Die Bar Lupin

von Iruka
OneshotMystery / P12
OC (Own Character) Osamu Dazai
22.05.2020
22.05.2020
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Vor der Bar war es still. Es hatte vor einigen Stunden angefangen zu regen, und der Regen hielt die Menschen vom Herumlungern in den Gassen ab. Im nächtlichen Licht der Stadt lag die Bar Lupin wie ein einsame Kleinod für Gestrandete, versteckt und ruhig gelegen  zwischen den hohen, inzwischen sicherlich verlassenen Firmengebäuden. Es war eine warme Nacht, der dem Regen nichts anhaben konnte.

Unter dem schmalen Vordach, im flackerndem Licht der Leuchtreklame nahm ich den Schirm herunter und schlug ihn aus, so dass die Hundert Regentropfen sich zu den Pfützen auf dem Boden sammelten. Dann, nicht ohne mich noch einmal umzusehen, trat ich ein.

Wohlige Wärme schlug mir entgegen. Während sich die Tür hinter mir schloss und ich den Schirm abstellte bemerkte ich die leise Musik und den feinen Geruch nach Alkohol. Der Barraum war simpel, schlicht eingerichtet und für diese Zeit unumstrittener Weise trotz der einladenden Beleuchtung sehr schlecht gefüllt. Vielleicht war dies das Schicksal eines derartigen Ortes, der sich vor allem unter den Mitgliedern der ansässigen Mafia seiner größten Beliebtheit erfreute.
Er war bereits da, saß mit dem Rücken zur Tür und hielt sein Glas in die Höhe. Der Lange hellbraune Trenchcoat hing locker über seinen Schultern.
„Du bist also gekommen.“, ohne sich nach mir umzusehen setzt er sein Glas ab. Ich muss seufzen und nehme auf dem Stuhl neben ihm Platz. Von einem Kellner oder einer Bedienung ist weit und breit keine Spur zu sehen. Dazai schiebt mir ein zweites Glas, das vor ihm steht, zu.
Ich nicke, und nehme es an, „Dachtest du ich käme nicht?“, langsam erhebe ich das Glas, rieche daran und stelle es dann wieder ab. Das ist für Erwachsene.
Er grinste plötzlich, „Naja, ich war mir nicht ganz sicher ob du nicht vielleicht noch sauer auf mich bist.“
„Sauer?“, ich erstarre in meiner Bewegung, gezwungen nach einer Erinnerung zu suchen, „Warum sollte ich sauer sein? Weil du mich letztes Mal fast umgebracht hat?“, ich schüttele den Kopf und nehme einen Schluck aus dem Glas, „Das habe ich dir längst verziehen. Das war einfach nur ein dummer Zufall. Wer hätte auch wissen können, dass deine Fähigkeit so unverträglich für mich ist.“ „Ja“, er nickt, „Das war keine böse Absicht. Es ist niemals böse Absicht.“, und er prostet mir zu.

Einige Minuten schweigen wir uns an, untermahlt von dem Geräusch der leise klirrenden Eiswürfel. Dann gebe ich mir einen Ruck, „So, dann erzähl mal. Was ist passiert? Warum wolltest du mich sprechen? Wer ist der Verräter?“
Er stutzt einen Moment, sichtbar irritiert, wendet sich mir zu und sieht mich aus seinen undurchschaubaren Augen an, „Verräter? Wer hat etwas von einem Verräter gesagt?“
Ich strecke meine Arme nach vorn und recke mich ausgiebig, und kann eine Spur Genugtuung nicht verstecken, „Nun ja, Dazai, wie du weißt habe ich mich doch auch mal als Detektiv versucht. Und auch wenn ich nie so gut war wie du oder- Gott bewahre- gar Ranpo-san, so habe ich doch die Fähigkeit eins und eins zusammen zu zählen.“
„Aha.“, er nickt und faltet die Hände vor seinem Glas, sichtbar neugierig legt er den Kopf schief, „Dann lass mich doch mal an deinen Beobachtungen teilhaben und sie bewerten.“
Auch ich wende mich ihm nun zu und verhake meine Beine in den Barhocker. Mit erhobenem Finger beginne ich zu erklären: „Erstens: Dazai-san hat immer einen Plan. Das ist meine Grundlage. Warum solltest du dich nach so vielen Monaten plötzlich wieder melden, wo ich das Büro doch aus guten Gründen schon vor so langer Zeit verlassen habe. Es muss etwas wichtiges sein, wenn du dein Vertrauen in mich steckst. Du wusstest nicht ob ich kommen würde, weil niemand von euch wusste wo ich mich aufhielt- ich hätte auch schon längst außer Landes sein oder nicht auf deine Nachricht antworten können.“
Ich erhebe einen zweiten Finger, „Zweitens: Warum hast du mich gerufen, warum nicht die Detektei? Warum in dieser Bar und nicht im Büro? Du empfängst mich absichtlich alleine und ohne die Hilfe der anderen- ich bezweifele sogar, dass sie von unserm Treffen wissen. Das bedeutet für meine Schlussfolgerung: Entweder kannst du dem Büro nicht trauen und es geht hier um ein internes Problem, was vermutlich einen Maulwurf oder schlimmeres bedeutet, oder- und das glaube ich eher weniger- du verbringst freiwillig deine Freizeit mit mir weil du an mir interessiert bist.“, ich ende und genehmige mir einen weiteren Schluck aus dem Glas.
Das Getränk brennt sich trotz der Kühle meinen Hals herunter.

Dazai nickt anerkennend: „Nicht schlecht, du schmeichelst mir damit ja fast etwas.“, er zupft einen Fussel von seinem Trenchcoat, „Du hast definitiv etwas bei uns dazugelernt. Aber eine Sache hast du übersehen. Lass mich erklären.“, jetzt hebt er seine linke Hand in die Höhe. Unter dem Ärmel kann ich die Bandage erkennen, die er sich um die Knöchel geschlungen hat. Nach ihrem Zweck hatte ich ihn noch nie gefragt.
Dazai ist etwas größer als ich, und so sehe ich nun etwas zu seinem Finger auf den er jetzt in die Luft streckt und der nun meine ganze Aufmerksamkeit fordert, „Vorab: Du bist viel zu aufmerksam und argwöhnisch- und das aus gutem Grund- um dich ohne Vorbereitung in eine derartige Situation zu stürzen. Ich wette du hast nach dem Erhalt meiner Nachricht das Büro überwacht und selbst versucht den Fall, wie er deiner Meinung nach vorlag, zu lösen. Ich nehme an, dass es dir nicht gelungen ist, sonst wärst du nicht hier. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass du die Bar und die Straßen vorher mindestens dreimal nach Feinden überprüft hast, falls das hier eine Falle sein sollte. Es tut überings sehr weh das zu wissen.“
Ich werde rot. Er hat natürlich recht. Peinlich berührt meide ich seinen Blick, „Also, zu meiner Verteidigung, Dazai-san, erfahrungsgemäß gestalten sich Dinge einfacher wenn man sie alleine löst. Aber in diesem Fall stimmt es, alleine habe ich den vermeintlichen Maulwurf nicht gefunden. Und dabei habe ich mir wirklich alle Mühe gegeben. Deshalb wollte ich wissen, was du zu sagen hast.“
Er nickt, die Hand noch immer erhoben, „Ja, das habe ich mir gedacht. Nun gut, zu deiner Schlussfolgerung. Es gibt drei Möglichkeiten. Die Erste: Ein Verräter. Das ist es zum Glück nicht, aber ich bin froh über deine Mühen. Das bedeutet, dass die das Büro ja doch irgendwie am Herzen liegt.“ Ich hole tief Luft, doch unterbreche ich ihn nicht. Vergangenes sollte man ruhen lassen.
„Die zweite Möglichkeit“, er streckt einen zweiten Finger in die Luft um mitzuzählen, „Ich bin an dir interessiert. Sehr niedlich, aber dann hätten wir uns nicht zu dieser Zeit an diesem Ort getroffen, da muss ich dich leider enttäuschen. Denn auch wenn das perfekte Ende dieser Geschichte definitiv ein Doppelsuizid wäre, so habe ich doch so viel Anstand vorher ein anständiges Date zu führen.“
„Ach“, spielerisch schüttele ich den Kopf, „Und ich dachte schon das Freigetränk hätte was zu bedeuten.“
Doch seltsamerweise reagiert Dazai darauf gar nicht. In dem Moment werde ich stutzig und lege leicht den Kopf schief. Worauf wollte er hinaus? Doch er streckt nur den dritten Finger in die Höhe, „Die dritte Möglichkeit, und meiner Meinung nach die weitaus wahrscheinlichste: Ich verrate dich.“ Und noch während er die Worte ausspricht umfasst seine rechte Hand unterhalb meines Blickfeldes mein Handgelenk.

Den Bruchteil einer Sekunde starre ich ihn fassungslos an, doch dann spüre ich meine Kräfte bereits schwinden und sacke von dem Barhocker. Polternd fällt der Stuhl auf den Boden. Das hatte ich wirklich nicht erwartet. Dazai ist der Einzige der mir wirklich gefährlich werden könnte- das hatte ich immer gewusst, aber das er es wirklich einmal absichtlich tun würde, dass hatte ich nicht bedacht. Er springt eilig auf seine Füße und fängt mich geschickt auf, bevor ich auf dem Stein aufschlage.
„Also- das Getränk- für Vertrauen-“, bringe ich noch heraus, und das letzte was ich sehe ist ein leichtes Nicken seinerseits, untermauert durch eines seiner undurchschaubaren Lächeln
„Ganz recht. Und dafür danke ich dir.“ Und dann wird die Welt schwarz während der Verräter mich in seinen Armen hält.

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Eventuell ist das Ganze Teil einer größeren Handlung, aber da muss meine Phantasie noch etwas weiter arbeiten ;) Momentan verweilen wir einfach im Augenblick.
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