Das zweite Gesicht - Die Zeit danach

GeschichteAllgemein / P12
22.05.2020
28.05.2020
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22.05.2020 729
 
Während die Feuerwehrleute alles für den anstehenden Löschvorgang vorbereiteten, ertönte von weitem die Polizeisirene des Zivilfahnderkombis, welches recht schnell neben dem Feuewehrauto zum stehen kam. Piet stieg rasch aus, lief auf das Tor zu, schnappte sich eine am Zaun stehende Axt und lief dann weiter Richtung Haus, in dem die Wohnung im ersten Stock brannte. Auf dem Weg wollte sich einer der Männer ihm in den Weg stellen, doch er zückte schnell seinen Dienstausweis und hielt diesen dem Feuerwehrmann hin.
"Polizei, meine Kollegin ist in dem Haus." sagte er nur und rannte weiter.
"Da ist noch jemand drin?", fragte der Feuerwehrmann ungläubig und drehte sich zu ihm um.
"Lageänderung, Lageänderung. Jetzt Feuer und Menschenleben in Gefahr. Menschenrettung eingeleitet. Eins Cäsar.", setzte dieser als Funkspruch ab.
Piet sprang auf eine kleine Mauer, und begann, das Gestein, wo sich einst eine Haustür befand, mit der Axt zu zerschlagen.

Im Haus lag Harry bewusstlos am Boden auf dem Bauch.

Vor dem ehemaligen Hauseingang schlugen Piet und der ihm inzwischen zu Hilfe gekommene Feuerwehrmann weiterhin die Mauer ein. Als dies soweit erledigt war, schmiss Piet seine Axt zur Seite und stürzte ins verqualmte Haus. Dass er keinen Atemschutz, im Gegensatz zum Feuerwehrmann, besaß, war dem Polizisten in diesem Moment völlig egal. Die Sorgen um Harry waren zu groß und er wollte schnellstmöglich zu ihr hin.
"Harryyyy!", schrie Piet
"Hey"!, rief ihm der Feuerwehrmann noch hinterher, doch dies wurde ignoriert.
Immer wieder rief Piet nach ihr und rannte dabei durchs Haus, doch eine Antwort blieb aus. Das Sehen und Atmen wurde ihm durch den Qualm zwar erschwert, doch er fand sie recht schnell.
Mit einem besorgten "Harry" ließ sich der Zivilfahnder kniend neben seiner Kollegin nieder. Hustend drehte er sie um und sah, dass sie bewusstlos war. Piet entdeckte noch eine weitere Person. Sie lag, ebenfalls bewusstlos, unter einem umgestürzten Schrank.
"Ich brauch' Hilfe, zweite Person, Wohnzimmer!", schrie er in Richtung Eingangstür, und versuchte dabei, Harry wachzubekommen.

Auf der Wache standen Dirk und Frau Küppers am Funktisch, Hannes und Daniel saßen dort.
"Peter 14 für Michel kommen.", sprach Hannes in die Funke.
"Michel hört.", kam es vom anderen Ende.
"Gibt's was neues?"
"Leider nicht, Peter 14. Ihr Kollege ist grade rein, um nachzusehen."
"In ein brennendes Haus?", kam es von Küppers erschrocken.
Daniel senkte seinen Kopf nach unten und kratzte sich im Nacken. Dirk sagte nichts, schaute nur mit besorgter Miene zum Funktisch.

"Hilfeee! Wo sind Sie!", schrie Piet aus dem Inneren des Hauses, als zwei Feuerwehrmänner unter Atemschutz das Haus betraten.

Im Wohnzimmer des Hauses schaffte Piet es nicht, Harry wachzubekommen. Kurzerhand nahm er seine Kollegin auf seine Arme, stieß dabei ein lautes "Nein" aus und trug sie hinaus.

Vor dem Haus versammelten sich zwischenzeitlich die ehemaligen Bewohner des Hauses und ein paar Polizisten vor dem Eingang. Piet kam mit Harry auf dem Arm nach draußen, lief die kleine Treppe vor dem Hauseingang runter und steuerte direkt auf eine Rasenfläche zu, wo er sie sanft ablegte, sich neben sie kniete und über sie beugte und mit beängstigtem Gesicht ansah. Seine Hände legte der blonde Polizist auf ihre Wangen und lauschte, ob sie noch atmete.
"Harryyy"!, rief er verzweifelt ihren Namen, doch es tat sich nichts.
Und dann geschah es. Harry fing an zu husten und zu krächzen. Piet fiel ein Stein vom Herzen und war überglücklich, dass sie lebte. Er strich ihr mit dem linken Daumen über ihre rechte Wange und redete dabei beruhigend auf seine Kollegin ein.
Hin und wieder sackte Harry völlig erschöpft zur Seite.

Vor dem Gartentor sah Maria Herking ihre Katze Milly, ging zu ihr hin und nahm sie glücklich auf den Arm.

Noch einmal legte Piet seine Hand auf Harrys Wange, strich kurz darüber und setzte sich dann auf. Mittlerweile wurde auch die zweite Person, Lasse Lobeck, geborgen und zum inzwischen eingetroffenen RTW getragen. Piet zog seine Jacke aus und legte diese unter Harrys Kopf. Er sah seine Kollegin sorgenvoll an. Sie öffnete noch sehr geschwächt ihre Augen.
"Ich bin da." sagte er.
"Schön.", kam es von ihr und grinste ihn an. Sie war glücklich, dass er bei ihr war und legte ihre vom Ruß verschmutze Hand auf seinen Arm.