Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Erotik / Wie Eis

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Wie Eis

von KirjaKei
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
03.06.2020
30.03.2022
114
562.601
96
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
16.03.2022 3.830
 
Kapitel 112: Spiegelglatt

Die letzten Tage vor der Abschlussfeier verbrachte ich mit vielen Vorbereitungen. Sonderlich viel hatte ich ja nicht mehr vor. Der Abschluss war noch etwas vor dem Semesterende, aber unsere Kurse waren entweder bereits vorbei oder es passierte nicht mehr sonderlich viel Interessantes.

Allerdings gab es da ja noch genug anderes zu erledigen, das wusste ich. Und Danny und ich müssten uns in Zukunft auf so einiges Neues einstellen. Da musste immerhin auch ein wenig etwas bedacht und organisiert werden.

Nebenbei hatte Danny aber selbstverständlich auch noch sein einiges Leben, um das er sich kümmern musste und um das es ging. Das musste man alles unter einen Hut bekommen.

Aber eigentlich waren wir dabei ja schon immer ganz gut gewesen. Wir hatten das immerhin hinbekommen, wir hatten unsere Wege gefunden und uns abgesprochen und ich war mir vollkommen sicher, dass wir das genauso in Zukunft schaffen würden. Ich machte mir keine Sorgen darum, in der Firma meines Vaters anzufangen und zu arbeiten. Das hatte ich ja bereits neben dem Studium gemacht und es war nicht sonderlich schwer gewesen. Ich hätte es sicher auch ohne Studium geschafft, immerhin wusste ich ja schon, worum es ging, ich war damit aufgewachsen. Ich wusste Bescheid. So wie es eben war.

Es würde für meine Beziehung sicherlich noch einmal stressiger werden, wenn ich das so bedachte, denn ich hätte andere Arbeitszeiten, ich wäre noch etwas mehr weg und ich hätte mehr zu tun, aber ich war positiv eingestellt, dass Danny und ich uns auch da ohne viele Probleme absprechen könnten.

Ich war bereit. Ich war ja eigentlich schon immer bereit gewesen, wenn man es so betrachtete. Da konnte man nicht viel anderes sagen.

Genau deshalb machte mich die anstehende Abschlussfeier auch nicht nervös oder das Arbeitsleben, ich wollte das. Ich freute mich darauf, wenn es in ein paar Tagen endlich so weit war und ich hatte einen Plan, was vorher zuvor erledigt werden müsste.

Ein paar Tage zuvor traf ich mich mit meinem Vater schon in der Firma zu einem Rundgang. Das meiste davon war natürlich überflüssig. Ich brauchte das nicht, ich kannte die Firma in- und auswendig. Ich hatte ja auch schon immer davon geträumt, diese Firma zu leiten und hier zu arbeiten. Natürlich war ich darauf vorbereitet, hier auch richtig mit umzugehen. Nichts anderes sollte der Fall sein.

Es war dennoch vielleicht sinnvoll, mit ihm überall entlang zu gehen und mich noch einmal vorzustellen. Ich kannte viele. Und das war nicht immer etwas Positives, ich erinnert mich noch daran, wie viele sich beschwert hatten, dass ich ohne Universitätsabschluss einfach so mit der Arbeit in meiner Position angefangen hatte. Das war schließlich mehr oder weniger der Grund, warum ich später die Qualifikation dann doch nachgeholt hatte, obwohl ich es albern fand.

Ich hatte ja vorher schon mitarbeiten wollen, ich hatte wissen wollen, wie es war, das war es, was ich brauchte, kein Buchwissen, dass ich schon während meiner Schulzeit erlesen hatte. Aber die Außenwirkung war auf diesem Weg eben besser gewesen und genau deshalb hatten wir uns dann am Ende doch dafür entschieden. Ich hatte das mit meinem Vater beraten. In mancher Hinsicht vertraute ich ihm schließlich blind. Er wusste ja schon ganz gut, was er da eigentlich tat.

Deshalb war ich auch für diesen Rundgang in die Firma gekommen, es konnte ja nicht schaden.

Ich konnte mir noch nicht vorstellen, wie es wohl laufen würde, wenn ich jeden Tag mit meinem Vater mehrere Stunden arbeiten würde, auch da müssten wir uns darauf einstellen. Es war noch einmal anders. Besonders weil es nicht mehr so lange dauern würde, bis ich die Firma ganz übernehmen würde. All diese Sachen sprachen für Veränderung…

Da musste man sich darauf einstellen und ob wir das so bald so gut hinbekommen würden, das war irgendwo sicherlich anzuzweifeln, aber das musste ja auch nicht.

Man konnte dennoch vorbereiten, was vorzubereiten war.

„Und hier wären wir dann an deinem neuen Büro.“

Ich lächelte leicht und atmete tief durch. Das Studium hatte mich nie wirklich gefordert, so arrogant es auch klingen mochte, aber das war eben so. Das war das, was ich wirklich gut konnte, ich hatte mir nie Gedanken gemacht, ich hatte das einfach so geschafft. Das gehörte alles dazu. Aber jetzt fühlte es sich dann eben doch etwas echter und reeller an, wenn man all das so betrachtete.

Das war also mein Büro. Ich öffnete die Tür und sah mich um. Es war natürlich größer als der Schreibtisch, an dem ich aktuell arbeitete, wenn ich neben der Universitätsarbeit mal hier gewesen war. Es war größer, hatte einen guten Ausblick und eine vernünftige Arbeit. Ich nickte leicht.

„Ich habe dir bereits einen eigenen Sekretär zu geordnet“, fügte mein Vater an. „Die Einrichtung wollte ich aber dir überlassen. Du hattest ja gesagt, dass du da bereits Pläne hast. Ich hoffe du hast das im Blick, nächsten Montag brauche ich dich hier voll einsatzbereit.“ So wie alles, was mein Vater so sagte, hatte es diesen Ton.

Ich nickte aber. „Keine Sorge, alles schon vorbereitet“, meinte ich ruhig. „Ich bin mir als bereit.“

„Ich habe nie daran gezweifelt.“ Mein Vater lächelte mich an.

Ich atmete leicht durch. Irgendwie machte es mich schon stolz. Ich war froh, dass er so reagierte. Natürlich war ich froh, dass er so reagierte! Es war albern, aber ich konnte es so viel leugnen, wie ich wollte… aber ich war eben nicht ganz kalt.

„Ich bin froh, dich ab nächster Woche hier zu haben, wird einiges einfacher machen.“

Etwas erstaunt sah ich ihn an und dann lächelte ich. „Danke…“

Mein Vater räusperte sich. „Du hast… in dem letzten Jahr einiges gelernt. Und das meiste sogar ohne meine Hilfe. Da bin ich gespannt, was die paar Jahre, die wir hier zusammenarbeiten, noch alles bewirken können. Ich bin wirklich stolz, ich denke, ich muss nicht wiederholen, was alles dazu gehört, doch… du hast meinen Respekt für all das. Aber nicht übermütig werden.“

„Niemals…“, murmelte ich und lächelte weiterhin. Dann seufzte ich etwas. Nein, das würde ich ganz sicher nicht. Obwohl ich eine noch recht übermütige Handlung vorhatte. Obwohl man sie so dann am Ende noch nicht bezeichnen könnte, immerhin hatte ich das gut durchdacht, dann hatte ich mich dazu entschieden. So einfach war das in diesem Fall. Es war nicht einfach so. Ich wollte das und ich hatte alles bedacht.

Dennoch war es etwas, das wohl eher in eine solche Kategorie fallen würde. Aber das kümmerte mich in diesem Fall nicht.


Danny hatte schließlich auch einiges so zu tun und war hin und wieder die Nachmittage beschäftigt, also hatte ich den Termin machen können. Und es war eine weitere Sache, die ich vor meinem Abschluss noch hatte unternehmen müssen. Zudem war es notwendig, ich musste schließlich mein Büro einrichten und dafür brauchte ich Möbel…

Den Termin hatte ich natürlich auch schon vorher angekündigt. Das konnte man nicht unbedingt so spontan machen und es war auch nicht so leicht gewesen, aber es war alles möglich, wenn man genügend Einfluss hatte.

Ich fühlte mich nicht so merkwürdig, wie ich mich vielleicht hätte fühlen können oder sollen. Ich war mir selbst nicht so unsicher. Die Situation war zwar nicht gewöhnlich oder angenehm, aber auf eine oder andere Art und Weise…

Ich hatte hier nichts zu befürchten. Das wusste ich. Man passte auf mich auf. Und selbst wenn ich wusste, dass es ein eher niederer Trieb in mir war, der das hier wollte, hatte ich mich nicht dagegen wehren wollen. Ich wollte das tun. Ich musste das. Es war mir egal, wer er war, jetzt zählte genau das, was ich mir vorgenommen hatte, was ich mir wünschte. Es fühlte sich richtig an. Nicht bedrückend oder beklemmend. Es war ein richtiges Gefühl und es kümmerte mich nicht, was andere Leute darüber dachten.

Eine Weile saß ich in dem Besuchsraum, bis sie meinen Großvater zu mir hereinführten.

Es war irgendwo genau der Anblick, den ich mir erhofft hatte. Ja, man konnte jetzt argumentieren, dass es niederträchtig war, diesen Anblick zu genießen. Aber in meinen Augen geschah ihm das vollkommen recht. Dieser Mann hätte mich umgebracht, er hatte es sogar aktiv versucht, wenn ich nicht nach seinem Ebenbild hatte agieren wollen. Er hatte es nicht anders verdient. Und selbst jetzt, Monate später, war ich noch nicht bereit, diesen Gedanken abzulegen… Wir hatten gewonnen und das konnte er mir nicht mehr nehmen, genau deshalb wollte ich es genießen. Auf jede erdenkliche Art. Ich musste das noch einmal genießen und dann wollte ich diesen Menschen nie wieder sehen, natürlich wollte ich das nicht. Aber einen letzten Stich… den sollte es noch geben, ich dachte, ich hatte mir das verdient.

Er wurde an den Tisch zu mir gesetzt und er sah nicht zufrieden in der Gefängnisuniform aus. So wie er da saß, er wirkte nicht glücklich, natürlich nicht. Aber er war nun auch nicht mehr in der Position, dass er sich irgendwas aussuchen könnte. Nichts und niemand würde das zulassen. Das waren eben die Konsequenzen, wenn man spielte und verlor.

Ich lächelte, nein ich grinste. Ich genoss den Anblick, wie er dasaß. Wir hatten ihn ausgetrickst, aber dass der Strafsatz am Ende so hoch gewesen war, das hatte r sich wegen der Waffe dann doch selbst zuzuschreiben, das war nicht der Plan gewesen. Wir waren fies gewesen, wir hatten ihm alles unter den Füßen wegziehen wollen, aber er hatte es noch einmal schlimmer gemacht. Da war es nur richtig, dass er es so ausbaden musste.

Als er einen Moment schon da war, räusperte ich mich schließlich: „Ich würde sagen, schön dich noch einmal zu sehen, aber du bist es mir nicht wert, zu lügen.“

Mein Großvater blickte mich an, selbst in der Situation, selbst jetzt, wo er offensichtlich sehr unwohl in seiner Haut war, wollte er offenbar noch nicht ganz kleinbeigeben. Ich sah es in seinem Blick. Da war noch immer etwas wie Stolz in seinem Blick. Falsch verstandener Stolz, keine Frage, aber er war noch nicht vollkommen gebrochen.

Und genau das machte mich irgendwo auch wütend, aber ich hatte mich im Griff. Ich musste mich im Griff haben, ich durfte ihn einfach nicht gewinnen lassen. Dass er irgendetwas in dieser Richtung vorhatte, das war mir eigentlich schon klar. Er konnte nicht mehr gewinnen, das Rechtsurteil war gültig, all das stand fest. Aber er wollte auf einer mentalen Ebenen natürlich noch einmal zeigen, dass er nicht am Ende war. Und eigentlich war ich ja genau deshalb hier, um ihm das zu zeigen! Ich wollte das beenden, für mich vollständig abschließen. Und ich wollte noch einen Moment Genugtuung. Vielleicht auch genau um diese niederträchtigen Gedanken abzuschließen. Ich wusste ja, dass es schon ein Makel war, besonders wenn man bereits gewonnen hatte.

Aber mein Großvater war eben einer der Menschen, die man nie abschreiben durften. Die immer irgendwie einen Weg oder etwas anderes finden würden… Man musste noch vorsichtig sein.

„Oh Junge, bist du nicht in der Lage, deinen Spott zu unterdrücken. Was willst du hier?“, er war noch so ruhig, dass ich wirklich schon Angst hatte, er habe irgendwas geplant… aber eigentlich… wurde ich wahrscheinlich langsam paranoid und das war das, was er dann auf der anderen Seite wollte!

Ich würde mich von ihm nicht zermürben lassen. Ich hatte mir diesen Moment genommen, um mir all das klar zu machen. Ich wusste jetzt noch einmal siegen, ich brauchte das, und dann wollte ich all diese Gedanken nie wieder zulassen. Ich wollte diesen Abschluss. „Ich bin eigentlich nur hierhergekommen, um die die Möglichkeit zu geben, deinem liebsten Enkel schon einmal vorweg alles Gute zum Universitätsabschluss und Einstieg in die Firma zu wünschen. Noch einmal komme ich nämlich definitiv nicht hierher, damit du es weißt. Also wenn du mir etwas sagen möchtest, dann solltest du es jetzt tun.“

Er schnaubte und schüttelte den Kopf. „Falls ich was möchte? Du bist doch nicht mehr bei Trost. Du kannst mir das unter die Nase reiben, aber ich habe mich damit abgefunden, dass unsere herrliche Familientradition mit mir stirbt. Dein Vater ist schon eine Enttäuschung gewesen, aber du schlägst dem Fass den Boden aus. Mir ist vollkommen egal, für wie fähig man dich erklärt. Du bist eine Schande, ich kann das deutlich sehen und dass dein Vater nichts mehr auf den Ruf unserer Familie gibt, indem er all das so akzeptiert zeigt mir nur noch einmal, was für ein Versager er selbst ist.“

Einen kurzen Moment lang starrte ich ihn an. Er wollte wirklich nicht aufgeben… Ich konnte es kaum fassen…

Ich atmete tief durch und sah ihn an. „Wenn ich so eine Schande bin, dann solltest du dich mehr als nur schämen, von jemandem wie mir besiegt worden zu sein.“ Ich schüttelte den Kopf. „Ich habe auch ehrlich nicht erwartet, dass du die Zeit zum Umdenken nutzen würdest. Vielleicht war ich tatsächlich unterbewusst naiv daran zu glauben, aber ich hätte es definitiv wissen können.“ Ich verdrehte die Augen. „Aber gut, dann lassen wir das. Ich werde nie verstehen, was Menschen wie du eigentlich zu erreichen hoffen. Wirtschaftlich betrachtet sollte dir klar sein, dass der Stillstand, den du gesellschaftlich forderst, und die Überlegung, alles wie in guten alten Zeiten zu machen und sich nicht weiterzuentwickeln, überholt ist. Wenn man erfolgreich sein will, sollte einem das klar werden. Ich wahre unsere Traditionen, aber das, was du für richtig hältst, ist in vielen Fällen einfach veraltet.“ Ich blickte ihn ernst an.

Es lohnte sich nicht, sich weiter mit ihm zu unterhalten. Das hätte ich wissen können, aber… ich hatte diesen Moment für einen Abschluss gewollt. Und den konnte ich auch immer noch haben.

Ich stand auf und räusperte mich. „Aber nur damit du es weißt, während du weiter darüber fluchst, was für ein Nichtsnutz ich bin, solltest du dir gut ins Gedächtnis rufen, dass ich die richtigen Traditionen weiterführe. Ich werde diese Firma übernehmen, ich werde sie vernünftig führen und weiter ausbauen und ich werde es an deinem wunderbaren Geschenk zu meinem Abschluss tun und jedes Mal daran denken, dass ich es trotz deiner verbitterten Einstellung so weit gebracht habe und du hier verrotten kannst.“

Da sah er mit einem Mal auf. „Was bitte?“

Da musste ich noch einmal etwas mehr grinsen. „Deine Villa und deine Möbel sind versteigert worden, als sie dich verurteilt haben. Ich habe dabei deinen geliebten Schreibtisch gekauft und ich werde ihn in mein Büro stellen. Ein bisschen dekadent, aber ein wirklich schönes Stück.“ Ich lächelte. „Und ich weiß, wie wichtig er dir ist, also bleibt er in der Familie. Aber wenn es dich beruhigt, nach allem, was ich mit Danny darauf schon angestellt habe, würdest du ihn wohl auch eher nicht mehr wiederhaben wollen, nicht wahr?“

Ich konnte sehen, wie er langsam rot anlief…

Das hatte ihn dann doch wütend gemacht. Aber so sehr kümmerte es mich nicht mehr. Ich hatte gewollt, dass er es wusste, ich wollte das abschließen und das tat ich jetzt. Ich ging und ich drehte mich nicht mehr um. Dieser Mann war für mich Vergangenheit. Für immer.


Ich verließ das Gefängnis und ich veranlasste alles, um mein Arbeitszimmer einzurichten, ich verbrachte noch Zeit mit Danny und bereitete mich dann auf meine Abschlussfeier zu.

Mir war ja schon klar, dass ich nicht aufgeregt war. Das musste ich eben auch nicht sein. Da war nichts, wegen dem man nervös sein müsste. Es war eine kleine Zeremonie mit einer anschließenden Feier an der Universität und Ehrungen.

Es war nicht viel. Man übergab uns unsere Zertifikate, ich wurde geehrt und dann ging es zu einer kleinen Feier im Universitätsgebäude, an dem auch einige wichtige Leute teilnahmen. Es gab schließlich auch einige aus unserem Jahrgang, die noch keine festen Angebote hatten. Ich selbst bekam noch einige Angebote, aber das war mir alles egal. Ich hatte ja bereits einen Plan. Aber genau dafür war so eine Feier noch einmal ganz nett. Gespräche mit Dozenten, Blick in die Zukunft, alles an einer netten ruhigen Feier mit Essen und Sekt.

Es war nichts Großes, aber es war ganz nett.

Ich hatte Danny an meiner Seite, der sich für mich freute und ich war glücklich. Natürlich waren mein Freund und ich nicht immer auf der Feier zusammen, dafür wollten auch viel zu viele Leute – wie vergeblich es auch war – mit mir sprechen und das war meinem Freund logischerweise zu langweilig.

Es war eine Veranstaltung, wie man an ihr teilnehmen musste, aber es war mehr oder weniger vielleicht auch schon einmal eine ganz gute Übung für uns. So konnte man sich das auf jeden Fall vorstellen. Man musste sich ein wenig präsentieren, schick anziehen, Gespräche führen, aber Danny und ich schafften das alles schon und ich fühlte mich gut damit. Es war ein netter Abend.

Auch wenn ich mehr oder weniger versuchte, so wenig Gespräche wie möglich zu führen. Es war schmeichelhaft, aber es brachte mir nichts. Ich hatte einen Job und es wäre albern, in eine andere Firma zu gehen, wenn ich in meiner Firma doch alles haben konnte, was ich wollte.

Meinen Freunden ging es ja irgendwo genauso. Das war vielleicht wirklich das Glück, wenn man in dieser Schicht aufwuchs, man hatte alles an Möglichkeiten. Henry, Rachel und Quentin ging es da ja schließlich wie mir, auch wenn es bei Henry nicht die unglaublichen Aufstiegschancen geben mochte, es war auf jeden Fall schon einmal gut, Erfahrungen zu sammeln, das wusste er ja genauso. Eigentlich war es uns allen klar. Man fand sich so zurecht, man musste jetzt noch einen fertigen Plan haben. Ich genoss das, aber ich sah auch, dass es nicht zwangsläufig notwendig wäre.

Bei mir ergab sich nur einfach kein anderer Plan. Ich wollte anfangen zu arbeiten. Im Gegensatz zu Rachel, die eher noch nicht gleich arbeiten wollte. Aber sie nutzte die Zeit anders. Sie wollte mit Peter wegfahren und da die Ballards überall, wo sie eine Produktionsstätte hatten, auch Ferienhäuser hatten, konnte man das sicherlich gut verbinden. Und da Peter auch in die Ballard-Firma einsteigen wollte, war es sicherlich sinnvoll, dass er sich all das ansah. Quentin und Charlotte wollten dagegen gleich in der Firma von Charles anfangen… Ich war gespannt darauf.

Aber auf der anderen Seite waren die beiden lange zusammen und sie kannten die Wege und Muster, in denen sie gut arbeiten könnten. Allerdings hieß das auch für die beiden, dass sie sich erst einmal eine Zeit lang eingewöhnen müssten und weniger Zeit haben würden.

Mir war das klar. Es war vielleicht ein bisschen schade zu wissen, dass ich für die nächste Zeit ein wenig auf meine besten Freunde verzichten müsste, aber so war das nun einmal hin und wieder da konnte man nichts machen.

Ich hatte dafür Verständnis. Danny und ich müssten uns auch an alles Neue gewöhnen. Aber ich war bereit dafür. Natürlich war ich das.

Ich war bereit für alles mit Danny.

Darauf vertraute ich und darauf konnte ich bauen. Mein gesamtes Leben lang hatte ich genau gewusst, dass ich diese Art von Zukunft wollte, aber jetzt hatte ich jemanden an meiner Seite, mit dem ich das auch wirklich alles haben konnte und ich war glücklich. Ich war einfach nur glücklich mit Danny und ich wusste, dass ich mich auf ihn verlassen konnte und auch weiterhin glücklich sein konnte.

Auch an diesem Abend war er an meiner Seite gewesen, aber er hatte nicht nur an mir geklebt, ich hatte alles machen können und ich hatte mir keine Sorgen um ihn machen müssen. Alles war absolut wunderbar gewesen, am Ende des Tages. Es war so, wie es sein sollte. Genau damit war ich einfach glücklich.




Kapitel 112x: Spiegelglatt

Es war ein merkwürdiges Gefühl in der Firma meines Vaters zu sein. Eigentlich liebte ich es. Schon immer hatte ich es gemocht. Als er mich das allererste Mal mitgenommen hatte, war ich wahnsinnig aufgeregt gewesen.

Natürlich hatte sich meine Mutter etwas beschwert, dass das zu früh war und ich als Zehnjähriger nichts in einem staubigen Bürogebäude zu suchen hatte. Aber ich hatte mich ungefreut! Und mein Vater hatte mich mitnehmen wollen. Ich hatte das Gebäude sehen wollen! Ich hatte da sein wollen!

Natürlich wollte ich das alles. Seit ich denken konnte, wollte ich das. Genau deshalb hatte meine Mutter dann am Ende auch zugestimmt. Sie wollte ja auch nur das Beste für mich und ich war mir sicher, dass das Beste war, so viel von dem Beruf meines Vaters zu sehen! Ich wollte das unbedingt!

Es war definitiv ungewöhnlich, dass ich schon so eine klare Vorstellung von all dem hatte, was ich später machen wollte. Aber es war einfach so. Ich war ja auch damit aufgewachsen und ich fand es spannend.

Ich wusste es aus meinem Umfeld und von all den anderen Kindern, dass es die meisten nicht so spannend fanden wie ich… weder die Vorstellung noch die Tätigkeit an sich. Aber ich war aufgeregt, als mein Vater mich in die Firma mitnahm.

Denn ich wollte das unbedingt sein. Die anderen Kinder konnten sich das nicht vorstellen und es war vielleicht wirklich nicht der Ort für Kinder, da hatte meine Mutter schon recht, aber ich war absolut beeindruckt. Das hohe Gebäude, all die langen Gänge… die Büros, ich fand es spannend. Und die ganzen Leute…

Ich lief immer hinter meinem Vater her. Er hatte mich mitgenommen und er schien auch irgendwie… glücklich zu sein. Er lief vor mir lang und zeigte mir alles. Und ich musste schon zugeben… auf der Fülle waren all die kleinere Büros dann nicht so spannend, es wiederholte sich viel und die Leute interessierten mich nicht so sehr, aber mein Vater war dennoch motiviert, mir einfach alles zu zeigen. Und genau das machte mich auch glücklich. Irgendwie hatte ich schon das Gefühl, dass ich ihn damit eben auch schon stolz machte, dass ich dieses Interesse zeigte. Mein Vater ging überall mit mir durch und erklärte mir, wo was gemacht wurde. Und ich hörte aufmerksam zu.

Ich wollte alles aufsammeln, ich wollte mir alles merken, ich wollte das alles wissen. Immerhin wollte ich meinen Vater weiter stolz machen, natürlich wollte ich das. Wer wollte das denn nicht?

Genau deshalb fand ich es großartig, mit in der Firma zu sein. Es war spannend, mein Vater erzählte mir alles und er antwortete hier nun auch wirklich auf alle meine Fragen, vielleicht auch weil meine Mutter mal nicht dabei war. Das war nicht so ernst wie es klang, aber meistens unterbrach sie uns dann ja doch oder mein Vater hielt sich zurück, aber hier… hatte ich wirklich das Gefühl, dass ich ein Teil davon war.

Was ich schon etwas merkwürdig fand, waren die ganzen Anmerkungen dazu, wie niedlich ich denn war… All die Leute, die für meinen Vater arbeiteten kommentierten das beinahe ohne Unterbrechung! Und das verstand ich nun wirklich nicht… Was hatten Erwachsene bloß immer damit, dass sie so viele Vorstellungen und Erwartungen an Kinder hatten? Das war doch irgendwie komisch… Aber daran konnte man auch nichts ändern…

Es war einfach so, es machte die Besuche etwas komisch, weil jeder hier ständig etwas dazu sagen musste, aber das konnte ich in Kauf nehmen. Ich war einfach glücklich, dass ich bei meinem Vater und in der Firma sein konnte, hier fühlte ich mich wohl. Das war, was ich wollte.
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