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Survive farm life

von SeiSarash
GeschichteHorror / P16 / Het
01.06.2020
01.03.2021
6
11.453
7
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01.06.2020 1.395
 
„Ich erinnere mich daran, wie ich diese Krankheit zum ersten Mal wahr genommen habe. Meine Frau war an einem eigenartigen Virus erkrankt. Von Tag zu Tag wurde sie schwächer und irgendwann flehte sie nach einem schnellen, schmerzfreien Tod. Jeden Tag, wenn ich meine Arbeiten auf der Farm verrichtet hatte, kam ich zu ihr und pflegte sie. Jeden Abend legte ich mich zu ihr, schlief an ihrer Seite ein. Bis zu dieser einen Nacht. Ein schriller Schrei hatte mich aus dem Schlaf gerissen. Sofort bemerkte ich, dass meine Frau nicht mehr neben mir lag. So verließ auch ich das Bett, ergriff meine Schrottflinte und stürmte in die Nacht hinaus. Mit einer Taschenlampe suchte ich das Gelände ab. Und es dauerte auch nicht lange, bis ich die Leiche eines meiner Schafe fand. Es musste furchtbar gelitten haben. In dieser Gegend kam es öfter vor, dass Wölfe Vieh rissen. Doch ein Rudel hätte dieses arme Ding nicht so hingerichtet und vor allem nicht nur zur Hälfte gefressen. Dieses Schaf wurde von etwas anderem gerissen. Ich leuchtete die nähere Umgebung ab und fand noch mehr von meiner Schafherde, alle nur bis zur Hälfte gefressen und geradezu massakriert. Ich sah mich weiter um, als mir ein Knurren entgegen kam. Ein Blutverschmiertes Gesicht lugte aus dem Gras hervor. Ich erkannte die Gesichtszüge meiner Frau. Im ersten Moment konnte ich nichts anderes tun, als sie anzustarren und mir ein zureden, dass ich träumte. Das verzerrte Gesicht meiner einst so heißgeliebten Frau nährte sich mir und schließlich sprang sie mich an wie ein Raubtier. Ich riss meine Waffe hoch. Ihre Zähne splitterten, als sie auf das Metall des Laufes trafen. Mit einem Ruck schleuderte ich sie zu Boden, stellte meinen Stiefel auf ihre Brust, um sie genau dort zu halten. Ihre Fingernägel rutschen an der Oberfläche meines Gummistiefels ab. Der Lauf meines Gewehrs richtete sich langsam auf die Stirn meiner Frau, die offenbar nach meinem Leben trachtete. Mein Blick wanderte noch einmal zu den zerrissenen Schafen, dann löste sich der Schuss aus meiner Waffe. Die kalte Landluft trug den Knall in die Ferne. Ich starrte lange auf die Leiche zu meinen Füssen. Fast 40 Jahre waren wir bis zu dem Zeitpunkt verheiratet. Erst ein Paar Jahre zuvor, ist unser sechstes und jüngstes Kind aus gezogen. Und meine Frau wollte auch nicht mehr bei mir auf dem Hof bleiben. Unsere Scheidung war nur noch eine Formalität. Ich hätte sie gehen lassen. Doch dann erkrankte sie und aus ihr wurde dieses Ding. Doch das war plötzlich alles vergangen und nicht mehr von Bedeutung. Kaum war die Sonne auf gegangen, hatte ich meine Frau hinterm Haus beerdigt, unter dem Apfelbaum, den sie so sehr geliebt hatte, dass ich ihn nicht mal fällen konnte, als er keine Früchte und auch kein Laub mehr trug. Und ich habe für ihre Seele gebetet. Auch wenn ich nicht an Gott glaubte, so sagte meine Frau immer, er ist da, auch wenn man nicht an ihn glaubt. Ich betete, dass meine Geliebte an der Seite des Herrn einen Platz bekäme und flehte, dass ich so etwas nie wieder mit erleben müsste.“

Im Sommer 2017 bricht eine eigenartige Krankheit aus. Niemand weiß, wo sie her kommt, ob sie natürlich ist oder künstlich. Die Virologen arbeiten Fieberhaft daran, das Virus zu erforschen. Da diese Krankheit vermehrt in den ländlichen Regionen auftritt, haben die Regierungen keine zusätzlichen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt. Wenn eine infizierte Person doch die Stadt erreicht, wird sie gleich in Quarantäne gesteckt. Die Farmer sollen sehen, wie sie mit dieser neuen Plage zurecht kommen. Natürlich sollen sie weiterhin die Städte mit Obst, Gemüse, Getreide und Fleisch versorgen. Die großen Massentierhöfe werden von Infizierten geradezu überrannt. Daher wird Ackerfläche extrem günstig. Wer ein bisschen was auf der hohen Kante hat, kauft Land, um es zu bebauen und Vieh zu züchten. Und wer noch mehr Geld hat, kann sich die nötigen Zäune und andere Sicherheitsvorkehrungen leisten. Doch sie können die Erwartungen der Regierungen nicht erfüllen. Die Farmer können die Städte nicht mit der Menge an Lebensmittel versorgen, ohne dabei selbst hungern zu müssen. So kommen immer mehr, gerade jünger Leute auf die Idee, den Farmern zu helfen. Nicht nur, weil sie tatsächlich etwas für die Gesellschaft tun wollen, sondern auch, weil sie auf ein Abenteuer hoffen. Doch auch diese Leute müssen für ihre Dienste bezahlt werden. So kommen einige Farmer auf geradezu kreative Ideen.

Seit Ausbruch der Krankheit gibt es noch mehr Touristen, die auf dem Land Abenteuer erleben wollen. So wie die Gruppe von fünf jungen Erwachsenen, die gerade aus dem Bus steigen, um den beschwerlichen Weg zur Farm zu Fuß zu laufen. Sonja, die den Ausflug organisiert hat, schaut sich die Gegend genau an. Sie ist selbst auf einer kleinen Farm groß geworden und erst vor einigen Jahren mit ihren Eltern in die Stadt gezogen. Dort hatte sie ihre vier besten Freunde, Ramona, Florian, Luke und ihren heimlichen Schwarm Philipp kennen gelernt. Seit sie sich kennen gelernt haben, sind die Fünf unzertrennlich. Nach etwa einer Stunde erreichen die Freunde die Farm. Sie wundern sich etwas über das große Eisentor am Eingang. Ein älterer Mann sitzt auf der Veranda, ein Gewehr auf seinem Schoss. Offenbar schläft er. Langsam tritt Sonja an ihn heran und versucht ihn zu wecken. Der Lauf des Gewehrs richtet sich auf sie und der Farmer schaut zu ihr hoch. Das Mädchen schreckt zurück und schreit kurz auf. Der Alte nimmt die Waffe runter.
„Du solltest dich niemals an einen schlafenden, bewaffneten Mann heranschleichen, junges Fräulein.“
Er schaut zu den anderen und erhebt sich.
„Ihr müsst die Touristen sein. Ich bin Jack Redfield, der Besitzer auf des Landes ihr steht. Ich bin euer Gastgeber und zugleich euer Arbeitgeber für die kommende Woche. Dann erkläre ich euch nun die Regeln dieses Hauses. Abends verlässt niemand mehr das Haus. Wenn ich etwas sage, ist dem Folge zu leisten. Alkohol und Zigaretten sind verboten. Wer sich nicht an meine Regeln hält, dem kann und werde ich nicht helfen, wenn er in Gefahr gerät.“
Luke, der Partylöwe der Gruppe, meldet sich nach dieser Ansage zu Wort.
„Was soll das heißen: Keiner verlässt abends das Haus? Und kein Alkohol? Wir wollen feiern.“
Der Farmer tritt direkt vor Luke und schaut auf ihn hinunter.
„Du siehst nicht aus, als hättest du jemals eine Farm aus der Nähe gesehen. Darum solltest du mir jetzt ganz genau zuhören, Sonnyboy. Ich habe diese Regeln nicht aufgestellt, um kleine Jungs wie dich zu ärgern. Das könnte ich besser. Du solltest trotzdem wissen, dass da draußen etwas lauert. Ein ganzen Rudel von ihnen. Und obwohl ich überall hohe Zäune aufgebaut habe, schaffen es immer wieder ein paar dieser Dinger auf die Farm. Tagsüber verlassen sie den Wald nicht. Ihre dünn Haut würde bei strahlendem Sonnenschein langsam verbrennen und ihr Fleisch würde schneller faulen. Dennoch habe ich ein Auge auf sie. Denn hin und wieder traut sich einer von ihnen tagsüber auf meine Farm. Doch wenn es dunkel wird und sie es über die Zäune schaffen, schleichen sie in Scharen ums Haus, reißen wohl möglich ein oder zwei meiner Tiere.“
„Das erklärt die Ausgangssperre, aber nicht den Alkohol und die Zigaretten. Und vor ein paar Wölfen haben wir keine Angst.“
Ramona streicht sich die blonden Haare zurück, als sie das sagt.
Der Farmer stellt sein Gewehr auf den Boden, um sich dann darauf abzustützen, dann grinst er.
„Wölfe? Ihr denkt, ihr habt es mit Wölfen zu tun? Ihr Stadtkinder seid wirklich naiv. Zu dem Alkohol und Zigaretten, sie trüben euer Urteilsvermögen und verlangsamen euer Reaktionsvermögen. Und diese beiden Dinge werdet ihr hier draußen brauchen.“
Die Blondine rümpft die Nase. Dann wendet sie sich an Sonja.
„Na toll. Das sollen also unsere tollen Ferien sein. Bei einem Verrückten, der Angst vor ein paar Wölfen hat?“
„Ihr sagtet, ihr wollt ein Abenteuer.“
Der Farmer beginnt zu lachen. Die Gruppe schaut ihn fragend an.
„Das hier wird ganz bestimmt kein Abenteuer. Das hier wird ein Horrortrip.“
Philipp zuckt zusammen.
„Was soll das heißen? Horrortrip?“
„Ihr Teenager steht doch auf diese ganzen Slasher-Filme. Ich bin mir sicher, dass ihr schon so einige Filme mit den widerlichsten Dingen gesehen habt. Und nun seid ihr die Hauptdarsteller in eurem ganz persönlichen Horrorfilm. Ich werde euch nicht unnötig irgendeiner Gefahr aussetzen. Aber Ich warne euch nur ein einziges Mal. Haltet euch an meine Regeln, sonst wird das hier womöglich eure letzte Reise gewesen sein.“
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