Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Erotik / Wie Eis

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Wie Eis

von KirjaKei
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
03.06.2020
30.03.2022
114
562.601
96
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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15.06.2020 4.778
 
Kapitel 3: Kaltblütig

Nachdem Danny gegangen war, dauerte es nur eine knappe Stunde, bis Rachel bei mir anrief und alle Details hören wollte. Ich saß in meinem Arbeitszimmer am Schreibtisch und hatte ironischerweise gerade die Bilder im Blick, als sie anrief. Natürlich erzählte ich ihr alles und meine beste Freundin hörte zu.

„Also wann siehst du ihn wieder?“, fragte sie auf der anderen Seite des Gesprächs.

Ich seufzte. „Keine Ahnung.“

„Bryce, du wirst ja hoffentlich einen Plan haben, nicht wahr?“, harkte sie nach.

„Ich bin mir nicht sicher, ob er an dem gleichen interessiert ist wie ich.“

„Also so wie du das beschrieben hast und wie der das unfassbar großartige Bild, das ich von dir gemacht habe, angeschaut hat, würde ich sagen, er ist genau daran interessiert. Komm schon, sei ehrlich, du willst ihn flachlegen, mach es doch einfach, außer…“ Für einen Moment wurde es still. „Außer natürlich, du willst mehr… Oh verdammt, Bryce! Der gefällt dir wirklich? Wirklich wirklich?“

Ich schwieg. Die Antwort war eigentlich einfach, so ungewöhnlich sie auch war. Danny war anders als andere Typen, wahrscheinlich war er nicht so viel anders als manch ein anderer One-Night-Stand, mit dem ich mich aber nie unterhalten hatte, aber er war anders als die Schäfchen, die sich sonst meine festen Freunde geschimpft hatten.  Und ich hatte tatsächlich Interesse daran, mit ihm etwas anzufangen. Und das war gleichzeitig auch der Grund, warum ich dennoch zögerte. Es lag nicht daran, dass ich mir unsicher war, ich war mir mehr als bewusst, dass ich ihn haben konnte, wenn ich das wollte, aber ich wusste nicht, wie ich weiter machen sollte. Da baute sich vor mir etwas auf, das mir anzeigte, dass ich die Kontrolle verlieren könnte, wenn ich diesen Weg ging und genau das wollte ich nicht. Danny forderte mich heraus und genau das war es, was ich so interessant an ihm fand. Aber genau dieser Aspekt machte mich auch nachdenklich.

„Bryce?“, fragte Rachel nach einem Moment der Stille. „Ist das dein Ernst? Hast du dich in den Typen verguckt? In den Kaffeeschubser? Wirklich?“

„Ich lege jetzt auf“, meinte ich ernst.

„Ach komm schon, du weißt, doch dass ich nur –“

Da machte ich meine Drohung wirklich wahr. Ich legte auf und legte das Handy auf dem Tisch neben mir ab. Dass es gleich darauf noch einmal klingelte, ignorierte ich, in dem ich einfach den Raum verließ.

Ich musste nachdenken, was ich hier wollte. Und eigentlich war das gar nicht so schwer, ich hatte ihn gewollt. Und das schon vor ein paar Stunden, als er hier gewesen war. Ich hatte ihn nur provozieren wollen, testen wollen, und irgendwie hatte er es nicht nur geschafft, den Test zu bestehen, sondern mich dabei zu überraschen. Aber was jetzt? Ich war mir unsicher, was er wohl von dieser Situation wollen würde. Ich hatte mich nie damit auseinandergesetzt. Für das Szenario gab es keinen Plan. Ich wusste, wie ich mich in dem Szenario zu verhalten hatte, wenn der Typ mit hinterherlief, weil er meinen Status wollte. Ich wusste, wie ich in Bars und Discos zufällige Typen für One-Night-Stands in den Waschräumen aufriss, aber wie sorgte ich dafür, dass ich einen anderen Mann, der nicht an meinem Geld interessiert war, wirklich eroberte? Das konnte gar nicht so schwer sein, da war ich mir sicher. Immerhin gelang mir der Rest auch, ich hatte neben meinem Reichtum noch genug andere Vorzüge und doch erforderte das weitere klare Gedanken und konkrete Planung.

Das restliche Wochenende verbrachte ich damit. Und letztendlich blieb mir auch noch der Montag, denn ich hatte entschieden, dass es am einfachsten war, Danny erneut dort aufzulauern, wo wir uns auch beim ersten Mal getroffen hatten. Allerdings brauchte mein Plan nicht sonderlich viel Planung, ich verließ mich auf das, was sonst auch immer funktioniert hatte. Immerhin hatte es ja mehrere Gründe, warum es funktionierte. Und ich hatte gesehen, dass ich Danny schon einmal damit dazu gebracht hatte zu tun, was ich wollte. Den restlichen ernsthaften Gesprächen zu der Situation ging ich allerdings weiter aus dem Weg, ich konnte deutlich benennen, dass mich der andere mehr interessierte, als sonst jemand, aber ich war auch noch lange nicht fertig, ihn zu testen, wenn ich ganz ehrlich war. Da gab es noch mehr und auch dafür hatte ich mir etwas überlegt.


Am Dienstagmorgen stand ich wieder an der gleichen Stelle, mit etwas mehr Abstand zu der Ecke und wartete. Es dauerte doch eine gewisse Zeit, bis Danny auftauchte und als er mich sah, blieb er überrascht stehen. Ich erwiderte seinen Blick ruhig, ich musterte und irgendwie genoss ich es zu sehen, dass er nervös wurde, während ich ihn so ansah.

„Das Hemd ist also sauber geworden…“, murmelte er unsicher.

Ich unterdrückte das Grinsen, weil es für mein Vorhaben nicht hilfreich war und doch amüsierte mich Danny auf eine Art, die mich beeindruckte. „Geh mit mir aus“, erklärte ich ihm aber daraufhin einfach direkt.

„Was?“, gab er zurück, als hätte ich eine fremde Sprache gesprochen.

Mit einem Seufzen antwortete ich: „Ich sagte, du sollst mit mir ausgehen.“ Ich hatte mit Verwunderung auf seiner Seite gerechnet, das war wohl nur verständlich und doch hatte ich vor, das Ganze mit maximaler Kontrolle durchzuziehen.

„Warum?“ Er schien es nicht so wirklich zu verstehen und wenn ich ganz ehrlich war, verstand ich auch nicht, was mich an ihm so faszinierte. Und auch nicht, warum ich ihn wirklich auf ein Date einladen wollte. Wenn ich es anders hätte angestellt, hätte ich ihn wahrscheinlich ohne Probleme in den Waschräumen oder in einem leeren Seminarraum vernaschen können, aber ich wollte ihn kennenlernen…

„Tu nicht so, als ob du es dir leisten könntest, eine Mahlzeit umsonst auszuschlagen“, unterstrich ich noch einmal meine Aussage. Ich wollte ihm nur zeigen, dass es kein Entkommen gab, ich bekam, was ich wollte. Das war in der Tat noch nie wirklich anders gewesen.

Und dann tat er genau das, was ich mir erhofft hatte; er beschwerte sich. „Hast du nicht gehört, dass man Leute normalerweise um Dates bittet?“

Nun erlaubte ich es mir doch zu lachen. „Ich bitte nicht um Dates. Ich sage den Leuten, wo sie aufzutauchen haben. Also heute Abend, 19 Uhr, Waterfront Courtyard. Sei pünktlich und zieh dir was Hübsches an.“ Ich warf ihm noch einen Blick zu, dann wandte ich mich zum Gehen. Ja, ich hatte meinen Plan und davon wollte ich nicht abweichen, und ob Danny kommen würde oder nicht, das würde ich immerhin noch sehen, aber gleichzeitig gefiel mir seine Art einfach…

„Du… du willst ernsthaft mit mir… ausgehen?“, hörte ich ihn nur leise fragen, aber ich antwortete nicht mehr. Immerhin hätte ich ja sonst wohl nicht gefragt. Merkwürdig war es für meine Verhältnisse dennoch. Normalerweise ging ich auch selten mit meinen Partnern essen, ich hatte da immerhin meine ganz eigene Dynamik entwickelt und führte sie eigentlich nur zum Essen aus, wenn es mir in den Kram passten, aber an Danny hatte ich Interesse. Ich wollte sehen, wie weit das noch ging. Wie sehr konnte ich noch mit ihm spielen? Und würde das passieren? War das vielleicht die Person, nach der ich suchte?


Ich ließ mir Zeit, als ich mich für das Date vorbereitete. Ich führte mehrere kurze Gespräche mit Rachel, die ich immer wieder abbrach, weil sie für meinen Geschmack viel zu aufgeregt für die ganze Sache war. Und dabei konnte ich sie verstehen. Es war sicherlich nicht so, dass ich aufgeregt war, aber es war etwas besonders. Ich machte mir keine Sorgen, ich hatte deutlich gesehen, wie Danny mich ansah, wie verwundert er gewesen war und wusste auch, dass er mir mit Sicherheit verfallen würde, wenn ich es darauf anlegte, aber… ich wollte es dennoch etwas anders angehen. Ich wollte ihn weder einfach nur flachlegen, noch wollte ich ihn ausnutzen, ich wollte eher wirklich herausfinden, wer er war und wie man damit arbeiten könnte.

Und genau deshalb kam mir der Gedanke, etwas zu benutzen, dass ich noch nie benutzt hatte. Eine Trophäe der anderen Art, doch mein Gefühl sagte mir, dass das funktionieren könnte. Also packte ich das Objekt in einen Umschlug und den Umschlag in meine Tasche, bevor ich mich auf den Weg machte. Ich hatte in den vergangenen Tagen viel über Danny nachgedacht. Er wirkte unsicher, zurückhaltend, aber eigentlich interessiert. Er schämte sich eindeutig für sein Interesse, das hatte ich gesehen, als er das Bild von mir angesehen hatte. Ich gefiel ihm, das war eindeutig, aber er wollte sich das nicht eingestehen, vielleicht hatte er auch Angst davor. Es war schon offensichtlich gewesen, dass meine Offenheit ihn einschüchterte und gleichzeitig war es in seinen Blicken deutlich geworden, dass ihn das faszinierte und in gewisser Weise auch anzog. Es fehlte ihm an Selbstbewusstsein, offensichtlich, und gleichzeitig war er doch nicht bereit, sich einfach so rumschubsen zu lassen. Er hatte Feuer in sich, er hatte nur offensichtlich zu viel Angst davor, zu brennen…

Als ich vor dem Restaurant ankam, war ich leicht zu spät und offensichtlich hatte Danny das auch bemerkt, er war da und er begrüßte mich zu meiner Überraschung doch sehr direkt. „Wo bleibst du denn? Du hast doch gesagt, dass ich pünktlich sein soll!“ Und das bestätigte meine Theorie, dennoch traf es mich unerwartet.

„Richtig, ich sagte, du sollst pünktlich sein, von mir habe ich nie geredet. Ich wurde noch aufgehalten“, erwiderte ich daraufhin und strich mit durchs Haar. Eigentlich stimmte das auch, Rachels ständige Anrufe hatten mich aufgehalten! Aber viel mehr lag meine Aufmerksamkeit darauf, dass er mich wirklich darauf angesprochen hatte und es sich nicht so einfach gefallen ließ, auch das war neu.

„Ich dachte schon, du würdest nicht mehr kommen…“, murmelte er beleidigt und hielt meinem Blick weiter stand, als ich näher kam.

Ich musste lächeln. „Dich versetzen, Sweetheart? Das würde mir niemals einfallen. Aber ich hatte die Befürchtung, du würdest nicht kommen, weil du nicht mit so einem Psychopathen essen gehen wollen würdest.“ Ja, ich hatte seinen Spruch damit aufgegriffen, aber mir selbst gefiel nicht, dass mir dieser Gedanke tatsächlich gekommen war.

Er wandte sich etwas verlegen ab, aber ich legte ihm nur vorsichtig die Hand an den Rücken und erklärte das Thema damit auch erst einmal für beendet, immerhin waren wir ja hier, um zu essen. Ich schob ihn sanft vor mir her in das Restaurant hinein, klärte alles ab und folgte dann dem Kellner an unseren Tisch. In dem Restaurant war ich sicherlich schon hundertmal gewesen, meinem Vater gefiel es sehr, deshalb kannte ich mich aus. Ich bestellte auch ohne zu zögern den Wein, als uns die Karten gereicht wurden und ließ Danny dann einen Moment Zeit, um sich zu orientieren.

Allerdings schien er doch mehr als überfordert mit der Situation zu sein und damit hätte ich wahrscheinlich rechnen können. Er hatte mir sein ganzes Geld für die Rechnung angeboten, 30 Dollar. Es gab kein Gericht auf dieser Karte, das weniger als das kostete. Und da ich ihm seine Unsicherheit deutlich am Gesicht ablesen konnte, unterbrach ich ihn mit einem Seufzen. „Ich habe das ernst gemeint, ich zahle, also musst du dich nicht zurückhalten oder so bleich werden.“

„Das ist nur… so was bin ich nun wirklich nicht gewohnt“, rechtfertige er sich stotternd, bevor ihm wohl ein anderer Gedanke kam, den er auch sofort aussprechen musste. „Versuchst du mich zu kaufen?“

Tat ich das? Das war auf jeden Fall nicht mein Vorhaben gewesen. Eigentlich war es das Gegenteil, mir gefiel ja gerade der Gedanke, dass dieser junge Mann nicht das Ziel hatte, mich aufgrund meiner Herkunft zu erobern. „Keineswegs“, sagte ich deshalb, „ich gehe hier ständig essen.“ Und genau das stimmte immerhin auch.

Aber zufriedenstellen tat es Danny offensichtlich noch nicht. „Warum solltest du dann mit mir ausgehen?“, wollte er wissen.

Und ich musste grinsen. Ja, der Gedanke war sicherlich naheliegend, aber die Geschichte ging anders, als man sie sich vielleicht vorstellen würde. „Oh, Sweetheart, der Gedanke ist ja beinahe rührend. Aber ich stehe nicht auf Märchengeschichten. Du glaubst, dass ich dich ausführe, weil ich denke, der kleine arme Junge wird sich sicherlich erkenntlich zeigen, wenn ich für ihn bezahle. Du glaubst, dass ich in dir eine einfache Sache sehe, wenn ich mit dem Geld angeben kann. Ich kann dich beruhigen, das ist nicht mein Gedanke. Und jetzt such‘ dir aus, was du essen möchtest, und genieß das Ganze einfach.“

Wirklich zu überzeugen schien ihn das allerdings nicht, er sah mich noch immer so an, als könne er nicht glauben, dass ich mit jemandem wie ihm ausgehen wollen würde und als hätte ich Hintergedanken, mein Geld dafür zu nutzen, um ihn rumzukriegen. Dabei sah es doch nun wirklich anders aus.

Grinsend setzte ich also nach: „Wenn dich das noch nicht überzeugt, lass es mich anders ausdrücken. Ich weiß, dass ich dich gar nicht kaufen müsste, du bist auch so eine sichere Sache, ich habe gesehen, wie du auf mein Foto gestarrt hast.“

In dem Moment, in dem er rot anlief, war es mir auch noch einmal bewusst. Ja, wenn ich ihn bloß ins Bett kriegen wollen würde, dann wäre das eine mehr als sicherere Sache. „Du Mistkerl“, zischte er und ich musste grinsen. Warum fand ich es bloß so interessant, dass er sich traute, mich zu beleidigen und offen und ehrlich mit mir zu sprechen? Vielleicht wirklich, weil das so wenig Personen taten. „Das ist nicht fair! Wie kann man bloß so ein Arsch sein?“

„Vorsicht“, meinte ich ruhig und beugte mich ein Stück vor, „wenn du nicht brav bist… überlege ich es mir vielleicht doch noch mal mit dem Zahlen…“ Ich wollte ihn weiter provozieren, ich wollte sehen, wie er reagierte. Ich wusste wirklich nicht, wann mich jemand zuletzt so fasziniert hatte.

Für einen Moment war er mundtot. Dann protestierte erneut. „Das ist Erpressung, du Psychopath!“ Als ich nur lachte, schien er sein Argument gleich noch einmal unterstreichen zu müssen. „Wer stellt sich überhaupt solche Fotos von sich auf den Schreibtisch… Das hast du mir immer noch nicht beantwortet!“

Noch immer sah ich ihn amüsiert an. „Und dabei kennst du die Antwort doch selbst: Selbstverliebte Psychopathen.“ Ich seufzte kurz und strich mir durchs Haar. „Und jetzt entspanne dich, ich halte mein Wort, also bestell, was immer du möchtest.“ Ein weiteres Mal war er verwundert, aber irgendwie nahm ich diese Beleidigung von seiner Seite gar nicht so schlimm wahr. Er meinte das sicherlich leichter dahin gesagt, als dieses Wort ja sonst eigentlich schwer war. Und er wollte sich zur Wehr setzen und das wiederum gefiel mir ja so, aber ich wollte ihn nicht wirklich in Schwierigkeiten bringen.

Und so schafften wir es dann schließlich zu bestellen und uns während des Essens auch mit normalen Themen zu beschäftigen. Ich fragte ihn zu seinem Studium aus und ähnlich wie ich es schon vermutet hatte, studierte er tatsächlich Kunst. Und um sein Studium zu finanzieren arbeitete er nebenbei in einem Coffeeshop. Und im Gegenzug weihte ich ihn über mein Studium und die Arbeit bei meinem Vater ein, zumindest in groben Zügen, vielleicht etwas mehr so, dass es zum Angeben geeignet war. Aber das gehörte wohl auch dazu. Es waren die klassischen Fragen, die man wohl bei einem ersten Date stellte, die wichtigen Grunddaten. Darauf lief es letztendlich hinaus, aber die Informationen, nach denen ich bei Danny wirklich suchte, die bekam ich auf diese Art und Weise nicht, das war mir aber auch bereits zuvor bewusst gewesen. Das würde ich später aber sicherlich erfahren.

Als wir mir Essen fertig waren, zahlte ich ohne das Thema auch überhaupt noch einmal zu erwähnen und dann gingen wir. Wir entfernten uns von dem Restaurant. Ich war so wie eigentlich immer mit dem Taxi hierhergekommen, hatte aber noch kein neues gerufen, immerhin hatte ich mir etwas anderes in den Kopf gesetzt und dafür war es wichtig, dass wir noch ein Stück durch die Straßen spazieren gingen und glücklicherweise folgte mir Danny auch ohne wirklich nachzufragen, so lange bis wir langsam in ein paar verstecktere Gassen kamen.

Dort drehte ich mich zu ihm um und kam langsam auf ihn zu. Solange, bis er mit dem Rücken an der Wand stand. Langsam kam ich ihm näher, ich blickte ihm direkt in die Augen. Er musste sich vollkommen bewusst sein, was im nächsten Moment passieren würde, er hätte genug Zeit gehabt, mir auszuweichen, und selbst wenn er mit dem Rücken an der Wand stand, hätte er ohne Probleme zur Seite treten können, den Platz ließ ich ihm. Aber Danny tat gar nichts, bis zu dem Moment, in dem sich unsere Lippen berührten. Für einen Moment lagen sie nur leicht aufeinander, dann begann ich damit, ihn immer intensiver zu küssen und Danny schloss die Augen und ließ mich machen. Ich fuhr mit der Zunge über seine Lippen und er öffnete sie sofort und bereitwillig, sodass ich ihn weiter und immer fordernder küssen konnte.

Es wunderte mich eigentlich aus mehreren Gründen nicht, dass er das so bereitwillig mit sich machen ließ. Aber genießen tat ich es dennoch. Besonders als er die Hände an meinen Kragen legte und mich so noch dichter an sich heranzog.

Das war auch der Moment, an dem ich wusste, dass ich noch weiter gehen konnte, in dem ich eindeutig sah und spürte, dass er das wollte. Also drückte ich ihn noch etwas mehr an die Wand, ließ meine Hände über seinen Körper wandern, über seinen Hintern streicheln und arbeitete mich langsam immer mehr voran. Ich löste den Kuss und legte meine Lippen dafür an seinen Hals. Mehrere Male setzte ich die Lippen an, küsste seinen Hals und bearbeitete ihn weiter. Und während ich das tat, konnte ich seine Reaktion deutlich hören. Er stöhnte und seufzte. Und obwohl er sich am Anfang noch zurückzuhalten schien, wurden die Töne, die er von sich gab, nach und nach immer ausgelassener und lauter…

Meine rechte Hand glitt an den Bund seiner Hose, mit einer Hand öffnete ich den Verschluss soweit, dass sie vollkommen unter den Stoff kam und ich über der Unterwäsche sein Glied berühren konnte. Er ließ das geschehen, er stöhnte erneut auf, er genoss meine Berührungen. Er drängte seinen Körper mir ein Stück entgegen. Er wollte von mir berührt werden und es kümmerte ihn nicht, dass wir mitten auf der Straße standen, dass jemand kommen und es sehen könnte. Er schien das nicht einmal mehr zu hinterfragen, stattdessen stöhnte er nur auf, während ich an seinem Hals knabberte und damit begann über sein Glied zu streichen. Genauso wie die Arbeit an seinem Hals begann ich vorsichtig und tastete mich langsam daran, immer fordernder zu werden. Seine Länge mit Druck entlang zu gleiten und sie mit den Fingern zu massieren, bis sein Stöhnen immer lauter wurde und sich sein Glied langsam und auch gegen den Stoff seiner Unterhose aufrichtete.

Ich genoss den Klang seiner Stimme, den Geschmack seiner Haut unter meinen Lippen, seinen deutlich spürbaren Herzschlag und das, was ich unter meinen Finger spürte und ich hätte so noch ewig weiter machen können. Und die Tatsache, dass es Danny offenbar genauso ging, sagte mir noch mehr zu. Aber an dieser Stelle sollte für heute Schluss sein. Das Ganze wollte noch weiter ausgetestet werden und ich wollte ihn nicht nur hier an der Wand nehmen…

Also löste ich mich mit einem Mal von ihm und trat ein Stück zurück. Sein irritierter und geschockter Blick war köstlich. „Das genügt für heute“, erklärte ich grinsend. Er schien das kaum glauben zu wollen, und es belustigte mich, wie einfach es doch gewesen war und wie faszinierend ich es dennoch zur gleichen Zeit fand. „Wir machen morgen an dieser Stelle weiter, 18 Uhr, in meiner Wohnung. Und wenn du willst, dass ich weiter mache, dann solltest du das hier anziehen.“ Ich holte den Umschlag hervor und reichte ihn ihm. „Gute Nacht, Sweetheart.“ Dann wandte ich mich ab und ging davon. Ohne mich umzudrehen, ließ ich ihn stehen und damit meine Taten und meine Worte nachwirken. Ja, ich hatte angefangen mit ihm zu spielen, und das obwohl er eindeutig keins der Schäfchen war, die mir hinterherliefen, und genau deshalb gefiel mir dieses Spiel so sehr. Ich war mir nicht zu hundertprozentig sicher, ob er wirklich auftauchen würde… Die Chancen standen gut und ich würde das weiter für mich nutzen, aber es war dennoch aufregender. Er gefiel mir, mehr als ich zugeben wollte.




Kapitel 3x: Kaltblütig

„Als du Notfall gesagt hast, hatte ich nicht erwartet, dass du damit deinen Mageninhalt gemeint hast“, meinte ich ernst und verdrehte die Augen, während Rachel die Straße voranspazierte.

Sie drehte sich zu mir um und grinste. „Kriegspläne kann man so schlecht mit leerem Magen schmieden!“

Ich seufzte. „Es geht also nicht nur darum, dass du Hunger hast.“ Irgendwie beruhigte mich das zumindest.

„Natürlich nicht, ich bitte dich, das hätte ich dir doch auch so sagen können!“ Sie grinste breit und trat an die Tür des Restaurants. „Außerdem will ich Daddys neue Kreditkarte ausprobieren.“

Ein weiteres Mal musste ich die Augen verdrehen. Es war mit Sicherheit von außen betrachtet ein merkwürdiger Anblick, zwei Fünfzehnjährige in einem Sternerestaurant, aber wenn es einem schon von Kindestagen so beigebracht wurde, dann folgte man diesen Gewohnheiten eben. Mein Vater liebte das Restaurant, Rachel offensichtlich auch. Wir waren öfter hier, außerdem lag es nicht so weit von der Schule entfernt, von der wir immerhin gerade kamen. Und in der doch ziemlich hochwertigen Uniform passten wir zumindest in die Klientel, mal davon abgesehen, dass ich die meisten der Kellner kannte.

Es gab auch kein Problem, wir wurden an einen Tisch geführt, wir bestellten und mein Blick lag immer noch recht prüfend auf meiner besten Freundin, die mir nach der letzten Stunde nur berichtet hatte, dass es einen Notfall gebe und ich mitkommen solle. Und nun saß ich hier mit ihr beim Mittagessen und war weniger gespannt als vielmehr skeptisch, was wohl auf mich zukommen würde.

„Also“, begann sie und beugte sich ein Stück vor. „Krisensitzung: Wir müssen sie loswerden!“

Ich seufzte noch einmal. „Ich fürchte, ich ahne, von wem du sprichst… aber nur unter uns. Wen willst du loswerden?“

„Charlotte!“ Rachel verdrehte die Augen, als wäre das eine absolute Selbstverständlichkeit.

Mit einem leichten Grinsen sah ich sie an. „Wer?“, fragte ich provozierend nach.

Sie verdrehte ihre Augen noch etwas genervter und lehnte sich wieder zurück. „Du bist ein Idiot! Wir müssen Quentin vor ihr retten! Gott weiß, was er an ihr findet! Aber sie ist schrecklich, sie muss verschwinden!“

„Gut, ich gebe zu, dass ich deine kleine Vendetta gegen Quentins Freundin die ersten Wochen ja ganz niedlich und unterhaltsam fand, aber die beiden sind jetzt fast drei Monate zusammen, ich glaube, das ist der Punkt, an dem wir akzeptieren müssen, dass es ernst ist und dass unser guter Freund schon weiß, was er da tut.“

Rachel schüttelte bestimmt den Kopf. „Aber das tut er nicht! Und als seine besten Freunde ist es unsere Aufgabe, ihn vor einem schrecklichen Fehler zu bewahren!“

Seufzend lehnte ich mich zurück und sah sie an. „Ah, wie dumm von mir. Ich hatte vermutet, als seine besten Freunde sei es unsere Aufgabe, ihn bei seinen Entscheidungen zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass er glücklich mit seinem Leben wird.“

Meine beste Freundin räusperte sich und sah mich streng an. „Kann er ja auch gerne! Ohne sie!“ Sie atmete tief durch. „Komm schon, Bryce, ich habe dich nicht eingeladen, damit du mich belehrst, sondern damit du mich unterstützt!“

Für einen Moment blieb ich still und sah sie an. Irgendwo hatten wir diesen Tag wahrscheinlich alle kommen sehen. Rachel, Quentin und ich waren seit dem ersten Schultag beste Freunde. Und Rachel war es nicht nur aus ihrem Elternhaus gewohnt die verwöhnte Prinzessin zu sein, sondern auch von Quentin und mir. Mir hatte vor dem Tag gegraut, an dem Quentin eine feste Freundin haben würde und Rachel sich das Rampenlicht mit einer anderen Frau teilen müsste. Nicht weil sie Gefühle für Quentin hatte, sondern nur weil ihr Platz als Bienenkönigin – so absurd das auch an sich war – dann gefährdet war, zumindest in ihren eigenen Augen.

Und Charlotte war nun einmal auch nicht wirklich einfach. Die wenigen Male, die Quentin sie zu Veranstaltungen in den letzten Wochen mitgebracht hatte, waren sie und Rachel eigentlich immer aneinander geraten und hatten sich angezickt. Es konnte nicht leicht sein, in unsere Gruppe zu kommen, aber Charlotte war auch nicht mit Zurückhaltung gesegnet worden.

Ich atmete tief durch und nickte. „Also gut, ich höre? Was hat dein hübscher Kopf ausgeheckt?“

„So gefällt mir das schon besser!“ Rachel strahlte mich an. „Es ist ganz einfach, wir müssen sie vernichten, ich dachte an -“

„Halt“, unterbrach ich sie. „Eben wolltest du sie noch loswerden und jetzt reden wir schon über vernichten? Rachel, glaubst du nicht, dass du übertreibst?“

Sie seufzte theatralisch. „Oh bitte… Komm schon, Bryce… Sie ist…“

Ihre kurze Pause nutzte ich und harkte spöttisch ein: „Prüde, verklemmt und humorlos?“

„Ja! Eine absolute Katastrophe! Und Quentin verlangt ernsthaft, dass ich sie zu meinem Geburtstag einlade, diese Person! Ich will, dass diese blöde Ziege verschwindet. Meinst du nicht auch, dass er was Besseres verdient hat? Also… ich dachte, wir sorgen irgendwie dazu, dass sie nicht zur Party kommt und auf meiner Feier stelle ich ihm dann mal ein paar Damen vor, die viel besser geeignet sind!“ Rachel geriet ins Erzählen und ich musterte sie einen Moment lang. Ihre Pläne waren so kindisch, aber das war nicht der Moment, um sie daran zu erinnern.

„Rachel, atmen“, meinte ich ernst. „Und bevor du den ersten Panzer mietest, könntest du mir noch einmal erklären, was genau dein Problem mit ihr ist? Ich meine, sie hat einen Haufen schlechter Eigenschaften und sie ist anstrengend, aber es ist auch nicht so, als ob deine letzten drei Freude solche großartigen Weggefährten gewesen wären. Sie kommt aus einer guten Familie und Quentin scheint sie wirklich zu mögen. Hast du ihm mal zugehört, wie er von ihr redet?“

Empört sah sie mich an, dann wandte sie kurz den Blick ab und wurde ernst. „Irgendwas an ihr… ist komisch. Ist dir aufgefallen, dass sie jedes Mal, wenn wir sie getroffen haben, das gleiche Kleid anhatte?“

Ich zog die Stirn in Falten und stützte mich auf dem Tisch ab. Sie hatte Recht damit. „Und? Vielleicht ist es ihr Lieblingsstück, sah recht edel aus. Quentin hat sie erst ein paar Mal mitgenommen, vielleicht wollte sie da jedes Mal einfach einen besonders guten Eindruck machen.“

„Ja, vielleicht…“, murmelte Rachel. „Aber ich habe ein ungutes Gefühl bei der Sache… Sie ist komisch. Ich kann es nicht beschreiben. Was macht ihr Vater noch? Unternehmer mit eigener Firma, oder?“

Sie klang erstaunlich ernst, untypisch ernst. Mit einem tiefen Seufzen nickte ich. „Also schön, hier ist der Deal und es gibt keinen anderen. Ich werde die Sache im Auge behalten und ich werde mit Quentin reden. Und du wirst seine Freundin erst exekutieren, sobald sie in einer Verhaltung, an der nicht nur du teilgenommen hast, schuldig gesprochen worden ist, verstanden? Ohne Beweise kannst du sie nicht einfach aus Quentins Leben verbannen. Er hat sie wirklich gern. Warum auch immer…“

Ich sah, wie sie die Lippen aufeinanderpresste, wie sie begann zu schmollen und dann leicht nickte, weil sie genau wusste, dass ich es ernst meinte. Jedes Wort davon. Ganz gleich, wie wenig ich Charlotte leiden konnte, wir konnten sie nicht einfach hinterrücks erdolchen oder kaltblütig um die Ecke bringen, wenn Quentin wirklich etwas an ihr fand. Sie war immerhin seine Freundin.

Rachel wandte noch einmal den Blick hin und her. „Aber über ihre Frisur können wir trotzdem lästern, oder?“, fragte sie dann und schlug die Augen ein paar Mal aufeinander. Als ich nickte, atmete sie erleichtert aus. „Ich verstehe nicht, was Quentin an ihr findet! Da hat er zum ersten Mal eine feste Freundin und dann… bringt er so eine mit!“ Und ohne, dass man sie aufhalten konnte, war Rachel schon wieder ins Schimpfen übergegangen und das solange bis das Essen schließlich vor uns stand.

Ich war mir nicht sicher, ob ihre Skepsis wirklich daher kam, dass dort noch mehr war oder ob sie sich wirklich in ihrer Position bedroht fühlte. Charlotte war ein Phänomen an sich. Quentin hatte sie auf einer Party kennengelernt. Sie war eine junge Dame in unserem Alter mit festen Plänen und klaren Zielen. Sie hatte guten Noten, engagierte sich in ihrer Schule und wollte Wirtschaft studieren und sie hatte einiges drauf. Allerdings war sie speziell, sie wirkte steif und ernst und wirklich warm geworden, war sie zu diesem Zeitpunkt sicherlich weder mit Rachel noch mit mir. Aber Quentin mochte sie, er verbrachte viel Zeit mit ihr und er schien sogar mit ihren Eigenarten gut zurecht zu kommen, und das war schließlich das Wichtigste an der Beziehung, dass die beiden teilnehmenden Partei damit glücklich und einverstanden waren. Also wollte ich mich dabei eigentlich nicht einmischen.

Das war auf jeden Fall mein Vorhaben. Ich ahnte noch nicht, dass ich nur eine Woche später schon davon abkommen werden müsste.

[Fortsetzung folgt im nächsten Kapitel]
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