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Drei Tage Hamburg

KurzgeschichteAllgemein / P16 / MaleSlash
Boris Saalfeld Tobias Ehrlinger / Saalfeld
24.05.2020
13.06.2020
4
10.566
14
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24.05.2020 2.794
 
Wat mutt, dat mutt! Und was raus muss, das muss eben raus. Ein Instragram-Beitrag, eine kleine Anmerkung dazu von mir, und schon war’s passiert. Da hatten sich Szenen in meinem Kopf festgesetzt, die nach einer kurzen Geschichte schrieen. Zu viel für einen Oneshot ;-), genug für drei Kapitel, vielleicht noch einen Epilog – mehr wird es hier nicht geben. Deshalb jetzt also kurz etwas für zwischendurch. Ich hoffe, euch gefällt’s.

PS: Es ist der Versuch eines Plädoyers für Tim.

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Samstag. Wochenende. Frei. Noch ehe Tobias die Augen öffnet weiß er, dass es viel zu früh ist um aufzustehen. Nichts könnte ihn aus dem Bett treiben und zu gerne würde er noch eine Mütze voll Schlaf nehmen – wäre da nicht diese vorwitzige Hand, die mit zarten Berührungen kleine Herzen auf seine Schulter malt und dann zielstrebig nach unten wandert. Sacht liebkost diese Hand schließlich auch seinen Po, streicht langsam die Ritze auf und ab, wird immer forscher und stupst dann und wann und scheinbar unbeabsichtigt seine Kronjuwelen. Noch stellt er sich schlafend, gibt dabei leise brummende Geräusche von sich und verändert fast unmerklich seine Lage, um der eifrig forschenden Hand einen noch besseren Zugang zu ermöglichen.
„Tu doch nicht so, als ob du noch schlafen würdest“ murmelt Boris erheitert.
Tobias bemüht sich, seinen Atem gleichmäßig ruhig und tief zu halten, obwohl das bei der vorfreudigen Erregung sekündlich schwieriger wird.
„Das glaubt dir doch kein Mensch.“
„Hrrrmmm“
Mehr als dieses Brummen lässt Tobias sich nicht entlocken, dafür verringert er die Distanz um sich zärtlich anzuschmiegen und stellt gleichzeitig wie zufällig ein Bein auf. Sofort nutzt Boris die sich dadurch auftuende  Möglichkeit, greift weiter nach vorne, umfasst Tobias’ harte Männlichkeit und beginnt mit einer sanften Massage.
„Quicky am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen.“
Tobias lacht auf; an Schlaf, und sei er auch nur gespielt, ist nicht mehr zu denken.
„Also echt Boris, wer redet denn von Quicky? Und welcher Kummer? Welche Sorgen?“
In einer raschen Bewegung rollt Tobias zur Seite, schnappt nach Boris Hand, die durch diese Drehung den Kontakt zu seiner Mitte verloren hat und legt sie augenblicklich wieder an Ort und Stelle. Sofort greift er in Boris’ Schoß, spürt auch dort deutliche Erregung, die er hingebungsvoll massiert. Sie lieben es, sich dabei in die Augen zu sehen, das Begehren darin zu entdecken, das Flattern der Lider, den umwölkten Blick, das Nahen des Höhepunktes, begleitet von leisem Stöhnen, das immer heftiger und lauter wird bis schließlich die Erlösung sie geräuschvoll überrollt. Eine Weile bleiben sie noch so liegen, lassen den Atem ruhiger werden, lächeln sich an und streicheln sich zärtlich, beide dankbar für diese von ihnen so geschätzte Morgenentspannung.
„Ich liebe dich.“
„Ich liebe dich auch.“

Eine Weile ist es still. Tobias lässt Bilder ihres spontanen Urlaubs an sich vorüberziehen, eine Reise, die Boris als verspätete Flitterwochen bezeichnet.
„So paradiesisch es in Thailand war und so sehr ich die Zeit dort mit dir genossen habe, irgendwie finde ich es auch schön, wieder hier zu sein.“
Boris nickt zustimmend.
„Ich hätte nicht gedacht, dass mich Hamburger Regen mal so erfreuen kann. … Ich war mir übrigens ziemlich sicher, wir würden nach ein paar Wochen ziemlich genervt voneinander sein und aggressiv aufeinander losgehen. Schließlich sind wir’s nicht gewohnt, so lange so eng aufeinander zu hocken. Aber ich hätte es noch eine Weile mit dir aushalten können.“
Tobias grinst. Hin und wieder, um nicht zu sagen täglich mehrfach, hätte er Grund gehabt genervt zu sein. Das lag weniger an Boris als vielmehr an seinem Zwilling Tim, der ein paar mal am Tag anrief, um alle möglichen Fragen mit Boris zu klären, irgendwelche Arbeiten zu delegieren, für die ihm das nötige Hintergrundwissen fehlte, oder einfach nur um sein Herz auszuschütten. Ohne zu maulen war Boris jederzeit bereit zuzuhören und mit Rat und Tat zu helfen. Doch, es hätte für Tobias mehr als einen Grund gegeben, sich genervt und wie das fünfte Rad am Wagen zu fühlen. Zu gerne würde er diesen Teufelskerl namens Tim mal kennenlernen, der so viel Macht über Boris besitzt.

Eigenlob stinkt, Tobias weiß das. Dennoch kommt er nicht umhin sich selbst zu versichern, wie viel Glück Boris mit ihm hat. Welcher Mann hätte ohne zu Murren hingenommen, dass ein Kurztrip des Partners zu seiner Familie sich Tag für Tag weiter verlängert? Hätte einen Identitätstausch des Liebsten mit dessen Zwillingsbruder akzeptiert, ein Bäumchen-wechsle-dich, das ja auch bedeutete, als Mordverdächtiger zu gelten und von der Polizei gesucht zu werden, selbst wenn es nur ein Mordversuch war? Welcher Mann, noch dazu mit körperlicher Beeinträchtigung, hätte innerhalb von zwei Tagen alles für eine längere Abwesenheit Nötige geregelt, den Hund bei Freunden untergebracht, die Koffer gepackt und wäre seinem Schatz ohne zu meutern um die halbe Welt nachgereist? Hätte die ständige Angst vor Entdeckung, die Boris nur selten richtig zur Entspannung kommen ließ, mit beruhigenden Worten vertrieben, obwohl selbst nie ganz befreit von dieser Sorge? Zufrieden mit sich selbst streicht Tobias, der inzwischen unter der Dusche steht, über seinen Körper, um den restlichen Seifenschaum abzustreifen. Dabei erfreut er sich wieder einmal an seiner nahtlosen Bräune. Was für ein Glück, haben sie doch kurz nach ihrer Ankunft in Thailand eine einsame kleine Bucht entdeckt, in der sie sich frei von jeglicher Verhüllung dem Wind, der Sonne und mitunter auch einander hingeben konnten.

Zurück im Schlafzimmer, angezogen und mit Orthese versehen, steht Tobias eine ganze Weile vor dem Bett und schaut mit einem warmen Gefühl im Bauch auf den zufrieden lächelnden und wieder selig schlummernden Boris.
„Schatz … das Bad ist frei. Ich mache jetzt Frühstück.“
Schatz jedoch denkt gar nicht daran, auf diese Aufforderung zu reagieren. Deshalb zieht Tobias dem immer noch dösenden Boris die Bettdecke weg, genießt ein paar Sekunden den Anblick seines nackten und ebenfalls nahtlos braunen Mannes, um ihn dann mit einem Klaps auf den Po aus dem Bett zu treiben.
„Los, los. Jetzt aber raus aus den Federn.“
Boris grunzt widerwillig, schwingt aber dennoch seine Beine aus dem Bett und macht sich taumelnd und ziemlich verschlafen auf den Weg ins Bad. In das Rauschen aus dem Badezimmer und das gurgelnde Zischen der Kaffeemaschine mischt sich wenig später ein zaghaftes Klingeln an der Tür. Tobias öffnet und erstarrt für einen Moment.
„Boris!!! … Ich denke du duscht. … Dann muss ich mal nachsehen, wer sich da gerade im Badezimmer tummelt. Komm rein.“
Der so Angesprochene folgt Tobias ins Wohnzimmer und lässt sich dort ausgiebig von Kopf bis Fuß taxieren. Auch der Hund schaut irritiert auf den Besucher, läuft zum Badezimmer, legt sich flach auf den Boden, schnuppert durch den Spalt unter der Tür, kommt zurück, um nun auch dort noch einmal eine Duftprobe zu nehmen und blickt dann fragend zu Tobias auf.
„Tim … schön, dich endlich kennenzulernen. Entschuldige, ich wusste ja, dass ihr … gleich ausseht, aber das … das haut mich jetzt um. Darf ich dich kurz in den Arm nehmen?“
Tim nickt, lässt die Umarmung widerstandslos über sich ergehen ohne sie zu erwidern, stellt erst dann seine Reisetasche ab und wird von Tobias in einen Sessel bugsiert.
„Ich nehme an, du hast nichts gegen ein kräftiges Frühstück.“
„Danke.“
Es ist das erste Wort, das Tim spricht.
„Jaaaa… richtig! Boris hat mir schon erzählt, dass du mitunter ein ziemliches Plappermaul bist.“
Tim lächelt angestrengt.
„Kann ich ein paar Tage bei euch bleiben?“
„Natürlich kannst du das.“

„Schatz, wer war das?“
Boris hat das Badezimmer inzwischen verlassen und ist auf der Suche nach seinem Mann.
„Ach, nur mein Liebhaber. Er will wissen, ob ich ein bisschen Zeit für ihn habe.“
„Von mir aus gerne. Aber kannst du schon wieder?“
Tim, der den Wortwechsel der Beiden interessiert verfolgt, schenkt Tobias ein belustigtes Lächeln und steht auf. In diesem Moment erscheint Boris, seine nassen Haare trocken rubbelnd und nur mit einem Handtuch um die Hüfte, im Wohnzimmer und entdeckt Tim. Das Handtuch in seiner Hand fällt auf den Boden, die Brüder laufen wie von Magneten angezogen aufeinander zu, umarmen und drücken sich und wollen sich gar nicht mehr loslassen. Tobias sieht nur den noch feucht schimmernden Rücken seines Mannes, vereinzelte Wasserperlen, die dem Handtuch noch nicht zum Opfer gefallen sind und eine Hand, die nicht seine eigene ist und liebevoll darüber streicht. Er weiß nicht, ob ihm dieses Bild gefällt. Noch nie musste er zusehen, wie sein halbnackter Mann von einem anderen liebevoll in den Arm genommen und geherzt wurde. In Thailand war Tim fern, eine abstrakte Größe, hier und jetzt ist die enge Bindung der Brüder, die sich noch gar nicht so lange kennen, deutlich sicht- und spürbar und Tobias fühlt sich irritiert.

„Ach Schatz, das ist übrigens Tim. Tim, das ist mein Mann Tobias.“
„Ach was“ tönt es aus zwei Kehlen, und Tobias legt noch ein „gut, dass du es sagst“ nach.
„Ich ziehe mich schnell an und gehe Brötchen holen. Am besten, ich nehme den Hund mit, dann  können wir anschließend in Ruhe quatschen.“
„Das kann ich doch auch alles machen, Boris, dann habt ihr Zeit für euch.“
Tim geht einen Schritt auf Tobias zu.
„Es ist mir egal, wer von euch zum Bäcker geht. Aber wenn ich erzähle, was mich zu euch treibt, dann möchte ich euch gerne beide dabei haben. Du bist Boris’ Mann … deshalb vertraue ich dir … und außerdem … ich möchte dich nicht ausschließen. … Für Boris ist es auch besser, wenn du dabei bist. Er muss sich dann gar nicht erst fragen, was er dir erzählen darf und was nicht.“

Tobias ist berührt von Tims Worten. Hat er ihn bislang eher als großen Ich-nehme-was-ich-kriegen-kann-Menschen wahrgenommen, so begegnet ihm jetzt ein ernsthafter und nachdenklicher Mann, der das Wohl seiner Mitmenschen durchaus im Blick hat und bereit ist, im Interesse von Boris seine Zurückhaltung aufzugeben. Jeder Mensch der Boris Gutes tut hat bei Tobias schon gewonnen. Und von einem Menschen, dem man eben das erste Mal begegnet ist, einen so großen Vertrauensvorschuss zu erhalten, ist ein schönes Gefühl. Vermutlich weiß Tobias sehr viel mehr über Tim als umgekehrt, denn oft genug hatte Boris nach langen Telefonaten mit Tim den Rat seines Mannes gesucht. Tims Vertrauen zu Tobias ist also umso mehr zu schätzen.

Während Boris mit dem Hund das Haus verlässt, beginnt Tobias den Frühstückstisch zu decken.
„Kann ich dir was helfen?“
„Eigentlich nicht. Bring vielleicht einfach schon mal deine Reisetasche ins Gästezimmer. Boris kann Unordnung und Chaos nicht leiden.“
„Oh ja, ich weiß.“
Beide prusten los, geeint durch die liebevolle Betrachtung von Boris’ Ordnungsmacke.
Dann wird Tobias wieder ernst.
„Danke, dass du mich mit einbeziehst. Es bedeutet mir viel.“
Wieder zeigt sich Tim sehr wortkarg, nickt nur und lächelt ein wenig.

Wenig später sitzen sie am Frühstückstisch. Nachdem der erste Hunger gestillt ist, die erste Tasse Kaffee die Lebensgeister geweckt hat, beginnt Tim zögerlich zu erzählen und rollt das Feld von hinten auf. Gleich nach der Beisetzung von Nadja habe er sich die schon gepackte Reisetasche geschnappt, sich ein paar Stunden auf dem Münchner Bahnhof herumgetrieben und dann den Nachtzug nach Hamburg genommen. Er habe kein Auge zugetan, lediglich ein wenig gedöst, dafür aber viel Zeit zum Nachdenken gehabt. In Bichlheim sei ihm nach den Ereignissen der letzten Tage die Decke auf den Kopf gefallen und er habe es dort nicht mehr ausgehalten. Ihm sei nur ein einziger Mensch auf der Welt eingefallen, bei dem er in diesem Moment sein wollte … bei dem er glaubte gut aufgehoben zu sein … und zu dem sei er nun gefahren. Tobias nickt verständnisvoll, Boris greift gerührt nach Tims Hand und drückt sie in brüderlicher Verbundenheit.

Je länger Tim spricht, umso leichter fällt es ihm, umso schneller verlassen Worte und Sätze seinen Mund. Kaum macht er Pause, um Fragen oder Anmerkungen zuzulassen, allerdings spüren seine Zuhörer das Bedürfnis, sich durch Reden zu entlasten und hören deshalb aufmerksam zu, nicken ab und zu bestätigend und lassen hin und wieder ein „versteh ich“ oder „klar“ als Zeichen ihrer Aufmerksamkeit vernehmen. Tim erzählt von seiner Zeit als Boris, den Bemühungen, wie sein Bruder zu sein, den Schwierigkeiten sich zurückzunehmen, Impulsivität zu vermeiden, jegliches Wissen über Pferde für sich zu behalten und, schlimmer noch, Nero links liegen zu lassen, wie Boris zu reden und zu handeln und die eine oder andere Geste zu übernehmen – ein Bericht, der Tobias erheitert und breit grinsen lässt. Tobias bedauert sehr, das nicht miterlebt zu haben und nimmt sich vor, Tim zu einem späteren Zeitpunkt um eine Demonstration dieser Bemühungen und speziell der Gestik zu bitten.

Christoph habe sich ihm als vermeintlichem Boris anvertraut, von seinen Zweifeln an Tims Unschuld gesprochen, was Tim als sehr verletzend empfand. Paul an seiner Seite, von ihm schon sehr früh enttarnt, erwies sich als Vor-Ort-Fels in der Brandung. Auch Franzis Zuneigung und ihr Glauben an ihn und seine Unschuld gaben ihm immer wieder die Kraft um weiterzumachen. Nadja beim Lügen zu ertappen und seine zunehmenden Zweifel an ihrer Loyalität hätten ihn verstört. Ihre übertriebene Schilderung der großen Liebe zum fernen Tim, ohne andererseits im Alltag sichtbare Zeichen der Trauer über seine Abwesenheit und den auf ihm lastenden Verdacht trugen zusätzlich zu seiner Verunsicherung bei. Nach allem, was er für sie getan hatte … sie nach dem Tod von Ralf aufzufangen … immer für sie da zu sein … sie auch ohne wirkliche Liebe sondern mehr aus Verantwortungsbewusstsein  zu heiraten, um ihrem Kind … das es so vermutlich nie gab … und ihr eine Familie zu geben … er hätte nicht im Traum daran gedacht, dass sie ihm in den Rücken fallen könnte. Und sie dagegen … ein Verhältnis mit Dirk … eine Schwangerschaft vorgetäuscht … später eine Fehlgeburt verschwiegen … das habe ihn fertig gemacht. Am Schlimmsten getroffen habe ihn allerdings die Tatsache zu erfahren, dass Nadja den Anschlag auf Dirk verübt habe und diese Tat ihrem angeblich so geliebten Ehemann skrupellos in die Schuhe schieben wollte.

An dieser Stelle verharrt Tim in düsterem Schweigen. Tobias nutzt den Moment, um den Tisch abzuräumen und für Getränkenachschub zu sorgen, während Boris ganz einfach Tims Hand hält und ihm von Zeit zu Zeit über den Rücken streicht. Dann redet Tim stockend weiter, berichtet von seiner Zuneigung zu Franzi, der Eifersucht auf jeden, der ihr zu nahe kam und die er nicht zeigen durfte … was nicht immer gelang … dem Glücksmoment, als auch Franzi ihn enttarnte und der Nähe, die sofort wieder da war … dem noch größeren Glücksgefühl, als die Wahrheit über den Anschlag auf Dirk ans Licht kam und seine Unschuld bewies. „Ich war in ständiger Sorge um euch … ja, auch um dich Tobias … und ihr könnt euch kaum vorstellen wie erleichtert ich war, euch endlich wieder in Sicherheit zu wissen. Meine Zukunft … mit Franzi … lag in rosaroten Farben vor mir. Und dann kam der Tag, an dem Nadja verunglückte. Sie ist … in meinen Armen gestorben … und ihre letzten Worte galten Franzi … die sie angeblich geschubst habe. … Sie hat es … bei ihrer … Liebe zu Ralf geschworen.“ Wieder schweigt Tim, kämpft mit seinen Emotionen und Boris und Tobias geben ihm die Zeit. „Diese Behauptung von Nadja geht mir nicht aus dem Kopf. Ich weiß nicht, was ich denken soll. Bin ich naiv, wenn ich Nadja glaube … nach allem, was sie sich geleistet hat … kann ich Franzi glauben die sagt, Nadja sei unglücklich gestürzt? Ich weiß es einfach nicht. Franzi hat ein Gespräch von mir mit Paul belauscht und weiß, wie verunsichert ich bin. Sie hat sich … sie hat sich von mir getrennt, kaum dass wir zusammengekommen sind, weil sie mit meinem Mangel an Vertrauen nicht klarkommt.“

Wieder schweigt Tim. Tobias findet als erster Worte.
„Bisschen viel für einen alleine. Es ist gut, dass du zu uns gekommen bist. Vielleicht können wir dir etwas beim Denken helfen, zumindest aber können wir dir einfach nur zuhören.“
Tim nickt dankbar und greift nach Tobias Hand, drückt sie leicht, Boris strahlt seinen Schatz nur voller Liebe an und schickt ihm einen Luftkuss.
„Was haltet ihr davon, wenn wir das erst mal setzen lassen und später weiterreden. Wir könnten gleich einen schönen Spaziergang machen, der Hund muss sowieso raus. Und anschließend gehen wir zum Essen und vielleicht noch irgendwo was trinken. Tim? Tobi?“
„Gute Idee“ meint der eine, „klingt gut“ der andere.

Nach einem ausgedehnten Spaziergang gönnen sie sich einen Aperitif in einer Bar, schlemmen sich durch die Speisekarte ihres Lieblings-Griechen, lassen immer wieder neuen Wein kommen und amüsieren sich köstlich über die Flirtversuche einer Damenriege am Nachbartisch, uneins darüber, wer von ihnen nun das Objekt der Begierde ist.
„Es muss doch bitter sein, so angeschmachtet zu werden und ‚nein’ sagen zu müssen, nur weil die Bewunderer Busen statt Schwanz haben“ meint Tim, und zum ersten Mal an diesem Tag sehen sie ihn laut und herzhaft lachen.
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