Alles beim Alten?

von truber
GeschichteAllgemein / P12
23.05.2020
23.05.2020
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Man schrieb nicht das heutige Jahr, es war 2015. Aber gefühltermaßen hätte es auch heute noch so sein können.
Es war Samstag oder Sonntag, Wochenende. Familie Schmidt liebte ihr wöchentliches Ritual des ausgiebigen gemeinsamen Frühstückes, wobei sich jeder jedes Mal aufs Neue mit süßen Brötchen haltlos überzuckerte. Aber darum soll es nicht gehen.
Es war ein sehr deutsches Wetter, grauer Morgen trotz dem eingezogenen Sommer, und damit die beste Zeit, die guten alten deutschen Gespräche zu führen - schon die Kinder lernten von klein auf den Wert sachlichen Pessimismusses.
Der Vater las Zeitung, und schimpfte. Das war an sich normal; aber diesmal sollte es sich nicht normal entwickeln. Nachdem er zum x-ten Mal gewettert hatte gegen die unfähigen Regierungen, wie sie doch so viele flüchten ließen, griff der Sohn nämlich die Tirade auf: "Also, ich verstehe ja noch immer nicht, warum die nicht zu Hause bleiben." "Ja nu", brummte die Zeitung oder der, der hinter ihr saß, "Afrika und Fernost sind Krieg. Krieg, Krieg, nochmal Krieg, Na gut, und Armut. Weil die's nicht gebacken kriegen. Trotzdem sollen die mal bitte nicht dahin, wo sie nicht hingehören."
Der Sohn, Tim sein Name, fiel ihm fast ins Wort: "Die sprechen ja auch nicht unsere Sprache! Die schreiben ja möglichst noch von rechts nach links, was wollen die hier?" Der Vater stimmte ihm halb zu, aber erklärte auch noch etwas über qualifizierte Zuwanderer. Diese gebe es schließlich auch noch, man dürfe nicht alle verteufeln. "Warum?", rief Tim, das Brötchen interessierte ihn gar nicht mehr. "Die sind nicht wie wir, dann sollen die mal bitte nicht hierhin!" Die Schmidts lebten in einem wenig belebten Dorfe in Sachsen, daher war der Ausländeranteil tatsächlich minimal.
Da meldete sich die zehnjährige Tochter zu Wort: "Aber ich habe ein Mädchen aus Afrika in der Klasse, die ist echt nett." Und ihre Haut sei dunkel, aber ihr Wesen hell.
Die Mutter gab ihr Recht, und konnte sich dann durchsetzen, um die Männer aufzuklären: "Lina hat Recht. Wir sind schon umgezogen, haben alle die Schule gewechselt. Das Leben ist eine Veränderung. Wisst ihr, was sich verändert hat? Ihr, genau ihr. Ihr kamt früher damit klar, wenn andere Menschen gekommen sind."
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