Eine Geschichte von Elben und Menschen - Narn i Edhil a Edain, Teil 1

GeschichteAllgemein / P16
OC (Own Character)
30.05.2020
09.06.2020
29
101.273
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30.05.2020 239
 
Prolog


Manchmal hatte ich wirklich das Gefühl, verrückt zu werden. Verrückt nicht in dem Sinne, wie es die Menschen im Allgemeinen bezeichnen würden, nicht, indem ich den Bezug zur Realität verlöre. Im Gegenteil: indem ich das Reich der Phantasie verlöre. Je länger ich dieses Leben lebte, desto mehr verlor ich mein Leben. Schmerzlich vermisste ich Dinge, die früher normal waren: die Freude auf einen neuen Tag beim Erwachen, die Begeisterung für eine schöne Landschaft, das abendliche nicht-zu-Bett-gehen-wollen, weil ich ja was verpassen könnte. Genauso vermisste ich diese Dinge, die sein sollten, die funktionieren müssten, die ich aber als Kind nie ausprobiert hatte. Ich konnte Würfel dazu bewegen, ein Spiel für mich zu gewinnen – aber das war auch schon alles, was meine Konzentrationsfähigkeit zustande brachte. Ich konnte keine Gegenstände bewegen, keine Gedanken lesen, weder den Spiegel der Vergangenheit noch der Zukunft im Wasser lesen. Ich wusste, dass ich diese Dinge können müsste – ich hatte sie verlernt, ehe ich sie erlernt hatte. Der allgegenwärtige Lärm tötete meinen Geist, so dass selbst ich manchmal Lärm produzierte, um meine toten Gedanken nicht länger ertragen zu müssen. Die Langeweile bei der Arbeit tat ihr übriges dazu. Ich gab mir nicht einmal mehr die Mühe, zu denken. Das ging so weit, dass ich das Denken richtiggehend verlernte. Kurios war allenfalls, dass das niemand zu merken schien. Denken war in meinem Leben nicht einmal erforderlich. Doch dann kam alles anders.
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