The Odd one's out

GeschichteAbenteuer, Humor / P12
OC (Own Character)
26.05.2020
29.09.2020
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16.09.2020 3.314
 
Als Cia an diesem Morgen ihre Tür öffnete, klappte ihr der Mund auf.

„Ach du Scheiße, was ist DAS denn?!" Ich lachte über ihr komplett entsetztes Gesicht und musterte kurz ihre völlig zerzausten Haare. Die waren ja fast schlimmer als meine. Aber auch nur fast. An das Vogelnest auf meinem Kopf kam man nicht ran.

„Das, Cia, nennt man eine Jogginghose.", erwiderte ich kichernd.

Sie schüttelte ungläubig den Kopf. „Wie kann etwas so bunt und so hässlich auf einmal sein?"
„Ich find sie schön." Ich verstand gar nicht, was die alle hatten. Erstens war diese Hose das gemütlichste, was ich seit langem getragen hatte, zweitens war sie doch nur hellblau. Mit riesigem, pink-gelbem Hibiskusprint. In Kombination mit einem sonnenblumengelben Hoddie und gleichfarbigen Turnschuhen. Vielleicht lag es an den Schuhen. Ja, das musste es sein!

„Ich wollte dich jedenfalls fragen, ob du vielleicht Lust hättest, mit mir und Zero joggen zu gehen. Wir machen das jetzt seit ungefähr einer Woche und, naja, um ehrlich zu sein, ist Zero nicht sonderlich gesprächig beim Joggen und ich würde echt gerne mal ein bisschen mit dir quatschen und das könnten wir doch gut verbinden und dann werde ich vielleicht auch etwas wacher, weil ich echt ein Morgenmuffel bin und ewig gebraucht hab, um aus dem Bett zu kommen und so und vielleicht hilft das ja, wenn ich ein bisschen mit dir spreche und jetzt bist du ja auch schon wach und dann kannst du ja eigentlich schon mitkommen, wenn du denn möchtest und ... ja. Hättest du Lust?"
Cia blinzelte. Sie musterte mich noch einmal von Kopf bis Fuß, warf dann einen Blick hinter mich, wo Zero in einiger Entfernung stand und auf uns wartete. Er war weniger farbenfroh angezogen, seine Hose war schwarz, sein Shirt dunkelgrau. Wie immer hingen seine Kopfhörer um seinen Hals. Es war mir schleierhaft, wie er ohne Jacke hier herumstehen konnte, ohne zu zittern. Dann wiederrum war Zeros Art zu joggen ... nun ... ungewohnt. Das traf es wohl am besten.

„Muss ich mich auch so affig anziehen wie du?" Ich schüttelte noch immer grinsend den Kopf und sie seufzte. „Gebt mir noch kurz die Zeit, um mich umzuziehen."
Etwa fünf Minuten später kam sie wieder nach draußen, ihre Haare sahen jetzt weniger nach einem Orkanopfer aus, sie hatte es geschafft, sie zu zwei langen Zöpfen zu flechten, die ihr bis über den Rücken fielen. Sie trug eine hellgraue Leggins und einen dünnen Kapuzenpullover in einem ähnlichen Ton, nur, dass die Silhouetten von Rosen draufgestickt waren. Ihre Turnschuhe hatten die Farbe des Meeres an seinen launischsten Tagen.

Ich lächelte ihr zu und winkte dann kurz Trish, die gerade aus der Hekatehütte kam und zu uns herübersah. Scheinbar war sie doch nicht nochmal schlafen gegangen, nachdem sie mich aufgeweckt hatte. Sie hob nur kurz grüßend die Hand und drehte sich dann zur Arena um.
„Wie wollen wir dieses Mal laufen?" Mit schiefgelegtem Kopf sah ich zu Zero, der wie üblich nur mit den Schultern zuckte.

„Was ist denn sonst eure Strecke?", wollte Cia wissen und sah sich um. Die Sonne war geradeerst dabei, goldene und roséfarbene Schlieren in den Himmel zu malen und noch ließ sich absolut niemand blicken. Alle Hütten lagen verwaist da, es war, als würde das ganze Camp unter einem tiefen Schlummer liegen.

„Naja, meistens nehmen wir den Weg durch den Wald, vorbei an Zeus Faust und bis zum Strand. Das heißt ... wir hatten es uns eigentlich als Strecke festgelegt, weil Zero immer so läuft. So ganz haben wir es aber noch nie geschafft. Meistens gebe ich irgendwann auf, weil ich nicht mehr kann.", erklärte ich mit einem kurzen Lachen.

Cia hob die Schultern und warf ihre Zöpfe nach hinten. „Na, dann lasst uns doch einfach das versuchen. Wir können ja zurück, wenn einer von uns schlappmacht." Ich grinste über diese Worte. Wenn überhaupt, dann würde eine von uns beiden schlappmachen. Zero joggte diese Strecke immerhin Tag für Tag, ohne auch nur einen Aussetzer zu machen.
Und hierzu sollte man wissen: Wenn Zero joggte, dann joggte er nicht.

Der Typ sprintete, als würde es um sein Leben gehen und war danach nicht einmal sonderlich außer Atem, wie ich innerhalb der letzten Woche hatte feststellen dürfen. Jedes Mal hatte ich mir die größte Mühe gegeben, ihn einzuholen, aber auch, wenn ich kein kompletter Reinfall in Sport war, konnte ich eine solche Geschwindigkeit nicht lange halten. Zudem war Zero nicht nur trainierter, sondern auch noch größer als ich. Jedes Mal, wenn ich über eine Wurzel stolperte, sprang er einfach drüber. Für einen Zeroschritt machte ich zwei Schritte. Wenn er ganz normal ging. Wenn er rannte, war das ja schon wieder etwas anderes. Außerdem war es dadurch noch unmöglicher, sich mit ihm zu unterhalten. Noch unmöglicher als sonst, meinte ich natürlich.

Wie ich gedanklich bereits prophezeit hatte, war Zero bereits nach zehn Sekunden etwa fünfzig Meter weiter vorn als wir und dabei waren wir gerade erst am Waldrand angekommen. Cia blinzelte eindeutig überrascht, ich konnte mir gut vorstellen, dass ihr Gesichtsausdruck gerade ein perfektes Spiegelbild der Miene war, die ich gemacht hatte, als ich das zum ersten Mal gesehen hatte.

„Das nennt ihr joggen?!"
„Das nennt er joggen.", korrigierte ich mit einem kurzen Kopfschütteln und verbiss mir ein Grinsen, „Scheinbar macht er das öfter so."

Sie legte die Stirn in Falten und sagte nichts mehr. Dann, nach ungefähr einer halben Minute ergriff sie doch wieder das Wort. „Ich dachte, wir sollten nur in den Wald gehen, wenn wir bewaffnet sind oder Flagge erobern spielen?"

„Stimmt.", antwortete ich ihr freudig, „Aber erstens sind wir zu zweit, genau genommen sogar zu dritt, und zweitens sind die meisten Monster eher nachtaktiv. Um die Uhrzeit sollten keine mehr unterwegs sein, vor allem nicht, da wir am Fluss entlanglaufen und die Najaden uns helfen könnten, wenn etwas passieren sollte. Und im Notfall habe ich noch immer das hier." Ich klopfte kurz auf meinen Gürtel, an dem eine kleine Messerscheide angebracht war. Darin steckte wie immer sicher verstaut mein Messer. Den Bogen, den ich eigentlich vorzog, konnte ich zum Joggen zwar nicht mitnehmen, aber zumindest diese kleine Klinge verlieh mir mehr Sicherheit.

„Achso." Cia nickte, wobei ihre Ohrringe hin und herschaukelten. Ihre Miene hatte begonnen, sich zu verfinstern, als wir an ihrem Baum vorbeigekommen waren. Seit das Gift des Skorpions eingedrungen war, waren seine Blätter rostbraun geworden, so wie auch die der umstehenden Pflanzen, aber in diesem Fall sah es nicht sehr gesund aus. Die Rinde warf an einigen Stellen Blasen, einige Äste waren bereits abgestorben. Die Dryaden taten ihr Bestes, ebenso wie der Satyrn und sehr wahrscheinlich auch Cia selbst, aber es half offensichtlich nicht. Wenn das so weiterging, würde das Gift auch in die Wurzeln gelangen und spätestens dann wäre der Baum nicht mehr zu retten.

Eine Weile lang liefen nur nebeneinander zwischen den Bäumen hindurch. Die kleinen Trampelpfade, die das regelmäßige Training hier geschaffen hatte, eigneten sich perfekt, um gemeinsam spazieren zu gehen und so hatten wir kaum Probleme mit dem Weg selbst. Wann immer ich konnte, erzählte ich Cia, was an bestimmten Stellen des Waldes geschehen war, schilderte ihr, was bei der Schlacht um das Labyrinth geschehen war und warum genau ich es so schön fand, hier zu sein. Sie schwieg nur, nickte hin und wieder oder gab einen sarkastischen Kommentar ab, den ich umso motivierter beantwortete. Von Zero war weiterhin nichts zu sehen, auch, wenn ich manchmal meinte, einen dunklen Schimmer oder das Glänzen von ungewöhnlich hellbraunen Haaren zu entdecken. Hin und wieder, wenn die Sonne ihre warmen Finger nach uns ausstreckte, sah ich Nymphen durch das Geäst huschen. Sie unterhielten sich in der Sprache des Waldes und beobachteten uns, da war ich mir fast sicher. Der Zephyrstrom plätscherte munter neben uns her und blendete mich immer mal wieder kurz, wenn zu viele Sonnenstrahlen auf einmal auf seine blitzende Oberfläche traten.

Als wir bei Zeus Faust angekommen waren, begann Cia doch wieder damit, selbst Fragen zu stellen. Na gut, genaugenommen stellte sie nur eine, aber diese Frage war so weit ausgelegt, dass ich weitaus mehr antworten konnte, als man vielleicht von mir erwarten würde. Ich war eben gesprächig, was sollte ich denn machen? Ich tat doch niemandem damit weh und wenn sie mich schon fragte, dann konnte ich doch auch erzählen.
„Dein Dad ist also Apollo, ja?"

„Ja, genau. Ich war auch anfangs ziemlich irritiert davon, aber nachdem Gleeson – der Satyr, der mich gefunden hat – mir und meiner Mom alles erklärt hat und ich letzten Winter anerkannt wurde, habe ich mich daran gewöhnt."

Sie drehte den Kopf zu mir und blickte mich nun ungewohnt neugierig an. Das war ein neuer, schöner Ausdruck, der da in ihren Augen schimmerte. Er machte sie jünger als vorher. Sie sah mehr aus wie fünfzehn. „Deine Mutter weiß, dass du eine Halbgöttin bist?"
„Jepp. War anfangs eine ziemliche Überraschung für sie, aber sie hat sich schnell davon erholt. Mein Dad und sie haben sich kennengelernt, nachdem sie aus Irland nach New York gezogen ist, um Medizin zu studieren. Sie hat mir erzählt, dass er sie dazu inspiriert hat, das zu tun, was sie liebt, deswegen ist sie Künstlerin geworden."

Ich musste bei dem Gedanken daran lächeln. Mom hatte mir davon erzählt, wie sehr sie davon überzeugt war, Menschen nach ihrem Studium helfen zu können und dann festgestellt hatte, dass es nicht immer als Unterstützung angesehen wurde, wenn man in einem Krankenhaus arbeitete.

Und dann war sie mit Dads Hilfe dazu übergegangen, die Menschen zu Lachen zu bringen, als sie erkannt hatte, dass Lachen wirklich die beste Medizin war und es Herzensgüte war, die einem die Freude am Leben gab, wenn man am Boden war. Also hatte sie das Studium angebrochen und war nach New Orleans gezogen. Und dort hatte sie damit angefangen, Menschen mit ihrer Kunst, ihren Bildern, ihrer Stimme und ihren Skulpturen zu verzaubern. Auch, als Dad ihre Beziehung beendete, hatte sie nicht aufgegeben und weitergemacht. Denn sie hatte durch ihn das gefunden, was sie liebte und immer lieben würde.

Anderen Leuten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

„Klingt ziemlich romantisch, wenn du mich fragst.", brummte Cia, doch ich meinte, ein kurzes Schmunzeln über ihre Lippen huschen zu sehen.

„Ja, oder? Ich finde es unfassbar süß. Weißt du, wie sich deine Eltern kennengelernt haben?" Ein Kopfschütteln, mehr nicht. Wir durchliefen einen Schatten und es wurde kühler. Um wieder in die Wärme der Sonnenstrahlen treten zu können, beschleunigte Cia ihre Schritte. Ich tat es ihr gleich. „Hast du deinen Vater nie gefragt?"
„Als ich die Möglichkeit dazu hatte, war ich noch zu klein, um mir Gedanken darüber zu machen.", gab sie kurz angebunden zurück. Der schlecht verborgene Schmerz in ihrer Stimme brachte mich dazu, stehenzubleiben.

„Oh ...", machte ich etwas unbeholfen, „Ist er ..."

„Ja."

Ihr Gesicht war ausdruckslos, während sie das sagte, sie war ebenfalls stehengeblieben. Hinter der Fassade von Leere sah ich, dass ihre Augen verräterisch glitzerten, doch sie tat nichts, um es zu verbergen. Entweder, sie bemerkte nicht, dass man ihr die Trauer ansah oder aber sie wollte nicht noch verletzlicher erscheinen. Unwillkürlich musste ich schlucken und suchte nach Worten, die nicht abgedroschen waren. Ich wollte nicht sagen, dass es mir leidtat oder dass das schon wieder werden würde, ich wusste aus eigener Erfahrung wie sehr diese Worte halfen. Gar nicht.
„Wahrscheinlich willst du gar nicht darüber reden.", fing ich schließlich an, „Aber solltest du es doch mal wollen, dann solltest du wissen, dass ich zwar unfassbar viel plappere und manchmal gar nicht mehr von dem sinnlosen Gelaber wegkomme, aber ich kann auch gut zuhören und ich bin für dich da, wenn du wirklich einfach mal Dampf ablassen musst. Das sind wir alle, glaub mir. Keiner hier hat nichts Schlimmes durchgemacht oder wüsste jedenfalls nicht wie es sich anfühlt, einen geliebten Menschen zu verlieren. Sogar", und an dieser Stelle lächelte ich unbeholfen, „sogar Kaz weiß das. Aber fühl dich zu nichts gedrängt, ja? Sprich erst darüber, wenn du wirklich soweit bist oder das allein nicht mehr schaffst. Okay?"

Cia seufzte und es klang wie das Ächzen von Zweigen, die sich im Wind wiegten. „Eileen ... das Schlimmste daran ist, dass ich nicht weiß, ob ich ihn gemocht hätte. Ich kenne meinen Vater nicht und trotzdem tut es weh." Es war nicht mehr als ein Flüstern, was sie da von sich gab, aber durch die Stille, die auf einmal nicht mal mehr vom Gesang der Vögel unterbrochen wurde, verstand ich sie trotzdem, als würde sie ganz normal sprechen.

Ehe ich jedoch den Mund öffnen und ihr eine vielleicht lindernde Antwort geben konnte, lachte sie jedoch ein gebrochenes, eindeutig gezwungenes Lachen und drehte sich weg.
„Aber egal. Ich kann nichts daran mehr verändern. Er ist tot und wird es bleiben. Vielleicht hat er meiner Mutter ja schöne Grüße von mir ausgerichtet. Lass uns weiterlaufen, sonst kommen wir zu spät, um was zu essen und das wäre doch wirklich schade, oder?" Sie drehte sich um und lief los, als wäre nichts passiert. Nach ein paar Sekunden Verwirrung holte ich wieder zu ihr auf und musterte sie beim Laufen.

„Willst du vielleicht doch ...", begann ich vorsichtig, doch sie unterbrach mich und wedelte mit der Hand.

„Deine Mutter kommt also aus Irland? Cool. Warst du auch schonmal da?"

Innerlich seufzte ich laut, doch anstatt sie darauf anzusprechen, dass sie gerade offensichtlich alles verdrängte, setzte ich ein Lächeln auf und begann wieder, zu erzählen.
„Und dann sind Mom und meine Tante Alvy in die Staaten gereist, um zu studieren. Und den Rest der Geschichte habe ich dir ja schon erzählt. Mom und Dad haben sich ineinander verliebt, sie ist nach New Orleans gezogen und ein Jahr später war auch schon ich da.", endete ich und holte tief Atem. Wir waren während meines Redeschwalls gut vorangekommen und so standen wir nun am Strand und sahen auf das sanft gegen die Küste schlagende Meer hinaus.

Eine leichte Brise fuhr mir übers Gesicht und blies die roten Strähnen, die sich aus meinem Zopf gelöst hatten, aus meinen Augen. Ich atmete den Geruch von Salz und Sand ein und musste gegen meinen Willen lächeln.

Nach dem Unfall hatte einer der Ärzte Mom und mich in die Nähe von Metairie geschickt, damit wir etwas mehr Ruhe hatten. Mom hatte das Rauschen des Meeres und den Wind geliebt. Ich war fest davon überzeugt, dass der Aufenthalt an der Küste ihr geholfen hatte, den Schmerz zu vergessen und wieder neuen Mut zu fassen. Bei mir hatte es in jedem Fall gewirkt, am Liebsten wäre ich auch diesen Sommer mit ihr dorthin gefahren, doch dann hatte die Schlacht um Manhattan mich aufgehalten. Ich freute mich schon jetzt darauf, sie im Winter wiederzusehen.
„Meinst du, Zero ist schon wieder zurückgegangen?", fragte Cia, während sie sich streckte und langsam zum Wasser ging. Ich folgte ihr mit einem Schulterzucken.

„Kann sein. Oder er dreht noch eine Extrarunde. Oder er sitzt hier irgendwo und beobachtet uns heimlich." Sie blinzelte überrascht und wandte den Kopf zur Seite, doch natürlich war außer uns noch keiner zu sehen.

Ich musste über ihr Gesicht lachen. Nein, nicht nur über ihr Gesicht. Über das alles hier. Ich liebte diesen Ort so sehr, ich liebte das Camp, ich liebte den Wald, ich liebte den Strand, ich liebte meine Freunde, ich liebte das Gefühl von Freiheit, das auf einmal in mir pulsierte. Das Glück in mir platzte heraus, erhob sich blubbernd mit meinem Lachen in den Himmel und tanzte durch die Luft. Ich lachte so sehr und so heftig, dass ich mehr oder weniger in den Sand fiel, da es mir schwerfiel, mich hinzusetzen.
Cias Kopf tauchte über mir auf, nicht einmal sie konnte ihr Grinsen verbergen. „Alles in Ordnung bei dir, oder bekommst du gerade keine Luft?"

Ich schüttelte noch immer kichernd den Kopf, ihre Haarspitzen kitzelten an meiner Wange. Aus einem Gedanken heraus schubste ich sie sanft, sodass sie sich nicht wehtun würde, aber trotzdem strauchelte und es gerade noch schaffte, nicht auf mich draufzufallen, sondern neben mir zu landen.

„Hey! Na warte!"

Im nächsten Moment spürte ich noch mehr Sand als zuvor in meiner Jacke und rollte mich mit einem erschrockenen Quieken von Cia weg, damit sie nicht auch noch auf die Idee kam, mir Sand in die Kapuze zu streuen. Sie lachte, während sie auf die Beine kam und dieses Mal klang es so viel wärmer und glücklicher als vorhin im Wald.

Es war fast, als würden zwei Personen in Cia leben, die eine war immer kalt, unfreundlich und von ihrem Leben gebrochen, doch die andere war ein Kind, schwer hervorzulocken und doch wundervoll.
Nach einer Weile, als der Sand nicht nur in meiner Jacke, sondern auch in meinen Haaren, meinen Schuhen und an meinem Fingern klebte, hob ich die Hand. „Ich ergebe mich!", rief ich in theatralischem Tonfall Cia zu, die nicht weniger sandig aussah als ich. Sie grinste zufrieden und holte langsam wieder Atem.

„Du nimmst mir die Worte aus dem Mund."

„Das kann ich gut.", erwiderte ich zwinkernd und setzte mich neben ihr auf einen flachen, von der Strömungen glattgeschliffenen Felsen. Sie ließ sich ebenfalls in einer sitzenden Position nieder und zupfte einige Algen von ihren nassen Schuhen. Bei unserer Sandschlacht war sie einmal kurz mit den Füßen ins Wasser gelangt. Nun waren ihre Schuhe und Socken mit Salzwasser vollgezogen.

„Geht's?", fragte ich und legte den Kopf schief, „Wenn du magst, kannst du meine Schuhe haben und ich geh barfuß zurück." Cia schüttelte abwehrend den Kopf, eher sie die Augen schloss und ihr Gesicht in die Sonne hielt. Inzwischen war sie vollständig aufgegangen, wahrscheinlich war ungefähr neun Uhr oder so, zumindest knurrte mein Magen leise, da er noch kein Frühstück bekommen hatte.

„So langsam merke ich, dass es hier eigentlich gar nicht so schlimm ist, wie ich anfangs dachte. Und du", sie stieß mir grinsend mit dem Ellenbogen in die Rippen, „bist auch nicht so nervig."
„Danke! Ich wusste doch, dass du bald merken würdest, dass wir alle ganz in Ordnung sind!"

Sie verdrehte schmunzelnd die Augen. „Ja, go tell it to the mountain." Augenblicklich begann ich, die passende Melodie zu summen, ich konnte gar nicht anders. „Ernsthaft? Besteht dein Kopf nur aus Liedtexten und -melodien?"

„Ja, großteils. Aber noch nicht komplett. Der Rest sind komische Fakten und dumme Witze."
Sie schüttelte ungläubig den Kopf, ehe sie wieder aufs Wasser hinaussah. „Hätte ich je daran gezweifelt, dass du eine Tochter des Apollo bist, hätte ich jetzt damit aufgehört." Ich kicherte verstohlen über ihre Worte und schloss dann die Augen. Die Rufe von Möwen und Krähen erklangen, irgendwo meinte ich, ein Pegasus erschrocken wiehern zu hören. Komisch. Normalerweise waren um die Uhrzeit noch keine Reitstunden.

„Eileen?", fragte Cia leise und es lag wieder ein Hauch von Ernsthaftigkeit in ihrer Stimme, „Kann ... kann ich dich etwas fragen?"
„Machst du doch gerade schon. Aber klar, kannst du immer, was ist los?"

Ich öffnete die Augen wieder und sah zu ihr herunter. Cia hatte ihre Knie angezogen und ihren Kopf auf ihren verschränkten Armen abgelegt. Die Narben in ihrem Gesicht schimmerten im Licht der Sonnenstrahlen wie Rosenquarz.

„Ich ... ich habe in letzter Zeit Träume. Träume, die noch schlimmer sind, als ich es gewöhnt bin. Sie kommen mir fast vor wie ... Déjà-Vus oder sowas in der Art. Kennst du das Gefühl, wenn du ..."

Sie brach ab und wirbelte herum, als sich jemand hinter uns räusperte. Ich sah auf und blickte Zero in die ausdruckslosen, grauen Augen. „Hey, da bist du ja.", dann bemerkte ich, dass er mich stumm aufforderte, die Klappe zu halten, „Ist ... ist etwas passiert?"

Er nickte und wandte sich dabei um. Über seine Schulter rief er uns leise zu: „Es wäre besser, wenn ihr mitkommt. Percy ist verschwunden."
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