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Der Hase im Schafspelz

von ReScripta
Kurzbeschreibung
OneshotKrimi, Familie / P6 / Gen
Kinski OC (Own Character)
24.05.2020
24.05.2020
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Der Hase im Schafspelz



„War das denn nötig?“
Etwas betroffen, deutete der Wüstenhase Kinski auf den leblosen Körper des Bankiers. Der Boden rundherum war noch nass vom Wasser, in das Bill ihn solange getaucht hatte, bis er sich nicht mehr rührte.
Ein Schatten tauchte neben dem Hasen in der dunklen Nacht auf und stieß ihn von der Seite an.
„Lass mal, Mann“, flüsterte sein Kumpel und Bruder Stump ihm zu. „Der hat’s nicht anders verdient.“
„Allerdings“, schaltete sich Bills Stimme ein und kontrollierte nochmal, ob das Eichhörnchen wirklich tot war.
Nachdem er sich vergewissert hatte keinen Puls mehr zu spüren, nickte er seinen drei Lakaien zu. „Der ist k.o.. Wir müssen ihn von hier wegschaffen.“
„Und was ist mit dem Wasser?“, fragte Chorizo, der direkt neben dem Wasserbottich, bei dem es sich um seinen für Menschen Plastik-Wasserspender handelte, stand, und sicherstellte, dass er nicht wegrollte.
Bill winkte abwertend mit der Hand. „Auskippen. Wie so oft. Es hat seinen Dienst für heute erfüllt. Und dann hauen wir ab.“

Es dauerte eine Weile bis die vier bekannten Stadt-Gauner zur Stadt Dreck zurückkehrten. Die Straßen waren dunkel und leer. Perfekt für sie unauffällig sich zu ihren Ruheorten zu begeben, die ihnen Bürgermeister John zur Verfügung gestellt hatte.
Unterwegs kamen sie auch an dem Sheriff-Büro vorbei. Auf Zehenspitzen schlichen sie die Hauswand entlang. Ein leises Schnarchen war aus dem Fenster zu ihnen nach draußen zu hören.
„Ein netter Sheriff“, kicherte Bill dunkel. „Der ist eine noch schlimmere Flasche als sein Vorgänger.“
Kaum hatten sie das Hotel erreicht, fiel Bill auf, dass sie nur zu dritt waren.
„Wo ist Kinski?“
„Oh, der lässt sich entschuldigen“, meldete sich Stump. „Der muss noch ganz kurz was erledigen. Genauer gesagt, sich etwas von der Seele reden.“
Das Gila-Monster lächelte spöttisch. „Wird ihm das nicht langweilig?“
Stump hob die Achseln. „Er wills so.“

Kinski zog an den Zügeln und der Roadrunner kam in einer kleinen Staubwolke zum Stehen.
Direkt vor ihm erhob sich eine helle Steinmauer, die ein kleines Kloster umfasste. In der Nacht wirkte es etwas unheimlich. Nur eine kleine Fackel flackerte am Eingang des dunklen Tores.
Doch der Hase ließ sich dadurch nicht stören. Er stieg ab, band seinen Roadrunner an seinen verstrockenen Baum fest und klopfte an die Tür.
Er brauchte nicht lange zu warten und ein Holzriegel wurde zur Seite geschoben.
Kurz darauf steckte ein älteres Nagetier in einer Mönchkutte den Kopf durch den Türspalt. Dieser schien über die Anwesenheit des Besuchers nicht überrascht zu sein.
„Gott sei mit dir“, grüßte er.
Kinski nickte. „Und mit eurer Seele. Ist Pater Ruben da? Ich muss ihn sofort sprechen.“
Der Mönch schien sowas erwartet zu haben.
„Trete ein.“
Schnell huschte der Wüstenbandit durch die Pforte, sichtlich darauf bedacht nicht gesehen zu werden. Der Mönch verschloss die Tür und trat neben Kinski heran.
„Komm Bruder. Sei so gut und folge mir.“
Gemeinsam überquerten sie einen leeren Platz, der rüber zu einer alten Kirche führte. Sie passierten den Eingang und gelangten in einen großen Saal mit mehreren langen Sitzbänken.
Dann hielt das Nagetier in der Kutte an. „Er wartet im Beichtstuhl.“
Damit entfernte er sich.
Kinski schenkte ihm keine weitere Beachtung mehr und ging schnurstracks auf den Beichtstuhl zu. Dort angekommen zog er den Vorhang beiseite, setzte sich und wartete geduldig. Es dauerte nicht lange und ein Schiebefenster wurde geöffnet, die zusätzlich mit einem feinen Gitter versehen war, sodass man nicht in die andere Box reinsehen konnte, doch Kinski konnte die Gegenwart einer zweiten Person ganz deutlich spüren.
„Vergib mir Vater, ich habe gesündigt“, begann er.
Zunächst herrschte Schweigen auf der anderen Seite, bis sich jemand leise räusperte.
„Offenbare mir deine Sünden, mein Sohn.“
„Nun, ich… oder mehr wir… wir haben einen Mann getötet. Ein ungeplanter Mord! – Nun, vielleicht doch nicht so ungeplant. Er war zu neugierig gewesen… Hey! Bist du noch da?“
Eine schnelle Bewegung auf der anderen Seite des Beichtstuhls und halbschnelle Schritte entfernten sich von ihm.
„Oh Herr im Himmel…“, murmelte die Person.
Kinski schob den Vorhang seines Kämmerchens beiseite und beobachtete wie jemand in weißer Kutte und schwarzem Umhang auf den Schulter-Rückenbereich zum Altar rüberschritt.
„Und schenk ihm die ewige Ruhe“, fuhr er fort.
„Hey!“ Schnell verließ der Bandit den Beichtstuhl und rannte ihm hierher. „Ich war noch nicht fertig!“
Der Priester hielt an und starrte hoch zum Jesuskreuz.
Kinski kam neben ihm zu Stillstand und musterte ihn von der Seite, wie der Mönch mit zusammengelegten Händen nach oben sah. Er war ein Hase genau wie er. Nur viel älter.
Beleidigt verschränkte Kinski die Arme.
„Du könntest mir wenigstens die Absolution erteilen, wenn du schon beim Beten bist.“
Pater Ruben drückte die Handflächen enger zusammen.
„Grund gütiger Vater, so lange war er dem Todschlag und des Mordes ferngeblieben“, murmelte er vor sich hin. „Und dennoch ist der Tag gekommen, an dem ich…“
„Jetzt übertreib mal nicht, Dad…“
Hastig hielt der Priester ihm den Mund zu.
„Ich verbiete dir mich so zu nennen!“, zischte er. „Für dich immer noch Pater Ruben.“
Kinski gab etwas hinter der Handfläche von sich, was man nicht verstehen konnte. Langsam entfernte Ruben die Hand wieder von dessen Mund.
„Deshalb brauchst du mich noch lange nicht so anzuschnauzen“, tadelte ihn Kinski. „Und außerdem, wäre es doch eine Lüge es zu leugnen. Ich kann das jederzeit mit einer Geburtsurkunde beweisen. Na ja, vielleicht auch ein Vaterschaftstest.“
„Bist zu verrückt?“, raunte Pater Ruben ihm zu. „Damit würde ich hier meinen Job verlieren.“
„Job?“ Kinski zeigte sich extrem überrascht. „Du hattest die Mönch-Nummer noch nur übernommen, um vor 15 Jahren unauffällig einen Überfall zu planen. Damals nannte man dich noch Brunoro…“
Pater Ruben hob mahnend die Hand. „Es war eine Tarnung gewesen, ja. Wenn nicht sogar eine Täuschung. Doch dann hab ich begriffen, dass es viel mehr als nur ein Job ist. Es ein Privileg für anderen den Weg der Reue zu ebnen.“
Kinski rieb sich schmunzelnd übers Kinn. „Du bist aber immer noch verheiratet.“
Brunoro warf ihm einen warnenden Blick zu. „Das muss ja keiner wissen. Außerdem hab ich mich jeder außenweltlichen Begehren entzogen.“
„Ach ja?“, fragte Kinski ungläubig. „Also Mum hat mir vor kurzem gesteckt, dass sie und du letztens zusammen…“
„Das reicht jetzt!“, unterbrach ihn sein Gegenüber. „Hier hast du deine Absolution.“
Er murmelte schnell ein Gebet runter und vollführte das übliche Zeichen-Ritual. Nachdem er damit fertig war winkte er ihn weg. „So, und jetzt verzieh dich.“
Kinski zuckte die Achseln. „Na schön.“
Doch bevor er ging, drehte er sich nochmal um. „Nebenbei bemerkt, versteckst du deine Waffe immer noch unterm Kopfkissen?“
Empört schwang sein Vater die Hand nach ihm, die der Wüstenhase kichernd auswich.
„Also dann, grüß Mutter von mir, okay?“
In diesem Moment betrat ein weiterer Mönch das Gebetshaus, weshalb Kinski schnell seinen letzten Satz korrigierte. „Ich meine natürlich, Mutter Maria. Habe die Ehre.“
Damit winkte er zum Abschied und rannte nach draußen.

Stump war noch wach, als er hörte wie jemand leise die Tür aufschob und ins Zimmer schlich. Bill und Chorizo waren schon tief in ihren Träumen versunken. Jeder hatte sein eigenes Bett und das von Kinski stand direkt neben ihm.
Nachdem das Rascheln von Bettdecke und Kopfkissen verklungen war, neigte er den Kopf zur Seite.
„Und? Wie geht’s Dad?“
Kinski hatte die Hände auf den Hinterkopf verschränkt und starrte an die dunkle Zimmerdecke. „Wie immer.“
„Und Mutter?“
„Hat alles abgestritten, aber ich weiß, die beiden waren letztens auf dem Rose Western Ball gewesen.“
Stump schmunzelte.
Kinski spürte sein Grinsen und lächelte ebenfalls.
Dann holte er seine Revolver aus dem Gürtel und schob sie unter sein Kissen. So wie sein Dad es ihm beigebracht hatte.
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