Lass uns im Bach spielen, Opa

von Haru0
GeschichteAbenteuer, Familie / P12
23.05.2020
23.05.2020
1
540
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
23.05.2020 540
 
Lass uns im Bach spielen, Opa

Kapitel 0 - Prolog

Heute vor genau einem Jahr, am 28. April 2014, ist mein Opa gestorben. Ich kann mich an den Tag der Beerdigung erinnern, als wäre es erst gestern gewesen. Ich kann mich an die Gesichter der Tanten und Onkel erinnern, die mit Tränen in den Augen vor Opas Grab standen. Obwohl sie ihn nicht einmal kannten. Oma starb lange vor meiner Geburt, seitdem lebte Opa ganz allein, die einzigen Menschen, die ihn tatsächlich ein wenig kannten, waren die Nachbarn im Dorf. Die nette Dame aus dem Blumenladen, der Bäcker Kaito, das wirklich freundliche Personal des Ramenladens und ein paar wenige andere. Es hat mich damals wütend gemacht, es hat mich sogar angeekelt, diese Menschen weinen und trauern zu sehen. Die ihn seit Omas Tod nicht einmal besucht hatten, geschweige denn angerufen oder in jeglicher Form Kontakt suchten, egal wie egoistisch sie waren, ich habe ihnen vergeben, denn so hätte es Opa gewollt.

Ich schätze, ich habe selbst nicht viel von ihm gesprochen, lass mich dir ein wenig von ihm erzählen. Ich beginne weit in der Vergangenheit, oder besser gesagt, ganz am Anfang, meinem Anfang, an dem Tag, an dem ich geboren wurde. Es mag normal, logisch oder sogar komisch klingen, aber heute ist der Tag, an dem ich Opa zum ersten Mal kennenlernen durfte. Was ich damit meine, ist wahrscheinlich meine kurze Tragische Geschichte. Ich möchte sie kurz halten und überhaupt nicht traurig werden, denn dafür hat mir Opa eine viel zu schöne und glückliche Zeit beschert.

Meine Mutter starb an meiner Geburt, da sie auch laut Opa, davor schon sehr stark erkrankt war, hatte sie es leider nicht geschafft. Mein Vater starb etwa acht Monate nach meiner Geburt bei einem Autounfall. Opa hat mir nicht viel über sie erzählt, aber was er immer sagte, war, dass sie wie Yin und Yang seien. Sie könnten nie ohne einander sein. Deshalb gingen sie auch zusammen in die Ewigkeit. Sie waren wirklich glücklich und wären unglaublich stolz auf darauf, was aus mir geworden ist.

Meine Tanten und Onkel waren ganz anders, wohlhabende Geschäftsleute, die nicht einmal daran dachten, mich aufzunehmen. Aber dann geschah das Schönste in meinem noch so jungen Leben, Opa nahm mich mit voller Liebe auf, wie sein eigenes Kind. Opa war keineswegs wohlhabend, er lebte weit weg in einem kleinen Dorf auf dem Land und arbeitete sein ganzes Leben lang als Landwirt auf einer Reisplantage. Er lebte in einer kleinen gemütlichen Holzhütte, mitten in einem Blumenfeld, umgeben von Pflaumenbäumen und einem kleinen Bach, der durch das Dorf und direkt am Haus vorbei floss.

Opa hatte es vor allem im ersten Jahr über, mit mir wirklich nicht einfach. Ein kleiner Schreihals, sei ich nach seinen Erzählungen gewesen. Aber auch das hat er mit Bravour gemeistert. Als ich endlich alt genug war, um meine ersten Schritte zu machen, war ich sehr schnell am Bach und spielte mit dem Wasser. Mein Vater war in seinen Jungen Jahren wohl Matrose gewesen. Das Wasser zu lieben liegt irgendwie in unserer Familie verankert. Wie klischeehaft es auch klingen mag, aber mein erstes Wort war Opa. Er war für mich einfach alles, meine eigene kleine Familie und das wird er auch für immer in meinem Herzen bleiben.
Review schreiben