Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Flüchtiges Licht

von Roff Boff
GedichtPoesie / P12 / Gen
26.05.2020
04.05.2021
14
2.763
2
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
09.12.2020 199
 
Gefüge

Die Nachtigall zieht übers Land,
ihr Schatten; verschluckt von der Nacht.
Aus ihrem Schnäbelchen dringt sacht
eine Melodie, gesponnen aus silbernem Sand.

Ihre Flügel schlagen, da auf, da ab,
die Federlein zittern in windiger Nacht.
Und die Äug, das eine tot, das andere wacht,
streifen über die schlummernde Stadt.

Alles leer, alles still, alles tot,
begraben unter der lichtlosen Nacht.
Kein Atmen zu hören, kein Licht entfacht,
nur Flügelschlag dem Schweigen droht.

Die Nachtigall, so fasziniert von Einfachheit,
nähert sich, im traut'n Mantel der Nacht,
der Stadt und stürzt sich in die Schlacht.
Bereit, zuzuschlagen jederzeit.

In finsteren Gassen hockt sie,
brütet im Nest der Nacht.
Ihr Aug', voller Erleben, versprüht eisige Macht
und funkelt im Rhythmus der Melodie.

So sitzt sie auf der Lauer,
so wacht sie leis' und brav,
ob denn jemand in der finst'ren Nacht
in ihre Falle tappt.

Und kommet ein Verrückter,
stolziert gar stolz und kühn,
muss sie sich nicht lange müh'n, schnellt aus der Nacht.
Der Verrückt' ward umgebracht.

Den Schnabel sandverkrustet,
voller Blut und seel'g verzogen,
entschwebt sie der sterbenden Nacht,
um wiederzukehren, wenn diese von neuem erwacht.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast