Spiel mein Spiel - Play my game

GeschichteFantasy, Übernatürlich / P18 Slash
Eren Jäger Levi Ackermann / Rivaille
23.05.2020
09.08.2020
12
47.671
20
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01.08.2020 4.071
 
Levi stöhnt auf, als Eren die gefürchtete Frage stellt, von deren Erwähnung er zwar schon felsenfest ausgegangen ist, aber die er dennoch nicht sofort hören wollte. Viel lieber wäre ihm ein einfaches Frage-Antwort-Spiel gewesen, bei dem er nur ein simples Ja oder Nein von sich geben müsste … aber das?
„Du weißt doch, dass es Dinge gibt, die sich nicht erklären lassen“, gibt Levi ausweichend zum Besten und hofft, Eren würde es dabei belassen. Fehlanzeige.
„Aber irgendetwas musst du doch wissen“, beharrt der Junge unnachgiebig und schenkt Levi diesen verflixten Blick, der eine Mischung aus Trotz und Neugier beinhaltet. Ähnelt mehr dem Ausdruck, den ein viel zu aufgewecktes Kind, das seinen Willen nicht durchsetzen kann, aufsetzen würde. Trotzdem findet es Levi irgendwie amüsant, weshalb er diesen Blick auch nicht einfach ignorieren kann. Ein Seufzen kann er sich dennoch nicht verkneifen.
„Versteh‘ doch, ich kann nur aus den Erfahrungen sprechen, die ich über die Jahre machen konnte. Denn genau wie ich es dir schon sagte, bin ich gezwungen, Menschen zu erlösen, auch, wenn ich es vielleicht nicht möchte, da sie es möglicherweise nicht verdienen. Und genau wie der Erlöser, der mich gewählt hat, suche ich mir unbedeutende Individuen, denen ich mein Blut einflöße. Und da es bisher nie jemand geschafft, mein Spiel zu gewinnen, muss ich mir sporadisch jemanden suchen, der die begehrte zweite Chance auf das Leben erhält.“
„Du meinst, niemand konnte dein Spiel gewinnen, außer mir.“
„Außer dir, ja.“
„Also hast du wahllos einen Menschen aus der Masse gepickt, ihm dein Blut gegeben und damit sowohl ihm als auch dir das Leben gerettet“, überlegt Eren weiter.
Levi nickt kaum merklich. Ihm gefällt, dass Eren schnell begreift und rasch die richtigen Schlussfolgerungen ziehen kann. Auch, wenn er sich manchmal dümmer als nötig anstellt, ist der Bursche ein heller Kopf, aber das wusste Levi natürlich schon vorher. Er findet es nur immer wieder überraschend, da Eren stets wie ein naives Lämmchen wirkt, das es um jeden Preis zu behüten und beschützen gilt. Und Levi ist der große, böse Wolf, der nicht davor zurückscheut, dem Lamm ordentlich den Kopf zu verdrehen. Was unter anderem auch dazu führt, dass das Lamm glaubt, es könnte sich ebenfalls als Wolf aufspielen. Niedlich, aber genauso töricht. Schließlich ist nur einem von ihnen die Rolle des Raubtieres auf den Leib geschneidert, und wenn Eren glaubt, Levi würde dabei an den Jungen denken, dann könnte er falscher nicht liegen. Nein. Levi ist und bleibt das Alphatier und das ist auch, worauf Eren zu stehen scheint. Ebenso wie Levi selbst.
„Richtig erkannt. Und es kam durchaus vor, dass ich mir das Schauspiel angesehen habe. Der eine Moment, wenn die Opfer sterben.“
Er hebt den Kopf und kann sehen, dass Eren förmlich an seinen Lippen hängt und jedem Wort mit voller Aufmerksamkeit lauscht. Levi trinkt einen Schluck, ehe er gewissenlos weiterspricht: „Es war genau wie bei dir. Sie sind alle gestorben. Sie sterben immer, egal, ob gerettet oder nicht. Aber nur die Erlösten kommen zurück.“
„Und was waren das für Tode?“ Das nervöse Zittern in Erens Stimme bleibt Levi nicht verborgen, doch hält ihn das nicht davon ab, seine kleine Beobachtungen mit Eren zu teilen.
Levi hat es am Anfang nur milde interessiert, wie das Erlösen in all seiner Blüte vonstatten geht, aber kann er Eren keinen Vorwurf machen, dass der Junge so neugierig ist. Wer, außer Levi vielleicht, wäre das wohl nicht? Und Eren hat Glück, dass Levi ihm bei der Beantwortung seiner Fragen helfen kann. Ihm selbst wurde diese Chance erst nach ein paar unwissenden Jahren zuteil. Möglicherweise liegt sein Desinteresse genau darin begründet … weil er von Anfang an nur auf sich gestellt war. Ja, damals war es nicht einfach. Es war eine harte Zeit, grausam und prägend zugleich. Bis …
Levi schüttelt den Kopf, vertreibt die Gedanken, die sich schmerzhaft gegen die verschlossenen Türen werfen. Drängt sie zurück in die Dunkelheit. Sie gehören nicht hierher. Er gehört nicht hierher.
„Unterschiedlich“, fährt Levi seufzend fort und lehnt sich zurück. Sein Gesicht ist ungewohnt ernst. „Manche waren vergleichsweise harmlos. Andere hingegen sahen ziemlich grausam aus. Ein junger Mann, dem ich unauffällig einen mit Blut getränkten Cocktail zukommen ließ, hatte kurze Zeit später einen tödlichen Autounfall. Ich hab‘ mir das Ganze aus der Luft angesehen, konnte also recht gut den Werdegang seines Todes nachvollziehen. Ist ein merkwürdiges Gefühl, ein Mitwisser im Spiel des Exitus zu sein, auch, wenn man keine Details kennt. Man weiß trotzdem, dass etwas passieren wird. Zwar hat man keine Ahnung, wann es soweit ist, aber man ist sich darüber im Klaren, dass etwas geschehen wird.  Und als der Laster den Kleinwagen mit voller Wucht und ungebremst rammte, wodurch die Fahrerseite bis zur Unkenntlichkeit zerquetscht wurde, wollte ich mir unter keinen Umständen vorstellen, was das für ein Tod sein musste. Er war zwar nicht endlich, doch musste es trotzdem einprägsam gewesen sein.“ Er nimmt einen weiteren Schluck. „Ich bezweifle, dass der Typ noch viel gespürt hat, aber ich war nicht so nah dran, um das auch mit Bestimmtheit sagen zu können. Als die Rettungswagen und Feuerwehrleute anrückten und den Unglückseligen aus dem Wrack zogen, war von seinem hübschen Gesicht nicht mehr viel übrig. Er war tot, zweifellos. Aber nur für den Bruchteil eines Augenblicks. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich mein Blut in seinen Venen entfaltete und ihn mit seiner heilenden Kraft durchflutete.“ Der Hauch eines Lächelns formt sich auf seinen Lippen. „Du hättest die entsetzten Gesichter der Sanitäter sehen müssen, als der Körper, in dem jeder Knochen gebrochen sein musste, wieder anfing, zu atmen. War ‘ne ziemliche Show.“
„Du hast ihm wortwörtlich das Leben gerettet.“
Levi richtet die Augen, die er beiläufig über die lachenden und sich unterhaltenden Gäste schweifen ließ, wieder zurück auf den Jungen.
Das Glas an seinen Lippen verharrt in der Bewegung und verblüfft sieht er Eren an, der regelrecht geplättet wirkt. Der Junge versucht gar nicht erst, sein Erstaunen zu verstecken. Als hätte er einer spannenden Geschichte gelauscht, löst er die verkrampften Hände voneinander und fährt sich mit einem erschöpften Ausatmen durch die braunen Haare. „Dass man wirklich erst sterben muss, bevor man zurück ins Leben geholt wird, ist natürlich ein Hammer. Vor allem für diesen Mann muss es kein schönes Erwachen gewesen sein.“
„Nein, eher nicht.“ Levi stellt sein Glas zurück auf den Tisch. „Ich bezweifle auch nicht, dass die vollständige Regeneration ein wenig Zeit in Anspruch genommen hat. Ist auch nicht gesagt, dass er vollkommen genesen ist. Entscheidend war lediglich die Tatsache, dass er wieder zurück ins Leben kam. Wie dieses Leben in der Zukunft aussehen würde, lag weiterhin in den Sternen.“
„Was willst du damit sagen?“
„Dass der Typ genauso gut seine zweite Chance im Rollstuhl verbringen könnte, ohne, dass wir es wissen. Das Blut rettet dir zwar das Leben, aber kommt es auch auf die mentale und psychische Stärke des Trägers an, inwieweit es sich entfalten kann. Den Kerl hatte es schwer erwischt, gut möglich, dass das Blut nicht gereicht hat, um ihn wieder auf das Level zu bringen, auf dem er vor dem Unfall stand. Immerhin lagen auch gut zwei Tage zwischen dem Cocktail und diesem Totalschaden. Ich bin kein Experte, aber wer gibt uns die Garantie, dass das Blut nicht mit der Zeit an Wirkung verliert?“
Eren erwidert vorerst nichts. Er stiert ungläubig auf den Tisch und Levi kann die Gedanken, die hinter seiner Stirn ein Wettrennen veranstalten, förmlich sprinten sehen.
„Ich weiß, worüber du dir den Kopf zerbrichst. Und Nein, ich kenne zwar nicht den genauen Zeitpunkt, an dem ein Mensch stirbt, aber taucht diese nervige Registerkarte maximal eine Woche vor seinem Tod auf. Ungefähr. Es handelt sich dabei um keine fundierte Wissenschaft. Man lernt und lebt aus Beobachtungen und Erfahrungen. Und sobald ich jemanden mein Blut verabreiche, bin ich aus dem Schneider. Es wird denjenigen retten, so oder so. Es verdirbt nicht. Könnte, wie gesagt, höchstens passieren, dass sich seine Wirkung abschwächt, aber auch das sind nur Spekulationen. Ich verfolge die Menschen, die ich erlöse, nicht noch Monate nach ihrer Verwandlung. Lediglich ein paar Tage, wenn überhaupt, und auch das nur zu Anfang. Mittlerweile kümmert mich das nicht mehr. Es ist wie ein Alltag geworden. Skurril, wenn man bedenkt, dass ich auch bislang nur drei Menschen erlöst habe.“
„…drei?“, fragt Eren schockiert und Levi kann das Grinsen nicht unterdrücken, das sich auf seine Lippen schleicht, als er sieht, wie Eren fieberhaft den Blick zur Decke richtet und sich seine Augen unmerklich hin und her bewegen.
„Ich kann dir die Rechnerei ersparen. Ich war siebzehn, als ich erlöst wurde.“
„Du … du warst so jung?“
„Es gibt Menschen, die wesentlich jünger sterben“, gibt Levi schulterzuckend zurück. „Und sicher haben es die meisten von ihnen mehr verdient, eine zweite Chance auf das Leben zu bekommen, als ich es getan habe.“
„Sag das nicht!“, hebt Eren vorwurfsvoll an und eine leichte Röte legt sich auf seine Wangen, als Levi süffisant eine Augenbraue nach oben zieht.
„D-du … ich meine, ich bin … f-froh, dass du damals nicht gestorben bist“, stottert Eren und beißt sich verstohlen auf die Innenseite seiner Wange.
Levi streicht sich sinnlich mit dem Daumen über die Unterlippe und der rötliche Schimmer in Erens Gesicht wird noch eine Spur dunkler.
„Wie schmeichelhaft“, säuselt er und Eren öffnet sprachlos den Mund, ohne, dass ein Wort herauskommt.
Die rothaarige Kellnerin taucht erneut auf, doch bleibt sie wider Erwarten stumm und räumt wortlos den Tisch ab, ehe sie wieder von dannen zieht.
Eren sieht ihr fragend nach, ehe er sich wieder an Levi wendet. „Ich glaube, wir haben sie beleidigt.“
„Sie wird es überleben“, lacht Levi und streckt sich. „Also, wenn das deine einzige Frage war, können wir ja -“
„Nein, ich will noch mehr wissen!“, hackt Eren schnell dazwischen und Levi zieht einen Flunsch.
„Was denn noch?“
„Alles!“, ruft Eren und das Glitzern in seinen Augen verheißt nichts Gutes.
„Oh, Mann, dann sitzen wir hier länger als gedacht“, antwortet Levi mürrisch und nippt geistesabwesend an seinem Drink. Das Brennen, das seine Kehle herabrinnt und seinen Magen erwärmt, spürt er schon gar nicht mehr.
Eren verengt skeptisch die Augen. „Da … da gibt es noch eine weitere Sache, die ich gerne wissen würde.“ Zweifelnd sieht er über seine Schulter und Levi ahnt sofort, worauf er hinaus will. Der Junge besieht sich seine Kehrseite, als befürchte er, die gigantischen Federn könnten sich jeden Moment ihren Weg aus seinem Rücken bahnen.
„Ich … ich spüre sie nicht. Die Flügel, meine ich. Müsste ich nicht etwas unter meiner Haut merken, schließlich finden sie doch genau da ihren Ursprung, oder?“
„Da bin ich überfragt. Aber ich kann dir versichern, dass es etwas Übung und Gefühl benötigt, um die Flügel eigenhändig zu beherrschen und sie zu kontrollieren.“
Als er den ängstlichen Gesichtsausdruck des Jungen registriert, winkt er beiläufig ab. „Mach‘ dir nicht ins Hemd, Kleiner. Wir werden dich trainieren, aber nicht in dieser Nacht, das machen meine Nerven nicht mit. Ich kann mir ziemlich gut vorstellen, dass du zwar ein schwieriger Schüler sein wirst, aber keine Sorge, du wirst den Bogen schon irgendwann raus haben, kein Zweifel.“
„Das ist alles so verdammt komplex und verwirrend, hab‘ ich das schon mal gesagt? Wie sollte ich zurechtkommen, hätte ich nicht dich an meiner Seite? Wie sollte ich all die Dinge lernen, wenn du mir nicht helfen würdest?“
„Du würdest schon nicht ahnungslos draufgehen“, lacht Levi, doch Eren sieht nicht überzeugt aus.
Der Schwarzhaarige schnaubt amüsiert. „Ha, würde mich nicht wundern, wenn du alles bis auf’s kleinste Detail studieren und dokumentieren würdest, was ich dir beibringe. Eine Art Erlöser-für-Anfänger-Handbuch, das beschreibt, was einen Erlöser ausmacht, wenn du so willst.“
„Würde bestimmt nicht schaden, wenn man dadurch ordentlich vorbereitet wird“, gibt Eren grummelnd zurück und streckt plötzlich die Hand nach seinem immer noch unberührten Vodka aus.
Blitzschnell packt Levi sein Handgelenk, bevor er das Glas auch nur mit der Fingerspitze streifen kann.
Verwirrt sieht der Junge ihn an. „Was ist? Ich hab‘ doch was gegessen, also kann ich jetzt auch was trinken. Ich komme nämlich mehr und mehr zu der Überzeugung, dass dieses Gespräch nicht so leicht verlaufen wird, wie ich gehofft hatte.“
„Spoiler-Alarm“, lächelt Levi schmal. Mit der freien Hand schiebt er das Glas über den Tisch und auf Eren zu, doch behält er den Griff nach wie vor um das Handgelenk des Jungen. Der starrt ihn nur mit diesen großen, grünen Augen an und Levi muss sich sehr zusammenreißen, nicht den Tisch zwischen ihnen zur Seite zu schleudern und über den Bengel herzufallen. Ihm das viel zu schmeichelnde Hemd vom Körper zu reißen, um jeden Zentimeter dieser festen Haut unter seinen Lippen und zwischen seinen Zähnen zu spüren. Um seine Hand langsam, quälend, über seine Brust und seinen Bauch, bis hin zu dieser Jeans streichen zu lassen. Nur um dann …
„Woran denkst du?“, fragt ihn Eren leise und Levi’s Sicht schärft sich wieder und verlässt die nebligen Fantasien, die sein Kopf ihm verlockend auf einem Silbertablett präsentiert. Er spürt, dass sich der Stoff seiner Hose unangenehm anspannt und widerwillig schiebt er das aufkommende Verlangen zur Seite. Vorübergehend, nicht aber auf Dauer. Nein. Das könnte er nicht. Niemals. Nicht, wenn allein ein Blick in das Gesicht dieses Jungen ausreicht, um alles um ihn herum vergessen zu lassen.
Er schmunzelt. Ja, der Bursche hat ihn in der Hand, voll und ganz und ohne, dass Eren eine genaue Vorstellung davon hat.
„Wenn ich dir das sage, wirst du nie dazu kommen, mir all deine Fragen zu stellen“, raunt Levi. Er lockert den Griff und zieht seine Hand schließlich langsam zurück, doch plötzlich sind da Erens Finger, die sich um sein Handgelenk schließen und ihn hindern, sich aus seiner Reichweite zu begeben.
Levi betrachtet einen Moment die braungebrannte Haut, die sich so stark von seiner eigenen, blassen Hand abhebt, ehe er mit einem wissenden Lächeln den Kopf hebt.  
„Ja?“
„Du tust es schon wieder.“
„Ach, was denn?“
„Du spielst mit mir“, knurrt Eren und sein Griff verfestigt sich.
Levi lässt provozierend die Zungenspitze über den Rand seiner oberen Zahnreihe gleiten und sieht, wie Eren kaum hörbar nach Luft schnappt. Erfreut, und mit einem schlüpfrigen Ton untermalen, schmunzelt er: „Stehst du drauf?“
Der Junge bleibt ihm eine Antwort schuldig, doch zieht er ruckartig an Levi’s Arm, sodass sie sich auf Höhe der Tischmitte treffen. Haarsträhnen kitzeln seine Wange und Levi kann den Atem des Bengels an seinem Ohr spüren, als er ihm zuflüstert: „Vielleicht.“
Spöttisch hebt Levi die Augenbrauen, als Eren von ihm ablässt sich und sich mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck zurücklehnt.
„Denkst du, du kannst es mit mir aufnehmen?“, fragt Levi rhetorisch, woraufhin Eren nur mit einem leichten Grinsen die Schultern anhebt.
Das reicht!
Elegant erhebt sich Levi, geht an Eren vorbei und packt den Jungen im Laufen am Arm, sodass dieser förmlich dazu gezwungen wird, auf die Beine zu kommen und hinter ihm her zu stolpern. Levi vernimmt ein paar protestierende Laute in seinem Rücken, doch hat er dafür keine Reaktion übrig. Stattdessen hat er den Blick starr auf die dunkle Holztür geheftet, die mit einer eindeutigen Beschriftung auf den Raum dahinter verweist.


***


„Was tust du denn da?“, flüstert Eren aufgebracht, als Levi die Tür zum Herrenklo aufstößt. Hier drinnen ist es, im Gegensatz zu dem spärlichen und stimmungsverheißenden Licht im Inneren der Bar, ungewohnt hell. Zwar strahlen auch hier die Lampen nur in einem dunklen Gelb und nicht etwa in einem beißenden Neonlicht, wie Eren vermutet hätte, trotzdem ist es im ersten Moment gewöhnungsbedürftig. Rasch sieht er sich um. Auch hier wirkt es sauber und gepflegt. Die Wände sind mit großen, viereckigen Kacheln gefliest, die in einem cremigen Ton leuchten. Der Boden besteht aus rautenförmigen, obsidianfarbenden Platten, die wie frisch poliert aussehen. Zur Rechten der Eingangstür befinden sich die leeren Kabinen, drei an der Zahl, gegenüber eine die gesamte Wand einnehmende, mit weißem Marmor überzogene Theke mit zwei eingelassenen Waschbecken. Zwischen den Toiletten und den Becken, direkt unter dem hoch gelegenen Fenster, steht eine große Stechpalme, die dem ganzen Raum einen grünen und pflanzlichen Touch verleiht.
Levi aber scheint keine Augen für die Umgebung zu haben, stattdessen drängt er Eren an die Seite mit den Waschbecken.
Undeutlich spürt Eren, wie sich die Kante der Platte stumpf in seine Hüfte drückt, doch kann er nur in dieses lüsterne Gesicht starren.
Levi hat ihn wieder einmal in die Mangel genommen, lässt Eren keine Gelegenheit oder Option, sich aus dieser kleinen Sackgasse zu befreien. Der Schwarzhaarige hat die Arme zu seinen Seiten aufgestützt und beugt sich interessiert nach vorne. Sein Mund ist nur ein paar Zentimeter von Erens entfernt. Der Junge schluckt nervös.
„Du bist also wirklich der Meinung, dich mit mir messen zu können?“
„Hab‘ ich nicht gesagt!“
„Aber gedacht.“ Levi löst eine Hand und fährt zärtlich mit dem Zeigefinger über Erens Kieferpartie. „Du glaubst, du wärst mir ebenbürtig?“ Die Berührung erreicht Erens Hals, streichelt über seinen Nacken. Plötzlich packt Levi zu und zieht Erens Kopf zurück, während seine andere Hand vorschnellt und Eren grob umfasst. Keuchend atmet der Junge aus und linst unter schwindelerregenden Gedanken, die sich durch seinen Kopf ziehen, zu Levi. Der betrachtet ihn nach wie vor ruhig, doch ist da auch dieses gewisse Funkeln in seinen Augen, was dazu führt, dass Erens Blut eine Körperetage tiefer strömt.
„Gib’s zu“, raunt Levi und bewegt streichelnd seine Finger. Eren hält ein reflexartiges, kehliges Stöhnen zurück und drückt krampfhaft die Wirbelsäule durch. Er will sich nicht so gehen lassen, nicht hier, wo jeden Moment jemand nichtsahnend durch die Tür spazieren könnte.
„Du hast keine Chance gegen mich“, flüstert Levi und reibt unbedenklich weiter über Erens Härte.
„Levi, bitte“, haucht Eren und muss sich konzentrieren, die Wörter gewaltsam aus seinem Mund zu pressen, „w-wenn uns jemand sieht …“
Levi hält einen Moment inne und Eren sieht panisch auf. Er brauch sich nichts vormachen, er liebt es, wenn Levi ihn anfasst. Und selbst jetzt, wo ihm die Angst, erwischt zu werden, im Nacken sitzt, könnte er es dennoch nicht ertragen, wenn der Schwarzhaarige nun einen Rückzieher machen würde. Nicht an diesem Punkt, an dem Eren bereits von dieser kleinen Geste mehr als in Stimmung gekommen ist.
„Gut, wenn das deine einzige Sorge ist ...“, erwidert Levi nur schulterzuckend, packt Eren am Kragen seines Hemdes und zieht ihn gnadenlos in eine der leerstehenden Kabinen.
Der kleine Raum lässt problemlos Platz für zwei Insassen, was zu der Frage führt, ob sie eigenes für solche verruchten Situationen gestaltet wurden.
„Das hab‘ ich damit nicht gemeint“, beeilt sich Eren zu sagen, als Levi ihn loslässt und die Tür hinter ihnen ins Schloss zieht. Mit einem leisen Klick legt er den Hebel um, der ungebetene Gäste fernhalten soll, und wendet sich wieder Eren zu. Der hat sich mit rasenden Herzen an die eine Wand zwischen Klo und Tür gedrückt und lässt den Todesengel keinen Moment aus den Augen.
Levi grinst ihn nur teuflisch an und überbrückt ohne Schwierigkeiten den einen Schritt, der sie voneinander trennt. Eren presst sich noch ein wenig dichter an die Wand, während Levi sich gemächlich mit dem Unterarm neben seinem Kopf abstützt und mit der freien Hand geübt die Knöpfe an Erens Hemd öffnet.
Eren wagt noch, protestierend die Hand zu heben, doch blitzschnell umfasst Levi sein Handgelenk und nagelt seinen Arm ebenfalls an der Wand fest. Ohne zu zögern drängt er sich an Eren heran und verschließt ihre Lippen mit einem leidenschaftlichen Kuss, dem Eren nicht standhalten kann. Bereitwillig öffnet er den Mund ein wenig und lässt seine Zungenspitze mit Levi’s in Kontakt treten. Fordernd beißt der Schwarzhaarige ihm auf die Unterlippe und drückt sich noch dichter an ihn. Seine freie Hand hat inzwischen das Lösen der Knöpfe an Erens Hemd mit Bravour gemeistert und streichelt zügellos über die entblößte Haut.
„Fuck“, entweicht es Eren, als Levi über den Bund seiner Jeans streicht und sich beiläufig an dem Gürtel zu schaffen macht.
„An deiner Stelle würde ich mir lieber den Mund zu halten. Du willst doch nicht, dass noch jemand auf uns aufmerksam wird, oder?“, grinst Levi schelmisch, ehe er sich auf die Knie sinken lässt. Oh Gott! Eren kann gar nicht anders, als sich in das weiche Fleisch seiner eigenen Hand zu verbeißen, als Levi ihm die Hose und auch die Boxer herunterzieht.
Gefühlvoll umfasst Levi Eren und fängt vorsichtig an, sich um ihn zu bewegen. Seine Finger massieren und streicheln den Jungen, fahren hauchzart über seine Spitze, seinen Schaft rauf und runter. Eren drückt den Kopf noch weiter in den Nacken, die Wand presst sich hart gegen seinen Schädel, doch das ist ihm völlig gleich, denn als Levi plötzlich mit der Zunge über ihn leckt, ist es um ihn geschehen.
Wie von selbst lässt er eine Hand in die schwarzen Haare wandern, streichelt über den ausrasierten Nacken und vergräbt sich schließlich in den Strähnen am Hinterkopf, als Levi ihn sachte mit dem Mund umschließt.
Ein Fluch verlässt Erens Lippen, doch wird der zum Glück von seiner Hand verschluckt. Levi ist einfach viel zu gut in dem, was er da tut! Wie er sich bewegt. Wie er die Zunge über Erens Glied gleiten lässt, während er den Mund mit einem angenehmen, festen Druck um Eren verschließt und zu saugen beginnt.
Plötzlich öffnet sich unvermittelt die Tür in dem kleinen Vorraum und Eren richtet sich ruckartig auf. Scheiße, jemand ist hier! Panisch sieht er auf Levi herab, der ebenfalls innegehalten hat. Er erwidert Erens erschrockenen Blick, seine Lippen nur ein winziges Stück von Eren entfernt.
Ein vorwitziges Grinsen breitet sich auf seinem viel zu schönen Gesicht, das von wilden Haarsträhnen umrahmt wird, aus und langsam beugt er sich wieder nach vorne. Seine Zunge leckt begierig über Erens Schwanz und sofort verstärkt Eren den Biss in seine Hand wieder. Undeutlich hört er, wie sich der Fremde auf eine der anderen Toiletten begibt, doch schnell gleiten seine Gedanken wieder zu diesem verboten erotischen Mann zurück, der ihm mit geübter Leidenschaft die Seele aus dem Leib saugt. Eren versucht schwach, Levi auf Abstand zu halten, doch schlägt dieser seine Hand nur zur Seite und gräbt stattdessen die Finger in Erens Hüfte, drückt sein Becken noch dichter an die Wand in Erens Rücken.
Wieder verschränkt Eren die Finger Halt suchend in Levi’s Haar, bei jeder kleinsten und viel zu intensiven Berührung darauf bedacht, ein aufkommendes Geräusch der Lust zu unterdrücken.
Plötzlich zieht sich Levi von ihm zurück, richtet sich lautlos auf. Nach wie vor hält er eine Hand um Eren geschlossen, bewegt vorsichtig die Finger, während er seine Stirn an Erens lehnt.
„Es macht dich scharf, oder?“, flüstert er so leise, dass Eren Mühe hat, ihn zu verstehen. Bestimmt drückt Levi seinen Arm hinab, in dessen Hand er so verzweifelt beißt, sodass Eren nur noch schmerzhaft die Lippen zusammenpressen kann, um keinen verdächtigen Laut von sich zu geben.
Sieh mich an, formt Levi stumm die Worte und Erens Atmung beschleunigt sich noch einmal rasant, als er widerwillig Levi’s elektrisierendem Blick standhält. Unbarmherzig bewegt der Schwarzhaarige seine Hand weiter an Eren, drückt dann und wann fest zu, während er mit dem Daumen über die feuchte Spitze streichelt.
„Fuck!“, wimmert Eren leise und ist fast dankbar, als Levi sofort mit der freien, kühlen Hand seinen Mund verschließt. Erregt schließt Eren die Augen, blendet alles aus. Bis auf diese beschissen guten Berührungen, die ihn fast um den Verstand zu bringen drohen.
Dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, ertönt das Rauschen der Spülung, das Eren zurück in die Realität bringt. Levi hingegen gibt sich weiter diesen quälenden Bewegungen hin.
Der Fremde verlässt seine Kabine. Wasser rauscht, gefolgt von einem Rascheln der Papierhandtücher.
Einen Moment bleibt es auffallend still und Eren glaubt schon, der unbekannte Mann hätte sie durchschaut und würde jeden Augenblick einen abschätzigen Kommentar durch die Kabinenwand rufen, als sich die Schritte in Bewegung setzen und sich die Tür öffnet. Wenig später schlägt sie dumpf hinter dem Fremden, der nun unwissentlich vor der verbotenen Szene den Rückzug antritt, zu.
Levi zieht seine Hand von Erens Mund zurück und erleichtert atmet der Junge aus. Sein Herz schlägt wie wild in seiner Brust, das Adrenalin rauscht ihm in den Ohren.
Unnachgiebig schließen sich die sanften Finger um sein Kinn und drehen den Kopf wieder in die Richtung des Todesengels, der immer noch das verführerische Grinsen auf den Lippen trägt.
„Glaubst du, es wäre schon vorbei und du wärst in Sicherheit? Oh, Kleiner, ich bin noch lange nicht fertig mit dir!“ Und mit diesem Worten geht er erneut in die Hocke und vor Erens Augen blitzen Sterne auf, als sich die weiche und feuchte Mundhöhle um seinen viel zu harten Schwanz schließt.
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