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Das Turnier

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAllgemein / P6 / Gen
03.06.2020
03.06.2020
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846
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Der König des Landes Burgadenien wollte eines Tages ein Fest veranstalten.
„Es wird ein Fest zum Hochzeitstag von deiner Mutter und mir.“, sagte er zu seiner Tochter und bat sie, es ihrer Mutter nicht zu erzählen. Sie versprach es.
In den nächsten Tagen war der König vollauf mit den Vorbereitungen des Festes beschäftigt. Seine Tochter, Burgunda, half ihm, wo sie nur konnte. Eine Woche vor dem Fest hatte Burgunda Geburtstag. Sie wurde 18 Jahre alt. Es war ein wunderschönes Fest und Burgunda war überglücklich. Doch am Abend, als die Prinzessin zu Bett gehen wollte, kam der König noch mal zu ihr.
„Burgunda“, sagte er, „du bist jetzt 18 Jahre alt. Meinst du nicht, dass du so langsam heiraten solltest?“
„Nein!“,, erwiderte Burgunda heftig. Sie liebte ihren Vater, aber sie wollte nicht irgendeinen Wildfremden heiraten und für immer in ein fernes Königreich ziehen.
„Überleg es dir.“, sagte ihr Vater. „Wir können auf dem Fest ein Turnier veranstalten und der Sieger wird dich zur Frau bekommen. Es würde wundervoll sein.“
Burgunda seufzte und gab ihrem Vater einen Gute-Nacht-Kuss.
„Vater, wenn ich den richtigen gefunden habe, werde ich ihn auch heiraten. Aber bitte, lass mir etwas Zeit.“
Der König lächelte. „Zeit kannst du haben, Burgunda. Aber jetzt schlaf und mach dir um nichts Sorgen.“

Am Tag des Fests fragte der König seine Frau, ob sie nicht auch fände, dass ihre Tochter heiraten solle. Daraufhin lächelte die Königin und sagte, sie habe schon alles organisiert.
Das Fest wurde wundervoll. Die Königin war überrascht und überglücklich. Das Volk jubelte ihr und dem König zu und Burgunda schenkte ihren Eltern zwei wunderschöne Hochzeitsketten. Der König legte seine nur widerstrebend an; die Königin war dafür umso begeisterter.
„Danke, Burgunda, vielen, vielen Dank!“
Der König brummelte zustimmend. Die Königin lächelte und klatschte dann in die Hände.
„So.“, sagte sie. „Das Turnier beginnt.“
„Was für ein Turnier?“, fragte Burgunda entgeistert, bekam aber keine Antwort. Eine Reihe Ritter kamen jetzt auf den Turnierplatz geritten.
„Los, komm!“ Die Königin zog Burgunda mit sich.
„Wohin?“, fragte Burgunda, bekam aber wieder keine Antwort.
Während der König die Ritter begrüßte, half die Königin Burgunda, eine Ritterrüstung anzuziehen und gab ihr auch noch einen Schild.
„Mutter, das ist schwer.“, ächzte Burgunda. Ihre Mutter setzte ihr einen Helm auf und gab ihr einen Klaps auf die Schulter. Burgunda stöhnte. Ihre Mutter lachte und zog sie aus der Waffenkammer.
„Komm, die Ritter warten sicher schon.“
Aber sie irrte sich. Der König war noch gar nicht mit seiner Rede fertig: „… würde derjenige meine Tochter, Prinzessin Burgunda, zur Frau bekommen.“
Die Ritter jubelten und trieben ihre Pferde zum Start. Sie stellten sich in einer Reihe auf und jeder von ihnen bekam einen Bogen. Als Burgunda auf den Königsbalkon trat und ihren Helm abnahm, keuchten einige auf. Sie lächelte ihrem Volk zu.
„Magst du Äpfel?“, fragte der König. Burgunda wandte sich ihm zu. Er hielt einen Apfel in der Hand. Sie sah ihn fragend an. „Ich soll jetzt ..?“, fragte sie ungläubig.
„Aber nein.“, sagte die Königin und nahm ihrem Gatten den Apfel aus der Hand. Dann befestigte sie ihn auf Burgundas Helm.
„Du sollst ihn dir vom Kopf schießen lassen.“
„Nein! Nein, nein, nein, nein!“, protestierte Burgunda. Aber ihre Mutter setzte ihr den Helm auf und schob sie unerbittlich auf die Ritter zu. Ihre Mutter stellte sie vor die Ritter und ging schnell aus der Schusslinie. Burgunda stand da wie festgefroren und starrte die Ritter angstvoll an.
Der Erste hob den Bogen. Er traf nicht. Auch der zweite, dritte, vierte und sogar der fünfte trafen nicht. Der 6. - 10. streiften ihren Helm. Burgunda hielt sie für sehr gute Bogenschützen. Dann kam der letzte Ritter. Er hob den Bogen - und senkte ihn wieder. Alle sahen ihn erstaunt an; auch Burgunda.
Der Ritter warf den Bogen beiseite und sagte: „Ich glaube nicht, dass die Prinzessin damit einverstanden ist. Ich finde, man sollte nicht gegen ihren Willen ihr Leben gefährden.“ Er nahm den Helm ab und verbeugte sich vor dem Königspaar und der Prinzessin. Diese fand, dass er gut aussah. Er hatte glatte schwarze Haare; ein Kontrast zu ihren blonden. Sein Mienenspiel war schwer zu entziffern.
„Warte.“, sagte Burgunda und ging schnell zu ihrem Vater. Dieser sah zu ihr auf und fragte: „Hast du dich entschieden?“
„Ja, Vater.“, erwiderte Burgunda. „Ich nehme Ritter..“ Sie drehte sich zu dem Ritter um und rief: „Wie heißt ihr, edler Ritter?“
„Ich bin Kunibert aus dem Reich der Einhörner.“
Burgunda sah erstaunt aus, drehte sich aber wieder zu ihrem Vater um und sprach ihren unbeendeten Satz zu Ende: „Ritter Kunibert aus dem Reich der Einhörner.“
Das Volk jubelte, das Königspaar umarmte seine Tochter, die anderen Ritter beneideten Kunibert und der konnte sein Glück kaum glauben. Die Prinzessin stürmte nun zu Ritter Kunibert und stieg hinten auf sein Pferd auf. Und während sie in den Sonnenuntergang ritten, erzählte Kunibert von seinem Königreich, dem Reich der Einhörner. Und Burgunda wollte Sachen darüber wissen wie: „Gibt es in deinem Reich wirklich Einhörner oder warum heißt es so?“ Und Kunibert beantwortete sie geduldig.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
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