Der Bandit

GeschichteAllgemein / P16
23.05.2020
23.05.2020
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23.05.2020 2.106
 
Kapitel 1: Prolog



,,Enorme Gewaltdelikte und Razzien ereigneten sich am vergangenen Wochenende in der umstrittenen Bahnhofsviertel Region in der Metropole Frankfurt. Die Rede sei von mutmaßlich organisierten Kriminellen die einen Millionen Coup ausübten in einer der größten Juweliere der Stadt. Es wurden Diamanten und Goldschmuck im Wert von geschätzt 6,5 Millionen entwendet. Wie das den Räubern bei einen hochgesicherten Juweliergeschäft gelingen konnte lässt die Kriminalkommissare grübeln.."

dröhnte der kleine Fernseher in unserer kleinen Küche heraus. Ich drückte den Aus-Knopf auf unserer in Plastikfolie eingepackten Fernbedienung um Beschwerden seitens meiner Mutter zu verhindern. Der Versuch scheitert kläglich ,,Ich wusste es, in dieser Stadt ist es zu gefährlich für ein junges Mädchen wie du!" quietschte meine Mutter selbstsicher zu mir hin nach diesen reißerischen Schlagzeilen die wir gerade eben hörten.
Darauf hin schmunzelte ich nur sarkastisch und vorurteilend „Ich will dort nur lernen und keiner Großfamilie beitreten Mama."und war dabei den Raum genervt zu verlassen, das zweifelnde Schnaufen meiner Mutter hörte ich jedoch noch leicht hinter meinem Rücken.


Der Tag ist gekommen und ich ziehte schon aus meinem Elternhaus in einem kleinen Ort und ziehte ein in meine neue Wohnung in der neuen Stadt. Der Auszug an sich fiel mir schon sehr schwer, aber das ich so weit wegziehe das ich eine 2 stündige Autofahrt hinter mir lassen müsste um meine Eltern wieder zu sehen, lässt mich schon grübeln bezüglich meiner Entscheidung und vor allem neue Angst steigt auf. Die Zweifel das es doch nicht so wird wie ich es mir erhoffe nehmen langsam Form an.

Mein unterstützender Vater hilft mir dabei mein Gepäck in unseren Mini Bus zu verfrachten, da ich 4 weitere Geschwister hab brauchten wir diese Anschaffung und nun hat sich diese Investition meines stolzen Vaters auch endlich mal gelohnt. Nach dem letzten Koffer schnauften ich und mein Vater kurz auf mit einem leichten Grinsen der Erleichterung. ,,Kaum zu glauben das du bald nicht mehr bei uns bist.."fing an mein Vater zu schluchzen, daraufhin erwiderte ich meinem Vater dass er bitte die Situation nicht überdramatisieren solle. Ich werde nämlich an diversen Wochenenden immer beim Elternhaus Visite abhalten. Es ist doch nur die Uni die mich dort festhält, oder nicht ?
,,Baba es wird hier auch ohne mich laut genug sein, du wirst mich kaum missen" erwähnte ich noch mal mit einem aufheiternden Lächeln mit dem Versuch meinen Vater zubesänftigen. Trotzdessen wird die Lautstärke meiner großen Familie mir bestimmt fehlen wenn ich dann erstmal alleine bin, dieser Gedanke kam mir in den letzten Aufenthaltssekunden in den Kopf geschossen. Um darüber nachzudenken fande ich keine Zeit denn der Umzug musste nun erfolgen.

2 Monate später


Es ist schon eine Weile vergangen seit dem ich umgezogen bin. Meine neue Wohnung beträgt gerade mal 30 Quadratmeter und ist winzig. Jedoch hab ich mir die Vorteile rausgezogen und es mir gemütlich gemacht. Das Lernen funktioniert geplant hervorragend, meine Eltern verloren langsam das Misstrauen in die Stadt und alles nimmt langsam seine gewohnten Abläufe ab.

Eines Abends nach dem ich beim wiederholen des Unistoffes merkte dass es mir an Essen fürs Abendessen fehlt, entschloß ich mich zum nahliegenden und zu Fuß erreichbaren Supermarkt zu marschieren. Die Sonne war kurz davor zu dämmern, demnach noch hell genug um schnelle Einkäufe ohne Probleme alleine zu tätigen. Ich hatte schon ein gesunden Respekt vor einigen Gassen meiner Umgebung. Gerade weil ich nicht in einem Touristen- oder einem wohlhabenden Viertel wohne sollte man den nötigen Respekt auch aufbringen aber die Wohnpreise anderweitig wären niemals zu stämmen gewesen, dass ich überhaupt eine Wohnung erwerben konnte als junge Studentin sollte schon Segen genug sein also fand' ich mich damit ganz einfach ab und nicht nur das ich war auch dankbar.

Ich stellte mich an die zu vollgeladene Kasse an und hoffte das die Dinge von schnell ablaufen und ich früh genug Nahause ankomme ohne das Gefühl von Paranoia erleben zu müssen, das Piepen der Kasse scheint endlos zu sein und das laute Kaugummi Geschmatze der genervten Kassiererin im mittleren Alters scheint immer lauter zu werden. Ich begann immer genervter zusein aber nahm es einfach geduldig hin. Diese kleine Pause erschien auf der anderen Seite wie eine kurze Verschnaufspause der sonst so stressigen Großstadt zu sein.

Nach einer Weile kam ich schlußendlich aus dem vollen Laden und konnte wieder Frischluft einatmen, oder eher gesagt schmutzige Gossenluft, die aber immernoch besser ist als der Gestank von vielen schweißtragenden Menschen auf engem Raum. Das bringt wohl Urbanisierung mit sich.

Es scheint dunkler zu werden und die ersten Laternenlichter fangen an ihr künstliches Licht auf die asphaltierten Straßen runter zuwerfen. Die Autolichter auf den mehrspurigen Straßen und die Kombination von moderner Skyline und atemberaubenden Sonnenuntergang ergeben ganz selten auch einen schönen und beruhigenden Eindruck der Stadt. Im Genuss dieses Anblicks genoß ich den Moment und war dankbar für Alles, derweil vergaß ich die Zeit und der lila-orangene Horizont wurde allmählich dunkel. Höchste Zeit den eigentlich kurzen aber pausierten Heimweg anzutreten.

Ich lief gelaßen durch die Straßen und da ich mich noch nicht so gut auskannte in meiner Gegend wagte ich eine scheinbar abenteuerliche Abkürzung zu meinem Wohnblock. Im Hintergrund einer Gasse sah ich schon die Hochhäuser hinausragen die meine Wohnsiedlung darstellten und ich wagte den Versuch durch die eher verwinkelten und kleineren Gasse zu schlendern, so schief kann das wohl nicht gehen. Meine Wohnung ist gerade um die Ecke und mein Selbstvertrauen an mein Ego war zu hoch gepockert bei dieser bevorstehenden riskanten Entscheidung.
Ich lief durch die schmale Straße und das Rauschen der befahrenen Hauptstraße verschwindet im Nachgang meines Gehör. Ich war nun wirklich allein und abgelegen in einer unbekannten Gosse und auch die Menschen die man hier antraf beim Vorbeiziehen, erwiderten nur ein suspekten und fragwürdigen Blick. Ich fühlte mich so als würde ich hier nicht her gehören. Darauffolgend traf mich ein gewisses Unbehagen ein. Ich bemerkte das ich die Entscheidung dezent unterschätzt habe und bereute bisschen den kleinen Abstecher. Hier merkte ich das ich nicht mehr im Dorf wohne sondern in einer richtigen Stadt.

Ich hörte im Hintergrund immer lauter Polizeisirenen von geschätzt mehreren Fahrzeugen, daraus dacht ich mir jedoch nichts denn dies ist keine Seltenheit in einer Stadt. Beim Überqueren einer kleinen Kreuzung von verwinkelten Gassen hörte ich verschiedene Stimmen die mir aggressiv erschienen. Es scheint eine Art Streit zu sein und ich näherte mich der Kreuzung und lauschte aus reiner Neugier hinter der Ecke den dortigen Personen. Ich schätzte es sind ungefähr 5-6 Personen dort und alle scheinten laut und aggressiv zu sein. Beim geheimen Lauschen hörte ich folgenden Satz

„Junge hast du das Gold oder nicht" - „Ich schwöre ich habs nicht Ramo" - „Es geht um alles, gib uns was du hast und du und deine Familie brauchen sich vor nichts zu fürchten" -„Vallah ich habs nicht - Ich wüsste vielleicht wers hat.."
-„ Wa- ."


Ich verstehte nicht ganz, eins kam mir sehr selbstsam vor.. Es erinnerte mich an die Millionen Coup Schlagzeile. Die Täter von dem Millionenraub sind immernoch nicht gefasst worden. Ohne viel zu denken fing ich direkt an es mit meinem Iphone heimlich zu filmen. Der Gerechtigkeitssinn in mir versuchte dieses kriminelle Handeln einzufangen, passend dazu wie ich Jura studiere, gehören Kriminelle für mich hinter Gitter. Nichtsdestotrotz riskierte ich gerade mein Eigenwohl dafür, ob das so klug ist realisierte ich mit meinem voreiligen Hitzkopf nicht.
Die Polizeisirenen werden immer stärker und fingen an zu dröhnen.

,,- Wie du weißt wer es hat, sag es jetzt !"
„- Ja .. ich weiß.. -„


schlagartig zückte ein nicht so gut erkennbarer Herr mit dunklen kurzen Haaren, gepflegtem Bart und einer auffallenden goldenen Uhr eine Einhand Pistole und schießte dem gegenüber stehendem Herr mittleren Alters mit einem dickeren Bauch und Glatzkopf ins Bein, auch der selbe Mann den er „Ramo" nannte. Im Affekt sprang ein vermutlicher Komplize des jüngeren Jungen aus dem Fenster des anliegenden Gebäudes mit einem größeren Rucksack
und fingen an vor der Bande in meine Richtung zu flüchten. All diese Geschehnisse fing ich mit Kamera auf. Ich konnte es nicht glauben und die Erkenntnis traf ein, dass die zuvorhörende Polizei wahrscheinlich wegen dieses Bandenkrieges herkommt traf nun auch in der letzten Zelle meines adrenalisierten Gehirns ein. Ich beendete die Videoaufnahme sofort und wich zur Seite hinter der Ecke in der Hoffnung das mich diese Kriminellen nicht gesehen haben. Als der Junge und sein Komplize an mir vorbeirannten, traf sein furchtloser Blick meinen angstüberwältigen Augen. Dieser elektrisierende Moment von einer Millisekunde hielt kurz an und ich sah die beiden an mir vorbeirrauschen. Das ich da war und eventuell was mitbekommen haben könnte hatte den Jungen gänzlich nicht interessiert. Er rannte einfach weg und die größere Personengruppe nach ihm. Vermutlich ging es um die Beute.  Die Goldbeute die geklaut wurde. Die Beute von der alle seit Wochen sprachen! ich erahne nichts gutes dabei..

-  ,, Scheiße Ramo der Hund hat uns nur abgelenkt"

Hörte ich bevor die nahliegende Menschenmasse davon Wind bekam und in Panik geriet wegen dem zuvorhörenden Schuss.
Auch die Polizei trat nun schlußendlich ein, vergebens, von den Tätern keine Spur.

4 Tage später


Nach diesem hektischen Wochenende musste ich dennoch meine Hauptpflichten wahrnehmen und zur Universität antreten. Pflichtvorlesungen stehen an und ich versuche diese auch ernst zunehmen.

Ich hatte mir das Stadtleben nicht so vorgestellt. Das Video auf meinem Handy ist noch da, aber zur Polizei damit bin ich immernoch nicht. Es sind wichtige Beweise die zur Überführung der Täter führen könnten aber auf der anderen Seite überwältigt mich eine Unsicherheit ob ich von Clan-Mitgliedern aufgespürt werden könnte und zur Nichte gemacht werde. Ich war Zeugin einer Straftat und hab sogar Videomaterial um einen historischen Coup aufzuklären, die optimale Karriere Vorlage als Juristin, sowas liest sich immer gut im Führungszeugnis. Nichtsdestotrotz hatte ich tagelang Gewissensbisse mit mir selbst. Die Ereignisse die ich mitbekam verfolgen mich immer noch und lassen mich einfach nicht los. Keinem hatte ich es bis jetzt erzählt und ich habe auch Angst es jemandem zu erzählen, selbst der Polizei.

Fertig gemacht für die Uni, packe ich mein Laptop in meine Handtasche und eile aus dem Wohnhaus hinaus. Den Mantel passend zur Herbstzeit schmeiß ich mir nur hektisch über die Schultern denn die Bahn zur Uni zuerreichen hat nun Priorität. Zur Vorlesung darf ich mich nicht verspäten den es steht heute Anwesenheitspflicht an. Selten gibt es solche Veranstaltungen, der Vorlesungssaal wird wahrscheinlich rappelvoll sein und plötzlich tauchen Studenten auf die sich sonst nie blicken lassen haben aus Angst vor einer Suspendierung. Ich hoffte nur ein Platz zu ergattern, dass meine Schnürsenkel meiner weißen Sneaker beim Eilen aufgingen war mir vorerst egal.

Angekommen in der bevorstehenden Strafrechtsvorlesung suchte ich nach einem Platz in dem schon leider relativ vollen Saal und musste mich in vordere Plätze zwängen da die Hinteren beliebteren Plätze schon besetzt waren. Ich sitze ungerne vorne aber lieber sitze ich als 90 Minuten zu stehen, dachte ich mir und ziehte noch das Positive heraus. Ich packte Notizen und Unterlagen aus und bereitete mich vor für die bevorstehende Einheit und bemerkte das sich Personen nun auch in meine Reihe einreihten und es immer voller wird. Ich bemerkte auch das sich eine wohlriechende Person mit gutem Parfum rechts neben mich hingesetzt hatte und mir fiel sofort die reflektierende Golduhr an einem männlichen und gutgebauten Arm auf. Es scheint eine Rolex zu sein, als Student muss sie bestimmt gefaket sein schmunzelte ich in mich hinein, wahrscheinlich vom türkischen Basar und ich musste anfangen zu grinsen. Mein dunkler und langer Haarvorhang von rechts bedeckte die Ansicht zu ihm also fiel mir sein Gesicht zunächst nicht auf. Er scheint unbeholfen zu sein und nicht mal ein Stift zu haben. Bevor er überhaupt in die Reihe fragen konnte, holte ich selbstverständlich einen Kulli aus meinem gut organisierten Federmäppchen und schiebte meine Haare hinters Ohr um den Stift ihm persönlich übergeben und dabei höflich gemeint ein respektvollen Blickkontakt aufzubauen.

Das ausgerechnet die tiefgrünen und kalten Augen in die ich gerade hypnotisierend hineinschaute dieser Person gehörten die vor einigen Tagen eine Menge gesuchtes Gold vor mein Augen einem Clan abgezogen hatte, realisierte ich unmittelbar im Nachgang und erstarrte sofort. Den Stift nahm der unwirkliche kriminelle Jura Student leicht nickend aber wortlos an und konzentrierte sich auf die Vorlesung als wäre nichts. Ich hatte ihn vorher nie in der Uni gesehen gehabt, wirklich niemals, mir wäre sein herausstehendes Aussehen wahrscheinlich aufgefallen.

Ob es ihn interessiert hat das ich am Tatort da war ? So wie er sich verhalten hat vermutlich nicht. Die ganze Vorlesung lang erlitt ich einen kompletten Blackout und den Schock musste ich den ganzen Tag noch verarbeiten. Meine Gefühlswelt steht gerade über Kopf und dieser enorme Zufall macht gerade alles zweitrangig.
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