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WAR OF HEARTS

von Shikuro
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
Elijah Kamski Gavin Reed OC (Own Charakter) Tina Chen
23.05.2020
24.06.2020
3
10.232
 
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23.05.2020 3.340
 


Vorwort [bitte Lesen]

Nach langer Zeit auf Tumblr begeistere ich mich immer mehr für die Idee, dass Elijah und Gavin Brüder bzw Halbbrüder sind. Ebenso finde ich die der beiden Charaktere in jungen Jahren sehr spannend. Wie waren die beiden vor dem originalen Spiel? Warum hasst Gavin die Androids so sehr?

Diese Geschichte handelt von der Vergangenheit und Gegenwart der beiden ungleichen Brüder. Ich bring einen OC ein, da es so für mich am einfachsten ist, diese Geschichte zu erzählen. Der OC wird auch unterschiedlich, je nach Zeitperiode und Charakterentwicklung handeln :)

In dieser FF werden wir Gavin als jungen, noch nicht ausgereiften Polizisten-Anwärter kennen lernen und Elijah dabei zusehen, wie er CyberLife Stück für Stück aufbaut. Da wir wenig von den beiden als Teenagern bzw junge Erwachsene wissen, kann es etwas OOC rüber kommen, aber ich gebe mein Bestes um so nah wie möglich an den Charakteren dran zu bleiben.

Die Geschichte wird viele Zeitsprünge haben, da die FF generell über mehrere Jahre spielt, deswegen werde ich vor neuen Zeitsprüngen immer das genaue Datum hinschreiben.

Eine letzte Sache: Eigentlich sind Gavin und Kamski im Spiel beide 2002 geboren, hier hab ich das etwas verändert. Gavin ist etwas älter, Elijah ist ebenfalls etwas älter und wird die Uni mit 18 anstatt mit 16 abschließen.
Ansonsten viel Spaß beim Lesen.




Vergangenheit / 20.08.2018, 09:29 Uhr, Campus der Colbridge Universität

Verdammt, wo war denn der bescheuerte Vorlesungsraum?
Zum bestimmt dritten Mal schaute ich auf das Blatt, dass ich vor Monaten in meinem Briefkasten gefunden hatte. Ich mochte vielleicht einigermaßen intelligent sein, aber mit Orientierungssinn war ich definitiv nicht gesegnet.
Ich fragte ein bisschen auf dem Campus rum. Zwei nette Mädchen zeigten mir schlussendlich den Vorlesungsraum.

Ich schaute auf meine Smartwatch, es war 09:38 Uhr. Jetzt war ich schon 8 Minuten zu spät.
Ich atmete tief ein und krallte meine Fingernägel in die Handfläche. Es war echt peinlich am ersten Tag zu spät zu kommen.

Mit einem letzten tiefen Atemzug drückte ich die Holztür auf und fand mich in einem der riesigen Räume der Colbridge Universität wieder. Mehrere Hundert Schüler befanden sich in dem riesigen Raum und ein paar schauten nach hinten, als sie hörten, dass die Tür ins Schloss fiel. Schnell setzte ich mich in eine der hinteren Reihen und breitete meine Sachen aus. Nächstes mal würde ich nicht bis halb 3 Uhr morgens aufbleiben und verdammte Bücher lesen.

Ich hatte gar nicht gemerkt, dass noch jemand in der Reihe saß. Zwei Stühle weiter saß ein junger, gutaussehender Mann in einer schwarzen Stoffjacke und Jeans der mich lächelnd ansah. Ich fühlte mich etwas peinlich berührt, doch sein Lächeln war warm und verständnisvoll, also lächelte ich kurz zurück um mich dann dem Professor vorne zu widmen und mein Herz zu beruhigen.

Ich wusste genau was der Mann neben mir sah. Ich sah wahrscheinlich wie durchgekaut und ausgekotzt aus. Ich hatte meine braunen Haare zu einem lockeren Dutt zusammen gemacht und wirklich viel Schminke hatte ich heute auch nicht zustande bringen können. Außerdem hatte ich einen schlabbrigen Pulli an und zu guter Letzt auch noch meine Leggings, in der ich gestern Nacht einfach eingeschlafen worden bin.

Die Lesung handelte von artifizieller Intelligenz und wie sie die Psyche von Menschen um ihr herum beeinflusste. Alexa, Google, ja, selbst Youtube gehörte zum Thema dazu.

Ich nahm so viel mit wie ich nur konnte in der Stunde. Es war meine erste offizielle Vorlesung. Ich hatte mich schon Monate vor meinem Studium mit dem Thema befasst und jetzt war ich endlich bereit mich auf meine Zukunft vorzubereiten.

Nach einer Stunde war die Vorlesung vorbei und ein paar hundert Leute standen auf, um den Raum zu verlassen.
Ich wollte auch grade gehen, als ich eine Stimme hinter mir hörte. "Ich glaube, du hast was verloren."
Verwundert drehte ich mich um. Der Mann, der ein paar Sitze weiter von mir saß, hielt mir eine Karte hin. Das war die Schlüsselkarte, um in mein Zimmer zu kommen.

"Oh", sagte ich kurz angebunden und nahm sie ihm entgegen. "Danke."

Der Mann hatte etwas längere Haare und in einem Männer-Dutt zusammen gebunden, allerdings sah es bei ihm gut aus. Es war nicht dieses Hippster-Dingen, was die ganzen Vollidioten in meinem Alter trugen.

Er hatte ein weißes T-Shirt mit einer schwarzen Stoffjacke und blauen Jeans an. Sein Lächeln war offen und seine blauen Augen schauten mich direkt an. Ich bekam mit, wie sie mich kurz scannten.

"Kein Problem. Ich denke, du hast das verloren, als du in den Raum gekommen bist, allerdings wollte ich bis nach der Vorlesung warten, Ava-Marie."

Ich zog die Augenbrauen hoch. Als er meinen verwirrten Blick sah, sah er mich entschuldigend an. "Das stand auf der Karte drauf. Raum 358?"

Ich schaute mir die Karte an und und nickte dann. "Stimmt du hast recht."

Ich hatte gar nicht gemerkt, dass der Mann mit mir aus dem Raum gegangen war und wir nun im Flur der Uni standen.

"Ich bin übrigens Elijah. Elijah Kamski. Ist ja nur fair, dass du jetzt auch meinen Namen kennst, oder?" Er machte eine entschuldigende Geste mit den Armen.

"Freut mich Elijah. Erstes Jahr hier?"

Er lachte freundlich und wir gingen durch die mittlerweile leeren Fluren. Ich hatte jetzt eine Freistunde und die anderen Studenten waren schon alle in ihren Lesungen. "Nein, ehrlich gesagt, ist das schon mein letztes Jahr an der Uni."

Ich zog die Augenbrauen hoch. Er sah noch gar nicht so alt aus? "Wirklich? Wie alt bist du denn, wenn ich fragen darf?"

"Natürlich. Ich bin 18."

Mittlerweile befanden wir uns draußen auf dem Gelände. Es war ein schöner Spätsommerlicher Tag und die Vögel zwitscherten, als gäbe es keinen Morgen.

Er war 18? Und dann so höflich? Und im letzten Jahr?

"Ich bin beeindruckt, Elijah Kamski.", gab ich zurück und grinste ihn an. Und meine Eltern erwarteten, dass ich mit 19 bereits alles im Leben erreichen sollte. Die hätten sich wahrscheinlich so ein schlaues Kind wie Elijah gewünscht.

Wir unterhielten uns noch ein wenig über den Professor. Elijah schien wirklich intelligent zu sein, seine Ausdrucksweise war bedacht und höflich. Irgendwie war ich etwas fasziniert von ihm. Anscheinend merkte er es auch, denn immer wenn er sah, dass ich ihn musterte und an seinen Lippen hängen blieb, weil er etwas interessantes sagte, erschien ein Lächeln auf seinem Gesicht.

Ich hatte gar nicht gemerkt, dass wir nun vor dem Studentenheim standen.
"Es war nett mit dir zu reden, Ava-Marie.", sagte Elijah und schenkte mir ein letztes Lächeln.

Ich nickte. "Es ist wirklich erstaunlich, dass du bald schon fertig bist und mit 15 die Highschool abgeschlossen hast, wirklich heftig."

"Von dem was du mir grade erzählt hast, bist du aber auch kein unbeschriebenes Blatt."
Ich lächelte ihn dankend an. Was ein netter Kerl.

Ich verabschiedete mich von ihm. Wahrscheinlich würde ich ihn in den anderen Vorlesungen noch sehen. Er meinte, er musste auf eine gewisse Stundenanzahl kommen, um die Uni abzuschließen und war deswegen in manchen Erst-Semester-Vorlesungen zu finden.

Ich schaute aufs Handy und ging in den Flur, um wieder in meinen Raum zu finden.


20.08.2018, 10:55 Uhr, Studentenwohnheim

Ich fragte mich, wann ich meine Mitbewohnerin bekam? Ich starrte das Leere Bett am anderen Ende des Zimmers an. Ich hatte gehört, dass die Universität aufgrund von Geldproblemen mit anderen Instituten zusammen arbeitete um noch mehr Studenten, die nicht das Geld für eine eigenen Wohnung hatten, aufzunehmen. Es war nicht so, dass ich nicht das Geld für eine Wohnung hatte, meine Eltern waren nicht grade arm. Aber ich wollte etwas menschlichen Kontakt und meine Uni-Zeit genießen. Und vielleicht etwas sozialer werden.

Ich wollte grade ein wenig Lesen, als die Tür aufgestoßen wurde und mich hochschrecken lies.
Eine kleine Asiatin stand im Türrahmen und zog einen riesigen Koffer hinter sich her. Mit einem Schnaufen kam sie ins Zimmer rein und lies sich aufs Bett fallen.

Ich wartete einen Moment. Hatte sie mich nicht bemerkt?
"Hi?", fragte ich.
Ihr Kopf schnellte nach oben. Sie hatte kurz, schwarze Haare und ein freundliches Gesicht. "Hi!"

Schnell stand sie auf, um mir die Hand zu geben. "Hi! Ich bin Tina, deine Mitbewohnerin."

Ich ergriff sie und drückte sie feste. "Hi, ich bin Ava."

"Freut mich! Meine Güte, ist dir auch so warm wie mir?" Sie lies sich wieder aufs Bett fallen und kramte in ihrem Koffer rum.

Ich stand auf und machte das Fenster etwas auf, während ich beobachtete wie sie ihre Kleider sortierte.
"Was studierst du?", fragte ich neugierig. Ich hoffte aber auch, dass wir uns super verstehen würde. Immerhin würden wir für mindestens ein Jahr zusammen wohnen.

Tinas Kopf für hoch und sie grinste. "Eigentlich gar nichts. Ich möchte Polizisten werden und die Akademie ist hier gleich um die Ecke. Die Universität stellt uns Wohnungen zur Verfügung. Als Anwärter hast du nicht grade die Kohle für ne 5-Sterne-Villa."

Ich zog die Augenbrauen verblüfft hoch. Polizeianwärter? Oh, wow. Das hätte ich auch gerne gemacht. Aber wenns von meinen Eltern aus ging, sollte ich mich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen, da das zukunftssicherer war. Auch wenn ich immer schon gerne als Cop gearbeitet hätte.

"Was machst du, Ava?", zog mich Tina wieder aus meinen Gedanken.

"Ich studiere artifizielle Intelligenz." Zumindest würde ich das aufgrund des Wunsches meiner Eltern machen.
Sie legte den Kopf schief und sah aus, als würde sie nicht genau verstehen, also holte ich etwas weiter aus.

"Künstliche Intelligenz, Computer, Psychologie und menschliches Verhalten, vor allem Abhängigkeit gegenüber der Technologie."

Tina grinste. "Jetzt versteh ich dich ein wenig besser."

Ich setzte mich wieder auf mein Bett und wir redeten ein wenig über unsere Studienfächer. Sie schien mir nett zu sein. Das war gut. Ich hoffte, dass wir Freunde werden würden. Ich hatte nicht wirklich viele Freunde hier, da ich erst vor kurzen hier hin gezogen war.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, schaute ich auf mein Handy. Ich hatte gleich gegen 13 Uhr die nächste Vorlesung.
Ich stand auf und wollte mich fertig machen. Schnell verabschiedete ich mich von Tina und wollte grade zur Tür durch, als ich ich dummerweise nach unten schaute und gegen jemanden knallte.

"Pass doch auf.", sagte ich wütend und schüttelte mit dem Kopf - als ich hochsah, konnte ich zwei braune Augen sehen, die mich akribisch scannten.

Der Typ vor mir hatte ein schwarzes T-Shirt an und braune, zurückgekämmte Haare. Er roch stark nach Männerdeo und ich ging ein paar Schritt zurück.

"Pass doch selber auf.", gab er trocken zurück und ging einen Schritt vorbei in mein Zimmer. Verwirrt drehte ich mich um und sah, dass der Typ mit verschränkten Armen sich nun auf mein Bett fallen gelassen hatte. Was sollte das?

"Gavin, ich hab dir gesagt, ich hole dich später bei dir im Zimmer ab. Du hättest nicht kommen sollen", sagte Tina beschwichtigend und stand von ihrem Bett auf. Der Raum war nicht allzu groß, aber immerhin groß genug für 3 Leute. Dann sah Tina mich entschuldigend an. "Das ist Gavin, er ist auch Polizeianwärter."

Gavin warf mir einen kurzen, desinteressierten Blick zu. Dann wandte er sich wieder Tina zu. "Ich wollte gucken, ob du nicht ne heiße Mitbewohnerin hast. Sieht aber nicht so aus." Er lachte kurz trocken und zuckte dann mit den Schultern.

Bitte? Ich fühlte, wie sich meine Fingernägel in meine Hand bohrten. Ich hatte mich vielleicht für den ersten Tag nicht wirklich heraus geputzt, aber sowas musste ich mir ja nicht in meinem eigenen Zimmer gefallen lassen.

Ich war vielleicht einigermaßen intelligent, aber Geduld für Arschlöcher gehörte nicht zu meinen Tugenden. Also ging ich ein paar Schritte nach vorne und verschränkte ebenfalls die Arme vor der Brust.

Tina beobachtete mich interessiert und dieser Gavin starrte einfach nur grade aus an die Wand, während ich mit ihm redete. "Wenn die Polizei keine besseren Anwärter als dich findet, sind wir eh alle verloren."

Dieser Satz lies ihn dann doch mich anschauen. Braun traf auf Blau und ich spürte etwas Kribbeln in meinem Bauch, als er plötzlich aufstand. Er stellte sich vor mich hin und ich stellte fest, dass er einen Kopf größer war als ich. Er kam mir so nahe, dass ich ihn riechen konnte. Männerparfüm und Kaffeegerucht stieg mir in die Nase. In seinem Gesicht konnte ich Andeutungen von Sommersprossen erkennen, doch nur wirklich sehr leicht.

"Hör zu, Kleine. Du solltest lieber nett zu mir sein. Ansonsten, wenn du das nächste Mal bei der Polizei anrufst, weil du kurz davor bist vergewaltigt oder ermordet zu werden, dann stelle ich sicher, dass du niemals die Hilfe bekommst, die du brauchst." Seine Stimme war ruhig, doch seine Augen sahen wild in meine.

Ich spürte, wie sich meine Nackenhaare aufstellten und ich mir auf die Lippen biss. Er war etwas einschüchternd, aber nicht genug um mich zu brechen. Definitiv nicht genug, um das zu schaffen.

Ich wollte grade etwas zurück geben, als Tina zwischen uns sprang. "Reed, benimm dich gefälligst." Sie drückte den größeren von mir weg. Tina war im Gegensatz zu uns beiden definitiv die Kleinste.

Der Typ lachte schallend und grinste mich dann an. "Ist doch nur Spaß gewesen. Jungfrauen in Not würde ich immer helfen." Er zwinkerte mir zu und ich spürte etwas Röte in meinen Wangen aufsteigen. Was war denn mit dem Typ los?

"Tut mir Leid, Ava. Lass dich nicht von Gavin ärgern.", sagte Tina entschuldigend.

Ich versuchte auf cool zu tun und zuckte mit den Schultern. "Von so welchen unreifen Bemerkungen lass ich mir nicht den Tag zerstören, alles gut, Tina." Ich lächelte erst die Asiatin an bevor ich Gavin ein süffisantes Lächeln zukommen lies. Anscheinend hatte er es nicht erwartet, denn erst schaute er etwas verwirrt rein und grinste dann in sich hinein. Eigentlich war ich eine nette Person. So würden mich zumindest meine Highschool-Freunde beschreiben. Allerdings liebte ich es trotz allem sarkastische Bemerkungen zu liefern, wenn ich nicht grade zuhause war und mich benehmen musste.

Ich schaute auf die Uhr. Noch 5 Minuten zur Vorlesung. Verdammt. Ich winkte Tina zu und gab Gavin einem uninteressierten Blick, als ich aus der Tür in den Flur ging.

Der Typ war wirklich auf den ersten Blick ein Arschloch, aber sah verdammt gut aus. Ich ging schnellen Schrittes Richtung Campus, während ich das warme Gefühl in meinem Unterleib versuchte zu ignorieren.


Gegenwart / 29.07.2038, 08:13 Uhr, Detroit Police Department

Fuck. Verdammte Scheiße.
Ich nahm einen Schluck Kaffee und lies das braune Wunder seine Arbeit in meinem Körper vollbringen, als ich in den Empfangsraum des DPD trat.

Es war viel los, eine weinende Frau saß in einer Ecke des Raumes, viele andere warteten in einer Schlange um mit der Empfangsdame zu sprechen und ein paar Officer standen in der Ecke und tranken ihren Kaffee.
Ich biss mir auf die Lippen. Ich hasste es hier zu sein.

Mit einem unguten Gefühl ging ich in den riesigen Raum des Reviers und sah mich um. Ich sah weder Hank, noch Gavin oder Tina. Etwas Erleichterung kam in mir hoch. Auch wenn Tina wusste, dass ich heute hier sein würde, war ich etwas enttäuscht meine Beste Freundin nicht sehen zu können.

Es war nicht das erste Mal, dass ich hier im Revier war, aber das erste Mal, dass ich alleine längere Zeit hier bleiben sollte. Murrend ging ich Richtung Captain Fowlers Büro und klopfte an die durchsichtige Tür. Fowler sah von seinem Schreibtisch auf und nickte mir zu.
"Guten Tag, Captain.", gab ich freundlich als Begrüßung.

"Hallo, Dr. Hamilton. Wie ist es Ihnen in den letzten Monaten ergangen?", fragte Fowler höflich. Ich wusste, dass Smalltalk nicht seine Stärke war. Meine war es übrigens auch nicht.

"Viel zu tun, aber Sie wissen ja wie es auf der Arbeit ist. Man kann nicht hinter allem her sein." Ich zwang mich zu einem Lächeln. Ich hatte nichts gegen den Captain, aber meine Laune war gedrückt. Ich wollte wirklich nicht hier sein.

"Wir sind trotzdem froh, Sie als Unterstützung erneut begrüßen zu dürfen, Doktor. Im Moment schießen uns die Android-Fälle aus dem Boden wie heiße Lava und wir wissen nicht, wie wir weiter vorgehen sollen. Ein geschultes Auge dabei zu haben ist wirklich erleichternd.", sagte Fowler anerkennend und verschränkte die Arme als er sich im Stuhl zurück lehnte. Seine Augen sahen müde und erschöpft aus. Verständlich.

"Ich werde mich dann jetzt mal an die Arbeit machen, in Ordnung?", fragte ich und trat von einem Fuß auf den anderen.

"Machen Sie das.", gab Fowler zurück und ich stand schon im Türrahmen als er noch etwas hinzufügte. "Es wird aber keine Probleme hier geben, oder Doktor?"

Ich erstarrte und fuhr mit meinen Fingernägeln in meine Handflächen. Dann schüttelte ich den Kopf und versuchte professionell zu wirken. "Nein, natürlich nicht, Captain." Ich wusste, dass er auf Gavin anspielte. Das letzte Mal als ich hier gewesen bin, hatte es einen lauten Knall zwischen ihn und mir gegeben und selbst Fowler hatte das mitbekommen. Also war es nur natürlich, dass er fragte. Zumindest redete ich mir das ein.

Ich trat aus dem Glaskasten heraus und lies meinen Blick über das Großraumbüro schweifen. Mein Blick blieb an der Küche hängen. Kaffee wäre jetzt gut.

Schlurfend machte ich mich auf den Weg in die Küche. Auf dem Weg dahin kramte ich mein Handy raus und checkte das Wetter. Fast 35 Grad. Viel zu warm für meinen Geschmack.

Auf mein Handy schauend ging ich in die Küche und sah einen Schatten bevor ich mit jemandem zusammen prallte.

"Pass doch auf.", sagte ich wütend und schüttelte mit dem Kopf - als ich hochsah, konnte ich zwei braune Augen sehen. Sie sahen mich verschmitzt an. Ich spürte wie mein Herzschlag schneller wurde und versuchte mich schnell wieder zu beruhigen.

"Pass selber auf.", gab Gavin trocken gespielt zurück und ging einen Schritt zurück. Er hatte einen Kaffee in der Hand und ein paar Tropfen waren auf den Boden getropft. Seine braunen Haare waren wie immer zurück gekämmt, ein paar Strähnen fielen ihm ins Gesicht. Natürlich trug er seine braune Lederjacke. Darunter hatte er ein schwarzes Tshirt mit einer grauen Hose an.

Ich ging einen Schritt zurück und verschränkte die Arme. "Gavin." Mein Mund war trocken und ich sah ihn gelangweilt an, um zu verbergen, dass mir eigentlich fast das Herz aus der Brust sprang.

"Ava." Seine Stimme war nicht unfreundlich, sie hatte sogar etwas belustigtes. "Was machst du schon wieder hier?"

Ich lehnte mich an den Türrahmen. "Ich wurde als unterstützende Kraft für euch zu Verfügung gestellt, da Elijah keine Lust mehr auf diese Spielchen hat."

Bei dem Namen Elijah konnte ich sehen, wie Gavin sich anspannte. Ich grinste innerlich. So wie er mich aus der Haut fuhren lies, konnte ich ihn wenigstens die Laune mit seinem Bruder verderben. 1 zu 0 für mich.

Gavin knurrte und wollte grade an mir vorbei gehen, als ich ihn den Weg versperrte. "Was denn? Viel zu tun auf der Arbeit?"

Er schnaufte und nahm einen Schluck Kaffee. "Du hast ja keine scheiß Ahnung. Da Hank sich die meiste Zeit bewusstlos trinkt, brummt Fowler mir alle der vermissten Androiden-Fälle auf."

Mein Mundwinkel zuckte. Gavin beobachtete mich, wie ich mich nach vorne zu ihm beugte und ihn grinsend ansah. "Musst du Armer jetzt etwa arbeiten? Du hättest ja mein Mitleid, wenns mich interessieren würde, tuts aber nicht." Mit diesem Satz nahm ich ihm den Kaffeebecher aus der Hand und nahm selbst einen tiefen Schluck. Dann drehte ich mich auf der Stelle um und ging wieder in den großen Büroraum zurück, während ich Gavin einfach hinter mir stehen lies.
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