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Beurteile ein Buch nicht nach seinem Einband

GeschichteAllgemein / P16 / FemSlash
1.FFC Frankfurt 1.FFC Turbine Potsdam Die deutsche Nationalmannschaft FC Bayern München OC (Own Character) VFL Wolfsburg
04.06.2020
19.03.2021
10
22.896
12
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04.06.2020 1.347
 
(POV Kira)

Mein Wecker klingelte. Höchste Zeit, mich fertig zu machen. Heute sollte die Vorbereitung in meinem neuen Verein starten und da ich nichts dem Zufall überlassen wollte, hatte ich meinen Wecker eine Stunde früher gestellt, als üblich nötig. Meine Tasche hatte ich schon am Abend zuvor bereitgestellt, um nur noch die Ausrüstung und Klamotten rein schmeißen zu müssen. Ich stand vom Küchentisch auf und lief in meine Schlafzimmer. Dort zog ich aus meinem Kleiderschrank die grüne Uniform heraus, die man mir hatte zukommen lassen. Auf dem linken Brustbereich des Shirts war die Nummer „93“ gedruckt. Ich war schon ein bisschen stolz, dass mich der Verein meine alte Nummer behalten ließ. Der Trainer hatte es mir mitgeteilt, bevor ich dem VFL zugesagt hatte. Es war nicht der ausschlaggebende Punkt, der mich den Vertrag unterschreiben ließ, war aber eindeutig ein sehr nettes und willkommenes Extra. Auch wenn ich es nicht mochte aufzufallen, so hatte ich bisher immer eine extravagante Nummer getragen und so schon ein bisschen Aufmerksamkeit auf mich gelenkt. Ich nahm beides in meine Hand und legte es einigermaßen geordnet in meine Trainingstasche. Ich bückte mich um in das untere Fach zu greifen, und beförderte meine Fußballschuhe ans Licht, sowie einen Moment später meine Schienbeinschoner.
Als ich sie herauszog, blieben sie an etwas hängen - meine Prothese... ich hatte sie nie wirklich getragen und überlegte im ersten Moment ernsthaft ob ich sie anlegen sollte, um die anderen Mädels nicht zu erschrecken, entschied mich dann aber doch dagegen, da ich sie sowieso nicht während dem Training tragen konnte. Die Trainer sowie meine neue Physiotherapeutin hatten mich wissen lassen, dass die anderen Spielerinnen sehr freundlich und offen waren. Nach deren Ansicht sollte ich mir deshalb über mein Handicap nicht zu große Gedanken machen. Ich blickte in den Spiegel und betrachtete meinen linken Arm, beziehungsweise das, was von ihm übrig war. Vor ein paar Jahren musste er mir kurz über dem Ellenbogen amputiert werden, als Folge eines Unfalles. Mittlerweile kam ich mit diesem Handicap relativ gut zurecht. Ich schob  die Prothese mit meinem Fuß zurück in das Fach um den Schrank zu schließen.
Neben mir bellte es plötzlich. „Na, mein Großer, bereit für eine neue Aufgabe? Wo ist dein Geschirr?“ Mozart, mein Berner Sennenhund, blickte mich mit seinen runden Augen an, ehe er sich umdrehte und in den Gang verschwand. Er war mein Begleithund, der mir schon seit 2 Jahren zur Seite stand und mir bei alltäglichen Dingen half. Ich schulterte meine Tasche und lief ihm hinterher. Der Trainerstab hatte sich bei den Verantwortlichen des Stadions dafür eingesetzt, dass Mozart mich begleiten durfte, solange er brav war und kein Unfug anstellen würde. Das war eine unglaubliche Geste meiner neuen Trainer und dabei kannten sie mich noch nicht richtig...
Mo saß vor der Garderobe und hatte das Geschirr vor sich liegen. Ich hob es an und er schlüpfte ohne Probleme mit dem Kopf hindurch, sodass ich es nur noch etwas festzurren musste. „Mo, bist du bereit? Wir beide müssen heute einen guten Eindruck machen.“ Er wedelte mit seinem Schwanz und ich kraulte ihm noch einmal über den Kopf. Ich schulterte meine Tasche und Mos Leine um die Haustür zu öffnen. Draußen strahlte die Sonne und in unserem wild gewachsenen Garten brummte und summte es. Somit liefen wir dann zum Stadion.
Ich wohnte nur etwa zwanzig Minuten zu Fuß entfernt und war dann auch schneller am Tor angekommen als erwartet. Als ich über den Parkplatz lief sah ich auch schon zwei bekannte Gesichter vor dem Eingang.
„Hallo Fee, hallo Ralf!“, grüßte ich die Physiotherapeutin und meinen neuen Trainer. „Hallo Kira, alles klar? Du bist ja sehr früh dran.“ „Ja, alles klar!“
„Oh ist der süß“, kam Fees Kommentar. „Darf ich ihn streicheln?“  
Ich musste kurz überlegen. „Also im Moment ist er noch im Dienst sozusagen, aber wenn ich mich umgezogen habe und zu dir komme auf alle Fälle!“
„Ah, gut zu wissen! Dann begleit ich dich runter in die Kabine und Ralf geht aufs Feld das Training vorbereiten, oder?“
„Ja, so hatte ich mir das gedacht, also bis gleich.“
Fee führte mich durchs Stadion zu den Kabinen. „Du bist echt früh, die nächsten werden wahrscheinlich erst in 20 Minuten aufschlagen. Naja, dann kannst du dich in Ruhe umziehen. Du hast hier einen Spind, aber deine Nummer ist noch nicht drauf. Soweit ich weiß ist er  zwischen den Spinds von Svenja und Felicitas. Das müssten Nummer 10 und 13 sein. Wenn du Hilfe brauchst, der Physio Raum ist gegenüber.“
Ich lächelte die Blondine an und antwortete: „Dafür ist dann eigentlich Mo zuständig, aber ich werde darauf zurückkommen.“ Ich ging in die Kabine und fand meinen Spint schnell. Auf Kommando legte Mo sich hin, während ich meine Tasche ausräumte und mich anzog. Als das Unterziehshirt hängen blieb und nicht so wollte wie ich, kam Mo zum Einsatz. „Mo, hier. Mein T-Shirt.“ Ich ging in die Knie und er zog vorsichtig mit seinem Mund das Shirt runter. „Braver Junge!“ Dafür bekam er ein Leckerli, dass ich aus meiner Tasche zog. Als ich aufstand bemerkte ich, dass das Unterziehshirt etwas zu lang war und beschloss zu Fee rüber zugehen. Ich schlüpfte in meine Fußballschuhe, die schon vorgebunden waren und lief mit Mo raus und zu der Tür, hinter der sich Fee befand. Ich klopfte und öffnete die Tür, als sie mich herein bat. „Ähm Fee, kannst du mir bitte einen Knoten in das Unterziehshirt machen, damit das nicht so durch den Wind flackert während dem Training?“
„Gar kein Problem. Wo soll der Knoten denn sein?“
„So nah wie möglich an meinem Arm. Es soll relativ eng anliegen. Verstehst du?“
„Ich probiere es mal.“ Binnen zwei Sekunden hatte sie das Shirt verknotet und blickte mich an. „Hast du ein Problem, wenn ich das Shirt nochmal so überstülpe? Dann sitzt das, glaube ich, nochmal besser.“
„Ja, gerne.“ Ich lächelte sie an. Sie zögerte einen Moment, aber tat es dann ohne weitere Verzögerung.
„Danke! Und du kannst meinen Arm anfassen. Es tut nicht weh oder so. Es ist normal.“
„Ich war mir gerade etwas unsicher, wie du darauf reagieren würdest. Ich wollte keine Grenze überschreiten und habe deswegen erst einmal deine Reaktion abgewartet.“
„Oh, das verstehe ich. Danke dafür!“
Dann fragte unsere Physiotherapeutin mich: „Soll ich dich raus ins Stadion führen?“
Mir fiel auf, dass ich schon wieder nicht richtig wusste wohin ich gehen musste.
„Ja, das wäre nett. Aber es ist doch bestimmt ausgeschildert.“
„Ach, passt schon. Ich habe ja im Moment nichts zu tun.“
„Na dann. Mozart, auf.“
Fee lachte. „Mozart? Wirklich?“
„Ja, toller Name, oder? Meistens rufe ich ihn Mo, aber wenn er so wie gerade beinahe im Halbschlaf ist, dann benutz ich gerne seinen ganzen Namen!“ Ich grinste.
„Na dann!“ Die Physiotherapeutin lief vor mir hinweg und ich folgte ihr.
Einen Moment später stand ich auch schon auf dem Rasen.
„Na, Kira! Wie findest du dein zukünftiges Heimstadion?“ rief mir Ralf entgegen. Ich blickte mich um und konnte mir direkt vorstellen hier zu trainieren und zu spielen! „Wow, ich weiß gar nicht… wow.“
„Das hört sich schon mal gut an. Wir dachten, dein Begleiter kann während dem Training hier neben der Bank bleiben. Da ist er im Schatten und noch auf einem Stück Rasen.”
„Ja, das ist perfekt. Mo, Platz!“ Dann zog ich ihm sein Geschirr aus und hing es über eine Bande.
„Jetzt kannst du ihn streicheln, Fee!“ Kaum hatte ich meinen Satz beendet, wurde Mo ganz fest geknuddelt.  
„Bist du süß“, schwärmte die Frau. „Da hat sie ja nicht Unrecht“, kommentierte nun auch Ralf und kraulte Mo hinter seinen Ohren.  
„Naja, ich bau mal fertig auf. Dann können wir auch pünktlich starten.“ Ich blickte auf meine Uhr und mein Herz begann wieder schneller zu klopfen. In 15 Minuten würde das Training beginnen. Dann konnte es auch nicht mehr lange dauern, bis die anderen Spielerinnen kamen. Und tatsächlich hörte ich im nächsten Moment mehrere Stimmen und das Klackern von Stollen aus dem Tunnel. Ich atmete noch einmal tief ein und versuchte meine Nerven nicht zu verlieren. Dann sah ich die ersten Spielerinnen der Wölfinnen auf mich zukommen.
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