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Drei Dinge

von Maginisha
Kurzbeschreibung
OneshotMystery / P12 / Gen
02.06.2020
02.06.2020
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434
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02.06.2020 434
 
Eigentlich sollte ich jetzt was ganz anderes machen, aber ich konnte nicht widerstehen und musste mir mal angucken, was Farringdon im Projekt Inspiration durch Bilder Nr. 4 wohl so zu bieten hat. Nach einer ziemlich albernen, ersten Idee zu meinem Bild, das nicht wirklich mit mir sprechen wollte, entstand nun dieses kleine Szenario.

Musik: Requiem for a dream



Inferno. Das war es, was er dort unten sah. Flammensäulen, die wie gigantische Schlangen dem Himmel entgegenjagten. Die sich aufbäumten und in sich zusammenstürzten, nur um an anderer Stelle wieder emporzuschießen. Glutwalzen, die brennend gen Tal rasten. Eine Schneise der Vernichtung hinter sich herziehend. Hell, heiß und brennend.
Er spürte die Hitze auf seinem Gesicht, den Rauch in seinen Lungen. Jeder Atemzug ein erneuter Kampf. Die Luft geschwängert vom Gestank der versengten Landschaft. Er durchsetzte alles. Kroch in jede Pore, jeden Winkel, jede Ritze. Er breitete sich aus, bevor das Feuer ihm nachfolgte wie eine Mutter ihrem entlaufenen Kinde.
„Du musst hier weg, Junge“, rief eine Stimme, die an ihm vorbeieilte.
„Rückzug“, brüllte eine andere.
Dort drüben versuchten sie noch, der glühenden Gefahr Einhalt zu gebieten. Ein sinnloses Unterfangen. Sie konnten das Feuer nicht zähmen. Konnten die verheerende Urgewalt nicht aufhalten. Die weißen Wasserstrahlen, die sich gegen die Flammenwand ergossen, vergingen zu wallendem Dampf. Sie brachten keine Linderung, keine Kühle, keine Erlösung. Überall war das Feuer. Nur es allein existierte noch und es fraß. Es hungerte. Verschlang, was immer ihm in den Weg kam. Bäume, Sträucher, Tiere und Menschen. Es knackte und toste, es sang und rauschte. Für einen Moment schloss er die Augen, um der Symphonie des Verderbens zu lauschen, bevor eine Hand ihn grob herum riss.
„Was tust du hier?“, herrschte ihn ein Mann an. Es musste ein Mann sein. Groß war er und in eine schwere Feuerwehrausrüstung gehüllt. Im Visier seines Helms spiegelte sich die Gestalt eines vielleicht zwölfjährigen Knaben.
„Geh!“, rief der Mann und deutete den Weg entlang. „Das Feuer. Es kommt.“
„Ich weiß“, antwortete er und schüttelte die Hand ab wie eine lästige Fliege. „Ich habe es gerufen.“
In der Nähe explodierte ein Baum. Er sandte einen Funkenregen über ihn und den Mann, der schrie, als der brennende Stamm sich auf ihn herabsenkte und ihn unter sich begrub.
Er sah noch kurz auf die zuckende Gestalt, die sich schon im nächsten Moment nicht mehr regte, bevor er sich umwandte und langsam in Richtung des tobenden Feuersturms davonging. Er lächelte, denn er hatte keine Angst. Es stimmte tatsächlich, was man sagte. Es gab drei Dinge im Leben, die zu beobachten man niemals müde wurde. Feuer, Wasser und das Elend anderer Leute.
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