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survival of the fittest

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
25.05.2020
21.07.2020
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♥~*~*~*~*~*♥


Immer noch konnte sie es nicht glauben, sie war wirklich hier. Ailis ließ ehrfurchtsvoll ihren Blick über das große Gebäude vor ihr schweifen, als sie langsam aus dem Taxi stieg und die Tür hinter sich zufallen ließ. Sie hörte, wie der Fahrer wieder Gas gab um sich in den Verkehr von Washington D.C. einzureihen, doch bemerkte sie es nicht mehr wirklich. Ihre grünen Augen wanderten die Fassade hinauf, versuchten das oberste Stockwerk zu erblicken. Dafür musste Ailis etwas in den Kopf in den Nacken legen, doch das war es wert. Das ganze Gebäude war in dunklen Tönen gehalten und würde fast schon bedrohlich wirken, wären die Fenster an der Front nicht groß und offen. Sie waren wie ein Kontrast der einer herzlichen Umarmung gleich ein jeden willkommen heißen wollte. 4Tune stand in großen Buchstaben über dem Eingang und entlockte der jungen Britin ein belustigtes Schnauben. Damit auch keiner übersieht, wo wir uns befinden nehme ich an? Ailis richtete ihren Blick wieder auf den Eingang und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht. Die Aufregung pulsierte durch ihren Körper und ließ ihre Mundwinkel sich leicht nach oben ziehen; ein leises Lachen entwich ihr. Sie war wirklich hier, in den Vereinigten Staaten, weit weg von ihrer geliebten Insel. Mit nicht viel mehr als ihrer Tasche in welcher sich ihr Geld, ihr Handy und ihre Einladung zu der ganzen Veranstaltung hier befand. Noch einmal holte Ailis tief Luft, versuchte sich selbst zu beruhigen um nicht wie ein aufgedrehter Wirbelwind das Gebäude zu betreten. Etwas Benehmen hatten ihre Väter ihr schon beigebracht.
Hin und wieder zumindest.
Die Glastür öffnete sich automatisch, als sie nahe genug heran getreten war. Mehr, als einen Schritt über den Türrahmen zu setzen, schaffte sie nicht, bevor ein Sicherheitsmann neben ihr auftauchte und ihr ruhig, aber bestimmt, zu verstehen gab, sie möge einen Moment warten. Ailis blieb stehen, unsicher, ob sie schon einen Fehler begangen hatte. Doch alleine die Tatsache, dass sie kooperierte, schien dem Sicherheitsmann zu genügen. „Den Ausweis bitte, junge Dame.“ Sie nickte und holte aus ihrer Tasche ihren Geldbeutel, in dem sie auch ihren Personalausweis aufbewahrte. Der Mann nahm diesen entgegen, verglich ihr Gesicht mit dem Foto auf dem Ausweis, ehe er es ihr wiedergab. „Meine Kollegin wird sie noch einmal abtasten und dann ihre Tasche übernehmen, bis alles hier vorbei ist. Das stellt doch kein Problem da?“ Ailis schüttelte den Kopf und schenkte ihm ein freundliches Lächeln. Sie hatte ja nichts zu verbergen. „Überhaupt kein Problem“, erwiderte sie noch, als auch schon eine weitere Sicherheitskraft an sie heran trat. Eine Frau, vielleicht knapp Anfang dreißig. Jünger als der Mann neben ihr. Bereitwillig ließ Ailis sich abtasten, war das einfach nur eine Routinemaßnahme. Nicht verwunderlich, wenn man bedachte, in was für einem Gebäude das Labor untergebracht war und wo sie sich hier befand. Es führte der 17-Jährigen noch einmal vor Augen, auf was sie sich da eigentlich eingelassen hatte.
Nach einem Moment trat die Frau wieder vor Ailis und nickte ihr zu, hielt die Hand hin. „Sie sind in Ordnung. Einmal Ihre Tasche, bitte.“ Ohne Widerrede reichte Ailis ihr diese. Ein wenig verwundert war sie, dass sie ihre Jacke behalten konnte. Doch die Security würde schon wissen, was sie beschlagnahmen mussten und was nicht. Mit einem freundlichen Nicken in Richtung der Frau machte Ailis sich dann auf den Weg, der Beschilderung nach. Hoffentlich war sie nicht die letzte Teilnehmerin, die eintraf. Auch, wenn sie noch pünktlich war, das wollte sie wirklich nun nicht. Es wäre ihr nicht wirklich unangenehm, doch wollte sie nicht, dass alle Augenpaare auf ihr ruhen würden. Denn vielleicht bedeutete dies dann, dass sie doch zu spät war – oder knapp davor. Nein, ich bin pünktlich – weder der Mann im Taxi, noch die beiden eben am Eingang haben einen Nebensatz fallen lassen. Es wird schon alles gut werden. Ganz einfach.
Mit diesem Gedanken erreichte sie dann die große Tür, welche sie in einen großen Saal führte. Schnell erfasste sie die bereits anwesenden Personen. Vier andere Jugendliche. Sie war also nicht die Letzte, aber fast. Ailis lächelte, während sie ihr nervös klopfendes Herz zu ignorieren versuchte, als sie mit selbstsicheren Schritten mehr in die Mitte des Raumes – und damit den anderen Teilnehmern – näher kam. „Hallo alle zusammen. Ich bin Ally!“ Sie schenkte ein offenherziges Lächeln in die Runde. Erwidert wurde es kaum. Zwei der drei anwesenden anderen Mädchen bedachten sie mit einem eher kühlen Blick und schienen nicht begeistert, dass sie gemustert wurden. Dabei war sie selbst für einen Moment einfach fasziniert von dem grünen Kleid, welches eine von beiden trug. Allgemein schienen alle drei Kleidung zu tragen, die sich für junge Frauen in ihren Alter normalerweise gehörten und sie etwas damenhafter wirken ließen. Ailis selbst trug ein giftgrünes Shirt, darüber eine weite Jeansjacke. Ihre Hose war eine Jeans, welche an den jeweiligen Außenseiten mit Streifen in den Regenbogenfarben verziert war. Ebenso ihr Gürtel spiegelte diese Farben wieder. Ihre Sneakers waren lila und weiß. Alles in allem eine sehr gewagte Farbkombination, doch so war sie nun einmal. Bunt und fröhlich in Klamotten, die ihr vielleicht ein Ticken zu groß waren, aber in denen sie sich mehr als nur wohl fühlte. Nur das letzte Mädchen in der Runde erwiderte das Lächeln minimal und ging auch auf ihre Vorstellung direkt ein. Estelle Roux. Eine Französin also. Und das hatte sie nicht nur wegen dem Namen und dem Akzent vernommen, sondern sich das schon fast an der Baskenmütze gedacht. War zwar ein Klischee, doch schien es bei Estelle zu passen. Ailis lachte leicht und versuchte noch einmal ein Lächeln in Richtung der anderen beiden Frauen, doch Fehlanzeige. Dann eben nicht … Blieb ja auch noch ein Kandidat aus. So wandte sich Ailis an die einzige, bisher einzige, männliche Person im Rahmen und war sie nicht zu müde auch ihn mit einem freundlichen Lächeln zu bedenken. Und siehe da – es wurde erwidert. Ailis trat näher an ihn heran, als er sich leicht angedeutet verneigte. Im Gegensatz den anderen im Raum, die Ailis irgendwie den westlichen Ländern – ob nun aus Europa oder hier aus den Vereinigten Staaten – zugeordnet hätte vom ersten Eindruck her, schien der Junge vor ihr ganz anders zu erscheinen. Die asiatischen Länder, auch wenn sie nicht genau wüsste, wo genau sie ihn zuordnen sollte. Aber alleine die kleine Verneigung war Aussage für sich.
Was aber widersprach war seine Stimme, als er sich ihr als Wang Yao vorstellte.
Ailis konnte ein begeisterten Aufschrei nicht verhindern. Auch wenn es ihr im nächsten Moment mehr als nur leidtat, als sie sah, wie Yao zusammen zuckte. Nicht zuletzt, weil sie in ihrer Euphorie ihn spontan umarmt hatte. Mit einem, nun, entschuldigenden Lächeln trat sie zurück und strich sich erneut lachend eine Strähne aus dem Gesicht. „Entschuldige bitte meine stürmische Begrüßung. Es ist nur so … dein Englisch ...“ Für einen Moment hatte sie geglaubt, einen Briten vor sich stehen zu haben. Der vertraute Klang vom Queens Englisch war ihr begegnet und sofort hatte Ailis den Anflug von Heimweh verspürt. Jedoch nur für einen Moment. Jetzt war sie verunsichert: beherrschte Yao einfach so perfekt Englisch? Oder war er gebürtiger Brite? Bevor sie ihn allerdings fragen konnte, schwang die Tür zum Saal erneut auf und ein weiterer Junge – der letzte Kandidat – betrat den Raum. Grünblaue Haare und wie die anderen im Raum ebenso größer als ich. Was sie nicht wirklich verwunderte.
Weitere Zeit ihn zu studieren hatte sie nicht, als eine weitere Person nun den Raum betrat und mit einem deutlichen Räuspern die Aufmerksamkeit der Jugendlichen verlangte. Eine Frau, grob um die Mitte Vierzig – so würde Ailis sie schätzen; aber im Grunde war sie schlecht darin, das Alter anderer Menschen zu beurteilen -, welche zu dem Team von 4Tune zu gehören schien. Sie trug einen grauen Hosenanzug, an ihrem Oberteil prangte ein kleines Namensschild. „Herzlich Willkommen bei 4Tune“, begann sie ihre Rede. Ihre Stimme hallte durch den Raum. „Ihr alle wurdet auserwählt die sechs schlausten Jugendlichen der ganzen Welt zu sein. Und dies könnt ihr nun unter Beweis stellen. Auch werden verschiedene Aufgaben gestellt, die ihr lösen müsst. Behaltet dabei immer im Hinterkopf, dass jede eurer Entscheidungen den Verlauf der Tests beeinflussen wird. Mein Name ist Sarah Wayland. Wir wollen nicht lange um den heißen Brei herum reden und sofort mit der ersten Prüfung beginnen. Wenn ich Ihre Namen nenne, treten Sie bitte vor ...“ Sie ließ ihren Blick schweifen, bevor sie fortfuhr: „Ailis Boyle-Clemmett?“
Ailis trat nach vorne, was die Dame mit einem Nicken begrüßte. „Gehen Sie bitte durch die Tür hinter mir. Sie werden dann vor sechs Türen stehen. Die rote Tür ist Ihre.“ Und an alle gewandt fügte sie hinzu, dass in jedem Raum drei Tische stünden, von welchem jeweils eine Sache ausgewählt werden sollte. Ailis drehte sich noch einmal zu der Runde um und schenkte Yao ein munteres Lächeln. „Viel Glück, Yao!“ Dies wünschte sie im Grunde trotz allem den anderen fünf Kandidaten, doch hatte sie mit Yao bisher die meisten Worte gewechselt.
Wie ihr gesagt trat sie durch die Tür und befand sich vor den sechs Räumen. Die rote Tür ist meine … Es war die zweite von links. Ailis trat darauf zu. Eine weitere Security nickte ihr zu und öffnete den Raum für sie. „Danke“, gab sie noch von sich, ehe sie den kleinen Raum betrat und die Tür hinter ihr ins Schloss fiel. Von der Decke hing eine kleine Glühbirne, sodass Ailis brauchte um sich daran zu gewöhnen. Kaum geschafft, stockte sie, als sie sah, was sich auf den Tischen befand. Waffen, Proviant und Ausrüstung. Sind wir hier in den Hungerspielen gelandet? Der Gedanke kam ungewollt, als sie den Pfeil und Bogen erblickte. Sofort musste sie daran denken, wie sie dieses Hobby für gut ein Jahr lang ausgeübt hatte. Es war klar, dass sie Pfeil und Bogen zu sich nehmen würde. Auch den ein Liter Wasser und den Apfel, denn Flüssigkeit war wichtiger als Nahrung. Doch vom zweiten Tisch schwankte sie zwischen dem leeren Rucksack für den Transport und der Plane, sowie den Schlafsack. Schlussendlich band sie sich den Köcher um, schnappte sich den Bogen und wickelte den Schlafsack, sowie das Wasser und den Apfel in die Plane, um es besser transportieren zu können. Zu schade, dass ich mein Handy nicht mehr habe … Sie hätte Dadai zu gerne ein Bild davon geschickt. Aber vielleicht war es auch besser so, dass sie es nicht konnte. Die Chance, dass ihr Vater es zu Gesicht bekommen würde wäre zu groß. Und so wie sie Sam kannte, würde dieser so schnell es ging auf der Matte stehen um 4Tune zu verklagen. Da würde auch Anthony nicht mehr viel ausrichten können. Gut, ich habe gewählt – und was nun?
Jetzt hieß es wohl warten, bis die anderen Jugendlichen ebenso gewählt hatten. Und dann würde sich zeigen, was noch auf sie zukommen würde.

♥~*~*~*~*~*♥


Anmerkungen:
Bitte nicht wundern – die Prologe sind etwas ausgeartet und mussten in zwei Teile geteilt werden, welche die nächsten Tage folgen werden um noch eine besseren Einblick in Ailis und ihre Familie zu bekommen.
Ich freue mich über die erste Runde und hoffe, dass ich den Charakteren der anderen Teilnehmer halbwegs gerecht werden konnte – verzeiht mir bitte, wenn dem nicht so sein sollte. Gewiss wollte ich niemanden auf die Füße treten.
Auf eine gute erste Runde ♥
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