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A Hero's Heritage.

GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
Ash Ketchum
31.05.2020
23.02.2021
2
13.513
 
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31.05.2020 6.952
 
Prolog: Fateful Encounter.

Pocket Monster, üblicherweise vereinfacht als Pokemon bezeichnet, sind mysteriöse Wesen die unglaubliche Fähigkeiten besitzen. Sie haben nicht nur physische Stärke, sondern besitzen ebenso die Kraft sich die Elemente zu nutze zu machen. Feuer, Wasser und Wind sind nur ein paar unter ihrer Herrschaft.
Ihre Existenz hebt sich deutlich von Menschen und anderen Tieren ab, doch trotz ihrer Stärken leben sie im Gleichgewicht mit andere Lebewesen. Seit sich die Menschheit erinnern kann sind Pokemon ein Teil ihrer Welt, doch bis heute kennt niemand den tatsächlichen Ursprung dieser Wesen.
Dieses Rätsel beschäftigt Forscher schon Ewigkeiten und es kommen immer wieder neue Entdeckungen zum Vorschein. Allein die schiere Zahl an unterschiedlicher Exemplare erstaunt die Wissenschaftler und es werden ständig neue Arten bekannt. Doch trotz des fehlendem Wissen sind sie bereits seit langer Zeit fester Bestandteil des Alltags der Menschen.
Neben der Forschung selbst werden die Kreaturen auch in anderen Gebieten eingesetzt. Ein Beispiel dafür ist die Unterstützung im regulären Arbeitsleben. Pokemon vom Typ Kampf, welche oftmals einen kraftvollen Körperbau haben und dementsprechend stark sind, werden als Helfer bei der Konstruktion von Häusern oder andere Bereiche die eine gewisse Stärke benötigen benutzt. Aber auch bei der Sicherheit oder Krankenversorgung kommen sie zum Einsatz. Ihre Fähigkeiten ermöglichen ihnen es vielseitig Verwendung zu finden.
Doch der Löwenanteil ihrer Nutzung besteht bereits seit Jahren im Kampf. Sogenannte Pokemon-Trainer kämpfen mit ihnen gegen andere Trainer um ihre Stärke zu beweisen. Dies ist so beliebt dass mittlerweile ganze Ligen entstanden sind, welche sich an Unmengen von Zuschauern erfreuen. Wie sonstiges Entertainment spielt Geld dabei eine wichtige Rolle. Vor allem die großen Turniere sind sehr beliebt und Menschen reisen von überall an um dort dabei zu sein.
Neben dem Beweis der eigenen Stärke bekommen Sieger solcher Wettbewerbe großen Ruhm. Noch stärker ist dies wenn es ihnen gelingt den Champion der Liga, also den besten Trainer, zu besiegen und dessen Platz einzunehmen. Viele junge Menschen träumen genau davon und verfolgen mit aller Macht dieses Ziel.

Einer von ihnen ist der 10-jährige Junge namens Satoshi Ryuusen. Geboren im idyllischen Dorf Alabastia in der Kanto-Region hatte er seit er sich erinnern kann Pokemon um sich gehabt. Grund dafür ist dass in dem kleinen Ort der weltberühmte Professor Samuel Eich sein Labor hat. In der Pokemon-Welt als oberste Koryphäe bekannt hat sich der 67 Jahre alte Mann sein ganzes Leben lang der Erforschung von den mysteriösen Wesen gewidmet. Dementsprechend wimmelt sein Labor und der Rest seines riesengroßen Grundstücks von Pokemon.
Und da Satoshi‘s Mutter, Hanako Ryuusen, dort als Mitarbeiterin arbeitet wurde der Junge von klein auf an den Umgang mit den Kreaturen gewöhnt. Dementsprechend hat sich seine Liebe zu ihnen entwickelt und trotz seines jungen Alters bereits ein hohes Maß erreicht. Anstatt mit anderen Kindern zu spielen tat er dies mit den Pokemon auf dem Laborbereich. Besonders spannend ist es für ihn immer wenn sie sich entwickeln oder er ein für ihn noch unbekanntes Pokemon zum ersten Mal zu Gesicht bekommt.
Den Wunsch ein Trainer zu werden hat er sich daher schon seit gut zwei Jahren in den Kopf gesetzt. Dabei geht es ihn aber nicht wirklich zu zeigen wie stark er ist, sondern viel mehr um das Entdecken neuer Arten. Gleichermaßen angetan ist er vom Bereisen der Welt. Mit dem Erlangen der Liebe zu den Wesen fand er auch schnell das Verlangen neue Orte zu finden. Nicht nur um andere Pokemon-Arten zu sehen, sondern auch weil es für ihn einfach spannend ist einen unbekannten Ort zu erkunden. Sein Enthusiasmus geht dabei so weit dass er ziemlich oft alles andere vergisst und ohne Erlaubnis umherstreift. Ob in Wälder oder Höhlen, solange er den Nervenkitzel der Entdeckung spürt ist ihm alles andere unwichtig. Was allerdings für die ein oder andere Standpauke verantwortlich ist.
Doch ganz gleich in was für Schwierigkeiten ihn seine bisherigen Aktionen gebracht haben, seine Liebe zu den Pokemon ist unumstritten und steigt stetig an. Er nutzt so viel Zeit wie möglich um mit ihnen zusammen zu sein. Er spricht sogar mit ihnen. Natürlich ist es normal für Menschen mit den Wesen zu sprechen, aber in seinem Fall meinen selbst die Beobachter davon dass es extrem ist. Wirklich Sorgen macht sich deswegen aber niemand, da sie es üblicherweise als die kindliche Unschuld ansehen.
Er nutzt die Zeit mit den Pokemon jedoch auch um alles mögliche zu lernen für den Zeitpunkt wenn er endlich den Test zum Erhalt seiner Trainer-Lizenz ablegen kann.

Im Augenblick hat er allerdings ganz andere Gedanken. Die Situation allgemein ist anders als üblicherweise. Grund dafür ist etwas was so ziemlich jeder Mensch gerne unternimmt: der Urlaub. Aktuell ist die erste Juli-Woche und somit sind die Sommerferien bereits im Gange. Für Forscher gibt es sowas im Grunde genommen nicht, aber für einen Schüler wie Satoshi sieht die Sache anders aus.
Wie in den letzten drei Jahren hat seine Mutter gleich zu Beginn der Ferien ihren Urlaub beantragt, welchen sie für zwei Wochen hintereinander einreichte. Für gewöhnlich nutzen die Beiden diese Zeit um andere Orte zu besuchen. Auch dieses Mal sind sie eine Reise angetreten und befinden sich längst nicht mehr im Heimatort Alabastia.
Stattdessen halten sie sich mittlerweile den dritten Tag in Azuria City auf. Diese mittelgroße Stadt liegt im nördlichen Gebiet von Kanto und wird oftmals als Stadt des Wassers bezeichnet. Für Pokemon-Trainer ist dies der Fall weil in der dortigen Arena Wasser-Pokemon eingesetzt werden. Es gibt jedoch noch einen anderen Grund warum die Stadt so genannt wird. Zum einen wird ein großer Bereich um ihr von einem glasklaren Fluss mit absoluter hoher Wasserqualität umgeben. Entspringen tut die Strömung aus einem großen und wilden Wasserfall ein Stück außerhalb der Stadt, dessen Wasser aus der Ader eines alten Berges kommt. Der beeindruckende Anblick lockt viele Touristen an. Ebenso das klare Wasser sorgt stetig für Besuch, da der Fluss ziemlich breit und an vielen Stellen flach ist, was ein optimales Badespaß bereitet für all jene, die nicht unbedingt das offene Meer vorziehen.
Des weiteren gibt es in der Stadt einen sehr berühmten Wasserpark, welcher in der ganzen Region bekannt ist. Dazu kommen noch die verschiedenen Bäder zur Heilung und Entspannung, sowie eine Therme, dessen heißes Wasser durch einen unterirdischen Lavafluss erwärmt wird. Kurz gesagt ist Azuria City für jeden Wasserliebhaber ein echtes muss. Und dieses Jahr haben sich Satoshi und Hanako dafür entschieden dort den Urlaub zu verbringen, wobei größtenteils Hanako die treibende Kraft dahinter war.
An diesem Tag jedoch unternehmen sie nichts zusammen, sondern gehen getrennte Wege. Hintergrund dafür ist dass Satoshi unbedingt den Wasserfall besuchen wollte um die dortige Gegend zu erkunden. Seine Mutter hingegen fand es verlockender die Erholung der Therme zu genießen. So entschlossen sich die Zwei jeder seinen eigenen Weg zu gehen. Normalerweise wäre wohl ziemlich jede Mutter besorgt ihren 10-jährigen Jungen in einer fremden Stadt allein umherwandern zu lassen, aber aufgrund ihrer Erfahrung wusste sie dass es nicht viel bringen würde den Jungen zu zwingen mit ihr zu kommen. Ihr war klar dass er irgendwie eine Gelegenheit finden würde um seinen Willen durchzusetzen, genau so wie in der Vergangenheit.
Glücklicherweise ist die Stadt selbst und auch deren Umgebung durchaus sicher. Kein Wunder bei einer Touristenstadt. Da sind entsprechend viele Polizisten im Einsatz um sogar das Umland zu beschützen. Außerdem zeigte Satoshi trotz seines Alters und seiner wilden Abenteuer ein erstaunlich hohes Maß an Verantwortung. Er hilft wegen seiner Liebe zu Pokemon oft im Labor aus und erfüllt die ihm überlassenen Aufgaben immer zur Zufriedenheit. Dazu denkt er auch selbst mit und handelt wenn eines der Pokemon etwas benötigt. Deswegen hat Hanako trotz seiner Sperenzien vertrauen in ihren Sohn und erlaubte es ihm allein den Wasserfall zu besichtigen. Natürlich wusste sie zu dem Zeitpunkt nicht dass ihre Entscheidung ungeahnte Folgen haben sollte.

Tief im Inneren eines Höhlenlabyrinths und ein gutes Stück unter der Erdoberfläche befindet sich eine größere Kammer wie sonst in dieser Höhle. Dieser Abschnitt ist dazu noch ziemlich offen und ohne Felsen in der Gegend. Man könnte fast meinen dieser Bereich wurde künstlich erschaffen. Es gibt sogar Licht, welches durch kleine Kristalle an der Decke erzeugt wird.
Noch erstaunlicher ist die Tatsache das dort Gegenstände stehen, die definitiv von Menschenhand gebaut wurden und normalerweise in keiner Höhle vorkommen. Es handelt sich dabei nämlich um Möbel. Genau in der Mitte der Kammer steht ein 2x2m Tisch mit vier Stühlen an dessen Seiten. Vom Eingang gesehen rechts in der Ecke steht nahe der Wand eine Kochstelle, welche aus einer Doppelherdplatte auf einem Holztisch besteht. Daneben steht noch ein weiterer lang gezogener Tisch auf dem verschiedene Kochutensilien liegen. Dann gibt es auf der gegenüberliegenden Seite noch ein einfaches Bett aus Holz mit einer Matratze darauf. Obwohl es mitten in einer Höhle eines Berges ist sieht es so aus wie ein sehr spärlich gehaltenes Zimmer.
Der Besitzer dieser Gegenstände befindet sich ebenso in der Kammer und steht gerade vor dem Tisch neben der Herdplatte. Er ist dabei ein paar Kräuter zu sortieren. Bei dieser Person handelt es sich um einen Mann, der mit 65 Jahren bereits ein etwas höheres Alter erreicht hat.
Vom Aussehen her wirkt er auch nicht gerade wie jemand der in der regulären Zivilisation lebt. Seine Kleidung, welche aus einer einfachen hellblauen Jeanshose, einem schwarzen Hemd, schwarzen Schuhen und einem braunen Mantel besteht, ist nicht mehr im besten Zustand. Das Gegenteil ist eher der Fall, denn all seine Sachen sind schon ziemlich zerfetzt und wirken recht alt. Sie sind auch entsprechend dreckig.
Seinen Mantel trägt er so dass lediglich sein rechter Oberkörper zu sehen ist. Seine Hose wird von einem braunen Gürtel gehalten, an dem sechs Pokebälle befestigt sind. Um seine sichtbare Hand hat er einen Verband gewickelt, welcher ein Stück das Handgelenk hinauf reicht. Selbst sein Gesicht zeigt deutlich Spuren von Wildheit. Allerdings kann man nicht viel davon erkennen, da seine langen grauen Haare die Stirn und auch halb seine Augen verdecken. Dazu kommt ein gleichfarbiger Vollbart, der ihm bis zum oberen Bauchansatz hinunter hängt. Seine Ohren sind ebenso verdeckt, da seine Koteletten die Kopfhaare mit den Barthaaren verbinden. Und was die Pflege seiner Behaarung angeht ist sie wohl schon eine Weile her. Abgeschlossen wird sein „wildes“ Aussehen von ein paar Narben am rechten Arm, welcher für sein Alter aber noch erstaunlich gut durchtrainiert ist.
Er ist gerade dabei eines der Kräuter in einem Stößel zu zerkleinern als er die Präsenz von jemanden wahrnimmt ohne seinen Blick von den Utensilien abzuwenden.

„Du bist ziemlich früh zurück,“ spricht er mit einer rauen Stimme, welche offenbar nicht nur altersbedingt ist.

„Es gab einen Zwischenfall,“ antwortet der Gesprächspartner als er die Kammer betritt.

Aufgrund dieser ominösen Worte pausiert der alte Mann seine Arbeit und schaut zum anderen. Sofort kann er sehen was diese Worte bedeuten.

„Was zum… Wieso schleppst du ein Kind an?“ fragt er schockiert über den Anblick vor ihm.

Dabei handelt es sich aber nicht wirklich um zwei Menschen, sondern um ein Lucario, ein Pokemon dessen Aussehen oft an eine antike ägyptische Gottheit erinnert, und einem Jungen in dessen Armen. Der Junge hat kurze, zerzauste schwarze Haare und kann in den Augen des erwachsenen Mannes nicht viel Älter als 10 Jahre sein. Er trägt eine schwarze Jeans und ein weißes T-Shirt, welches von einer schwarzen, ärmellosen Weste überdeckt wird. Die Weste ist vorne jedoch offen. Dunkelblaue Sportschuhe, sowie fingerlose Handschuhe in gleicher Farbe wie die Weste vervollständigen das Bild.
Das Pokemon trägt ihn auf beiden Armen und er liegt darin absolut regungslos. Offensichtlich hat er das Bewusstsein verloren, da man eine leichte Atmung erkennen kann. Was jedoch noch auffällig ist, ist das seine gesamte Kleidung vollkommen durchnässt ist.

„Ich habe ihn in einem der Gänge im mittleren Bereich der Höhle entdeckt. Er wurde von einer Horde Zubat angegriffen. Ich habe gesehen wie er von einem Superschall erwischt wurde. Ich weiß nicht ob es gewollt oder wegen der Verwirrung passierte, aber er sprang plötzlich in den dortigen Fluss. Die Strömung war jedoch zu stark für ihn. Also vertrieb ich die Zubat und half ihn heraus. Dann verlor er sein Bewusstsein,“ erklärt das Lucario.

„Eine wirklich rührende Geschichte...aber wieso bringst du ihn dann gerade hierher?“ spricht der Mann noch immer unzufrieden mit der Tatsache dieses Kind dort zu haben.

„Was sollte ich denn sonst machen? Ihn nach draußen bringen und einfach so im Freien liegen lassen? Oder wäre es dir lieber ich hätte ihn im Fluss ertrinken lassen?“ erwidert das Pokemon etwas frustriert über das fehlende Mitgefühl des Mannes.

„Schon gut, schon gut, ich verstehe schon was du meinst. Dir sollte aber auch klar sein was es für ein Risiko ist ihn hier zu haben.“

„Er ist nur ein Kind. Glaubst du wirklich er stellt eine Gefahr dar?“

Der ältere Mann schweigt für ein paar Sekunden. Er wirkt in Gedanken versunken als ob er mögliche Szenarien durchspielt, die durch die Anwesenheit des Kindes hervorgerufen werden könnten.

„Vermutlich nicht,“ gibt er sich schließlich geschlagen und lässt seine Schultern etwas hängen. „Leg ihn fürs erste aufs Bett,“ weist er sein Pokemon daraufhin an.

Es folgt der Anweisung und begibt sich zu dem Möbelstück. Vorsichtig und sanft legt es den Jungen darauf und entfernt sich dann wieder.

„Außerdem habe ich ihn nicht nur deswegen hierher gebracht,“ spricht das Pokemon als es bei dem Mann ankommt.

„Was meinst du denn damit?“

„Als er von den Zubat attackiert wurde sagte er etwas merkwürdiges.“

„Inwiefern?“

„Er meinte dass er nicht wusste dass der Bereich den Zubat gehörte und dass er keine Absicht daran hatte in ihr Territorium einzudringen. Von dem was ich sah bekam ich das Gefühl dass er mit ihnen sprach.“

Kaum dass Lucario diese Aussage getätigt hat ändert sich der Gesichtsausdruck des Mannes. Seine bisher ruhige und neutrale Mimik verschwindet. Stattdessen sieht er jetzt überrascht aus. Er weiß sofort was sein Pokemon mit diesen Worten andeuten wollte.

„Willst du mir etwa sagen dieser Junge hat bereits seine Aura freigeschaltet und kann sie einsetzen?“

„Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber als er vom Superschall getroffen wurde spürte ich zweifelsohne eine merkwürdige Energie von ihm, die ich noch nie zuvor spürte.“

„Es fällt mir schwer das zu glauben. Allerdings habe ich nicht den geringsten Zweifel an deinem Gespür,“ antwortet der Mann und schaut dabei intensiv zum Jungen auf dem Bett.

Grund für sein Vertrauen ist die Tatsache dass Lucario eine Art Pokemon ist, welches auch als Aura-Pokemon bezeichnet wird. Diese Wesen haben ein äußerst hohes Talent in diesem Gebiet und eine sehr hohe Empfindlichkeit was die Wahrnehmung anderer Auren angeht. Genau aus diesem Grund und weil er sein Lucario auch schon einige Zeit kennt ist dem Mann bewusst dass sein Pokemon diese Geschichte nicht einfach so erfinden würde. Für einen Augenblick herrscht Stille in der Höhlenkammer bis er einen lauten Seufzer von sich gibt.

„Wie dem auch sei, ich kann ihn schlecht in diesem Zustand lassen. Sonst wird er sich noch erkälten,“ fährt er fort und greift mit seiner rechten Hand zu seiner Hüfte.

Er nimmt sich den von seiner Rückseite aus gesehen dritten Pokeball und hält ihn bis zur Bauchhöhe vor sich. Gleich darauf betätigt er den Knopf zur Aktivierung des Gegenstandes, welches sich von der geschrumpften Form zur normalen Größe umwandelt. Kaum das dies geschehen ist öffnet sich die Kugel und ein rotes Licht strömt heraus. Es ist jedoch nicht wie reguläres Licht, welches einfach nur leuchtet, sondern verhält sich eher wie eine nebelartige Masse und landet zwischen dem Mann und seinem Bett auf den Boden. Daraufhin formt es sich in eine spezielle Silhouette bevor ein neues Pokemon in genau dieser Form erscheint.

„Magmar, trockne bitte diesen Jungen mit deiner Fähigkeit,“ weist der Mann dem erschienenen Feuer-Pokemon an.

Mit einem bestätigendem Nicken begibt es sich anschließend direkt neben das Bett und hält dessen Hand über den darauf schlafenden Jungen. Dann wird es vom einer gleißend roten Aura umgeben, welche mehr wie ein dünner Schleier direkt über dessen Körperoberfläche wirkt. Es konzentriert seine Kraft auf das Kind, welches dadurch ebenso von dieser Aura umgeben wird.
Auf der Stelle erhöht sich die Temperatur im Bereich um dessen Körper. Vorsichtig nutzt das Magmar seine Fähigkeit um den Jungen zu trocknen ohne dabei Kleidung oder andere Sachen in Brand zu stecken. Die Prozedur dauert daher ein paar Minuten. Währenddessen hat sich der alte Herr im Raum einen Stuhl vom Tisch genommen und ihn etwas näher ans Bett gestellt, bevor er sich darauf setzt um zu warten. Lucario hingegen geht zum Tisch neben der Herdplatte und macht mit der begonnen Arbeit bei den Kräutern weiter. Aufgrund seines Körperbaus mit den menschenähnlichen Händen ist ihm dies möglich. Nach weiteren fünf Minuten ist der Prozess beendet und das Feuer-Pokemon lässt dessen Energie wieder verschwinden, woraufhin sich auch der Schleier um ihn und dem Kind auflöst.

„In Ordnung, du kannst wieder zurückkommen,“ spricht der Mann und zielt mit dem Pokeball auf das Wesen, woraufhin dieses durch einen roten Energiestrahl getroffen wird und sich beginnt wieder zu dem gleichfarbigen Licht zu verwandeln. „Gute Arbeit,“ fügt er noch hinzu während dieses Licht sich in den Ball zurückzieht.

Nachdem es komplett verschwunden ist lässt der Herr den Ball wieder schrumpfen und steckt ihn zurück an seine Hüfte.

„Jetzt bleibt nur abzuwarten bis er aufwacht,“ meint er etwas frustriert darüber seine Zeit mit warten verbringen zu müssen.

Allerdings kommt es anders als er denkt als der Junge plötzlich beginnt sich mit leichtem Stöhnen zu bewegen. Beinahe so als ob er genau diesen Zeitpunkt abgewartet hat wacht er langsam auf und öffnet die Augen. Verwundert darüber fragt sich der Mann gedanklich ob dies ein bloßer Zufall ist, aber weit kommt er damit nicht da sich sein Besucher vorsichtig aufrichtet. Nun kann die älteste Person im Raum auch die tiefroten Augen des Jungen sehen.

„Was ist passiert?“ fragt das Kind ein wenig verwirrt und fasst sich mit dessen rechten Hand an die Stirn.

„Du wurdest von einer Horde Zubat angegriffen und bist nach einem Sprung in einem starken Fluss ohnmächtig geworden,“ erklärt ihm die andere Person im Raum.

Erschrocken richtet der Junge seinen Blick auf die Quelle der Stimme. Als er den Mann erblickt weicht er verunsichert gegen die Wand neben dem Bett zurück, sodass er mit dem Rücken daran auf dem Bett sitzt.

„We-Wer bist du denn?“

„Wenn man jemanden nach dem Namen fragt sollte man sich selbst erst einmal vorstellen, meinst du nicht? Na ja, ich schätze mal diese Situation ist da vermutlich eher eine Ausnahme.“

„Oh richtig, das habe ich ganz vergessen,“ entgegnet der Junge und nimmt auf einmal eine Haltung ein dass er mit angewinkelten Beinen unter seinem Oberkörper auf dem Bett sitzt, was dem alten Herren im Raum vollkommen unerwartet erwischt. „Mein Name ist Satoshi. Satoshi Ryuusen,“ fährt das Kind fort und verneigt sich kurz.

Anschließend schaut er wieder zu seinem Gesprächspartner, der den Jungen erstaunt ansieht. Er kann es einfach nicht fassen solch eine Reaktion in dieser ungewöhnlichen Lage zu bekommen. Immerhin besteht die Möglichkeit dass er das Kind entführt hat und dort gefangen hält. Dennoch antwortet dieser Minderjährige mit einem hohen Grad an Anstand. Das ist aber nicht alles weswegen der ältere Mann so überrascht ist. Auch der Blick vom Jungen kommt ihn merkwürdig vor. Seine Augen spiegeln starke Ehrlichkeit und Unschuld wieder. Selbstverständlich ist dies bei Kindern oftmals der Fall, aber bei dieser jungen Person kommt es ihn noch stärker vor als bei anderen.

„Und ich bin Akira Akai,“ stellt er sich daraufhin mit einem leichten Lächeln vor.

Gleichzeitig reicht er Satoshi seine Hand zur Begrüßung, was der Junge ohne zögern erwidert. Sie schütteln sich ein paar mal die Hände, wobei Akira noch ein anderes Ziel verfolgt. Er nutzt seine eigenen Fähigkeiten um herauszufinden ob er bei der Berührung die von Lucario erwähnte Aura des Kindes spüren kann.
Er selbst hat vor vielen Jahren den Umgang mit Auren von einem Meister erlernt und kann diese zur Wahrnehmung als auch zur Verstärkung seines Körpers einsetzen. Eine seiner Talente ist es die Aura einer anderen Person durch Körperkontakt auszumachen. Es braucht etwas Konzentration und funktioniert nur wenn das Ziel tatsächlich eine aktive Aura besitzt, also sie bereits von der Person aktiviert wurde. Dennoch kann er nichts von Satoshi spüren. Trotzdem ist er nach wie vor davon überzeugt dass sein Pokemon nicht gelogen und sich auch nicht geirrt hat. Ihm bleibt aber nicht noch mehr Zeit für andere Tests, da der Junge seine Hand nun wieder zurücknimmt.
Während er sich im Schneidersitz etwas gelassener auf das Möbelstück setzt schaut er sich für einen Moment um.

„Ähm...wo bin ich hier eigentlich?“ fragt er entsprechend verwirrt über den Anblick vor seinen Augen.

Er kann sich noch dran erinnern eine Höhle erkundet zu haben, aber dieses „Zimmer“ kommt ihn dann doch sehr merkwürdig vor.

„Diese Kammer hier befindet sich tief im Inneren des Berges direkt bei Azuria City.“

„Das ist die gleiche Höhle?“ spricht Satoshi in einem lauteren Ton als zuvor vor erstaunen mit weit geöffneten Augen.

„Ja ist es. Mein Partner hat die Zubat verjagt, dich aus dem Fluss geholt und dann hierher gebracht,“ entgegnet Akira und zeigt dabei mit seinem rechten Daumen zu dem erwähnten Pokemon.

Dadurch unterbricht es dessen Arbeit und kommt ein Stück näher zu den beiden Menschen heran. Satoshi richtet seinen Blick ebenso auf das Pokemon. Als er erkennt um was für eine Spezies es sich handelt vollzieht er eine beinahe unnatürlich schnelle Bewegung. Er springt regelrecht vom Bett und überwindet in Windeseile die Distanz zwischen ihm und dem Pokemon.

„Wow! Ein richtiges Lucario!“ ruft er total euphorisch und starrt das Pokemon mit funkelnden Augen an.

Nicht so klar wie es darauf reagieren soll bleibt das Lucario stehen und lässt sich vom Jungen begutachten. Satoshi hat dabei ungefähr die gleiche Größe wie das Pokemon. Aufgeregt schaut er sich jeden Bereich des Wesens an. Er geht sogar einmal komplett um es herum.

„So cool…,“ sagt er daraufhin absolut begeistert und schwärmend.

„Sieht so aus als hättest du einen Fan,“ mischt sich Akira nun auch ein und geht mit seinem Blick auf sein Partner gerichtet zu den beiden.

„Ich habe noch nie eins in echt gesehen. Nur Bilder oder Videos. Es ist sogar noch cooler wenn es direkt vor einem steht,“ spricht der Junge weiter und gewinnt dabei immer mehr an Aufregung.

„Ich mag diesen Jungen, er hat ein gutes Auge für Qualität,“ meldet sich nun auch Lucario mittels der durch seiner Aura hergestellten mentalen Verbindung zu seinem Trainer und streichelt gleichzeitig mit dessen rechten Pfote den Kopf vom Kind.

„Findest du wirklich ich hab ein gutes Auge?“ fragt Satoshi nach diesem vermeintlichen Lob.

Obwohl dies für einen 10-jährigen Jungen durchaus eine normale Reaktion auf die Aussage des Pokemon ist, so ist sie für die zwei anderen im Raum ein absoluter Schock. Grund dafür ist dass Lucario eben nur über eine mentale Verbindung gesprochen hat. Zum einen kann man dies lediglich mit eigener Kontrolle von Aura hören und zum anderen waren die Worte auch nur für seinen Trainer bestimmt. Trotzdem hat der Junge es verstanden.
Entsprechend schauen ihn die Beiden nun auch mit großen Augen an. Lucario hat dabei ebenso aufgehört den Kopf zu streicheln weil seine Pfote vor erstaunen regelrecht eingefroren ist. Satoshi hingegen schaut sie einfach nur verwirrt und unschuldig an, da sie nicht auf seine Worte antworten. Es dauert ein paar Sekunden bis sich Akira wieder fassen kann und das Wort ergreift.

„Hast du etwas gerade verstanden was Lucario gesagt hat?“ hakt er ungläubig nach.

„Natürlich,“ erwidert Satoshi als wäre es keine große Sache und total selbstverständlich.

„Kannst du andere Pokemon auch hören?“ fragt nun auch Lucario nach um mehr davon zu erfahren.

„Ja,“ meint er und wirkt dabei etwas verunsichert mit dieser Frage im allgemeinen.

„Seit wann kannst du sie hören?“

„Ähm...keine Ahnung. Eigentlich solange ich mich erinnern kann. Aber wann immer ich davon erzähle lachen mich alle aus und meinen Pokemon können nicht sprechen,“ antwortet er mit Enttäuschung durch die davon hervorgerufenen Erinnerungen.

‚Was hat das zu bedeuten?‘ fragt sich Akira gedanklich, da er es einfach nicht verstehen kann.

Er weiß mit absoluter Sicherheit dass man Pokemon nur durch den Einsatz von Aura verstehen kann, aber noch immer kann er nichts in dieser Richtung von dem Jungen aus wahrnehmen. Warum er dennoch in der Lage ist sie zu hören ist ihm daher ein Rätsel. Sofort erinnert er sich daran was sein Partner vorhin sagte. Er spürte eine eigenartige Aura vom Jungen ausgehen.

‚Ob es etwas damit zu tun hat?‘

Mit diesem Gedanken im Kopf beschließt er mehr Informationen zu sammeln.

„Sei nicht traurig darüber. Ich kann Pokemon auch verstehen und wurde oft deswegen ausgelacht. Aber glaub mir wenn ich dir sage dass es auch einige Menschen gibt die wie wir sind,“ antwortet er nun auch die Aussage von Satoshi und versucht ihn damit aufzumuntern.

„Wirklich?“ entgegnet dieser sofort voller Hoffnung.

„Ich schwöre,“ erwidert Akira und macht dabei eine passende Geste indem er seine rechte Hand auf seine Brust direkt über das Herz legt und seinen anderen Arm nach oben hebt.

„Das ist toll! Ich hoffe ich kann viele von ihnen treffen. Ich wüsste gerne was sie so alles von ihren Pokemon gehört haben.“

„Vielleicht wirst du ja mal den einen oder anderen treffen,“ antwortet der alte Mann mit leichter Enttäuschung dass er selbst offenbar nicht in diese Gruppe gezählt wurde. „Aber mal etwas anderes...was hast du denn überhaupt so weit in diesem Höhlensystem gemacht?“ spricht er weiter ohne es sich anmerken zu lassen.

„Ich bin einfach nur der Stimme gefolgt.“

„Stimme? Was für eine Stimme denn?“

„Ich weiß es nicht. An sich wollte ich nur die Umgebung vom Wasserfall erkunden und bin dafür so nahe herangegangen wie es ging. Doch dann habe ich plötzlich eine Stimme gehört. Sie meinte immer so etwas wie „Komm zu mir“ oder „Ich bin hier“. Ich habe versucht ihr zu folgen und bin auf einen Höhleneingang gestoßen. Im Inneren begann die Stimme mir den Weg zu weisen. Ich folgte ihr bis ich von den Zubat angegriffen wurde,“ erklärt er was passiert ist.

„War es ein Pokemon das dich gerufen hat?“ ergreift jetzt Lucario wieder das Wort und mischt sich ins Gespräch ein.

„Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube schon. Es hatte genau so einen Unterton wie andere Pokemon wenn sie mit mir reden,“ beantwortet er die Frage und beweist erneut dass er Lucario verstehen kann.

‚Er versteht sie also eindeutig durch ihre Aura,‘ schlussfolgert der alte Mann nach dieser Aussage.

Ihm ist klar was der Junge damit gemeint hat. Das beschriebene Phänomen ist ähnlich wie bei einem Telefonat. Wenn man durch ein Medium kommuniziert hört es sich in der Regel nicht so klar an als wenn man sich direkt gegenüber steht und miteinander spricht. Dies gilt im Grunde genommen auch für die Telepathie mittels einer Aura. Es klingt etwas dumpfer und hat einen sehr leichten Widerhall weil man Gedanken hört und keine akustischen Schwingungen wahrnimmt. Natürlich ist die Beschreibung des Jungen sehr karg, aber Akira ist sich sicher dass er genau diese Sache damit meint.
Allerdings bringt ihm diese Tatsache zu einem neuen Mysterium. Und zwar was es mit der geheimnisvollen Stimme auf sich hat. Die Kommunikation über eine Aura obliegt im gewissen Sinne ein paar Regeln. Zum einen ist da die Distanz. Genau wie mit regulären Worten kann man die andere Person oder eben das Pokemon nur bis zu einer bestimmten Distanz klar hören. Um über weitere Strecken zu sprechen muss entsprechend geschrien werden, was bei einer Aura-Kommunikation bedeutet dass man seine eigene Aura stark erhöhen muss damit die Energiewellen weit genug kommen.
Doch genau da liegt das aktuelle Rätsel. Da Satoshi bereits ein gutes Stück ins Innere der Höhle geleitet wurde und noch immer das Ziel nicht erreicht hatte, muss die Entfernung zwischen ihm und dem Pokemon ziemlich hoch gewesen sein. Damit er es also hören konnte hätte es dessen Aura dementsprechend hochschrauben müssen. Solch eine starke Aura wäre Akira aber definitiv nicht entgangen. Dennoch kann er bis jetzt keinerlei Spur in dieser Richtung erkennen. Es ergibt für ihn einfach keinen Sinn.
Dieser Gedankengang des Mannes endet jedoch als er bemerkt dass sich der Junge im Raum umsieht als würde er etwas suchen.

„Was ist los? Hörst du die Stimme?“

„Nein...es ist nur…,“ sagt er etwas unsicher und leicht eingeschüchtert.

„Was?“ wiederholt Akira seine Frage um endlich zu erfahren was das Kind sagen will.

„Wohnst du hier?“

Die ganze angesammelte Anspannung vom alten Mann entweicht auf einmal wegen dieser unerwarteten Aussage, die absolut nichts mit der zuvor besprochenen Stimme zu tun hat. Es erinnert ihn auch daran warum er noch nie so richtig mit Kinder in diesem Alter warmlaufen konnte. Solch plötzlichen Themenwechsel sind für ihn einfach nicht nachvollziehbar. Glücklicherweise kann er sich an seine eigene Kindheit nicht erinnern und muss sich daher nicht den Kopf zerbrechen auch mal so gewesen zu sein. Natürlich hat er aber allgemein nichts gegen Kinder und ihm ist durchaus bewusst dass sie nun einmal so sind. Daher atmet er kurz tief durch um nicht wütend zu werden bevor er auf die Frage antwortet.

„Ja ich wohne hier.“

Nachdem er die Antwort erhalten hat schaut Satoshi ihn fragend mit seinem Kopf leicht seitlich geneigt an. Akira merkt dass der Junge innerlich überlegt ob er seinen aktuellen Gedanken aussprechen soll oder nicht.

„Was?“ spricht er nun doch etwas genervt über die Zurückhaltung des Kindes.

„Bist du ein Penner?“

Damit hat der Trainer jedoch nicht gerechnet, weswegen ihm diese Frage absolut unvorbereitet trifft. Der mentale Schlag dieser Worte bringt ihn beinahe dazu seinen Halt zu verlieren und hinzufallen, aber er kann sich gerade noch so auf den Füßen halten.

„Pfft,“ kommt es lautstark von Lucario, welches sich nicht zurückhalten kann und nun heftig beginnt zu lachen.

„Es ist ganz schön unhöflich so etwas zu sagen,“ sagt Akira frustriert, hält seinen Zorn jedoch zurück indem er sich erneut selbst ermahnt dass er es nur mit einem Kind zu tun hat.

„Aber einer der Helfer im Labor hat mir erzählt dass jemand der kein Haus und keine Wohnung besitzt ein Penner ist,“ entgegnet Satoshi unschuldig.

„Das entspricht aber nicht der Wahrheit. Nur weil jemand nicht in einem Haus lebt ist er noch lange kein Penner,“ meint Akira bevor er sich zu dem noch immer lachenden Pokemon wendet. „Was soll eigentlich das Lachen?“

„Nun ja, du musst zugeben dass er nicht komplett falsch liegt. Wir leben hier immerhin schon einige Jahre,“ erwidert das Pokemon und muss sich dabei stark beherrschen nicht erneut in Gelächter zu verfallen.

„Wirklich? Seit Jahren?“

„Das ist zwar korrekt, aber dafür gibt es einen guten Grund. Wir-,“ spricht Akira und versucht sich zu verteidigen als er vom Jungen unterbrochen wird.

„Das ist so cool!“ meint er laut mit strahlenden Augen über diese Erkenntnis.

Der alte Herr sieht ihn perplex an. Ihm fällt es langsam schwer bei den abrupten Wandlungen der Laune des Jungen mitzuhalten. In diesem Fall ist es jedoch positiv, da er sich damit eine Erläuterung spart.

„Das ist doch best-“

„Ich bin hier.“

Mitten im Satz wird Satoshi von diesen Worten gestört und beendet ihn daher. Sofort schaut er sich nach der Quelle um. Diese unnatürliche Aktion entgeht dem alten Mann nicht.

„Was jetzt wieder?“ fragt er erstaunt über einen weiteren Wandel beim Verhalten des Kindes.

„Da ist wieder die Stimme,“ antwortet er während er sich noch immer umsieht.

„Hier drüben.“

Wieder ist es zu hören, aber wie vorher kann lediglich der Junge die Worte wahrnehmen. Allerdings ist eine Sache anders, denn es gelingt ihm den Ursprung auszumachen. Er dreht sich in die entsprechende Richtung, woraufhin er auf eine Tür am Ende der Kammer schaut, welche nicht gerade professionell in einen Höhlengang eingebaut ist.

„Es kommt von da drüben,“ sagt er und zeigt dabei mit seinem rechten Zeigefinger zur Tür.

Die gezeigte Zielrichtung sorgt bei den zwei anderen im Raum für leichte Panik. Sie wissen ganz genau was sich hinter der provisorischen Tür befindet, denn es ist der Grund warum sie in der Höhle leben. Lucario schaut fragend zu seinem Trainer und wartet auf eine Anweisung wie es sich verhalten soll. Akira hingegen blickt zum Jungen. In seinen Gedanken hat er bereits eine Vermutung aufgestellt was dies bedeuten könnte. Es würde auch erklären warum nur der Junge diese Stimme hören kann, aber er kann es dennoch nicht so richtig glauben.

‚Dieser Junge...soll er es wirklich sein...‘

„Komm zu mir,“ ertönt es wieder im Kopf von Satoshi.

Die Kombination aus purer Neugier und einer eigenartigen Anziehungskraft zum Ursprung der Stimme bringt ihn dazu sich in Richtung Tür zu begeben. Er bewegt sich dabei eher langsam als ob er in einer Art Trance ist.
Nachdem er die Hälfte der Strecke zur Tür überwunden hat versucht Lucario dazwischen zu gehen. Allerdings wird er auf der Stelle von seinem Trainer aufgehalten indem dieser seinen Arm vor das Pokemon hält und es damit stoppt. Als sich ihre Blicke anschließend treffen schüttelt der alte Mann kurz seinen Kopf um seinem Partner verstehen zu geben dass es nichts unternehmen soll.
Somit warten die Zwei einfach nur ab bis der Junge die Tür erreicht und sie langsam öffnet. Sie ist nicht verschlossen, da dafür kein Grund bestand. Immerhin war Akira bisher allein mit seinen Pokemon und es gab keine Notwendigkeit zum abschließen.
Daraufhin folgen sie dem Kind. Nach der Tür kommt ein ungefähr fünf Meter langer Gang bevor eine weitere Höhlenkammer beginnt. Von der Größe her übersteigt sie das „Wohnzimmer“ ein Stück, aber nicht sehr viel. Es befinden sich jedoch mehr leuchtende Kristalle an der Decke wodurch sie heller ist.
Was aber so richtig hervorsticht ist der Gegenstand in der Mitte der Kammer, welcher sich auf einer ca. 30cm Erderhöhung befindet. Die Erhöhung ist genau im Zentrum des Raumes und in Kreisform mit einem Durchmesser von drei Meter. Satoshi bleibt kurz nach dem betreten der Kammer stehen und schaut fasziniert auf den Gegenstand.

„Wow! Ein Pokemon-Ei!“

Akira und sein Partner bleiben einen Schritt hinter dem Jungen stehen und beobachten diesen bei seiner Entdeckung.

„Was für ein Pokemon ist denn da drin?“ fragt das Kind ohne den Blick vom Ei abzuwenden.

„Gute Frage. Ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Ich bin hier um es zu beschützen, aber mir wurde nicht gesagt was sich darin befindet,“ antwortet Akira ehrlich auf die Frage.

Es gab an sich keinen Grund warum er diesen Jungen die Wahrheit über seine Aufgabe erzählen sollte, aber er hatte das Gefühl dass es notwendig war. Zusätzlich vermutet er dass er auch in Zukunft eine besondere Verbindung zu dem Kind haben wird.

„Heißt das es könnte sich um ein vollkommen neues Pokemon handeln?“ spricht Satoshi voller Begeisterung.

„Vielleicht.“

„Berühre das Ei und befreie mich.“

Noch einmal ist die Stimme zu hören und bringt Satoshi zurück in eine Trance, weswegen er sich dem Ei nun annähert.

„Bist du dir da sicher Akira?“ fragt Lucario seinem Trainer ohne Angst davor ob der Junge mithört.

„Ich will sehen ob die Legende wahr ist.“

Ohne den Wortwechsel der Beiden zu beachten erreicht der Jugendliche sein Ziel und kniet sich davor hin. Vorsichtig streckt er seine rechte Hand aus und legt sie wenig später auf die Schale. Kaum das die Handfläche vollkommen drauf ist beginnt das Ei in einem gelben Licht zu leuchten. Die Intensität ist anfangs schwach, wird aber Sekunde für Sekunde stärker bis es beinahe blendend grell ist.
Nun beginnt die Schale an verschiedene Stellen zu brechen. Kleine Risse entstehen überall auf der Oberfläche und breiten sich immer weiter aus. Es dauert nicht lange bis das gesamte Ei davon überzogen ist. Mit einem lauten Brechgeräusch zerplatzt es auf einmal und die Schalenstücke werden ein paar Zentimeter nach außen geschleudert. Ein paar davon treffen Satoshi, aber er erleidet dabei keine Verletzungen.
Aus dem Inneren kommt ein gelbes Licht hervor genau wie es sonst in rot aus den Pokebällen der Fall ist. Es beginnt sich zu verwandeln bis es eine spezielle Form angenommen hat. Mit einem kurzen Lichtblitz manifestiert sich das aus dem Ei geschlüpfte Pokemon. Dabei handel es sich um ein schlangenähnliches Wesen dessen Kopf eher rundlich wirkt und an den Seiten Ohren hat, die wie Flossen aussehen. Der Körper der Kreatur ist über 1,50m lang, aber da es im Augenblick in einer Spirale auf dem Boden steht wirkt es wesentlich kleiner.

„Vollkommen abgefahren...es ist ein Dratini,“ kommentiert der Junge absolut aus dem Häuschen über das Pokemon direkt vor ihm.

Dratini, welche dem Typ Drache angehören, sind generell eher selten und scheu gegenüber Menschen. Obwohl sich viele Trainer wünschen es im Team zu haben, da sie voll entwickelt eine hohe Kampfkraft besitzen. Auch Akira und Lucario sind ziemlich überrascht, wobei es nicht nur an der Art selbst liegt.
Was sie ebenso erstaunt ist die Körperfärbung des Pokemon. Normale Dratini haben eine Kombination aus weiß und hellblau, aber dieses Exemplar ist vollkommen silber. Somit entspricht es noch nicht einmal der seltenen Shiny-Variante dieses Pokemons. Selbst die roten Augen entsprechen keiner bisher bekannten Färbung dieser Art. Obwohl das an sich bereits ein großer Grund zur Verwunderung ist, so kommt ihr wirkliches erstaunen von einer anderen Tatsache. Und zwar dass das Ei überhaupt geschlüpft ist. Beide wissen was dies bedeutet und finden daher im Moment keine Worte als Reaktion.
Das frisch geschlüpfte Pokemon hebt seinen Kopf an und schaut Satoshi direkt in die Augen. Kaum dass sich ihre Blicke treffen beginnen die Augen vom Pokemon weiß zu leuchten sodass selbst die Pupille nicht mehr zu sehen ist. Das Leuchten hält jedoch nur drei Sekunden an bevor die Augen wieder zur Normalform zurückwechseln. Als ob es damit dessen gesamte Energie aufgebraucht hat fällt der ganze Körper zu Boden und es schließt seine Augen. Man kann allerdings noch eine Atmung erkennen, was darauf hinweist dass es einfach nur eingeschlafen ist.

„Was ist passiert? Ist es krank?“ fragt der Junge besorgt und schaut nun zum ersten Mal wieder zu den anderen im Raum.

„Nein, nein, es ist einfach nur erschöpft. Immerhin ist es gerade erst zur Welt gekommen,“ beruhigt der alte Mann das Kind mit einem Lächeln. „Wir sollten es lieber alleine lassen damit es zu Kräften kommen kann,“ fügt er hinzu und stellt sich dabei seitlich hin um dem Jungen anzudeuten die Kammer zu verlassen.

„In Ordnung,“ erwidert dieser und geht zusammen mit dem Rest zurück zum Nebenraum.

Lucario geht als Letzter und schließt hinter sich die Tür.

„Das war so cool. Ich bin echt froh dass ich beim Schlüpfen dabei war,“ spricht der Jugendliche voller Freude diese Erfahrung erlebt zu haben.

„Das kann ich verstehen. Es ist immer etwas besonderes bei der Geburt eines Pokemon dabei zu sein. Aber wird es nicht langsam Zeit dass du nach Hause zurückgehst?“

„Ah…,“ reagiert er schockiert als er sich durch diese Worte an etwas erinnert. „Mist, wenn ich noch einmal zu lange weg bleibe wird meine Mutter bestimmt so richtig sauer,“ meint er mit leichter Furcht bei dem Gedanke was Hanako wohl tun würde.

„Keine Sorge, ich schicke Lucario mit dir. Dann wird es nicht sehr lange dauern bis du aus der Höhle raus bist.“

Nachdem er sich dafür bedankt hat machen sich die Beiden auch schon auf den Weg zum Ausgang der Höhle. Akira schaut ihnen dabei zu bis sie nicht mehr in Sichtweite sind. Ihm schwirren im Augenblick so einige Gedanken durch den Kopf. Der Tag fing an wie jeder andere auch, aber brachte eine erstaunliche Wendung in seinem Leben in Form eines 10-jährigen Jungen. Der Schutz vom Ei war gerade einmal der Start seiner aktuellen Mission. Obwohl es Jahre dauert kann er die Vorfreude in jeder Faser seines Körpers fühlen. Ihm ist zwar noch nicht klar inwieweit die heutigen Ereignisse die Welt verändern werden, aber er weiß dass es keine Kleinigkeit sein wird.
Einige Minuten später kommt sein Partner wieder zurück.

„Ist er sicher zurück?“

„Ja. Er ist ein wirklich interessanter Junge, aber ich kann noch immer nicht glauben dass er die Person der Legende sein soll.“

„Da geht es dir wie mir, aber es gibt keinen Zweifel. Nur der wahre Erbe ist in der Lage das Pokemon zu wecken.“

Nach seiner Antwort begibt er sich durch die Tür und den kurzen Gang zur Kammer mit dem neugeborenen Dratini. Lucario folgt ihm dabei einen Schritt hinter ihm. Als sie den Abschnitt betreten kommt es zu einer weiteren Überraschung. Der Raum ist komplett leer. Das vor ein paar Minuten in der Mitte schlafende Pokemon ist plötzlich verschwunden. Geschockt schauen die Beiden sich kurz um. Natürlich nutzen sie dafür ihre Aura um nichts zu übersehen, doch sie können keine Spur des Dratini entdecken.

„Es wird doch wohl nicht…,“ fragt Lucario ungläubig über seine eigene Vermutung.

Akira hat genau denselben Gedanken wie sein Partner. Er weiß es gibt nur eine Erklärung für das Verschwinden des Pokemons. Noch dazu kann er es nicht fassen nichts davon mitbekommen zu haben obwohl er nur wenige Meter entfernt war.

„Lucario! Beginne sofort das Training vom Gelben!“ befiehlt er panisch.

„Wirklich? Ist das nicht zu früh? Er sträubt sich noch stark.“

„Tu es einfach! Wenn er sich weigert dann erinnere ihn daran dass er dadurch von hier weg kann.“

„Wie du meinst,“ bestätigt das Pokemon und läuft davon um den Auftrag auszuführen.

Der alte Mann hingegen bleibt an Ort und Stelle stehen und starrt weiterhin zum Punkt an dem vor Kurzem noch das Ei lag.

„Und so beginnen die Zahnräder des Schicksals sich zu drehen...“



Autoren-Nachwort:

Als kurzes Abschlusswort möchte noch schnell darauf hinweisen dass die Logik aus den Spielen nicht zutreffen wird was meine FF angeht. Also Fähigkeiten der Pokemon, Vorkommen der Arten, Trainer-Lizenzen usw.
Wie es sich genau verhalten wird erfährt ihr dann im Laufe der Story. Falls Fragen sind könnt ihr diese natürlich gerne stellen.

Und nun noch zum Pairing für alle die wie ich es vorher gerne wissen möchten:
Es wird eine Art Satoshi x Cynthia/Shirona x Sabrina/Natsume sein, wie genau verrate ich aber noch nicht. und es wird auch nicht sofort vorkommen, sondern etwas dauern.

So und nun bis zum nächsten Mal ;-)
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