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Long way to happiness

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Draco Malfoy Hermine Granger Scorpius Malfoy
21.05.2020
07.03.2021
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149.348
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21.12.2020 3.342
 
P.O.V. Draco

„Mr. Malfoy? Mr. Malfoy!“

Dracos Nerven lagen blank. Absolut blank. Unablässig wippte er mit seinem Knie, fuhr sich rastlos durch die unlängst wirr abstehenden Haare, nur um seine Sitzhaltung nach wenigen Sekunden wieder zu verlagern. Nicht nur, dass ihm die unbedachte Handlung der Brünetten zu seiner Linken einfach nicht in den Kopf gehen wollte, nein. Was sein Nervengerüst wirklich strapazierte war die Sorge um sie, die mit jeder verstreichenden Sekunde zunahm.

Hermine war unfassbar blass gewesen, wie sie während ihres Besuches bei der Schulleiterin mehr im Sessel gehangen hatte, als wirklich zu sitzen. Beinahe war es ihm so vor, als würde ihr Zustand minütlich schlechter werden – ein Umstand, der sich selbst jetzt nicht geändert hatte, obwohl sie in unveränderter Manier bewusstlos in ihrem Bett auf der Krankenstation lag. Ja, seit ihrem Zusammenbruch auf der Treppe war sie nicht aufgewacht – weder als er ihren Namen geschrien hatte noch auf dem Weg in den Krankenflügel, den er mit ihr auf den Armen wohl in einer rekordverdächtigen Zeit zurückgelegt haben musste.

Immer noch wuselte die Medihexe um sie herum, murmelte Zaubersprüche, und obwohl sie inzwischen wissen sollte, was der Brünetten fehlte, blockte sie jede seiner Fragen ab. Er wusste nicht, woran dieser Umstand genau lag; ob sie schlichtweg zu sehr in ihre Arbeit vertieft war, oder ob sie ihn einfach nicht leiden konnte –  immerhin war das noch nie anders gewesen. Vermutlich beides. Die gesamte Zeit über hatte sie ihn praktisch ignoriert, als wäre er nicht existent – bis jetzt.

„Mr. Malfoy!“ Blinzelnd hob er den Blick, nur um geradewegs in das von Konzentration gezeichnete Gesicht Madame Pomfreys zu sehen. Es dauerte, bis der Nebel in seinem Kopf allmählich durch Klarheit ersetzt wurde. Hoffnung wallte in ihm auf. Wenn sie ihn jetzt ansprach, musste sie doch wissen was los war, oder? Dann könnte sie Hermine helfen!

Und es waren ihre nächsten Worte, die seine anfängliche Erleichterung augenblicklich platzen ließ, als wäre es nur eine Seifenblase gewesen.

„Ich muss Sie bitten mir einige Fragen zu beantworten, damit ich die Ursache für Ms. Grangers Zusammenbruch herausfiltern kann.“ Ihre Stimme klang dabei so neutral – beinahe wie eine Kassette, die bereits unzählige Male abgespielt worden war. War das ihr Ernst?

Fassungslos sprang er auf, begann mit energischen Schritten am Bett auf und ab zu marschieren, als er die Ältere pikiert anfuhr. „Verdammt, sie ist schon über eine Stunde hier und Sie wissen immer noch nicht, was mit ihr los ist?!“

Ein tadelnder Blick war alles, was sie ihm schenkte. „Beruhigen Sie sich, Mr. Malfoy. Ich kann Ihre Sorge durchaus nachvollziehen, seien Sie sich dessen versichert, aber ich bin nicht wundermächtig! Haben Sie eigentlich eine Ahnung, wie viele Ursachen hinter einem Kreislaufkollaps stecken können? Ein Diagnosezauber kann einen Verdacht nur bestätigen oder falsifizieren, und bisher hat kein einziger angeschlagen.
Ich würde ja Ms. Granger den Anamnesebogen ausfüllen lassen, aber in ihrem Zustand dürfte sich das etwas schwierig gestalten.“

Zähneknirschend kam er ihrer schnippischen Aufforderung, sich wieder hinzusetzen und sie „ihre Arbeit machen“ zu lassen, nach, wobei er sich mehr schlecht als recht ein notdürftig entschuldigendes Lächeln aufzwang. Merlin, die Mutter seines Sohnes lag seit über einer Stunde hier, ohne auch nur für Sekundenbruchteile das Bewusstsein zurückerlangt zu haben. War es da nicht zumindest ein wenig verständlich, dass er von der Rolle war?

„Gut. Sie ist nicht dehydriert und auch einen allergischen Schock konnte ich soweit ausschließen. Ihr Blutdruck ist ziemlich niedrig, aber ich bin mir nicht sicher, ob das die Ursache oder eine Folge ihres Zustandes ist.“ Gedankenverloren runzelte die Medihexe die Stirn und Draco musste sich wirklich fest auf die Zunge beißen, um keinen unbedachten Spruch loszulassen. Salazar, ihm war egal was Hermine nicht hatte. Was es war, war entscheidend!

„Ist so etwas in den letzten Tagen schon einmal vorgekommen? War sie einem besonderen Stress ausgesetzt? Hat Miss Granger heute irgendetwas zu sich genommen? Etwas, das womöglich – nun ja – präpariert gewesen sein könnte?“

Merlin, woher sollte er denn wissen, was sie gefrühstückt hatte? Sah er vielleicht aus wie ein Hellseher? Nichts für ungut, aber Wahrsagen war so ziemlich das erste Fach, das er in diesem Schuljahr abgewählt hatte. Und was den Rest anbelangte: waren sie mal ehrlich, wann hatten sie in den letzten Jahren mal keinen Stress gehabt?

Seine Entgegnung kam langsam, zögerlich, als seine Augen an der scheinbar schlafenden Brünetten hängen blieben. Sie sah so friedlich aus. Allein der Gedanke, jemand könnte ihr absichtlich etwas antun wollen, zerriss etwas in ihm. Aber noch schlimmer war sein Wissen darum, dass es stimmte. So viele ehemalige Anhänger des dunklen Lords, von denen teils sogar Kinder als Schüler dieser Schule ununterbrochen Zugang zu Hermine hatten, hatten die Brünette und ihre Freunde ins Fadenkreuz genommen. Allen voran wohl Lucius, falls er Bescheid wusste. Unwillkürlich stieg ihm die Galle hoch, die Luft wurde ihm knapp und es fehlte nicht viel, dass er sich übergeben musste.

„Nein. Ich meine… Ich war heute Morgen nicht bei ihr, aber sie frühstückt in letzter Zeit kaum und wenn, dann nur eine Schale Müsli. Alles dafür haben wir in unserer Unterkunft und wer Zugang dazu hat, würde ihr wohl kaum etwas Böses wollen.
Was den Stress angeht: momentan ist alles etwas kompliziert, aber Hermine war nie jemand, der mit körperlichen Zusammenbrüchen darauf reagiert.“

Forschend hob die Angesprochene den Blick „Nun, so pauschal kann man es nie sagen. Der Körper reagiert auf jede Situation anders – aber gut. Hatte sie heute Kontakt zu gefährlichen Substanzen? Möglicherweise im Unterricht?“

Stumm verneinte er, was die Ältere nur mit einem flüchtigen Nicken quittierte, die Augen weiter auf die Brünette gerichtet. Kurz hoch sie missbilligend die Augenbrauen, als sie sich langsam an ihn wandte – mit einer Frage, mit der er nie gerechnet hätte.
„Sind Sie in letzter Zeit miteinander intim gewesen?“

Entgeistert starrte er die Medihexe an, die seine Reaktion scheinbar als Bestätigung auffasste – wobei es ja auf die Wahrheit hinauslief. „Geschützt?“

Salazar, Merlin und alle großen Magier, was wollte diese Frau bitte von ihm? Instinktiv nickte er, nur um Millisekunden später mitten in der Bewegung zu erstarren. Fast schon panisch weiteten sich seine Augen, als ihm gewahr wurde… was sie vergessen hatten. Fuck! „Ich… also…“
Es war wohl das erste Mal, dass Poppy Pomfrey ihn sprachlos erlebte, doch es war ihm egal, denn egal wie oft er die Nacht mit Hermine vor seinem geistigen Auge abspielte – der entscheidende Teil, nach dem er suchte, fehlte ein ums andere Mal.

„Nun gut, Junge. Setzen Sie sich.“ Mechanisch kam er der Aufforderung nach, aber in ihm tobte es. Verdammt! Konnte es wirklich sein, dass… Immerhin war es doch nur ein einziges Mal und…
Merlin! Frustriert ließ er seinen Kopf in den Nacken fallen, verdeckte sein Gesicht mit beiden Händen, als könne er so seine Gedanken zum Erliegen bringen – natürlich funktionierte es nicht.
Salazar, er war zwei Jahre mit einer Hexe zusammen gewesen, ohne sie zu schwängern, und nun bestand plötzlich die Möglichkeit, dass er es innerhalb weniger Tage durch ein einziges Mal erneut getan hatte?! Wie absurd war das denn bitte? Die wispernde Stimme in seinem Inneren, die ihm eindringlich zuflüsterte, wie genau er doch wusste, dass es möglich war, ignorierte er geflissentlich.

Er hatte einen Sohn. Er war ein Jahr lang alleinerziehend gewesen. Merlin, Scorpius war sein Leben, aber er wusste nicht… Schwer schluckte er als er seinen silbergrauen Blick abermals auf die Brünette heftete. Nein, er wusste nicht, ob er so etwas noch einmal durchstehen könnte – allein.
Mal davon abgesehen: was sagte es über sein Verantwortungsbewusstsein aus, wenn ihm bis jetzt nicht aufgefallen war, dass sie tatsächlich ohne Vorkehrungen miteinander geschlafen hatten? Hätte es ihm nicht spätestens am Morgen auffallen müssen?

Er hörte kaum, welche Sprüche Madame Pompfrey auf seine Freundin anwandte. Fuck, einfach Fuck! Was sollte er tun, wenn sich ihr Verdacht bestätigte? Irgendwie wusste er selbst nicht, was er bei dem Gedanken daran fühlte, geschweige denn was er fühlen sollte. Genauso wenig wie er wusste, was er von den Worten der Medihexe halten sollte.

„Das Ergebnis war nicht eindeutig, aber zumindest wissen wir nun, dass eine mögliche Schwangerschaft nicht der Auslöser für ihren Kreislaufkollaps war. Ich vermute vielmehr, dass es sich um einen leichten bis mittel-schweren Fluch handelt – wie auch immer sie mit ihm in Kontakt gekommen ist. Sofern sie nicht in den nächsten achtundvierzig Stunden aufwacht, werde ich eine Verlegung ins Mungos veranlassen.“

Nun, das beruhigte ihn nicht wirklich. Nachdenklich blickte er auf Hermines Hand, die er inzwischen fest mit seiner umschlossen hielt. Ein Fluch also? Aber welcher? Und wann? Frustriert stöhnte er auf. Warum, bei Merlin, konnte ihr Leben nicht ruhig verlaufen? Nicht wenigstens für einen einzigen Tag?! Er würde alles dafür geben. Salazar, und wenn der einzige Weg, sie in Sicherheit zu wissen der war, von heut auf morgen alle Brücken einzureißen und ein unauffälliges Muggelleben in einem beschaulichen Örtchen in der Pampa zu führen, dann würde er es tun!

Und noch mitten in seinen Überlegungen fiel ihm etwas auf. „Wie meinten Sie das? Dass das Ergebnis nicht eindeutig war?“

„Nun, Mr. Malfoy. Ein derartiger Test ist erst eindeutig, sobald sich die Blastozyste in der Gebärmutter eingenistet hat, was in Ms. Grangers Fall noch nicht so ist. Allerdings scheint die Möglichkeit zu bestehen, dass eine Befruchtung stattgefunden hat. Je nach dem, in welchem Stadium sie sich also gerade befindet, sollten wir bis spätestens nächste Woche wissen, ob ich ihnen beiden zu einer erneuten Elternschaft gratulieren kann.“


P.O.V. Hermine

Es war dunkel. Kalt.
Ihr Körper fühlte sich bleiern an – schwer – und trotzdem schien sie eine unbekannte Leichtigkeit zu umgeben. Wo war sie? Wie war sie hierher gekommen? Und wieso?
Fragen, die sie seit ihrem scheinbaren „Erwachen“ umtrieben. Fragen, auf die sie einfach keine Antwort fand.

Das Letzte, woran sie sich erinnerte war, dass sie sich ihren Sohn geschnappt hatte, um in die Große Halle zu gehen. Sie hatte dieses ewige Versteckspiel sattgehabt. Aber dann? Gähnende Leere.
Angestrengt versuchte sie, ihren Kopf zu drehen, irgendetwas in den tiefschwarzen Schwaden zu erkennen – vergeblich. Und mit jeder Sekunde, sie sie weiter bewegungsunfähig auf diesem nicht wahrnehmbaren Grund kauerte, stieg die Panik in ihrem Inneren. Nein, eigentlich hatte sie keine Angst im Dunkeln, aber das hier… das war anders. So unnatürlich. So fremd.

Wo war Scorpius? Wo war ihr Sohn? Eine derartige Furcht wie in diesem Moment hatte sie noch nie verspürt – nicht einmal, als sie den Greifern in die Hände gefallen waren. Verdammt, sie musste sich erinnern. Sie musste! Vielleicht… Vielleicht würde ihr ja einfallen, wie sie hierher gekommen und wo ihr Sohn geblieben war.

Verkrampft schloss sie die Augen, innerlich jede Macht anflehend, die ihr bekannt war, aber egal wie sehr sie sich bemühte, es blieb schwarz – oder? Nein! Ihr war, als bestünden ihre Erinnerungen in einem tief von Nebel gefangenen Labyrinth aus Türen, Nischen, Gängen und vorhängen, nur erreichbar, wenn sie die richtigen Wege beschritt. Nur welche waren es?

Unsicher tastete sie sich vor. Weiter und immer weiter – bis sie es sah. Ihre Lungenflügel bebten, als sie erleichtert aufatmen wollte, aber etwas stimmte nicht. Orientierungslos blickte sie sich um.

Die große Halle war voll, aber der sonst so übliche Lärm fehlte. Langsam wandte sie ihren Kopf. Verdammt! Was wurde hier gespielt? Alle, wirklich ausnahmslos alle Augen schienen auf ihr zu liegen. Auf ihr und… Draco? Sie spürte ihn. Seinen Arm um ihre Hüfte, seine Brust in ihrem Rücken und erst jetzt bemerkte sie den kleinen Blondschopf, der friedlich im Arm seines Vaters vor sich hin schlummerte.
Sie sah, wie sich McGonagall der jungen Familie näherte und eindringlich auf sie einsprach.
Warum hörte sie die Worte nicht? Merlin, sie wollte sich erinnern, aber das hier, das war etwas anderes.
Aber in ihrem Kopf… da war etwas! Natürlich! Sie war in die große Halle gegangen, mit ihrem Kind, und sie hatte es wirklich durchgezogen – jeder wusste von Scorp.

Irgendetwas war danach geschehen.

Der Raum verschwamm, nur um einem anderen Ort zu weichen. Eine Treppe. Sie fiel. War das der Grund, aus dem sie hier war? Plötzlich fuhr ihr ein Blitz durch Mark und Bein. War es möglich, dass sie sich bei einem Treppensturz verletzt hatte? Schwer verletzt? War das der Grund, aus dem sie nun hier war und ihren letzten Tag erneut vor sich sah.
Sie schluckte, ein geschocktes Keuchen unterdrückend. Einige Muggel glaubten, man würde im Sterben sein Leben ein zweites Mal durchleben. Andere sagten, es wartete nichts als Bodenlose Schwärze. Konnte es also sein?

Ein panisches Schnaufen erklang – sie begriff erst nach Sekunden, dass es ihres gewesen war. Sie durfte jetzt nicht hysterisch werden, verdammt! Wie wahrscheinlich war es schon, dass ihr wirklich etwas passiert war? Es ging ihr doch gut, nicht? Harry war gestorben und er hatte ihr erzählt, wie es in diesem „Zwischenreich“ ausgesehen hatte. Das hier entsprach dem mitnichten!

Sekunden verstrichen, Minuten, aber ein Aufprall kam nicht. Zitternd hoben sich ihre Lider und anders als bei den vorherigen Szenen konnte sie diese hier einfach nicht einordnen. Sie hörte die Stimmen, sah die ihr so vertraute Umgebung, spürte die weichen Sitzpolster unter sich. Merlin, selbst der Geruch war unverkennbar: Zitronig-süß – das Schulleiterbüro.

Ihre eigene Stimme erklang, dabei hatte sie gar nichts sagen wollen. Sie klang aufgebracht. „Warum ich? Es gibt so viele andere, die mit Sicherheit besser für diesen Auftrag geeignet wären. Wissen Sie eigentlich was Sie da von mir verlangen? Meine Freunde über Monate hinweg anzulügen – sie eventuell dadurch in Gefahr zu bringen?!“
Von sich selbst erschrocken starrte sie geradeaus, wobei ihr Blick auf drei Gestalten haften blieb, die sie in dieser Konstellation ewig nicht mehr gesehen zu haben glaubte.

Albus Dumbledore, Minerva McGonagall und Severus Snape. Und zu ihrer Linken… ein mürrisch dreinblickender Draco.

Ein nachsichtiges Lächeln auf den Lippen sah der ehemalige Schulleiter auf sie hinab, doch sie spürte Wut in sich aufsteigen. Wut? „Nun, manchmal ist das offensichtliche die beste Tarnung, Ms. Granger. Aber bei ihrer Vorgeschichte kann ich mir niemanden vorstellen, der in dieser Aufgabe fähiger wäre als sie beide. Und was Mr. Potter und Mr. Weasley angeht: manchmal schützen wir die, die uns wichtig sind, mehr, indem wir schweigen, vertrauen Sie mir.“

Eine solche Antwort war typisch für ihren Rektor, aber zu ihrer Beschwichtigung trug sie sicherlich nicht das geringste bei. Etwas, das auch McGonagall zu merken schien. „Ich denke, was Professor Dumbledore eigentlich sagen will ist, dass sie und Mister Malfoy wohl die letzten sind, denen man eine Zusammenarbeit zutrauen würde. Das sind ideale Voraussetzungen, Hermine. Sie sind clever, beide. Aber wenn es um ihre Freunde geht, ist die Gefahr zu groß, dass sie sich durch eine unbedachte Handlung verraten. Mit den Informationen, die sie geheim beschaffen, tragen sie hingegen wesentlich zu ihrer Sicherheit bei.“

„Warum lassen wir das nicht einfach? Ich muss meiner Kontaktperson vertrauen können – und umgekehrt. Es ist offensichtlich, dass Granger das niemals tun wird. Was soll das also?“ kam es von Draco, der sich mit einem entnervten Stöhnen weiter in seinen Sessel gleiten ließ und ihren eindringlichen Seitenblick dabei konsequent ignorierte.

„Ich bin mir sicher, dass sie beide sich mit der Situation arrangieren werden.“ Ertönte es unvermittelt schnarrend aus Snapes Richtung, wobei sein bohrender Blick dafür sorgte, dass keiner von ihnen wagte, erneut zu einer Entgegnung anzusetzen.


Ein erneuter Schauplatzwechsel riss sie aus der Umgebung und wieder war sie nicht allein. Nein, der Blonde war auch diesmal an ihrer Seite. Wie von selbst öffnete sich ihr Mund, als…
„Vorsicht!“ Geistesgegenwärtig wurde sie nach unten gerissen. Der Fluch verfehlte sie nur knapp. Merlin, was zum Henker…? Sie hatte keine Zeit, irgendetwas zu tun, als sie auch schon wieder auf ihre Beine gezerrt und durch die dunklen Gassen gezogen wurde. Sie war wie in Trance.

Immer wieder stolperte sie unkontrolliert, immer wieder schossen Flüche kaum eine Haaresbreite von ihren Köpfen entfernt vorbei, immer wieder parierte ihr Begleiter die Angriffe, während sie tatenlos daneben stand. Sie war heillos überfordert. Es konnten Minuten sein, die sie durch die Straßen hetzten, oder aber Stunden – sie wusste es nicht.
Selbst als sie letzten Endes in eine verlassene Scheune appariert waren, hätte sie nicht sagen können, wie viel Zeit vergangen war. Ein wutverzerrtes Gesicht schob sich in ihr Blickfeld.

Die grauen Augen funkelten zornig, als sie die gepresste Stimme des Slytherins vernehmen konnte. „Bist du eigentlich komplett hinüber?! Wenn ich sage lauf, dann läuft du und fragst nicht erst, wieso. Deine Bock-Aktion kannst du bei Potter bringen, aber ich habe keine Lust wegen deiner Starrsinnigkeit meinen Hals zu riskieren!“
Finster schloss er die Augen, atmete theatralisch tief durch und irgendwo in ihr ploppte die Frage auf, wann sie ihn zuletzt so gesehen hatte. So… affektiert.
„Es ist gut möglich, dass wir in den nächsten Monaten draufgehen, aber dann sollten Unfähigkeit und mangelnde Professionalität nicht der Grund dafür sein, kapiert? Nächstes Mal lasse ich dich stehen, verlass dich drauf!“

„Danke.“ Kaum es plötzlich rau von ihr, und es verwirrte sie nicht weniger als den Blonden selbst, der fragend die Augenbraue anhob – wie er es heute noch tat, ging ihr auf. „Was?“
Sie schluckte. „Danke. Dass du mir das Leben gerettet hast, meine ich. Ich… ich weiß, ich hätte auf dich hören sollen. Es tut mir leid.“

Und zum ersten Mal flackerte Unsicherheit in seinem Blick auf, als er seinen Kopf in einer unbestimmten Geste in ihre Richtung ruckte. Sie sah, wie er Anstalten machte, sich endgültig von ihm abzuwenden und ohne wirklich darüber nachzudenken stellte sie sich ihm in den Weg. Wieso? Keine Ahnung. War es schlau? Vermutlich nicht – und dennoch konnte sie einfach nicht anders. Kaum ein Blatt Papier würde jetzt noch zwischen sie passen. Schlagartig stieg die Spannung der Atmosphere an.

Etwas blitzte in seinen Augen auf, doch seine Haltung änderte sich nicht. „Lass es sein, Granger. Du weißt, was sie gesagt haben. Das macht alles kompliziert, also…“ „Ist mir egal! Wir sind alt genug.“


Schwindel überkam sie, sodass sie ihre Lider senken musste, doch als sie wieder aufblickte hatte sich die Szene abermals verändert. Wie oft würde es wohl noch geschehen? Wie lange wäre sie noch in diesem „Hier“ gefangen?

Sie sah sich um. Diesmal befand sie sich… in der Bibliothek? Merlin, was wollte sie hier? Sie erkannte die Regale, die im hinteren Teil des Saales zu verorten waren. Was suchte sie hier? Ihre Finger strichen zielsicher über die verschiedensten Buchrücken, zogen immer wieder von einer dicken Staubschicht bedeckte Exemplare hervor, nur um wenige Augenblicke später nach einem anderen Werk zu suchen. Medizinzauber. Was?

Es mochte inzwischen das elfte Buch gewesen sein, in dem ihr altes Ich fündig geworden zu sein schien. Langsam ließ sie sich am Regal hinuntergleiten, lehnte ihren Rücken an die schweren Regale, bevor sie das Buch mit zittrigen Händen aufschlug. Zittrig? Warum hatte sie auf einmal das Gefühl, als hätte man ihren Magen durch den Fleischwolf gedreht?
Ihre Augen flogen über das Register, ohne überhaupt zu wissen, wonach sie suchte, bis sie beinahe ferngesteuert die Seiten aufschlug, auf der sich der Artikel befand, nach dem sie so lange gesucht hatte. Schwangerschaftsdiagnose.

Ihr wurde übel, und obwohl sie sich denken konnte, wie der Zauber ausgehen würde, hielt sie unwillkürlich die Luft an, als sie ihr Handgelenk schwang.
Das Buch entglitt ihren Fingern.

Sie traute sich kaum die Augen zu öffnet, als sie plötzlich spürte, dass das Regal in ihrem Rücken etwas anderem, ungleich weicherem platzgemacht hatte. Eine Matratze? Schmerz raste durch ihre Glieder und blitzartig wusste sie, wo sie sich befand. Nicht etwa, weil sie sich erinnerte, nein, aber es war keine zwölf Stunden her, dass sie sich in genau dieser Situation befunden hatte, wenn auch im Traum.
Ihr Atem ging genauso flach wie in ihren „Erinnerungen“, die Schmerzen waren schier unerträglich  und ihre Kraft reichte kaum mehr, um den Press-Anweisungen ihrer Ärztin Folge zu leisten.
Die Zeit schien stillzustehen und trotzdem konnte sie nicht fassen, dass es urplötzlich einfach vorbei war.

Erschöpft sackte sie nach hinten, spürte am Rande ihres Bewusstseins Dracos Hand in ihrer, seine zärtlichen Küsse auf ihrer Stirn. Die Stimme der älteren Frau, die ihnen ihr Kind ankündigte, ließ sie ihre letzten Kräfte mobilisieren, um erneut die Augen zu öffnen.

Sie sah die Ärztin im hinteren Teil des Raumes, sah Dracos Gesichtsausdruck. Die Freude, den Schmerz, die Trauer.
Sie sah es… und plötzlich begriff sie.
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