Seven Minutes In Heaven

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Eren Jäger Furlan Church Isabel Magnolia Kuchel Ackermann Levi Ackermann / Rivaille Zeke Jäger
27.05.2020
21.09.2020
21
55.050
32
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Dieses Kapitel
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16.09.2020 2.451
 
Hallöchen meine Lieben!
Wir möchten uns bei allen von euch bedanken, die zu dem letzten Kapitel und dessen Vorwort so viele nette Worte da gelassen haben.
Wir haben ehrlich gesagt nicht mit so viel positivem Feedback dazu gerechnet, aber umso mehr freut es uns natürlich, dass wir bei euch auf vollstes Verständnis stoßen und es ist auch irgendwie sehr beruhigend zu hören, dass es vielen von euch mit den eigenen Geschichten genauso ergeht.

Wir hoffen einfach, dass wir damit ein bisschen zum Nachdenken anstoßen konnten (:

Aber nun genug geredet...
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen! (:

Euer RivailleHeichou










Sein Blick wandert bereits zum xten Mal auf die große Wanduhr, die zwischen den zwei raumhohen Fenstern thront. Es ist spät, weit nach Mitternacht, und nicht zum ersten Mal kribbelt es ihn in den Fingern, Isabel nach ihrem Telefon zu fragen, um ihn anzurufen. Er ist besorgt, unruhig, und sie merkt es. Sie stellt ihm keine Fragen, noch nicht jedenfalls, aber er merkt selbst, dass er sie mit seiner eigenen Unruhe ansteckt.
Er steht schon seit einer Weile am Fenster, blickt nach draußen auf die Straßen von Seaforth, hinab auf die weiten Rasen und Sandflächen und auf die entfernte, in der schwärze liegende Irische See. Er ist müde, so müde, dass ihm die Lider bereits schwer werden und ihm die Augen brennen. Er würde schlafen gehen, aber die Sorge ist zu groß, besonders weil er weiß, wo der Schwarzhaarige vermutlich steckt.
Er hat den kleinen Welpen hier abgesetzt, schon vor Stunden, hat die Jacke gewechselt und ist verschwunden, wortlos, einfach so.
„Jetzt setz dich endlich hin, verdammt! Du machst mich wahnsinnig!“, meckert der junge Rotschopf. Sie bemüht sich, sorglos zu klingen, so wie immer, aber er erkennt an ihrer Stimme nur allzu deutlich, dass sie alles andere als sorglos ist. Er weiß nicht, ob sie etwas ahnt, ob sie eine Ahnung davon hat, was ihr Freund treibt, aber er ist nicht in der Position sie darüber aufzuklären und er hat auch nicht vor, sein Versprechen zu brechen. Weder jetzt, noch in Zukunft. „Ich versuch ihn jetzt anzurufen.“, schießt sie hinterher, steht auf, um das Handy vom Strom zu nehmen.
Das Kratzen der Schlüssel in der Wohnungstür und das aufgeregte Kläffen des Hundes lässt sie in ihrer Bewegung innehalten. Er ist immer noch überzeugt davon, dass sie den kleinen Scheißer – wie Levi ihn so liebevoll nennt – besser nicht behalten sollten, dass er es wo anders besser hätte, aber er weiß auch, dass er diese Diskussion gar nicht erst auf den Tisch bringen braucht. Der Sänger ist ein Dickkopf, sturer als ein beschissener Esel, und wenn er ihm sagt, dass er den Hund nicht behalten kann, wird er ihn erst recht behalten, nur, um es ihm hinterher auf die Nase zu binden, so gut kennt er ihn mittlerweile.
„Warte hier.“, sagt er ihr, durchquert das Wohnzimmer und tritt in den Wohnungsflur, die Tür schließt er hinter sich und als er den jungen Mann sieht, wie er da steht, wankend, der Blick völlig verklärt, vergeht ihm augenblicklich das Bedürfnis, ihn anzuranzen, weil er sich Sorgen gemacht hat. Stattdessen seufzt er, tritt an ihn heran und nimmt ihm die Flasche aus der Hand, an die er sich nahezu verzweifelt klammert.
„Wo warst du?“, fragt er sanft, nicht wütend, und stellt die Flasche zur Seite. Er hilft ihm aus der Jacke, dabei, die Schuhe auszuziehen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren, bevor er ihn am Arm packt und sanft mit sich in die Küche zieht.
„Weg, offensichtlich.“, erwidert der junge Mann, überraschend deutlich. Er schließt die Küchentür hinter ihnen, setzt ihn auf einen der Stühle und nimmt ein sauberes Glas aus dem Schrank, um es mit Wasser zu füllen, und stellt es ihm vor die Nase.
„Du warst anschaffen. Für das Vieh?“
„Fick dich ins Knie, Farlan.“, zischt er wütend, bedenkt ihn mit einem Blick, der Gift und Galle spuckt. Er hat ihn selten so gesehen und er fragt sich, ob es der Alkohol ist oder ob es doch die Zuneigung ist, die er für dieses kleine Ding empfindet. Er hat ihn nicht lang, nicht mal einen beschissenen Tag, und trotzdem hat er schon am Morgen das Gefühl gehabt, dass der junge Sänger mehr in dem Welpen sieht, als das Straßenfindelchen, dass er nun einmal ist. „Ich war anschaffen, weil ich mein ganzes beschissenes Geld meiner Mutter gebracht hab und wir erst Mitte des beschissenen Monats haben, klar?“
„Levi –“
„Nein! Hör mir verfickt nochmal zu! Ich hab dir gesagt, dass ich will, dass du darüber nicht redest, und ich meinte es auch so. Es ist meine Sache. Es geht dich nichts an. Und solang ich lebendig und an einem Stück nach Hause komme, kann´s dir verfickt nochmal egal sein.“
Er seufzt, lässt sich auf den Stuhl neben ihm sinken und fühlt sich müde über das Gesicht, bevor er ihn ansieht und sich an einem Lächeln versucht. Er hat Recht, eigentlich kann es ihm egal sein. Eigentlich geht es ihn nichts an. Es ist Levis Leben. Seine Sache. Wer ist er schon, dass er das Recht hätte, sich einzumischen? Nicht einmal seine Mutter tut es, obwohl er es genauso wenig versteht wie den Umstand, dass er es überhaupt tut. Natürlich, dass Geld, was er monatlich zu berappen hat, ist viel, aber er ist sich dennoch sicher, dass es eine andere Option gibt, die besser für ihn wäre. Besser für ihn und besser für sie alle.
„Du machst dich kaputt damit.“, wirft er besorgt ein, legt eine Hand auf den Unterarm seines Bandkollegen und Freundes. Er will nur das Beste für ihn.
„Die beschissenen Freier sind nicht das Problem.“, erwidert Levi, diesmal wesentlich ruhiger, aber immer noch aufgebracht und fährt sich mit der Hand über das Gesicht. Er stützt den Ellbogen auf der Tischplatte ab, lässt den Kopf in der Handfläche liegen, während er stur auf einen undefinierbaren Punkt auf dem Tisch starrt. „Es wäre leichter, wenn er mir nicht ständig durch den Kopf spuken würde.“
Er kann die Abfälligkeit in der Stimme deutlich heraushören. Es scheint ihm gegen den Strich zu gehen, etwas zu sein, was ihn tatsächlich mehr bedrückt, als er es im klaren Zustand vielleicht zugeben würde. Er kennt ihn mittlerweile gut, gut genug jedenfalls, um Reaktionen wie diese einordnen zu können. Die Information, die er bekommen hat, ist neu, unbekannt, und er hat keine Ahnung, was er damit anfangen soll. Er kann sie nicht gebrauchen, nicht verarbeiten, und Levi scheint zu merken, dass er sich unklar ausgedrückt hat, allerdings rechnet er nicht damit, dass er konkreter wird. Der Schwarzhaarige ist ein Mensch der verschlossenen Sorte und er ist sich sicher, dass er von dieser Anschafferei immer noch nichts wüsste, hätte er ihn nicht mehr oder minder dabei erwischt.
„Eren. Dieses verfickte Bonzenkind sitzt in meinem Scheißkopf wie so´n Scheißparasit. Und der beschissene Wodka hat´s nur noch schlimmer gemacht.“
Der junge Sänger ist völlig in sich zusammengesunken. Die Schultern, die sonst gerade und stolz sind, hängen und der Blick, den er sonst eher als eisig beschreiben würde, ist so leer, dass es ihm beide die Sprache verschlägt. Er wirkt völlig verloren, so ganz anders, als er ihn sonst kennt.
„Eren?“, harkt er nach. Nicht, weil er ihn nicht verstanden hat. Es überrascht ihn. Er hätte nicht gedacht, das Levi sich auch nur im Mindesten für den jungen Mann interessiert. Natürlich sind ihm die Blicke auf der Einweihungsparty aufgefallen, natürlich ist ihm nicht entgangen, wie sie einander beobachtet haben, aber er hat es für oberflächlich gehalten. Neugier. Vielleicht sexuelles Interesse, wobei ihm nie aufgefallen ist, das Levi sich wirklich um diese Dinge schert. Aber dass es um so etwas geht... Um richtiges, aufrichtiges Interesse...
„Bist du taub oder was?“, fährt er ihn an, mehr müde als wütend.
„Nein.“, lächelt er und schiebt ihm das Wasserglas vor die Nase. „Ich dachte nur, dass ihr nicht so unbedingt warm miteinander geworden seid.“
„Sind wir auch nicht.“, erwidert er, bevor er nach dem Glas greift, es zwischen den Fingern dreht, ehe er es von sich schiebt. „Und dann hat der Pisser mich abends nach unserer Auseinandersetzung singen hören, hat irgendwelchen Bullshit gelabert und hat mich –“ der Schwarzhaarige macht eine Pause, verzieht das Gesicht zu einer Miene, die er nicht ganz zu deuten weiß, bevor er fortfährt: „– umarmt.“
Für einen kurzen Moment ist er sprachlos, sieht ihn einfach an, ohne etwas darauf zu erwidern. Die Informationen sind neu, viel zu viele, um sie in seinem müden Kopf in einen sinnvollen Zusammenhang zu stellen. Er hatte sich an diesem Abend bereits gewundert, wo der junge Mann bleibt, wieso er beinahe eine halbe Stunde gebraucht hat, um zu ihnen ins Wohnzimmer zurückzukommen. Er hatte gesagt, sie hätten miteinander geredet und er hat nicht weiter nachgehakt, weil es ihn nichts angeht. Es ist ihm egal gewesen, zumindest in dem Moment, und am nächsten Morgen, nachdem sie das Problem aus der Welt geschafft hatten, ist es nicht mehr wichtig gewesen.
„Er war also nett zu dir.“, schmunzelt er, schiebt das Glas zurück und deutet mit dem Kinn darauf. „Und deswegen zerbrichst du dir den Kopf?“
„Schieb dir dein Wasser sonst wo hin.“, zischt er, hebt den Kopf von der Handfläche und sieht ihn an, das erste Mal, seitdem sie am Tisch sitzen, reden, wie sie vorher vermutlich noch nie gesprochen haben. Der Alkohol löst seine Zunge, macht ihn lockerer, leichter zugänglich, und er weiß nicht, ob er froh darüber sein soll.
„Ist irgendwas passiert, dass du dich dazu entschieden hast, dich volllaufen zu lassen?“, fragt er, mehr besorgt als neugierig. Natürlich interessiert es ihn, natürlich will er wissen, was passiert ist, aber es geht nicht darum, es zu wissen, weil er es wissen will, sondern darum zu erfahren, ob er ihm helfen kann. Irgendwie.
„Du meinst abgesehen von meinen Geldproblemen und der Tatsache, dass ich heute in ´nem beschissenem Haus war, das vermutlich mehr wert ist als alles, was ich jemals besessen hab?“, zischt Levi frustriert, steht auf und räumt das Glas weg, bevor er die Küche verlässt. Er schwankt gefährlich nach links und rechts und es wundert ihn beinahe, dass er nicht mit dem Türrahmen kollidiert. „Ich könnt dir ´ne ganze verschissene Liste von Dingen geben, die passiert sind.“
Er folgt ihm in den Flur, beobachtet ihn dabei, wie er nach der Flasche mit klarem Schnaps greift und auf seine Schlafzimmertür zusteuert. Der Deckel fällt ihm aus den Fingern, bleibt liegen, unbeachtet, als er die Tür aufstößt und durch den Türrahmen wankt.
Er macht sich Sorgen, nicht zuletzt, weil er Levi nicht für jemanden gehalten hat, der seinen Kummer auf diese Weise zu verdrängen versucht. Es ist ihm schon auf der Einweihungsfeier aufgefallen, dass er tiefer ins Glas geschaut hat, als er es von ihm gewohnt ist, aber er hat sich nichts dabei gedacht, weil es eine einmalige Sache gewesen ist. Ein geselliger Abend kann verführerisch sein. Aber dass er betrunken zurückkommt, zurück von irgendeinem Mann, der ihn bezahlt hat, ist bisher nie vorgekommen.
„Ich versteh nicht, wieso dich das mit Eren so aus der Bahn wirft.“, gesteht er ehrlich, folgt ihm und schließt die Tür. Er will ihre Unterhaltung so privat wie möglich halten. Natürlich, er und Isabel stehen sich nah, aber er ist sich sicher, dass Levi nicht wollen würde, dass sie etwas davon mitbekommt. Vermutlich wird er sich im Nachhinein, morgen, wenn er nüchtern ist, ohnehin schon genug dafür hassen, überhaupt so viel geredet zu haben. Vielleicht sollte er ihn auch am besten einfach in Ruhe lassen, nicht mit ihm darüber sprechen, aber er glaubt, dass es ihm guttut, die Dinge auszusprechen, wie sie sind.
„Sieh dir das scheiß Bonzenkind doch an!“, flucht er, stellt die Flasche auf den Nachttisch, bevor er damit beginnt, die Matratze vom Lattenrost zu zerren. Er beobachtet ihn dabei, stumm und neugierig. Er fragt sich, ob er das öfter tut oder ob es eine einmalige Sache ist, die er dem Alkohol zuschreiben kann. „Und dann schau dir mich an.“, lacht er frustriert, breitet die Arme aus, nachdem ihm die Matratze aus der Hand gerutscht ist, und schüttelt den Kopf.
„Levi –“
„Verrat mir, Farlan, wie soll sich jemand wie er auch nur im mindesten für so´n kleinen Hafenstricher wie mich interessieren?! Ich ertrag´s ja nicht mal selbst, in den Scheißspiegel zu schauen!“ Das Zittern in der Stimme ist verräterisch. Er klingt verzweifelt, verzweifelter, als er ihn jemals erlebt hat, und es reißt ihm beinahe den Boden unter den Füßen weg, ausgerechnet ihn so zu sehen. Er hält ihn nicht für weniger Stark, als er ist, nicht deshalb, aber es zeigt ihm doch, dass der junge Sänger sensibler ist, als er zunächst geglaubt hat. Es fällt ihm schwer, zu zeigen, normalerweise, aber der Alkohol löst die Hemmschwelle.
„Hör mal –“, beginnt er, tritt an den jungen Mann heran und legt ihm sanft eine Hand in den Nacken. Er zieht ihn näher, drückt seinen Kopf an seine Brust und legt locker den Arm um die bebenden Schultern. Er bleibt stumm, aber er spürt die warmen Tränen, die durch den dünnen Stoff seines Longsleeves sickern. „Hör mir ganz genau zu, ja? Du bist genauso viel wert, wie jeder andere von uns. Und glaub mir, wenn ich dir sage, dass es jedem von uns völlig egal ist, wie du dein Geld verdienst. Das macht dich nicht weniger zu dem Menschen, der du bist, klar?“
Der junge Mann schweigt, steht da, still und regungslos, die Arme hängen schlaff an seinen Seiten hinan, und alles, was ihn verrät, ihn und die Tränen, ist das leichte Beben seiner Schultern und der Feuchtigkeit, die durch den Stoff sickert.
Es vergehen einige Minuten, in denen sie einfach so da stehen, nichts sagen, abwarten, bis sich das Beben gelegt und die Tränen aufgehört haben. Seine Finger ruhen sanft und locker in seinem Nacken, streicheln behutsam über die mittlerweile zu lang gewordenen Haare des Undercuts, während die anderen regungslos an seiner Taille verweilen.
Nur langsam löst sich das feuchte Gesicht von seiner Brust, wendet sich ab, kaum, dass genügend Platz zwischen ihnen ist. Die Hände fahren hektisch über die nassen Wangen, die laufende Nase und die geröteten Augen und eigentlich ist es beinahe lächerlich, aber er sagt nichts, schweigt, weil er es für angemessen hält.
Der kleinere Körper lässt sich langsam auf die Matratze sinken, die Finger öffnen zittrig die Knöpfe der verschlissenen Jeans und er sieht es als Aufforderung, zu gehen.
„Farlan?“
Die brüchige Stimme lässt ihn innehalten, warten, und ein Blick in das völlig verheulte Gesicht des jungen Sängers reicht, um zu wissen, dass er bleiben soll. Es braucht keine Worte, nur diesen kleinen, verzweifelten Funken in den trüben Augen, damit er nickt, das Licht löscht und anschließend zu ihm unter die Decke kriecht.
„Das letzte Mal wolltest du mich noch dafür ermorden.“, schmunzelt er, leise, beinahe sanft, als er den Arm locker über den zusammengerollten Körper legt.
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