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Survive farm life

von SeiSarash
GeschichteHorror / P16 / Het
01.06.2020
12.04.2021
8
14.979
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01.02.2021 1.841
 
Amy hat sich gerade verabschiedet und steigt in ihren Traktor. Jack sitzt auf der Treppe der Veranda und drückt den Stummel, der mal eine Zigarre war auf einem Stein aus, der neben der Treppe liegt. Es ist schon recht spät und in knapp einer Stunde geht die Sonne unter. Luke setzt sich zu dem Farmer.
„Na? Da hast du aber wirklich mal eine süße Maus, bei der du hin und wieder ein Rohr verlegen kannst. Nicht schlecht, alter Mann.“
Der junge Mann hebt die Hand für ein High-Five. Doch Jack schaut nur kurz zu ihm, dann wieder dem Traktor hinterher. Luke nimmt die Hand schließlich etwas beschämt wieder runter
„War nur ein Witz. Nicht gerade mein Bester.“
Die beiden schweigen eine ganze Weile, bis der Jüngere noch etwas sagt.
„Ich wundere mich über etwas. Sagtest du nicht am ersten Tag, kein Alkohol, keine Zigaretten? Gilt wohl nur für die Gäste… Wobei, ich durfte ja auch einen trinken.“
Jack schaut den jungen Mann neben sich nun doch an.
„Das war eine Ausnahme. Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich dich Regel. Gewöhn dich nicht daran. Der Drink vagtjagt einem die Angst aus den Knochen. Und behaupte bloß nicht, du hättest keine Angst gehabt. Außerdem... Wir haben nach dem ersten Mal, als wir einen Rang S umgelegt haben auch einen gehoben. Auf unseren gefallenen Kameraden. James war Amys Bruder. Er hat mir den Schwur abgenommen, dass ich mich um sie kümmere, bevor ich ihm den Schädel weg geballert habe. Sie war damals auch dabei. Sie blieb einige Tage bei mir, einfach weil sie nicht alleine sein wollte. Die anderen kümmerten sich zusätzlich noch um ihre Farm in der Zeit. Sie hat sich damals in mein Bett geschlichen. Es war eigentlich etwas vollkommen harmloses. Aber letzten Endes sind wir wir doch im Bett gelandet.“
Luke schaut nun etwas irritiert aus.
„Dann habt ihr euch verliebt? Oder ging es nur um Sex?“
„Das ist eine gut Frage. Ich erinnere mich, dass ich schon einmal so empfunden habe, wie heute bei Amy. Bei meiner verstorbenen Frau habe ich auch mal so gefühlt. Vielleicht bin ich wirklich verliebt. Aber ich sollte mich hüten, auch nur ein die Idee zu kommen, mit Amy etwas anzufangen, was über gelegentlichen Sex hinausgeht.“
Der Jüngere verzieht kurz nachdenklich das Gesicht.
„Warum eigentlich nicht? Sie sieht verdammt gut aus. Und du bist für dein Alter auch nicht von schlechten Eltern.“
Jack hebt eine Augenbraue.
„Reizend.“
Luke muss etwas kichern.
„Du weißt, was ich meine. Ihr beide seid zusammen ein süßes Paar. Und du hast versprochen dich um sie zu kümmern. Ich denke, dass er nicht meinte, du sollst sie hin und wieder flachlegen?“
Der Farmer schaut zu dem jungen Mann.
„Vermutlich nicht. Ob er es nun gemeint hat oder nicht, Amy und ich haben beide jemanden verloren durch diese Krankheit. Da ist es doch nicht allzu verwunderlich, dass wir wissen, wie der andere sich fühlt und da kommt eben eines zum anderen. Und wer sagt, dass man in der Apokalypse nicht auch für das Leben danach sorgen soll.“
Nun ist Luke erschrocken.
„Sie ist schwanger? Und du lässt sie dann gegen so ein Monster antreten. Und trinken und rauchen?“
Jack seufzt.
„Ich schlafe nur mir ihr. Ich bin nicht ihr Daddy, der ihr was vorschreiben kann. Und ich werde einer schwerbewaffneten Frau ganz sicher keine Vorschriften machen. Die Kleine hat einen Bunker unter der Farm. Und schwere Kriegswaffen. Plus den nötigen Scheinen und Urkunden. Und nein, sie ist nicht schwanger!“

Die Sonne geht unter. Der Farmer sitzt mit den jugendlichen am Tisch und isst zu Abend. Die Geschehnisse des Tagen haben alle etwas mitgenommen, besonders Philipp, der sich in seinem Stolz gekränkt fühlt. Und das spricht er auch bald an.
„Na, Luke. Denkst du jetzt du bist ein Supermann? Durftest du schön dabei sein, als man schön Monster bekämpft hat?“
Sonja stupst ihren heimlichen Schwarm an.
„Wir haben dir das doch erklärt. Lass das jetzt.“
Doch der junge Mann schlägt ihre Hand weg.
„Halt du mal die Klappe. Ich wüsste gerne, warum Luke hier zum Soldaten erzogen wird, und wir anderen müssen uns um die Viecher kümmern.“
Jack atmet aus, wobei ihm ein leichtes Knurren entrinnt.
„Sei lieber vorsichtig mit deinen Worten. Diese Viecher haben schließlich die Milch, die du trinkst, produziert. Und die Butter, die du isst, eben so den Käse und so weiter. Ich habe dir die Chance gegeben, zu zeigen, dass du schießen kannst. Und du kannst es einfach nicht. Und ich nehme sicherlich niemanden zu einer Hinrichtung mit, der nicht vernünftig zielen kann. Ich hab dir angeboten, zu üben. Aber wenn du weiterhin rumheulst, kleine Prinzessin, kannst du das auch vergessen!“
Philipp funkel den Gastgeber böse an, dann Luke.
„Toll. Danke dafür, Luke!“
Nun donnert Jack seine Faust auf den Tisch.
„Verdammte Scheiße noch eins. Jetzt halt endlich deine Fresse! Zeig, dass du ein Mann bist und über nimm mal Verantwortung für deine eigenen Worte.“
Nun herrscht Stille am Tisch. Jack schaut sich kurz um, dann steht er auf, nimmt sich seine Gewehr und geht ins Obergeschoss.

Die Mädchen haben sich zusammen in die Badewanne gesetzt. Da es im Badezimmer kein Fester sondern Abluft gibt, können sie solange Baden, wie sie wollen. Ramona wäscht gerade Sonjas Haar, als sie sie anspricht.
„Das war ganz schön heftig beim Essen, was? Ich weiß ja, dass du Philipp schon heiß findest.“
Sonja seufzt kurz.
„Ich weiß nicht mehr, ob ich ihn noch so gut finde. Ich meine, so wie er sich benommen hat. Auch heute Mittag.“
Ramona wäscht das Shampoo aus dem Haar ihrer Freundin.
„Hm. Na ja, du kennst doch die Jungs. Die müssen aus allem einen Schwanzvergleich machen. Wenn die Rollen vertauscht wären, würde Luke auch an die Decke gehen. Philipp ist nicht so ein schlechter Kerl. Das hier ist alles völlig anders, als wir uns das vorgestellt haben. Gib ihm ein paar Tage. Dann beruhigt er sich wieder.“
„Ich hoffe, du hast recht. Im Moment sind mir Luke und Florian sympathischer.“
Ramona drückt Sonjas Kopf auf ihren Schoss, um ihre Haare auszuwaschen.
„Ich glaube, du machst dir einfach zu viele Sorgen. Männer müssen hin und wieder mal die Rangordnung festlegen. Ist klar, dass unser Gastgeber der Rudelführer ist. Und Florian ist ja ohnehin so ein ruhiger Typ, dem es egal ist, wo er in der Rangliste steht, solange er in Ruhe gelassen wird. Und Luke verlässt sich einfach darauf, dass er mit einem Aussehen und so ohnehin der geilste Macker ist. Philipp… na ja. Weißt du, er hat doch so viele Geschwister. Da kloppen die sich immer darum, wer der Chef ist. Ich denke, wenn Philipp sich ein wenig beruhigt hat und man ihm das Gefühl gibt, dass er einen wichtigen Platz besetzt, wird er wieder liebenswürdig sein.“
Sonja schaut von unten zu Ramona hoch und bespritzt sie dann mit Wasser.
„Mein Gott, war das gerade kitschig.“
Die beiden Mädchen kichern.

Philipp ist nicht ins Bett gegangen. Er sitzt auf dem Sofa im Wohnzimmer und denkt nach. Er kommt sich vor, wie das fünfte Rad am Wagen. Und das will er unbedingt ändern. Da kommt plötzlich der Hausherr ins Zimmer. Er hat um diese Uhrzeit niemanden erwartet und erst recht nicht im Wohnzimmer. Jack setzt sich wortlos in den Sessel und schaut zu dem jungen Mann. Dieser schaut zurück. Nach einer Weile spricht der Farmer.
„Ich kenne das.“
Der junge Mann schaut zu Jack rüber und kneift die Augen zusammen.
„Sie kennen was?“
„Ich kenne es, einer von vielen zu sein. Ich hab mich gefragt: Warum ist der Junge so wütend? Und da hab ich zufällig mitbekommen, dass du wohl ein paar Geschwister hast.“
Philipp senkt den Kopf.
„Sieben insgesamt.“
Der Hausherr hebt kurz die Augenbrauen.
„Eine stolze Zahl. Da geht es wohl ganz schön rund, bei dir Zuhause.“
„Ich bin der Drittjüngste. Und so gar nichts besonderes. Ich bin nicht der Sportlichste oder der Intelligenteste oder der Beliebteste.“
Jack nickt kurz.
„Nun, was diese Sache mit der Intelligenz angeht, stimme ich vollkommen zu. Aber genau das Gleiche kann ich von mir behaupten. Denkst du, dass auch nur einer meiner Geschwister so doof gewesen wäre, nach dem Ausbruch den Hof weiter zu führen. Wenn ich dich einen Vollidioten nenne, bin ich auch einer.“
Philipp schaut auf und lehnt sich auf dem Sofa zurück.
„Ich glaube nicht, dass sie mit ihren Geschwistern soviel gestritten haben, wie ich mit meinen.“
„Glaubst du, ja? Du sagst, du hast sieben Geschwister. Ich hatte 12. Von denen sind nur noch drei am Leben. Diese Farm habe ich mit eigenen Händen aufgebaut. Was denkst du, wie oft sie mir vorgeworfen haben, dass ich ein schlechter Bruder bin, weil ich sie nicht verkaufe, damit ihn ihnen etwas von dem Geld abgeben kann. Dafür war ich ihnen gut genug. Für Geld! Sie selbst haben nichts auf die Kette bekommen. Und mir nie etwas gegönnt. Aber ich habe mir den Arsch aufgerissen für diese Farm. Denkst du, dass auch nur einer meiner Geschwister geholfen hat, als der Rinderwahnsinn umging? Oder die Geflügelpest? Nein, ich musste mich um alles alleine kümmern. Aber ich sollte für sie da sein, wenn es ihnen schlecht ging.“
Philipp schluckt kurz.
„Ok, so krass ist es bei uns nicht. Aber trotzdem, ich werde von niemanden wahrgenommen.“
Jack steht nun auf und setzt sich neben Philipp.
„Weißt du, mein Großvater pflegte immer zu sagen: ‚Der Herr hat dir all diese Hürden in den Weg gestellt, weil er wusste, dass du stark genug bist, um sie zu meistern.‘ Ich bin zwar nicht gläubig, aber irgendwie ist an diesem Sprichwort was dran. Und Leute wie wir sind nicht so alleine, wie du vielleicht denkst. Ich hab meine Farmerkumpel. Und du hast deine Freunde. Statt dich immer mit anderen zu messen, solltest du deine Energie vielleicht in etwas anderes investieren. Etwas, das länger hält als der Besuch auf einem Bauernhof.“
Philipp denkt kurz nach und schaut den Farmer dann an.
„Ist es möglich, dass sie mir vielleicht das Schießen beibringen? Nicht weil ich Luke ausstechen will, oder so. Ich hab nur gemerkt… wäre das Vieh ins Haus gekommen, wäre ich vermutlich der letzte gewesen, der die Mädels hätte beschützen können.“
Jack lächelt ein wenig.
„Ich denke, dass lässt sich einrichten. Dann kann der Sonnyboy mal beweisen, wie gut er darin ist, Schafe zu füttern.“
Philipp kichert kurz. Dann gähnt er.
„Ich glaube, ich sollte auch mal ins Bett gehen. Ich bin wohl müder, als ich dachte.“
Der junge Mann steht auf und macht ein paar Schritte, dann schaut er noch mal zu dem Gastgeber.
„Wissen Sie, ich glaube, dass sie der Intelligenteste unter ihren Geschwistern sind. Sie sind eigentlich ganz in Ordnung.“
Mit diesen Worten verschwindet der junge Mann ins Obergeschoss. Jack schaut ihm nach. Dann steht er auf und geht zur Wand, wo ein Bilderrahmen verkehrt herum hängt. Diesen dreht er um. Auf dem Bild sind 13 Leute zu sehen. Einer davon ist Jack. Er seufzt kurz und spricht dann, als wäre jemand anwesend.
„Ihr habt euch geirrt. In allem. Ihr seid die die Verlierer der Familie.“
Jack dreht das Bild wieder um und verlässt das Schlafzimmer.
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