Do you remember?

GeschichteDrama, Romanze / P16
Dr. John Watson James "Jim" Moriarty Mary Morstan / Watson OC (Own Character) Sherlock Holmes
25.05.2020
22.08.2020
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25.05.2020 1.261
 
„Ich bin gleich für Sie da.“, lächelt Inspektor Lestrade gezwungener Weise im Vorbeigehen. Er scheint gestresst zu sein, denn er widmet mir bei den Worten keinen einzigen Blick.
Ich schaue ihm nach wie er in sein Büro verschwindet und die Glastür hinter sich schließt. Dann holt er mit seiner rechten Hand sein Handy raus, legt sich dieses ans Ohr und stemmt seine Hand in seine Taille.
Als er seinen Blick in meine Richtung wirft, schaue ich weg.  

Während ich warte, schaue ich mich interessiert um.
Die Etage ist wie jedes andere Büro aufgebaut. Relativ steril, lediglich Pflanzen und ein paar Bilder versuchen räumliches Leben einzubringen. Schreibtische sind in Reihen aufgebaut, fleißige Polizisten und Kriminalermittler beraten sich, telefonieren, recherchieren oder trinken mit angestrengter, nachdenkender Miene Kaffee.
Mein Blick fällt auf den Schreibtisch in meiner unmittelbarer Nähe. Da der Mitarbeiter an seinem Schreibtisch sitzt, schaue ich lediglich verstohlen auf seine geöffneten Taps.
Ich erkenne nicht, was er an seinem PC recherchiert. Viel interessanter ist aber auch die Zeitung, die links von ihm liegt.

SHERLOCK HOLMES IST ZURÜCK UND LÖST ZWEI WEITERE FÄLLE

Ich runzle meine Stirn. Ist das nicht Inspektor Lestrade im Hintergrund? Er scheint verärgert zu sein, sofern ich das bei dem schlechten Lichtverhältnissen erkennen kann. Denn das ganze Licht strahlt auf den Mann im Vordergrund. Ich erkenne sein Gesicht nicht, da es weggedreht ist, der Kragen seines Mantels hochgeschlagen ist und ein seltsamer Hut den Rest verdeckt.
Trägt man das so in London?
Neben ihn steht ein kleinerer Mann, der mit zusammengepressten Lippen lächelt. Sie scheinen beide in Eile zu sein oder sind nicht wirklich von der Presse begeistert.

„Kann ich Ihnen irgendwie helfen?“, reißt mich der Mitarbeiter aus den Gedanken.
Leicht zusammenzuckend löse ich meinen Blick von der Zeitung und schaue zum Mitarbeiter.
„Nein, danke.“
Zum Glück taucht im selben Augenblick Lestrade wieder auf.
„Entschuldigen Sie bitte, ein Notfall. Wenn Sie nächste Woche Zeit haben, dann würde ich das Vorstellungsgespräch gerne dann führen.“ Während er mir das erzählt zieht er sich seine Jacke an. Sein Blick ist etwas gequält, aber auch entschuldigend.
Etwas perplex schaue ich ihn an.
„Kein Problem, nächste Woche ist auch in Ordnung.“, lächle ich höflich, auch wenn man mir die Enttäuschung trotzdem etwas ansehen kann.
Er presst seine Lippen noch einmal zusammen, schenkt mir ein letztes entschuldigendes Lächeln und verschwindet dann mit schnellen Schritten.

Vor den großen Glastüren des Scoutland Yard Gebäudes schließe ich meine Augen und atme die kalte Londoner Luft ein.
Endlich wieder Zuhause.
Ich ziehe meine Schultern hoch und stecke meine kalten Hände in die Manteltaschen.
„So, wie komme ich wieder nach Hause?“, murmle ich zu mir selbst und fische mein Handy aus meiner Manteltasche.
Nachdem ich die Adresse herausgesucht habe, gehe ich die Straße entlang.
Überall sind Menschen unterwegs, umhüllt von dicken Wintermänteln. Der Himmel ist gräulich verfärbt, die Sicht vernebelt. Es ist ein typisches Abbild von London. Und auch wenn es nicht gerade der schönste Zeit ist, genieße ich jeden Atemzug der Londoner Luft.

Nachdem ich nach knapp einer halben Stunde durch gefühlt ganz London geirrt bin, biege ich in eine Straße ab und erkenne die gewohnte Gegen wieder.
Zielsicher strebe ich Marys Wohnung an.  

„Hier.“
Mary gesellt sich zu mir an die Küchentheke, stellt mir eine Tasse Tee hin und schaut aus dem Fenster.
„Danke. Ich habe vollkommen vergessen, dass London eine Regenstadt ist.“, murmle ich, während ich aus dem kleinen Fenster in der Küche schaue. Mittlerweile prasseln Regentropfen gegen die Scheibe und Blitze erhellen für einen kurzen Moment die Straße.
Mary schmunzelt, woraufhin ich meinen Kopf abstütze. Betrübt starre ich meinen Tee an.
„Was ist los?“, fragt mich Mary besorgt und nippt an ihrem heißen Kaffee.
Ich seufze und vergrabe mein Gesicht in meine Hände.
„Ich fühle mich schäbig.“ Mein gequälter Blick trifft ihren. „Drei Jahre war ich weg und habe mich kein einziges Mal gemeldet. Und jetzt bin ich wieder hier und schnorre deinen Tee.“
„Emma“ Sie umschließt meine Hand und schaut mich ernst an. Ihre blauen Augen schimmern so sanftmütig, dass ich mich sofort geborgen fühle. „Du hattest einen sehr guten und nachvollziehbaren Grund. Und falls du dich nicht mehr erinnerst, war ich diejenige, die dich dazu überredet hat. Du musstest es tun und ich weiß, wie schwer es für dich war. Dass du dich nicht gemeldet hast, ist in Anbetracht der Umstände vollkommen in Ordnung.“
Sie lächelt mich aufmunternd an, woraufhin ich ebenfalls lächeln muss.
Ich deute mit meinen Lippen ein Danke an. Es gibt so viel zu erzählen, aber alles reißt alte Wunden auf.
Ich bin zurückgekehrt um eine Weile Ruhe in mein Leben zu bekommen. Ich brauche eine Pause.
„Außerdem wurdest du ja sowieso ersetzt.“, scherzt sie mit einem bösen Grinsen um die Stimmung zu lockern und deutet auf ihren Verlobungsring.
Nun muss ich schmunzeln.
„Da ist man drei Jahre weg und du verliebst und verlobst dich! Als du es mir auf die Hinreise erzählst hast, konnte ich es kaum glauben!“
Ihre Augen strahlen, als sie ihren Ring betrachtet.
„Ich bin wirklich gespannt, ihn nachher auf der Verlobungsfeier kennenzulernen! Dr. John Watson. Was ein Name!“
Sie schaut auf und strahlt mich an.
„Du wirst ihn mögen, er ist ein großartiger und liebevoller Mensch.“ Sie schaut so verträumt aus, so zufrieden und glücklich.

„Sag mal“, fällt es mir dann ein, als ich mich im Raum umschaue. „Hast du nicht auch erzählt, dass du mit ihm in ein Haus ziehen wirst?“, frage ich neugierig und mit einem Hintergedanken, den sie sofort durchschaut.
„Ja und ja, diese Wohnung ist dann frei.“, lacht sie amüsiert und rührt ihren Kaffee um.
„Das ist großartig! Denn ich musste feststellen, dass die Wohnungssuche in London furchtbar ist! Und wenn es dann mal eine Wohnung gibt, die zentral liegt, dann ist sie kaum zu bezahlen.“, beklage ich und schüttle verständnislos meinen Kopf.
Aus dem Augenwinkel erkenne ich, dass Mary sich auf ihre Unterlippe beißt und mich mit großen Augen anschaut.
„Nun ja...“
Ich ziehe überspitzt meine Mundwinkel nach unten.
„Wie viel?“, frage ich und befürchte das schlimmste. Dann nennt sie mir den Preis und ich falle beinahe vom Hocker.
„Was erwartest du denn bei dieser Küche?“, fragt sie sarkastisch und ich meine einen Hauch von Belustigung zu hören.
Frustriert nehme ich eine Schluck von meinem Tee.
„Aber du könntest in Johns alte Wohnung ziehen. Dort ist mit seinem Auszug ein Zimmer frei.“, sagt sie, für meinen Geschmack etwas zu angestrengt ernst.
Misstrauisch verenge ich meine Augen und mustere sie.
„Ein Zimmer? Wieso nicht die Wohnung?“
Sie zieht scharf die Luft ein und schaut auf ihren Kaffee.
„Naja, er wohnte mit seinem besten Freund zusammen.“, murmelt sie.
Fragend starre ich sie an.
„Er wohnte mit seinem besten Freund zusammen. Seinem Freund, den ich nicht kenne. Ein Wildfremder also.“ Sie schaut mich immer noch nicht an. „Und was ist da noch? Irgendwas ist da doch im Busch.“, stichele ich.
„Also erst einmal ist er kein Wildfremder, er ist ein Freund. Du wirst ihn noch kennenlernen, ob du willst oder nicht.“ Meine Stirn lege ich in Falten.
„Wie soll ich das verstehen?“, hake ich nach.
„Er ist auch so etwas wie ein Kriminalbeamter. Wenn du den Job bei der Scotland Yard bekommst, dann werdet ihr mit Sicherheit auch mal zusammenarbeiten.“ Sie erzählt es mir so, als wäre es vorteilhaft. Trotzdem gefällt mir ihr Unterton nicht. Ihre Stimme geht hoch, sie stammelt.
„Irgendwie scheinst du belustig über die Idee zu sein, dass ich dort hinziehe.“
Nun kann sie sich ihr Grinsen nicht mehr verkneifen.
„Schau dir die Wohnung bei der Verlobungsfeier doch erst einmal an. Dann lernst du seinen Freund auch kennen.“
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