Der König der Verlorenen

GeschichteFantasy, Freundschaft / P16
Chris "The Lord" Harms Class Grenayde Gared Dirge Niklas 'Nik' Kahl Pi Stoffers
04.06.2020
30.08.2020
9
24.085
5
Alle Kapitel
25 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
10.06.2020 1.402
 
Kapitel 1
Verloren



Feuer. Lodernde Flammen überall, die alles verschlangen. Geschockt starrte der kleine Junge auf das, was noch bis vor kurzem sein Zuhause gewesen war. Er wusste, alles was von den Hütten des Dorfes übrigbleiben würde, waren die wenigen Mauern aus Stein. Diese würde das Feuer verschonen und als Ruinen auf den Feldern als Mahnmal an die Erinnerung des Überfalls zurücklassen. Doch alles andere, alles was er geliebt hatte, war ihm genommen worden.

Der Junge hatte bereits gewusst, dass etwas nicht stimmte, als er die wenigen Schafe von der sattgrünen Weide nach Hause in Richtung Gatter getrieben hatte. Noch bevor er mit den Tieren im Dorf ankam, war ihm die Älteste mit dem wunderschönen langen silbernen Haar entgegengerannt gekommen. Sie hatte ihn abgefangen, ihn an den Schultern gepackt. Die Angst stand ihr direkt ins Gesicht geschrieben. Eindringlich hatte sie ihm gesagt, dass er gehen sollte. Er sollte umkehren und dorthin zurückgehen, wo er gerade hergekommen war. Er sollte sich verstecken, so gut er es nur konnte. Und plötzlich hatte ein Pfeil ihre Brust durchbohrt. Geschockt hatte er die Spitze des Pfeils betrachtet. Ein so schwarzer Stahl und ein so dunkles Holz hatte er noch nie zuvor in seinem Leben gesehen. Dann waren Geräusche an sein Ohr gedrungen. Diese grotesken Klänge ängstigten ihn und er wusste augenblicklich, dass er nur noch das tun konnte, was die Älteste ihm gesagt hatte. Umkehren. Rennen. Sich verstecken.

Ohne dabei auf die Schafe zu achten war der Junge umgekehrt, war losgerannt, zurück in Richtung sattgrüne Weide. Das einzig mögliche Versteck dort war der große Haufen mit frischgemähtem Heu. Dort hineingekrochen verharrte er lange, bis die grotesken Töne verklungen waren. Doch die Ruhe währte nur kurz. Aus Erzählungen seines Vaters und den älteren Männern im Dorf wusste er, dass jeder Überfall auf ein Dorf weitere Banditen anzog. Und genauso war es auch. Er hörte höhnisches Gelächter der Räuber aus dem nahegelegenen Wald, die auf dem Weg in sein Dorf waren und nur auf diese Gelegenheit gewartet hatten.
Hastig hatte der Junge sein Versteck verlassen und eilte zurück, vorbei an der toten Ältesten, hin zu seinem Dorf. Er kauerte sich unter einen alten Pferdewagen und sah mit an, wie die räuberischen Männer eine Hütte nach der anderen durchsuchten, sie plünderten und in Brand steckten. Panisch sah sich der Junge um. Wo waren all die Leute hin? Wo war der Farmer, um sich Hab und Gut zu verteidigen? Wo der Alchemist, der die Eindringlinge mit einem Gift hätte betäuben können? Wo war die nette Gänsemagd, dessen Sohn Thilo in seinem Alter und ihm ein guter Freund war? Wo waren die Wachleute, die sonst immer ihre Runden durch das Dorf liefen? Wieso war niemand da, um den Ort zu verteidigen?

„Na sieh mal einer an was wir hier haben? Ein kleiner Knabe, so zart und zierlich.“
Erschrocken hatte sich der Junge umgewandt und sah direkt in das narbige Gesicht einer der Banditenmarodeure. Sofort war er wieder losgerannt, hatte versucht zu entkommen. Sein Weg hatte ihn quer durch das brennende Dorf geführt, über den großen Platz, vorbei an dem Brunnen, hin zu seinem Haus. Noch bevor er es erreicht hatte, war er wie erstarrt stehen geblieben. Dort lagen sie, die Einwohner des Dorfes, direkt auf dem Platz vor seiner Hütte, in welcher er mit seinen Eltern gewohnt hatte. Blutüberströmt. Geschändet. Leblos. Tot.
„Verdammter Bursche! Ich finde dich schon noch!“
Panisch hatte sich der Junge umgesehen. Noch war der Räuber ihm nicht nachgekommen. Wie gut, dass er sich einfach besser im gesamten Dorf auskannte als diese Plünderer. Alles was er nun benötigte, war ein Versteck, ein gutes noch dazu. Ohne lange darüber nachzudenken war er auf den Haufen voller Leichen zu gerannt und hatte die leblosen Körper mühevoll mit seinen zittrigen Armen zur Seite geschoben. So, dass er sich direkt zwischen ihnen hatte verstecken können.
Aus lauter Angst doch noch entdeckt zu werden hatte der kleine Junge seine Augen geschlossen, hatte versucht so ruhig zu atmen wie er nur konnte. Das Schimpfen des Räubers war an seine Ohren gedrungen. Dieser gab die Suche nach ihm auf und steckte lachend mit seinen Kumpanen die restlichen Hütten des Dorfes in Brand. Danach zogen die bösen Männer ab.

Irgendwann, als der Junge nur noch das Knistern der lodernden Flamme vernahm, kroch er aus seinem Versteck, welches ihm das Leben gerettet hatte. Mit dem Blut der Toten verschmiert sah er sich mit ängstlichen, traurigen Augen um.
Feuer. Lodernde Flammen überall, die alles verschlangen. Geschockt starrte der kleine Junge auf das, was noch bis vor kurzem sein Zuhause gewesen war. Er wusste, alles was von den Hütten des Dorfes übrigbleiben würde, waren die wenigen Mauern aus Stein. Diese würde das Feuer verschonen und als Ruinen auf den Feldern als Mahnmal an die Erinnerung des Überfalls zurücklassen. Doch alles andere, alles was er geliebt hatte, war ihm genommen worden. Seine Mutter, eine der Toten. Sein Vater, einer der Toten. Sie alle waren tot. Und er war alleine.
Eine Träne rannte ihm über die Wange, gefolgt von der zweiten. Hastig griff er sich an die Brust und hielt sich an dem fest, was sich unter seinem beigen Leinenhemd befand. Etwas, dass er seit er denken konnte an einem Lederband um seinen Hals trug. Etwas, was ihn fortan an sie erinnern würde, an sie, seine toten Eltern. Mit zitternden Händen griff er das feine Amulett und sah es an. Es war alles, was er jetzt noch hatte. Weinend versteckte er es wieder sorgfältig unter seiner Kleidung, während er sich von seinem brennenden Haus abwandte. Fort, er musste fort.

Wie lange er lief, wusste der kleine Junge nicht. Tagelang war er unterwegs gewesen, bis er schließlich für jeden weiteren Schritt zu schwach war. Er brach zusammen, blickte mit leeren Augen auf das Gras, welches sich sanft im Wind wiegte, ehe seine Lider zu flattern begannen. Der ewige Schlaf schien ihn zu sich zu holen. Hin zu seinen Eltern. Seinen sechsten Sommer würde er wohl nicht mehr erleben. Und nach allem was geschehen war, war ihm das auch nicht mehr wichtig. Er wollte nicht mehr.
Plötzlich spürte der Junge etwas. Eine Berührung, so sanft wie die seiner Mutter vor dem zu Bettgehen oder wenn er traurig gewesen war. Jemand streichelte ihm den Rücken.
„Steh auf, mein kleiner Freund.“
Die Stimme. Sie hörte sich liebevoll und warm an. Und sie gehörte einer Frau.
„Wozu?“ piepste der Junge leise mit letzter Kraft, ohne dabei aufzuschauen, „Es lohnt sich nicht mehr…“
Jemand drehte ihn um auf den Rücken. Nun blinzelte er zum ersten Mal. Das was er sofort erkannte waren wunderschöne lange silberne Haare. Die Älteste, war sie es? Aber, sie war doch tot. Sie konnte es also nicht sein. Wieder verschwamm ihm der Blick. Sterne, wie die der Nacht tanzten vor seinem Auge, während der Schlaf ihn wieder überrollte.
„Du armer Junge hast alles verloren. Deine Mutter, dein Vater, deine Heimat. Doch es lohnt sich immer aufzustehen, gerade für die Verlorenen, hörst du?“
Die Stimme. Diese liebevolle, warme Stimme hatte noch einmal zu ihm gesprochen. Doch dann breitete sich Stille um ihn herum aus.

„Seht doch, so seht doch! Dort liegt ein Knabe!“
Es schien, als wären irgendwo weit weg Stimmen. Freundliche Stimmen. Doch war er nicht längst tot, dachte sich der kleine Junge. Plötzlich war es, als hoben zwei starke Arme ihn hoch.
„Er sieht schwach aus, aber er lebt. Scheint ein Knabe vom Land zu sein.“
„Lasst ihn uns mitnehmen. Wir können ihn nicht hier liegen lassen.“
„Wir sind nicht mehr die jüngsten und haben selbst nicht genug für…“
„Das wenige was wir haben, wollen wir fortan mit ihm teilen.“
Es kamen keine Widerworte mehr. Der Junge spürte, wie er davongetragen und behutsam in andere Arme gelegt wurde. Arme, die sich schützend um ihn legten.





~~~

Hallo ihr Lieben! :)

Da startet sie also, die Geschichte um den König der Verlorenen.
Ich hoffe, Eure Freude darüber ist ebenso groß wie die meine. :D

Ihr fragt Euch, wann das nächste Kapitel kommt?
Hmm... stellt Euch mal auf kommenden Sonntag ein. Falls es früher wird, für Euch umso besser. :)

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und Mitfiebern! :D


Greets

Alea


~*~*~ Teaser ~*~*~

Mit dem üblichen Rattern erreichte die Hamburger Hochbahn U1 die Endstation in Ohlstedt. Auffordernd und mit einem deutlichen Überschuss guter Laune klatschte Klaas Helmecke in die Hände, ehe er seinen schweren, vollgepackten Outdoorrucksack auf die Schultern nahm.

-> Zu lesen ab Montag, 15. Juni 2020 <-
Review schreiben