück und beobachtete, wie der Tiger einen Wurzelling nach dem anderen tot biss.
„Ich schätze, wir sind dann wohl die nächsten auf der Speisekarte dieser Katze.“ stotterte Gared nervös.
„Sicherlich nicht.“ antwortete der junge Mann nur und ging mit dem Schwert bewaffnet auf den Tiger zu. Erschrocken beobachtete Gared, was dieser nun tat.
Der junge Mann lenkte die Aufmerksamkeit des Tigers direkt auf sich. Fauchend und knurrend rannte die große Wildkatze auf ihn zu. Er fixierte sie mit ernstem Blick. Dann, als der Tiger zum Sprung ansetzte, ließ sich der junge Mann auf die Knie fallen, zog den Kopf ein und streckte die Spitze des Schwertes hoch in die Luft. Keine Sekunde später spießte er damit das Haupt des Säbelzahntigers auf. Gekonnt zog er das blutige Schwert wieder auf dem Tier und trat damit zurück zu Gared.

Jubel brach abermals unter den Zuschauern aus. Großer Jubel. Hier und da regnete es Blumen, andere warfen Münzen in die Arena.
„Gold!“ entwich es Gared erstaunt. Er wollte schon danach greifen und einige Münzen aufsammeln, als der junge Mann ihn sofort an sich zog.
„Sammele niemals die Münzen auf, die hier unten landen. Sie gehören dem König.“
„A… aber… es ist Gold. Wollt Ihr es denn nicht nehmen?“
„In der Gosse ist Gold nichts wert.“ antwortete der junge Mann ernst und richtete dann seinen Blick zur Loge des Königs.
„Ist es vorbei?“ fragte Gared erfreut.
„Nein.“ antwortete er und holte dabei einige Mal tief Luft, „Noch eine Runde und dann… dann lassen sie den Koloss auf uns los.“
„Was kommt wohl als nächstes?“
Der junge Mann schüttelte seinen Kopf. Noch hatte er selbst keine Ahnung, was sie nun erwartete. Er beobachtete, wie die vierte Fackel entzündet und das Gitter auf der anderen Seite hochgezogen wurde. Dann vernahm er ein leises, aber doch sehr bekannten Brummen.
„Wow…“ entwich es ihm überrascht, „Ich dachte… sie hätten keinen mehr.“
„Was?“
„Sieh doch, das ist ein schwarzer Moorbär.“
„Ein… schwarzer Moorbär?“
Der junge Mann nickte zustimmend: „Ich weiß nicht, in welchem Moor sie ihn fangen. Man erzählt sich, es gäbe diese Kreaturen nur weit im Königreich Tugofia.“
„Tugofia… das Königreich des Großkönigs Yerode, da wagt sich heutztage doch kaum noch einer hin.“
„Eben darum erstaunt es mich ja auch so sehr, dass sie noch einen auf uns loslassen.“ antwortete der junge Mann und sah Gared dann eindringlich an, „Geh, errege keine Aufmerksamkeit und bleib soweit weg von ihm und mir, wie du nur kannst. Verglichen mit dem Säbelzahntiger ist der Moorbär ein weitaus gefährlicher Gegner. Ein einziger Hieb seiner Pranken reicht aus, um dir damit das gesamte Fleisch der Brust aufzureißen.“
Gared blickte den jungen Kriegen geschockt an, während er zustimmend nickte. Doch dann runzelte er verdutzt die Stirn: „Noch wirkt er sehr friedlich.“
„Das ändert sich, sobald die Bogenschützen auf ihn schießen. Sie wissen, wie sie die Kreaturen uns gegenüber scharf machen, sodass sie sich gegen uns richten. Und jetzt tu verdammt nochmal was ich dir sage und geh endlich!“

Die Bogenschützen schossen ihre Pfeile ab. Zwei Stück davon trafen den Moorbären, dieser bäumte sich vor Schmerzen brüllend auf. Und direkt in seinem Blick war der junge Mann. Dieser stand in Kampfstellung in der Mitte der Arena und bereitete sich auf den Angriff des Bären vor. Schnaubend ließ sich der Bär wieder auf die Tatzen fallen und rannte mit beachtlichem Tempo auf den jungen Mann zu. Dieser zögerte und überlegte, ob er tatsächlich schon angreifen und den Bären mit dem Schwert bedrohen oder zunächst ein bisschen Katz und Maus mit ihm spielen sollte. Außerdem war da ja noch Gared, den er zunächst in Sicherheit wissen musste. Rasch warf er deshalb einen Blick über seine Schulter. Gared versuchte Schutz zwischen den toten Stachelschildkröten zu suchen. Erleichtert blickte der junge Mann wieder nach vorn und bereute im selben Moment, dass er sich um das Wohl eines anderen gekümmert hatte.
Der harte Prankenhieb des Bärs traf ihn schmerzhaft an der Schulter und schleuderte ihn quer durch die Arena.
„Verdammt…“ knurrte der junge Mann, während er sich wiederaufrichtete und seine Hand kurz auf die blutende Schulter legte. Die Verletzung kümmerte ihn jedoch wenig, vielmehr bereute er den Verlust des Schwertes, welches er eben bei dem Sturz verloren hatte. Und gerade gegen einen Bären, noch dazu gegen einen schwarzen Moorbären, benötigte er diese Waffe mehr denn je. Ohne etwas konnte er erstmal nichts ausrichten. Das einzige was ihm nun übrig blieb, war ausweichen und das immer und immer wieder.
Ein schwarzer Moorbär war ein beachtliches Biest, welches man keinesfalls unterschätzen durfte, auch wenn sie einem noch so ruhig begegneten. Er war flinker, gelenkiger und gewalttätiger als alle anderen Bären, die es auf der Welt gab. Trotz seines Gewichts war er keineswegs so plump wie die Wurzellinge und er hatte mehr Verstand, als man es überhaupt einem Tier zutraute. Er wusste sein Opfer einzukesseln und die Falle zu locken, um es dann ganz in Ruhe töten zu können. Wahrscheinlich waren es genau diese Fähigkeiten, die ein schwarzer Moorbär in den Mooren von Tugofia zum Überleben brauchte. Und genau diese Fähigkeiten des Tieres nutzten die Menschen in den Kampfarenen für die Belustigung des Königs und dessen Volk.
Der Moorbär fixierte den jungen Mann mit seinem Blick, der vorsichtig, Schritt für Schritt zurückwich. Hastige Bewegungen würden das Tier nur noch mehr reizen.

Oben auf den Rängen unterhielten sich die Zuschauer über das spannende Geschehen.
„Er hat keine Chance gegen ihn!“
„Den letzten Kampf gegen einen Moorbär hat der Lord auch nur mit schwersten Verletzungen überstanden.“
„Das wird heute vielleicht doch sein letzter Kampf sein…“
„Töte den Bären! Töte ihn!“
Angewidert verzog der junge Mann sein Gesicht. Wie konnte man sich nur so an dem Tod von anderen oder von irgendwelchen Geschöpfen erfreuen? Er selbst tötete nicht aus Spaß, sondern weil es tun musste um irgendwie zu überleben. Doch wofür eigentlich? Genau diese Frage stellte er sich jedes Mal auf das Neue. Er war doch nichts mehr als eine Marionette des Königs Rinacec, der Tag für Tag zum Vergnügen des Volks in die Arena geschickt wurde, um sich dort den grausamsten Kreaturen und schlimmsten Verbrechern zu stellen. Der gemeine Pöbel erfreute sich daran zu sehen, wie er grausame Mörder und brutale Schänder Tag für Tag in den Kämpfen bezwang. Sie setzten auf ihn Unmengen von Gold. Gold, welches direkt in die Schatzkammer des Königs ging. Er selbst hatte davon nichts, außer ein Dach über dem Kopf und ein bisschen Essen. Wie oft dachte er daran, einfach mitten im Kampf die Augen zu schließen und sich besiegen zu lassen. Den nur mit dem Tod würde sein Dasein als Sklave des Königs enden. Doch jedes Mal öffnete er seine Augen wieder, um sich dem Biest gegenüber zu stellen. So ging es Tag für Tag, seit vielen Sommern schon. Und so würde es auch heute wieder laufen, auch wenn der Moorbär ein ziemlich herausfordernder Gegner war, schlimmer noch als der Koloss es je sein würde.

Ein weiterer Pfeil traf den Bären. Dieser bäumte sich wieder brüllend auf und rannte wutentbrannt los. Der junge Mann sah sich um. Seine einzige Rettung war ein gewagter Sprung auf das Vordach der Königsloge, dorthin wo der Halter mit den inzwischen vier Fackeln stand. Die Lanzenhiebe, die ihn dort erwarteten waren allemal besser und sanfter als die Prankenhiebe des Bären. Im geeigneten Moment setzte er zum Sprung an und landete auf den wackelnden Holzlatten vor dem König und seiner Familie. Erschrocken starrten die Menschen ihn an. So etwas hatten sie wohl nicht von ihm erwartet. Lediglich der König selbst sah gelangweilt zur Seite und winkte seine Diener herbei.
„Hinfort mit ihm.“ sagte König Rinacec vornehm wie eh und je, „Reicht ihm der Boden der Arena denn nicht mehr aus?“
Der junge Mann warf dem König einen verachtenden Blick zu, als schon im nächsten Moment eine Wache mit einer spitzen Lanze angelaufen kam. Gekonnt ließ sich der junge Mann wieder fallen und landete in der Arena direkt hinter dem wütenden Bären. Doch anstatt das Biest im Auge zu behalten, fiel sein Blick ungläubig zu einem der Bogenschützen auf den Rängen, der erneut die Waffe spannte.
„Wieso denn das?“ fragte sich der junge Mann und verfolgte mit verständnisloser Miene, wie der Soldat mit fiesem Grinsen im Gesicht den Pfeil abschoss, direkt in die Schulter des Moorbären.
„Das ist gar nicht gut…“
Sofort fuhr der Bär um und bäumte sich abermals brüllend auf. Der junge Mann wich zurück, ohne ihn dabei aus den Augen zu lassen. Der Moorbär war nun nicht mehr nur angriffslustig, er war gänzlich außer Kontrolle. Nichts würde das Geschöpf jetzt noch in seiner Zerstörungswut aufhalten. Kein Pfeile, keine Schwerter, ja nicht einmal mit Feuer hatte man mehr die Chance das Tier noch zu bändigen. Einzig alleine der Tod würde die Kreaturen wieder beruhigen. Leider für immer.
Vollkommen wild schlug der Bär mit seinen Pranken um sich. Links. Rechts. Links. Rechts. Dabei näherte er sich dem jungen Mann immer mehr. Um nicht getroffen zu werden flüchtete er hinter die Balken, die das Vordach der Königsloge mit dem Fackelhalter trug. Die Tatze des Tieres teilte das Holz mit nur einem Schlag mühelos in zwei Hälften. So schnell er nur konnte kam der junge Mann darunter hervor, als der Bär schon auf ihn zu rannte. Wieder würde ihn nur ein Sprung auf das Vordach retten. Gekonnt sprang er in die Luft und zog sich an dem morschen Holz hoch. Dass der Moorbär sich allerdings aufrichtete und selbst darauf sprang, damit hatte er nicht gerechnet.

Panik brach in der Loge des Königs aus. Panik, die den Moorbären nur noch wilder machten. Der junge Mann wich zurück, während der Bär den ersten Pfeiler der Überdachung der Königsloge zusammenschlug. Das morsche Holz darüber schien, als würde es jeden Moment zusammenbrechen.
„Mein Sohn! Mein Junge ist dort, mein armer Junge!“
Der junge Mann sah sich alarmiert um. Auf der Seite rechts von ihm hielt gerade eine Wache eine Adlige aus dem Hofstaat des Königs zurück, die flehend ihre Arme ausstreckte. Rasch fiel sein Blick zur anderen Seite. Tatsächlich. Wenige Fuß entfernt wich ein kleiner Junge vor dem wütenden Bären zurück, der es nun offenbar auf ihn abgesehen hatte. Ohne lange darüber nachzudenken rannte der junge Mann los. Noch bevor der Moorbär seine Pranke auf den kleinen Jungen sausen lassen konnte, schnappte er sich diesen und sprang mit ihm in den Armen zurück auf den Boden in die Arena.
„Er hat den Jungen!“ hörte er die Soldaten brüllen, noch bevor er auf dem sandigen Boden aufgesetzt war, „Entreißt ihm den Jungen!“
Die Schreie der Wachen waren unwichtig. Besorgt sah der junge Mann den Knaben an, der sich zitternd an ihm festhielt. Zaghaft erwiderte der Kleine den Blick und öffnete erstaunt den Mund.
„Lord… Ihr habt mich gerettet…“ piepste der Junge leise, „Ich wusste schon immer, dass Ihr ein wahrer Held seid.“
Ohne etwas darauf zu erwidern sagte der junge Mann bloß: „Halt dich an mir fest. Ich bringe dich zurück zu deiner Mutter.“
Gesagt, getan. Der Junge klammerte sich an seinen Hals, während er abermals auf die Loge des Königs sprang. Dort entrissen ihm sofort die Wachen den kleinen Jungen und brachten diesen wohlbehalten zurück zu seiner Mutter.
„Ich will auch mal so ein tapferer Krieger werden wie Ihr, Lord!“
Erschrocken starrte der junge Mann den Buben an. War er das wirklich, ein Vorbild für so kleine Knaben? Nein, das wollte er nicht sein. Ein Sklave konnte niemals Vorbild für keine Jungen sein, auch wenn diese noch so mutig waren.
Plötzlich, ganz unvermittelt traf ihn ein harter, schmerzhafter Schlag an der Schulter. Erschrocken wurde sich der junge Mann bewusst, dass er den Moorbären ja völlig außer Acht gelassen hatte. Und genau für diese Unachtsamkeit bezahlte er nun. Der Schlag brachte ihn ins Taumeln. Strauchelnd machte er einige Schritte zur Seite, übersah den Rand des Vordachs und flog hinab, zurück auf den sandigen Boden der Arena. Er landete hart auf dem Rücken. Sofort zog ihm der Schmerz durch jede Faser seines Körpers. Noch während er nach Luft rang nahm er wahr, wie der Bär ebenfalls in der Arena landete.

Stille breitete sich in den Rängen der Zuschauer aus. Angespannte Stille. Mit neugierigen Blicken verfolgte der gemeine Pöbel die Szenerie, die sich unten in der Arena abspielte.
Mit schmerzgequältem Stöhnen versuchte sich der junge Mann aufzurichten. Auch der Moorbär stellte sich wieder auf die Hinterbeine und wankte knurrend auf ihn zu. Schweratmend hielt er inne. Mehr als in die Hocke schaffte er es nicht. Er wusste genau, der nächste Fluchtversuch würde ihm nicht gelingen. Dazu war er zu sehr außer Atem. Er konnte nur noch versuchen, dem Hieb des Bären auszuweichen. Und das tat er auch.
Der Moorbär holte mit Links zum Schlag aus. Der junge Mann wollte zur anderen Seite ausweichen, doch der Bär war schlauer. Dieser täuschte den ersten Angriff mit Links nur an und ließ dann seine rechte Pranke auf ihn herabsausen, während er ungeahnt genau in diesen Schlag hineinrollte. Noch bevor die Wucht des Hiebes ihn quer durch die Arena schleuderten, spürte er, wie sich die Klauen des Tieres tief in seine Seite bohrten. Benommen blieb er einige Fuß von dem Bären entfernt liegen.
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