Do you remember?

GeschichteDrama, Romanze / P16
Dr. John Watson James "Jim" Moriarty Mary Morstan / Watson OC (Own Character) Sherlock Holmes
25.05.2020
01.08.2020
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01.08.2020 2.040
 
Denn nicht Lestrade steht im Türrahmen, sondern eine zierliche, junge Frau. Ihre mittelbraunen Haaren sind zu einem einfachen Zopf gebunden, was mit ihrem dezenten und einfachen Make-Up harmoniert. Genauso wie James trägt sie einen weißen Laborkittel, der ihren bunt gestreiften Pullover ein wenig bedeckt.
In der Hand hält sie eine leere Palette und als sie uns beide entdeckt, weiten sich ihre braunen Augen.
„Hallo.“, lächelt sie etwas gepresst, was den Eindruck erweckt, dass sie in Eile ist.
James und ich erwidern fast gleichzeitig mit einem Nicken die Begrüßung. Dann presst die Fremde ihre Lippen zu einem Lächeln zusammen, geht zu der Arbeitsplatte nebenan und stellt die Palette hin.
Ich beobachte, wie sie einzelne Reagenzgläser sortiert, als mich James aus den Gedanken reißt.
„Hey, uhm, hätten Sie vielleicht... heute Abend noch etwas trinken zu gehen?“ Der unsichere Ton und das nervöse Kratzen am Nacken lassen mich etwas schmunzeln.
Habe ich Lust? Nicht wirklich. Aber wenn ich mir aussuchen kann, ob ich meinen Abend mit einer sympathischen, offenen Person oder aber mit dem mysteriösen, nicht sonderlich gesprächigen Sherlock Holmes verbringen soll, ja, wo wird meine Wahl wo fallen?
Außerdem ist es an der Zeit neue Leute kennenzulernen. Mary als einzige Freundin ist wunderbar, aber mit John an ihrer Seite wird es mit Sicherheit immer weniger gemeinsame Zeit geben.
Drei Jahre Einsamkeit in den USA ist schon lang genug.
Also streiche ich mir über die Oberschenkel, lächle und antworte mit „Klar, wieso nicht?“.
Daraufhin kann ich beobachten wie sich seine Lippen zu einem freudigen Lächeln verziehen.
Wir tauschen Nummern aus und er erklärt mir, dass er mir schreiben wird. Dann erhebt er sich, wirft mir ein letztes Lächeln zu und verschwindet dann aus dem Labor.

„Molly Hooper? ... Ja, das ist heute angekommen.“ Ich richte meine Blick zu der Frau und schaue zu, wie sie herumwirbelt, sich hinhockt und einen kleinen Karton auf die Arbeitsfläche stellt. Dann wechselt sie ihr Handy von dem einen, zum anderen Ohr.

„Andere Freunde wie John gibt es nicht. Er hat noch andere sehr gute Bekannte wie Greg, Mrs. Hudson, Molly Hooper.“
Ich lege meinen Kopf schräg und warte, bis sie nach einigen Minuten aufgelegt hat.
„Sind Sie eine Freundin von Sherlock?“, frage ich dann, stehe auf und gehe zu ihr rüber.

Ich erhoffe mir Smalltalk, vielleicht ein paar interessante Informationen. Eine einfache Unterhaltung, um neue Leute kennenzulernen.
Doch als sie sich zögernd zu mir umdreht, ihr die Röte ins Gesicht steht und sie mich mit großen Augen anstarrt, scheint es fast so, als hätte ich einen wunden Punkt getroffen.
Ihr Mund öffnet und schließt sich. Anscheinend weiß sie selbst nicht, was sie darauf antworten soll.
Bei diesem Erröten frage ich mich aber eher, ob die beiden nicht vielleicht sogar mehr miteinander hatten.
„Wieso?“, kommt es dann letztlich aus ihr heraus, woraufhin ich nur mit den Schultern zucken kann.
„Mary hat erzählt, dass er gute Bekannte hat und da fiel Ihr Name.“, erkläre ich etwas unbeholfen und fühle mich schuldig, ohne den Grund dafür zu kennen.
Ihr Blick wird trübsinniger, ihr Lächeln schwer.
„Gute Bekannte.“, wiederholt sie, als würde es lächerlich klingen. „Kann man so sagen.“ Sie scheint nicht mit mir zu reden, denn ihre Augen fixieren den Boden, als würde sie über etwas nachdenken. Dann schüttelt sie kaum merklich den Kopf und blickt mir in die Augen.
„Wieso fragen Sie?“
Gute Frage!
„Ich bin neulich erst bei ihm eingezogen und-“
„Sie sind... bei ihm eingezogen?“, fragt sie ungläubig.
„Ja... Ich brauchte eine Wohnung und da John ausgezogen ist und das Zimmer freistand, ergab sich die Möglichkeit.“
Sie starrt mich für einen Moment schweigend an. Wenn ich mich nicht irre, wirkt sie verletzt.
„Ich hätte nie damit gerechnet, dass er so schnell jemanden einziehen lässt.“
Als sie sich am Oberarm kratzt, blitzt ein Silberring an ihrem Ringfinger aus. Er trägt einen kleinen Stein in der Mitte. Ein Verlobungsring? Also doch keine Beziehung? Oder seine Ex-Freundin? Wieso interessiert mich das überhaupt!?
„Das höre ich nicht zum ersten Mal.“, lache ich etwas unsicher.

„Molly, kommen Sie?“, ertönt es plötzlich hinter Molly. Ein Mann, den ich nicht kenne, steht im Türrahmen und schaut Molly mit gestresster Miene an.
Erschrocken fährt sie herum.
„Sofort.“
Auch sie dreht sich ein letztes Mal zu mir, schenkt mir ein Lächeln und verabschiedet sich mit den Worten „Man sieht sich.“
Ehe ich etwas erwidern kann, ist sie schon verschwunden.

-

„Ich war im Labor und habe das Pulver untersucht.“, erkläre ich Lestrade, der in der einen Hand ein Telefon und in der anderen Hand ein Zettel hält.
Er schaut gestresst aus, seine Stirn wirft Falten. Seine leicht zerzausten Haare und die dunklen Augenringe unterstreichen meinen Eindruck.
Auf seinem Schreibtisch liegen ein Haufen von Akten, Zetteln und Notizen.
„Entschuldigen Sie, im Moment sind viele krank und ich muss mich um deutlich mehr kümmern. Was haben Sie gesagt?“
Er blickt kurz hoch zu mir, doch ich schätze, dass er mir noch immer nicht zuhört.
„Sie haben mir geschrieben, dass ich ins Labor kommen sollte und-„
Er legt den Hörer an sein Ohr, knallt es nach ein paar Sekunden aber förmlich wieder in die Station.
„Was habe ich? Entschuldigen Sie, ich bin gerade sehr beschäftigt. Kommen Sie bitte morgen wieder, ich wollte sowieso noch mit Ihnen sprechen. Es tut mir wirklich leid!“
Und ich ehe ich bloß meinen Mund öffnen kann, ist er schon aus dem Büro an mir vorbei gerast.
Ich kann es ihm nicht einmal übel nehmen. Ich kenne es selber von meinen Arbeitsplätzen, dass der Stress rapide ansteigt, wenn mehrere Leute krank werden.
Ernüchternd seufze ich und lasse den Kopf hängen.
Gut, dann halt eben morgen.
Ich mache mir nichts daraus, freue mich über die Tatsache, dass er noch mit mir sprechen möchte und verschwinde ebenfalls aus dem Büro.

Mit meiner linken Hand streiche den rechten Mantelarm hoch und werfe einen Blick auf meine Armbanduhr.
Ich weiß zwar nicht, wann sich James treffen möchte. Aber da es abends sein wird, habe ich noch genügend Zeit. Was mache ich also jetzt?

-

Da ich meine Zeit vertreiben musste, habe ich mich dazu entschieden, durch meine liebste Einkaufsstraße zu spazieren.
Mit mir ging die Neugier, ob sich in den drei Jahren etwas verändert hat. Doch das hat es nicht, was gut ist. Ich habe London, so wie es ist, vermisst.

Die Einkaufsstraße ist eine kleine Gasse, in der es die schönsten Läden gibt. So gibt es zum Beispiel ein nettes, kleines Café, das mit seinen warmen Tönen und Leckereien immer wieder aufs Neue einlädt. Am liebsten habe ich aber meine Zeit in dem Antiquitätenladen auf der anderen Seite verbracht. Er bietet größtenteils Bücher an, aber auch andere Schätze konnte ich damals hin und wieder finden.
Ich weiß nicht genau, wieso mir dieser Laden am besten gefällt. Er hat ein wenig was von Sherlocks Wohnung. Bloß in ordentlich. Vielleicht mag ich den Laden auch so gerne, weil ich hier oft mit meiner Schwester und meinen Eltern hingegangen bin. Meine Eltern sind mit dem Besitzer befreundet und sind große Freunde von alten Dingen.

Da mich der Besitzer dadurch natürlich kennt, musste ich mich durch die typische Fragerunde quälen. Ich mag ihn sehr und er ist mit Sicherheit einer der Gründe, wieso ich den Laden regelmäßig besucht habe. Doch wenn man drei Jahre fort war und die Menschen um einen herum wissen, wieso man weg war, muss man sich denselben Fragen stellen.
Wie denn auch sei.
Die Fragerei war durch seine sympathische, bekannte Ausstrahlung etwas angenehmer und so fühlte es sich nicht wie eine halbe Ewigkeit an.
Ich habe mich nach seiner Frau erkundigt - ihr geht es hervorragend - und habe nach meiner Stöberei wieder den Laden verlassen.

Seitdem stehe ich vor dem Laden und beobachte mit grimmiger Miene, wie es aus Eimern schüttet.
Ich warte weitere Minuten ab, doch ich schätze, dass es nur noch stürmischer wird. Und wenn ich mich noch umziehen möchte, dann sollte ich jetzt los gehen.

-

Klatschnass erreiche ich die Wohnung der Baker Street 221B. Da ich natürlich keinen Regenschirm dabei hatte, kann ich meinen tropfenden Mantel erst einmal im Flur aufhängen.

Entnervt seufzend streife ich mir meine schwarzen Stiefeletten ab und stelle sie ebenfalls in den Flur. Dann krame ich mein Haargummi aus der Manteltasche und binde mir damit meine durchnässten Haare zusammen.
Ein Ping erweckt meine Aufmerksamkeit. Ich ziehe den Zopf fest und greife nach meinem Handy, das sich in meiner Manteltasche befindet.
Es ist James. Seine Nachricht beinhaltet die Uhrzeit - Punkt 19 Uhr - und die Adresse einer Bar, die ich sogar kenne und nicht weit von hier ist. Ah und noch ein Smiley nach dem typischen Ich freue mich schon.
Ich schmunzle leicht. Denn ich freue mich auch irgendwie. Es ist schön, wieder hier zu sein und direkt neue Bekanntschaften machen zu können.

„Wie heißt er?“
Leicht erschrocken wirble ich herum und beobachte, wie Sherlock an... meinem Laptop etwas tippt. Ohne auf seine Frage einzugehen, starre ich meinen Laptop an und ziehe scharf die Luft ein.
„Ist das da mein Laptop!?“, rufe ich empört und starre ihn mit offenem Mund an.
„Welcher Laptop sollte das denn sonst sein?“ Er runzelt seine Stirn, ohne den Blick vom Bildschirm zu nehmen. Er scheint diese Frage ernst zu meinen.
Wieso nutzen Sie meinen Laptop?!“, korrigiere ich mich sarkastisch.
„Meiner durchläuft Updates, Ihrer lag hier und Sie hatten bereits eine Notiz zum Fall offen. Wieso eigentlich? Können Sie sich die einfachsten Informationen nicht merken? Und dann sind es nicht einmal kluge Notizen, da sie nur untereinander geschrieben wurden. Sie müssen Verbindungen herstellen. Man könnte meinen, dass Sie Anfängerin sind.“
Erneut öffne meinen Mund, bin versucht mich zu rechtfertigen, verenge aber lediglich meine Augen zu Schlitzen.
Anfängerin?
Mit schnellen Schritten begebe ich mich zu ihm und knalle förmlich den Bildschirm zu.
Flink zieht er seine Finger weg.
Sein Glück.
„Also, wie heißt er?“ Unbekümmert stützt er seine Ellenbogen auf den zugeklappten Laptop ab, führt seine Finger zusammen und stützt sein Kinn auf diese und begibt sich damit in seine Denkerpose.
„Wer?“, frage ich schnippisch und bin gedanklich noch immer an meinem Laptop. Nicht, dass ich etwas zu verheimlichen habe, aber das gehört sich nicht. Und das er das nicht bemerkt, ist besorgniserregend.
„Ihr Date.“, erklärt er mit einem Unterton, der so wirkt, als würde er mich für begriffsstutzig halten. Irritiert blicke ich an, doch er schaut an mir vorbei, als würde er wissen, was ich antworten würde.
„Ich habe kein Date.“
„Natürlich nicht.“, zieht er sarkastisch in die Länge und ich erkenne, wie sein Mundwinkel amüsiert aufzuckt.
„Das habe ich nicht.“, wiederhole ich nun mit mehr Nachdruck und verschränke meine Arme.
Leicht verengt er seine Augen und blickt mich nun direkt an. Sein Ausdruck ist herausfordernd, als würde er verlangen, dass ich ihm vom Gegenteil überzeugen oder nachgeben soll. Doch ich tue beides nicht. Stattdessen halte ich seinem Blick stand, ziehe eine Augenbraue hoch.
Nach ein paar Sekunden verdreht er die Augen. Scheinbar wird ihm das ganze langweilig.
„Wie heißt dann Ihre neue Bekanntschaft?“
„Mal im Ernst, wie können Sie das wissen? Habe ich irgendwo ein Haar von ihm kleben oder hören Sie mein Handy ab?“, frage ich spöttisch und setze mich auf den Stuhl gegenüber von ihm.
Sein Blick wandert an mir runter und als er dann seine zusammengeführten auf mich richtet, bin ich mir ziemlich sicher, dass er die Situation deduzieren möchte.
„Schon gut.“ Ich hebe zur Verdeutlichung meine Hand.
Er führt seine Finger wieder unter sein Kinn und scheint sich zurückzuhalten, wobei ich mir vorstellen kann, dass er die Deduktion einfach in seinem Kopf durchgeht.
„James. Er heißt James.“, antworte ich seufzend und blicke mit abgestützten Kopf aus dem Fenster.
Für einen kurzen Moment herrscht Stille. Doch als auch nach weiteren Sekunde kein blöder Kommentar kommt, richte ich meinen Blick wieder zu Sherlock. Dieser starrt mich mit verengten Augen an.
Habe ich was falsch gemacht?
Seine Stirn legt sich Falten, sein Kopf legt sich schräg.
James?“, wiederholt er mit rauer Stimme und einem ganz bestimmten Unterton, der mir eine unangenehme Gänsehaut bereitet.
Für mich ist das ein irrelevanter Fakt, doch Sherlock scheint wie von etwas gestochen zu sein.
Auch ich runzle meine Stirn, aber aus dem Grund der Unwissenheit.
„Und weiter?“ Er scheint angespannt zu sein, denn er presst merklich seinen Kiefer zusammen.
„Ich weiß es nicht. James... James... Me... Irgendwas mit M.“
„Ich werde mitkommen.“
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