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Long way to happiness

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Draco Malfoy Hermine Granger Scorpius Malfoy
21.05.2020
07.03.2021
42
149.348
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22.11.2020 4.269
 
P.O.V. Hermine


Fröstelnd presste Hermine ihre Jacke enger an ihren Körper, als ein kalter Windstoß sie erfasste. Sie wusste nicht, ob es wirklich die Temperaturen waren, die sie zittern ließen, oder ob nicht vielmehr ihr neu erlangtes Wissen eine Rolle dabei spielte. Er weiß es, Merlin, er weiß es! Immer wieder hallten die Worte durch ihren Kopf – unablässig. Und obwohl jetzt bereits mehrere Stunden vergangen waren, konnte sie dieses Gefühl, als wäre sie mit Eiswasser übergossen worden, einfach nicht richtig abschütteln.

Dracos Blick hatte Bände gesprochen, als er sie nach seinen Erzählungen fest in seine Arme gezogen hatte, und auch Harry und Ron schienen ihre Abneigung ihm gegenüber plötzlich vergessen zu haben. Vor ihrem geistigen Auge sah sie immer noch ihre Freunde, die wie zur Salzsäule erstarrt völlig paralysiert vor ihnen gesessen hatten. Sie waren geschockt – allesamt. Jeder von ihnen ging anders damit um: Ron verfluchte Lucius Malfoy, Harry und Draco diskutierten diverse Vorgehensweisen und sie… sie blieb stumm. Stumm und völlig fassungslos. Überfordert.

Lucius Malfoy wusste von der Vaterschaft seines Sohnes. Ein kalter Schauer jagte ihren Rücken hinab, als sie sich an die Worte erinnerte, die ihr Draco vor seinem Aufbruch mitgegeben hatte.

„… in ihm steckt nichts Gutes. Er ist ein Narzisst. Ein sadistisches Schwein, das es liebt, andere leiden zu sehen – selbst seine Familie…“

Und nun? Nun sah er in seinem Enkel das optimale Druckmittel, um seine Ziele zu erreichen .

„… ab diesem Punkt ist er selbst für mich unberechenbar…“

Sie schluckte. Es war ihr egal, inwiefern sie zur Zielscheibe werden würde, sobald Lucius alle Puzzleteile zusammengesetzt hätte – falls dies nicht schon längst der Fall war. Aber allein der Gedanke, Scorpius könnte auf der Abschussliste dieses Mannes landen…
Als Halbblut war ihr Sohn in seinen Augen nichts wert, das war jedem der Anwesenden klar, aber keiner konnte sagen, wie weit Lucius Malfoy wirklich gehen würde. Merlin, Scorp war sein Enkel! Wie gefühlskalt musste er sein, Draco mit dem Leben seines Sohnes zu drohen?

Die Wut bahnte sich ihren Weg, kochend heiß, denn so bitter es auch war – diese Frage kannte nur eine klare Antwort. Wer vor seiner eigenen Frau – seinem Kind – nicht Halt machte, der scheute auch keine Gewalt gegen den eigenen Enkel.

„Hermine? Ist alles in Ordnung?“ Ausdruckslos hob sie den Kopf, blickte direkt in Dracos graue Iriden, die sie sorgenvoll betrachteten. Mehrere Yards trennten sie bereits und erst jetzt bemerkte sie, dass sie schon wieder völlig in Gedanken versunken stehen geblieben sein musste.

Tja, war es das? War alles in Ordnung. In einem Anflug von Verzweiflung schüttelte sie den Kopf. Nein, nichts war gut! Ihr Sohn war in Gefahr, Draco und Narzissa litten – und all das nur, weil Lucius sie mithilfe korrupter Ministeriumsangestellter tyrannisieren konnte. Sie merkte nicht, wie sich eine Träne den Weg über ihre Wange bahnte. Sie hatte gekämpft, so lange, und trotzdem sah sie genau in diesem Moment… dass sie versagt hatte.
Die Erkenntnis traf sie hart. Ja, sie hatte versagt. Sie alle hatten das. Merlin, wofür hatten sie die Strapazen der letzten Jahre erduldet, wenn sie doch ohnehin keinen Einfluss auf irgendetwas hatten? Wofür hatte sie ihre Familie aufgegeben, wenn sie auch jetzt nicht sicher waren? Wofür hatte sie ihr Leben riskiert?

„Hör auf, sowas zu denken! Du hast nicht versagt. Der dunkle Lord ist tot, die Todesser in zahlreiche Grüppchen zersplittert, wenn sie nicht verhaftet oder ebenfalls umgekommen sind.“ Seine Worte entkamen dem Blonden energisch, doch sie glaubte ihm nicht. Sie konnte ihm nicht glauben.

Sie schluckte schwer, als die Verzweiflung sich ihren Weg bahnte. „Wir waren so naiv. Ich… ich habe wirklich geglaubt, wir hätten diese Ungerechtigkeit beseitigt, aber...“ Ihre Worte brachen ab. Es gab dem nichts mehr hinzuzufügen!
Nun, offenbar sah Draco das anders. Mit schnellen Schritten kam er auf sie zu, ihre Umgebung für einen Moment vollkommen ignorierend, bis er wenige Zentimeter vor ihr verharrte. Sie musste den Kopf in den Nacken legen, um ihn anzusehen.

„Kein Mensch, egal wie bekannt oder bedeutend er ist, hat die Macht, allein alles Negative aus der Welt zu verbannen, Hermine. Auch kein goldenes Trio – kein Phoenix-Orden. Es müssten so viele von uns helfen oder auf ihre eigenen Vorteile verzichten. So weit wird es vermutlich niemals kommen, denn dafür ist der Mensch viel zu egoistisch. Ich urteile nicht darüber, aber dir muss klar werden, dass du nicht versagt hast.“

Sie spürte die warmen Innenflächen seiner Hände, die sich rau an ihre Wangen schmiegten, und schloss die Augen. Wahrscheinlich hatte er recht. Merlin, sicher hatte er das, aber… aber das machte es nicht unbedingt einfacher, es zu akzeptieren.

Ein mattes Lächeln schlich sich auf ihre Lippen, als sie seinen Blick zu erwidern begann. „Okklumens?“ Ein ertappter Ausdruck machte sich auf seinem Gesicht breit und sie konnte nicht anders als zu schmunzeln. „Ich hoffe doch, das wird kein Regelfall, Mister Malfoy.“

Pikiert starrte er sie an, während sie spürte, wie er sich plötzlich versteifte. „Hey, was denkst du denn von mir? Wenn du dreimal über Pflastersteine stolperst, immer wieder stehen bleibst und sogar eine Abzweigung verpasst ist eindeutig nicht alles gut. Ich hab mir nur Sorgen gemacht!“

„Das weiß ich doch. Ich bin dir auch nicht böse, solange du es nicht tust, um mich auszuhorchen oder zu kontrollieren – und ich weiß, dass du das nicht tun würdest. Nimm mich doch nicht immer so ernst.“ Beruhigend legte sie ihm eine Hand auf die Schulter, doch gleichzeitig begann es in ihr zu rumoren, als sie seinen rastlosen Blick auffing. Warum war es immer so unsicher, sobald es um sie ging? Was hatte sie getan, dass er ihr Wort manchmal derart auf die Goldwaage zu legen schien?

Kurz kam ihr der Gedanke, dass dies möglicherweise eines der Dinge war, auf die sie heute Abend eine Antwort erhalten würde, doch gleichzeitig fragte sie sich, ob sie das wirklich wollte. Irgendwann ja, aber hatte sie an diesem Morgen nicht schon genug gehabt?

Diesmal klang ihre Stimme wesentlich rauer, als sie sich an ihren Partner wandte: „Komm, lass uns weitergehen.“ Sanft umfasste sie seine Hand und setzte sich erneut in Bewegung, doch nach wenigen Schritten bemerkte sie, dass er ihr gar nicht folgte. Irritiert sah sie ihn an.

„Wir sind da, Hermine.“ Ungläubig ließ sie den Blick über ihre Umgebung zurück zu Draco wandern, doch sein Gesichtsausdruck blieb ernst. Hermine schluckte.

Die Straße, auf der sie sich gerade befanden, war schmal und uneben und lag weit abseits der gut besuchten Hauptadern. Die meisten Ecken lagen im Schatten, ungeachtet der Uhrzeit. Die Fassaden der teils maroden Blockhäuser waren von Rissen durchzogen, Putz bröckelte, und hier und da konnte man zweifelhafte Graffitis ausmachen.
Merlin, niemand, der sich in diese Gegend verirrte, bewegte sich in sicheren Kreisen, so viel stand fest! Überall stank es nach Abfall und anderen Dingen, über die sie lieber überhaupt nicht erst nachdenken wollte.
Und ausgerechnet hier sollten sie richtig sein?

Ein Quietschen ließ sie zusammenzucken, bis sie bemerkte, dass das Geräusch scheinbar von der schiefen Holztür ausging, die zu ihrer Linken wie ein offener Schlot im Mauerwerk klaffte. Bröckelnde Backsteine, abgerissene Fensterläden und ein kaum schließender Eingang. Ja, dieses Haus passte perfekt in seine Umgebung.

Diesmal war es ihr Begleiter, der Hermine bestimmt in Richtung ihres augenscheinlichen Ziels führte. Dass er dabei nicht minder reserviert dreinblickte, wie sie es vermutlich ebenfalls tat, half ihr im Moment kaum, sich selbst zu beruhigen. Und seine Worte… die taten es ebenso wenig. „Na dann mal auf in den Kampf.“


P.O.V. Draco

Nervös umfasste er Hermines Hand fester, während er mit seiner anderen die Tür öffnete. Er spürte, wie die Gryffindor unter dem Läuten der Türglocke zusammenzuckte und für einen Augenblick war er überlegt, sie aufzuziehen um sie irgendwie aufzulockern, doch er konnte es nicht. Der Eingangsbereich des Hauses schien leer zu sein – ein Anblick, den er sich bereits erhofft hatte, als ihm die unbeleuchtete Neonanzeige am Äußeren des Gebäudes aufgefallen war.
Die Theke im hinteren Teil wirkte seit längerem ungenutzt und auch die zahlreichen Plastikpflanzen wurden inzwischen von einer leichten Staubschicht bedeckt.

Entgegen des äußerlichen Scheins war das Innere der Unterkunft durchaus gepflegt. Etwas, womit Hermine ihrem überraschten Laut nach zu urteilen nicht gerechnet hatte. Kein Wunder. Eine Herberge wie diese würde man wohl kaum in derart verrufenen Gegenden Londons vermuten. Es passte einfach nicht zusammen.

Die hellen Laminatböden, das moderne Mobiliar in Holzoptik, die in hellen Erdtönen gehaltene Sitzlandschaft zu ihrer Rechten. Alles hier stand im krassen Gegensatz zu der Welt außerhalb, die geradezu nach Nachtleben, Kriminalität und Unsicherheit schrie.

„Was ist das hier?“ konnte er die Frage der Brünetten vernehmen, allerdings war er sich nicht sicher, ob sie auch wirklich eine Antwort erwartete. War es nicht auch offensichtlich? Die Anmeldung, das ausladende Schlüsselbrett, in dem zahlreiche der aus Messing gefertigten Türöffner nummeriert aufgereiht hingen, der Wartebereich und die schmalen Treppen, die sich unbeirrt an den verschlossenen Räumen mit der Aufschrift „privat“ vorbeischlängelten.
Auch Hermine musste inzwischen klar sein, weshalb sie hier waren.

„Ein Hotel?“ Unbestimmt ruckte er mit dem Kopf, als ihm nicht einfiel, was er sonst hätte sagen können. Es war eine Aussage ihrerseits, keine Frage, da war es sich sicher.

Er spürte ihren verwunderten Blick auf sich, doch er reagierte nicht darauf. Vielmehr zog er seine Begleitung zur Treppe, sein aufsteigendes Unwohlsein so gut es ging ausblendend. Oh, er ahnte sehr wohl, was ihm gleich blühen würde und er war absolut nicht scharf darauf.
Auch Hermine schien zu bemerken, dass ihm die knarzenden Treppenstufen beinahe wie die Begleitmusik zu seiner Hinrichtung vorkamen und für den Bruchteil einer Sekunde hätte er schwören können, ein belustigtes Schimmern in ihren Augen zu sehen.
Salazar, warum? Warum war er heute so? Warum hatte er es so lange prokrastiniert? Und warum, Merlin nochmal, hatte er sich so eine Sadistin angelacht?

Ein unzufriedenes Knurren entkam ihm. „Glaubst du wirklich, du kommst besser weg als ich?“
„Ehrliche Antwort: Ja!“ Oh, er sah es ganz genau! Sah, wie sie sich innerlich vor Lachen weghauen könnte, und der einzige Grund, warum er es für den Augenblick unkommentiert hinnahm war, dass es sowohl ihn als auch sie selbst ablenkte – wovon auch immer. „Warum hier?“

„So neugierig?“ entgegnete er brummend, doch ihre Antwort kam prompt und trocken. „Immer doch.“

Er konnte verstehen, dass es ihr schwerfiel zu begreifen, was sie ausgerechnet hier suchten. Dabei schien ihr nicht aufzugehen, dass genau das der Grund war. „Genau darum! Wer würde einen Malfoy schon in einer Absteige in diesem Gebiet vermuten? Du musst selbst zugeben, dass du eher in einem Nobelhotel suchen würdest als hier.“ Noch im Reden bog er ab, folgte dem Gang weiter, bis er schließlich vor einer unscheinbaren Tür hielt. Tief atmete er durch.

„24?“
„Scorpius Geburtstag.“ Hermine nickte stumm, bevor sie ihm bedeutete, anzuklopfen. Verdammt! Allmählich wurden seine Hände schwitzig und sein Atem ging schneller, als er unsicher seine Faust hob, doch noch bevor er auch nur Anstalten machen konnte, anzuklopfen, wurde die Tür auch schon aufgerissen. Vollkommen perplex blickte der Blonde auf den Zauberstab, der nur wenige Zentimeter vor seinem Hals verharrte. Er schluckte.

„Ich freue mich auch, dich wiederzusehen, Mutter.“

~⦁●⦁~

Keiner schien wirklich zu wissen, was er sagen könnte, als sie alle keine zehn Minuten später in Narzissas Zimmer saßen. Dass seine Mutter ihn und Hermine wortlos nebeneinander auf das kleine Sofa verfrachtet hatte, nur um ihnen anschließend eine Tasse Tee in die Hand zu drücken, hatte ihn zwar zeitweilig davor bewahrt, der Blonden zu beichten, dass sie ihren „Konflikt“ bereits vor wenigen Tagen beigelegt hatten, doch diese Information hing nach wie vor wie ein Damoklesschwert über ihm.

Merlin, Narzissa würde ihn dermaßen zur Schnecke machen, weil er es ihr nicht direkt erzählt hatte. Manchmal war seine Mutter anstrengend. Sehr anstrengend sogar.

Er wusste, dass Hermines Blick immer wieder zwischen ihnen hin und her wanderte, genauso wie er wusste, dass Narzissa ihn mit ihrem geradezu durchbohrte. Konzentriert rührte er in seiner Tasse, als könne er damit die kommende Unterhaltung aufhalten. Vergeblich.

„Wann hattest du vor, es mir zu sagen, Liebling?“ Ertappt zuckte er mit den Schultern. Merlin, seine Mutter nervte, aber er würde seine Zunge hüten, es auszusprechen. Er kannte diesen Ton – sehr gut sogar. So zuvorkommend…

„Dann eben anders: Wie steht ihr jetzt zueinander? Redest du mit mir oder soll ich Miss Granger auspressen? Vielleicht muss man ihr ja nicht immer alles einzeln aus der Nase ziehen.“ Gequält schloss er die Augen. Er wusste, dass sie jedes Wort ernst meinte – und dass er ihr Hermine besser nicht überlassen sollte. Wer wusste schon, was sie der Brünetten alles über ihn erzählen würde? Seine Mutter liebte es abgöttisch, ihn zu blamieren, da war er sich sicher.

„Merlin, Mutter! Wir sind Eltern eines gemeinsamen Sohnes. Alles andere“ fest blickte er Hermine in die Augen, „wird sich entwickeln.“
Das hoffte er wirklich. Er wollte nicht, dass die letzte Nacht etwas Einmaliges blieb – ein Ausrutscher. Aber hier und jetzt war wohl kaum der richtige Zeitpunkt, etwas Derartiges zu diskutieren.

Wieder richtete er seine Worte an die ältere der Frauen. „In den letzten Tagen ist viel passiert, Mutter. Wenn ich ehrlich bin, hat es einen anderen Grund, dass wir hier sind.“

„Und der wäre?“ Er hörte ihre Neugier, aber auch ihre unterschwellige Besorgnis deutlich heraus. Eigentlich war es verwunderlich, dass der sprechende Hut Narzissa Black in ihrer Kindheit nicht nach Gryffindor eingeteilt hatte – immerhin wies sie viele der entsprechenden Attribute auf.
Kurz tauschte er einen zögerlichen Blick mit Hermine aus, die ihm aufmunternd zunickte. Er wollte das hier nicht. Er wollte seine Mutter nicht weiter belasten, aber… seine Freundin – wenn er sie als solche bezeichnen konnte – hatte recht.

Narzissa verdiente die Wahrheit. Die Wahrheit darüber, was Lucius verlangte – von ihm. Laut räusperte er sich, bevor er zu einer Antwort ansetzte. „Es… Es geht um Lucius.“
Zum zweiten Mal an diesem Tag erzählte er von den gestrigen Begebenheiten und wieder sah er, wie sein Gegenüber mit jedem Wort blasser wurde. Es tat weh, die Panik in den Augen seiner Mutter aufflackern zu sehn. „Ich will dich nicht mit in diese Sache reinziehen, aber du verdients es, Bescheid zu wissen.“

Empört schüttelte sie den Kopf, doch er sah hinter die Fassade. Innerlich brach seine Mutter mit jeder Hiobsbotschaft ein Stück mehr. Sie waren sich in dieser Beziehung so ähnlich! Womit sie am wenigsten umgehen konnten, war Machtlosigkeit – das Gefühl des Ausgeliefertseins. „Mich nicht mit hineinziehen? Junge, es ist nicht deine Aufgabe, mich zu schützen. Wenn dieser Mann sich mit uns anlegen will, dann soll er das tun. Ich habe ihm oft genug entgegengestanden, als dass ich jetzt einknicken würde. Es war eine Illusion zu glauben, es wäre vorbei.“

Es war das erste Mal, dass sich auch die Brünette in ihre Unterhaltung einbrachte, obwohl sie mit sich zu hadern schien. Mit sanfter, verständnisvoller Stimme redete sie auf Narzissa ein und Draco konnte nicht anders, als sie für ihre Ruhe zu bewundern. „Misses Malfoy.“
„Narzissa!“

„In Ordnung. Narzissa, ich bewundere Ihre Stärke, wirklich! Sie haben viel mitgemacht, aber in dieser Sache wäre Ihr Eingreifen vermutlich eher hinderlich. Lucius will Ihre gesamte Familie brechen. Bitte bieten Sie ihm keine unnötige Angriffsfläche.“

„Meine Liebe, ich meinte damit, dass du mich ruhig duzen sollst. Du bist die Mutter meines Enkels und wenn mein Sohn sich nicht dumm anstellt bleibt es hoffentlich nicht nur bei einem.
Ich sehe sehr wohl, dass er eigentlich nur wegen dir hier ist, aber ihr braucht mich. Ich bin ebenso Zeugin wie ihr, und wenn jemand weiß, wie diese Person tickt, dann bin ich das. Ich…“

Erschrocken fuhren sie zusammen, als plötzlich ein Pochen an der Tür erklang. Draco erstarrte. „Erwartest du Besuch?“ Seine Mutter schüttelte bloß den Kopf, doch er hatte bereits mit dieser Antwort gerechnet. Wen sollte sie schon erwarten? Ihre Reaktion bei seinem Auftauchen war unmissverständlich gewesen. „Bleibt hier, ich sehe nach.“

„Warte, ich…“ kam es konsterniert von Hermine, doch er bedeutete ihr mit einer schnellen Handbewegung, leise zu sein. Er wusste genau, was sie vorhatte und er würde es nicht zulassen. So leise wie möglich setzte er sich in Bewegung, näherte sich der Tür immer weiter. Seine Gedanken jagten.
Logisch gesehen gab es nur einen Grund, aus dem sich die Person hierher verirrt haben dürfte – sie war ihnen gefolgt. Warum sollte sie sonst genau an diese Zimmertür klopfen? Er schluckte, während das Rauschen in seinen Ohren zunahm. Kurz verfluchte er, keinen Spion in die Tür gezaubert zu haben, doch nun war es zu spät.
Es blieb ihm nur eins – das Überraschungsmoment.

~⦁●⦁~

„Ich kann nicht fassen, dass du mich dazu überredet hast!“

„Oh, ich bitte dich! Hast du ihren Blick nicht gesehen?“

„Sie hat Nein gesagt!“

„Und manchmal meint eine Frau Ja, selbst wenn sie Nein sagt!“

Entnervt stieß Draco die Luft aus seinen Lungen. Ja verdammt, er wusste selbst, wie kompliziert Frauen waren, aber das…?
Seit einer halben Stunde diskutierte er nun mit Hermine, ob es die richtige Entscheidung gewesen war, seine Mutter allein zu lassen. Allein mit Shaklebolt. Ein Schauder rann ihm über den Rücken. Die Frage, wer von ihnen wohl am verwirrtesten geschaut hatte, als plötzlich der Zaubereiminister vor der Tür gestanden hatte, wäre allein schon schwer genug zu beantworten. Das Hermine nun auch noch felsenfest davon überzeugt war, dass seine Mutter einem Gespräch unter vier Augen zustimmen wollte, wobei ihr weiblicher Stolz es nicht zuließ, machte die ganze Situation kaum angenehmer.

Merlin, warum spukte Kingsley plötzlich durch ihr Leben?
Draco glaubte schon lange nicht mehr, dass sie sich bloß trafen, weil sie alte Schulkameraden waren, und die Tatsache, dass der Dunkelhäutige allein mit seiner Mutter reden wollte, vernichteten all seine Hoffnungen, sein Besuch könnte mit Lucius Verurteilung in Verbindung stehen.

In einem Anflug der Beleidigtseins schüttelte er Hermines Hand ab, doch offenbar blieb die junge Frau davon recht unbeeindruckt, als sie sich kurzerhand einfach auf seinem Schoß niederließ.
„Hör auf zu schmollen!“ nuschelte sie leise an seinen Hals, während sie ihn mit einem Dackelblick vom feinsten bedachte. Resigniert stöhnte er auf. „Warum sind Frauen so kompliziert? Könnt ihr nicht einfach sagen, was ihr auch meint?“

„Und es euch so leicht machen? Niemals!“ ihr gelöstes Lachen sorgte dafür, dass sich auch seine Mundwinkel hoben. Sanft zog er sie näher zu sich, bevor er sich in die Polster des Sessels zurücksinken ließ. Noch warteten sie im Foyer des Hauses auf Narzissa, doch allmählich bezweifelte er, dass sie so schnell auftauchen würde. Mühsam zwang er sich, seine Gedanken in geordneten Bahnen zu halten – sich nicht auszumalen, was seine Mutter möglicherweise gerade tat. Salazar, irgendwie wurde ihm komisch!

„Sollen wir nicht langsam zurück? Ich will unser Glück nicht überstrapazieren. Am Ende werden wir Scorp neu erziehen müssen, weil Blaise und Pansy all meine mühsam erarbeiteten Fortschritte zunichtemachen.“
„Du kannst froh sein, dass ich mich Pansy ausgeliefert habe, statt dich in dein Verderben laufen zu lassen. Nachher kommst du nicht so leicht davon, das sollte dir klar sein.“

Gefrustet vergrub er das Gesicht in ihrer Halsbeuge, doch ihr Gekicher machte jede Hoffnung auf Mitleid zunichte. „Selbst schuld!“

Einige Sekunden verstrichen, in denen keiner von beiden ein Wort von sich gab, doch Draco spürte die veränderte Stimmung, als Hermine sich vorsichtig auf ihm zurücklehnte. „Wir… wir haben hier vielleicht den letzten ruhigen Moment.“ Er wusste genau, worauf sie hinauswollte. Unwillkürlich verkrampfte er sich, doch er widersprach nicht. Merlin, er war nicht dumm. Sie würde sich eh nicht davon abbringen lassen, also…

„Du hast mein Versprechen. Frag, was du willst.“ Seine Kehle war mit einem Mal so trocken, während sein Herz in der Brust raste. Er hasste diesen Tag! Er hasste ihn Innig, aber… gleichzeitig stieg ein Funken Erleichterung in ihm auf, so als wolle ein winziger Teil in ihm reden.

Hermine war vorsichtig, zurückhaltend, und das, obwohl sie sein Wort hatte. Unzufrieden brummte er auf, was sie als Aufforderung zu verstehen schien. „Du hast gesagt, ich wollte es. Also, dass du meine Erinnerungen löschst. Wie war das gemein?“

„Wie du schon gesagt hast – du wolltest es. Es war sicherlich nicht meine Idee.“ Er hoffte inständig, sie würde seine Worte nicht falsch auffassen, doch Hermine schien gerade etwas ganz anderes zu beschäftigen.

Er sah sie an, sah, wie sämtliche Verknüpfungen ihres Gehirns zu arbeiten begannen. „Und du hast es einfach gemacht?“ Er wusste, es war kein Vorwurf, aber… warum fühlte es sich wie einer an? Warum stach die Frage in sein Herz wie tausende kleiner Scherben?

„Merlin, nein! Ich habe alles versucht, dich davon abzubringen, aber…“ verzweifelt raufte er sich die Haare, als er sie sanft aber bestimmt von sich schob. Er brauchte Abstand! „Scorpius war kaum einige Stunden alt und… es war keine einfache Zeit für uns, okay? Du hast mich schwören lassen, dass ich alles tun würde, was du verlangst, um unseren Sohn zu schützen. Ich… Ich wusste nicht, dass es ein unbrechbarer Schwur war. Und ich wusste nicht, was du verlangen würdest.“

Er spürte ihren verständnislosen Blick auf sich. Er konnte das nicht. Er konnte das nicht! Umstandslos sprang er auf, tigerte gehetzt durch den Raum. Sein puls raste, ihm wurde heiß, während seine Lungenbläschen scheinbar nicht mehr in der Lage waren, genügend Sauerstoff zu binden. Schweiß rann über seine Stirn, als er rastlos durchs Foyer schritt, Hermine, die nun selbst aufgestanden war, ignorierend. „Warum hab ich es von dir verlangt?“

„Alles weiß ich auch nicht.“ Er schluckte schwer, ließ den Blick schweifen, bevor er zu erzählen begann. Seine Stimme klang monoton, doch irgendwie… half es ihm? Es schaffte Distanz. „Im fünften Schuljahr fand der Kampf in der Ministeriumsabteilung statt, erinnerst du dich? Das war noch bevor wir wirklich etwas miteinander zu tun hatten, aber…
Du hast damals etwas gesehen. Eine Prophezeiung, die dich betroffen hat – ich glaube sogar, dass es darin um die Sache im Manor ging… Bellatrix.“
Er musste abbrechen. Die Sache? Merlin, seine Tante hatte keine Sachen gemacht, sie hatte Hermine gefoltert! Erbarmungslos. Hätte niemand interveniert… er wusste genau, was gefolgt hätte – wenn auch vermutlich erst Tage später. Seine Machtlosigkeit mischte sich mit seiner Wut und er verspürte plötzlich einen nie gekannten Drang, auf etwas einzuschlagen.

Schweratmend schloss er die Augen, zwang sich dazu, sich zu beruhigen. Es konnte es in Hermines Augen sehen. Fuck! Sie sollte keine Angst haben – nicht vor ihm! Er versuchte sich zu sammeln, nahm die Erzählung erst wieder auf, als er vollkommen sicher war, sich und seine Stimme kontrollieren zu können.
„Du hast mir davon erst in der Schwangerschaft erzählt. Prophezeiungen können nur zutreffen, wenn man daran glaubt. Du hast immer gesagt, du bist stärker, aber… nach Scorpius Geburt hattest du Angst, dass es wahr wird. Du wusstest, dass es genau deshalb auch so kommen würde.“ Erneut schluckte er, bevor er fest ihren Augenkontakt suchte – zum ersten Mal, seitdem er ihr endlich die Wahrheit zugestand, die sie verdiente.
„Du hattest panische Angst davor, sie könnten in deinen Gedanken etwas von uns erfahren, also… sollte ich dafür sorgen, dass es niemals so weit kommen konnte – dass sie nichts finden konnten.“

Reglos blieb er stehen, als sie sich ihm mit vorsichtigen Schritten näherte. So vieles flackerte durch ihren Blick. Unglaube, Wut, Verzweiflung und Fassungslosigkeit. Er war geschlagen! Salazar, sie könnte alles mit ihm machen – ihn anschreien, auf ihn eindreschen, ihn mit Nichtachtung strafen. Hauptsache sie verließ ihn nicht.
Für einen Moment hasste er sich dafür, so schwach zu sein, ihrem Blick kaum standhalten zu können, doch er wusste, dass dieser Hass nichts im Vergleich zu dem war, den er aufgrund seiner Tat auf sich spürte. Jeden Tag – seit damals.

Dieser Hass, den auch sie nun auf ihn haben musste. Er hatte sie verloren. Kurz zuckte er zusammen, als sie ihre Hand hob, schloss ergeben die Augen, als er spürte… wie sie die Hand an seine Wangen legte und… ihn küsste? Verwirrt stand er still, unfähig zu reagieren, als er ihre Stimme vernahm. Leise, gebrochen. „Es tut mir so leid!“

Ein Schluchzen erklang und er realisierte erst nach wenigen Sekunden, dass es ihres war. Sie… weinte? Unsicher schlang er seine Arme um sie, presste sie fest an sich, als auch sie sich fallen ließ. „Das ist alles meine schuld. Es tut mir so leid!“ Perplex schüttelte er den Kopf, doch se nahm es nicht war, bis er ihren Kiefer sanft umschloss und ihr Gesicht in seine Richtung drehte.

„Das stimmt nicht und das weißt du auch. Du hattest deine Gründe…“

Erstickt keuchte sie auf. Er sah, wie sie krampfhaft darum bemüht war, sich wieder zu beruhigen, doch er akzeptierte es. Sie sollte sich vor ihm nicht verstellen. Sie sollte nicht immer die Starke spielen. „Du wirst mir nicht erzählen, welche Gründe du meinst, oder?“

Gepresst lachte er auf, doch ihrem Blick nach zu urteilen bemerkte Sie den Schmerz in seiner Stimme nur zu deutlich. „Hermine, es war eine schwere Zeit. Offen ausgesprochen eine echt abgefuckte. Wir mussten Leben nehmen, um als Spione zu überleben. Wir waren monatelang praktisch isoliert – vor allem du. Was damals alles passiert ist… ist auch heute noch schwer für mich. Aber ich will dich nicht in etwas werfen, aus dem ich dir nicht heraushelfen kann! Ich muss manches erst selbst verarbeiten, bevor ich so für dich da sein kann, wie du es verdients.“

„Und wer ist für dich da?“ Eine einfache Frage und doch so viel mehr. Genau aus diesem Grund liebte er sie, aber… er hatte sich entschieden. Jetzt musste er der Starke sein! Er würde ihr Halt geben – immer!

Ein letztes Mal blickte er ihr tief in die Augen, ehe er seine schloss und tief durchatmete. Langsam wand er sich ab und schritt zurück zur Sitzinsel, auf der ihre Jacken ausgebreitet lagen. Vorsichtig half er Hermine in ihre, bevor er seine eigene anzog. Liebevoll schob er ihre Mütze zurecht, dann ihren Schal, bevor er blind nach ihrer Hand tastete. Beschwichtigend strich sein Daumen über ihren Handrücken, als er sie sanft in Richtung der Tür zog. „Komm, lass uns zu unserem Sohn.“
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