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Der Gesetzeshüter

GedichtPoesie, Tragödie / P18 / Gen
27.05.2020
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Wer rennt da so spät noch durch Nacht und durch Wind?
Ein Vater es ist, mit seinem vermummten Kind.
"Mein Sohn, was verdeckst du so bang dein Gesicht?" –
"Hörtest du, Vater, von dem Noppenball nicht?" -
"Du liebes Kind, komm, renn fort von hier mit mir!
Und glaub nicht jeden Bullshit, den sie einreden dir!
Manch’ grober Unfug wird von denen getrieben,
Die ihresgleichen, die Menschenkinder, nicht lieben!" -
"Mein Vater, mein Vater, aber hörtest du nicht,
Wie vielen's dem Noppenball wegen am Herzen gebricht?" –
"Sei still, bleibe ruhig, mein unschuldiges Kind!
So rasch wie sie kam wird sie gehen geschwind!
Willst nicht, feiner Knabe, du erleben den Tag,
An dem du wirst groß sein wie ich und so stark?" -
"Mein Vater, mein Vater, aber trägst du nicht fort
Jeden Tag uns're Toten vom düsteren Ort?" -
"Mein Sohn, mein Sohn, nein, ich weiß es genau:
Jeden Tag treiben sie durchs Dorf 'ne neue Sau!
Du bist noch jung, du hast's noch nicht geschnallt,
Und bist du nicht hörig, machen sie's mit Gewalt!" –
"Horch, Vater! Der Hüter des Gesetzes brüllt mich an!
Er meint, dass ich den Noppenball übertragen kann!"
Dem Vater grauset’s; er nimmt huckepack geschwind
Und trägt fort auf den Schultern das ängstliche Kind.
Er macht ihm klar, in welcher Paranoia es schwebt.
Dem Gesetzeshüter entkommen, hat das Kind überlebt.
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