Frost und Donner

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12
22.05.2020
23.05.2020
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23.05.2020 2.031
 
Bernsteinpfote rannte. Sie konnte das rhythmische Trommeln ihrer Pfoten auf dem Boden hören und die Laubbäume des DonnerClan-Territoriums an ihren Seiten vorbeifliegen sehen, doch ihre Augen blieben fest auf die Katze vor ihr fokusiert. Es war ein grau-weißer Kater, ein Schüler, nur ein bisschen größer als sie selbst.
Der Kater war schnell, aber Bernsteinpfote schaffte es, den Abstand zwischen ihnen auf weniger als drei Fuchslängen zu reduzieren. Die Schildpattfarbene spürte die Energie durch ihren Körper pumpen und wäre am Liebsten noch schneller gerannt, doch sie wusste, dass sie sich Energie für den bevorstehenden Kampf aufsparen musste.
Der Schüler lief leicht nach links, und die Kätzin wusste sofort, was er vorhatte. Der Kater würde versuchen einen weiten Bogen zu laufen, um wieder zu der Lichtung zurückzukehren, auf der seine Clangefährten warteten.
Kein schlechter Plan. Aber dann kannst du nicht mehr weiter rennen. Dann musst du dich dem Kampf stellen. Bernsteinpfotes Pfoten kribbelten aufgeregt bei dem Gedanken daran, den Kater zu überwältigen und als Sieger aus dem Kampf hervorzugehen.

Sie ließ sich leicht zurückfallen. Nicht weil sie müde war, nein. Sie würde den Gegner nur denken lassen, sie wäre müde. Dann würde sie hervorschnellen und ihn zu Fall bringen.
Ihr Plan ging auf, und auch der Kater wurde langsamer.
Sie lächelte. Wieg dich nur in falscher Sicherheit. Unterschätz meine Ausdauer nur. Dann kann ich dich besiegen.
Als die Schildpattfarbene endlich nah genug an der Lichtung war, um das Geschrei der anderen Katzen aus ihrem Clan wahrzunehmen, wusste sie, dass der Moment zum Angriff gekommen war. Sie beschleunigte ihre Geschwindigkeit und verringerte die Distanz zwischen ihr und ihrem Gegner innerhalb von wenigen Herzschlägen auf etwa eine Schwanzlänge. Gerade als dieser aus dem Unterholz auf die Lichtung voller Katzen herausbrach, sprang Bernsteinpfote ab.

Doch sie hatte den Sprung und die Geschwindigkeit des Gegners überschätzt, und anstatt mit den Vorderpfoten auf seinen Schultern zu landen, griffen diese ins Leere und prallten schmerzhaft auf dem Boden vor dem Kater auf, während ihre Hinterläufe die Schultern nur knapp verfehlten.
Der Gegner stolperte über sie, und einen Augenblick später waren die beiden Katzen ein kämpfendes Felllbündel, welches wild auf der Lichtung umherrollte.

"Stopp, das reicht."
Bernsteinpfote ließ von ihrem Gegner ab und richtete sich keuchend auf. Sie erblickte Efeusee, die heute das Training der Schüler zusammen mit Rosenblatt übernommen hatte und ihr nun einen anerkennenden Blick zuwarf.
"Bernsteinpfote, das war ein interessanter Ansatz. Allerdings auch ziemlich gefährlich. Einen Gegner bei voller Geschwindigkeit auf den Rücken zu springen, erfordert eine gute Einschätzungsgabe und viel Übung. Beides hast du noch nicht, deshalb würde ich für jetzt davon ablassen. Versuch lieber, neben dem Gegner zu rennen und ihn dann aus dem Gleichgewicht zu bringen."
Bernsteinpfote nickte und betrachtete dann ihre Vorderpfoten, die von dem Fall noch schmerzhaft pochten.
"Warum kommst du nicht später zu mir und wir trainieren diesen Trick?", fügte sie hinzu, als sie das enttäuschte Gesicht der Schülerin sah. "Ich denke, du bist genau die richtige, um diesen Kampfzug anzuwenden."
"Danke, Efeusee." Die Schildpattfarbene senkte den Kopf und trabte dann zum Rand der Lichtung, um sich neben Frostpfote niederzulassen, während Efeuse weitersprach.
"Taupfote, du hast es erstaunlich schnell geschafft, wieder hierher zurückzukommen. Allerdings bist du am Ende sehr langsam geworden. Hättest du dein Tempo länger gehalten, wärest du Bernsteinpfotes Angriff entgangen."
Ihr Bruder Taupfote stand nun noch auf der Lichtung, keuchend und das weiß-graue Fell voller Staub. "Ja, Efeusee."
Sie beobachtete ihren Bruder, wie er zu Schneepfote, Lilienpfote und Wasserpfote trabte, die sich am anderen Ende der Lichtung niedergelassen hatten. Leichter Stolz erfüllte sie, als sie daran dachte, wie schnell sie gewesen war und wie sie Taupfote zum Glauben gebracht hatte, er sei in Sicherheit, nur um einen Moment später zu attackieren.
"Schönen Fall gehabt?" Der neckische Kommentar kam von Frostpfote, Bernsteinpfote’s bester Freundin seit der Kinderstube. Sie und ihr Bruder Wasserpfote waren nur einen Mond nach Bernsteinpfote und ihren Geschwistern geboren, und die beiden waren wie Schwestern, die sich alles erzählten.
„Ja, danke der Nachfrage.” Sie schnurrte. „Du musst aber schon zugeben, dass der Angriff ziemlich gut war. Taupfote dachte schon, er hätte mich abgehängt, und dann...“ Bernsteinpfote ließ eine Pfote nach vorne schnellen und zerfetzte ein hinabgefallenes Blatt, das vor ihr lag.
„Mm... ich schätze mal, dass es ganz okay war.“ Frostpfote tat gleichgültig, aber Bernsteinpfote konnte ein scherzhaftes Blitzen in ihren Augen ausmachen.
Die beiden wurden von Rosenblatt unterbrochen, die Frostpfote in die Mitte der Lichtung rief, um die Übung mit Wasserpfote zu wiederholen.
„Schau gut zu, Bernsteinpfote. Jetzt zeige ich dir, wie man es richtig macht.“, miaute Frostpfote und lief zu den beiden Mentoren. Kurz darauf gab Rosenblatt das Startsignal, und sie begann, ihren Bruder durch den Wald zu jagen.

Bernsteinpfote sah den Katzen nach, ein leichtes Schnurren in der Kehle. Dann sprang sie auf und schlenderte hinüber zu den anderen Schülern, um nicht alleine sitzen zu müssen. Ihre Brüder Schneepfote und Taupfote unterhielten sich mit lauter Stimme, während Lilienpfote einige Schwanzlängen entfernt auf dem Bauch lag und gedankenverloren auf die Lichtung starrte. Die einzige Schülerin, die das Training verpasste, war Saatpfote, die es irgendwie geschafft hatte, in die Morgenpatrouille eingeteilt zu werden und den anstrengenden Übungen zu entkommen.
Bernsteinpfote ließ sich neben Lilienpfote fallen. Seit sie Schülerin war, hatte sie sich zu dem Kater hingezogen gefühlt. Vor einem Mond hatte er ihr endlich gestanden, dass er das selbe für sie fühlte. Ihr Herz klopfte immer noch bei dem Gedanken, sich seine Gefährtin nennen zu können.

„Guter Sprung.“, miaute der Kater.
„Danke. Du hast dich aber auch gut gegen Schneepfote geschlagen. Der Arme hatte keine Chance gegen dich.“
Lilienpfote erwiderte nur indem er ihr kurz über die Wange leckte. Bei der Berührung kribbelte Bernsteinpfote’s gesamter Körper und sie schmiegte sich eng an ihn.
Die beiden lagen für einen kurzen Moment in Stille, dann erhob Bernsteinpfote wieder das Wort. „Was meinst du, wen Brombeerstern heute auf die große Versammlung mitnimmt?“
„Mich und Saatpfote, würde ich vermuten. Rosenblatt hat heute morgen angedeutet, dass wir bald zu Kriegern ernannt werden, und Brombeerstern will uns wahrscheinlich für unsere letzte Versammlung als Schüler mitnehmen.“
„Du wirst bald Krieger?“, miaute Bernsteinpfote bewundernd, „Ich muss unbedingt bei deiner Zeremonie dabeisein. Ich werde in der ersten Reihe sitzen und dir am lautesten zujubeln.“
Lilienpfote schnurrte.
„Was meinst du, wird dein Kriegername? Lilienherz? Oder Lilienflamme, das würde gut zu dir passen.“
Der Schüler zuckte mit den Ohren. „Ja, vielleicht.“ Er schwieg kurz. „Vielleicht aber auch Lilienkralle. Das klingt gefährlich. Liliensturm hört sich auch toll an.“

Bernsteinpfote wollte gerade zu einer Erwiderung ansetzen, als Wasserpfote und Frostpfote auf die Lichtung geprescht kamen. Die Silberweiße hatte ihn eingeholt und versetzte ihm nun einen Stoß in die Seite, um ihn zu Fall zubringen. Staub wirbelte auf, als die Kätzin schlitternd zum stehen kam und zum Sprung ansetzte. Doch Wasserpfote war schnell, er konnte ihren gezielten Angriff mit einem Pfotenschlag abwehren und sich aufrappeln.
Die Mentoren ließen die Schüler noch einige Momente lang kämpfen, bevor sie Wasserpfotes Pfotenschläge und Frostpfotes Abrollen kritisierten und das nächste Schülerpaar aufriefen.




Bernsteinpfotes Muskeln brannten wie Feuer, als sich die Katzen kurz nach Sonnenhoch zurück ins Lager bewegten. Sie hatte die Übung noch mehrere Male wiederholen müssen und obwohl sie eine ausdauernde Läuferin war, hatte die Trainingseinheit an ihren Kräften gezerrt. Sie wünschte sich, sie wäre an Lilienpfotes Stelle gewesen, der nach zwei Wiederholungen Jagen geschickt worden war, um seine Kräfte für die große Versammlung zu schonen. Später waren Saatpfote und ihr Mentor Hummelstreif dazugestoßen, waren aber kurz danach schon wieder verschwunden, Jagen, um ihre Kräfte für die große Versammlung zu schonen.
Bernsteinpfote beneidete die beiden Katzen, die schon so bald zu Kriegern ernannt werden würden und als vollwertige Mitglieder anerkannt wurden. Sie sehnte sich nach dem Zeitpunkt, an dem sie eine Kriegerin werden würde und dem Clan als solche dienen konnte. Aber ihre Zeit würde kommen.
Wenn der erste Schnee fiel, würde sie Kriegerin sein. Das hatte Lichtherz, ihre Mutter gesagt, als sie als ungeduldiges Junges gefragt hatte, wann sie endlich ihren Kriegernamen tragen könne. Nun, der Blattfall hatte gerade begonnen. Ihre Zeit würde kommen.

Die Katzengruppe kam am Lager an und Bernsteinpfote schlüpfte hinter Frostpfote durch den Dornentunnel. Nachdem Efeusee, Mausbart und Haselschweif sie mit einigen kurzen Worten lobten und ihnen den restlichen Tag freigaben, zerstreuten sich die Katzen in alle Richtungen.
Schneepfote, dessen Augen erschöpft glänzten, lief Richtung Schülerbau, während Taupfote und Wasserpfote zum Frischbeutehaufen liefen. Die Mentoren ließen sich auf einem sonnigen Fleck in der Mitte des Lagers nieder und kurz darauf gesellte sich Fuchssprung, Taupfotes Mentor, der das Training aufgrund einer Erkältung verpasst hatte, zu ihnen.

Bernsteinpfote blickte zu Frostpfote, welche nur kurz nickte. Die Schildpattfarbene sprang los, schnappte sich eine kleine Amsel vom Frischbeutehaufen und ließ sich kurz darauf neben ihrer besten Freundin vor dem Schülerbau fallen.
„Nicht reden, nur essen?“
Bernsteinpfote nickte. Sie war froh über die Gelegenheit, gemeinsam mit ihrer Freundin zu essen und die Stille zu genießen, nachdem ihr gesamter Vormittag mit dem Geplapper und Gelächter der anderen Schüler gefüllt gewesen war.
Wenige Bissen später war der Vogel verspeist und Bernsteinpfote legte sich mit einem zufriedenen Schnurren in der Kehle auf die Seite. Die Sonne schien angenehm durch die Blätter und wärmte ihr weißes Brustfell, das zarte Fleisch der Amsel hatte ihren Magen angenehm gefüllt. Ein Blick auf Frostpfote verriet ihr, dass die Silberweiße das gleiche tat und mit halb geschlossenen Augen die Sonnenstrahlen genoss.
Bernsteinpfote wäre gerne eingeschlafen, doch anstatt ihrer Müdigkeit nachzugehen, beobachtete sie das rege Treiben im Lager des DonnerClans und lauschte dem gleichmäßigen Atmen von Frostpfote. Sie entspannte ihre schmerzenden Muskeln und seufzte zufrieden. Schon bald würde es zu kalt werden, um sich draußen zu Sonnen, und Bernsteinpfote wollte diese Gelegenheit voll und ganz ausnutzen.

Das Entspannte Schlummern der beiden Kätzinnen wurde unterbrochen, als Bernsteinpfote ihre Mentorin Taubenflug auf sich zukommen sah. Schnell richtete sie sich und blinzelte, um die Schläfrigkeit aus ihren Augen zu vertreiben.
„Bernsteinpfote.“ Taubenflugs Stimme klang gereizt.
Die Schülerin neigte den Kopf zur Begrüßung. „Hallo, Taubenflug.“
„Häherfeder will seinen Vorrat an Huflattich auffüllen, bevor die Blattleere einsetzt. Ich möchte, dass du ihm hilfst.“
„Ja, Taubenflug.“ Bernsteinpfote stemmte sich sich auf die Pfoten. Sie wäre lieber neben Frostpfote liegen geblieben, doch sie wusste, dass mit ihrer Mentorin nicht zu diskutieren war. Taubenflug glaubte, dass man dem Clan am besten mit harter Arbeit dienen konnte, und seine Treue bewies, indem man von morgens bis abends auf den Pfoten war, jagte, kämpfte, und anderen Katzen half. Das zumindestens hatte sie ihr erzählt, als Bernsteinpfote einmal gefragt hatte, ob sie die Abendpatrouille ausfallen lassen könnte, um ihre vom Training steifen Muskeln zu schonen.

Bernsteinpfote seufzte. Manchmal wünschte sie sich, eine Katze wie Efeusee als Mentorin zu haben—eine Katze, die ihr Aufmerksamkeit schenkte, und sich für sie persönlich interessierte, sie nicht nur als eine zusätzliche Pflicht sah, die ein zusätzliches Problem zu all den anderen in Taubenflugs Leben darstellte.
Sie blickte zu Frostpfotes. An ihren ärgerlich zusammengekniffenen Augen und den zuckenden Augen konnte man erkennen, dass ihre Freundin gerne für sie eingesprungen und Taubenflug gesagt hätte, dass die beiden Schülerinnen bereits eine harte Trainingseinheit hinter sich hatten. Doch Bernsteinpfote schüttelte den Kopf. Einmal mit Häherfeder im Wald Kräuter suchen würde sie auch nicht umbringen.
Hoffentlich.

~•~


Hey!
Willkommen zu diesem unnötigen Unterteil des Kapitels, bei dem ich euch ein paar tolle und interessante Sachen über mein Leben erzähle. :))) Aber keine Sorge, meine Lieben, ihr müsst euch nicht unter jedem Kapitel diese tollen und interessanten Sachen über mein Leben anhören.
Ich kann es eigentlich gar nicht glauben, dass diese Geschichte jetzt endlich veröffentlicht wird, nachdem ich für gute zwei Jahre auf FanFiction nichts anderes als Leserin war. Ich bin super gespannt, wie diese Geschichte hier ankommt. Im Moment bin ich fleißig am vorschreiben der Kapitel und versuche das ganze auch so schnell wie möglich zu beenden, damit sich das ganze hier nicht wieder über Jahre hinzieht. Und wenn ich das hier beendet habe, ist auch eine mmff in Planung, auf die ich mich riesig freue.
Das hier wird aber erstmal mein Hauptfokus sein, und ich versuche, mich nicht zu sehr von meinen Nebenprojekten ablenken zu lassen.
Man sieht sich :)
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