Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Long way to happiness

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Draco Malfoy Hermine Granger Scorpius Malfoy
21.05.2020
21.02.2021
41
144.386
32
Alle Kapitel
89 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
24.01.2021 3.807
 
P.O.V. Narzissa

Betrübt lag ihr Blick auf dem silbrig schimmernden Metall, das inzwischen leicht erwärmt in ihrer ausgestreckten Handfläche ruhte. Es war eines der letzten Relikte ihrer Ehe, und – Merlin – den Glauben daran, dass ausgerechnet die ihr noch einmal einen Vorteil bieten würde, hatte sie längst verloren. Zu Unrecht?

Lucius sollte verlegt werden, soviel wusste sie mittlerweile, aber die Nachricht hatte sie verwundert. Was brachte es ihm, den Ort zu verlassen, den er mit Abstand am besten kannte? Es musste doch ein abgekartetes Spiel sein, hatte sie gedacht, nein, sie war sich sogar sicher gewesen, aber nun?

Wieder driftete ihre Aufmerksamkeit ab, fokussierte sich stattdessen auf die leuchtende Blase, die im fluoreszierenden Lichtschein vor ihr schwebte. Darin; Lucius.

Ihr Ehering. Mit ihm hatte sie es geschafft, eine magische Verbindung aufzubauen, mithilfe derer sie ihren zukünftigen Ex nun sehen konnte, aber die Situation, die sich ihr offenbarte, überraschte sie.
Er stand im Barsalon, allein zwischen zahlreichen Scherben und Splittern, umgeben von Pfützen aus Alkohol, die sich in den verschiedensten Farben ihren Weg über Wände und Böden bahnten, alles benetzend, was ihnen unterkam.

Stark torkelnd setzte der Blonde die geöffnete Flasche in seiner Linken erneut an, trank sie in einem Zug aus, nur um sie mit einem wütenden Aufschrei gegen die Wand zu werfen, wo sie in unzählige Teilchen zersprang. Ein Scherbenregen folgte, doch Lucius schien es nicht wahrzunehmen, viel mehr trat er gegen einen der letzten unversehrten Stühle, dessen Bein ächzend unter der Kraft des Stoßes brach.

Er zertrümmerte das gesamte Interieur, ging ihr auf. Aber warum? Blanke Wut war auf seinen Zügen festgemeißelt, aber auch etwas anderes. Furcht. Verwirrung. Ratlosigkeit.
Narzissa wusste genau, was das bedeutete. Falls es Lucius Plan gewesen wäre, sich verlegen zu lassen, wäre er euphorisch, hätte dieses überlegene, widerwärtige Grinsen, das sie so hasste, auf den Lippen, aber das war nicht der Fall – und das konnte nur eines bedeuten.

Irgendetwas war schief gelaufen und, Merlin, sie war sich sicher, wen ihr Ex dafür zur Rechenschaft ziehen würde. Sie schluckte hart. Ihr Sohn hatte nichts damit zu tun, verdammt, aber das würde seinen Vater nicht kümmern.

Kurz haftete ihr Blick auf der Uhr. Zehn vor acht. Schwerfällig erhob sie sich. Sie musste etwas tun, irgendwas, und wenn das bedeutete, sich für ihren Sohn auszuliefern. Es war egal, denn sie hatte nichts mehr. Aber ihr Sohn – er sollte leben.

Mit langsamen Schritten öffnete sie die Tür, trat vorsichtig in die vom Schatten verschlungenen Straßen Londons. Sie würde sich etwas einfallen lassen, um ihren Sohn aus Lucius Fokus zu stoßen, aber jetzt stand erst einmal etwas anderes an. Ein Ball.

Sie würde ihn genießen. Sie würde die Zeit mit ihrer Familie genießen. Merlin, das würde sie – so, als ob es das letzte Mal wäre. Denn wer wusste schon, was ihr Vorhaben sie kosten würde.


P.O.V. Hermine

Abwesend betrachtete sie das Geschehen, das sich vor ihren Augen abspielte, doch wirklich anwesend war sie nicht – zumindest nicht geistig. Dennoch; Es war eine geschmacklose Feier, befand sie. Was sollte es auch? Eine Feier, bei der man den Gefallenen gedachte? Absurd!

Es war eine Farce. Ein Event, dass von Beginn an unter einem schlechten Stern gestanden hatte. Angefangen hatte alles damit, dass irrtümlicherweise vergessen wurde, den Muggelschutz über dem Schloss aufzuheben, obwohl - erstmals in Hogwarts bisheriger Geschichte – auch nicht-magische Angehörige der Opfer eingeladen waren, die letztendlich fast eine Stunde in der Eiseskälte hatten ausharren müssen, bis man das Problem behoben hatte.
Dann war der Zauber, der die unzähligen Kerzen magisch an der durchsichtigen Hallendecke schweben ließ, falsch ausgeführt worden. Fünf Schüler, zwei Gäste und eine Lehrkraft hatten sich ziemlich ausgiebig über leichte Verbrennungen und Wachsflecken auf ihrer Garderobe echauffiert.

McGonagall hatte die Eröffnungsrede vor kaum mehr einer Stunde gehalten, trotzdem reisten die ersten auswärtigen Gäste bereits ab. Warum? Nun, vermutlich weil es zuging wie auf einer entarteten Geburtstagsfete.

Irgendwer hatte Alkohol in die Getränke geschmuggelt, was zur Folge hatte, dass bereits jetzt über die Hälfte der Schülerschaft an- oder betrunken war. Nein, andächtig oder demütig war hier niemand. Nicht einmal die symbolische Schweigeminute wurde bis zum Ende hin durchgezogen, weil das unaufhörliche Geplapper einiger respektloser Teilnehmer in jeder Ecke des Saals zu vernehmen war.
Einfach heuchlerisch.

Vor wenigen Minuten erst hatte sich Colin Creeveys Mutter unter Tränen seine kaum zwei Jahre alte Schwester geschnappt und war völlig aufgelöst von dieser unerträglichen Party geflüchtet, weil sie das erklungene Gegröle zweier betrunkener Hufflepuffs nicht mehr aushielt.

Merlin, was würde Hermine dafür geben, ebenfalls von hier verschwinden zu können! Aber es war ein Ding der Unmöglichkeit, sollte sie sich nicht irgendwie desillusioniert klammheimlich rausschleichen können – was Draco ihr vermutlich ziemlich übel nehmen würde. Er wollte die Schulleiterin keinesfalls weiter verärgern, das hatte er ihr gestern Abend schon mehr als deutlich klargemacht, nachdem sie angekündigt hatte, heute schwänzen zu wollen. Sie wusste nicht einmal, wie er sie bei McGonagall durchgeboxt hatte, nachdem sie erst gestern auf Schloss zurückgekehrt waren, aber wenn er jetzt so sehr um Schadensbegrenzung bemüht war…
Umso dankbarer war sie, dass er sich dem Zorn der Schulleiterin allein gestellt hatte, während sie mit Scorpius in ihrem Zimmer auf ihn gewartet hatte.

Sobald sie an gestern dachte… ihr wurde schlecht. Ihr Verhalten war einfach furchtbar gewesen. Ginny war nach einiger Zeit vorbeigekommen, wollte fragen, wo die Schulsprecher die letzten Tage verbracht hatten, aber nachdem sie gesehen hatte, in welcher Verfassung sich Hermine befunden hatte, war sie still bei ihr geblieben, während sie auf den Blonden gewartet hatten.
Und als er kam und meinte, sie müsste heute mitkommen… Minutenlang hatte sie Draco angeschrien, Dinge gesagt, für die sie sich nun mehr als nur schämte, bis Ginny sie letztendlich gehörig zurechtgewiesen hatte. Ihr Freund hatte alles still über sich ergehen lassen.
Genau das ging ihr umso mehr gegen den Strich.

Sie war nicht dumm. Zwar war sie sich nicht sicher, ob der Blonde es selbst bemerkte oder nicht, aber sie registrierte es durchaus. Das hatte sie bereits getan, bevor sie ihre Erinnerungen zurückerhalten hatte, aber nun war sie sich sicher.

Er war anders. Nicht mehr so forsch und schonungslos ehrlich wie am Anfang ihrer Beziehung. Früher hatte er ihr immer klar gesagt, sobald sie sich falsch verhielt, aber jetzt…
Es war, als tänzelte er um sie herum, packte sie – wenn überhaupt – nur mit Samthandschuhen an, als hätte er Angst, sie könnte bei jeder unbedachten, zu lauten Bewegung wie ein aufgeschrecktes Reh aus seiner Reichweite fliehen.

Schwermütig schüttelte sie den Kopf. Sie konnte sich gerade selbst nicht ausstehen.
Es war ihre Schuld. So vieles war ihre Schuld. Sie hatte es doch nur gut gemeint, aber gebracht hatte sie nur… Leid. Schmerz.

Nein, ihre Gedanken drehten sich längst nicht mehr nur um den Blonden, der etwas weiter abseits mit seiner Mutter seinen Sohn bespaßte.

Hermines Kopfschmerzen waren immer noch nicht vollständig abgeklungen und umso schlimmer machten es ihre ständigen Selbstvorwürfe.
Sie wusste wieder, was sie getan hatte. Warum sie es getan hatte… und was sie damit verursacht hatte.
Sie hätte ihm nicht folgen dürfen. Sie hätte…

„Miss Granger! Wären Sie so freundlich, sich endlich einmal ihrer Aufgabe zu widmen, statt durch die Gegend zu starren und ihren Kollegen anzuschmachten?! Das Buffet neigt sich dem Ende zu. Gehen Sie zu den Elfen und sorgen Sie für Nachschub.“

Erschrocken fuhr sie herum, nur um kurz darauf ein enerviertes Schnaufen zu unterdrücken. Natürlich, was für ein Zufall, schoss es ihr durch den Kopf, als sie geradewegs in das mürrische Gesicht Madame Fontaines blickte.
Die Abneigung der Rothaarigen ihr gegenüber schien beinahe täglich größer zu werden – was allerdings auf Gegenseitigkeit beruhte. Was die Französin allerdings genau gegen Hermine hatte… tja, dass wusste sie selbst nicht.

Wie von selbst öffnete sie den Mund, wollte zu einer Entgegnung ansetzen, doch die Ältere hatte sich längst umgedreht und war mit donnernden Schritten zurück in Richtung der Lehrerschaft stolziert. Frustriert prustete sie sich eine Strähne aus dem Gesicht. Wann immer sie auf diese Frau traf sank ihre Stimmung auf den Nullpunkt – was es also in ihrer momentanen Lage mit ihr machte, brauchte man garnicht erst zu erwähnen. Ja, diese Hexe musste sie aus ihr unerfindlichen Gründen abgrundtief hassen und das spiegelte sich nicht nur in ihren Noten wider. Aber es gab noch einen anderen Grund, aus dem Hermine sie mied…

„Was wollte sie von dir? Wo sind die anderen?“ erschrocken nach Luft schnappend fuhr sie abermals herum, vollkommen verkrampft, doch als sie sah, wer sich ihr bis auf wenige Zentimeter genähert hatte, entspannte sie sich.
Draco.
Sie hatte ihn nicht einmal bemerkt. Augenblicklich schnellten ihre Augen zu Narzissa, die nach wie vor einige Yards von ihnen entfernt Scorpius auf dem Arm hielt – beinahe wie ein persönliches Schutzschild. Besorgt wand sie sich ab.

Hermine war vielleicht mit ihrem Kopf woanders, aber irgendwo in ihrem tiefsten Innersten kam ein ungutes Gefühl auf.

Sie wusste, dass die Blonde ihren Enkel absolut vergötterte, Merlin bewahre, aber nicht einmal Hermine war entgangen, dass sich ihr Interesse seit der Ankunft eines gewissen Gastes um ein Vielfaches gesteigert zu haben schien – eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.
Und der Ausdruck der Aristokratin – nun, jemand Fremdem würde es wohl niemals auffallen und sie war sich selbst nicht hundert prozentig sicher, aber irgendwie lag etwas wehmütiges, nostalgisches… etwas endgültiges in ihnen. Sie strahlte, sobald sie ihre Familie sah, aber es erreichte ihre Augen nicht.

„Hermine?“ Perplex blinzelnd schüttelte sie den Kopf, versuchte ihre Gedanken zu ordnen, ehe sie anhob, Draco zu antworten.

„Entschuldige. Ginny und die Jungs machen einen Spaziergang, aber ich brauchte… etwas Abstand. Kein Grund zur Sorge.“ Fügte sie schnell an, als sie merkte, wie Draco sich verspannte. Da war sie wieder: seine ständige Besorgnis. Aber es war nun mal so. Abstand… und wie sie den gebraucht hatte! Ginnys ständige Blicke, die Fragen der Jungs… sie hatte es nicht mehr ertragen.

Besorgt den Kopf schüttelnd musterte er sie genau und ihr wurde klar, dass sie irgendetwas verraten haben musste. Verdammt! „Du musst vor mir nicht die Starke spielen, Mine. Ich… weiß… du bräuchtest eigentlich mehr Zeit. Wenn du willst gebe ich McGonagall Bescheid, dass es dir nicht gut geht. Geh ruhig nach oben. Du hast lange genug ausgehalten.“

„Nein, ich… ich hole mir einfach einen Drink oder… irgendwas. Ich schaffe das schon.“
Merlin, diese Veranstaltung könnte sie sich niemals erträglich, geschweige denn schön trinken, dachte sie sich mit säuerlichen Geschichtsausdruck, dennoch wand sie sich ab und schritt zielstrebig auf die kleine Getränkebar zu - irgendetwas alkoholisches würde sich sicherlich finden. Sie hatte so lange ausgehalten, sie würde jetzt nicht klein bei geben. Sie konnte das!
Tief durchatmend straffte sie die Schulter, setzte ihren Weg fort, aber sie kam nicht weit.

Eine Hand legte sich vorsichtig aber bestimmt um ihr Handgelenk, hielt sie zurück und sie musste sich nicht einmal umdrehen, um zu wissen, wessen Hand es war. „Bitte, Hermine. Du solltest die Finger vom Alkohol lassen. Selbst unter anderen Umständen würde der nicht helfen – glaub mir, ich weiß, wovon ich rede.“ Sprach er plötzlich überraschend ernst aus, ihren verwirrten Blick einfach übergehend. Etwas an seiner Haltung hatte sich verändert, urplötzlich, aber was? Warum? Und welche Umstände meinte er? Ihre… Tochter? Ein schmerzhaftes Stechen durchzuckte sie.

„Du hattest Monate, um zu trauern, Draco. Monate! Ich hatte nur zwei Wochen.“ Flüsterte es tonlos, und sie begriff, dass es ihre Worte waren. Seine Worte taten weh. Lag es an ihr, oder hörte man tatsächlich einen leisen Vorwurf in ihnen?

Dabei war es etwas, was sie immer noch schwer begreifen konnte. Mira. Ihre Mira. Wie konnte sie das bloß vergessen? Wie hatte sie das zulassen können, wie…?
Energisch schüttelte sie den Kopf. Nicht jetzt! Sie würde die Gedanken einfach von sich schieben, ja. Hauptsache, sie nisteten sich nicht in ihren Kopf ein. Nicht schon wieder. Es war bereits zu oft passiert, in den letzten Tagen.
Einen erneuten Zusammenbruch konnte sie sich wirklich nicht leisten.

Unruhig ließ sie ihren Blick schweifen, nur weg von ihm, denn sie konnte Schmerz, Trauer und Mitleid in seinen Augen nicht ertragen. Sie konnte ihre Gedanken nicht ertragen – die Bilder, Erinnerungen. Krampfhaft versuchte sie, sich auf die Gäste zu konzentrieren, nur um sich zu wünschen, es besser nicht getan zu haben.

Es schien Draco nicht einmal aufzufallen, ihm oder Narzissa, aber sie selbst nahm die Blicke einiger weniger Anwesender sehr wohl wahr. Ablehnung und Verurteilung spiegelten sich darin. Verurteilung für etwas, was sie nur in den Köpfen der Menschen getan hatten. Man sah die Malfoys hier als jemanden, die nicht auf Seiten derer gekämpft hatte, denen jetzt hier gedacht werden sollten. Man hielt sie für den Feind.

Es brach einfach aus ihr heraus. „Ich will, dass diese Menschen wissen, was wirklich gewesen ist, Draco. Und damit meine ich auch deine Rolle im Krieg.“
Ihre Stimme klang rau, kratzig. Kein Wunder. Alles, was sie in den vergangenen Tagen gesprochen hatte, ließ sich vermutlich an den Händen abzählen, sollte man einmal von ihrem gestrigen Aussetzer absehen.
Sie erhielt keine Antwort, nein, aber seine Züge strahlten pure Skepsis aus. Skepsis und Ablehnung.

„Ich meine es vollkommen ernst. Warum bist du so verdammt stur? Du weißt doch selbst, dass es für dich und vor allem für Scorpius besser wäre.“
Ja, vor allem für ihren Sohn. Hermine wusste, dass Draco selbst bisher kaum Problemen wie Anfeindungen oder Benachteiligungen aufgrund seiner vermeintlichen Vergangenheit ausgesetzt gewesen war, vor allem, da er vom Ministerium freigesprochen worden war, aber sie hatte am eigenen Leib erfahren, wie bösartig Kinder sein konnten. Wie verletzend. Und das war das letzte, was sie für ihren Sohn wollte.

Sie wollte nicht, dass Scorpius in seinem späteren Leben Opfer von Anfeindungen wurde, dass er sich für Taten seiner Familie – seines Vaters – verantworten musste, die es niemals gegeben hatte.
Er würde zu niemandem gehören. Nicht zu den Slytherins, die ihn wegen seiner Mutter ablehnen würden. Nicht zu den Gryffindors, die einen Malfoy niemals unter sich akzeptieren würden.
Sie wusste um den Ernst der Lage… Draco offenbar nicht.

„Das ist Wahnsinn, Hermine. Es wäre viel zu leichtsinnig, es jetzt auszuposaunen. Lucius…“

„Unsere Beziehung ist seit Mitte dieser Woche publik, Draco. Wenn wirklich ein Informant im Schloss wäre, wüsste dein Vater es längst! Und selbst wenn dem so ist – Lucius hat nichts getan. Verstehst du es denn nicht? Er ist nicht fähig, etwas zu tun, sonst wäre es längst geschehen!“

„Du unterschätzt ihn.“

„Nein, du überschätzt ihn.“ entgegnete sie, fast schon trotzig und blickte ihm unverwandt in die Augen. Er kämpfte. Mit sich, mit ihr, mit seiner Angst. Merlin, konnte er sich nicht einfach auf ihr Urteil verlassen? Was hatte Lucius in den letzten Tagen denn bitte gemacht. Richtig, nichts. Hermine wusste, dass ihm das klar war. Wieso sträube er sich dann so dagegen?

Mit einer unwirschen Handbewegung wand er sich letztlich ab. „Salazar, weißt du was? Dann tu es doch einfach! Frag mich aber nicht nach meiner Meinung, wenn du glaubst diesen Mann besser zu kennen als ich. Natürlich hat er nichts getan, wir waren weg, Hermine, und niemand weiß wo.
Selbst wenn er es weiß – er würde niemals aus dem Affekt heraus handeln. Er plant und genau das macht ihn so gefährlich.“

Langsam schüttelte sie den Kopf, seine letzten Worte übergehend. „Ich setze viel auf deine Meinung und das weißt du auch. Aber vielleicht bin ich in dieser Beziehung nicht ganz so paranoid wie du.“ Es klang hart, soviel härter, als sie es beabsichtigt hatte, doch als sie es bemerkte, war es zu spät.

„Paranoid!“ spie er verächtlich aus und es machte ihr umso deutlicher klar, dass sie diese eine Grenze überschritten hatte. Er hatte seit Jahren nicht mehr so mit ihr gesprochen – in diesem Ton. Scheinbar war er wirklich verletzt. Seine Gesichtszüge blieben kalt, als er sich diesmal endgültig von ihr abwandte. „Wie gesagt, Granger. Tu was du willst.“



P.O.V. Draco

Sie hatte es getan. Merlin, sie hatte es wirklich getan!

Fassungslos starrte Draco die Brünette an, die nach wie vor in selbstbewusster Manier auf der tribünenartigen Erhebung am anderen Ende der Halle stand und die verstummten Gäste mit ernsten Blicken bedachte. Er spürte die brennenden Augenpaare auf sich, wie sie seine Haut förmlich zu versengen schienen und er hielt es nicht aus.

Die wenige Schritte, die ihn vom Eingangsportal der Halle trennten, überwand er mühelos. Wie konnte sie nur? Wie konnte sie nur so leichtsinnig sein?! Er wusste, dass sie ihn gesehen hatte, wie er der Verzweiflung nahe an der Mauer gelehnt hatte, dass sie seine stumme Bitte durchaus wahrgenommen hatte, aber sie hatte es trotzdem durchgezogen.

Salazar, verdammt! Warum konnte Hermine Jean Granger nicht einmal in ihrem Leben auf ihn hören? Nur ein einziges Mal?

Wie ein weit entferntes Echo vernahm er seine Schritte, die von steinernen Boden und den Wänden zurückgeworfen wurden. Sie war so verdammt unberechenbar geworden. Wie damals und doch so anders. Er versuchte ja, verständnisvoll zu reagieren, immerhin focht sie gerade einen inneren Kampf aus. Erinnerungen machten einen Menschen zu dem, was er war, und mit Hermines Erinnerungen trafen quasi zwei ähnliche und doch verschiedene Charaktere aufeinander – und zwar in ihr.
Es war sicherlich nicht leicht, aber seine Nerven lagen inzwischen blank.

Gestern war sie ihn so schlimm angegangen, dass Ginny interveniert hatte, und das sollte bei Merlin etwas heißen. Er wurde nicht schlau aus ihr und das machte ihm allmählich Angst.
Unberechenbar. Sie schrie ihn an, war wütend, nur um Sekunden später in Tränen auszubrechen. Und abends… sie stürzte sich praktisch auf ihn. So lief es seit Mittwoch jeden Tag ab.

Jeder von ihnen hatte viel zu verarbeiten, denn desto öfter er an ihre Vergangenheit dachte, desto mehr holte sie ihn wieder ein. Was er ihr in der Halle gesagt hatte war die Wahrheit. Er hatte es früher selbst versucht – mithilfe des Alkohols zu vergessen. Ein erfolgloses Unterfangen.
Ihr aktueller Versuch war… nun ja, kaum sinnvoller, würde er sagen.

Sie schliefen miteinander. Jeden verdammten Tag. Um sich nahe zu sein, um zu vergessen, aber vor allem, um sich zu versichern, dass sie noch etwas fühlten. Und das taten sie, nur um sich im Nachhinein schuldig zu fühlen, weil sie die Zeit genossen, in der sie nicht an ihre Tochter denken mussten. Es war fast schon krank.

Schwer atmend lehnte er sich an die steinerne Wand, hinter der sich die Küche befand. Hier unten würde man ihn kaum suchen und selbst wenn könnte er immer noch behaupten, er hätte nur nach dem Rechten sehen wollen.

Warum konnte sein Leben nicht einmal einfach sein? Erst wurde er mit einem Vater wie Lucius gestraft, musste als Kind bereits an der Seite des dunklen Lords stehen und setzte sein Leben durch seine Aktivitäten als Doppelagent aufs Spiel. Dann lernte er Hermine kennen – richtig kennen – kam ihr näher, und unter anderen Umständen hätte er über ihre Verbindung nicht glücklicher sein können, auch wenn er niemals so früh hatte Vater werden wollen. Aber er konnte sie nicht halten. Er konnte seine Tochter ebenso wenig halten wie Hermine.
Und hatte er noch geglaubt, jetzt endlich glücklich werden zu können, so machte ihm das Schicksal wieder einen Strich durch die Rechnung. Manchmal hasste er sein Leben.

Schritte hinter ihm erregten seine Aufmerksamkeit. Es war ein Mann, soviel war sicher, doch bis auf die Tatsache, dass er ungefähr gleichgroß sein dürfte wie Draco selbst, ließen die halbschattigen Lichtverhältnisse des Ganges kaum etwas erahnen. Er schien Draco noch nicht entdeckt zu haben.

Als die Gestalt Anstalten machte, an ihm vorbeizugehen, räusperte er sich vorsichtig. „Entschuldigen Sie bitte, Sir. Kann ich ihnen helfen?“

Ein erschrockener Laut entkam der Kehle des anderen, als er orientierungslos herumfuhr, nur um sich anschließend fahrig durch die Haare zu streichen. „Mein Gott, junger Mann. Haben sie mich erschreckt!“

Ein amüsiertes Lächeln schlich sich auf seine Züge. Ja, dass konnte er sich durchaus vorstellen. „Tut mir sehr leid, das war keinesfalls meine Absicht.“

„Ich suche die Waschräume, aber wie es aussieht habe ich mich ziemlich verlaufen. Bei dem Licht sieht alles gleich aus. Könnten Sie mir sagen, wie ich dorthin komme? Oder zumindest zurück in diese Halle,…“

Schmunzelnd zückte er seinen Stab. „Draco. Natürlich, Sir.“ Mit einem einfachen Wisch beschwor er einen Lumos herauf, was sein Gegenüber kurz zusammenzucken ließ. Ja, es war ein Muggel, keine Frage. Auf den ersten Blick würde Draco ihn auf Ende vierzig schätzen. Er war von schmaler statur, aber keineswegs schlaksig. Die braunen Haare, die vereinzelt von silbrig schimmernden durchbrochen wurden, griffen den Braunton der Augen des Mannes auf. Er hatte recht gehabt, was seine Schätzung der Größe betraf.

Ein wissendes Lächeln erschien plötzlich auf den Lippen des Älteren. „Die Ansprache ihrer Schulsprecherin galt doch Ihnen, richtig? Dann war es auch Ihr Kind, dass in diesem Moment von Hermines Freundin so angehimmelt wird. Der Kleine schein ein echter Goldklumpen zu sein.“

Dracos Herzschlag setzte aus. Ungläubig erwiderte er den Blick des Mannes, der ihm in diesem Augenblick auf so seltsame Art und Weise vertraut zu sein schien. Ein Lachen entkam dem Älteren, als er dem Schulsprecher beruhigend auf die Schulter klopfte. Mit einem Mal wusste er, wer ihm gegenüberstand.

„Weiß sie, dass Sie hier sind?“

„Aber nicht doch. Ich wollte sie überraschen, außerdem hat es mich einiges an Überzeugungsarbeit bei Katherine gekostet, das können Sie mir glauben, Draco. Meine Frau kann recht – sagen wir – meinungsstabil sein. Ich nehme mal an, dass Sie damit ebenfalls Ihre Erfahrungen gemacht haben.“ zwinkerte er Draco zu.

Er – John Granger. Hermines Vater und unwissenderweise Großvater seines Sohnes. Merlin und Salazar.

„Also, Draco. Meine Tochter hat gar nicht erwähnt, dass sie inzwischen einen Freund hat. Ich denke, es war vielleicht doch eine gute Idee, hierher zu kommen. Wieso suchen wir nicht erst Hermine und meine Frau, bevor Sie uns die komplette Geschichte erzählen?“ Von einem plötzlichen Tatendrang erfüllt durchschritt Hermines Vater den Gang, wohlgemerkt die falsche Richtung einschlagend, aber Draco brachte kein Wort heraus.

Er hatte an diesem Tag mit vielem gerechnet, aber das…
Merlin, wie hatte er nur so dumm sein können? Hermine hatte damals Ron und Harry einen Brief geschrieben, aber ihren Eltern offenbar nicht – und jetzt standen ebenjene nichts ahnend im Schloss. Salazar, er wollte sich nicht vorstellen, was ihm in den nächsten Stunden blühen würde, denn… das würde ein Schock für sie werden. Außerdem: wenn er sich vorstellte, dass jemand seine minderjährige Tochter schwängern würde – der Kerl hätte bei Morgana nicht mehr lange zu leben.

Er war geliefert und mit diesem Gedanken hörten sich auch Johns Worte plötzlich vollkommen anders an. „Es freut mich übrigens sehr, Sie kennenzulernen, Draco.“

Merlin!

——————————
Hallo allerseits,

Wie ich bereits in einer Antwort auf ein Review geschrieben habe sind mir nach einem PC-Absturz zwei Kapitel flöten gegangen, was ich trotz fleißigem Getippe noch nicht wieder aufholen konnte.
Dass es heute noch klappt ist unwahrscheinlich, ich hoffe auf morgen oder übermorgen!

Tut mir wirklich leid, vor allem, da der letzte Upload schon zwei Wochen zurück liegt. Bitte habt einfach noch ein wenig Geduld mit mir ;)

Wir befinden uns übrigens in unmittelbarer Nähe zur Zielgeraden, also wäre es wirklich schade wenn ihr das Ende verpasst.

Liebe Grüße und hoffentlich bis morgen,
Euer Bücherwurm:)
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast