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Flüchtiges Licht

von Roff Boff
GedichtPoesie / P12 / Gen
26.05.2020
04.05.2021
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2.763
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26.05.2020 363
 
Halloween

Im Schein des Lichts
sehe ich genau hin.
Doch da ist nichts!
Es hat doch keinen Sinn.
Eben waren hier noch Ungeheuer,
doch jetzt sind da nur noch,
in diesem Gemäuer,
mit Mündern eingeritzt
und Augen ausgeschlitzt,
Kürbisse so weit das Auge reicht.
Es ist gar nicht so leicht,
das zu beschreiben.
Auf jeden Fall, möchte ich hier nicht länger bleiben.

Also verlasse ich schnell das verfallene Haus.
Doch da - oh welch Graus!
Gelächter begleitet mich,
gefährlich, leise, tödlich.
Ich drehe mich um
und die Kürbisse sind wieder stumm.

Zitternd stolpere ich rückwarts zur Tür
und frage mich ‚Wofür?‘
‚Wofür bin ich hierhergekommen?'
‚Wofür hieß ich die Dunkelheit willkommen?'
Warum konnte ich der Neugier nicht widerstehen
und beim ersten Anzeichen von Bedrohung wieder gehen?

Meine Zeit ist bereits verronnen,
das wird mir klar,
als ich benebelt und benommen,
den schwebenden Kürbis vor mir sah.

Die Tür im Rücken
öffnet sich nicht.
Trotz verzweifelt' Drücken,
bleibt sie absolut und gänzlich dicht.
Wie eine unüberwindbare Mauer,
liegt sie auf der Lauer
und schließt mich ein.
Allein, allein,
ganz allein.

Die einzige Gesellschaft, die mir verblieb,
die sich mit mir die Langeweile vertrieb,
waren Kürbisse, groteske Fratzen.
Bestärkten mich nur in meiner Einsamkeit,
keine helfende Hand weit und breit.

So kauerte ich am Boden,
und wartete auf das Unvermeidliche.
Die orangenen Teufel begannen zu toben,
sie rissen sich,
sie balgten sich.
Laute unbeschreiblicher Natur
entwichen jeder einzelnen Kreatur.
Sie fochten den Kampf ihres Lebens.

Für einen kurzen Moment erklomm in mir ein Funken Hoffnung.
Ein Splitter, ein Glimmern.
Immer stärker begann er zu flimmern.
Ich sah sie vor mir: ihre gegenseitige Vernichtung -
doch vergebens.

Bald schon wandten mir die ersten
ihre geifernden Münder zu.
Gier ließ ihre Augen schier bersten,
der nackte Hunger kam hinzu.

Die Kürbisse stürzten sich auf mich.
Ihre Augenpaare verzogen sich dabei voller Hohn,
die spitzen, matschigen Zähne waren vorgestreckt.
Sie waren dabei meine Existenz auszulöschen,
die Laterne in meiner Hand wurde bereits von ihnen verdeckt.
Und langsam begann es zu erlöschen -
das sicherheitsverheißende Licht.

Und ich fiel
hinab.
Tief,
tiefer,
immer tiefer.

Die Finsternis hatte mir eine Falle gestellt,
und naiverweise
war ich sofort herbeigeschnellt.
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