Orphans (2018)

GeschichteKrimi, Horror / P18
23.05.2020
23.05.2020
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23.05.2020 535
 
Claire lag im Bett. Licht schimmerte durch die bloß angelehnte Tür. Sie klammerte sich an ihr Stoffkaninchen fest und kroch tiefer in die Wärme der Decke. Das spärliche Licht beleuchtete schwach ihr Zimmer. Die weißen Möbel mit hübschen Verzierungen waren zu sehen, die rosafarbene Decke ihres Bettes mit Herzchen, die Puppen aus Porzellan, die auf ihrem Schrank saßen und sie unschuldig ansahen. Ihr Zimmer war klein, doch schön und einfach gestaltet. All die Sachen, die Claire gehörten, waren in diesem kleinen Raum verstaut, Mama mochte es nicht, wenn Spielsachen überall verteilt waren.

Wieso war das Licht überhaupt an? Claire kniff sich die Augen zu. Mama und Papa waren doch heute weggegangen, um nach einer neuen, besseren Wohnung Ausschau zu halten. Mama und Papa würden sie niemals alleine lassen. Sie hatte niemanden außer sie. Claire dachte nach. Es war schon bestimmt sehr spät, was machten ihre Eltern nur so lange?

Kurzerhand stand sie auf, ihre kleinen Füße wurden auf dem Holzboden kalt. Claire hielt ihr Plüschkaninchen noch stärker fest und ging zum Schrank, um sich Socken zu holen. Schön warme Socken. Sie öffnete eine Schublade und holte gestrickte Socken raus, ließ sich auf dem Boden fallen und zog sie an. Zwar war ihr trotz allem immer noch kalt, sie trug ja nur ein dünnes, rosafarbenes Schlafhemd, aber sie ignorierte sie Kälte, die ihren Rücken hoch kroch wie die Spinnen an ihren Netzen.

Mit ihren dünnen Fingern stieß sie vorsichtig die Tür auf. Das Licht war grell und blendete. Claire ging in die Küche, schaute auf die Uhr. Es war schon ein Uhr morgens. Wieso waren Mama und Papa noch nicht da? Claire setzte sich auf das Sofa und vergrub sich in der Decke, die daneben lag. Vor ihr war ein Fernseher, der ihre Gestalt reflektierte. Immerhin ist es schon das Jahr 1981, da sollte man einen Fernseher besitzen. Sie schaute nach vorne.

Ihre blasse Gestalt spiegelte sich auf den Fernseher wieder, ihre roten Wangen, ihre braun-roten, kurzen Locken, ihre blasse Haut und ihre großen, blauen Augen. Mama sagte immer, Claire sähe aus wie eine Puppe. Eine Puppe aus Porzellan. Wegen ihrer zierlichen Gestalt, ihrer kleinen Nase und ihres kleinen Mundes. Von den anderen Kindern wurde sie gehänselt, obwohl sie die Beste ihrer Klasse war. Ihre Noten waren immer perfekt, sie sah hübsch aus, doch Claire war zu kindlich, schüchtern und weinerlich. Sie wusste nicht, warum andere Kinder sie nicht mochten, doch ihren Eltern war es klar. Trotzdem verwöhnten sie Claire immerzu. Doch Mama und Papa waren ja noch nicht da.

Ihre Katze streifte ihre Füße. Sie war schildpattfarben, wobei rote und braune Flecken überwogen. Ihre Augen waren ein ausgeglichenes, mildes Grün. Claire hatte sie Luna genannt. Sie fand, dass der Name zu ihr passte. „Luna“, flüsterte Claire mit ihrer hohen Stimme die Katze zu sich und streckte ihre Hand nach ihr aus. Luna sprang auf das Sofa und ließ sich an Claires Seite nieder. Plötzlich klingelte die Tür. Claire zuckte zusammen, doch ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. „Mama, Papa!“, rief sie erfreut und rannte auf die Tür zu, in ihrer Hand ihr Kuscheltier. Doch als sie die Tür öffnete, standen ihre Eltern nicht vor ihr.

„Sind Sie Claire Ann Christine Smith?“
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