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Liebeskummer

GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
Hiyori Iki Yato
29.05.2020
29.05.2020
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Er war perfekt, sie konnte nichts anderes sagen. 18 Jahre alt, einen ganzen Kopf größer als sie, gut gebaut, rabenschwarze Haare und schöne grüne Augen. Er kam aus gutem Hause, strebte ein Jura Studium an und war sportlich. Auf jeden Fall mehr als akzeptabel für ihre Mutter und sie musste zugeben, dass sie Chiyo mochte. Er war nett, offen und humorvoll.

"Ganz ehrlich Hiyori, dass ist Schicksal und kein Zufall!" dröhnte Yamas Stimme durch ihre Gedanken, während sie Yato und Yukine zusah, wie sie sich über irgendwas stritten. Sie hatte nicht ganz mitbekommen, um was es genau ging und irgendwie war ihr es heute auch egal.

Mittlerweile war es über 2 Monate her, dass sie sich ihre Gefühle für den jungen Gott eingestanden hatte und seitdem suchte sie nach einer Lösung, wie es vielleicht für sie funktionieren könnte. Tag für Tag zerbrach sie sich den Kopf oder rang mit ihrer Sehnsucht nach ihm. Ihre Gefühle standen kurz davor zu explodieren. Jede Umarmung, jedes Lächeln, jede Nachricht und jedes verdammte Telefongespräch ließ sie innerlich ausflippen und die Schmetterlinge in ihrem Bauch fliegen. Sie suchte seine Nähe, wenn sie bei Kofuku war um mit Yukine zu lernen. Unzählige kleine, zufällige Berührungen oder Abendessen, bei denen sie fast schon zu nah beieinander saßen. Sie konnte nicht anders. Sie liebte ihn.

Umso überraschter über sich selbst war sie, als ihr Ami-chan vor drei Wochen ihren Cousin Chiyo vorstellte, der vor kurzem in ihre Nähe gezogen ist um im April sein Studium zu beginnen. Er war ein paar mal mit dabei, wenn sie sich mit ihren Freundinnen traf und hatte sie am letzten Wochenende sogar ins Kino eingeladen. Sie sagte mit gemischten Gefühlen zu. Einerseits fühlte es sich schon fast schon so an, als würde sie Yato hintergehen, andererseits wollte sie ihren Kopf und wenn möglich auch ihr Herz auf eine mögliche, menschliche Beziehung fixieren, es wenigstens einmal versuchen, doch im Moment...

"Hiyori? Gehts dir nicht gut?"

Hörte sie Yukine, der mit seiner Hand vor ihrem Gesicht herumwedelte, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Ihr Kopf schnellte zu dem Blonden nach oben und sie zwang sich zu einem leichten Lächeln.

"Hm nein, mir geht es gut. Ich war nur in Gedanken weißt du ich hab vor einer Weile...uhmmm"

Sie sah kurz zu Yato, dessen Blick gespannt auf ihr lag, aber sie konnte ihm nicht standhalten, wenn sie es aussprach.

"Naja, ich habe jemanden kennengelernt."

Sie hielt die Luft an und verkrampfte die Hände in ihrem Schoß. Jetzt war es raus.

"Ohhh..."

Yukine sah wenig überrascht aus und hob eine Augenbraue.

"Also gibst du es zu ja? Ich weiß schon, dass du mit diesem Kerl ein Date hattest!"

"W-was?"

Ein unangenehmes Gefühl ergriff Besitz von ihr und sie spürte, wie sich ihre Wangen röteten.

"Jetzt schau nicht so überrascht! Meinst du nicht, dass DER da, das längst mitbekommen hat? Er hat mir den ganzen Abend die Ohren vollgeheult, weil du mit ihm ins Kino bist!"

Hiyoris Blick wanderte kurz zu dem dunkelhaarigen Gott, der genauso Rot war wie sie und mit verschränkten Armen ziemlich beleidigt zur Seite schaute.

"Halt die Klappe Yukine!"

Fuhr er ihn noch an, bevor ihr die Situation zu viel wurde. Wie sollte die das verstehen? Hat es ihn verletzt, dass sie mit Chiyo im Kino war? Oder war das nur wieder einer von seinen verrückten Launen?

Hiyori stand auf und packte ihre Tasche.

"W-wie auch immer. Ich muss selbst noch was für die Schule erledigen also...
Übrigens Yukine-kun, wäre es für dich in Ordnung, wenn ich nur noch 2 mal die Woche mit dir lerne? Ich bin momentan selbst sehr eingspannt..."

"Tchhhh...."

Ihr Blick traf Yatos, der wenig begeistert, fast schon enttäuscht aussah, jedoch ignorierte sie ihn und ihr plötzlich schmerzendes Herz.

Die Tage vergingen in denen Sie den Gott so gut es ging ignorierte, um ihren Kopf frei und ihre Gefühle unter Kontrolle zu bekommen. Hiyori antwortete nur spärlich auf seine Nachrichten, verpasste absichtlich seine Anrufe sah ihn nur noch bei Kofuku. Doch das alles hatte seinen Preis. Sie weinte sich dafür fast täglich in den Schlaf. Aber es musste sein, Chiyo war gut für sie und vorallem ein Mensch mit dem eine normale Beziehung möglich war.

Gestern hatte er sie und ihre Freundinnen nach der Schule in ein kleines Ramen-Restaurant eingeladen und sie hatte eine Menge Spaß. Sie mochte ihn wirklich, ja sogar ihre Handynummern hatten sie getauscht und sich erneut für das Wochenende verabredet. Sie musste es tun, ihm eine Chance geben, das war sie sich selbst schuldig.

Hiyori sah Yato in den kompletten nächsten 2 Wochen nicht mehr. Wenn sie mit Yukine lernte, war er nicht da und zu ihr kam er auch nicht mehr. Sie machte sich insgeheim Vorwürfe, sie wollte die Freundschaft nicht ruinieren, aber was sollte sie tun? Sie stellte jedes Mal Fragen über den Verbleib von Yato , aber der blonde Junge hatte ihr nie wirklich eine Antwort gegeben, wo er steckte und auch von Kofuku erhielt sie nur ein trauriges Lächeln und die Antwort, dass sie dazu nichts sagen könnte.

Die Brünette nahm es hin, auch wenn es sie mehr als verwirrte. Es war belastend, dass er ihr nun komplett aus dem Weg ging. Sollte er sich nicht eher für sie freuen? Sollte sie nicht darüber freuen, dass sie wieder mehr Zeit ihm Diesseits verbrachte? Sie wollte doch nur einen gesunden Mittelweg finden, mit dem alle zufrieden sein konnten.

Die nächsten Tage verflogen in denen es ihr immer schlechter anstatt besser ging. Sie erwischte sich, wie sie gedankenverloren aus dem Fenster starrte und eines Nachmittags sogar einen kleinen körperlosen Spaziergang über Hochspannungsleitungen unternahm um ihn zu Suchen und zur Rede zu stellen, jedoch fand sie ihn nicht, nichtmal seinen Duft konnte sie ausmachen und das schon eine ganze Zeit lang. Was war nur geschehen? Wieso lief alles so schief?

Das Wochende kam mit großen Schritten und als sie am Samstagmorgen ihre Augen öffnete, freute sie sich zur Abwechslung sogar etwas auf den Vormittag. Es war Mitte März und heute war es angenehm warm. Ein Tag voller Sonnenschein und hoffentlich besserer Laune. Sie hatte sich mit ihren Freundinnen und Chiyo im Park zu einem Picknik verabredet, zu dem sie ein paar Snacks gerichtet bekommen hatte.

Sie sprang unter die Dusche und zog sich an um eine Kleinigkeit zu frühstücken und die Sachen zu packen, die sie mitnehmen musste. Eilig verließ sie das Haus und kam wenig später im Park an in dem sie bereits von den anderen erwartet wurde. Hiyori hatte wirklich Spaß, doch konnte sie nicht wirklich abschalten. Sie erwischte sich selbst bei den Gedanken, dass sie Chiyo in diesem Moment gerne austauschen würde. Wieso konnte es nicht Yato sein? Und genau das war der springende Punkt. Der Fakt, der sich nicht abschütteln, vergessen oder verdrängen ließ. Solange sie mit dem Gott in Verbindung stand, war eine Beziehung mit einem anderen Jungen nicht möglich. Sie liebte Yato zu sehr, sie könnte bei ihm keine einfache Freundschaft heucheln und einem Menschen stattdessen wahre Liebe. Ihr Kopf begann nach dieser Erkenntnis zu arbeiten und plötzlich fügte sich alles zusammen. Seine Reaktion auf ihr erstes Date, seine neugierigen Nachrichten, die sich mehr oder weniger alle um Chiyo drehten und dann seine plötzliche Abwesenheit. Sie hatte ihn eindeutig verletzt und genau dieser Punkt schmerzte sie am meisten. Musste er nicht schon genug Leid in seinem Leben ertragen?
Ihr schossen die Tränen in die Augen und genau in diesem Moment, spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter.

"Hiyori? Alles in Ordnung? Hast du Lust eine Runde mit mir durch den Park zu laufen?"

Sie wischte sich über ihr Gesicht und nickte dem schwarzhaarigen zu, das wäre eine gute Gelegenheit mit ihn zu reden. Sie konnte Chiyo keine Hoffnungen auf etwas machen, was sie ihm nicht geben konnte.

Stillschweigend liefen sie ein Stück nebeneinander her, sie hing völlig ihren Gedanken nach und bekam fast gar nicht mit, das ihr Begleiter stehen blieb.

"Hiyori? Geht's dir gut? Du wirkst so abwesend."

Die Angesprochene blieb erschrocken stehen und drehte sich zu ihm um. Erst jetzt bemerkte sie, dass sie bereits ein ganzes Stück vorangekommen waren. Sie waren kurz vor einem Seiteneingang des Parkes und sie konnte den Straßenlärm wieder wahrnehmen.

Ihr Blick wanderte zu Chiyo, der etwas hilflos dastand und ihr ein sanftes Lächeln schenkte. Langsam lief sie auf ihn zu und blieb kurz vor ihm stehen.

"Chiyo ich..."

"Nein, bitte Hiyori hör mir zu ich..."

Sie spürte seine warmen Fingerspitzen an ihrer Wange und ihrem Kinn, er hob ihren Kopf an und zwang sie ihm in die Augen zu schauen und ganz plötzlich stieg ihr ein Duft in die Nase, nach dem sie sich mehr als nur gesehnt hatte. Er war nicht sehr intensiv aber er war da. Das bildete sie sich nicht ein und ihr Körper spielte verrückt. Alle ihre Sinne waren plötzlich in Alarmbereitschaft, ihr Herz raste und ihr Atem ging schneller. Mit großen Augen und offenem Mund starrte sie Chiyo an, der die ganze Sache wohl etwas falsch verstand und sie los ließ, um ihr über die Wange zu streicheln.

Sie wollte gerade etwas sagen, als Yato plötzlich ein paar Meter über ihm auftauchte. Er saß auf dem großen Ast eines Baumes und Hiyori hielt die Luft an. Sein kalter Blick war schon fast beänstigend, zudem sah er sehr müde und blaß aus. So als hätte er nächtelang
nicht geschlafen. Sie starrte ihn für ein paar Sekunden ungläubig an, bevor er seinen Blick abwandte um zu gehen. Hiyori musste handeln.

"Chiyo, hör zu. Ich finde dich sehr nett aber..."

"Ich weiß. Ich kann dir förmlich ansehen, dass nicht ich es bin, dem dein Herz gehört. Das ist ok Hiyori weil..."

Panik brach in ihr aus, Yato war verschwunden und sie musste hinterher! Sofort!

Sie wollte etwas sagen und sah im nächsten Moment, wie ihr Körper Chiyo schlafend in die Arme sank, der sie beängstigt auffing und mehrmals ihren Namen rief. Darum würde sie sich später kümmern, nun musste sie ihrem Gott hinterher und glücklicherweise, dauerte es nicht lange, bis sie ihn fand.

Er saß auf dem Dach eines Hauses, die Beine angewinkelt und den Kopf auf seinen Knien abgestützt und blickte grimmig auf den Park.

"Yato..."

Sie atmete tief durch und lief ein paar Schritte auf ihn zu, doch er sah sie nicht an.

"Sorry, wollte dich nicht erschrecken.

Murmelte er plötzlich seufzend.

Hiyori schüttelte den Kopf und setzte sich zu ihm. Von hier oben hatte man wirklich eine herrliche Aussicht.

"Wo warst du in den letzten Wochen? Ich hab mir schon Sorgen gemacht."

"Überall und nirgendwo. Ich musste nachdenken und mit der Situation klarkommen."

"Situation?"

"Du....und er? Dein Freund?"

"Oh..."

Hiyoris Herz schlug immer schneller und sie wurde nervös. Hatte sie tatsächlich recht gehabt?

"Yato er..."

"Du brauchst nichts sagen ok? Weißt du Hiyori, ich sollte mich wirklich für dich freuen. So wie die Dinge laufen, ist es gut für dich, das wissen wir beide. Aber..."

Er veränderte seine Haltung, streckte seine Beine von sich und stützte seine Hände neben sich auf dem Dach ab.

"Aber ich kann es nicht. Ich würde ihn am liebsten... Ich wollte dich doch zum glücklichsten Mädchen in dieser Welt machen, jetzt fühlt es sich an, als hätte er dich mir weggenommen"

Er biss sich auf seine Lippen und spürte, wie sie seine Hand nahm und ihre Finger miteinander verschränkte. Ein leises Schluchzen entwich ihr und endlich schaffte er es, ihr in ihre, vor Tränen glitzernden Augen zu blicken.

"Du verstehst da was falsch! Es tut mir so leid Yato. Ich war so feige und habe mich nicht getraut mit dir zu sprechen. Statt dessen habe ich dich von mir gestoßen und mir eingeredet, dass eine Beziehung mit ihm besser für mich wäre. Dabei habe ich uns beide damit verletzt und wahrscheinlich auch noch ihn. Es ist alles meine Schuld."

"Hiyori..."

Überrascht drehte sich zu ihr um zog sie so gut es ging in seine Arme. Sofort schlang sie ihre Arme um seine Oberkörper und vergrub weinend ihren Kopf in seinem weißen T-Shirt. Seine Hand wanderte an ihren Hinterkopf.

"Was verstehe ich falsch? Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst..."

Flüsterte er an ihr Ohr, was sie ein Stück ihren Kopf heben ließ. Sie war ihm so Nahe, dass sie die Hitze spüren konnte, den sein Körper ausstrahlte und seinen Atem auf ihren Lippen, die sie gerade anstarrte.

"Er ist nicht mein Freund. Ich kann das nicht mit ihm weil..."

Sie kam ihm noch ein Stück Näher und hörte noch, wie er das letzte Wort flüsternd wiederholte, bevor ihre Lippen aufeinander trafen. Sanft und zärtlich berührten sie sich und sie glaubte, dass sie bisher noch nichts vergleichbares gefühlt hatte und sie wollte mehr. Also legte sie eine Hand in seinen Nacken und zog ihn fester zu sich und er verstand. Der Kuss heizte sich auf, als ihre Zungen in Berührung kamen und endete, als es Zeit war Luft zu holen.

Yato legte beide Hände an ihre Wangen und seine Stirn gegen ihre, um nochmal ihr letztes Wort zu wiederholen.

"Weil...?"

"Weil ich dich liebe Yato."

Hauchte sie ihm entgegen und sah, wie sich ein kleines Lächeln auf seine Lippen schlich, das sich schnell zu einem breiten Grinsen entwickelte.

Er schob ihren Kopf ein Stück von sich, damit er ihr besser in die Augen blicken konnte.

"Und ich liebe dich. Wieso hattest du Angst mit mir daüber zu sprechen? War das nicht die ganze Zeit schon offensichtlich?"

Er küsste ihre letzten Tränen weg und wanderte erneut zu ihren Lippen um diese kurz mit seinen zu verschließen.

"Ich weiß nicht Yato, ich dachte nicht, dass du das alles immer ernst gemeint hast. Ich hatte Angst alles kaputt zu machen, indem ich es dir sage. Verzeih mir..."

"Und was ist mit ihm? Hast du es ihm gesagt? Ihr zwei habt vorhin einen ganz anderen Eindruck auf mich gemacht..."

Er seufzte und ließ die junge Frau in seinem Arm los, damit diese aufstehen konnte.

"Ich rede gleich noch mal mit ihm, er wollte vorhin noch etwas sagen, aber ich hab ihn einfach stehen lassen."

Sie grinste schief und wartete, bis er ebenfalls aufgestanden war.

"Ok. Und dann? Haben wir ein Date?"

Er grinste und sie spürte, wie sie rot wurde aber dennnoch nickte. Sie wollte jetzt definitiv Zeit mit ihr verbringen.

"Wie wäre es, ich hole uns was zu essen und wir schauen einen Film bei mir? Meine Eltern sind im Krankenhaus und gehen danach noch aus."

Yato trat nochmals einen Schritt auf sie zu um sie in seinen Arm zu ziehen. Er konnte gar nicht glauben was gerade passiert war und hoffte, dass das nicht wieder einer seiner wirren Träume war, die er in den letzten Tagen von Hiyori hatte.

"Klingt gut. Wir könnten auch die ganze Nacht hier sitzen bleiben, Hauptsache du bist bei mir. Aber rede das nächste Mal mit mir, wenn du etwas auf dem Herzen hast ok?"

Sie schmiegte sich an ihn und schloss die Augen.

"Hmm...verstanden...Ich liebe dich Yato."

"Ich liebe dich auch."
 
 
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