Zu Hause

GeschichteFamilie, Freundschaft / P18 Slash
Eskel Lambert OC (Own Character) Triss Merigold Vesemir
27.05.2020
19.09.2020
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16.09.2020 4.859
 
Als Eskel am Abend mit genug Gedanken für einen hundertjährigen Schlaf in die Festung zurückkehrte, wurde er bereits erwartet. Maleks stoische Ruhe und entspannte Ausstrahlung waren ganz offensichtlich nicht von langer Dauer gewesen, denn es hatte erneut einen Zwischenfall mit Vesemir gegeben.
Über die Details informierte ihn Coen, der ihn am Tor abfing und auf dem Weg in die Labore über die neusten Entwicklungen unterrichtete.
Auch dieses Mal hatte ihr Ziehvater wohl einiges abbekommen, denn Maleks Reflexe waren inzwischen recht schnell. Zu zweit hatten er und Lambert die Situation eher schlecht als Recht unter Kontrolle bekommen, doch den Jungen unter starke Beruhigungsmittel zu setzen und mit Lambert im Keller einzusperren war keine Lösung, die auf Dauer vertretbar war. Da Vesemir wohl keinerlei Interesse zu haben schien, heute noch eine bessere Lösung zu finden, hoffte Coen, dass Eskel und Lambert sich etwas einfallen ließen.
Eskel hörte ihm nachdenklich zu und versuchte nachzuvollziehen, wie und warum es dazu gekommen war. Es kam vor, dass junge Hexer nach der Mutation verändert waren, selbst bis hin zum Wahnsinn, der sich gelegentlich als vorrübergehendes Symptom herausstellte und mit der Zeit wieder auswuchs. Normalerweise hatten die Betreffenden viel Energie und konnten ihre Anspannung nur durch konstante Bewegung regulieren. Selbst mit entsprechenden Medikamenten in der Rückhand war davon auszugehen, dass Malek nicht gut auf die Freiheitsberaubung reagierte und noch agressiver davon wurde.
Umso verwirrter war Eskel, als er das schwere Gittertor zur Seite schob und Lambert und Malek vorfand.
Malek saß zwischen Lamberts Beinen, an seine Brust gelehnt und schien schon beinahe wegzudämmern. Von Agression keine Spur, wenigstens nicht in einem Ausmaß, dass vergitterte Fenster erforderte. Als er das Knarren des Tors vernahm, sprang er erschrocken auf und wich in eine Ecke des Raums zurück.
Eskel hob beschwichtigend die Hände und rührte sich keinen weiteren Meter.
Lambert seufzte frustriert auf und rappelte sich ebenfalls hoch.
„Hast du eine Ahnung, wie lange es gedauert hat, bis er so entspannt war? Und überhaupt. Warum hat das so lange gedauert? Wo zur Hölle bist du gewesen?“, fauchte er und widmete sich Malek. „Ganz ruhig, Kleiner. Alles in Ordnung. Du hast keinen Grund, dich zu verstecken. Setz dich. Wir finden jetzt eine Lösung.“
„Entschuldige. Ich wollte dich sicher nicht verunsichern,“ versicherte Eskel und setzte sich auf die Pritsche, neben der die beiden sich auf dem Boden zusammengerollt hatten. „Was soll das hier, Lambert?“
„Sag du´s mir. Vesemir hat darauf bestanden. Aus Sorge um die anderen Schüler. Coen  hat zumindest nachgegeben. Ich fand es falsch, ihn allein hier unten zu lassen. Also bin ich geblieben,“ erklärte er leise. Eskel konnte darüber nur den Kopf schütteln. Es war doch offensichtlich, dass sich die Aggression gezielt gegen einen Einzelnen richtete. Es mochte ja sein, dass Malek verängstigt wirkte, aber es war doch nicht ernsthaft davon auszugehen, dass er sie auch angreifen würde.
Das Problem hatte er mit Vesemir und mit niemandem sonst.
Eskel schwieg betreten.

„Hältst du mich auch für wahnsinnig?“, fragte Malek leise.
Seine Körperhaltung verriet, dass er immer noch sehr angespannt war und sich sobald nicht beruhigen würde. Jedenfalls ganz sicher nicht, bis er gehört hatte, dass noch jemand an ihn glaubte. Eskel musterte ihn und erkannte, dass es in diesem Fall nur eine richtige Antwort gab, um das ganze zu deeskalieren. Glücklicherweise musste er dafür nicht einmal lügen.
„Nein. Ich halte dich für wütend und verletzt. Weil wir dein Vertrauen missbraucht haben,“ antwortete er ruhig. Malek schien einen Augenblick zu brauchen um zu entscheiden, ob er ihm glaubte. Offenbar kam er zu der Erkenntnis es zu können, denn er nickte nur.
„Ich bin nicht verrückt…,“ wiederholte er dennoch, um sicherzustellen, dass er verstanden wurde.
„Das wissen wir,“ stimmte Lambert zu. „Du hast allerdings in letzter Zeit seltsame Methoden, das unter Beweis zu stellen.“
„Vorwürfe bringen uns nicht weiter. Was tun wir mit dieser Situation?“, stellte Eksel die alles entscheidende Frage. „Kannst du dafür garantieren, dieses Verhalten abzulegen, Malek?“
Ehrlicherweise schüttelte Malek den Kopf.
„Nein…ich weiß nicht, warum aber er…ich…kann nicht mit ihm in einem Raum sein…,“ gab er ehrlich zu.
„Dann lass mich anders fragen. Kannst du garantieren, dass die Kinder sicher sind. Konflikte mit uns erwachsenen sind das eine. Aber ich gestatte nicht, dass du deine Mitschüler angreifst,“ stellte Eskel klar. Er glaubte zwar nach wie vor nicht daran, dass Vesemirs Sorge begründet war, aber dennoch mussten sie sich darüber unterhalten. Die Unterstellung er könnte seine Mitschüler, seine Geschwister verletzen, schien Malek schwer zu treffen, denn er zuckte hart zusammen. Im spärlichen Licht, welches durch das Oberlicht fiel, glänzten seine Augen verräterisch.
„Warum sollte ich so etwas tun?,“ fragte er leise.
„Schon gut. Ich habe nicht gedacht, dass du es würdest. Na schön ich…gehe zu Vesemir. In Ordnung? Ich kläre das. Lambert würdest du..?“
Lambert winkte nur gleichgültig ab.
Er war ähnlich aufgebracht wie ihr Schüler und darüber hinaus gerade nicht an Gesprächen mit ihrem Ziehvater interessiert. Für Sachlichkeit konnte er gerade absolut nicht garantieren.
„Ich bleibe hier. Ist sicher besser so.“

Eskels eilige Schritte hallten durch die Korridore und bescherten ihm die ungünstige Erkenntnis, dass auch er nicht emotionslos und sachlich in dieses Gespräch stolperte. Ähnlich wie Lambert, war auch er aufgebracht, denn ein unartiges Kind in den Keller zu sperren und die Sicherheit anderer vorzuschieben, obwohl sie gewährleistet war, hielt er für schlechten Stil.
„Vesemir, können wir bitte…,“ kam er gleich zur Sache, als er, ohne anzuklopfen, die Tür aufstieß.
Zu seiner Überraschung erwartete ihn in Vesemirs Turm neben Triss noch eine weitere Besucherin, was ihn erst einmal aus dem Konzept brachte.

„Yennefer,“ murmelte er irritiert. „Wann bist du angekommen?“
Über seine Verwunderung vergaß er sogar die Höflichkeit und Triss beachtete er gar nicht. Ohne Geralt kam die Zauberin doch eigentlich nie…
„Ist etwas mit Geralt? Mit Jaskier?“, fragte er gleich und schaute zu Vesemir herüber, dessen Gesicht er deutlich leichter lesen konnte, als Yennefers. Sie verbarg ihre Gefühle besser.
„Hallo, Eskel,“ grüßte sie mit dem leisen Anflug eines lächelns und stand auf. Mit jeder Faser ihres Körpers drückte sie die Überlegenheit aus, die Eskel gelegentlich so sehr verabscheute. Gerade war es ihm egal. „Nein. Es geht ihnen gut. Sie kommen nächste Woche her.“
Auch wenn Eskel nicht verstand, was die beiden im frühen Herbst in Kaer Morhen wollten, freute ihn diese Nachricht. Überschattet von dem eigentlichen Grund seines Besuches konnte er sich allerdings nicht ganz auf dieses Gefühl einlassen.
Triss legte den Kopf schräg und bohrte sich geradewegs durch seine Augen. Wissens verengten sich ihre Lieder und sie schüttelte kaum merklich den Kopf. Eskel ignorierte sie. Halbherzig holte er es nach, sie zu begrüßen und Yennefer die Hand zu reichen, ehe er wieder zum Thema kam.
„Wir müssen reden,Vesemir,“ forderte er.
Vesemir blieb mit unbewegter Miene sitzen und schaute zu ihm hoch. Die kleine Platzwunde vom Morgen war inzwischen zu einer feinen, hellen Linie zusammengeschrumpft. Neue Schäden durch Maleks Ausbrüche erkannte er auf den ersten Blick nicht, doch es ging nicht um die Folgenschwere der Attacken, sondern um die Tatsache, dass er sich derart verhielt.
„Ich wäre noch auf dich zugekommen,“ antwortete er ruhig.
„Und wie lange hattest du geplant, das Kind im Keller zu lassen?“, fragte er ungewöhnlich bissig. Triss schien diese Reaktion zugleich zu freuen und zu irritieren.
„Bis wir eine Lösung für ihn gefunden haben,“ erklärte Vesemir. Die Ruhe die er ausstrahlte intensivierte Eskels Wut noch mehr. Er wirkte beinahe gleichgültig. Wie konnte ihm das alles egal sein?
Vermutlich war es ungerecht, das zu unterstellen. Vesemir war nie gleichgültig gewesen.
Doch auch diese Rationalität fühlte sich nicht richtig an. Immerhin ging es um ein Kind, zu dem sie eine Beziehung hatten und nicht um ein unartiges Haustier.

„Vesemir. Er ist ein Kind. Das ist falsch.“ Entschieden stemmte er die Hände in die Hüften. „Trenn ihn von der Gruppe. Binde ihn meinetwegen einem Erwachsenen ans Bein. Aber das...das geht zu weit!“
„Ich hätte ihn dir ans Bein gebunden. Wärst du da gewesen,“ sagte er langsam. Eskel presste die Lippen zusammen. Es klang plausibel, sogar glaubwürdig, doch in erster Linie klang es nach einem vollkommen deplatzierten Vorwurf.
Geistesgegenwärtig mischte Triss sich in die Unterhaltung ein, ehe sie eskalierte. Seit Jahren kannte sie Eskel und schätzte insbesondere seine ruhige Ausstrahlung und seine sachliche Art der Konfliktbewältigung, doch gerade sah es aus, als sei Malek nicht mehr lange Vesemirs größtes Problem.
„Mit Schmutz zu werfen löst das Problem nicht,“ warf sie ein. „Hattest du bereits Gelegenheit, mit Malek zu sprechen, Eskel?“
Eskel stemmte die Hände in die Hüften und nickte.
„Ja. Er hat mir glaubwürdig versichert, dass sich sein Ärger allein gegen dich richtet. Ich habe keinen Grund, ihm diesbezüglich zu misstrauen.“
Diese Antwort schien Vesemir zu frustrieren, denn es wäre einfacher gewesen, die getroffenen Maßnahmen zu rechtfertigen, wenn er generell zu Ausbrüchen neigte. So handelte es sich um ein rein zwischenmenschliches Problem und nicht um Wahnsinn, der es rechtfertigte, zu sedieren oder einzusperren.
Auch Eskel war frustriert, denn er hatte das Bedürfnis, seinen Standpunkt zu vertreten.
Es würde zu nichts führen.
Die Fronten verhärteten sich spürbar. Und es war ihm gleichgültig, denn er war wirklich überzeugt davon, dass sie einen Fehler machten, wenn sie begannen, ihre Schüler so behandeln. Es war das erste Mal, dass er nicht im Geringsten bereit war, sich Vesemir anzupassen. Erleichtert stellte er fest, dass seine Abneigung sich sehr abstrakt gegen diese eine, konkrete Entscheidung richtete und nicht gegen den Menschen, der sie getroffen hatte, so wie  es manchmal der Fall war, wenn Lambert und Vesemir aneinander gerieten.

„Übernimmst du die alleinige Verantwortung dafür? Auch, wenn du falsch lagst? Auch noch, wenn er die Jüngeren angeht?“, fragte Vesemir leise. Das war der Tonfall, den Eskel schon immer am meisten gefürchtet hatte, denn er war gänzlich entspannt. Vesemir behielt die Oberhand, in dem er nicht derjenige war, der den Druck ausübte, wenigstens nicht auf agressive Weise.
Das hatte er schon immer getan.
„Ja. Weil er das nicht tun wird,“ antwortete er fest. Ihm war bewusst, dass drei Augenpaare auf ihn gerichtet waren und ihre Besitzer allesamt davon ausgingen, dass er der Diplomatie wegen einlenken würde, doch er dachte nicht daran, die Position zu wechseln.
„Tu, was du nicht lassen kannst.  Gibt es noch etwas, das mit mir besprechen möchtest?“

Auf den ersten Blick war diese Frage freundlich und offen gestellt, doch entweder wurde er allmählich paranoid, oder auch das war ein Versuch, ihn aus der Reserve zu locken. Im Augenblick war er ganz offensichtlich nicht in der Verfassung zu ernsthaften Gesprächen, weswegen er sich dagegen entschied.
„Ja. Aber das hat Zeit. Wir kommen darauf zurück,“ versprach er.
„Das ist eine gute Idee. Ich habe noch Neuigkeiten für dich. Oder vielmehr Yennefer. Nun spann ihn nicht auf die Folter, Kindchen,“ wechselte er endlich das Thema.
Yennefer richtete sich in ihrem Stuhl auf. Sie hatte die Szenerie mit Interesse beobachtet wie ein Theaterstück und bildete sich offenbar noch eine Meinung, wie sie es fand. Als bekennende Liebhaberin für Chaos und kuriose Situationen gefiel es ihr vermutlich.
„Ich bringe Jaskier und Geralt her. In etwas mehr als einer Woche,“ präzisierte sie ihre eingangs genannte Erklärung des Besuchs.
Eskel schaute demonstrativ aus dem Fenster. Er hatte damit gerechnet, dass Jaskier und Geralt dieses Jahr überwintern würden. Aber dafür reiste man frühestens zu Samhain an. Bis dahin waren es noch Wochen und das Wetter war gut. Es gab keinen Grund, sich schon jetzt in einer Festung zu verbarrikadieren.
„Warum? Ist etwas passiert?“, wollte er beunruhigt wissen. Da Triss jedoch über das ganze Gesicht strahlte, konnte er es sich eigentlich kaum vorstellen.
„Gewissermaßen. Sie werden heiraten,“ eröffnete sie ihm und erntete exakt die zu erwartende Reaktion. Ein Lächeln zuckte über Eskels Gesicht, kaum, dass sie zu Ende gesprochen hatte.
„Das ist wunderbar.“
„Das wird sich zeigen. Jaskier ist noch nicht darüber informiert,“ erklärte sie. Dass auch sie lächelte, war eigentlich kein gutes Zeichen, doch Eskel verstand es gut.
Jaskier würde das wollen, er war sich ganz sicher. Und dass Yennefer Überraschungen dieser Art unterhaltsam fand, konnte er sich lebhaft vorstellen.
„Ich habe keinen Zweifel, dass Geralt einschätzen kann, wie Jaskier zu diesem Thema steht,“ antwortete er vage.
„Davon bin ich überzeugt. Und beruhigt, dass du es ebenfalls bist. Er wird einen Trauzeugen brauchen,“ stellte sie in den Raum. Einen Augenblick irritierte Eskel dieser Vorschlag. Er war irgendwie davon ausgegangen, dass sie diese Rolle ausfüllen würde, wenn sie schon nicht an Geralts Seite neben einem Altar endete. Er wusste natürlich durchaus, wie diese Beziehung organisiert war, doch er hatte Yennefer einfach insgesamt als dominantere Person kennengelernt.
Dass sie bereit war, einen Schritt zurückzutreten war seltsam und wollte nicht recht zu ihr passen, doch es konnte ihm nur recht sein. Eine aufgebrachte Yennefer war keine angenehme Gesellschaft und das letzte, was er sich wünschte.
„Ich…würde gern mit ihm darüber sprechen. Es ist Geralts Entscheidung,“ wich er aus.
„Natürlich,“ versicherte sie. „Auch, wenn ich dir versichern kann, dass ich ihn gefragt habe, ehe ich diesen Wunsch an dich richte. Nichtsdestotrotz muss jemand das Organisatorische übernehmen. Jaskiers Trauzeugin steht dafür leider nicht zur Verfügung. Ich gehe davon aus, dass es unsere Aufgabe sein wird.“
„Ich unterstütze dich gern dabei,“ sicherte er zu. Unabhängig davon, welche Rolle er dabei letzten Endes spielen würde, ging es um einen seiner ältesten und engsten Freunde.. Auch Yennefer schätzte er. Es wäre ihm dumm vorgekommen, sich nicht einzubringen.
„Ich danke dir. Aber es wird Zeit bis morgen haben. Heute würde ich gern nach Ciri sehen.“
„Wenn ihr sie denn findet,“ warf Triss ein. „Sie und Deidre waren nicht beim Abendessen.“
Eskels Augenbrauen zogen sich überrascht zusammen.
Es war ungewöhnlich, dass sie nicht in die Halle kamen. In diesem Punkt waren beide Mädchen eigentlich sehr zuverlässig. Waren sie vielleicht nur in all dem Trubel um Malek untergegangen?
So oder so, er legte Wert darauf, sie wenigstens kurz zu sehen. Insbesondere, da er immer noch keine sonderlich tragfähige Beziehung zu Deidre aufgebaut hatte.
„Ich begleite dich. Die Mädchen teilen sich ein Zimmer. Ciri musste umziehen. Ich zeige dir den Weg,“ bot er an. Yennefer schenkte ihm dafür ein eher seltenes, ehrliches Lächeln.
„Ich danke dir.“
„Bleibt noch eine Frage zu klären. Wo schläfst du?“, erkundigte er sich. Immerhin bewohnte offiziell noch immer Triss das Gästezimmer. Sie würde es wohl räumen müssen, denn es waren noch nicht alle Räume in einem Zustand, in dem man sie Gästen anbieten konnte. Die einzige plausible Lösung war es, dass Triss zu ihm umsiedelte, was die bisherige Diskretion, mit der sie ihre Beziehung behandelten, endgültig auflösen würde. Triss schien mit diesem Gedanken keinerlei Schwierigkeiten zu haben, denn sie warf lachend die Haare zurück.

„Im Gästezimmer. Triss hat bereits angeboten, vorübergehend zu dir zu ziehen. Wenn es dir nichts ausmacht,“ ergänzte sie süffisant. Eskel konnte nicht umhin zuzugeben, dass er diese Entscheidung über seinen Kopf hinweg, ein wenig übergriffig fand. Übel nehmen wollte er sie Triss dennoch nicht. Immerhin hatte er sich selbst dafür eingesetzt, dass ihre Beziehung ernsthafter und damit wohl auch offizieller wurde. Da sie den ersten Schritt gemacht hatte, konnte er wohl davon ausgehen, dass sie damit einverstanden war.
„Nein, nicht das Geringste,“ versicherte er. „Dann sehen wir uns später,“ verabschiedete er sich von Triss, die ihn sehr erwartungsvoll musterte. Ihre Augenbraue zuckte fragend. Es war offensichtlich, dass sie eine gewisse Erwartung hegte und interessiert beobachtete, ob er sie von allein erkennen und erfüllen würde. Unsicher, ob es der richtige Ansatz war, griff er nach ihrer Hand und drückte sie kurz.
Die Magierin schien noch nicht sicher zu wissen, ob diese schlichte Geste das war, was sie gewollt hatte, doch sie lächelte einfach zurück und beließ es dabei.

Bereits einige Schritte vor dem Zimmer der Mädchen vernahmen sie durch die Tür gedämpfte Stimmen, die hitzig miteinander diskutierten. Eskel vernahm es noch vor Yennefer und hielt sie mit einer knappen Geste zurück.
Es war Ciri, die auf Deidre eingeredete. Etwas, von Wegen Erwachsene und reden. Er meinte, seinen und Lamberts Namen zu hören, zwischendurch den von Triss.
Sie schienen irgendein Problem zu diskutieren und noch nicht ganz ausgehandelt zu haben, wie es zu lösen sei.
Auch, wenn er durchaus Neugierig war, worum es dabei ging, entschied er sich dagegen zu lauschen und klopfte deutlich hörbar an. Die Stimmen verstummten Augenblicklich. Leise Schritte tapsten auf die Tür zu und öffneten sie nur einen Spalt breit. Ein grünes Auge lugte durch den Spalt und inspizierte den Flur so genau wie möglich. Eskel dachte sich nichts weiter dabei. Ciri neigte eben zu ihren ganz besonderen, kleinen Macken, das war keine Neuigkeit.

„Hallo, Ciri,“ grüßte er. „Du hast Besuch.“
Ciri öffnete die Tür einen kleinen Spalt breiter und riss sie dann vollständig auf.
„YENNEFER!“, quietschte sie und stürmte auf die Magierin zu. Eskel ließ seinen Blick in das Zimmer der Mädchen wandern. Deidre saß auf ihrem Bett und wirkte gleich auf den ersten Blick sehr aufgelöst. Kurz schaute er sich nach Ciri um, die damit beschäftigt war, Yennefer zu begrüßen und entschied sich letzten Endes dafür, den Raum zu betreten.
„Hallo, Deidre. Darf ich hereinkommen?“, fragte er. Es war eine Frage der Höflichkeit, die Privatsphäre der Mädchen nicht zu verletzen.
Deidre starrte ihn nur wortlos aus verquollenen Augen an und musste sich sehr mühsam zu einem Nicken durchringen. Kurz überlegte er, ob es wirklich der richtige Ansatz war, doch dann schloss er die Tür und erlaubte es sich ein Stück näherzukommen.
„Darf ich?“, erkundigte er sich und deutete auf das Fußende ihres Bettes. Zu stehen, während das für ihr Alter kleine Mädchen saß und hochschauen musste, kam ihm nicht richtig vor.
Deidre nickte erneut.
„Danke. Ist alles in Ordnung? Du warst nicht beim Abendessen.“
„Du auch nicht,“ wisperte Deidre. Sie war blass und wirkte erschöpft. Eskel versuchte sich zu erinnern, was heute auf ihrem Trainingsplan gestanden hatte, doch seines Wissens nach waren es nur theoretische Lektionen gewesen, die sie eigentlich nicht so sehr herausforderten.
Ein beinahe liebevolles Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Die Schlagfertigkeit der Kleinen hätte sie in dem Umfeld, aus dem sie stammte, vermutlich in Schwierigkeiten gebracht, doch ihm gefiel dieses Selbstbewusstsein sehr. Immerhin war es ein kleines Zeichen, dass sie begann, sich sicherer zu fühlen.
„Das stimmt. Ich war ein wenig zu lang im Wald und habe dann nach Malek gesehen,“ erklärte er seine Abwesenheit. „Und ihr beiden?“
Deidre schaute auf ihre Bettdecke. Ihre Hemmungen zu reden waren ungewöhnlich, denn normalerweise plapperte sie viel. Eskel entschied sich dagegen, noch mehr Druck auszuüben, denn das würde seiner Erfahrung nach zu nichts führen.
„Deidre? Ich habe das Gefühl, dass du nicht glücklich bist. Ich möchte, dass dir klar ist…dass du jederzeit mit jedem hier reden kannst. Wir möchten dir helfen, wenn du ein Problem hast. In Ordnung?“ Deidre schien ernsthaft über diese Option nachzudenken, als die Tür krachend aufflog. Ciri hatte sich offenbar so eben daran erinnert, dass Deidre nicht in der besten Verfassung war und dass sie vor nicht einmal zehn Minuten darauf bestanden hatte, Eskel nicht einmal sehen zu wollen. Sie jetzt nicht allein zu lassen war eigentlich das mindeste, doch sie hatte sich einfach zu sehr über Yennefers überraschenden Besuch gefreut.

„Eskel?“, sagte sie mit hoher Stimme.
„Ja, Ciri?“
„Ich glaube, wir wären jetzt lieber allein!“, erklärte sie entschieden und fuchtelte mit den Armen herum, wie sie es immer tat, wenn sie sich nicht entscheiden konnte, ob sie sie in die Hüften stemmen, oder vor der Brust verschränken wollte.
Eskel lächelte über das Selbstbewusstsein seiner Schülerin. Hoffentlich würde Deidre sich davon noch etwas mehr abschauen können. Insbesondere, was die offene Kommunikation anging, erhoffte er sich langfristig etwas mehr.

„In Ordnung. Bleibt nicht zu lang auf, hm? Ihr wisst, dass wir morgen Alraunen sammeln. Das kann sehr anstrengend sein. Und Nahkampftraining habt ihr auch,“ erinnerte er sie.
Deidre zuckte beim Gedanken an das bevorstehende Programm hart zusammen und wirkte noch ein wenig verzweifelter. Eskel musterte sie ein letztes Mal, doch er blieb seiner Linie treu und stand, Ciris Wunsch entsprechend auf, um sich allmählich zu verabschieden. Das bedeutete allerdings nicht, dass er aufhörte, über das ungewöhnliche Verhalten seiner Tochter nachzudenken.  Eigentlich war Deidre nicht ängstlich in den Wäldern und gerade die Kämpfe mit den Jungen betrachtete sie sehr spielerisch, weshalb sie eher Spaß daran hatte, als sich davon einschüchtern zu lassen.
Ciri bemerkte die Reaktion ihrer Freundin ebenfalls und stemmte die Hände in die Hüften.
„Deidre,“ sagte sie drängend.
Deidre funkelte sie wütend an und schaute nur sehr kurz zu Eskel auf, der keine Miene verzog und abwartete, bis sie sich entschieden hatte, ob sie nun etwas sagen wollte oder nicht.
„Schon gut, Ciri,“ murmelte Eskel.
„Nein. Nichts ist gut. Eskel, Deidre ist indisponiert.  Das will sie dir aber nicht sagen. Das sollte sie aber. Weil sie so morgen nicht den ganzen Tag laufen kann!“, verkündete sie schließlich.
Eskel dämmerte ungläubig, dass er diese Option schon wieder nicht in Betracht gezogen hatte und schimpfte sich in Gedanken selbst für diese Einfältigkeit aus. Immerhin hatte er den selben Fehler nun schon zum zweiten Mal gemacht.
Deidre starrte Ciri an, als würde sie ihr bei nächster Gelegenheit an die Gurgel springen, doch sie schien erleichtert darüber zu sein, dass es eine Lösung gab, die ihre Teilnahme an diesem Gespräch nicht erforderte.

„Stimmt das, Deidre?“, fragte er ruhig nach.
Deidre antwortete nicht darauf, was wohl als Bestätigung genügte und ihm verriet, dass er nicht weiter nachbohren sollte. Die ganze Situation war sichtlich unangenehm für sie.
„Du musst morgen nicht mitkommen, wenn du dich nicht wohlfühlst. Wir schauen morgen einfach ganz in Ruhe, wie es dir geht. Gibt es etwas, dass ich für dich tun kann?“, bot er an, auch wenn Ciri alles im Griff zu haben schien.  Deidre wirkte glücklicher mit der Aussicht, dass er sich, nun da es heraus war, bald zurückziehen würde und schüttelte sacht den Kopf.
„Na schön. Versucht, zu schlafen. Ihr wisst, wo ihr mich findet, wenn ihr doch etwas braucht,“ verabschiedete er sich von seiner sehr distanzierten Tochter und Ciri, die sich wie üblich in seine Arme schmiss und ihn an sich drückte.
Er nahm es ihr nicht übel. Sie war, trotz ihres Alters, immer noch sehr klein und suchte Nähe.
Da er persönlich kein Problem damit hatte, ließ er sie in einem angemessenen Rahmen zu.
„Gute Nacht, Eskel.“
„Gute Nacht, Ciri…“, murmelte er, als sie ihn losgelassen hatte.  "Schlaf gut, Deidre."

Yennefer kicherte leise und ungewöhnlich mädchenhaft, als er die Tür hinter ihnen zuzog und sich müde mit der Hand über die Augen fuhr.
„Worüber amüsierst du dich?“, wollte Eskel ein wenig zerknirscht wissen. Ihm war schon jetzt bewusst, dass ihr Vergnügen sicherlich auf seine Kosten ging. Er wurde nicht enttäuscht, denn sie warf die Haare zurück und musterte ihn mit funkelnden Augen. Sie schien mit seiner Leistung zufrieden zu sein, doch das machte das Bild, wie er versuchte, zwei Mädchen aufzuziehen, bestimmt nicht weniger unterhaltsam.
„Es ist nur interessant wie sehr du dich abmühst, Vesemir so unähnlich wie möglich zu sein. Ich denke nicht einmal, dass du es beabsichtigst. Ich kann doch beruhigen. Du schlägst dich gut als Vater.“
„Ja, es stimmt, ich gebe mir viel Mühe. Und zu meiner Verteidigung bringe ich vor, dass Vesemir in dieser Rolle ein erheblich einfacheres Leben hatte!“, entschied er. Yennefer folgte ihm in knappen Abstand. Im Augenwinkel sah er, wie sie die Arme vor der Brust verschränkte. Sicher sah sie ihn jetzt sehr herausfordernd an.
„Wieso das?“, fragte sie interessiert.
„Vesemir hatte keine Mädchen!“

Nachdem er Yennefer zu ihrem Zimmer begleitet hatte, macht er sich so schnell wie möglich auf in die Labore, um Lambert und Malek an einen besseren Ort zu bringen.
Er hatte nicht wirklich darüber nachgedacht, inwieweit Lambert sich mit einbringen würde. Denn – so viel war ihm bewusst – allein konnte er kein Auge auf Malek haben. Jeder benötigte Freiraum und Ruhe, und keines vom beiden bekam man, wenn man die Aufsicht über einen jungen Mann hatte, der neuerdings zu überaus untypischen Reaktionen neigte.
Dennoch war er optimistisch, das richtige getan zu haben.
Oder er hoffte es glaubwürdig.
Diese Hoffnung wurde weiter gefüttert, als er Malek und Lambert darüber informierte, dass Vesemir es ihm überlassen hatte zu entscheiden, wie sie weiter vorgingen. Die Art und Weise, wie es dazu gekommen war, behielt er für sich, so lange Malek dabei war, doch Lambert würde sich seine Leidensgeschichte defintiv noch anhören müssen, wenn sie das nächste Mal allein waren.

„Also…darf ich hier raus…?“ Hoffnungsvoll richtete Malek sich auf.
Lambert seufzte leise und stand auf.
Sein Rücken knackte mehrmals laut, als er sich streckte. Eskel sah einen deutlichen Anflug von Stolz in seinen Augen aufblitzen und ahnte gleich, worum es ging. Immerhin predigte er schon seit Jahren, dass er dringend lernen sollte, seine Meinung zu vertreten. Und da er derjenige war, der dabei gewesen war, als Malek hier unten gelandet war, konnte er sich nicht vorstellen, dass Vesemir sonderlich kompromissbereit gewesen war.
Eskel hatte sich durchgesetzt.
Und das war, vermutlich gerade in Lamberts Augen, ein enormer Fortschritt.
Er bemühte sich, Lamberts bezeichnenden Blicken keine Beachtung zu schenken und nickte.

„Ja. Solange du unter Aufsicht stehst. Ich übernehme die Verantwortung dafür, also möchte ich dich bitten, uns nicht in Schwierigkeiten zu bringen,“ legte er ihm eindringlich nahe.
Malek nickte.
Natürlich tat er das.
Immerhin war er meistens einfach nur ein wohlerzogenes Kind, dass sich wohl in seiner Familie fühlen wollte.
„Gut. Ich möchte dich heute Nacht nicht im Schlafsaal bei den anderen unterbringen. Ein wenig Ruhe kann dir sicher nicht schaden,“ schlug er vor. Zu Ende gedacht hatte er diesen Gedanken allerdings nicht, denn in seinem Zimmer wartete bereits Triss, die sicherlich keinen Wert auf die Gesellschaft des Jungen legen würde.
Lambert, der Yennefers Ankunft mitbekommen hatte, konnte sich zusammenreimen, dass die Erwachsenen damit wohl etwas zusammenrücken mussten und in Eskels Zimmer mit etwas Glück schon jemand auf ihn wartete, weswegen er kurzerhand eine Entscheidung traf.
„Ich nehme dich mit. Allerdings nicht zu mir, mein Zimmer ist winzig und so gern, mich mit dir in ein winziges Bett zu quetschen, habe ich dich auch wieder nicht,“ sagte er zuckersüß und klopfte Malek auf die Schulter.
Eskel war nicht sicher, ob er Lambert die Aufsicht über ihren Schüler aufbürden wollte, doch da er es von sich aus vorgeschlagen hatte, konnte er das Angebot wohl guten Gewissens annehmen.
„Ich habe einen Verdacht, was du vorhast. Die Idee ist gut. Versau das bitte nicht, Malek.“
„Danke….,“ murmelte er. Ein wenig erschlagen von den Zwischenfällen des Tages und den Mittelchen, die sie ihm verabreicht hatten, wirkte er immer noch, weswegen Eskel keine Bauchschmerzen dabei hatte, ihn mit Lambert gehen zu lassen.
Für heute, da war er sich ganz sicher, würde er die Füße stillhalten.

„Kommt. Nichts wie raus hier.“
Lambert griff nach seinem Mantel, den er anscheinend genutzt hatte, um den Untergrund entweder weicher oder trockener zu machen und verschwand in den Nebenraum, um für den Fall der Fälle noch ein paar leichte Beruhigungsmittel einzustecken. Eskel konnte dem Vorschlag, zu verschwinden, nur zustimmen. Dieser Keller war mehr als deprimierend und sie hatten in den letzten Tagen ohnehin schon genug Zeit hier unten verschwendet.
„Eskel…?“, fragte Malek hinter seinem Rücken.
Es klang eindringlich und fordernd.
„Hmm?“, fragte er und schaute sich um. Malek war sehr einfach zu deuten und er erkannte, worauf der Junge noch hoffte, ehe er sich wirklich entspannt mit Lambert auf den Weg machen konnte.
„Malek. Es ist alles in Ordnung,“ versicherte er und schloss den jungen Mann, der in diesem Moment noch kindlicher wirkte als sonst, in die Arme. Der richtige Ansatz, wie sich herausstellte, denn Malek klammerte sich an ihm fest, wie ein Ertrinkender an der Holzplanke. „Es ist alles in Ordnung,“ wiederholte er und brachte Malek weit genug auf Abstand, um ihm ins Gesicht sehen zu können, ohne ihn dafür loslassen zu müssen. „Vertrau mir in diesem Punkt. Vesemir beruhigt sich wieder. Es wird nur ein wenig dauern.“
„Also dann, Ladys,“ unterbrach Lambert die Szenerie. „Soll ich euch lieber noch ein wenig allein lassen, oder können wir dann gehen?“
Peinlich berührt trat Malek einen Schritt zurück und griff ebenfalls nach seinem Mantel. Für einen Jungen dieses Alters konnten Lamberts Kommentare mitunter ein Problem sein, was ihn aber keineswegs davon abhielt, damit um sich zu werfen, wann immer sich eine Gelegenheit bot.
„Ich bin so weit,“ sagte er und trat endlich aus der vergitterten Zelle hinaus.
„Ach und Papi?“, sagte Lambert, worauf er dummerweise den Kopf hob, ehe er bemerkte, dass er aufgezogen wurde. Genervt verdrehte er die Augen und schaute in ein breit und schadenfroh grinsendes Gesicht.
„Was, Lambert?“
„Du solltest nach deinem Mädchen sehen. Ich glaube, es gibt dort ein Mädchenproblem. Die löst du doch am liebsten!“
Kommentarlos stapfte er an Lambert vorbei, der ihn vielleicht ein wenig auslachte, als er ihm ins Freie folgte.




Wie ihr seht, nähern wir uns allmählich der Parallel-FF an :) Juhu! Ich plane hier noch 2-3 Kapitel bis zum Abschluss, drüben ebenfalls 2 weitere. Einen weiteren zugehörigen OS überarbeite ich bereits. Wenn das alles abgeschlossen ist, verlasse ich das Fandom für eine Weile, da ich gerade emotional und gedanklich in einem anderen Fandom festhänge und mich da erst ein wenig austoben muss, bevor ich hier weitermachen kann und will :)
Aber bis dahin ist ja noch ein wenig Zeit.
Liebe Grüße und bis zum nächsten Mal,
Victoria.

PS: Glückwunsch! Ihr habt auch hier die 1000 Zugriffe genackt! ^^
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