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Erkenne deinen Feind, und dann deinen Freund.

von Kitty01
GeschichteSci-Fi, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
22.05.2020
23.08.2020
39
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22.05.2020 1.419
 
Kapitel 2




Was sollte er sagen? Ryes saß im Tartarus und blickte den Boden seines leeren Glases. Sein Plan hier Ordnung in das Chaos zu bringen war aufgegangen, doch auch wenn er dafür wie ein Wahnsinniger betrogen hatte - ja sogar zum Mörder geworden war - schien sein eigenes inneres Chaos sich auch nach diesem Drink nicht legen zu wollen...
Er müsste doch feiern, jubeln oder zumindest zufrieden lächeln, das vollbracht zu haben, was immer auf Messers Schneide gestanden hatte. Er hatte Kadara Port befreit und war dabei nicht gestorben.
Nicht schlecht für einen Piloten und Schmuggler. Alles was es dazu gebraucht hatte, war genug Courage um das alles durchzuziehen, Männer und Frauen zu werben und diese wie ein Spieler beim Schach nach vorne zu setzen.
Auch war ihm dabei der Pathfinder wie ein rettender Engel vorgekommen. Jener hatte ihn unterstützt und den Rücken gedeckt, wie er es im Übrigen auch bei ihm getan hatte.
Reyes stand nicht auf die Nexus und Tanns Dämmlichkeiten, doch er hatte die Hoffnung nie verloren, dass ein besserer Anführer kommen würde und die Spezies der Milchstraße in ein neues Zuhause führte.
Und wie viel er von Ryder schon vor seinem persönlichen Treffen mit ihm erfahren hatte... Ein Pathfinder war unterwegs nach Kadara um für den Widerstand etwas zu erledigen. Er hatte da einfach mitmischen müssen!

Und dann hatte er ihn angetroffen... Es war als würde seine Aura aus dem Krallas strahlen und alles in der Umgebung schäbig wirken lassen. Noch nie hatte er sich selbst mit sauberen Klamotten und geduscht so fehl am Platz gefühlt. Das hier war der strahlende Held, welcher eindeutig etwas im Köpfchen hatte und damit meinte Reyes nicht dessen S.A.M. Was für ein Wortwitz jener besaß… er war von Anfang an hin und weg von Ryder gewesen und hatte zu dem Zeitpunkt nicht gedacht, dass sein Spiel so leicht sein würde.
Jemand wie dieser Mann würde etwas aus dem richtigen Grund machen. Er wusste jemand wie Ryder würde verstehen was getan werden musste und in seinem Bereich tat er hier das Gleiche, nur verdeckt. Er führte seinen ganz eigenen 'Widerstand' gegen die Verbannten an, um deren Herrschaftsmethoden zu untergraben.
Ihm gingen an diesem Tag viele Waffen und Materiallieferungen durch den Kopf und auch wenn das Treffen recht schnell beendet worden war, so hellte sich sein Denken beim Thema Pathfinder auf. Der war okay, kein dummer Penner, der nicht über den Tellerrand hinausschaute.
Eben darum hatte er einige Treffen mit ihm forciert und direkt angeboten eine Hilfe und ein Freund zu sein. Es hatte ihm nicht wehgetan, als dieser Kontakt wieder wegflog, immerhin hatte Ryder ja eindeutig eine Menge Arbeit vor sich und würde schon nicht genau auf das blicken was er, Reyes, hier so anstellte.
Diese klaren hellen Augen, verflucht die konnten einem wirklich verdammt tief ins Innere sehen. Bei ihm würde der Strahlemann jedoch nur Dreck vorfinden, die Gosse und wenn der Pathfinder nicht aufpasste würden Kadara und er, der Scharlatan, ihn noch besudeln.
Schließlich wollte Zia ihn ausschalten und es war Ryder, der ihn vor ihr verteidigt hatte. Ihm war nicht nach lachen zumute gewesen, denn es hatte ihn betroffen gemacht wie wenig der Pathfinder ihn kannte und wie sehr Zia doch recht hatte. Und sie hatte ihn abknallen wollen… gut, dass es anders gekommen war. Die Gier und die Annahme er wäre bevorzugt am ersten Punkt auf der Auftragskarte, hatten sie getötet. Dabei hatte sie nicht ahnen können, dass er als geheimer Scharlatan doch jeden Auftrag selbst ausgeschrieben hatte. Er spielte beide Rollen anscheinend so überzeugend und gut.
Schließlich aber wurde es ihm bewusst, dass Ryder wirklich kaum etwas von ihm kannte, nur das was er ihm hatte zeigen können… und wenn es hart auf hart kommen würde, dann würde der Mann sehen was er wirklich war. Ein Schurke und Mörder, ein Verräter an das in ihn gesetzte Vertrauen.
Es ging aber nicht anders, nicht nur sein Leben, sondern das Wirken auf Kadara standen auf dem Spiel. Da gab es kein Vielleicht oder eine Ausnahme, das Risiko war zu hoch, also versuchte er über die Party bei Sloane ein wenig näher an Ryder heranzukommen… ihm zu zeigen wie er war und wie er sich fühlte.
Es hatte zwar nicht so werden sollen wie es gekommen war, denn mal ehrlich… er hatte bisher nur Frauen gehabt, und doch war da dieses Gefühl gewesen, dass ihn wie einen Zwang dazu gebracht hatte mit einer Zärtlichkeit auf Ryders Worte zu antworten. Jetzt steckte das Messer noch tiefer in dem Balken der sie beide wohl unweigerlich trennen würde, würde das wahre Ausmaß seiner Pläne ans Tageslicht gelangen.

Man konnte sich, wenn das Licht weg war auch in der Dunkelheit verloren fühlen und so ging es Reyes kurze Zeit, bis er sich daran erinnerte, dass er ja aus der Schwärze der Nacht stammte und somit keine Gedanken an ein Himmelswesen zu verschwenden hatte. Ryder würde vielleicht sogar gegen ihn handeln, also ließ er ihn wieder fliegen… bis... ja bis er wieder auftauchte… an der Seite von Sloane, die ihn gebeten hatte sie zu dem Treffen mit dem Scharlatan zu begleiten. Ein Ärgernis, welches er gut ignorieren konnte, denn es stand mehr auf dem Spiel als dessen Sicht auf ihn… also zeigte er dem Pathfinder was er wirklich zu verbergen hatte. Wohl würde jener nun nie wieder sagen, dass er ein Guter war… und dass es etwas zwischen ihnen geben könnte außer Distanz.

Ganz auf Sloane und das Vorhaben konzentriert, konnte er erst nach deren Fall wieder in Ryders Gesicht sehen. Eines, das er erwartet hatte erstarrt zu sehen… doch da waren noch seine Männer… nein, sie mussten so schnell es ging losschlagen.
Was sagte man also jemandem den man tief im Inneren bewunderte für seine Fähigkeiten Gutes zu bewirken und die Galaxie zu heilen? In Erklärungen konnte er sich zeitmäßig nicht verstricken lassen und siehe da, seine Lichtgestalt forderte eine Erklärung, oder sprach besser noch seine Gedanken zu dem Ganzen aus.
In dem Augenblick, der wieder so kurz weilte und doch alles sagte, meinte Reyes dann, dass er die Befürchtung hegte, jener würde ihn nie wieder so sehen können wie vorher..
… wie überraschend es da kam, dass ohne eine Änderung in der Tonlage der Gefragte nicht einknickte und meinte, dass dies nicht passiert sei und er immer noch hinter ihm, Reyes Vidal, stand.  
Nun, es war spontan und urtümlich… er hatte nicht verhindern können, dass Erstaunen und Dankbarkeit ihn zu einem erneuten Kuss brachten. Es war wiedersinnig sich diesem Gefühl hinzugeben, wo draußen, außerhalb der Höhle,  seine Leute endlich Taten sprechen lassen wollten. So waren es nur wenige innige Momente an dem Reyes dem Pathfinder Intimtäten abverlangt hatte. Jene waren ungezügelt erwidert worden, so dass sich das Gehen in Richtung Ausgang nicht mehr wie ein Verlust angefühlt hatte.

Es war eine Arbeit von fünf Stunden gewesen, dann gehörte Kadara Port ihnen. Ja, es war getan und ein anderer leitete ganz offizell Kadara Port.

Immer noch suchte er auf dem Grund des Glases eine Antwort auf seine jetzige Motivationslage. Reyes Vidal fühlte sich wie erstarrt. Er hatte seine Aufgabe hier erfüllt… zwar würden immer noch viele Anfragen an den Scharlatan gehen, doch die Karten lagen für ihn offen und klar auf dem Tisch. Verbannte jagen, Scharmützel zerschlagen, mit Keema sprechen… Ryder vermissen. Doch der hatte nun keinen richtigen Grund mehr herzukommen, nicht wahr? Zwar könnten sie nochmal über einen Außenposten verhandeln, doch er hatte dem anderen ja bereits zugesagt wie sehr er sich diesen wünschte…
Vielleicht sollte er nun mal eine richtige Wohnung beziehen, doch irgendwie fühlte er sich oben auf dem Port nicht so wohl. Es war als wäre er allein… nicht das ihn das je gestört hätte, dann dachte es sich leichter und man konnte besser Pläne schmieden. Er hatte dazu keinen Buddy benötigt wie Sloane ihren Kaetus. Und doch wusste Ryes genau, wenn er sich dafür wünschte. Diese Person trug eine schwere Kampfrüstung und hatte genug mit dem Finden neuer Planeten zu tun.
Wie sonderbar gut er sich an dessen Geschmack und das Gefühl seiner Lippen auf seinem Mund erinnern konnte...  Hatte das als Verzeihen und Bestätigung ausgereicht um den Mann nochmal zu ihm zu treiben? Wartete er daher Stunde um Stunde hier unten in diesem Privatzimmer? Sein Atem ging schwerer. Er war keine Frau, er wollte und würde nicht träumen… es war … Unsinn… es würde ihn von seinem Weg abbringen und den war er ja bereit gewesen für immer zu gehen...
Er,
hier unten,
im Tartarus,
der eigentlichen Machtzentrale der Stadt.
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