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Unsterblicher Blutdurst

von Anise1988
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16
Emiel Regis Rohellec Terzieff-Godefroy OC (Own Character)
24.05.2020
06.12.2020
28
68.449
9
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
24.05.2020 2.099
 
Neuer Versuch, neues Glück. Würde mich freuen, falls ihr mir sagen oder zeigen könntet, ob euch die neue Version besser gefällt und auch die „neue“ Anise :)
Diese Geschichte spielt wenige Monate nach dem Ende von der Jagd auf das Biest von Toussaint. Also Anise ist jetzt 29 Jahre alt :)


Ich musterte mich skeptisch im Spiegel. Waren das etwa erste Falten? Das brachte mich dazu die Stirn zu runzeln, was zu noch mehr Falten führte. Doch nicht jetzt schon. Schließlich war ich viel zu jung dafür. Das Leben in dieser mittelalterlich anmutenden Welt musste doch härter für meinen Körper sein, als ich erwartet hätte. Ich machte mir ein wenig Sorgen, denn es erinnerte mich daran, dass meine Zeit begrenzt war und er würde sich wahrscheinlich nicht mehr zu mir hingezogen fühlen, wenn ich alt war oder doch? Ich wusste, dass er mich trotzdem lieben würde, aber ich wollte ihm doch auch etwas bieten können..

Ich seufzte und machte mich schließlich auf den Weg in die Stadt. Regis war bereits in der Praxis und ich war spät dran, also beeilte ich mich. Als ich endlich ankam, warteten auch schon einige Patienten und Regis versuchte gerade alles gleichzeitig zu erledigen. Ich lächelte ihn an. “Ich übernehme. Entschuldige die Verspätung”, sagte ich. Er nickte und lächelte mich sanft an. “Mach dir keine Sorgen. Ich hatte alles unter Kontrolle.” Sofort begann ich die Wartenden aufzunehmen und half Regis dann so gut ich konnte mit allem was anfiel. Ich bewunderte ihn immer mehr. Er war so extrem ruhig im Umgang mit den Patienten. Selbst Patienten, die am Rande eines Nervenzusammenbruches waren, konnte er in wenigen Minuten beruhigen. Einer der Gründe warum ich ihn so sehr liebte. Seine Geduld, Fürsorge, Hingabe und Ausgeglichenheit suchten wirklich ihresgleichen. Er hatte mit jedem Mitleid. Hörte sich stets die Geschichten der Leute an und gab dann eine sachliche Einschätzung oder einen wirklich wertvollen Rat. Leider war er auch recht selbstlos und würde fast alles geben, wenn er dadurch einem Freund oder einem geliebtem Wesen helfen konnte ohne Rücksicht, ob er dabei selbst zu Schaden kam. Natürlich hatte er als unsterblicher Vampir nicht soviel zu befürchten, aber ich wollte trotzdem nicht, dass ihm etwas passierte.

Nachdem der letzte Patient versorgt war, kam er zu mir und zog mich an sich, um mir einen Kuss zu geben. “Ich liebe dich”, sagte er und ich lächelte. “Ich dich auch”, erwiderte ich und genoss die Nähe. Wir hatten in letzter Zeit recht viel zu tun und somit etwas weniger Zeit für uns. “Bedrückt dich etwas Anise?”, fragte er mich schließlich und musterte mich aufmerksam. “Ich werde alt..”, murrte ich und er lachte. “Aber nicht doch. Nur reifer und Erfahrener”, gab er leicht lächelnd zurück. Ich versuchte den Gedanken zu verdrängen, dass mir nicht mehr viele Jahre blieben, in denen ich halbwegs attraktiv aussah und erwähnte es nicht. Trotzdem belastete der Gedanke mich. „Ich muss noch etwas mit Geralt besprechen. Macht es dir etwas aus heute allein zurückzugehen?“, fragte er mich schließlich und sah mich prüfend mit seinen schwarzen Augen an. „Nein. Das ist kein Problem“, erwiderte ich und begann dann, wie so oft in den vergangenen Monaten, den Trank-, Elixier- und Salbenvorrat aufzufüllen.

Ich arbeitete gerade konzentriert an einer Salbe, während Regis mich neugierig beobachtete und sich auf den Stuhl neben dem Schreibtisch, an dem ich gerade arbeitete, setzte. „Darf ich dich etwas fragen Anise?“, begann er und ich nickte nur, da ich gerade ein wenig abgelenkt war. „Würdest du mir erzählen was dein Beruf in deiner Welt war? Ich weiß, dass ich dich nie danach gefragt habe, aber ich komme nicht umhin zu bemerken, dass du über ein gewisses Talent für die Alchemie verfügst“, erklärte er weiter. „Hmm...schwer zu beschreiben, da es den hier ja nicht gibt. Ich war Chemielaborantin und habe Medikamente hergestellt und zum Testen mit entwickelt..also kommt es dem, was ich hier gerade mache wohl am nächsten“, erwiderte ich, ohne den Blick von meiner Arbeit zu heben. „Interessant, gehe ich also recht in der Annahme, dass dir die Tätigkeit hier somit wirklich Spaß macht?“, fragte er weiter. „Natürlich. Ich muss mir nur mehr Wissen zu den Pflanzen hier aneignen..da ich bisher nie mit echten Pflanzen hantieren musste. Ich bekam die Bestandteile stets bereits in ihre Essenzen zerlegt geliefert. Außerdem sind mir viele Pflanzen hier noch fremd, aber dank dir lerne ich schnell dazu“, antwortete ich und warf ihm ein Lächeln zu. Natürlich kannte ich einige der Kräuter, aber viele sagten mir auch absolut nichts und ich kannte auch leider die Wirkung nicht jeder Pflanze auswendig.

„Dachte ich mir, darum denke ich, dass du dieses Buch hier äußerst nützlich finden wirst“, erwiderte er und schob mir ein Buch mit ledernem grünen Einband hin. „Pflanzen und ihre Bedeutung in der Alchemie“, las ich und lächelte. „Das hast du extra für mich besorgt? Vielen Dank“, erwiderte ich und bewunderte das Buch, nachdem ich die Salbe fertig hatte. „Was ich dich bereits länger fragen wollte, darf ich mir ein paar Sachen aus deinem und Geralts Labor ausleihen? Ich würde wirklich gern ein paar Theorien testen..“, fragte ich vorsichtig und sah ihn gespannt an. Ansonsten musste ich dringend sparen. „Selbstverständlich. Es wäre mir ein Vergnügen dich dabei unterstützen zu können“, erwiderte er zufrieden. Scheinbar gefiel ihm der Gedanke, dass ich neugierig war und dazu lernen wollte. „Vielen Dank. Ich gehe dann zurück. Bis später“, verabschiedete ich mich, küsste ihn zum Abschied auf die Wange und lief dann zügig durch die Stadt.  

Ich legte eine kleine Pause an einem kleinen See in der Nähe des Weingutes von Geralt ein und wünschte mir sehnlichst ein Wunder. Mein innigster Wunsch war es für immer bei ihm bleiben zu können und nicht mehr zu altern. Wenn es doch nur eine Möglichkeit gäbe, dass ich etwas tun könnte. Nur ein einziger Wunsch. Ich schloss meine Augen und eine sanfte Prise wehte durch meine schwarzen Haare, bevor eine Stimme hinter mir mich beinahe zu Tode erschreckte. „Vielleicht kann ich dir helfen“, sagte die männliche Stimme und ich drehte mich um. Dort stand ein unscheinbarer Mann mit einem breiten, selbstgefälligen Grinsen. „Wobei helfen?“, fragte ich misstrauisch nach. Er hatte eine seltsame Aura und ich blieb auf Abstand. „Deinem Wunsch. Du hast doch einen oder Anise?“, fragte er und ich sah ihn irritiert an. Ich hatte ihm definitiv nicht meinen Namen genannt. „Woher..weißt du wie ich heiße?“, fragte ich nach. „Ich weiß vieles. Mann nennt mich den Mann des Glases. Früher war ich Spiegelhändler. Ich weiß, dass du einen Wunsch hast und ich kann ihn dir erfüllen, wenn du dafür bereit bist“, erwiderte der Mann ruhig. Ich schluckte, aber dachte darüber nach. „Was..ist denn der Preis dafür?“, fragte ich unsicher und nervös nach. Der Mann war mehr als unheimlich. „Das kommt auf den Wunsch an“, erwiderte er und lächelte. Ich dachte ernsthaft darüber nach. „Was bist du?“, fragte ich weiter. „Ein sehr mächtiges Wesen, dass Wünsche erfüllen kann“, erwiderte er seelenruhig. „Also Anise. Möchtest du, dass ich dir deinen Wunsch erfülle? Dafür musst du ihn nur laut aussprechen“, forderte er und sah mich ruhig an. Wenn es wirklich eine Möglichkeit gab, dass sich mein Wunsch erfüllte, sollte ich es dann nicht nutzen? In dieser Welt gab es schließlich mächtige Magie, als warum nicht auch Wunder? „Ich würde wirklich gern, aber..“, begann ich und er unterbrach mich. „Du solltest dich jetzt entscheiden, denn ich frage nur einmal.“ Mein Herz schlug mir  plötzlich bis zum Hals. Ich musste diese Chance einfach nutzen. Normalerweise wäre es wahrscheinlich klüger sich davor mit Regis abzusprechen, aber vielleicht war dies wirklich meine einzige Chance. Selbst wenn er log und es nicht erfüllen konnte, musste ich es versuchen. „Ich wünsche mir, dass ich nicht mehr altere und unsterblich bin. Mein Geliebter soll mich auf ewig begehren“, sagte ich und wartete ab. Der Mann lächelte, auch wenn sein Lächeln nicht seine Augen erfasste und nickte. „Ein wirklich schöner Wunsch. Ich erfülle ihn dir, aber sei gewarnt, sollte er dich jemals verlassen, werde ich deine Seele als Bezahlung holen. Außerdem darfst du mit ihm nicht über diesen Pakt sprechen.“ Ich nickte unsicher. Regis würde mich nicht verlassen. Zumindest hoffte ich das. Er hatte keinen Grund dazu, oder? Außerdem würde ich ohne ihn sowieso nicht leben wollen.

Er schnippte mit den Fingern und ich wurde von einem weißen Licht eingehüllt. Nach wenigen Sekunden war der Spuk vorbei und der Mann verschwand mit einem kalten lachen, dass im Wind verhallte und mir die Haare zu Berge stehen ließ. War ich jetzt wirklich Unsterblich? Wie testete man so etwas ohne zu riskieren zu sterben, falls dem doch nicht so wäre? Hoffentlich habe ich keinen gewaltigen Fehler gemacht. Ich überlegte eine Weile, aber kam zu dem Schluss, dass ich es wohl irgendwann herausfinden würde und ging zu unserer Wohnung.  

Geralt ließ uns ja noch immer auf seinem Weingut wohnen. Wir zahlten mittlerweile Miete, denn zumindest in diesem Punkt hatte sich der Vampir behauptet und durchgesetzt. Regis konnte extrem ausdauernd sein, wenn er etwas wollte und er gab garantiert nicht einfach auf. Am besten man versuchte erst gar nicht mit ihm zu diskutieren, denn im Grunde konnte man da wirklich nur verlieren. Der Vampir bot Geralt zusätzlich seine Dienste an. Also medizinische Hilfe aller Art, Tipps, Ratschläge, Hilfe bei schwierigen Aufträgen oder einfach nur Gesellschaft.

Regis war noch nicht zurück und ich machte mich fertig und setzte mich dann aufs Bett. Trotz des Wunsches fühlte ich mich nicht anders. Wahrscheinlich hatte der Fremde mich angelogen oder sich einen dummen Scherz erlaubt. Es war trotzdem seltsam, dass er meinen Namen kannte. Vielleicht war er schon einmal in der Praxis? Ich nahm mir das Buch, dass er mir vorher geschenkt hatte und begann es neugierig zu lesen. Die Bücherregale im Zimmer waren bereits übervoll, denn Regis hatte eine Büchersammlung, die selbst die
Bibliothek in der Stadt neidisch gemacht hätte und ich liebte es. Um die für mich noch immer fremde Welt besser zu verstehen, hatte ich begonnen so ziemlich alles zu lesen, was ich in die Finger bekam und seine ausschweifende Sammlung an Büchern half mir dabei enorm.

Als er endlich nach Hause kam, war es bereits sehr spät. Er setzte sich zu mir und musterte mich. „Anise ich..“, aber weiter kam er nicht, denn ohne Vorwarnung wurden seine Augen komplett schwarz und er pinnte mich aufs Bett. Das hatte er bisher noch nie getan zumindest nie ohne Vorwarnung und Erlaubnis von mir. Was war los? Ich zappelte etwas und sah ihm in die unendlich schwarzen Augen, in denen ich mich bereits so oft hoffnungslos verloren hatte, bevor er sich meinem Hals näherte. Warum tat er das? Er trank niemals Blut. Schon gar nicht meines. Das letzte und einzige Mal war vor ein paar Monaten gewesen und damals hatte er die Kontrolle verloren, da er das Blut von Kindern in Wein durch Orianna untergejubelt bekommen hatte. Das war ein ziemlicher mieser Trick von ihr gewesen und sie hatte ihre gerechte Strafe dafür erhalten. Ich wehrte mich natürlich nicht, als er über meine Haut leckte und wartete ruhig ab. Panik würde mich nicht retten und außerdem vertraute ich ihm bedingungslos. Dazu kam noch eine Gänsehaut, da ich ein wenig aufgeregt war. Der Gedanke von ihm gebissen zu werden, stieß mich nicht so sehr ab, wie er es sich wahrscheinlich gewünscht hätte. Allerdings trug ich meine Lebensversicherung nicht bei mir. Die wunderschöne Phiole die mein Leben schützen sollte, lag nutzlos auf dem Nachttisch. Vielleicht sollte ich dafür wirklich eine Kette kaufen, damit ich sie um den Hals tragen konnte. Doch dafür war es nun zu spät. Im nächsten Moment biss er bereits zu und trank mein Blut. Ich spürte deutlich wie es meinen Körper verließ und presste mich ein wenig mehr an ihn. Der Schmerz hielt mich schließlich nicht davon ab es irgendwie zu mögen. Ich wehrte mich nach wie vor nicht, denn ich hätte sowieso keine Chance gehabt, aber eigentlich wollte ich mich auch nicht wehren. Ich wurde langsam immer müder und versank schließlich in einer angenehmen, warmen Dunkelheit.

Regis musterte Anise und etwas in ihm wurde aktiviert, bevor er seinen Satz beenden konnte. Es war wie ein Schalter der umgelegt wurde. Er verlor sofort komplett die Kontrolle und stürzte sich auf sie wie ein wildes Tier. Als er ihr Blut schmeckte, wollte er mehr. Viel mehr. Ihr Blut war noch immer absolut unwiderstehlich für ihn. Er trank unkontrolliert, wie ein Verdurstender und hörte erst auf, als sie bereits ohnmächtig war. Erst dann erlangte er die Kontrolle über seinen Körper und Geist zurück. Was hatte er getan? Warum hatte sie die Phiole die ihr Leben schützen sollte nicht bei sich?
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